Beiträge von Conor

    Ich habe es auch bekommen von vorablesen und stehe kurz vorm abbrechen.
    Eigentlich habe ich keine Lust, mich durch etwas mehr als 800 Seiten zu quälen.
    Schon jetzt fange ich an, querzulesen - bin bei S. 200.


    Zum einen hat es Längen und zum anderen erscheint mir das sehr schnell ausbrechende Chaos doch etwas unglaubwürdig.


    Vielleicht liegt es ja auch daran, dass Thriller/Krimis nicht "mein" Genre sind.?:gruebel


    :wave

    Klappentext:
    Wie Mutter und Tochter leben Bonaria Urrai und die sechsjährige Maria zusammen. Die Bewohner des sardischen Dorfes sehen den beiden verwundert nach und tuscheln, wennn sie die Straße hinunterlaufen. Dabei ist alles ganz einfach: Die alte Schneiderin hat das Mädchen zu sich genommen und zieht es groß, dafür wird Maria sich später um sie kümmern.
    Als vierte Tochter einer bitterarmen Witwe war Maria daran gewöhnt, "die Letzte" und eine zuviel zu sein. Nun hat sie ein eigenes Zimmer in dem großen Haus Bonarias, wo alle Türen offen stehen, und sie jeden Raum betreten darf.
    Doch ein Geheimnis umweht die stets schwarz gekleidete, wortkarge Frau, die mitunter nachts, wenn Maria schlafen soll, Besuch erhält und dann das Haus verlässt. Es scheint, als würde Bonaria in zwei Welten leben. Das Mädchen spürt, dass sie nicht danach fragen darf. Erst sehr spät entdeckt sie die ganze Wahrheit.
    Michela Murgia erzählt in schnörkelloser, poetischer Sprache aus einer scheinbaren, doch kaum vergangenen Welt.


    Die Autorin:
    Michela Murgia, geboren 1972 in Cabras/Sardinien, studierte Theologie und unterrichtete Religion. Nach einigen Jahren in Mailand lebt sie seit kurzem wieder in Sardinien. Accabadora ist ihr erster Roman.


    Meine Meinung:
    Die Buchhändlerin hat mir den Roman wärmstens empfohlen und ich habe es nicht bereut, ihn gekauft und gelesen zu haben.
    Inhaltlich will ich gar nicht soviel verraten -der Klappentext erzählt da schon genug.
    Der Roman ist angesiedelt in einem kleinen sardischen Dorf in den 50er Jahren, das Leben ist archaisch-mystisch bestimmt.
    Maria ist fill'e anima der Accabadora Bonaria Urrai.
    Fillus anima ist eine in Sardinien seit langem praktizierte Form der Adoption, die mit dem Einverständnis der beteiligten Familien - und ganz ohne behördliche Formalitäten - geschieht. (S.172)
    Maria liebt ihre Pflegemutter, doch als sie nach und nach deren Geheimnis entdeckt, muss sie erst Abstand gewinnen - Maria ist entsetzt und muss erst lernen, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden; sie muss lernen, dass Sterbehilfe auch ein Akt der Barmherzigkeit sein kann.
    Dabei weiß der Leser noch vor Maria, welches Geheimnis Bonaria verbirgt -aber es ist spannend zu lesen, wie sich das Mädchen dem annähert.


    Die Sprache ist atmosphärisch dicht und das Archaische trägt zu der düsteren Stimmung des Romanes bei. Man erfährt ein wenig von der sardischen Denkweise, ihren Trauerritualen und auch ihrem Aberglauben, welche sich in der religiösen Ausstattung ihres Hauses äußert.


    Die sardischen Begriffe werden am Ende des Buches erklärt - auch "Accabadora", wobei Anthropologen sich nicht einig sind, ob diese wirklich existiert haben oder ob es sich nur um einen Mythos handelt.


    10/10 Eulen

    So - ich habe es heute beendet und es hat mir insgesamt gut gefallen.


