Beiträge von Bodo

    „Welch ein Meisterwerk ist der Mensch! Wie edel durch Vernunft!

    Wie unbegrenzt an Fähigkeiten! In Gestalt und Bewegung wie bedeutend und wunderwürdig! Im Handeln wie ähnlich einem Engel! Im Begreifen wie ähnlich einem Gott! Die Zierde der Welt! Das Vorbild der Lebendigen…..“


    .... und wir erschaffen mit all dem „Ein Colt für alle Fälle“….

    Und auch der entschuldigende Hinweis auf „Die 80er“ ist hier unzureichend. Und doch ist diese Serie integraler Bestandteil vieler nostalgischer Jugenderinnerungen, wie so vieles, welches wir dereinst bestaunt haben, eine Tatsache, die uns heute oft verwundern lässt. Vieles von damals ist nicht gut gealtert, es wirkt naiv, albern und ein typisches Abbild einer Zeit, in diesem Falle der 80er, die als Ganzes nicht vollkommen zu unrecht einen gewissen Ruf genießen. Anders als andere Serien beruht diese auf ihrem Titelsong, von Dave Sommerville (The Diamonds) für eine Dokumentation geschrieben und vom Hauptdarsteller gesungen wurde. Der “Pitch” an das Studio, so erzählt es der Produzent, bestand auch nur aus diesem Song, ohne ein klares Konzept oder sogar einem Drehbuch.

    Die dritte Strophe wurde zwar aufgenommen, aber im Vorspann nicht verwendet: „They'll never make me president but I've got the best first ladies“….. was wirklich ein Jammer ist!

    Bei aller nostalgisierter Liebe zum altbacken-schrottigen kann man kaum behaupten, das diese Serie gut gemacht ist. Der Stuntman, der den doubelt der den Stuntman spielt (Dieser Satz war von Anfang an verdammt!!!) sollte wenigstens die selbe Frisur wie das Original haben, und – Haare kann man anpassen, das Gesicht aber nicht – niemals von vorne gezeigt werden! Auch wenn wir natürlich wissen – oder es durch die Serie erst gelernt haben – das es den Beruf des Stuntman gibt und was dessen Aufgabe ist, zerstört es doch die Illusion, wenn der Typ, der all diese tollen Sachen drauf hat nicht aussieht wie der Typ, von dem wir dachten das er all diese …. Nicht war? Aber vielleicht soll auf diese Art dem im Titellied besungenen unbekannten Stuntman die längst überfällige Anerkennung zugedacht werden, indem man die Tatsache, das der, der den Stuntman spielt auf die Hilfe eines solchen angewiesen ist, deutlich macht. Trotz all der offensichtlichen Mängel kann ich mir immer noch die ein oder andere Folge mit großem Genuss ansehen – weil ich mich noch gut an damals erinnere, als die Serie zuerst über unsere – zuweilen noch schwarz/weißen – Bildschirme flimmerte.


    Und natürlich müssen wir über die Schwingtür reden!



    Diese kurze - viel zu kurze! - Sequenz ist wohl das erste, was jedem damals jungen Jungen bildhaft ins Gedächtnis schießt, bescherte diese Szene doch so manchem Knaben regelmäßig eine - vielleicht auch die erste? - Erektion, auch wenn man damals vielleicht noch gar nicht so genau wusste, was da warum passierte. Aber das war Jodie Banks, von der eh schon geträumt wurde, und sie hatte eigentlich nix nennenswertes an!

    Es ist schon erstaunlich an was man sich nach so vielen Jahren noch erinnert!


    Noch immer versprüht diese Serie den Charme von damals, die Faszination und Begeisterung von damals kann ich mir wieder präsent machen und mich ganz der Verklärung vergangener Fernsehabende hingeben . Ich möchte hier keinesfalls den Konsum von jedweder Art von Rauschmittel propagieren, der Genuss einer individuell verschiedenen Menge Bieres kann dem Vergnügen an dieser Serie durchaus zuträglich sein!



    ASIN/ISBN: B01MSVZRED

    “Wer schreitet so spät noch

    durch Nacht und Wind?

    Es ist der Bodo

    er schreitet geschwind….

    Er hat die Bücher wohl im Arm

    Er faßt sie sicher, er hält sie warm”


    Es war schön, Euch alle wiederzusehen, oder zum ersten Mal zu sehen - und der nächste Frühling und damit das nächste Treffen könnte sich meinetwegen ruhig ein wenig beeilen!

    1923



    Es steht außer Frage das der von Harrison Ford dargestellte Indiana Jones auf die Handlung des Films “Jäger des verlorenen Schatzes” keinerlei Einfluss hatte - alles was passiert wäre auch ohne seine Anwesenheit in ähnlicher Form abgelaufen.

    Allerdings sorgen Indiana Jones Einmischungen in die Geschehnisse dafür, das die Geschichte lang genug für einen Film wurde.

    Bei 1923 ist es schlimmer.

    Harrison Fords Charakter hat hier zwar wesentlich mehr Einfluss auf den Verlauf der Handlung, was auch in diesem Fall dafür sorgt, das die Geschichte länger wird, doch im Gegensatz zu JdvS ist das in diesem Fall keine gute Nachricht. Selbst die Hoffnung, seine bloße Anwesenheit würde die Serie ein kleines bisschen besser machen, erfüllt sich nicht, trotz der Unterstützung durch die fabelhafte Helen Mirren.


    Die Dutton-Ranch ist aufgebaut, doch wetterbedingt haben die Rinder kein Gras mehr zu fressen, ein Problem, welches auch die in die Gegend strömenden Schafhirten dringend lösen müssen. Also treiben sie ihre Schafe auf das Land der Duttons.

    Das führt natürlich dazu das viele Leute aufeinander schießen.

    Einige sehr schöne junge Frauen verlieben sich und heiraten schöne junge Männer, auf die ebenfalls geschossen wird.

    Ein immer wieder aufgegriffenes Thema im Western ist die Geschichte des durch den Bürgerkrieg entwurzelten jungen Mannes, der den Weg nach Hause nicht findet. Man kann das auch mit dem Ersten Weltkrieg machen.

    Einen der jungen Duttons hat es nach dem Krieg nach Afrika verschlagen, wo er böse wilde Tiere jagt. Er trifft dort auf eine flippige junge Britin, die ihren Bräutigam verlässt und sich Dutton jun. anschließt, auch als sich dieser endlich - er wird dringend gebraucht - in Richtung Heimat aufmacht.


    Im Jahre 1888 reiste die amerikanische Journalistin Elisabeth Cochrane in 72 Tagen um die Welt - Dutton jun. schafft es nicht einmal, aus Afrika herauszukommen….

    Immerhin schafft er es mit seiner jungen Geliebten auf einen von einem alten und Blut hustenden Captain gesteuerten Kutter, um mit diesem eine Hafen zu erreichen von welchem aus sie ein weiteres Schiff zu einem Hafen erreichen können von welchem aus sie nach Amerika übersetzen können…. oder so ähnlich.

    Der Captain - wundervoll porträtiert vom fabelhaften Peter Stormare - hustet natürlich seinen letzten Huster und das Paar ist auf sich allein gestellt - und der Kutter, der nun der ihrige ist, wird von einem auf der See treibenden Geisterschiff gerammt und schlägt um.

    Sie waren diesem Schiff bereits begegnet, der Captain hatten ihnen erzählt, das dieses herrenlose Schiff nun ein Passagier der Strömung in den Gewässern ist, außerdem ist das Schiff sehr, sehr gross - und doch werden die beiden Landratten vom Auftauchen des Kahns überrascht. Überrascht von einem großen Schiff, das man meilenweit sehen kann und dessen Existenz bekannt war!

    So blöd muss man erstmal sein! Die Serie ist es!

