Beiträge von magali

    Na, nu, ganz am Anfang hat er sich auch mal zu anderem geäußert.
    Ernsthaft: Forumsleben im alten Sinn ist Vergangenheit.
    Manches hat sich verlagert, viele sind weggewandert, vielleicht hat sich einfach diese Art von Kommunikation überlebt. Keine Ahnung.
    Es ist einfach Schluß. Finis Poloniae.
    Einen Weg zurück gibt es nicht, im Leben nicht und auch nicht im Internet.


    Ich schau hier auch nur rein wie in ein altes Kinderzimmer, in dem ich mal gern gespielt habe.
    So ist das.
    'Wechsel ist das Los des Lebens' sagt Fontane, den Du genauso gern liest wie ich.
    Wo er recht hat ...


    Was geblieben ist, ist das Eulenforum als Multiplikator. Für Rezensionen, für die Werbung von Büchern.
    Hat auch sein Gutes.


    Muß man akzeptieren. Alles andere ist Gespensterjagd.


    Gute Nacht!
    :-)


    magali

    Zitat

    Original von Voltaire


    Denen scheint das Forum als solches völlig egal zu sein - sie versuchen lediglich dieses Forum für ihre eigenen egoistischen Interessen zu nutzen.


    Look, who's talking. :grin



    Definiere 'normales Forumsleben'.
    :-)

    Hast Du gut gemacht, ich habe die Live-Übertragung direkt gehört.
    So ein schöner Küsten-Zungenschlag. :lache


    Der Moderator war auch zahm. Mir ist er ja oft zu väterlich, aber damit kommt er bei Dir wohl nicht weit. ;-)


    Das Buch klingt interessant. Ist bestimmt auch ein gutes Geschenk.


    Viel Erfolg dafür!



    :wave


    magali

    Prombär


    ich habe ewig nichts mehr geschrieben bei Wikipedia, aber es gibt, so weit ich weiß, immer die Möglichkeit, dort jemanden über den Wikipedia Chat zu erreichen. Es gibt einen Artikel dazu, Wikipedia Chat. Dort steht auch der Link zum Chat.


    Es kann sein, daß Du in den Autoblock gerutscht bist, wenn Du bei einem Provider bist, der mit dynamischen IPs arbeitet.
    Heißt: Du hast bei Deinem Besuch eine IP bekommen, die vorher jemand hatte, die/der Schindluder getrieben hat (oder jemandem bei Wikipedia auf den Schlips getreten ist) und deswegen gesperrt wurde.
    Das gilt dann auch rückwirkend, vom Augenblick der Sperrung an.
    Das passiert Unbeteiligten immer wieder mal.


    Vielleicht hilft das?
    Viel Glück!



    magali

    Ich muß hier doch nachfragen:


    willst Du mit der Wiedergabe Deines damaligen privaten Emails hier öffentlich erklären, daß Du es richtig findest, wenn Menschen andere Menschen wegen ihres Glaubens verfolgen, nur damit eine bestimmte Glaubensrichtung 'lebendig' bleibt?


    :help

    Ich bin entschieden für Optimismus. Das heißt ja noch lange nicht Naivität.
    Ein Ende der Rattenfänger-Geschichte sehe ich allerdings so bald nicht. Ganz abgesehen davon, daß so manche Vision vom vereinigten Europa genauso Rattenfängerei ist und romantisches Gesülze.
    Es geht hier um harte Interessen. Die EU hat eine Menge VerliererInnen auf ihrem Konto, Millionen Menschen in vielen Ländern. Und nicht nur europäischen. Wenn man das in die Waagschale wirft, sieht es nicht schön aus mit der Bilanz.


    Ein Ende des UK?
    Na, nu.
    Das ist vertrackt.
    Den baltischen Staaten oder denen auf dem Balkan wurde Selbständigkeit ja als Wunderdroge angepreisen. Warum nicht Schottland?
    Und wenn Nordirland sich mit der Republik zusammenschließt, wäre endlich dieses abscheuliche Relikt von Kolonialismus aus Europa verschwunden.
    Eigentlich gut, oder?


