Beiträge von david moses w.

    Der Brenner und der liebe Gott


    Wolltest Du schon immer wissen…
    …warum rechtzeitiges Tanken ein paar Todesfälle verhindert hätte.
    …welche Wirkung die Beruhigungsmittel haben, die im “Cafe Liliputbahn“ vertrieben werden.
    …was passiert, wenn Du nicht darauf achtest, was Dir der Jimi Hendrix schon die ganze Zeit sagen will.
    …warum der Bankdirektor Reinhard den Hasen stundenlang zuschauen könnte.
    ...warum der Brenner Alimente zu zahlen hatte und was das mit dem Matterhorn zu tun hat.
    …wie man eine Senkgrube qualitativ noch verschlechtern kann.
    …warum der Kollege Peinhaupt dem Brenner am Ende sogar leid tut.
    …wie es ist, wenn man etwas sucht und hofft, dass man es nicht findet.
    …welchen Unterschied es für die Pistolenkugel macht, welchen Sonnenschutzfaktor die Sonnencreme hat, an der sie am Weg in Deine Stirn vorbeikommt.
    …warum es nichts gibt was es nicht gibt.


    Wenn Du das alles weißt, dann ist schon wieder was passiert, dann hast Du nämlich “Der Brenner und der liebe Gott“ schon gelesen.
    Wenn Du nix von alledem weißt, dann hast Du etwas nachzuholen.


    Und jetzt pass auf:
    Weißt Du eigentlich, dass…
    …Mund und Augen in verschiedene Richtungen zu verdrehen eine weibliche Doppelbelastung ist.
    …sich ein Mörder mit kleinlichen Moralvorstellungen wie zum Beispiel Höflichkeit nicht mehr herumschlagen muss.
    …es eine Vorwärts- und eine Rückwärts-Erinnerung gibt.
    …es die Zone der Durchsichtigkeit frühestens nach hundert Stunden zerreißt.
    …der liebe Gott eine Ausstrahlung hat, frage nicht.
    …für ein Hundermillionenprojekt zwei Tote gar nicht so viel sind.
    …der Brenner zwischen der vierundsiebzigsten und der achtundsiebzigsten Stunde eine Eins-a-Ermittlung hinlegt.
    …Trittbrettfahrer oft gar nicht die blödesten Übergabeideen haben.
    …die Südtiroler in Wolf Haas’ Buch gar nicht gut wegkommen, die Südtirolerinnen allerdings schon.
    …der Brenner nachzählt, wie oft jemand das Wort “pubertär“ in einem Satz unterbringt.
    …Hüttenbewohner in der heutigen Zeit die Schwielen an den Händen nur vom Golfspielen haben.


    Das weißt Du jetzt, aber eigentlich noch gar nix gegen das was Du noch lernen kannst im neuen Haas, denn Comeback vom Brenner wie der Jimi Hendrix beim Konzert 1969 in Stuttgart, ob Du’s glaubst oder nicht.

    Lassen Sie sich ein auf Gerold Späths “Stimmgänge“, begleiten Sie Orgelbauer Jakob Hasslocher auf seinen Reisen. Seien Sie versichert…, die Reise wird so manch Ungemach bringen, knapp sechshundert Seiten, man kommt den “Stücken“, “Knöpfen“, “Bässen“, “Orgeln“ und “Pfeifen“ kaum nach, kann auch mit Beschreibung des “Stücks“ im Gesamten kaum dienen, zu umfangreich die Geschehnisse, Begebenheiten und Fälle des Künstlers der verzweifelt und schließlich erfolgreich seiner ersten Million und seiner perfekten Orgel hinterherläuft. Es wird keine einfache Reise, da wird der Leser gefordert, sogar an den Rand des Wahnsinns getrieben, lässt man sich allerdings hineinfallen, dann ist der Lohn zwar nicht die “perfekte Orgel“, aber das Verständnis für das Streben danach.


