Beiträge von buzzaldrin

    Hallo Eska :wave


    ich danke dir für diese hervorragende Besprechung, dank der dieses Buch sich ganz nach oben auf meine Wunschliste katapultiert. Hat es eigentlich einen Grund, dass du den Titel bei Belletrisitik und nicht in die Kategorie Zeitgenössisches einsortierst?

    Zitat

    Original von schnatterinchen
    Oft weiß Sofia nicht aus noch ein: An das Dasein als Mutter hat sie sich noch nicht gewöhnt, ihre kleine Tochter wird bald am Herzen operiert, Sofias eigene Mutter ist mehr Last als Hilfe, und die alte Großmutter dämmert dement vor sich hin. Nur ihre Leidenschaft, Listen anzulegen – Listen der peinlichen Kosenamen, der witzigen Neurosen, netten Ärzte etc. –, bringt ein wenig Ordnung in Sofias Leben. Da macht sie in der großmütterlichen Wohnung eine Entdeckung: eine andere Listensammlung, in vergilbte Hefte notiert, in kyrillischer Schrift – die Familie hat in den Siebzigern die Sowjetunion verlassen. Über diesen Fund stößt Sofia auf einen geheimnisvollen Onkel, über den nie jemand sprach: Onkel Grischa, ein Querkopf und schräger Vogel, der sich im Untergrund betätigt hat, der alle in Gefahr brachte und den trotzdem alle liebten. Anhand der Listen spürt Sofia Grischas dunkler Geschichte nach und entdeckt, was die Vergangenheit für das Jetzt und für sie bedeuten kann... „Die Listensammlerin“ erzählt mitreißend und mit wunderbar originellen Figuren die Geschichten von Grischa und Sofia. Ein oft komischer, warmer und lebensnaher Familienroman, der gar nicht so einfache Fragen stellt: was Familie, Nähe und Fremdsein bedeuten – und wer man selber ist.


    Wer hat es schon gelesen?


    Ich habe das Buch mit großer Begeisterung gelesen und bin einfach mal so frei auf meinen Blog zu verlinken. "Die Listensammlerin" gehörte auf jeden Fall zu meinen Lesehighlights des zurückliegenden Jahres.


    http://buzzaldrins.wordpress.c…ensammlerin-lena-gorelik/


    :-)

    Du bist ja schnell ... :grin


    Das Buch liegt schon auf meinem SUB und wird so bald wie möglich gelesen. "Melnitz" ist ein fantastisches Buch und ich hoffe, dass "Gerron" mich nicht enttäuschen wird. Danke für deine schöne Rezension!

    Herr Palomar


    Also ein Buch zur Shortlist gab es die letzten Jahre zumindest nicht, da würde ich zur Absicherung lieber noch einmal in einen anderen Buchladen gehen. Ansonsten gibt es hier noch einige Exemplare und ich kann gerne eins für dich holen und es dir schicken, wenn du nirgendwo anders her eins bekommst :wave



    Ich habe es gelesen und gestern rezensiert: Gegen die Welt - Jan Brandt


    Ich kann es wirklich sehr empfehlen, auch wenn ich über einige typographischen Spielereien doch erstaunt war. Im ersten Moment wollte ich mein Buch aufgrund der schlechten Druckqualität schon zurückgeben ... :grin

    Zitat

    Original von Grisel
    buzzaldrin :
    Stimmt, ist relativ teuer. Vielleicht gibt es ja später eine PB-Ausgabe? Und Englisch ist keine Alternative? Das ist ja bei weitem günstiger.


    Doch, das englische Buch wäre wirklich eine gute Alternative ...


    Übrigens gibt es in der aktuellen SPIEGEL-Ausgabe einen längeren und ganz positiven und interessanten Artikel über das Buch!



    Da würde ich mich sehr über eine Rezension freuen ... :wave

    Zitat

    Original von Googol
    Vielen Dank für die überzeugende Rezi! Hört sich so an, als würde der Roman genau in mein Beuteschema passen. Wäre ich doch nur nicht so lang...