    Andererseits wäre das mit Schottland wieder ein Rückfall in den 19.-Jahrhundert-Nationalismus. Wie auf dem Balkan ...
    Und Ulster verlöre die -wenn auch eingeschränkte - Selbständigkeit, die sie dort so lieben.
    Es gibt auch das Szenario, daß sich Ulster mit Schottland zusammenschließt. Da gibt es ja auch alte Besiedelungsverbindungen. Sind die in Ulster nicht eigentlich Schotten?
    Ist das jetzt wieder nationalistisch? Gar rassistisch?
    Vertrackt.
    ;-)

    Rumpelstilzchen


    ja, es ist ein Elend.
    Sich damit, wie die Gesellschaft, in der eine lebt, verfaßt ist, auch politisch auseinanderzusetzen, ist nicht sehr verbreitet. Aber das ist eben eine der Herausforderungen, die man annehmen muß, wenn man nicht in einer Diktatur leben will. Das Leben des Menschen, der die selbstverschuldete Unmündigkeit hinter sich lassen, wird nun mal verflixt anstrengend.


    Und wenn man das erkannt hat, bleibt einer auch nichts übrig, das wieder und wieder zu sagen. Auch zum siebenhundertdreiundsechzigsten Mal.
    Ich finde es auch nicht lustig, aber was hilft's?
    Ich finde es gut, daß Du darüber aufklärst, was in Wahlprogrammen so alles steht.


    SiCollier


    zu Deiner Demokratie-Diktatur:
    Reine Mehrheitsentscheidungen sind eine hakelige Angelegenheit. Das ist aber bekannt und es ist kein Grund, so etwas von vornehrein abzulehnen. Es ist eine Möglichkeit, die manchmal paßt, manchmal eben nicht.


    Daß das, was seit einigen Jahren hierzulande unter 'Demokratie' läuft längst nicht das Gelbe vom Ei ist, ist auch klar.
    Man muß immer darüber reden.



    zu England:


    der Verursacher des Ganzen war Cameron. Es war nicht die Bevölkerung, die ihn zu einer Volksabstimmung gezwungen hat. Er hat mit dem Feuer gespielt, weil er Angst vor Stimmenverlust an die ganz Rechten hatte. Er hat unüberlegt gehandelt, irrational.
    Ein Diktum der bügerlichen Politik lautet ja, daß man auf Populismus nur mit Populismus reagieren kann. Geschieht hierzulande auch, in Richtung AfD wird ebenfalls kräftig gefischt.
    Ich halte das für eine dumme Einstellung, irrational und von Ängsten geleitet, unreif.
    Warum hier jetzt auf WählerInnen rumgehauen wird, verstehe ich nicht. Die PolitikerInnen sind auch nicht geschieter, besser, wissender.


    Was das Argument angeht, diejenigen, die für den Austritt stimmten, hätten sich nicht überlegt, was dann aus GB wird:
    ganz so war es nicht. Klar gab es viele, die aus Protest, Frust, Nationalismus, Rassissmus so abgestimmt haben.
    Aber natürlich gab es Szenarien, wie die Zukunft aussehen wird. Jede Menge udn jeder Couleur. Von England als künftiges Armenhaus Europas über putzig-plüschige Träume von der Rückkehr in ein England des 19. Jahrhunderts so zwischen Manchester-Kapitalismus und süßen kleinen Cottages, rosenumrankt hinter Feldhecken (und Inderfrei!) bis hin zu Überlegungen, ob England in einer zerfallenden EU nicht eine Art Steueroase werden kann oder gein europäisches Singapur, war alles da.


    Nur etwas Genaues kann man nicht sagen. Den Fall, der jetzt anliegt, gab es so noch nie. Hier wiederholt sich Geschichte für einmal nicht. Hier geschieht etwas Neues.
    Und wir können sagen, wir sind dabei gewesen.

    Ein paar Hinweise.


    @sapperlot


    kannste knicken, daß hierzulande die braven BürgerInnen kapieren, was 'Volksabstimmung' heißt. Zu viele Jahrhunderte Obrigkeitsdenken, das ist schon fast genetisch verankert.
    Wir arbeiten daran.


    Zum Rest:


    Eine Volksabstimmung ist weder ein Allheilmittel, bloß weil 'Volk' davorsteht, noch eine Maßnahme von Satan persönlich über die nichtsahnende Menschheit gebracht.
    Es ist ein Versuch, möglichst viele Menschen an einem Entscheidungsprozeß zu beteiligen. Es ist ein Versuch, Demokratie umzusetzen.