    “Es kommt eben nicht nur aufs Material und aufs Können an, wenn so ein Ding gut klingen soll. Da gehören auch ein langes Haar vom Bart des Propheten hinein, ein steiler Schrillpfiff aus der Schreckpfeife des großen Pan, dazu Kindergeplapper und etwas von der Schwärze der Erde bei Regen und Nacht, etwas von der silbernen Stille des Mondlichts und dionysisches Gelächter und ein Höllenfunkgestöber und verliebtes Geraule und Jammertöne, der Anfang vom ersten Schrei eines Neugeborenen und das Ende vom letzten Gestöhn eines Sterbenden und Fegefeuerflammen und Wind, viel vom Wind, (…).“


    Und das alles und vieles mehr in einer Orgel…, und in einem Buch, und in einem Leben, und in jedem großen Kunstwerk, welches den Künstler fordert und diejenigen, die sich auf ein großes Glanzstück einlassen.


    Und der Autor weiß selbst was er vom Leser fordert, rudert oft im letzten Moment zurück: “Bleiben Sie! Ich will Sie nicht schrecken (…) und in irgendwelche andere Bücher hineinscheuchen. Bleiben Sie!“


    Und man bleibt, ich zumindest, die “Stimmgänge“ wieder gelesen und man wird sie wieder lesen wenn es an der Zeit ist und wieder Neues zu Tage fördern. Denn mit “Bedacht planen“ und “ähnlich gründliche Bedachtsamkeit (…) dürfte auch beim Lesen von Vorteil sein; einfach auf Stimmgänge steigen oder sich zurechtfinden sind zweierlei.“


    Ein vorletztes Schlusswort noch und damit schließt sich der Kreis:
    “Es ist natürlich hoffnungslos, weil man ein Leben lang Orgeln stimmen kann, Pfeife um Pfeife, immer weiter und immer wieder Ton nach Tönchen stimmen und stimmen – aber stimmen tut’s nie.“


    Und so bleibt, um eine Rezension nicht ausufern zu lassen die Abwandlung eines Hörers einer Hasslocher-Orgel zu erwähnen, der sagt: “Heilandsack! Ihre Orgel hat wirklich großmächtig getönt!“
    Und ich sage (und damit letztes Schlusswort): “Dreifaches Heilandsack! Das Buch hat seine Wirkung einmal mehr nicht verfehlt.“

    In die Enge des Lesachtals geboren, wo das Auftauchen des Postbusses ein Erlebnis ist und sich alles um die Heuernte dreht, sehnt man sich nach Ausbruch.


    “Heubezogen sind hier auch die Zeugungen. Mit dem Geburtstermin so gut wie möglich in die ruhige Zeit rings um die Jahreswende hineingeplant, ermöglichen sie es den Frauen, die Sommer vor und nach der Niederkunft mit kaum geminderter Kraft sich an den Feldarbeiten zu beteiligen. Meine Geschwister und ich zum Beispiel sind solche zwischen zwei Sommer hineingezielte Geburten, Zielgeburten sozusagen, im Unterschied zu einigen anderen in der Umgebung, die in die Zeit der Feldarbeiten hineingeraten und so gewissermaßen als Fehlgeburten anzusehen sind.“


    Nach Tanzenberg hin – und Von Tanzenberg weg bewegt sich also der spätere Autor… und er tut dies in beeindruckender Manier, still und mit subtilem Humor, ohne das Bedürfnis einer Abrechnung aber auch nicht in Verklärtheit.
    Wunderbare Beschreibungen des Lesachtals, aus dem der Sohn wegzieht, das scheinbare Privileg Bildung angedeihen zu bekommen. Aber nun auch Disziplin und engstirniges katholisches Denken. Einige der Lehrer wollen sich der Enge ebenfalls entziehen, fördern das freie Denken, bleiben aber ebenfalls gefangen in den düsteren Mauern.


    “Wenn er vorträgt, hören wir zwischen den wohlgesetzten Worten heraus, dass er kein Freund des Klerus ist, sondern es mit den Arbeitern und kleinen Leuten hält: ein Sozi also, vielleicht sogar ein Atheist und Wolf im Schafspelz, der in unkontrollierten Momenten aus seiner Überzeugung keinen Hehl macht.“


    Obernosterer und wohl auch viele seiner Mitschüler verlieren nie den objektiven Blick, relativieren für sich und die Seele das Verlieren fast jeder Freiheit, die Freiheit des Denkens lassen sie sich nicht nehmen. Und so “überlebt“ man Tanzenberg, muss nicht mal im Zorn zurückblicken, wie Peter Handke das tat. Eine Betrachtung, Jugenderinnerungen, und…, ja…, eine Lossprechung.