    Der Handlungsstrang um die beiden Reisenden macht die Serie zwar länger, aber trotz der turbulenten Abenteuer, von denen eines aufs andere folgt, nicht spannender oder interessanter. Diese Abenteuer sind - wie der Rest der Serie - lieblos zusammengeschusterte Standart-Handlungsteile aus dutzenden billigen Groschenheften zusammengeklaubt, und nur die Menge an verwendeten Klischees verleiht ihnen etwas Substanz.

    Wir alle kennen - und einige von uns lieben - diesen knorrigen, starrsinnigen alten Mann, der unter anderem von John Wayne oder Spencer Tracy - neben vielen anderen - so wundervoll verkörpert wurde.

    Der Fords ihr Harry ist so einer, doch fehlt seiner Rolle etwas Wesentliches, was all die anderen, auf deren Schultern er steht, hatten. Intelligenz. Verschlagenheit und ein kleines bisschen Boshaftigkeit. Dieses und einige andere Attribute machten diese klassischen Charaktere so reizvoll.

    Hier haben wir nur den Starrsinn eines alten Mannes.

    Was Intelligenz angeht, mangelte es offensichtlich bei den Machern der Serie, so daß dieses Konzept auch in der Serie nicht vorkommt.

    Die Schafhirten sind trotz ihrer Notlage schlichtweg die Bösen - die Duttons haben genug eigene Probleme und können sich die generöse Geste des Teilens schlichtweg nicht leisten. In früheren Filmen um einen solchen Konflikt wurde diese Einseitigkeit dadurch vermieden, das die Besitzverhältnisse das Land betreffend nicht so eindeutig waren, da es sich zB um Regierungsland handelte oder aber schlichtweg dem gehörte, der es nicht nur für sich beanspruchen sondern diesen Anspruch auch durchsetzen konnte.

    Der obligatorische Groß-Finanzier taucht am Ende der Staffel natürlich auch noch auf, doch an diesem Punkt kann selbst Timothy Dalton nichts mehr retten. Indiana Jones/Han Solo und James Bond in einer Serie - und das ganze ist dennoch ein Reinfall - das muss man erstmal schaffen!


    Für mich ist dieses Machwerk ein schnell und konzeptlos heruntergeschluderter Versuch, aus dem “Yellowstone-Konzept” schnell und simpel noch einige Dollar herauszuquetschen.

    Es scheint, als gäbe es, abgesehen von der Tatsache, das sein Name draufsteht, keinerlei Hinweis darauf, das Shakespeare tatsächlich all die Stücke verfasst hat, die man ihm zuschreibt. Schlimmer noch, es spricht sehr viel dagegen, das er tatsächlich der Autor war. Es gibt allerdings einige Personen in der Zeit, die sowohl über die nötige Bildung und das Talent verfügten, um Stücke dieser Art zu verfassen, und diese Gruppe schließt einige höchst interessante Frauen mit ein.

    Nachdem Elisabeth Winkler mit einem Essay im “Atlantic” die Shakespeare-Puristen aufgeschreckt und zu teilweise recht garstigen Gegenreaktionen provoziert hat, legt sie nun eine ausführliche Analyse der bekannten Fakten vor.


    Ebenso gut recherchiert wie argumentiert ist dieses Buch eine Wohltat für alle, die an den Werken interessiert sind, die uns immer noch begeistern, sowie für diejenigen, die eine ernsthafte Debatte um historische Themen schätzen.




    ASIN/ISBN: 1982171278

    Der Film beginnt mit Dylans Ankunft in New York und seinem Besuch beim schon schwer erkrankten Woody Guthrie, an dessen Krankenbett er Pete Seeger kennenlernt, der ihn bei sich aufnimmt, bis er bei seiner Freundin Suze - die im Film anders heisst - unterkommt und während ihrer Abwesenheit eine Affäre mit Joan Baez beginnt. Er klampft und schreibt Songs, und am Ende spielt er E-Gitarre beim Folkfestival und keiner hat ihn mehr lieb, außer ihm selber, aber das war schon vorher so.

    Dieser Film ist kein Biopic, wie es angekündigt wurde, es ist die Verfilmung seines Wikipedia-Artikels, unterlegt mit einigen Songs einer beliebigen “best of” oder "Greatest Hits” - Zusammenstellung, vor dem Hintergrund eines wunderschön fotografierten New York der 60er Jahre, hier sieht selbst der Dreck sauber aus, sofern man überhaupt welchen zu Gesicht bekommt.

    Eine Antwort, wer Dylan wirklich ist - oder besser zu verschiedenen Zeiten sein wollte - gibt es nicht, was auch nicht zu erwarten war. Aber auch wer Suze-mit -anderem-Namen war bleibt offen - ebensowenig erfahren wir über Joan Baez, außer das sie wunderschön aussieht und beim selberklampfen schön singt.

    Es fallen viele bekannte Namen, die Darsteller sehen denen, die sie verkörpern sogar hin und wieder etwas ähnlich, doch keine er Figuren wird in irgendeiner Form außerhalb ihrer Funktion erklärt, keiner unter den Darstellern - auch nicht der Hauptdarsteller - muss hier mehr tun als gut auszusehen, während er etwas sagt.

    Timothée Chalamet ist vermutlich ein wirklich guter Schauspieler, zeigen kann er es hier nicht, ein Umstand welchen ich eher der Regie zum Vorwurf mache denn diesem Schauspieler, der mit Sicherheit in der Lage gewesen wäre uns mehr zu zeigen als diese mainstreampublikumverträgliche Mischung aus Künstler und Arschloch. Auch wenn das New York der beginnenden 60er Jahre und der beginnende Folkboom unter beinahe so vielen Klischees begraben ist wie Dylan selber, sind Zeit und Ort trotzdem noch eine faszinierende Kulisse, vor welcher ein zerlumpter, obdachloser Folksänger versucht Fuss zu fassen. Und da man den echten Bob Dylan sowieso nicht kennt, hat man jede Freiheit einen zu erfinden, mit der Legende zu spielen, aus dem Überfluss der Quellen und Geschichten und Legenden etwas zu gestalten, das wenigstens den Versuch unternimmt sich der Legende zu nähern, sie zu verstehen, zu erklären und zu deuten.

    Nichts davon geschieht hier. Der Film ist harmlos und uninteressant - und schnell wieder vergessen, da Dylans Weg zum Erfolg ohne nennenswerte Probleme abläuft wie ein Uhrwerk. Er schreibt Songs, nimmt diese auf und vögelt zwei schöne Frauen, viel mehr passiert nicht.

    Und es gibt noch eine Enttäuschung! Obwohl an prominenter Stelle angekündigt, tritt Edward Norton in diesem Film nicht auf.

    Aber dafür werden wir Zeuge, wie Pete Seeger sich selber spielt - und in manchen Einstellungen, im richtigen Licht…..

    ….. sieht er ein bisschen aus wie Edward Norton.



    ASIN/ISBN: B0F4XKWHG6

    Da ist immer noch einer - oder noch eins. Noch ein Killer, ein Monster, ein Alien, nach dem Showdown, wenn alles bereits erledigt schien, oder alle, je nach Film. So oft wurde das wiederholt, das sich niemand mehr über das Unerwartete erschreckte, sondern dieses zum Erwarteten wurde, noch eine Szene, die uns vom erlösenden Abspann trennte, so konventionell, das sich bereits im ersten Film der “Scream”-Reihe (1996!) darüber lustig gemacht wurde. Jeder verstand den Gag!

    Mit dem Western verhält es sich ähnlich, bevor die Streamingdienste dieses uramerikanische Genre immer und immer wieder durch den tanzenden Fleischwolf drehten, galt er als tot - und kam doch immer wieder, hin und wieder erfolgreich, doch selten wirklich innovativ.

    “Silverado” war schlichtweg eine Aneinanderreihung von dem, was man heute “Tropes” nennt, Handlungsschnippsel aus dem Western Klischee-Ramschladen, leidlich unterhaltsam, doch nur durch die gute Besetzung vom unteren Mittelmaß zu unterscheiden.