    Für 'Demokratie' gibt es kein Rezept, das immer gelingt, keine Paragraphen, kein Wort irgendeiner Göttin, es ist immer ein Versuch.
    Das bedeutet auch, daß man hinnehmen muß, wenn einer mal etwas falsch erscheint.
    52% derjenigen, die in GB abgestimmt haben, haben eine Entscheidung getroffen.
    Wie, bitte, kann man auf die Idee kommen, das jetzt rückgängig zu machen?
    Daß das alles durchweg IdiotInnen sind?
    Wer so denkt, möchte bitteschön ihr/sein eigenes Verständnis von Demokratie überprüfen. Gründlich.


    made
    Die zweieinhalb Millionen sind die, die angeblich die Petition unterschrieben haben.
    Ab 1 Million, glaub ich, muß sich das Unterhaus damit befassen.
    Aber ehrlich: es wird so lange abgestimmt, bis das rauskommt, was mir paßt?
    Was'n das für'n Kinderkram??



    Was die EU betrifft, stelle ich hier ein Informationsdefizit fest, das mich erschüttert.
    Die EU, so wie sie tätig ist, tut exakt das, wozu sie da ist.
    Woher nehmt ihr die seltsame Vorstellung, daß das 'ein Bündnis für Frieden' ist?
    Weil ein paar europäische Länder nicht aufeinander schießen?
    Na, dafür schießen sie woanders rum.
    Heutzutage muß man global denken. Es ist nicht in Ordnung, wenn hier Frieden herrscht auf Kosten anderer in Ländern, die weit weg liegen von uns.
    Aber bitte das ist nur meine Ansicht.


    Der Sinn hinter der EU ist, einen gemeinsamen Wirtschaftsraum zu bauen und zu erhalten und sich dadurch neben anderen Großmächten die Ausbeutung der Länder zu sichern, die sich nicht wehren können. In Europa und außerhalb. Weil mehrere Länder gemeinsam stärker sind als eins allein. Aber der Blick gilt der Aufteilung der Welt. Nichts sonst.
    Diese EU ist nicht 'reformierbar'.
    Refomieren wozu? Wohin?
    Eine von nationalen Parlamenten unkontrollierbare Zentralbank, eine nicht zu zügelnde Administration sind in den Veträgen festgelegt. Lest Ihr die nicht?
    Das ist nicht undurchschaubar, das ist nicht unverständlich, diese Dokumente sind öffentlich zugänglich.
    Sie zu studieren erfordern halt einen gewissen Zeitaufwand und Energie.
    Welchen Aufwand seid ihr bereit für 'Demokratie' oder 'Freiheit' zu treiben? Wie viel eurer Zeit ist euch das wert?


    SiCollier


    ich bin froh, daß offenbar wenigstens einer hier begriffen hat, daß das Problem CETA ist und nicht nur TTIP.



    Noch mal zur Entscheidung Großbritanniens:


    im Vertrag von Lissabon, der übrigens enorm wichtig ist, ich kann die eingehende Lektüre samt Für und Wider nur empfehlen, egal, wieviel Zeit das kostet, also in diesem Vertrag ist endlich auch der Austritt eines Mitgliedsstaats geregelt. Zumindest das Verfahren an sich. (Art. 50)


    Also: Großbritannien tut nichts Unrechtes noch Falsches. Der Fall ist vorgesehen. Alles im grünen Bereich.
    Es tut nur mal was, was noch nie passiert ist.


    Wer sich im Moment unreif benimmt, sind die Damen und Herren in politischen Ämtern, von national bis EU.
    Kindergarten. Rachsüchtig, kleinlich, pubertäres Gehabe, Rumgeheule, Gejammer.
    Peinliches Schauspiel, das.


    Einfach mal durchatmen. Die Insel ist nicht weggeschwommen. Meine Güte, die hatten noch nicht mal den Euro. Dafür siebentausend Sonderregeln.
    Übrigens haben sie vor 41 Jahren schon mal, auch im Juni, btw, über ihren Verbleib in der EU abgestimmt. Damals war das noch die EWG.



