Beiträge von magali

    Das Buch fand ich, höflich gesagt, für die Tonne.
    Das soll Sapkowski sein?
    Das soll Geralt sein? Das ist ein triebgesteuertes Alphamännchen, das alle paar Seiten ordentlich zulangen darf, entweder beim Prügeln/Morden oder beim Sex. Die ehemals witzigen, oft ironischen Dialoge sind dummen, fäkallastigen Sprüchen gewichen. Die Figuren haben keine Konturen, nicht die Guten, nicht die Bösen. Rittersporn nervt, nervt, nervt. Koralle ist eine Lachnummer.
    Die 'Intrigen' sind Kinderkram. Bevorzugtes erzählerisches Mittel ist der Holzhammer.
    Okay, es soll vor den ersten Bänden spielen. Vielleicht war Geralt einfach noch in der Pubertät. Der Autor war ganz sicher nicht bei der Sache.


    Das ist keine Sapkowski-Geschichte, sondern ein unlustig zusammengerührtes, albernes Spektakel.


    Die Enttäuschung des Jahres bisher. Das zu unterbieten wird schwer.




    :wave


    magali

    Hannah ist Ende zwanzig, sie möchte Journalistin werden. Als freie Mitarbeiterin arbeitet sie schon jahrelang für Zeitungen, nur mit der Festanstellung hat nie geklappt. Jetzt bietet sich eine neue Chance: ein sechsmonatiges Volontariat mit der Aussicht auf mögliche Festeinstellung. Das Problem: Hannah lebt in Österreich, die Redaktion ist in Berlin. Zweites Problem: Hannah lebt mit Jakob zusammen und dieser hat als Kinderarzt im örtlichen Krankenhaus eine feste Stelle. Hannah möchte selbständig sein, aber die Entscheidung für Berlin wird zu einer Entscheidung gegen Jakob. Vorübergehend, denkt Hannah. Hofft, wünscht. Oder auch nicht. Wer weiß das so genau.


    Die Geschichte ist ein Debüt, ein Kurzroman von nicht einmal 150 Seiten. Gösweiner spürt Hannah nach, einer jungen Frau, die sicher ist, daß sie mit ihrem Leben anfangen kann, was sie möchte. Daß alles möglich ist, jederzeit, und die sich gründlich irrt. Als Leserin ist man dementsprechend nah an der Hauptfigur, allerdings so richtig nah kommt man ihr nicht. Ihre Empfindungen, ihr Schreck über das Abgelehntwerden, ihre Zukunftsängste, Orientierungsprobleme sind spürbar, aber wie abgedämpft, hinter einem Schleier. Daß sich Hannahs Ängste körperlich dann auch noch in Atemnot äußern, ist eine Metapher, die nicht zur Verstärkung des Charakters beiträgt.
    Schwach macht den Text auch, daß ein Gutteil der Handlung konkret in Berlin verortet wird und Zeilen geschunden werden mit Namen von Straßen, Plätzen und einschlägigen Cafés.


    Das Hin– und Herschwanken zwischen Wünschen und Scheitern, dem Anspruch und der Realität dagegen ist weit überzeugender geschildert. Was eine bei dieser Geschichte packt, ist die Beschreibung einer Befindlichkeit junger Menschen, die unentwegt danach haschen, eine bestimmte Vorstellung vom Leben real werden zu lassen, ohne sich nähere Gedanken über die Gegebenheiten zu machen. Das Leben als unentwegte Chance auf etwas, von dem sie bei genauerem Nachfragen selbst nicht wissen, ob das Etwas über den nächsten Tag hinausreicht.
    Bald schon entpuppen sich die Figuren als nicht im mindesten heutig, nicht einmal modern. Tatsächlich suchen sie Zusammengehörigkeit, Verläßlichkeit, Sicherheit in einem Maß, das man von Kindern erwartet. Vorstellungen von Verantwortung, sich Einlassen, etwas Geben, die Erwachsene entwickelt haben sollte, fehlen dementsprechend. Liebe wird prompt zur Falle, Selbständigkeit nur eine Form von Einsamkeit.


    Nicht ganz gelungener, aber wegen der streckenweise sehr realistischen Umsetzung und der gekonnt vorgetäuschten Leichtigkeit beim Erzählen empfehlenswerter Debütroman.