    “Pale Rider” war ein als mystischer Western getarntes Remake von “Shane”, in welchem Eastwood seine ikonische Figur des Rächers tatsächlich aus dem Jenseits zurückkehren ließ - wie er es bereits in “Ein Fremder ohne Namen getan hatte, aber ohne auch nur den Versuch zu unternehmen, mehr als das Notwendige - sich selber, Eastwood - zu zeigen.


    Weis er schon, das er verfolgt wird, oder ist er einfach nur vorsichtig? Vermutlich weis er es,muss sich aber dennoch eine Essenspause gönnen, um die Kraft zu haben, weiter davon zu laufen.

    Der erste Schuss verfehlt ihn, der zweite verwundet ihn, nur mit den Nötigsten gelingt ihm die Flucht zu Fuss, den Berg runter, mehr fallend denn laufend.

    Seine Verfolger wähnen ihn im Fluss ertrunken, doch ihr Anführer - der für ihre Dienste bezahlt, ist nicht überzeugt. Er will zumindest seine Leiche sehen.


    Der Grund für die Verfolgung wird erst spät enthüllt, er ist seltsam banal, wirkt fast überflüssig, fehl am Platze, störend. Natürlich brauchen wir eine Erklärung für das, was passiert, dessen Zeuge wir werden, doch ist das im Rahmen dieses Films eher ein Hinweis auf unsere Unzulänglichkeiten den Filmgenuss betreffend.


    Die Interaktionen mit anderen Menschen unterbrechen die Bewegung nur, justieren sie nur geringfügig neu - die Dialoge sind kurz, zweckgebunden, prägnant zwar, jedoch nicht zitierfähig, kein cooler One-Liner ist dabei. Unsere Blicke lässt der Film herin, unsere Emotionen jedoch nicht, und doch ist der Film - gerade wegen seiner Fremdartigkeit, seltsam fesselnd, mehr durch Bilder und Bewegung denn durch Aussagen.

    Das Tor zum Mystischen durchschreiten wir unbemerkt - wo war es noch gleich? Ist es wahr, ein Traum, ein Wahn?

    Spielt das eine Rolle? Ich denke, nein.


    Anstatt altbewährtes größer und pompöser - aber um so inhaltsleerer - neu zu verfilmen, wie “Der Bummelzug nach Yuma” oder “Die ethisch diversen 7” (Deren Jämmerlichkeit im Vergleich mit den Originalen schmerzlich zu Tage tritt) nimmt dieser Film ebenfalls etwas Altbewährtes, etwas simpel-klassisches - eine Flucht, eine Verfolgung - und formt mit wenigen minimalistischen Stilmitteln etwas, das wir, auch wenn uns der Film nicht gefällt, nicht vergessen werden, es ist ein Film, der berührt und fasziniert, auch wenn wir ihn nicht vollends intellektuell zu fassen vermögen.





    ASIN/ISBN: B0DT8WQBZZ

    Es ist sehr leicht sich von Zelda Fitzgeralds Roman sofort fesseln zu lassen, es ist leicht, sich dem Sog, den ihre Erzählung entfesselt ,einfach hinzugeben und atemlos ihrer Erzählstimme zu lauschen und einen außergewöhnlichen Text zu genießen. .

    " She talked with so spontaneous a color and wit—almost exactly in the way she wrote—that I very soon ceased to be troubled by the fact that the conversation was in the nature of a 'free association' of ideas and one could never follow up anything. I have rarely known a woman who expressed herself so delightfully and so freshly....“

    - Edmund Wilson, Literaturkritiker


    Sind ihre Kurzgeschichten auch ausgesprochen lesenswert, so sind sie doch in der kurzen Form gefangen, zu eingegrenzt, als das sich Zeldas Talent hier vollends entfalten könnte.



    Und sie braucht diesen Raum, diese Halle, welche sie mit ihrer Stimme mühelos bis in den letzten Winkel zu füllen vermag. Obschon dieser Roman sehr stark autobiographisch geprägt ist bedarf es keinerlei Vorwissen um die Biographie Zelda Fitzgeralds, noch Kenntnisse über ihren Mann oder ihre turbulente Ehe – so sehr der Roman vieles davon widerspiegelt, so nachvollziehbar ist die Geschichte und die Handlungen der Protagonisten. Die Fitzgeralds waren zweifelsohne einzigartig – vieles in ihrer Geschichte war es sicherlich nicht. F. Scott Fitzgerald war ein talentierter und gefeierter Autor, aber auch ein verschwendungssüchtiger Säufer, der gegen seine Schulden anschrieb. Zelda genoss es am Anfang, die Frau an der Seite dieses umjubelten Stars der Literaturszene zu sein, und beide gelten heute noch als die Verkörperung des Jazz-Age, der Roaring twenties. Doch reichte es Zelda nicht, nur „Die Frau an der Seite“ zu sein, auf die Rolle der Muse des Künstlers reduziert zu werden, und als Lohn nur eine Rolle in seinem Werk zu bekommen. Ihr Mann sah das offensichtlich ganz anders, und er versuchte alles, die Unabhängigkeitsbestrebungen seiner Frau zu unterbinden. Die von ihr verfassten Kurzgeschichten erschienen unter seinem Namen, sie wurde, wenn überhaupt, nur als Co-Autorin erwähnt – da man, so sein Argument, für die Geschichte eines berühmten, namhaften Autors mehr Geld bekommen konnte. Das war sicherlich richtig, verhinderte allerdings – auch das war offensichtlich Teil seines Plans – die Entdeckung Zeldas als eigenständige Schriftstellerin, die ihr – wie andere künstlerische Bestrebungen – genug finanzielle Unabhängigkeit verschafft hätte, das Jazz-Age-Wunderkind zu verlassen und die Scheidung einreichen zu können – was sie ab einem bestimmten Zeitpunkt durchaus geplant hat. Vor diesem Hintergrund ist es mehr als verständlich, das sich die durch Nancy Milford – welche die erste Biographie über Zelda Fitzgerald verfasste – etablierte Legende, F. Scott hätte an Zeldas Roman einschneidende Veränderungen und Kürzungen vorgenommen, bis heute kolportiert wird. Eine genaue Prüfung der Entwürfe für den Roman zeigen keinerlei Einfluß ihres Mannes, der Text ist nur Zelda zuzuschreiben.

    Die Kritiken waren überwiegend negativ, die Verkaufszahlen enttäuschend, und Zelda wandte sich anderen künstlerischen Feldern zu, erst viel später begann sie wieder an einem Roman zu arbeiten, welcher allerdings unvollendet blieb – sie fiel einem Feuer zum Opfer, unter anderem weil es jemand für eine gute Idee gehalten hatte, die Feuertreppe selbst aus Holz zu fertigen. Erst Nancy Milfords Biographie – welche unter Anderem für den Pulitzer Preis und den National Book Award nominiert war – brachte Zelda Fitzgerald als eigenständige Person und Künstlerin wieder in Erinnerung,

    Die Videospielreihe „Zelda“ ist nach Zelda Fitzgerald benannt.




    ASIN/ISBN: 3311150449

    Shark - Staffel I



    ASIN/ISBN: B005FOHQ7G




    Er gilt als einer der besten Strafverteidiger der Stadt Los Angeles, dem Ort, an dem die Reichen, Schönen und Prominenten leben, sündigen und hin und wieder gegen das Gesetzt verstoßen - und wenn letzteres zutrifft, dann wenden sie sich an ihn, um sie rauszuhauen. Er jongliert mit den Paragraphen des Gesetzbuches, als gäbe es keine Schwerkraft, sein Verhältnis zum Gesetz gleicht dem Verhältnis von Thelonious Monk zur Tastatur eines Klaviers.