    Politik ist ein Prozeß. Alles ändert sich ständig. Mündige BügerInnen sind die, die am Ball bleiben. Es ist anstrengend, es kostet Zeit. Man muß aktiv bleiben, rund um die Uhr.
    Aber es gibt nur die Wahl zwischen Bürgerin oder Untertanin.
    Das zumindest ändert sich nie.
    Ganz sicher.
    Ist doch beruhigend, oder?



    :wave


    magali

    Danke für die Klärung.
    Das ist wirklich ein Unterschied zu 'Müdigkeit', 'Geglückter Tag' und 'Stiller Ort'. Die drei sind echte Essays mit einem ordentlichem Schuß philosophisch-denkerischem Spazieren.
    Nicht Mäandern, wohlgemerkt. Handke weiß exakt, was er tut.


    Ich brauche jedes Mal sehr lang für die Lektüre, aber diese Zeit ist mir auch wichtig. Sie verändert meinen Blick grundlegend, ohne daß ich genau bestimmen kann, wie. Am ehesten kann ich sagen, daß er schärfer wird. Oder meine ich 'genauer'?
    Hm.


    Handke bringt mich zum Denken via der Schönheit = Präzision der Sprache.
    Mehr kann ich nicht verlangen, oder?
    :-)


    Probier mal 'Geglückter Tag' bei Gelegenheit. 'Müdigkeit'ist seltsam schwebend, ich fand's schwer faßbar, obwohl es sehr sachlich-klar dagerkommt. Nicht im mindesten müde.
    Mein Liebling ist 'Stiller Ort', kein bißchen abschreckend.
    Andererseits ist 'Stille' rundum mein Thema.


    Jedenfalls stehen die 'Pilze' nun ganz oben auf der Anschaffungsliste. :help



    :wave


    magali

    Ja, klar. Muß ja auch sein.
    Aber es ist einer von denen, um die es schade ist. Weil er so wunderbar auf das Buch und den ganzen Kontext - Streit um Handkes Position in der Serbienfrage - hinweist. Der 'Fehler' war richtig tiefsinnig.
    Zuweilen ist das Unbewußte in den Fingerspitzen nahezu genial.


    :wave


    magali

    Aah!
    Du hast es gelesen. Cool.
    Und es ist mehr erzählend als die anderen? Wobei ich 'Jukebox' nicht kenne, das Thema reizt mich so gar nicht.
    Nicht mal von Handke. :wow
    Dabei finde ich seine Art, die Welt in Wort zu übersetzen, unwiderstehlich. :gruebel


    Faszinierend finde ich übrigens Deine Betitelung der morawischen Nacht.
    Eine Verschreibung, die mitten ins Schwarze trifft.
    Handke ist ansteckend.
    :lache


    Danke für die Rezi!


    :anbet

    Ella Enchanted – Gail Carson Levine


    Ella, einzige Tochter des Kaufmanns Peter von Frell und seiner Frau Eleanor, könnte ein ziemlich sorgloses Leben führen, hätte eine Fee ihr nicht eben dieses Leben durch einen Wunsch mit Haken verdorben. Ella ist dazu verurteilt, umgehend und punktgenau zu gehorchen, sobald ihr jemand eine klare Anweisung gibt. Ihre entsetzte Mutter konnte sie nur insoweit schützen, als daß sie Ella verboten hat, diesen schrecklichen Segen jemals zu erwähnen. Dem Zufall aber bleibt Ella ausgeliefert und das macht ihr Leben schwierig, je älter sie wird. Sie rebelliert gegen den Fluch, doch das hilft nichts. Ebenso wenig kann ihr die gute Fee helfen, die seit langer Zeit ihre Hand schützend über Haus und Familie Frell hält.
    Als Ellas Mutter stirbt, schickt ihr Vater sie in ein Mädchenpensionat. Eine unsympathische Mitschülerin, die Tochter einer guten Bekannten von Ellas Vater, stolpert über das Geheimnis. Ella, die schon sehr unter dem Tod ihrer Mutter leidet, erkennt, daß nur noch eines hilft, nämlich die Suche nach jener Fee, die ihr Leben so unglücklich gemacht hat. Also stürzt sie sich ins Abenteuer.