    :lache


    Sweetums, an Dich war nicht dran zu kommen bei dem Ansturm.
    Beim nächsten Mal. Es wird eins geben, never fear.
    Und ein Krikelkrakelgruß steht in Deinem kleinen Gästebuch.


    :wave


    magali

    Ja, doch, es war gemütlich. Gegen zwanzig Uhr wurde es auch sehr warm. :grin


    Die Räumlichkeiten des Medienpoint Tempelhof sind absolut winzig, ich habe es eben noch geschafft, einen Stuhl zu ergattern. Man saß dicht an dicht.


    Neugierig war ich vor allem, Charlies Stimme zu hören. Faszinierend. Ich hörte eine deutsche Muttersprachlerin mit einem sanften englischen Akzent (und zwei, drei anderen, spurenweise). Vo allem ist Charlie eine gute, gute Vorleserin ihrer Texte. Man merkt ihr die Liebe zu ihren Worten wie zu ihren Figuren an.
    Erzählen kann sie auch gut, ich hätte gern noch mehr zum Umfeld gehört.
    Tatsächlich waren die Textauszüge zu lang, es gibt da Zäsuren, die man wirksamer einsetzen könnte. Die Zuhörerinnen ( es waren fast ausnahmslos Frauen, die drei? Männer summiere ich einfach darunter) waren trotzdem sofort gebannt.
    Ich hatte allerdings das Pech vor zwei Besucherinnen zu sitzen, deren Mund-Abschalt-Funktion deutlich außer Betrieb war. Charlies Umgehensweise mit Störungen und ihre Geduld dabei kann ich nur bewundern. Wäre ich da vorne gewesen, ich hätte etwas geworfen.


    Zu den Romanauszügen gab es ein bißchen Musik, die Charlie mitgebracht hatte, eine echte Gasmaske und Bilder, die die Historkerin vom Dienst, Ulrike Stutzky auf Wink der Autorin zeigte. Das machte das Ganze lebhaft und chaotisch genau in dem Maß, das liebenswert ist. Schon nach wenigen Minuten herrschte trotz Nervosität vom Podium eine familiäre Atmosphäre.


    Charlies Romane kenne ich nicht, verschenke sie allerdings auf Wunsch. Ich hoffe, ich bin absolviert? :lache


    Ararat hat mich insofern überrascht, als es kein historischer Roman an sich ist, sondern vor allem darum geht, in schweren Zeiten einer sehr schwierigen Liebe zwischen zwei hochkomplizierten Menschen nachzuspüren. Charlie macht das mit Offenheit, äußerster Akribie und mit der selbstgestellten Aufgabe der Wahrheitssuche, die vor nichts zurückschreckt, auch nicht dem Schmerzlichsten.


    Der Pimm's mit von der Autorin eigenhändig geschnippelten Zutaten roch appetittlich. Getrunken habe ich keinen, ich mußte noch U-Bahn fahren.


    Natürlich wurde auch das schöne Projekt 'Writers of Mesopotamia' nicht vergessen, das Körbchen mit winzigen Geschnenken gegen Spende ist eine prima Idee.


    Ich habe den spontanen Einfall, mich gestern abend an den Teltower Kanal zu begeben, nicht bereut. (Obwohl die Stühle nach ca. einer Stunde die Hölle waren!)



    :wave


    magali

    Ich lese am Schreibtisch.
    Das habe ich als Kind und Jugendliche schon gemacht. Später habe ich andere Orte ausprobiert, Bett, Couch, Lesesessel mit Tischchen daneben. In den letzten Jahren bin aber wieder an den Schreibtisch zurückgewandert. Für Bücher.
    Zeitungen und Zeitschriften lese ich am Küchentisch.
    Bei mir wirkt offenbar die Tischplatte. Sobald ich an einer sitze, habe ich Lust, etwas zu lesen und zwar beträchtliche.


    Tageszeit ist unwichtig, allerdings mag ich keine lauteren Geräusche in meiner Nähe, ich lese also nicht mit Musik. Bin ich mal im Buch, stört mich kaum noch etwas, meine Konzentrationsfähigkeit ist ziemlich hoch.
    Ich setze mich auch zum Lesen hin, wenn ich müde bin, Müdigkeit verfliegt bei mir beim Lesen.