    Ich denke, du meinst das Buch ... das lässt sich wirklich sehr schnell und flüssig lesen, ich habe es innerhalb von einer Woche gelesen. :wave

    Gebundene Ausgabe: 927 Seiten
    Verlag: Dumont Buchverlag; Auflage: 1 (24. August 2011)
    Sprache: Deutsch
    ISBN-10: 3832196285
    ISBN-13: 978-3832196288


    Kurzbeschreibung
    Ein Dorf in Ostfriesland, Kühe grasen auf den Wiesen, ab und zu zerreißt der Lärm eines Tieffliegers die Stille. Hinter den getrimmten Tujenhecken des Neubauviertels blühen die Blumen, in den Auffahrten glänzen frisch gewachste Neuwagen.
    In diese Welt wird Mitte der Siebzigerjahre Daniel Kuper, Spross einer Drogistendynastie, hineingeboren. Ein schmächtiger, verschlossener Junge mit viel zu viel Fantasie und zu wenigen
    Möglichkeiten. Doch bald geschehen seltsame Dinge: Mitten im Sommer kommt es zu heftigem Schneefall, ein Kornkreis entsteht, ein Schüler stellt sich auf die Bahngleise, Hakenkreuze tauchen an den Hauswänden auf. Für all das wird Daniel Kuper verantwortlich gemacht. Und je mehr er versucht, die Vorwürfe zu entkräften, desto stärker verstrickt er sich in ihnen. Daniel Kuper beginnt einen Kampf gegen das Dorf und seine Bewohner. Sie sind es, gegen die er aufbegehrt, und sie sind es, gegen die er am Ende verliert. Gegen die Welt ist ein großer deutscher Roman: über die Wende in Westdeutschland, über Popkultur in der Provinz und über Freundschaften, die nie zu Ende gehen.


    Über den Autor
    Jan Brandt, geboren 1974 in Leer (Ostfriesland), studierte Geschichte und Literaturwissenschaft in Köln, London und Berlin und besuchte die Deutsche Journalistenschule in München. Seine Erzählungen sind in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Süddeutschen Zeitung erschienen. "Gegen die Welt" ist sein erster Roman.


    Meine Meinung


    "Egal was er sagt und macht, das Urteil steht schon fest."


    Jan Brandt erzählt in seinem Debütroman die Geschichte von Daniel Kuper. Daniel Kuper wird Mitte der siebziger Jahre in einer kleinen Stadt in Ostfriesland geboren, der Stadt Jericho. Jericho ist keine reale Stadt, sondern fiktiv - ich kann mir aber vorstellen, dass Jan Brandt diesen Namen nicht ohne Hintergedanken gewählt hat (der biblische Bezug ist ja offensichtlich).


    Daniel Kuper ist ein verträumter Junge, der viel Science Fiction liest. Als es Mitten im September einen plötzlichen Temperatursturz in Jericho gibt und es sogar zu einem heftigen Schneefall kommt, verläuft Daniel sich auf dem Heimweg von der Schule und gerät in ein Maisfeld. Dort verliert er für eine Zeit das Bewusstsein und irrt als er aufwacht nackt nach Hause. Im Maisfeld zurück bleibt ein riesiger Halbkreis, der den Verdacht nahelegt, dass dort ein UFO gelandet sei, was eine Vielzahl an Journalisten und Fernsehteams in das kleine ostfriesische Dorf lockt. Dies ist das erste Ereignis, bei dem Daniel den Bezug zur Wirklichkeit verliert, aber im Laufe der Zeit werden noch einige weitere folgen. Nach diesem Ereignis gilt Daniel im Dorf als Sonderling, als komisch, als nicht ganz normal. Jan Brandt zeigt auf, wie schnell man in so kleinen Gemeinschaften für immer aus allen Bezügen und Strukturen herausfallen kann, ohne daran Schuld zu sein.


    Im Mittelpunkt von Jan Brandts Debütroman "Gegen die Welt" steht jedoch nicht nur Daniel Kuper, sondern es wird detailliert und bis auf kleinste Begebenheiten das Dorfleben und deren Bewohner seziert. Jan Brandt erzählt über das Leben von Daniels Familie, seinem Vater Hard und dessen Frau Birgit, denen die örtliche Drogerie gehört. Von Daniels Schulfreunden Onno, Rainer und Stefan. Von dem Pastor Hans Meinders. Von Hards Freunden Klaus und Günter. Alle scheinen zwar den Strukturen und Notwendigkeiten der Stadt Jericho zu entsprechen, aber keiner scheint damit glücklich zu sein.


    Zitat

    "Das Unkraut ist gejätet, die Rasenflächen sind gemäht, in den Vorgärten blühen die Blumen, die Autos glänzen im Sonnenlicht. Morgens stehen sie auf und arbeiten - wenn sie Arbeit haben -, und abends sitzen sie vor dem Fernseher, eingelullt von Serien, Talk- und Quizshows, den Nachrichten aus aller Welt. Am Samstag machen sie sauber oder fahren in die Kreisstadt und laufen die Fußgängerzone rauf und runter [...]. Einmal im Jahr fliegen alle in den Süden oder Osten oder Westen, in ein fremdes Land, dem man die Armut vom Hotel aus nicht sofort anmerkt, auf eine Insel oder Halbinsel, mit oder ohne Palmen, das ist nicht so wichtig, wichtig ist, woanders zu sein, den Alltag hinter sich zu lassen, wenigstens für ein paar Tage, bevor es weitergeht, mit dem, was sie ihr Leben nennen."