    Die Geschichte ist eine moderne Version des Aschenputtel-Märchens und ihre Grundidee ist unwiderstehlich verführerisch. Leider hält die Lektüre nichts von dem, was die Idee verspricht.
    Die Erzählweise ist schwerfällig, der Witz bemüht, viele Details einfach nur platt. Ella spricht, aber sie beschreibt viel zu viel und hängt Episode an Episode an Episode. Die Wendungen in Handlungsverlauf sind deutlich gewollt, nichts ist organisch, nichts ergibt sich handlungslogisch. Das einzige Gerüst ist das des alten Märchens, aber Levine schreibt zielsicher an den Haltepfosten vorbei und sucht ebenso zielsicher die schwächsten Zweigchen als Halt aus.


    Die Figurenzeichnung ist bescheiden. Die Guten sind über Gebühr gut, die Bösen böse. Männer haben grundsätzlich recht, selbst wenn die im Unrecht sind, wird ihnen das nicht wirklich angekreidet, daß sie sich einmal für etwas entschuldigen, was sie verbockt haben, scheint im Kosmos von Levine nicht vorzukommen. Frauen sind entweder lieb und gütig oder Karikaturen. Stiefmutter und Schwestern sind eher verdreht, als echte Bedrohungen. Das wird vor allem fatal, als die Geschichte auf die Lösung zuläuft.
    Die Stellen, an denen Ellas Ausgeliefertsein an machthungrige Gleichaltrige geschildert werden, gehören zu den besten, hier wird die Hilflosigkeit deutlich, die Kinder und Jugendliche empfinden, wenn sie gemobbt werden. Das ist hin und wieder beklemmend genug, daß man auch als erwachsene Leserin die Ausweglosigkeit spürt.


    Die Verbindung zwischen Levines eigener Geschichte und dem Märchen hakt im weiteren Verlauf immer mehr. In der zweiten Hälfte des Buchs kommt einer Levine regelrecht unwillig vor, ihre Geschichte zugunsten des Märchens zurückzustellen. Die Aschenputtel-Versatzstücke sind demensprechend merkwürdig oder wirken gleich ganz fehl am Platz, z.B. das überraschende Finden der Schuhe aus Glas.
    Was die Ausgestaltung ihrer Fantasy-Welt angeht, so hat Levine eine Menge guter Ideen, aber wieder verbleibt sie beim Beschreiben und Abhaken von Episoden. Sie hat deutlich Tolkien gelesen und füllt die Seiten mit Versatzstücken verschiedener erfundener Fremdsprachen, die die Heldin natürlich bald fließend beherrscht, vornehmlich, um die Leserin damit zu nerven.
    Die präsentierte Version von Magie, kleine und große, die man wirken darf oder nicht als Fee, ist allerdings bescheiden und die Ausrede etwa der guten Fee, warum sie Ella nicht grundlegend hilft, peinlichst rückwärtsgewandt, sprich: nur nicht einmischen, es könnte etwas passieren. Auch das, was die ‚böse‘ Fee letztlich zum Einlenken bewegt, wird nur behauptet, aber nicht erzählerisch eingesetzt.


    Ella ist als modernes Mädchen gezeichnet, mit eigener Meinung und einem eigenen Kopf. Zugleich muß sie die romantischen Heldin sein, klar daß das schiefgeht. Der Prinz wiederum ist so verständnisvoll, rücksichtsvoll, wohlerzogen und überhaupt eine Verkörperung aller Tugenden, daß er den Orden für die langweiligste männlichste Hauptfigur verdient, die es seit langem gab. Merkbefreit ist er außerdem, er ist nämlich der einzige weit und breit, dem einfach nicht auffällt, daß mit seiner Angebeteten etwas nicht stimmt und sie darunter leidet. Der Briefwechsel zwischen den beiden gehört in kitschig-süße Schmonzetten und paßt weder zu Levines eigentlicher Geschichte noch zum Märchen.


    Die Lösung schließlich ist nicht mehr nur altmodisch, sondern regelrecht antiemanzipatorisch, daß sie aus dieser bis dahin mäßig gelungenen Fantasy-Geschichte für junge Mädchen einfach nur ein schlechtes Buch macht. Verzicht auf das eigene Glück, ah, die wahre Seligkeit des Weibs! Die Bezahlung folgt gleich auf dem Fuß, die falsche Münze des rosakitschigen papiernen Glücks. Jane Eyre war moderner. Und der Roman erschien glatte 150 Jahre zuvor.


