Beiträge von €nigma

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Du lebst eine Lüge. Es geht nicht anders. Doch im Dunkeln lauert die Rache.

    Lisa ist eine überfürsorgliche Mutter, ihre Tochter Ava muss sie allein erziehen. Vor einer neuen Liebe hat sie jedoch panische Angst. Und dann sind da die Erinnerungen, über die sie mit niemandem sprechen kann: die schrecklichen Bilder von einem toten Kind.

    Aber jemand scheint Lisa und Ava ganz genau im Blick zu haben. Ein Hausschlüssel verschwindet, Dinge gehen kaputt, im Radio läuft ein Lied, das Lisa aus der Fassung bringt. Denn es stammt aus der Zeit, als sie jemand ganz anderes war. Jemand, der ein Versprechen gab. Und brach.


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Sarah Pinborough, geboren 1972 in Buckinghamshire, hat sich in ihrer Heimat schon als Autorin von preisgekrönten Jugendromanen und von phantastischer Literatur einen Namen gemacht. «Sie weiß von dir», ihr erster Thriller, wurde sofort in fast zwanzig Länder verkauft.


    Allgemeines

    Titel der Originalausgabe: „Cross Her Heart“, ins Deutsche übersetzt von Ulrike Thiesmeyer

    Erscheinungstermin: 19.Februar 2019 im Rowohlt Taschenbuch Verlag mit 480 Seiten
    Gliederung: Prolog – Drei Hauptteile mit 78 Kapiteln – Epilog – Danksagung

    Teils Ich-Erzählung, teils Erzählung in der dritten Person

    Handlungsorte und -zeit: Verschiedene Orte in England, laufende Handlung in der Gegenwart mit Rückblicken bis zum Jahr 1989


    Inhalt

    Das Leben der alleinerziehenden Lisa spielt sich nur zwischen ihrer Arbeitsstelle und zuhause ab, ein Mann hat darin keinen Platz. Ihrer sechzehnjährigen Tochter Ava gegenüber gibt sie sich überbehütend und engt das junge Mädchen dadurch sehr ein. Da ist es nicht verwunderlich, dass Ava Geheimnisse hat und sich im Internet Freiräume sucht, die sie im realen Leben nicht hat. Ihre Mutter ahnt nichts davon, dass ihre Tochter über Facebook dubiose Kontakte zu einem Erwachsenen unterhält.

    Doch auch Lisa hat ein dunkles Geheimnis. Sie ist nicht diejenige, für die sie von ihrer Umwelt gehalten wird und ein Teil ihrer Vergangenheit darf niemals bekannt werden. Als Ava, eine trainierte Schwimmerin, einem kleinen Jungen das Leben rettet und in einer überregionalen Zeitung ein Bildbericht über Ava und ihre Mutter erschein, gerät Lisas Leben komplett aus den Fugen…


    Beurteilung

    Für den Thriller „Tief ins Herz“ muss der Leser Konzentration mitbringen, denn die Handlung ist nicht nur von Perspektivwechseln zwischen diversen Romanfiguren geprägt, sondern die Kapitel spielen auch auf verschiedenen zeitlichen Ebenen, dabei erweisen sich Ereignisse aus Lisas Kindheit als sehr bedeutend für die mysteriösen Vorfälle in der Gegenwart. Es werden viele Andeutungen über Lisas Geheimnis gemacht, aus denen der Leser sich ein eigenes Bild zu machen versucht, doch erst nach und nach werden in Rückblicken Informationen häppchenweise gereicht, die dazu führen, dass Theorien verworfen werden müssen. Die Autorin führt den Leser geschickt auf falsche Fährten, der Handlungsverlauf ist nicht früh absehbar, zumal wesentliche Fakten erst gegen Ende des zweiten Teils thematisiert werden. Durch diese stückweise Informationsvermittlung bleibt das Interesse am Roman während der Lektüre durchgängig erhalten. Auch der anschauliche Sprachstil, der ohne reißerische Szenen eine subtile Spannung erzeugt, bewirkt einen beträchtlichen Unwillen, Lesepausen einzulegen.

    Die Themen, die in diesem Roman angeschnitten werden, sind leider ebenso aktuell wie schwer verdaulich, wobei die Häufung verschiedener sozialer, bzw. gesellschaftlicher Probleme in einem vergleichsweise kleinen Umfeld in dieser Form zu übertrieben ist, als dass sie glaubwürdig wirken könnte. Das wirkt konstruiert, aber es ist auf jeden Fall intelligent konstruiert!

    Die Hauptfigur Lisa ist in ihrer Persönlichkeit gründlich und detailliert ausgearbeitet, es fällt leicht, sich in sie einzufühlen und Empathie für sie zu entwickeln.


    Fazit

    Ein nicht rundum realitätsnaher Thriller, dessen rasanter und wendungsreicher Handlungsverlauf spannende Unterhaltung bietet!

    8 Punkte

    Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)

    Mitten in der Nacht wird Thomas Pitt, der Leiter des Staatsschutzes, in den Buckingham Palace gerufen. Die Queen persönlich wünscht sich von ihm Ermittlungen in einem hochbrisanten Fall. Ihr Sohn und Thronfolger, der Prince of Wales, pflegt nämlich in ihren Augen schlechten Umgang. In ihrer Sorge hat sie einen Spion in sein Umfeld eingeschleust - doch dieser wurde tot im Hyde Park aufgefunden. Angeblich bei einem Bootsunfall ertrunken. Pitt findet schnell heraus, dass ein Verbrechen dahintersteckt - ein Verbrechen, das das ganze Empire in Gefahr bringen könnte.