    Der Roman bietet einen guten Einblick in die spanische Geschichte, dies war interessant zu lesen - die vielen Rückblicke und die vielen Personen (zum Teil mit gleichen Vornamen) erfordern aber ein wenig Konzentration.
    Zum Glück gibt es aber zwei Familien-Stammbäume und ein Personenverzeichnis - ohne das wäre ich vielleicht durcheinandergekommen.


    Sprachlich ist das Buch gut und leicht zu lesen.
    Stellenweise war mir der Roman aber zu ausführlich, zu ausschweifend. Vor allem die Beschreibungen der Liebesgeschichten (z.B. Ignacio-Anita) waren mir zu ausgedehnt - da hätte eine Kürzung sicher gut getan.


    Alles in allem aber ein interessanter und lesenswerter Roman, der mich auch zum googeln über die spanische Geschichte verführt hat.


    8/10 Punkten

    Laura Gallego Garcia, Geheime Welt Idhun. Die Verschwörung; 3,5
    Shalom Auslander, Eine Vorhaut klagt an; 1
    Laura Gallego Garcia; Geheime Welt Idhun. Die Feuerprobe, abgebrochen
    Jean Teulé; Der gehörnte Marquis; 1
    Denis Johnson, Keine Bewegung; 3
    Melania G. Mazzucco; Tintorettos Engel; 1
    Arno Geiger, Alles über Sally; 3
    Harriet Köhler, Und dann diese Stille; 1
    Bettina Belitz, Splitterherz; 2
    Frank Goosen - Radio Heimat; 1
    Arnon Grünberg, Phantomschmerz; abgebrochen
    Pierre Péjù, Die kleine Kartäuserin; 2

    Zitat

    Buzzaldrin:
    Noch nie Yates gelesen? Das ist aber schon ein schweres Versäumnis! Aber keine Sorge, ich habe hier schon einige bekehrt ... Grinsen


    :grin ich gehöre zu den Bekehrten. :grin


    Danke für deine Rezension, buzzaldrin, habe es schon in meinen Suchaufträgen bei TT. :-)



    :wave

    Klappentext:
    Walther sitzt an Grethes Krankenbett und sieht hilflos die letzte Chance verstreichen, ihr alles zu erzählen. Jürgen will seinem Vater zur Seite stehen, aber der wehrt seine Hilfe ab. Dennoch entsteht zwischen den beiden Männern eine Nähe - eine Nähe, die neu für sie ist. Als Walther damals aus dem Krieg und der Gefangenschaft kam, war Jürgen bereits zehn, er hat seinen Sohn nicht aufwachsen sehen. Diese Jahre haben sie immer getrennt, in denen viel passiert ist. Erlebnisse, für die es keine Worte gibt. Doch nun wird Walther zum Pflegefall und Jürgen zum Pfleger, und Vater und Sohn entkommen sich nicht mehr. Als dann auch noch Jürgens Sohn Nicki die beiden besucht, der mit Ruth gerade zum ersten Mal erfährt, wie schön und schwer es ist zu lieben, wird die Mauer des Schweigens rissig und die Vergangenheit blitzt hervor. Alte, bislang nie ausgesprochene Konflikte bahnen sich wütend ihren Weg an die Oberfläche und führen zu einer vorsichtigen und zarten Annäherung.


    Die Autorin:
    Harriet Köhler, geboren 1977 in München, hat Kunstgeschichte studiert und besuchte die Deutsche Journalistenschule. Ihr Debütroman "Ostersonntag" war bei Kritik und Lesern ein großer Erfolg. Sie lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.