    Banaler Unsinn. Für ein Jugendbuch von 1997(!) einfach ärgerlich.



    Ich habe die englische Taschenbuchausgabe gelesen.

    OT: Vinternoveller 2014



    Die drei Erzählungen dieses schmalen Bands sind durch den Titel derart schlicht zusammengefaßt, daß man unweigerlich neugierig wird zu erfahren, was es mit dieser Banalität auf sich hat.
    Nichts Banales, das ist schon nach zwei Sätzen klar, egal, mit welcher Geschichte man beginnt. Zweimal stehen junge Frauen im Vordergrund, in der dritten ein Mann.
    Alle drei stecken in einer schwierigen Situation, ausgelöst durch ihre Lebensbedingungen und die Entscheidungen, die sie deswegen getroffen haben. In der Regel ging es bisher schlecht aus für sie. Nach anfänglichem Glück, in der Familie, in einer Partnerschaft, kam die Schläge, die einer das Leben versetzt. Trennung, Scheidung, Tod, Verschlimmerung sensibler psychischer Zustände. Was alle drei gemeinsam haben, ist eine gewisse Zähigkeit, mit der sie weiterleben. Das geschieht aber eher der Spur nach, fast blind, um sich kreisend. Das hat sie bisher einfach nur von einer Patsche in die nächste gebracht hat. Davon erzählen sie rückblickend, während sie gerade wieder einmal auf eine Katastrophe zuzusteuern scheinen.


    Rishøi bleibt nah bei den Figuren, man hört tatsächlich drei verschiedene Stimmen. Die momentanen Schwierigkeiten, mit denen die drei fertig werden müssen, sind ungewöhnlich. Alexas Mutter etwa hat kaum noch Geld in der Tasche, das Kind aber fordert sie energisch auf, einem Bettler etwas zu geben. Die sehr junge Frau weiß, daß die Fünfjährige recht hat, will ihr aber unbedingt verschwiegen, daß ihr Vater nicht mehr zahlt. Das ist nicht das einzige Problem, die Kleine hat, wieder einmal, die Hosen naß gemacht, die Temperaturen sind eisig. Almosen, neue Unterhosen, Busfahrkarte, eigentlich reicht das letzte Geld für nichts davon. Was tun? (Wir können nicht allen helfen)
    Thomas, eben aus dem Gefängnis entlassen, erwartet seinen kleinen Sohn. Er würde ihm gern ein neues Kopfkissen kaufen, aber er hat Probleme, mit fremden Menschen umzugehen und scheitert brutal im Bettenhaus. Als er eine alte Freundin trifft, läßt er sich nur zu gern zu einem Bier einladen. Aber eigentlich will er endlich ein guter Vater sein. (Der wahre Thomas)
    Rebekka, ca. siebzehn, bringt ihre viel jüngeren Geschwister in Lebensgefahr, weil sie sie unbedingt in ein Paradies retten will, und sich weigert, einzusehen, daß es das im Leben nicht gibt. (Geschwister)


    Rishøi setzt der Kälte, die in den Geschichten sowohl jahreszeitlich bedingt als auch im Leben ihrer Figuren herrscht, einen Augenblick menschlicher Wärme entgegen. Der Moment kann alles ändern, wenn die Angesprochenen bereit sind, sich darauf einzulassen. Das ist nicht im Mindesten sentimental. Es ist auch nicht weltverändernd. Es wirkt nur für den Augenblick, läßt die Geplagten aber noch einmal aufatmen. Für die, die den Hoffnungsmoment schaffen, ist die Anstrengung ebenso groß wie die, die es die EmpfängerInnen kostet, die Gabe anzunehmen.
    Geben mag seliger sein denn nehmen, aber es ist im Alltag auch mit Schüchternheit und eigenen Ängsten verbunden. Gut sein, menschlich handeln nicht zu überhöhen, kein HeldInnentum daraus zu machen, ist einer der ungewöhnlichen Gedanken, die die Autorin hier ausarbeitet.


