Beiträge von Salonlöwin

    ottifanta : Da es aktuell viele bemerkenswerte Hörbücher gibt, ergänze ich das autobiographische Buch von Edgar Selge im NDR.

    Prinzipiell hätte es mich nicht angesprochen, doch die Ankündigung, dass es auch um Literatur und Musik gehe, hat mich aufhorchen lassen. Bis zum Wochenende bleibt ja noch Zeit ...

    An der Stelle mit Hängenbleiben bin ich unentschieden. Wirklicher Nachteil von Hörbüchern ist bei mir die Schnelligkeit. So schnell kann ich gar nicht die Stoptaste drücken, wie ich häufig nachlesen möchte.

    Wirklicher Vorteil von Hörüchern im Radio ist das Testen von unbekannten Titeln und Autoren. Manchmal komme ich auf den Geschmack, manchmal merke ich, das ein Stoff nichts für mich ist. Dann verstaubt ein gekauftes Buch bei mir auch nicht. Schrankleichenvermeidung sozusagen.

    Ich habe die letzte Zeit "Effingers" von Gabriele Tergit auf BR2 gehört. Wollte ich ja mal lesen. Nun höre ich es eben. Ist auch als podcast zur Verfügung. "Nastjas Tränen" will ich als Querbeetrunde vorschlagen. Die habe ich schon auf dem Schirm.

    Die Effingers habe ich auf Beobachten gesetzt. Kannte ich bisher gar nicht, obwohl die Kritiken recht positiv und überzeugend ausfallen. Danke für den Hinweis.

    Vesaas Buch habe ich hier liegen und werde demnächst damit anfangen. Erst muss der KingKong fertig gelesen werden.

    Welcher King Kong? Habe ich etwas verpasst?


    Zur Tarjei Vesaas: Rumpelstilzchen, ich denke, dass das ein Buch nach Deinem Geschmack sein wird.

    "Die Vögel" ist auf jeden Fall ein anderes Buch. Vesaas versteht es, mit Sprache mit Bilder zu erzeugen und eine - fast unheilvolle - Stimmung heraufzubeschwören. So mein Eindruck, nach drei gehörten Abschnitten, der keinen Zweifel daran lässt, dass es sich bei diesem Roman um große Literatur handelt.

    Wenn ich nur wüsste, an welchen Roman mich das Motiv mit der zurückgebliebenen Figur erinnert?


    Ich konnte es nicht lassen, auch noch in das neue Buch über Simone de Beauvoir reinzuhören.

    https://www.ardaudiothek.de/ep…esung/hr2-kultur/93970886

    Glücklicherweise hat mich der erste Hörabschnitt nicht völlig überzeugt, so dass ich es dabei bewenden lasse.

    gibt ja noch mehr München Eulen hier… ich bin ja nur zugezogen aus Bayern….. :lache

    Ich hatte diesen Fakt noch im Hinterkopf.

    Jedenfalls scheint der Haushalt Deiner Eltern ein guter deutscher Haushalt zu sein ;).

    Spannend wäre es auch zu wissen, um welche Auflage es sich handelt. Im Laufe der Jahre sind wohl einige Änderungen erfolgt und wohl nicht nur im Bereich Nährwertangaben.

    Danke für die Auflistung.

    Das Hörbuch von Alex Schulman hatte ich im Radio begonnen, bin allerdings zu spät eingestiegen und dann hat es mich nicht gepackt.

    Ab 29.11.2021 bringt der NDR in "Am Morgen vorgelesen" "Vierunddreißigster.September" heraus, dass mich auf den zweiten Blick angesprochen hat. Die Sendung erhält von mir auf jeden Fall eine Chance.

    In einem Artikel, den ich kürzlich las, ging es um Küche und die Frage, ob es eine typisch deutsche Küche gibt. In dem Zusammenhang wurde erwähnt, dass in jedem guten bayerischen Haushalt ein Exemplar "Bayerisches Kochbuch" stände. Kennt jemand dieses Kochbuch, das mittlerweeile in über 50 Auflagen erschienen ist und ständig weiterentwickelt wurde.


    ASIN/ISBN: 3920105044

    Schreibst Du dazu etwas?

    Bei uns findet demnächst eine Lesung zum Buch statt, zu der ich es leider nicht schaffe, aber auch nicht so traurig bin, da die Kritiken mäßig ausfallen.

    Natascha Wodin "Nastjas Tränen"


    Über die Schriftstellerin:

    Natascha Wodin, 1945 als Kind sowjetischer Zwangsarbeiter in Fürth/Bayern geboren,

    wuchs erst in deutschen DP-Lagern, dann, nach dem frühen Tod der Mutter, in einem katholischen Mädchenheim auf.