    Die FAZ schreibt, dass Brandt beinahe "mikroskopisch" vorgeht, alles, was in diesem Dorf eine Rolle spielt, wird bis in das kleinste Detail hinein beschrieben. Es gibt auch typographische Spielereien: an manchen Stellen verblasst die Schrift, an anderen Stellen ist die Seite zweigeteilt, während in der oberen Hälfte weiter von Daniel erzählt wird, wird auf dem unteren Teil der Seite die beeindruckende Geschichte eines Eisenbahnfahrers erzählt, der einen jungen Mann überfährt.


    Jan Brandt hat einen Debütroman geschrieben, der etwas wagt, der etwas probiert, der experimentiert. Das gelingt natürlich nicht an allen Stellen, an manchen Stellen gibt es auf über 930 Seiten auch Längen, es gibt zähe Passagen oder auch einfach nur langweilige Stellen.

    Für mich ist "Gegen die Welt" aber insgesamt und trotz dieser Abstriche ein sehr sehr gelungener Roman und ein fantastisches Debütwerk. Ich würde Jan Brandt wünschen, dass er mit diesem mutigen Versuch auf der Shortlist landet!


    10 Punkte.

    Zitat

    Original von Grisel
    TV-Tipp:
    Bin gerade darauf aufmerksam gemacht worden, dass es heute auf ARD um 23:35 in der Sendung ttt einen Bericht über das Buch gibt, wohl anlässlich des Erscheinens der deutschen Ausgabe.


    Danke für den Tipp! Ich hatte die deutsche Ausgabe gestern schon mal in der Hand und werde auf jeden Fall einen Blick in die Sendung heute Abend werfen.


    Schade nur, dass das Buch doch relativ teuer ist, vor allem, da es ja nicht mal eine richtige Hardcoverausgabe ist ...

    Ich hatte mir meine Sozialversicherungsnummer kürzlich für meinen Job an der Uni besorgen müssen. Ich habe einfach meine Krankenkasse angerufen und zwei Tage später hatte ich einen Brief mit der Nummer im Briefkasten ...

    Das Buch stand eigentlich schon auf meiner WL, aber nach dem ich Eskalinas Einschätzung gelesen habe, fliegt es da wohl wieder runter ... es erscheinen im Moment einfach zu viele andere gute Bücher, da ist "Raum" eher ein Anwärter darauf, später irgendwann als Taschenbuch gekauft zu werden.

    Meine Meinung
    "Der Mann schläft" war mein erster Roman von Sibylle Berg und ich kann mich weitestgehend den Rezensionen von Sigrid und Herrn Palomar anschließen.


    Zunächst war ich aufgrund der kurzen Abschnitte und dem sprunghaften Wechsel von Vergangenheit zur Gegenwart ein wenig irritiert, mit der Zeit hatte ich mich gut eingelesen.


    Berg beschreibt eine wirklich aussergewöhnliche, eine ungewöhnliche, Liebesgeschichte. Wie Sigrid schon geschrieben hat, bedient sie sich dabei zum Teil faszinierenden Metaphern und Bildern. Beinahe auf jeder Buchseite habe ich Sätze unterstrichen und Post-Its in das Buch geklebt - es hat mir wirklich gefallen, wie Sibylle Berg schreibt.


    Tief beeindruckt und mit viel Lust auf mehr Bücher von Sibylle Berg vergebe ich 9 Punkte. :-]

    Frettchens Beitrag kann ich auch nicht ganz ernst nehmen, auch wenn ich es grundsätzlich gerne sehen würde, dass Roth den Nobelpreis gewinnt ...


    Zitat

    Original von Voltaire
    Philip Roth für den Nobelpreis? Sein Alterswerk ist an Senilität kaum zu überbieten.


    Ich hatte dich in einem Thread schon mal danach gefragt, welche Romane für dich in überhaupt das "Alterswerk" von Roth fallen und welche davon du gelesen hast ...


    Mir haben die letzten Veröffentlichungen von Roth sehr gut gefallen, vor allem "Nemesis" gehört für mich zu einem seiner besten Bücher.