    Meine Meinung:
    Beginnend mit dem Tod Grethes erzählt Harriet Köhler eine Familiengeschichte, drei Generationen umfassend.
    Walther, mittlerweile 95 Jahre alt, ist damals aus der Kriegsgefangenschaft nach Hause gekommen, während Grethe mit ihrem Sohn Jürgen lange Jahre auf ihn gewartet hat.
    Jetzt wird Walther zum Pflegefall und Jürgen, selbst schon nicht mehr der Jüngste, wird zum Pfleger. Viel geredet haben sie nicht miteinander, sie sind sich ein wenig fremd. Der Vater wünscht sich sein altes Leben zurück, am liebsten möchte er Jürgen gerne aus dem Haus haben. Doch Jürgen bleibt, sein Sohn Nicki kommt auf Besuch und bringt seine Freundin Ruth, eine Ärztin, mit. Diese erkennt die Problematik der Familie, das Schweigen in der Familie, dem auch Nicki unterliegt.
    Der Roman erzählt von den Kriegserlebnissen des Großvaters, der DDR-Flucht der Familie mit dem Sohn Jürgen und der Trennung Jürgens von seiner lebenslustigen französischen Frau und letztendlich auch von dem Traumata Grethes, von dem niemand aus der Familie etwas weiß; außer Jürgen, der es als Fünfjähriger mit ansehen musste, es aber verdrängt hat.
    Die Personen dienen auch dazu, ein wenig von der deutschen Geschichte (Zweiter Weltkrieg, Teilung Deutschland, Wiedervereinigung) zu erzählen.
    Wie auch schon in "Ostersonntag" erzählt Harriet Köhler gekonnt von der Sprachlosigkeit innerhalb einer Familie; dabei wechselt die Erzählperspektive.


    Das Cover gefällt mir gut, nur so nebenbei.

    Meine Meinung hat sich jetzt nicht sehr geändert.
    Die Geschichte finde ich zu konstruiert, die Beziehung Sally zu Eric zu vage.
    Manches finde ich auch etwas unglaubwürdig - zum Beispiel das Verhalten von Erics Ehefrau.
    Außerdem plätschert die Geschichte so vor sich hin.
    Wie schon Herr Palomar geschrieben hat, sind die Dialoge und Gedanken am stärksten.
    Der Stilbruch am Ende des Romans hat mich dann doch etwas gestört.


    6/10 Punkten

    Ich bin jetzt etwa bei der Hälfte des Romans und bin doch etwas enttäuscht.
    Z.B. kommt es mir ein wenig zu konstruiert vor, dass Sally sich aufgrund des Einbruches verändert und sich einen Liebhaber nimmt.
    Auch dass die Einbrecher Alfreds Tagebücher beschmieren, ist m.E. etwas unglaubwürdig. Warum sollten sie sich für sowas interessieren? :gruebel


    Zitat

    Zitat Herr Palomar:
    Einiges bleibt in Ansätzen stecken, die Geschichte kommt nie richtig in Fahrt.


    Auf den Schwung warte ich auch noch.


    Zitat

    Herr Palomar:
    Davon abgesehen sind gerade die Dialoge und Gedankenflüsse die Stärke des Romans. Arno Geiger zeigt viel alltägliches, aber auch hässliche Dinge im Detail und ausführlich, wie zum Beispiel Alfreds Krampfadern und sein ständiges Tragen eines Kompressionsstrumpfs.


    :write



    Mal sehen, wie sich die Geschichte weiterentwickelt.


    :wave

    Ich lese sehr viel lieber als ich höre. Bisher habe ich Hörbücher immer abgebrochen.


    Allerdings probiere ich es jetzt doch noch mal mit dem Hören aus. ;-) "Dr. Siri sieht Gespenster" von Cotterill und "Atemschaukel" von Herta Müller habe ich mir mal ausgeliehen.
    Beides kenne ich schon - vielleicht fällt mir dann das Hören leichter. :gruebel