    Sebastian Stark ist der, an den man sich wendet, wenn man reich, prominent und - zumindest zeitweise - juristisch in Schwierigkeiten ist.

    Weil er gut ist. Und weil er seine Klienten raushaut!

    Das Alles ist schon eine gute Grundlage für eine leidlich interessante Fernsehserie - aber es fehlt noch das gewisse Etwas, eine Kleinigkeit, welche die Hauptfigur der Geschichte von puren Arschloch zu einem tragischen Helden macht.

    Ein prominenter Sportler hat seine Freundin schwer misshandelt und verprügelt, doch weil "Shark" (er mag den Namen garnicht!) so gut ist und weil die Staatsanwaltschaft dagegen so miserabel ist, kommt sein Klient frei - und der nächste Wutausbruch kostet das Leben der jungen Frau.

    So distanziert Stark auch von dem, was er tut, sein mag, das trifft ihn - und wirft ihn vollends aus der Bahn.


    Da macht ihm der Bürgermeister ein Angebot, welches er nicht ablehnen kann, weil er einen Job braucht, und weil er etwas gut zu machen hat! Trotz allem, was er getan hat, ist er wie Darth Vader - es ist noch Gutes ihm.

    Er soll nun auf die andere Seite wechseln, und als Staatsanwalt gegen seinesgleichen vorgehen - die Schuldigen, die reich genug sind um sich die besten Anwälte

    leisten zu können, sollen von nun an nicht mehr davon kommen - denn auf der anderen Seite des Gesetzes wartet der “Shark”! (Er mag den Namen immer noch nicht - jetzt weniger denn je!)

    Und seine neue Chefin ist die, die am meisten Grund hat ihn für all die schmachvollen Niederlagen vor Gericht zu hassen.

    Mit einem kleinen Team junger, ambitionierter und noch mit Skrupeln belasteter Anwälte macht sich Sebastian Stark daran, den Reichen und Mächtigen, Prominenten und Schönen und ähnlichen Leuten das Fürchten zu lehren!

    The law is back in town - and it will kick your ass! ( oder etwas ähnlich pathetisch-albernes….)


    Es gibt eine Reihe von Serien um ein sehr kompetentes Arschloch, welches mit Hilfe eines jungen Teams irgendwelche Probleme löst. “Dr House” ist sicherlich eines der prominentesten Beispiele, ein brillanter Arzt löst scheinbar unlösbare medizinische Rätsel, unterstützt und bestaunt von seiner Entourage,

    Vorher schon gab es Tim Roth als Dr. Cal Lightman, der erkennen konnte, das jemand lügt. Seine Fälle beschäftigten sich in der Regel damit herauszufinden warum. Auch er war umgeben von einem Team, welches immer wieder seine Entscheidungen in Frage stellte, was der Serie, ebenso wie Dr House. eine gewisse Dynamik verleiht. Und Dr. Lightman hat darüber hinaus noch eine Tochter, um die er sich kümmern musste und die ihre eigenen Herausforderungen mit sich brachte.

    Im Serienauftakt entscheidet sich Starks Tochter, sehr zum Leidwesen ihrer von Stark geschiedenen Mutter, das sie bei ihrem Vater leben möchte, weil dieser, auch wenn er es noch nicht begreift, sie braucht, und weil sie sich nicht von ihm entfremden möchte.

    Nun hat er also nicht nur einen neuen Job, sondern auch noch eine Tochter, deren Aufzucht und Pflege Stark vor bisher nicht gekannte Probleme stellt.

    Alle Fälle erscheinen unlösbar, nicht zu gewinnen, aber Sebastian wäre nicht Stark, wenn er nicht trotz alledem eine Lösung finden würde.

    Das Ganze läuft ab wie ein Uhrwerk. Der nicht zu gewinnende Fall wird vor uns, den treuen Zuschauern, ausgebreitet, dann gibt es das große Desaster, nach welchem es manchmal - nicht immer, aber hin und wieder! - noch schlimmer wird und dann wird aber sowas von gewonnen.

    Die Serie lebt einzig und allein von James Woods. Seine Gefolgschaft besteht aus Darstellern, die man immer wieder in Nebenrollen irgendwo sieht - und die nie mehr als das machen werden, weil sie einfach nicht gut genug für bessere Rollen sind, sie sind schwach und vergessenswert - man gewöhnt sich an sie, aber sie sind nicht unverzichtbar.

    Schwer zu ertragen finde ich seine Tochter!

    Die Tochter von Cal Lightman ist ein Teenager, mit allem was das impliziert, grandios gespielt von Hayley McFarland, und sie macht ihre Sache mehr als gut - sie stört, was ihre Aufgabe ist, aber sie nervt nicht. Vielleicht ihren Vater, aber niemals uns, die Zuschauer.

    Bei Stark ist das leider ganz anders!

    Danielle Panabaker ist so aufdringlich süß, so offensiv niedlich, das es wehtut! Und sie wirkt dabei so gewollt, so unauthentisch, das sie das Gleichgewicht der Serie immer wieder nachhaltig stört - wann immer der Schnitt uns von ihrer Gegenwart befreit, können wir sicher sein: Die kommt wieder!

    Und nervt!


    Alle notwendigen Teile sind vorhanden, aber sie passen nicht richtig zusammen - bei einigen ist die Größe falsch, einige der Scharniere quietschen, und die vorgebohrten Löcher sind nicht an der richtigen Stelle.

    Das Endergebnis ist immer noch als Regal zu erkennen, schlichtweg weil es aussieht wie unzählige andere seiner Art, es mangelt dieser Serie auf der einen Seite an innovativen und überraschenden Ideen, auf der anderen Seite sind die Darsteller nicht stark genug, durch ihre Präsenz solche Schwächen in der Handlung auszugleichen. Es ist ein Soloauftritt von James Woods - der auch dann brillant den Bildschirm dominiert, wenn er einfach nur im Pyjama irgendwo rumsteht - doch das reicht leider nicht aus. Natürlich kaufen wir die Eintrittskarte, um den Solisten zu hören, doch das Vergnügen wird nachhaltig negativ beeinflusst, wenn die Begleitband schlecht ist.

    1883



    "Yellowstone" war eine der Shows, die man gesehen haben musste, also tat ich das, solange ich es ertragen konnte.

    Um ehrlich zu sein fand ich das ganze vorhersehbar und langweilig, für jeden der von “Dallas” und “Denver Clan” zumindest einmal gehört hat bietet diese Serie wenige Überraschungen - Kühe ersetzen hier das Öl, ansonsten läuft alles wie ein Uhrwerk….

    … ein langsames Uhrwerk.

    Man könnte zumindest erwarten das die Serienmacher das Unvermeidliche nicht so nervtötend in die Länge ziehen würden - aber sie tun es.

    Ich würde nicht so weit gehen wollen den Erfolg dieser Serie in irgendeiner Weise mit ihrer intellektuellen Anspruchslosigkeit in Verbindung bringen zu wollen und somit ihr Publikum abwertend zu beleidigen, ich stelle lediglich fest das - ganz im Sinne einer vollumfänglichen Inklusion - diese Serie niemanden ausschließt.

    Wann immer eine Serie erfolgreich ist werden sogenannte “Spinoffs” - Ableger der Originalserie - zumindest diskutiert, und in einigen Fällen auch gedreht.

    “1883” beleuchtet die Vorgeschichte der “Dutton-Ranch” und erzählt von der Dutton Familie und ihrem Weg nach Norden.

    Die gute Nachricht ist, das diese Serie auch unabhängig funktioniert - abgesehen von der Tatsache, das die Leute, die den Wilden Westen durchreisen, denselben Nachnamen tragen wie der von Kevin Costner dargestellte Patriarch in “Yellowstone”.

    Die andere gute Nachricht ist, das “1883” tatsächlich funktioniert, auch wenn man hier ebenfalls anmerken könnte, das ein Siedlertreck und dessen Probleme unterwegs nun auch nicht gerade cineastisches Neuland sind.