    Auf ihr Romandebüt "Die gläserne Stadt", das 1983 erschien, folgten etliche Veröffentlichungen,

    darunter die Romane "Nachtgeschwister" und "Irgendwo in diesem Dunkel". Ihr Werk wurde unter anderem mit dem Hermann-Hesse-Preis,dem Brüder-Grimm-Preis und dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet, für "Sie kam aus Mariupol" bekam sie den Alfred-Döblin-Preis,

    den Preis der Leipziger Buchmesse und den Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil 2019 verliehen. Natascha Wodin lebt in Berlin und Mecklenburg.


    Inhaltsangabe:

    Als Natascha Wodin 1992 nach Berlin kommt, sucht sie jemanden, der ihr beim Putzen hilft.

    Sie gibt eine Annonce auf, und am Ende fällt die Wahl auf eine Frau aus der Ukraine, dem Herkunftsland ihrer Mutter, die im Zweiten Weltkrieg als Zwangsarbeiterin nach Deutschland verschleppt wurde. Nastja, eine Tiefbauingenieurin, konnte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im wirtschaftlichen Chaos ihrer Heimat nicht mehr überleben - ihr letztes Gehalt bekam sie in Form eines Säckchens Reis ausgezahlt.

    Da sie ihren kleinen Enkelsohn und sich selbst nicht länger ernähren kann, steigt sie, auf etwas Einkommen hoffend, in einen Zug von Kiew nach Berlin. Dort gelingt es ihr, mehrere Putzjobs zu finden, nach getaner Arbeit schläft sie auf dem Sofa ihrer Schwester.

    Zu spät bemerkt sie, dass ihr Touristenvisum abgelaufen ist. Unversehens schlittert sie in das Leben einer Illegalen, wird Teil der riesigen Dunkelziffer an Untergetauchten im Dickicht der neuen, noch wildwüchsigen deutschen Hauptstadt.

    Für Natascha Wodin ist es, als würde sie von ihrem Schicksal erneut eingeholt. Im Heimweh dieser Ukrainerin, mit der sie mehr und mehr eine Freundschaft verbindet, erkennt sie das Heimweh ihrer Mutter wieder, die daran früh zerbrochen ist.

    Jetzt, Jahre später, zeichnet sie mit verhaltener, tief anrührender Poesie das Porträt von Nastja, einer kämpferischen Frau.


    Sehnsucht nach Heimat

    Bereits in ihrem preisgekrönten Buch "Sie kam aus Mariupol" beschäftigt sich Natascha Wodin mit dem Thema Herkunft und Identität.

    Als Tochter russischer Zwangsarbeiter in Deutschland erfährt sie selbst, was es bedeutet, entwurzelt zu sein.

    Während es in "Sie kam aus Mariupol" um Natascha Wodins Mutter ging, die sich das Leben nahm und ihre Kinder zurücklässt,wird in diesem Buch die Perspektive geweechselt.

    Nastja, eine ukrainische geschiedene Bauingenieurin ohne Perspektive in ihrem Heimatland, kommt illegal nach Deutschland und nimmt verschiedene Putzstellen an, um ihren zurückgebliebenen Enkel zu versorgen.

    Eine schicksalhafte Begegnung lässt die Erzählerin, die wenig Zweifel daran lässt die Autorin zu sein, und Nastja aufeinandertreffen. Was anfänglich als Arbeitsverhältnis einer Frau mit ukrainischen Wurzeln und einer illegalen Arbeitssuchenden beginnt, entwickelt sich zu einer tiefverbundenen Freundschaft.

    Natascha Wodin erzählt nicht nur die Geschichte einer Frau, die sich unerlaubt in Deutschland aufhält und sich durchs Leben schlägt,

    sie erzählt von Sehnsucht nach Heimat und Behördenangst, von der Hilfsbereitschaft Dritter, unerschrockenem Mut und der immerwährenden Hoffnung, nach Hause zurückzukehren.

    Die Putzfrau Nastja steht allerdings nur stellvertretend für viele, die in das Berlin der Nachwende kommen und ihr Glück versuchen.

    Was diesen Roman jedoch um so bemerkenswerter und überaus lesenswert macht, ist das Verdienst der Autorin, Einblicke in die ukrainische Seele ihrer Figur Nastja zu geben und dabei ihre eigene Suche nach Heimat zu spiegeln.

    Was nach anfänglichen Schwierigkeiten wie Visumsbeschaffung und Scheinehe beinahe mühelos überwunden wird, gestaltet sich weitaus schwieriger, als sich die Frauen näher kennenlernen.

    Die Freundschaft wird brüchig, als Brücke erweiset sich die gemeinsame Liebe zur Musik und Literatur.

    Nicht unerwähnt soll die Leseleistung von Martina Gedeck bleiben, die dem Auf und Ab dieser Geschichte mit ihrer ausgeglichenen Lesestimme eine besondere Note verleiht.
    "Nastjas Tränen" stellt die Frage, wo wir zu Hause sind, was Heimat und Familie bedeuten und ist

    das menschliche Plädoyer einer großartigen Schriftstellerin für Freundschaft, die Grenzen überwindet.