    “Ich schaue mir derweil einzelne Gesichter an. Ob denn einer der jungen Menschen wirklich an solchem Scharwenzel sich erbauen kann, ob er in dem Höheren, das sich hier aufplustert, etwas Erstrebenswertes erblickt, frage ich mich, der ich freilich schon vom Bazillus des Unglaubens befallen bin.“


    Meiner Meinung nach ist dem Autor hier ein großes Buch gelungen, eine Gratwanderung durch die Seele, ein Plädoyer für Toleranz und freies Denken; ein Werk, das aus einer engstirnigen Zeit in eine neue Welt führt, die sich schließlich jeder Mensch, unabhängig von Stand, Bildung und Religion selbst erarbeiten muss. Noch einmal: Ein großes Buch!

    Innerer Horror


    Erst muss ein völliger Stillstand kommen, ein absolutes Vergessen.


    Nelson Dyar ist nahe dran, der völlige Stillstand scheint gegeben. In Tanger, Ende des zweiten Weltkriegs lässt es sich zwar nicht gut…, aber doch leben. Als Aushilfe eines Bekannten in dessen “Reisebüro“ gibt es auch nicht viel zu tun, aber Sorgen zu machen, dazu hat man später noch Zeit.
    Und so macht sich der “Held“, dem so ziemlich alles egal zu sein scheint – Freundschaften und Liebe werden abgetan – auf zu einem großen Trip durch eine verregnete, grausam schöne Stadt. Und kommt in Berührung mit Frauen, echten und scheinbaren Freunden und grübelt nach und stellt sich dem SEIN an sich.


    Wenn man das Dasein doch nur auf den jeweiligen Punkt des Hier und Jetzt begrenzen könnte, ohne Echos, die aus der Vergangenheit herüberzitterten, ohne das Prickeln der Erwartungen aus einer Zeit, die noch nicht gekommen war!


    Alles wird gesehen, alles ausgekostet, alles auch abgetan, ein sonniger Tag in einem dauernden Albtraum kann alles bedeuten, bei erster Gelegenheit lässt man alles hinter sich, am Ende bleibt Nelson nur noch Thami, sein marokkanischer Freund, dem er allerdings nicht vertraut.


    Er hatte keine Ahnung, er wusste nichts von diesem Land, außer dass all seine Einwohner sich wie Wahnsinnige aufführten.


    Und Paul Bowles lässt seine Figur weiterwandeln, wanken, schillern, alle Grenzen übertreten im Strudel aus Wahn und Vorstellungen des Wahnsinns, Augenblicken der Klarheit folgen Momente des Rausches, Misstrauen und Zweifel machen sich breit. Dyar, der eigentliche Verbrecher traut dem Ehrlichen alles zu…, ja, schließlich geht er vom Menschen aus, der ihm selbst der nächste ist und Nelson Dyar kommt sich selbst auf seinem Höllentrip viel zu nahe.


    Warum nicht, fragte er sich. Glauben und Zweifeln ist nur eine Frage des Glauben- oder Zweifeln wollens…


    Und so trifft – wie soll man es anders sagen – Paul Bowles mit seiner Reise durch das Menschliche den Nagel auf den Kopf und seinem Helden in seinem Wahn und Rausch gelingt ähnliches.


    Der Autor schreibt im Jahrzehnte später verfassten “Nachwort“ sinngemäß, dass “extreme Unbequemlichkeit“ dem kreativen Prozess oft hilfreich sei. Wenn das stimmt (und man zweifelt hier keineswegs) so muss es Paul Bowles beim Verfassen dieses Werkes extrem “unbequem“ gehabt haben, anders ist ein Kunstwerk dieser Präzision kaum zu erklären. Persönlich dachte man nach Beendigung der Lektüre und einer schlaflosen Nacht: Wie hat er das gemacht?
    Große Verbeugung.

    Servus Batcat,


    Merci fürs Vermerken, man muss sagen, es geht voran, einige (begeisterte) Anmeldungen fürs "poetry slam", is etwas völlig Neues bei uns in der Gegend.
    Insgesamt:
    Ausstellungen, Lesungen, Kunst, Kultur.....
    Und die Natur...., was soll man sagen..., ein Wahnsinn...., Mountains and Valleys...
    see you im Höllental


    D.M.