    Die Serie kommt ohne Stars und fast ohne bekannte Schauspieler aus, abgesehen vielleicht von Sam Elliott, doch auch dieser wurde nicht ob seines berühmten Namens gecastet sondern weil es auch der Welt niemanden gibt der sie Rolle des desillusionierten alten Treckführers so spielen kann wie er.

    Aber halt, höre ich euch rufen: "Faith Hill ist sogar ein Superstar!”

    Ja, liebe Jungs und Mädels, allerdings in der Musik. Aber das ist tatsächlich egal, sie meistert ihre erste Rolle vor der Kamera mit einer Bravour, die mich - der sie nie hat singen hören - bedauern lässt, das sie ihre Zeit mit diesem Gedudel vergeudet hat, anstatt die große Leinwand zu adeln.

    Isabel May spielt die Tochter der Duttonfamilie, und sie erzählt die Geschichte, wir sehen das, was passiert auch durch ihre Augen und erleben ihre persönliche Sichtweise auf die Geschehnisse.

    Eine Gruppe von deutschen Auswanderern - die komischsten Deutschen, die ich je gesehen habe! - wollen von Texas nach Oregon reisen, um sich dort anzusiedeln. Sie sprechen und verstehen die Landessprache bestenfalls unzureichend und sind insgesamt so ungeeignet für ein solches Unternehmen, wie man es sich vorstellen kann. Da sie in jedem Fall losfahren beschließen Sam Elliott und sein Partner ihre Reise durch ihre Anwesenheit und Anleitung zumindest ein wenig sicherer zu machen, und der Ur-Dutton, der zufällig in dieselbe Richtung will, schließt sich an, beharrt aber immer darauf das er zwar dabei ist, aber deshalb nicht zwangsläufig dazugehört.


    Das eine Reise wie diese viele Gefahren birgt, wissen wir, jeder Treck-Film beginnt mit einem Monolog, in welchem die 1000 Gefahren, die da draußen lauern, in glühenden Farben geschildert werden.

    Hier werden sie gezeigt!

    Zwangsläufig, könnte man sagen, da ein großteil der Reisegruppe kein Wort versteht, und deshalb aus Erfahrung lernen muss, das an einen Baum pissen damit emden kann, das einen eine Klapperschlange in den Arsch beisst. In “1883” ist das nicht nur Theorie.

    Die Serie geht hier wesentlich weiter ans andere, die ich gesehen habe, sie ist aber keineswegs auch die Schockeffekte aus. Sie versucht schlichtweg realistisch wiederzugeben, welche Gefahren und Hindernisse zwischen Texas und Oregon liegen, sie schwelgt nicht in Blut, Gekröse und ekligen Dingen, sie zeigt, was notwendig ist, um zu verstehen.

    Auch wenn es in jeder Folge ein Haupthindernis zu überwinden gilt fokussiert sich die jeweilige Folge nicht ausschließlich darauf sondern erzählt immer die ganze Geschichte weiter, erzählt von der Dynamik unter den Einwanderern, ihrem Verhältnis zu den Anführern des Trecks und ihre Interaktion mit den Duttons. Die haben ihre ganz eigenen Probleme, sie müssen nicht nur auf den 5 jährigen Sohn aufpassen, sie müssen auch beide auf ihre eigenen Art akzeptieren, das ihre Tochter nicht nur zu einer Frau wird - ja, auch dadurch! - sondern das ihre Berufswahl weniger in Richtung feiner Dame, sondern eher Richtung Cowboy tendiert.

    Es gibt schöne Landschaften und malerische Sonnenuntergänge, doch ist die Serie alles andere als romantisch oder romantisierend - das die Schönheit der Gegend auf diejenigen, die sie durchqueren nicht ohne Wirkung bleibt ist selbstverständlich, doch ebenso klar sind die Gefahren, die überall lauern - was diese Serie von anderen Darstellung derselben Situationen abhebt ist ihre Ehrlichkeit, diese Gefahren betreffend und die schonungslosigkeit, mit welcher damit umgegangen wird.

    Die Verluste sind hoch, immer wieder sterben Menschen, durch Unachtsamkeit, Inkompetenz oder einfach Pech.

    “1883” ist nicht nur damit realistischer als andere Filme oder Serien, auch die dargestellten Personen sind ihren realen Vorbildern näher als ihren Klischees.

    Unterstützt wird dieses durch ein wirklich hervorragendes Drehbuch, geschrieben von Taylor Sheridan, von dem die Serie stammt. Gerade die Erzählungen von Elsa Dutton - als Voiceover - sind nicht nur außerordentlich ausdrucksstark, sie sind zuweilen pure Poesie.


    Auch diese Serie nimmt sich Zeit, doch im Gegensatz zu “Yellowstone”, wo jedes vorhersehbares Ereignis so in die Länge gezogen wird, um nicht nur eine sondern mehrere inhalts- und handlungslose Folgen zu füllen, bevor das Vorhersehbare endlich geschieht, wissen die Regisseure die Zeit sinnvoll zu nutzen, ohne andererseits schlichtweg spektakuläre Un- und Todesfälle aneinanderzureihen.

    Die Serie ist sicherlich nichts für jedermann - auf den Scheiß mit den “schwachen Nerven” verzichte ich bewusst! - doch spricht sie sicherlich auch Menschen an, die nicht zwangsläufig Westernfans sind, Zeit und Ort bestimmen hier das Genre zwangsläufig, nicht so sehr jedoch der Inhalt. Die Strapazen einer gefährlichen Reise sind als Thema ebenso Zeitlos wie inner Konflikte einer Gruppe oder das Heranwachsen von Kindern, die irgendwann eigene Wege gehen, gehen müssen.


    “1923” ist eine weitere Vorgeschichte der Dutton-Ranch, und zumindest die Besetzung klingt sehr reizvoll, mit Helen Mirren und Harrison Ford in den Hauptrollen.

    Die Besetzung ist tatsächlich die eine Sache, die alle diese Serien richtig machen, sie besetzen Rollen mit guten Schauspielern, die ihre Rollen glaubhaft verkörpern und nicht ausschließlich ihres großen Namens wegen für Aufmerksamkeit sorgen.



    "My name is Daniel Russel. I dream of dark water"


    Man kann durchaus den Kleinstadt-Krimi als eigenes Genre innerhalb der Kriminalliteratur bezeichnen, ohne all zu viel Widerspruch zu erhalten, und in der Regel beginnen sie damit, das ein Mann in die Stadt kommt – ich bitte um Entschuldigung, meine Damen, aber so ist es nunmal. Das mag nicht allen gefallen, aber wer daran etwas ändern will, sollte eine eigenen Krimi schreiben. In einigen Fällen sind diese Männer nicht zum ersten Mal in der Stadt, sie kommen zurück, um ein an ihnen oder einem der ihrigen begangenes Unrecht zu sühnen und die Verantwortlichen von damals zur Rechenschaft zu ziehen. Auf den ersten Blick scheint es sich bei „Moon Lake“ um einfach einen weiteren Vertreter dieser Subgattung des Kriminalromans zu handeln, doch Joe wäre nicht Lansdale, würde er nicht von Anfang an einiges anders machen, die Story von ihrem Beginn an in seiner eigenen Version schildern. Auch wenn Joe Lansdale diese Geschichte so erzählt als wäre er der Erste, der die Handlung eines Kriminalromans in einer Kleinstadt ansiedelt bezieht er doch gleichzeitig alle anderen Kleinstadt-Krimis – und andere in kleinen Städten angesiedelten Romane, er beschränkt sich nicht unbedingt nur auf die Spannungsliteratur – mit ein. Sie bilden gleichzeitig Hintergrund und Inspiration für seinen Roman. Doch anstatt diese Vorbilder einfach zu kopieren, macht er sich diese Geschichten zu eigen, um seine ganz eigene Geschichte zu komponieren. Er verleugnet keinesfalls diese bereits bestehenden Geschichten noch seine Kenntnisse diese Geschichten betreffend – diese kann ich an diesem Punkt nur unterstellen, doch es scheint mir absurd anzunehmen, das ein Autor wie Lansdale schreibt wie er es tut ohne die geringste Kenntnis von diesen Geschichten zu haben – doch geht er immer seinen eigenen Weg. Ohne jedoch stereotyp im Gegensatz zu den bestehenden Klischees zu erzählen.