    Geschrieben und erzählt wird schlicht, auch wenn manche Sätze lang sind oder sogar verhakelt, vor allem bei Rebekka, weil das Mädchen eben überkompliziert denkt. Man folgt der inneren Logik der Figuren sofort, bleibt aber etwas distanziert, weil die Autorin das drohende Unheil immer wieder durchblitzen läßt. Es geht um grundsätzlich moralische Fragen, die im Alltag dauernd auftauchen, die man jedoch gern übersieht. Zutrauen und Mut, kleine Schritte, eine grundsätzliche Freundlichkeit und das Bemühen, nicht nur die schlechten Erfahrungen zum Maßstab aller Dinge werden zu lassen, sind der Kern, um die Rishøi ihre Geschichten kreisen läßt. Vorhersehbar ist nichts, im Gegenteil, man folgt falschen Fährten im Schnee. Die Erleuchtung trifft die Leserin ebenso unvermittelt wie die Figuren.


    Das Buch war meine Wahl beim diesjährigen Indie-Book-Day. Es ist auf den ersten Blick so unauffällig gestaltet wie sein Titel, was sich rasch als pure Raffinesse herausstellt. In graues Leinen gebunden, ziert angedeuteter Schneefall Vorder – und Rückseite, im Schnee eine frischgezogene Spur. Von Menschen, für Menschen.
    Eine Kurzbiographie der Autorin (mit Bild) und ein Lesebändchen (lila!) gibt es auch. Übersetzt aus dem Norwegischen hat es Daniela Syczek.
    Eine echte Entdeckung aus einem hochinteressanten kleinen Verlag.

    Meine TB-Ausgaben von Fontanes 'Vor dem Sturm' und Arnold Zweig 'Der Streit um den Sergeanten Grischa' auch = Aufbau Verlag, aber ich finde ide Ausgaben bei amazon nicht, obwohl sie erst vor wenigen Jahren erschienen sind.
    :rolleyes


    Jugendbücher haben hin und wieder Seitenzahlen oben an den Seiten, vielleicht kommst Du in den nächsten Tagen in einer Buchhandlung vorbei?



    :wave


    magali

    Ja, es gibt noch Zeichen und Wunder im Bereich Literatur. Ich war ganz verblüfft.
    Die Automaten wären ein Schmuckstück für Buchhandlungen und auch für Veranstaltungsorte. Vielleicht beißen ja noch einige an.

    Interessierte können sich ja bis dahin mit dem Konversationslexikon, der Wundertüte u.a. behelfen.
    Die Preise sind zivil, Neugier wird von so manchem etabliertem Verlag mitunter weit härter bestraft, so mit 22 Euro, wenn man Pech hat.
    :grin



    :wave


    magali

    Diese Veranstaltung habe ich beim müßigen Surfen, vulgo Herumdaddeln am PC entdeckt. Leidgeprüft über die Jahre verdrehe ich üblicherweise die Augen, wenn ich Kleinstverlag, unabhängig und frei lese, am besten garniert mit kreativ und innovativ. Dafür habe ich einfach zu viele Bücher gelesen.


    Hier aber war zum einen nicht nur die Verlags-Website fertiggestellt, sie hatte neben einiger Bestätigung aller meiner längst vielfach bestätigten Vorurteile, einen Ton, der mich neugierig machte. Sowie ein Gadget, wie man auf deutsch sagt, nämlich den Glückstext-Automaten. (Ja, ich habe zuerst auch ‚Glückskeks‘ gelesen). Der Glückstext-Automat sieht aus wie eine grobere Version der Kaugummiautomaten meiner Kindheit, die mit dicken Kugelkaugummis in ungesunden Farben und den Prinzessinnenringen aus Blech, mit kleinen Autos und Plastiktierchen an Häuserwänden darauf warteten, Kinder glücklich zu machen. Glücklich werden wollen wir schließlich alle, also trabte ich los.


    Veranstaltungsort war die Karl-Marx-Buchhandlung, seit Jahren befreit vom Buchhandel (leider), seit einem Jahr Veranstaltungsort. Die Räume sind immer noch wunderschön, die eingebauten Holzregale ein Genuß für alle, die altmodische Bibliotheken lieben. Ganz buchfrei sind sie nicht, sondern mit einem wilden Sammelsurium von Büchern gefüllt, in denen man bis zum Veranstaltungsbeginn herumblättern und sich sogar festlesen kann. Für Buch-AbstinenzlerInnen gibt es eine Bar.