    Na…, “Die feine Art des Saufens“ ist gar nicht wirklich fein. Gepflegte Satire sieht leider ein wenig anders aus. Schade.


    Aber was soll’s: Der unmündige Alkoholiker hat sein Handbuch und gleichzeitig seine Entschuldigung, aber jetzt ehrlich…, der mündige Trinker braucht keine Tipps wie man sich im Restaurant “richtig“ übergibt.


    Ein Buch wie eine Entschuldigung… aber manchmal keimt kurz Hoffnung auf, z.B. wenn Herr Rich über das “einsame Trinken“ philosophiert. Da wird es einige Seiten lang fast still. Aber wenn es dann um “Auszeichnungen für rückhaltlose Trinker“ geht und einem “Die purpurne Leber“ verliehen werden kann, dann weiß man endgültig, dass man es hier mit einem Autor zu tun hat, der zwar vom Trinken Ahnung hat, den “feinen“ Humor allerdings nur aus Erzählungen kennt.
    Leider.

    Wenn man abrechnet, dann auf diese Art. Famos und stilvoll.


    Sergio, der Erzähler ist als einziger seiner Familie Mitte der 60er Jahre in Kuba verblieben, zieht sich zurück um Tagebuch zu schreiben, hat eine Affäre, diskutiert mit einem Freund und beobachtet Havanna.
    Edmundo Desnoes Erinnerungen an Kuba vor und nach der Revolution verschonen nichts und niemanden. Castro hat gesiegt aber einiges nicht bedacht.
    Sergio bedenkt einiges, nimmt sich die Zeit und hat die Zeit.


    Über die Revolution: Meine Möglichkeiten haben sich auf ein Minimum reduziert. Ich kann nicht mehr derselbe sein, bin es nicht mehr. Ich kann nicht mehr reisen oder das Auto nehmen, das ich gern kaufen würde, oder die Zeitschrift, die ich gern läse. Es gibt keine bourgeoise Vielfalt für einige, es gibt nur platte sozialistische Gleichheit für alle.


    Über die Bürgerlichen: Selbst wenn sie eine Schwachstelle der Revolution entdecken, irren sie sich, wissen nicht, wie sie sie nutzen können, und reden am Ende nur Scheiße. Pablo hat nur einen intelligenten Gedanken geäußert, und daraus machte er schließlich ein Essensproblem.


    Die Frauen: Ich beschloss, Elena nicht zu heiraten. Ich weiß nicht, woher ich die Kraft nahm, der Falle auszuweichen, die man mir stellte.


    Über Hemingway: Allmählich ging mir die Götzenverehrung, die immer ach so menschlichen Anekdoten ein wenig auf die Nerven. Hemingway hatte sich aufs Klo gesetzt und geschissen wie alle anderen, und anscheinend sogar mit Schwierigkeiten.


    Und zu guter Letzt macht der Autor auch vor sich selbst nicht halt: Ich habe Eddys Roman zu Ende gelesen. Er ist derart simpel, dass es mich fassungslos macht. So etwas zu schreiben (….) ist wirklich erbärmlich.


    Der Mann hat Humor…
    Und man muss sagen…, alles andere als erbärmlich…, diese kleine, feine Abrechnung mit Kuba, den Menschen und dem Menschlichen, dieser Lossagung und Verbrüderung in einem. Am Ende des Büchleins beschreibt der Autor mit dem Abstand von 40 Jahren noch einmal sein Werk, und die schönste Aussage bleibt, dass es ihm die Wiederentdeckung und Veröffentlichung der “Erinnerungen an die Unterentwicklung“ erlaubten auf Reisen zu gehen.
    Gut so.