    Leseflauten habe ich auch. Aber für ein paar Seiten wirkt der Schreibtisch immer.



    :wave


    magali

    Ein heißer Sommer im Messina der 60er Jahre. Der zehnjährige Gigi erlebt das Ende seiner Kindheit im Schoße einer echt sizilianischen Großfamilie: Nonna Maria erzählt Gruselgeschichten, Nonno Filippo bewegt sich auf einmal nicht mehr, die Weinlese artet in ein großartiges Festmahl aus, und immer liegt der Duft von Knoblauch und Tomatensoße über den sonnendurchfluteten Hinterhöfen ? Als jedoch ein folgenschwerer Unfall geschieht, beschließen Gigis Eltern, ins ferne, kalte Deutschland auszuwandern. Das bunte, tragikomische Panorama einer einzigartigen »Famiglia«, liebevoll und mit viel Witz erzählt.

    Die zehnjährige Darling lebt im Chaos einer Blechhüttensiedlung. Paradise heißt ihr Zuhause, und fast alles fehlt: der Vater, die Schule, der Fernseher oder auch nur genug zu essen. Doch hier lassen einen die Erwachsenen in Ruhe, die Entwicklungshelfer verschenken Spielzeug und in ganz Afrika kann man nirgendwo besser Guaven klauen. Für alle anderen ist Paradise ein Scherbenhaufen aus zerbrochenen Träumen, für Darling der einzige Ort, der ihr ans Herz gewachsen ist. Gerade als Darling anfängt zu verstehen, wird sie von ihrer Tante in den USA fortgerissen. Üppiges Essen, der Fernseher, die Schule – das alles ist bald selbstverständlich, nur steht sie im neuen Paradies bald vor ihrer größten Aufgabe …

    Und Teil 2:


    Lang war die Reise, lang wie die Reisen in Märchen. Gül hat Tage gebraucht, um nach Deutschland zu kommen, und sie weiß noch nicht, dass die Jahre wie Wasser dahinfließen werden, bis ihr Haus in der Türkei gebaut ist und sie zurückkehren kann. Bis dahin lernt sie alle Arten der Sehnsucht kennen: die nach ihren beiden Töchtern, nach ihrem Vater, dem Schmied, nach Düften und Farben und Früchten. Doch unmerklich wird die Heimstraße in diesem kalten, unverständlichen Land zu einer anderen Heimat. „Euer Leben wird in der Fremde vergehen“, warnt man sie. Aber die ganze Welt ist eine Fremde, wenn man nicht bei den Seinen ist. Geht es ihren Töchtern gut, ist Gül, als hätte das Leben keine Grenzen mehr.

    Der erste Teil von Güls Lebensgeschichte, die mit der Auswanderung endet.


    „Glanz meiner Augen“ nennt der Schmied seine Lieblingstochter Gül. Weil ihre Mutter, die schön war wie ein Stück vom Mond, früh stirbt, glaubt das Mädchen, besonders auf seine jüngeren Schwestern achtgeben zu müssen. Gül ist klein, aber stark, vor allem jedoch kann sie lieben und weiß, daß man sich von nichts schrecken lassen darf. Schlicht und poetisch erzählt Selim Özdogan vom Leben in einem anatolischen Städtchen, vom Geschmack der Sorglosigkeit im Sommer, von Sprüchen der Ahnen und ungeduldigen Wünschen der Jungen. Die Geschichte von Gül ist voll Zärtlichkeit, Leid und Sehnsucht wie der anatolische Blues.

    Vom Auswandern im eigenen Land, ein Aborigine-Junge zieht vom Land in die Großstadt.


    Njunjul ist 16 und will seine Chance packen, wie er selbst sagt. Das Happy Valley ist seine Heimat, aber das fru¨here Reservat mu¨sste seiner Meinung nach Unhappy Valley heissen. Er steigt allein in den Überlandbus und fährt nach Sydney. Einfach wird die Sache aber nicht werden. Njunjul ist Aborigine und Ausgrenzung erfährt er – unterschwellig oder direkt – jeden Tag am eigenen Leib.
    In der Stadt nimmt ihn Onkel Garth, sein grosses Vorbild, mit zum Basketballtraining, Tante Em versucht ihn fu¨r die Schule zu begeistern. Jedoch klappt nicht alles nach Wunsch, Njunjuls Weg ist steinig. In seinem Kopf spuken die Geister der Vergangenheit.