    Joe Lansdale hat immer wieder betont das er nicht schreibt um dem Publikum zu gefallen, sondern wie es ihm gefällt. Es ist ihm schlichtweg egal, was wir Leser von seinen Wendungen in der Geschichte halten, ob wir seine Entscheidung, eine Person sterben zu lassen, gutheißen oder sie verdammen oder ob der Typ, der am Ende das Mädchen kriegt der ist, mit dem wir sie gesehen haben. Es ist diese erzählerische Integrität, die Joe Lansdales Werke so lesenswert machen: Sie sind die authentische Wiedergabe dessen, was der Autor als gute Geschichte ansieht, und erfüllen nicht stur die Erwartungen, die wir an die geschilderten Ereignisse haben – was vielleicht bequem für uns ist, uns allerdings auch unterstellen würde, mit den Herausforderungen einer Wendung in der Story nicht umgehen zu können. Natürlich ist es einfacher das aufzunehmen, von dem wir und wünschen das es passiert, oder was wir in diesem Punkt erwarten, weil es bisher – in all den anderen Romanen – immer so passiert ist. Es lullt uns ein, es enthebt uns von der Aufgabe – die meiner Ansicht nach jeder Leser hat – uns tatsächlich mit der Geschichte auseinanderzusetzen, sie in gewisser Weise kritisch zu lesen, ihr wirklich die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie verdient, und sei es nur, um dem Autor den ihm zustehenden Respekt zu zollen. Joe Lansdale schreibt in einem direkten, erzählenden Stil, welcher in den Händen eines geringeren Autoren leicht ins Simple und Banale abgleiten kann, es bei Lansdale jedoch so gut wie nie tut, es sei denn er entscheidet sich bewusst, das geschehen zu lassen (Letzteres kann ich nur vermuten, aber alles andere hieße Joe Lansdale Nachlässigkeit zu unterstellen – wozu es keinerlei Anlass gibt.) Es mangelt Joe Lansdales Art zu erzählen keinesfalls an der notwendigen Kunstfertigkeit, und er hat sich für eine Erzählstil entschieden, welcher der Spontanität seiner Art zu schreiben am besten zu gute kommt. Und es ist diese Spontanität – Lansdale plottet nicht und plant nicht im Voraus, er folgt seiner Geschichte, wohin auch immer sie sich entwickelt – welche den Reiz einer Lansdale-Erzählung ausmacht, so auch in diesem Fall.



    ASIN/ISBN: 398676030X

    ASIN/ISBN: 0316540641

    "Die Leute, die niemals Zeit haben, tun am wenigsten"

    Georg Christoph Lichtenberg (1742 - 1799)



    Sorry Lichty , altes Haus, da befindest Du Dich im Irrtum!



    Das ein Finsterling mit Machete und Mordabsichten an seinem Bett steht, kann Roy bereits nicht mehr aus der Fassung bringen – der steht da jeden Morgen. So wie jeden Morgen der Hubschrauber vor dem Fenster schwebt, so wie viele andere unangenehme Zeitgenossen, die nur ein Ziel haben: Roy umzubringen, immer und immer wieder aus ihren Löchern gekrochen kommen.

    Inzwischen hat Roy eine gewisse Routine entwickelt einem Großteil der Mörder auszuweichen oder sich ihrer zu entledigen, doch schafft er es niemals weiter als bis in die Bar….. ….und alles geht von vorne los, denn Roy hängt in einer Zeitschleife fest. Ja, das drollige Tier aus der Familie der Sciuridae und der ihm gewidmete Tag stand hier natürlich Pate – diesem Vergleich kann sich kein Film mit dieser Thematik entziehen.

    (In einer Sequenz wird hier tatsächlich auch direkt auf den Paten Bezug genommen, als Roy sich in der Kunst des Schwertkampfes unterrichten lässt, und stetig Fortschritte macht während es für seine Lehrerin immer sein erster Tag ist – im Original beschließt Bill Murray Klavierunterricht zu nehmen. )

    Die Chancen, das ein solches Werk schlussendlich bloß ein actionüberfrachteter , schrottiger Ballerfilm wird, sind sehr, sehr hoch. Der Regisseur Joe Carnahan hatte allerdings offensichtlich von Anfang an – er war auch am Drehbuch beteiligt – ein klares visuelles Konzep und war sich dieses Risikos wohl bewusst.

    Ein Großteil des Films ist vermutlich bewusst an entsprechende Videospiele jeden Alters angelehnt, und entsprechend konsequent sind auch die Actionsequenzen umgesetzt. Die Art, wie Frank Grillo die Hauptrolle verkörpert, erinnert stark an so manchen Action-B-Film der 80er Jahre, als Coolness und Lässigkeit noch die Schauspielkunst ersetzte. Eine tiefere Reflektion des Charakters, seine Situation betreffend entfällt also, aber für soetwas ist auch keine Zeit – er kommt ja nicht einmal dazu, das Rätsel seiner Situation in Ruhe zu durchdenken. Ersteinmal gilt es das Handlungsmuster, dem seinen Gegner folgen, zu entschlüsseln und das eigene Verhalten diesen anzupassen, und es ist egal wie lange das dauert - man hat ja Zeit & Leben im ûberfluss.

    Filme dieser Art folgen fast zwangsläufig der Formel des Georg von Frundsberg, wenn es darum geht, den Heldenmut ihres Protagonisten zu etablieren, und das bleibt auch hier nicht aus. Doch wie der Titel des Films schon suggeriert, geht es auch darum, das „letzte Level“ zu erreichen, wo dann der letzte und stärkste Gegner wartet: In diesem Fall ist das Mel Gibson! Und er ist nicht einfach noch böser als alle anderen – er ist diabolisch! So mancher Bond-Film blickt nun voller Neid auf dieses einen guten Filmgeschmack obsolet machende Schundwerk und denkt sich: „ …….“

    Es sind die vielen gut gelungenen Einzelteile, welche diesen Film – für Genrefans! – zu einem echten Vergnügen machen, wobei wir natürlich gegen den Einwand, das alles sei Murks, oberflächliches Geballer und obendrein alles schon dutzendfach vorhanden, nichts wirklich vorzubringen haben.

    Außer vielleicht dieses schöne Zitat von Charles Baudelaire: „Es liegt etwas Berauschendes im schlechten Geschmack, nämlich das aristokratische Vergnügen zu missfallen!"



    ASIN/ISBN: B08SYL77LQ

    Vielen, vielen Dank Euch allen!


    Dieses Ereignis ist nicht nur ein neues Kapitel - es markiert den Anfang eines vollkommen neuen Buches, inklusive einer neuen beruflichen Ausrichtung....