    “Ich glaube, ich seile mich ab.“
    “Was heißt das?“
    “Dass man sich weigern muss, über dieses Buch eine Rezension zu verfassen.“
    “…“
    “Dass es fast unmöglich ist, dieses wohlstrukturierte Chaos, aus dem es keinen Ausweg und auch keine wirkliche (Auf)Lösung gibt in strukturierten, gegliederten Worten zu beschreiben.“
    “Da muss ich dir leider Recht geben“, ließ sich Dr. Jay hinter dem Tresen vernehmen.
    “Wer ist Dr. Jay?“
    “Der Psychiater.“
    “Was macht der?“
    “Er hört zu und mischt sich ein.“
    “…“
    “Mischt sich ein, analysiert und plaudert für einen Zuhörer eindeutig zu viel.“
    “Hmnn. Und was passiert sonst. Immerhin über sechshundert Seiten?“
    “Keine Ahnung. Vlad, der Pfähler wird zu Ugolino und der wir bedeutsam, eine Großmutter verschwindet, Lenore wechselt die Liebhaber, ein Mann will alles in sich hineinstopfen, inklusive der ganzen Welt; Rick erzählt Lenore Geschichten, in der Telefonzentrale geht es drunter und drüber und am Ende…“
    “Heiliger Bimbam. Jesus wird nichts mangeln.“
    “Und wer war jetzt das?“
    “Ugolino der Bedeutsame. Der mischt sich immer ein.“
    “Aha. Hört sich an, als ob der Besen im System ein riesengroßer Fehler im System ist“
    “Mir hat’s Riesenspaß gemacht.“
    “Aber schwierig zu lesen?“
    “Seltsamerweise keineswegs. Und das Beste: Jeder dieser verzweifelt Sinnsuchenden wird verzweifeln.“
    “Es sei denn, er unterzieht sich einer ebenso komplizierten wie teuren Behandlung, die zurzeit nur in der Schweiz durchgeführt wird.“
    “Wer mengt sich da jetzt wieder ein?“
    “Egal.“
    “Ja und, was ist jetzt deine Aussage?“
    “Um es mit Peter Abbotts Worten zu sagen: Leitungsschwemme. Infiziert. Euer Tunnel wird zu heiß.
    “Na, da hast du mir jetzt enorm geholfen.“

    „Q- 202 Atelierrundgang 2009 und 1. Höllentaler Poetry- Slam “,
    17.- 19. April 2009


    Bereits zum 2.en Mal fungiert das Weichtalhaus im Höllental als Außenstelle der Wiener Kunstaktion „Q 202 – Atelierrundgang“. ( www.q202.at ) Hauptorganisator ist der Wiener Künstler Hans Heihs. Er versucht seit Jahren mit seinen Initiativen Künstlern die Chance zu bieten ihr Schaffen in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Der „Atelierrundgang“ dient hier als Sprungbrett für das künstlerische „Hinaustreten“, stellt mit diesem „ 3 Tages- Event“ aber auch die künstlerische Verbindung zwischen der Stadt und dem ländlichen Raum her. Hier wird Künstlern aus der Region eine Plattform geboten ihre Arbeit in vorzustellen. Sämtliche künstlerische Medien finden hier ihren Platz.
    Im Weichtalhaus wird heuer ein großer Teil der Palette künstlerischer Medien präsentiert. Unter anderem soll Malern, Bildhauern, Konzeptkünstlern aber auch Künstlern im darstellenden Bereich eine Möglichkeit geboten werden, ihre Tätigkeit vorzustellen.
    Die im darstellenden Bereich stattfindenden Acts werden via Skype vom Höllental live nach Wien übertragen.

    Es gibt für an der Aktion interessierte Künstler die Möglichkeit sich zu melden.


    Im Zuge des diesjährigen Atelierrundganges soll auch erstmals ein Geschehen der besonderen Art zur Austragung kommen. Es läuft schon die Anmeldung zum

    „1. Höllentaler Poetry- Slam“


    An einer Teilnahme interessierte Literaten bitten wir sich möglichst schnell zu melden da aus organisatorischen Gründen die Teilnehmerzahl begrenzt ist.


    Anmeldungen und Info unter:
    frode@gmx.at
    oder
    Tel.: (0043) +699/10400542
    Das Organisationsteam wartet schon gespannt.


    Überblick über die derzeit vertretenen Künstler:


    Bildnerisch:
    „ChrisTina Maywald“ ...... ( Fotoarbeiten)
    „Frode & Jan“...................(Installation)
    „Wolfgang ROWO Rois“...(Skulpturen)
    „Klaus Müller- Rienzburg“ ...(Portraitmalerei)
    „Mike Stoifl“.........................(Malerei)
    „Andi Gmeiner“...................(Arbeiten aus Holz)


    Lesungen:
    „A. P. Schlöglmeier“.................(Buch: Über die Unbewohnbarkeit des Paradieses)
    „Christine Cadilek“...................(eigene Texte)
    „Klaus Müller- Rienzburg“........(Buch: Schüttelreime)
    „Literaturkreis Schwarzatal“ ....( Gedichte und Texte)
    „Regina „Regerl“ Hülferding“....(Kabarett)