    Klappentext
    Rumänien in den achtziger Jahren: Eine Gruppe von Freunden leistet Widerstand gegen das Terrorregime Ceausescus, sie schreiben oppositionelle Gedichte und dokumentieren die alltägliche Überwachung durch die Securitate. Allmählich aber werden sie selbst Opfer der Verfolgung. Als drei von ihnen in den Westen ausreisen, geht dort der Terror weiter.
    Herta Müller zweiter Roman "Herztier", 1994 erschienen, zeichnet ein unvergessliches Bild eines totalitären, menschenfeindlichen Staates und den elementaren Gefühlen seiner Bewohner: allgegenwärtige Angst und verzweifelte Liebe, gefährdete Freundschaft und schwarzer Hass. Zugleich entsteht unter den Augen des Lesers ein Sprachkunstwerk von ganz eigener Poesie und Schönheit - metaphernreiche, magische Prosa.
    Spätestens mit diesem Roman wurde Herta Müller zu einer der bedeutendsten Autorinnen der deutschsprachigen Literatur und in ihr eine absolut unverwechselbare und originelle Stimme.


    Die Autorin:
    Herta Müller wurde 1953 in einem deutschsprachigen Dorf in Banat/Rumänien geboren. Nach einem Publikationsverbot und Repressionen durch die Securite konnte sie 1987 nach Berlin ausreisen, wo sie auch heute lebt. Zu ihren bekanntesten Werken gehören der Erzählband "Reisende auf einem Bein" und der Roman "Der Fuchs war damals schon der Jäger.
    Für "Herztier" erhielt Herta Müller 1998 den Impac Dublin Literary Award, den weltweit höchstdotierten Literaturpreis für ein einzelnes Werk. Darüber hinaus wurde sie mit zahlreichen weiteren Preisen ausgezeichnet, darunter den aspekte-Literaturpreis, der Kleist-Preis, der Franz-Kafka-Preis und der Walter-Hasenclever-Literaturpreis.


    Meine Meinung
    "Wenn wir schweigen, werden wir unangenehm, wenn wir reden, werden wir lächerlich.«
    Dieser Satz ist der erste und der letzte Satz des Romans.
    Die "Ich"-Erzählerin lernt nach dem Selbstmord ihrer Mitstudentin Lola drei junge Männer kennen: Edgar, Kurt und Georg. Diese leisten Widerstand, schreiben Gedichte, die dem Regime nicht passen und kommen so in das Visier des Staatsapparates. Sie werden verhört, ihre Wohnungen durchsucht. Ihre Angehörigkeit zu der deutschsprachigen Minderheit in Rumänien fördert sicher auch das Misstrauen ihnen gegenüber. Selbst nach der Ausreise sind sie Repressalien ausgesetzt. Sogar nach der Ausreise stürzt sich ein Freund in den Tod. Die Trostlosigkeit und die Verzweiflung werden dem Leser gut "rübergebracht".
    Der Name Ceausescu fällt nur ein einziges Mal in diesem Roman.
    Herta Müller bedient sich einer sehr bildhaften, dichten und zum Teil auch derber Sprache. Manchmal waren die Bilder zumindestens für mich zu verschlüsselt. Es gibt Passagen, die man einfach mehrfach lesen muss und einige Metaphern habe ich sicher überlesen. Wahrscheinlich muss man das Buch zweimal lesen, um alles zu verstehen.
    Und es ist auf gar keinen Fall ein Roman, der sich schnell lesen lässt -man muss sich auf ihn einlassen.


    Wegen der Bezeichnung "Herztier" habe ich gegoogelt:
    Herztier:
    "Von einer ihrer Großmütter lernt sie das Wort »Herztier«, dessen genaue Bedeutung freilich im Dunkeln bleibt. Aus Andeutungen lässt sich nur vermuten, dass es sich bei dieser – höchst privaten – Vorstellung um den vitalen und unverwechselbaren Teil eines jeden Lebewesens handelt. Dieser kann nur durch den Tod vernichtet werden, ist aber unter den Bedingungen einer Diktatur größter Gefahr ausgesetzt." (Quelle: Buchreport)


    Auf dem Cover ist eine Schüssel voller Pflaumen abgebildet - Pflaumen werden im Roman mehrfach erwähnt


    9/10 Punkten