    Die sie auszeichnenden Attribute mögen sich von Held zu Held unterscheiden, doch gehören in der Regel Körperkraft, gepaart mit gutem Aussehen, (Edel)Mut, Aufopferungsbereitschaft und Galanterie gegenüber Frauen, Kindern, Hilflosen und hin und wieder auch Angehörigen einer Kirche dazu, um als Held durchzugehen Er ist – kurz gesagt – der Gute! Dann wäre da noch der Antiheld, der allerdings trotz des zu der Annahme verleitenden Begriffs nicht das genaue Gegenteil des Helden ist. Oft sehen sie nicht besonders gut aus – obwohl einige von ihnen, vor allem unter anderem in der Hardboiled- und Noir Literatur, durchaus Schlag bei Frauen haben – und sind einsame Außenseiter, die der Gesellschaft kritisch bis ablehnend gegenüberstehen. Es sind immer wieder gescheiterte Träumer, die es nicht schaffen sich ihren Weg zurück in die Gesellschaft zu bahnen und es zum Teil gar nicht mehr versuchen. Oft war es seine Individualität, sein Wunsch, unabhängig zu sein und zu bleiben, welche ihn zum Außenseiter machte, nicht das Fehlen von Attributen, welche man auch dem Helden zuschreibt. Auf Harry Flashman trifft nichts davon zu! Da weder die dem Helden noch die dem Antihelden zugeschriebenen Attribute – welche sich eh oft überschneiden - hier geeignet sind Harry Flashman zu charakterisieren möchte ich ihn, bevor ich auf Einzelheiten, welche den geneigten Leser vielleicht zu Gunsten oder Ungunsten das Buch betreffend beeinflussen, näher eingehe, kurz mit einem oberflächlich alle Antworten gebenden Begriff definieren: Arschloch! Er ist, folgen wir streng den Begrifflichkeiten, der wahre Anti-Held, also das genaue Gegenteil eines solchen. Er ist ein erbärmlicher Feigling, der nach Möglichkeit jedem Kampf aus dem Weg geht, es sei denn er kann durch Bescheißen den Ausgang zu seinen Gunsten manipulieren. Wenn nicht, macht er sich aus dem Staub. Sein Freund ist man nur so lange, wie man ihm nutzt. Sollte man als sein Freund zusammen mit ihm in Gefahr geraten, ist man in jedem Fall auf sich allein gestellt – im Falle eines Angriffs sollte man schneller laufen können als er. Für Frauen hat er sehr viel übrig - solange sie sich ihm willig hingeben. (Was allerdings seines guten Aussehens wegen in der Regel kein Problem ist) Und wenn es hin und wieder notwendig ist, heiratet Flashman sogar.

    Eines seiner Talente ist seine Fähigkeit, Fremdsprachen sehr schnell zu lernen, so ist er in seinen Einsätzen rund um die Welt oft der Einzige, der die Landessprache spricht und versteht, was seinem Verhältnis zur Bevölkerung - für die der arrogante britische Rassist in der Regel nur Verachtung übrig hat – sehr zugutekommt. Ein Arschloch eben. Der kauzige Charme eines liebenswerten Tunichtguts geht ihm ebenfalls vollkommen ab, denn da ist nichts Liebenswertes. Auch wenn sein Erfolg bei Frauen den Neid eines notgeilen Teenagers durchaus wecken kann, gibt es als Projektionsobjekt immer noch James Bond, der als Identifikationsfigur wesentlich mehr zu bieten hat, und er ist auch Brite! Dem geneigten Leser, welcher sich bis hierhin durchgearbeitet hat, mag sich nun unweigerlich die Frage stellen, warum jemand ein – oder sogar mehrere – Buch mit einer solchen Hauptfigur lesen sollte. Abgesehen von Frasers seiner Figur nachempfundenen locker-ironischen Schreibstils ist es genau dieser verabscheuungswürdige Negativcharakter, welcher diese Lektüre so reizvoll macht, da er das kleine Arschloch, das wohl in allen von uns schlummert, direkt anspricht – der düstere Charme des Verbotenen, des Schlechten und des Bösen wird direkt stimuliert. Wider besseres Wissen wartete ich immer wieder auf irgendetwas, das meine Sympathie für diesen Drecksack in irgendeiner Weise rechtfertigen könnte, wohl wissend, das eine solche Entdeckung den Reiz dieser Bücher unwiederbringlich zerstören würde. Flashman ist so konsequent als Nicht-Identifikationsfigur angelegt das gerade dieser Umstand den Reiz der Lektüre seiner Abenteuer ausmacht, und das er für seine Feigheit und sein intrigantes Verhalten immer wieder den ihm keinesfalls auch nur im Mindesten zustehenden Lohn einstreichen kann erhöht das Vergnügen ungemein. Ich persönlich empfinde es als eine sehr wohltuende Abwechslung einer Hauptfigur zu folgen, die nichts mit irgendjemandem gemein hat, der sonst meine Lektüre bevölkert.die keinesfalls arm an zwielichtigen Gestalten ist!

    Die Literatur ist voll von bösen, düsteren Gestalten, deren Faszination wir und nicht entziehen können - viele Schauspieler finden die Darstellung einer solchen Rolle als viel erfüllender, weil interessanter, als nur den braven, guten Helden zu mimen, der am Ende das Mädchen kriegt. (Denn im Film darf man das Mädchen am Ende nicht behalten – Held hin oder her) Ich erwähne das nur der Vollständigkeit halber und damit mein Text länger wird – auf Flash (nur seine engen Freunde dürfen ihn so nennen!) trifft nichts davon zu. Natürlich kann man sich die Lektüre und das Vergnügen an dieser dahingehend schönreden und rechtfertigen, indem man dem Autor unterstellt, eine böse, vor bitterer Ironie nur so triefende Parodie auf die britische Armee, das Verhalten der Briten als Kolonialmacht, ihre Arroganz und ihren Rassismus verfasst zu haben. Wer es braucht... Für alle anderen sind die Flashman-Papiere ein für den Leser äußerst vergnüglicher Gegenentwurf zu den unzähligen historischen Heldengeschichten, wie sie zum Beispiel Bernard Cornwell (Sharpe), C. S. Forrester, (Hornblower) oder Alexander Kent (u.a. Captain Blackwood) zu Papier gebracht haben.

    Es ist wahrlich eine Serie für die heutige Zeit, der lange überfällige Arschtritt für die political correctness - die Triggerwarnungen werden separat in einem 5-bändigen Appendix veröffentlicht, groß, schwer und in Leder gebunden um jeden, der nach so einem Bullshit verlangt damit so effektiv wie möglich zu verprügeln!


    ASIN/ISBN: 3942270919

    Das wertvollste Geschenk, was der König von Siam der Königin von England machen kann, ist sein kostbarer weißer Elephant – ein würdiges Geschenk eines Herrschers zum anderen! Von Siam geht die Reise des seltenen Tieres nach New York, von wo aus die Reise nach England nach einem kurzen Aufenthalt fortgesetzt werden soll. Doch in der Nacht geschieht das Unglück: Das wertvolle, kostbare, unersetzliche Tier wird gestohlen! Die sofort alarmierte Polizei wird repräsentiert von ihrem besten Mann, der besten Detektiv der USA, und vielleicht der ganzen Welt – ein Mann mit einem rasiermesserscharfen Verstand, einem unbeirrbaren Spürsinn und einem unschätzbaren Wissen die Welt des Verbrechens und ihrer Bewohner betreffend. Dieser Mann ahnt die Schritte der perfiden Gesetzesbrecher voraus, wenn diese selbst noch garnicht daran gedacht haben, und so scheint der Fall praktisch schon gelöst zu sein, die Rückkehr des Elephanten nur noch eine Frage der Zeit. Die Suche nach einem verschwundenen Objekt verbindet den Kriminalroman mit dem Thriller und dem Abenteuerroman, nur kleine Nuancen bestimmen hier oft die Zuordnung zu dem einen oder anderen Genre. Diese Genre-Einteilung wird oft erst dann - rückwirkend - vorgenommen, wenn sich die Mechanismen des Genres bereits erkennbar etabliert haben. Historisch betrachtet greift das oft zu kurz, daran ändert auch die Tatsache nichts das man den nicht berücksichtigten frühen Formen der Kriminalliteratur zumindest in Teilen den Begriff “Verbrechensdichtung” anheftet und dann beruhigt zur Tagesordnung übergeht, und hin und wieder über diejenigen die Nase rümpft, die “Michael Kohlhaas” als einen frühen Rachethriller ansehen und als solchen behandeln, so eine Art “Ein Mann sieht Rot” oder “When Robin Hood really is pissed of”.