    Musik:
    Verschiedene musikalische Acts deren genaue Beginninformation dem offiziellen Eventprogramm zu entnehmen sein werden. (Mitte März)


    Lage:
    Das Weichtalhaus ( www.weichtalhaus.at ) liegt wunderschön gelegen im Höllental, ca. 80 km südlich von Wien
    Anfahrtsplan: http://www.youtube.com/watch?v=JjffnqBd4G8
    Bei ca. 4min.20sek. ist man am Ziel


    liebe Grüße
    D.M.

    Bekanntes Kunstwerk, Analyse, Protagonisten, fertig ist eine fantastische Idee...


    Und dann muss man nur noch ans Ziel kommen:
    Na ja...
    Es wird geschildert... da gibt es Ben, den Barkeeper / Louise, die einsame Frau / Stephen, ihren ehemaligen Liebhaber.
    Und dann wird berichtet und erzählt, der Leser wird informiert und aufgeklärt: Und zwar über jedes Detail, jede Stimmungslage; jeder Satz, den die Protagonisten austauschen (und es sind eigentlich nicht viele) wird analysiert; was war gemeint, was könnte gemeint gewesen sein, wie wäre es gemeint gewesen, wenn vorher nicht dies und das gesagt wurde.
    Die Geschichte der unglücklichen Liebe, die gescheiterte Ehe, der Barkeeper als Zuhörer und Analysator - nebenbei werden eine Menge Klischees bedient.


    Was soll man sagen ... in diesem Buch wird einfach ZU VIEL gesagt, dem Leser jede Freiheit zur Interpretation genommen; meiner bescheidenen Meinung hätte die Idee Stoff genug für eine hervorragende Kurzgeschichte. Für einen Roman sind die gelungenen Beschreibungen der Stimmung an der amerikanischen Ostküste nach der Hochsaison ein wenig dürftig.


    Das Beste an dem Buch bleibt somit die Idee...


    Sorry.

    Beatrix
    Ich gebe Dir recht, dass man an dem Buch einiges aussetzen kann, gehe aber so weit, zu vermuten, dass hier vom Autor einiges sehr bewusst gemacht wurde. Einfache Struktur usw.


    Meine bescheidene Meinung:
    Eine eigentlich in keiner Weise absurde Zukunftsvision beschreibt Jakob Arjouni. Die scheinbare Freiheit der Menschen in der 1.Welt (Europa und Asien) wird gesichert durch Mauern und Denunziation. Ein wirtschaftlich nicht mehr lebensfähiges Amerika wird mit Subventionen unterstützt, der Rest der Welt ignoriert und ausgebeutet.


    Na, und in dieser schönen, neuen Welt arbeiten Max und Chen als gut getarnte Agenten für die Ashcroft-Vereinigung. Ashcroft-Männer haben nicht wirklich viel zu tun, sie müssen einzig Erfolge vorweisen. Verhaftungen nämlich. Und so wird schnell jeder verdächtigt und kleine Delikte zur Anzeige gebracht.
    Das System kritisieren! Ganz schlecht!
    Drogen! Geh bitte!
    Rauchen sowieso verboten!
    Da kann man schon eine “gerechte“ Strafe ausfassen.
    Und immer schön seine Pflicht tun!


    Das auffällige an Arjounis Zukunftsvision ist, dass sie ganz und gar unspektakulär geschildert wird, im Alltag von Max, der “hauptberuflich“ erfolgreich sein Restaurant “Chez Max“ führt, nebenbei beobachtet und denunziert, ausliefert, anzeigt und auch vor seinen Stammgästen und Freunden nicht halt machen kann. Denn: Pflichterfüllung ist alles!


    Und so kann sich Max am Ende ohne Zweifel vor sich selbst rechtfertigen: “Gegen alle Widerstände und Zweifel bist du deinen Weg gegangen und hast deine Pflicht erfüllt. Du bist trotz des Verrats an deinem besten Freund nicht schwach geworden, hast im Gegenteil die nötige Energie daraus gezogen. (…) Gut gemacht, Max, meine Hochachtung, du bist ein bemerkenswerter Kerl.“


    Ein System der Überwachung … meiner Meinung hat sich der Autor dazu mehr Gedanken gemacht als an der Oberfläche dieses Buches sichtbar wird, also geschrieben steht. Und zwischen den Zeilen zu lesen ist ja nicht sooooo schlecht.