    Abela lebt in einem kleinen Dorf in Afrika. Als ihre Mutter an Aids stirbt, soll für sie in England ein neues Leben beginnen. Ihre Adoptivschwester Rosa ist von dem fremden Mädchen zunächst wenig begeistert. Schließlich hat ihre Mutter schon eine Tochter! Doch als sie Abela kennenlernt, schleicht sich plötzlich etwas in Rosas Herz, das größer ist als ihre Eifersucht.

    Fröhlich und unbeschwert wächst Remi in einer nigerianischen Großfamilie auf. Doch dann bricht diese für sie heile Welt zusammen: Sie wird nach England ins Internat geschickt. Aber Remi ist niemand, der sich unterkriegen läßt, nicht vom Heimweh, nicht vom ewigen Regen, nicht von den Schulzwängen und auch nicht von der Borniertheit, die ihr jeden Tag begegnet.

    Es heißt, alles verändert sich.
    Aber hier ändert sich nichts.
    Da ist man mal zwei Monate nicht da und kaum wirft man einen Blick ins Forum, ist alles gerade so wie gestern.
    Die Eulen hakeln wegen der Punkteverteilung bei Rezis, zählen Kalorien oder streiten wegen Dienstleistern in puncto Buchpublikation.
    Man fühlt sich, als wäre man nie weggewesen.
    :grin


    @Zum Novum Verlag:


    Sehr geehrter Herr,


    Sie sollten sich in den Annalen Ihres Hauses umsehen. Vor neun Jahren führten die Eulen mit einem überaus engagierten Mitarbeiter von Ihnen eine ebenso engagierte Diskussion über Ihre Art der Buchproduktion.
    Ergebnis:
    Novum - zero points
    Eulen - ten points.


    Vielleicht haben Sie es deswegen verdrängt.


    Erfahrungen mit dem Novum-Verlag?


    Mit freundlichen Grüßen


    usw. usw.




    @Didi und beisswenger


    *räusper*


    'als solches' ist korrekt.
    Es ist nicht meine Schuld, ehrlich.
    'Als solches' kann entweder im gleichen Kasus stehen wie das Wort, auf das es sich bezieht, - oder als eigenständiges Neutrum.
    Also: Verlag als solcher = gleicher Kasus


    oder


    Verlag als solches - eigenständiges Neutrum


    Gleichwertig, gleich richtig.


    Falls es ein Trost ist: Ich weiß es auch nur, weil ich mal damit auf die Nase gefallen bin.



    :wave


    magali

    Der Einwand ist nicht ohne Berechtigung.
    Bloß: was ist Rebell, genau, meine ich?


    'Rebell' ist eine Bezeichnung für jede/n, die/der sich eine Waffe irgendeinerer Art greift, loszieht und sich etwas holen will, von dem sie/er überzeugt ist, dass es ihr/ihm vorenthalten wird.


    Wenn wir Holden als 'Rebell' bezeichnen, legen wir den Fokus auf seine Abwehrabreaktionen. Einer, der um sich schlägt. Das hat durchaus seinen Reiz.
    Was dabei unter den Tisch fällt, ist das 'Warum'.
    Holden leidet. Nicht nur an seiner Situation, sondern an der Art, wie die Gesellschaft organisiert ist, in der er gezwungen ist zu leben. Er leidet richtig, ganz schlimm, ganz arg. Das Leiden macht ihn krank.
    Als Held ist er eher in einer Tradition einzuordnen, in der z.B., ein Tonio Kröger steht, veilleicht ein bißchen Werther, vielleicht sogar Kleistsche Helden?
    Ganz sicher kein Robin Hood und ähnliche 'Helden'.


    Rebell' reicht nicht als Begriff, um Holden einzuschätzen. Er verengt den Blick, verstellt die Sicht auf das dahinterliegende Problem und führt zum Romantisieren der Figur.



    :wave


    magali