    Die Präsentation/Lesung war eher spärlich besucht, vornehmlich vom FreundInnen-Kreis des Autors, (was zu erwarten war), das aber den Applaus herzlicher und die Atmosphäre heimeliger machte. Moderiert wurde das Ganze von Vanessa Remy, die den Veranstaltungsort managt.
    Die Moderation war munter, familiär und höchst lustig, bedingt durch eine umfassende Unbefangenheit im Reden über Bücher, Schreiben, Autoren und was so überhaupt irgendwie zu Kunst gehört. (‚Die haben da eine ganz gute Uni in Hildesheim, glaube ich, für, wie nennt man das, kreatives Schreiben.‘)


    Dieser unverkrampfte Umgang hatte im weiteren Verlauf tatsächlich etwas Befreiendes und als der junge Verlagsgründer und Autor zum Lesen seiner Texte gebeten wurde, brauchte er eigentlich gar nicht mehr dazu auffordern, ‚daß ihr euch ganz locker fühlt‘, die allgemeine Lockerheit hatte sich längst eingeschlichen.


    Schmelzer (Jg. 1988) schreibt Kurztexte. Angeregt von Augenblicksmomenten oder Augenblicksgedanken, formt er Texte, die nur wenige Abschnitte lang sind. Spontan. wie der Einstieg kam, spinnt er seine Sätze weiter, bis der Augenblick vorüber ist. Dann folgt der nächste Einfall, der nächste Abschnitt. Kommt nichts mehr, ist der Text zuende. Das Ergebnis sind in Maßen pointiert formulierte, fast ausschließlich assoziativ geprägte kleine Prosastücke mit philosophischem Einschlag. Der Tenor ist freundlich, menschenfreundlich, hin und wieder etwas belehrend, humorvoll. Gelegentlich blitzt Witz auf, Geistreiches, allerdings gilt die Liebe des Autors dem 19. Jahrhundert, nicht dem 18.
    Er sieht sich als Pionier, Gedankenentdecker, vielleicht, auf jeden Fall Spaziergänger auf Pfaden aus Einfall, Nachdenken und Sprache, die noch keiner so betreten hat. Die Neigung zum 19. Jahrhundert spürt man immer wieder in der Wortwahl, es tauchen ältere, seltene auch absonderliche Wörter auf. Schön!


    Sein Hauptwerk ist zur Zeit das ‚Konversationslexikon‘, ein Büchlein(!) mit 45 Texten, das zum endgültigen Beweis der Unabhängigkeit den Titel nicht auf der Vorderseite, sondern nur auf dem Buchrücken trägt. Vorne steht etwas anderes. Hinten auch.
    Vorgezogen habe ich aber die Gedichte, eine Sammlung von acht einzelnen Seiten, etwas größer als Postkarten, zusammengehalten von einem blauen Seidenbändchen links oben. Das Band ist natürlich handgeknotet und lang genug für Zuwachs, ein wenig wie Whitmans ‚Leaves of Grass‘. (Aber so denken nur Menschen, die abgebrüht sind im Umgang mit Literatur). Im Unterschied zu dieser berühmten Sammlung sind Schmelzers Gedichte begleitet von Illustration von Lars Möller, die so perfekt dazu passen, daß man es kaum für möglich hält, daß Autor und Illustrator sich nicht schon ein Leben lang kennen. Ich habe selten so eine ideale Kombination gesehen.


    Für weitere faszinierende Unternehmungen suche man die Website des Verlags auf, die Wundertüte, etwa, oder die gemeinsame Schreibaktion ‚Symphonie der Großstadt‘. Die Unabhängigkeit, die der kleine Verlag proklamiert, gibt es wirklich. Hier lebt Literatur. Das Ergebnis ist nicht immer rund, nicht immer überzeugend, aber immer anregend, zuweilen aufregend und ganz sicher spannend. Auf jeden Fall ist es etwas ganz, ganz anderes.
    Natürlich habe ich später dann meine Münze in den Automaten gesteckt, den Griff gedreht und meine dicke Kugel (Plastikhülle! Muß das sein??) aus dem Fach gefischt. Und bin glücklich geworden.