    Ein junger Mensch lässt alles zurück, begibt sich auf Reisen – on the road sozusagen – und kommt in der Wildnis Alaskas tragisch ums Leben.


    Das war bereits die Kurzfassung des Buches von Jon Krakauer und in gewissem Sinn gibt es auch nicht mehr zu sagen, aber wagen wir einen Versuch:


    Der Autor recherchiert, spekuliert, spricht mit Menschen, welche Chris McCandless (dem Helden?!) nahe standen und der Leser erfährt so einiges über das Leben und Sterben eines jungen Menschen. Dass hier zu viel interpretiert wird, zu viel aus einer doch recht einfachen Geschichte gemacht werden soll ist klar. Trotzdem wird dies auf allen dreihundert Seiten niemals langweilig. Vergleiche werden gezogen, Lebensweisen verglichen, Romantik und Idealismus nehmen ihren Platz ein. Man kann streiten ob es wichtig ist, die Reisen des “Alexander Supertramp“ – wie sich Chris McCandless auch nannte – zu erforschen (wahrscheinlich ist es das nicht), aber wenn man die Gefahren und den Sinn auch nicht versteht so ist es doch ein Werk, welches in einem größeren Zusammenhang doch nachdenklich macht.


    “Die Wege, die ich mir bahnte, führten hinaus in die Berge und Sümpfe, aber ebenso führten sie nach innen.“


    Dies eine Zitat von John Hajnes, welches der Autor einem Kapitel voranstellt. Und diese Zitate und Auszüge machen Lust auf mehr. Lust auf wenig bekannte Werke von Estwick Evans, Anthony Storr, Edward Whymper und vielen anderen….
    Sieht man sich demnächst mal genauer an…

    Ein Plädoyer GEGEN jede Art von Führung, Diktatur, Tyrannei und Militarismus...
    Ein Plädoyer FÜR Toleranz, Freiheit, Selbstbestimmung und freies Denken...


    Was soll man sagen...
    Ein absolut zeitloses Buch, welches in seiner einfachen Form mehr als überzeugt. Da hat man es mit einem Autor zu tun, der
    1. sich bewusst ist, was er will...
    2. bestimmt, wie viel oder wie wenig er tut und...
    3. keinerlei Tricks nötig hat!


    Du glaubst, du weißt, was gerecht und was ungerecht ist. Ich verstehe das. Wir alle glauben, es zu wissen.


    J.M. Coetzee erzählt eine einfache Geschichte eines Magistrats einer Grenzstadt. Eines Dieners seines Staates, jedoch eines denkenden Dieners, der mehr und mehr passiven Widerstand gegen die Diktatur der Machthaber leistet.


    In der Einsamkeit meiner Zelle denke ich viel über ihn nach und versuche seinen Hass zu verstehen, versuche, mich so zu sehen, wie er mich sieht. (...) Ein Mann mit der Taille eines Jungen und den muskulösen Armen eines Straßenkämpfers, in die fliederblaue Uniform gezwängt, die die Abteilung III für ihn kreiert hat. Bestimmt eitel, gierig nach lob. Ein unersättlicher Weiberheld, unbefriedigt, unbefriedigend. Dem man erzählt hat, er könne nur nach oben gelangen, wenn er über eine Leichenpyramide klettert.


    Ein früher Roman eines späteren Nobelpreisträgers.
    Ein früher Roman kann ein mehr als ausgereifter sein.


    Wenn Menschen ungerecht leiden, ist es das Schicksal derer, die Zeuge ihres Leidens werden, sich dafür zu schämen.

    Guten Tag,
    schließe mich Herrn Palomar an - auch meiner Meinung hat das Buch Schwächen... und trotzdem sollte man es gelesen haben, denn auch ich ordne jetzt dem Thema einmal einiges unter.


    Meine Meinung also:
    Ein wichtiges Thema, ein wichtiges Buch, …. gehört gelesen, keine Frage…


    … und trotzdem … irgendwie bleibt ein schale Nachgeschmack, nämlich: Da hätte man mehr machen können. “Der Sturm auf die Festung Europa“ wird von beiden Seiten betrachtet. Aus der Sicht des Verteidigers und aus der Perspektive des Flüchtlings.