    Doch auch ein Krimi oder Thriller kann gleichzeitig Literatur sein, wenn wir letzterem Begriff die Beschreibung einer Wertigkeit zuschreiben. Am besten überlässt man die Frage nach der Kategorisierung eh den Akademikern und erfreut sich in der nun zur Verfügung stehenden Zeit an großartiger Literatur, egal was es ist, denn die Genre Einteilung sagt nicht über die Qualität des einzelnen Werkes aus.

    Die Brillanz Mark Twains besteht hier in seiner Fähigkeit, genretypische Klischees zu parodieren, die es noch gar nicht gab, die bei ihm schlichtweg aus der Überlegung entstanden, was bei der in sich schon absurden vergeblichen Suche nach einem weißen Elephanten alles schiefgehen könnte. Der Urheber und eigentliche Erzähler der Geschichte vertraut voll und ganz den Fähigkeiten des Ermittlers, erst langsam wachsen Zweifel in ihm die Fähigkeiten des besten Ermittlers aller Zeiten betreffend, die aber in der Regel sofort wieder zerstreut werden. Als es dann die ersten Spuren gibt, der Elephant sogar gesehen wird scheint schlußendlich alles gut zu werden, doch das überschlaue Tier schafft es immer wieder, seinen extrem gut ausgebildeten und - unter normalen Umständen - außerordentlich fähigen Verfolgern zu entkommen, und dabei eine Schneise der Verwüstung zu hinterlassen. Es ist der ultimative Kampf Mensch gegen Tier und die Frage, wer am Ende schlauer ist…. Mark Twain lässt seine Geschichte hier die absurdesten Blüten treiben und hält das ohnehin schon hohe Tempo seiner Erzählung bis zum Ende durch, das hohe Tempo gepaart mit der immer absurder werdenden Geschichte ist atemberaubend in einer Art und Weise, die ich in der modernen Literatur nicht mehr finde. Mark Twain hat sich offensichtlich nie zurückgehalten, er hat nie innegehalten und sich gefragt “ ist das vielleicht zu viel?” “Sollte ich nicht vielleicht ein wenig weniger übertreiben?” (Die Antwort auf diese Fragen - wenn der Autor dumm genug ist sie überhaupt zu stellen - lautet immer (!) Nein! Ein Zurückrudern macht eine solche Geschichte gewöhnlich, flach, leicht(er) verdaulich und schlussendlich beliebig, zu vergessenswerten Mainstream.

    Niemand kann Mark Twain hier beschuldigen solcherlei Einheitsbrei verfasst zu haben, seine Werke sind - so unterschiedlich ihre Qualität sicherlich ist - zeitlose Klassiker, welche über die Zeit nichts an ihrer Wirkung verloren haben.

    Unter anderem weil er, den Fuß auf dem Gaspedal, die Strasse zu Wild Weird Mountain vor sich, einfach gesagt hat “Fuck it - let’s go!”


    ASIN/ISBN: 0241251745

    ASIN/ISBN: 1781252777
    ASIN/ISBN: 3893201270




    Lester Bangs liebte die Musik, allerdings nicht alle Musik, und er hatte keine Hemmungen deutlich zu machen, was er mochte und was er ablehnte, und für seine Ablehnung hatte er immer gute Gründe, welche er mit einer beispiellosen Offenheit und Schonungslosigkeit zu unserer Kenntnis brachte, wurden seine Erwartungen enttäuscht. “And I will execute great vengeance upon them with furious rebukes; “ (Ezekiel 25:17) Den Wortkaskaden seiner Lobeshymnen und Verrisse ließ er gleichermaßen scheinbar ungefiltert ihren Lauf, er schafft es das auf die Seite zu bannen, was als Gefühl in seiner Seele ihren Ursprung hatte, und nun durch sein Herz den Weg in sein Gehirn und seine Finger fand. So spontan seine Texte auch erscheinen, sind sie durchaus das Ergebnis eines Schreibprozesses, den Bangs immer bewusst kontrolliert hat, wenn er denn so wollte. Lester Bangs schaffte es wie kaum ein Zweiter seine große Liebe nicht nur zur Musik, sondern auch zu Worten, diese zu beschreiben und anderen mitzuteilen aufs Papier zu bringen. “Because the best music is strong and guides and cleanses and is life itself /LB” Man ist sicherlich versucht seinen Freiheitsdrang, seinen exzessiven und rebellischen Lebensstil als direkte Reaktion gegen seine streng religiöse Mutter und ihrer Gemeinde zuzuschreiben, aber es wäre zu einfach, Lester Bangs darauf zu reduzieren. Der Journalist , mit welchem Lester Bangs praktisch immer in einem Atemzug genannt wird, ist Hunter S. Thompson, dessen familiärer Hintergrund und Erziehung in keiner Weise der von Lester Banks gleichkam. Lester Bangs Erfahrung mit der sehr orthodoxen Gemeinde seiner Mutter - von seinem Vater ganz zu schweigen - als alleinige Ursache für seinen späteren Lebensweg zu sehen, simplifiziert den Kritiker und Schriftsteller ungerechtfertigter Weise. Schon früh entdeckte er den Drogenrausch für sich, unabhängig von irgendwelchen als Vorbilder in dieser Beziehung dienenden Pop- und Rockstars, oder auch der Jazzmusiker, mit welchen Lester Bangs musikalische Odyssee begann. Jim DeRogatis exzellente Biographie sei hier allen zur Lektüre empfohlen, er geht ausführlich auf Lester Bangs Herkunft und Jugend ein, tiefer, als eine Buchempfehlung hier vermag.Kulturepochen können kaum mit dem Ûbergang von einem Jahrzehnt zu anderen oder einem Generationswechsel allein erklärt werden, in jeder Kunstrichtung vollzieht sich eine Veränderung oftmals langsam und schleichend, bis sich die Neuerung vollends entfaltet und als neue Strömung, als neue Art Dinge zu tun - zu schreiben - definierbar ist, und oft wird rückblickend ein Wendepunkt an einer oder mehreren Personen festgemacht. Die Beat-Generation hatte einen enormen Einfluss auf die Literatur, doch sie entstand keinesfalls plötzlich aus dem Nichts, sie war zumindest eine Reaktion auf etablierte Dogmen in der Literatur, die sie nicht unwidersprochen hinnehmen konnten. Doch Literatur - wie alle Kunst - entsteht nicht nur aus der eigenen Kunstrichtung, sie reagiert immer auch auf die Entwicklung der Kultur und der Politik insgesamt, und ist untrennbar mit all dem verbunden. Natürlich wäre ein Lester Bangs oder Hunter S. Thompson 10 Jahre früher in dieser Ausprägung nicht denkbar oder möglich gewesen, doch auch 10 Jahre später hätte ihre Arbeit andere Formen angenommen, immer im Kontext der politischen und künstlerischen Gesamtsituation. Kritiker wie Lester Bangs verleihen ihrer Kritik etwas unmittelbares und persönliches, aber auch etwas, das man oberflächlich betrachtet als weniger sachlich ansehen kann als ihre Kollegen vor ihnen. Doch diese Sichtweise ist ein Irrtum! Lester Bangs nahm das, was er tat, sehr ernst! Es war ihm wichtig, seine Meinung zu kommunizieren, das, was er sah und vor allem hörte, für seine Leser zu sortieren und eine Orientierung zu bieten. Er nahm dabei nicht die Position eines sachlichen Aussenseiters ein, der von aussen nach innen blickend erklärt was er sieht und hört, für ihn - und andere Kritiker und Kommentatoren die Kultur betreffend - ist es etwas persönliches, schlichtweg weil es ihm viel bedeutet, und er macht das sehr deutlich.