    ASIN/ISBN: B099SCZN36

    @ ottifanta:

    Gerade habe ich das Hörbuch beendet und versuche mich in einer Besprechung und bevor ich Deinen Beitrag las, habe ich darüber nachgedacht, wie eine Veranstaltung mit Natascha Wodin aussähe. Sollte hier eine in der Nähe stattfinden, dann würde ich hingehen.

    Ich habe dieses Jahr einige herausragende Bücher gehört und gelesen und "Nastjas Tränen" gehört auf jeden Fall zu diesen Büchern, für die ich eine unbedingte Empfehlung aussprechen möchte.

    Die kurze Laufzeit in der Mediathek stresst mich auch ein wenig.

    Ich beende heute "Nastjas Tränen", ein Buch, das Dir Rumpelstilzchen ganz gewiss gefallen würde.

    Am Wochenende starte ich dann mit Tarjei Vesaas und lasse mich auf diese norwegische Geschichte völlig unvorbereitet ein. Was ich bei Hörbüchern fast immer mache, im Gegensatz zu Papierbüchern, die ich meistens vorrecherchiert lese.

    Nebenbei und nicht im Radio höre ich Lucy Frickes "Töchter" und bin einerseits fasziniert, andererseits schockiert über die Lebensansichten und was Globalisierung mit Großstädtern anstellt und gleichzeitig begeistert über die zynische bis punktgenaue Sprache der Schriftstellerin.

    Auf jeden Fall ist es spannend, zwei in Berlin spielende Geschichten gleichzeitig zu hören und die unterschiedlichen Sichtweisen zu vergleichen.

    Gestern Abend habe ich die Gelegenheit genutzt, in das Hörbuch von Sei Shonagon "Kopfkissenbuch - Bekenntnisse einer Hofdame" reinzuhören.

    https://www.ardaudiothek.de/ep…hofdame/bayern-2/93663618

    Es handelte sich jedoch nicht um das Hörbuch, sondern um ein Gespräch mit dem Manesse Verleger Horst Lauinger und Ausschnitten aus dem Hörbuch.

    Im Gespräch ging es mehrheitlich um die Gründe für eine Neuauflage des bislang nur stark gekürzt übersetzten Kopfkissenbuchs und die Hintergründe zur Geschichte. Durchaus ein lohnenswertes Gespräch.

    Am Text selbst sind mir einige Übersetzungsstellen aufgefallen, über die ich wegen der modernen Wortwahl gestolpert bin. Ein Vergleich der Übersetzungen schadet bestimmt nicht.

    Die Lesestimme einer von mir nicht auffindbaren Sprecherin fand ich eher unpassend, gar affektiert, so dass ich tatsächlich zum Buch und nicht zur Hörausgabe greifen werde.

    Für einen ersten Eindruck hat sich die knapp einstündige Sendung durchaus gelohnt.


    Ergänzung: Bei der Sprecherin handelt es sich um Eva Gosciejewicz.

    Die Autorin ist in erster Linie Amerikanerin. Sie kam in die USA als sie vier war.

    Genau dieser Aspekt interessiert mich wenigeer. Die Nahtstelle zwischen Ost und West, das Zusammentreffen zweier Kulturen und die Reibung, die dieser Umstand erzeugt, hätten für mich den Reiz des Buches ausgemacht. So bleibt es für mich hauptsächlich ein Buch einer Amerikanerin, die sich ihrer asiatischen Wurzeln bedient und ein Buch von vielen, die mich in der Vergangenheit entäuscht haben.

    Dann schlage ich beim nächsten Mal zu. Mich hat das Cover etwas abgeschreckt. ;)

    Ich gestehe frei weg, dass meine Alarmglocken an anderer Stelle geläutet haben.

    Zum einen wird das Buch von Barack Obama empfohlen, zum anderen fühlt sich die Autorin in erster Linie als Amerikanerin und dann bleibt noch das Loblied der Kritik, das mich äußerst misstrauisch macht. Zudem erinnert mich der Roman stark an "Ein wenig Leben" von Hanya Yanigahara, ein Buch, das eigentlich auch in mein Beuteschema fiel, aber von von mir geschätzten Lesern zerrissen wurde. Mal abgesehen von dem Tamtam, dass der Verlag um Hanya Yanigahara veranstaltet hat.

    Neue Vorschauen? Wo finde ich die?

    Mit Vorschau hatte ich mich offensichtlich schlecht ausgedrückt. Ankündigungen ist wohl der bessere Ausdruck.

    Auf der Webseite von Amazon gebe ich in die Suche mein Wunschland ein, konkretisiere die Suche auf Buch/ Literatur&Fiction und wähle Erscheinungsdatum. Dann blättere ich durch die Seiten mit Neuerscheinungen. Was tatsächlich ein wenig stört, sind die unzähligen Notizbücher, die zwischen den Büchern gelistet werden.


    Übrigens freut es mich sehr, dass im englischen Sprachraum in letzter Zeit Übersetzungen aus Taiwan zu finden sind. Ich hoffe inständig, dass dieser Trend auch Deutschland erreicht.