    Das Buch ist voll von starken Momenten, zeichnet die Verzweiflung der Menschen nach; der Suchende wird belogen und betrogen, wird schließlich selbst zum Verbrecher und dies sind die eindrucksvollsten Passagen dieses – wie gesagt – wichtigen Buches.


    “Ich werde von Ekel ergriffen. Ich bin hässlich. Ich denke an meinen Bruder, der mir ins Gesicht spucken würde, wenn er davon wüsste. Ich denke an den, der ich war, als wir zusammen im Auto durch unsere Stadt gefahren sind. Das ist erst ein paar Wochen her und ich bin schon so alt geworden. Ich verändere mich vielleicht schneller, als er es tut. Die Krankheit zerstört ihn weniger radikal, als die Reise mich zugrunde richtet. Ich bin hässlich und verdiene nichts Gutes. Die Hunde am Straßenrand wenden den Kopf ab, um mich nicht zu sehen.“


    Was soll man sagen… keine Höchstnote ... aber trotzdem … des Themas wegen … absolute Leseempfehlung…


    liebe Grüße
    David

    Wenn Slawomir Mrozek vom Reisebegleiter im "Nachtexpress" erzählt, sich Mister Allwissend" doch als Gentleman entpuppt, so sind das kleine Meisterwerke. Andere Geschichten lassen dich ein wenig ratlos zurück, das gesamte Buch kann tatsächlich als das gesehen werden, was es ja auch ist: Perfekte kurzweilige Reise- Strand- Ausflugs- Erholungslektüre.
    Jedenfalls ist man im Kopf unterwegs, und da kann auch ein kleiner Ausflug zur Weltreise werden, genauso umgekehrt.
    Und wenn dann die ungewollte Gemeinschaftsbahnfahrt auch noch zum Finden des Paradieses führt, dann ist das große Literatur, auch wenn man wissen sollte, dass einem der Reiseleiter immer dazwischen kommt.
    Und auch diese Art der (Nicht)Raucherdiskussion gibt es:


    "Rauchen Sie?"
    "Danke, nein."
    "Sie müssen wissen, ich kann Rauch nicht ausstehen."
    "Sie können beruhigt sein, ich rauche nicht."
    "Aber vielleicht rauchen Sie und gewöhnen es sich jetzt nur ab. Mitten in der Nacht bekommen Sie Lust, und können sich nicht beherrschen."
    Nein, ich habe nie geraucht."
    Die Stimme verstummte. Ich zog die Socken aus.
    "Aber vielleicht fangen Sie an?"
    (.....)


    Der Diogenes Verlag will also dem Leser einige seiner Autoren näher bringen.
    Gelungen!
    Ich reise!

    Alles dabei:
    Von den hoffnungsvollen Briefen (Berichten) von der italienischen Front 1918 bis zu den letzten Aufzeichnungen. Anschaulicher als in seinen Briefen an die jeweiligen Freunde oder auch Kollegen kann man Hemingway nicht beschreiben. Er tut es selbst: Oft direkt, manchmal verschmitzt, beständig mit einer Brise Humor, dann und wann sogar einfühlsam und ein verständnisvoller Kumpel.
    Immer aber Hemingway pur.
    Einer der das (sein) Leben und die (seine) Welt beschreibt - häufig auch launisch, gnadenlos...


    "Wenn Sie schon viele Briefe von mir bekommen hätten, würden Sie sich über die Rage des einen, von dem Sie schreiben, nicht so wundern. Ich war wütend darüber, dass Sie, ein Parasit oder Marketender der Künste, mir im Brustton der Überzeugung zu verstehen geben, Sie hofften, ich wäre beeinflusst von dieser und jener politischen oder ökonomischen Bewegung."


    Es geht weiter, Paul R. hatte sich Hemingway zum Feind gemacht und das tat selten gut.


    Wer Einblick bekommen will, abseits von Kurzgeschichten und Romanen, auch abseits von oft verherrlichenden Biographien, wer sein Hemingway-Bild vom Patriarchen, der Stierkämpfe und die Großwildjagd liebt, objektivieren will, der... JA...unbedingt...


    ...lesen übrigens...