    Autorin (Quelle: amazon)

    Die Engländerin Anne Perry, 1938 in London geboren, verbrachte einen Teil ihrer Jugend in Neuseeland und auf den Bahamas. Schon früh begann sie zu schreiben. Ihre historischen Kriminalromane zeichnen ein lebendiges Bild des spätviktorianischen Englands und begeistern ein Millionenpublikum. Anne Perry lebt und schreibt in Schottland.


    Allgemeines

    32. Band der Reihe um Thomas Pitt

    Titel der Originalausgabe: „Murder on the Serpentine“, ins Deutsche übersetzt von K. Schatzhauser

    Erschienen am 9. Januar 2018 im Heyne Verlag als TB mit 416 Seiten
    Gliederung: 14 Kapitel

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: London, 1899


    Inhalt

    Sir John Halberd, der von Queen Victoria beauftragt worden war, den Freundeskreis ihres leichtlebigen Sohnes, des Thronfolgers Edward, unter die Lupe zu nehmen, ist bei einem merkwürdigen Unfall auf einem See im Hyde Park ums Leben gekommen, bevor er der Queen Bericht erstatten konnte. Victoria ist nicht sicher, dass es sich wirklich um einen Unfall handelte und beauftragt Thomas Pitt, der es inzwischen zum Leiter des Staatsschutzes gebracht hat, die genauen Todesumstände zu ermitteln und mögliche Mordmotive zu eruieren. Die Mitglieder der „besseren“ Gesellschaft, in der Halberd verkehrte, wirken zwar sehr respektabel, haben aber vielfach etwas zu verbergen. Möglicherweise hat der Verstorbene etwas herausgefunden, das nicht an die Öffentlichkeit kommen darf – dabei könnte es sich um „schmutzige“ Privatangelegenheiten wie außereheliche Beziehungen, aber auch politisch Relevantes handeln. Während Pitt den Herren der Gesellschaft auf den Zahn fühlt, ermitteln seine Frau Charlotte und deren Schwester Emily wieder einmal inoffiziell in den Kreisen der Damen und ihrer Dienstboten.


    Beurteilung

    Der Roman behandelt einen in sich abgeschlossenen Fall und kann deshalb auch ohne Vorkenntnis der anderen Bände um Thomas Pitt und seine Frau Charlotte gelesen werden.

    Der Fall ist logisch und glaubwürdig konstruiert, wobei es auch reale historische Bezüge zum Zweiten Burenkrieg gibt. Pitt, seine Mitarbeiter und seine Frau, der er nicht viel über den brisanten Fall verraten darf, haben es mit zwei Todesfällen zu tun: dem vermeintlichen Unfalltod eines als integer geltenden Mannes, der als Spion der Queen im Umfeld des Thronfolgers tätig war und dem augenscheinlichen Selbstmord einer Dame, die ins Visier der Ermittler geraten ist.

    Zunächst ist es überhaupt nicht absehbar, weshalb Sir John Halbderd ermordet worden sein sollte, es gibt viele mögliche Motive. Da keine modernen gerichtsmedizinischen Untersuchungen zur Verfügung stehen, sind Pitt und seine Kollegen darauf angewiesen, immer wieder mit den Menschen im Umfeld des Thronfolgers und mit möglichen Zeugen zu sprechen und – gegebenenfalls – Widersprüche aufzudecken. Dies geschieht oft bei Abendgesellschaften oder in den Clubs der Herren. Die Autorin präsentiert dabei ein interessantes und authentisch anmutendes Bild der „besseren“ viktorianischen Gesellschaft. Allerdings entstehen in diesem Zusammenhang gelegentlich Längen, wenn Gesprächspartner (zu) ausführlich den Gesichtsausdruck des Gegenübers zu entschlüsseln versuchen oder wiederholt ihre eigenen Befindlichkeiten wie Gewissensbisse wegen „Erpressungen“ im Falle mangelnder Kooperationsbereitschaft bei den Ermittlungen analysieren. Diese zu breite Ausführung ist dem Spannungsaufbau nicht förderlich. Andererseits arbeitet die Autorin durch diese Vorgehensweise die Charaktere ihrer Romanfiguren sorgfältig aus, sodass der Leser diese plastisch vor Augen hat.


    Fazit

    Ein authentisch wirkender historischer Kriminalroman über die spätviktorianische Gesellschaft, der einen glaubwürdigen Fall darstellt, aber ein bisschen mehr „Tempo“ vertragen hätte; für Freunde der Reihe auf jeden Fall lesenswert!

    8 Punkte

    Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)

    1348: Die Pest zieht ihre mörderische Spur durch Europa. Im Chaos gehen Glaube, Menschlichkeit und Hoffnung verloren.

    Aber ist die Krankheit wirklich eine Strafe Gottes? Oder steckt ein teuflischer Plan dahinter? Stimmt es, dass ein selbsternannter Todesengel seine Anhänger aussendet, um die Krankheit zu verbreiten?

    Als die junge Adlige Gisela und der jüdische Abenteurer Joseph auf die Spur der "Jünger Azraels" stoßen, beginnt ein Wettlauf gegen den Schwarzen Tod ... und eine unmögliche Liebe.


    Autor (Quelle: amazon)

    Richard Dübell, geboren 1962, ist Träger des Kulturpreises der Stadt Landshut und des Literaturpreises »Goldener Homer«. Er zählt zu den beliebtesten deutschsprachigen Autoren Historischer Romane. Seine Bücher standen auf der Bestsellerliste des Spiegel und wurden in vierzehn Sprachen übersetzt. Mittlerweile schreibt er auch erfolgreich für Kinder und Jugendliche. Mehr Informationen über den Autor finden Sie auf seiner Homepage: http://www.duebell.de.


    Allgemeines

    Erschienen am 28. September 2018 bei Bastei Lübbe als HC mit 560 Seiten
    Gliederung: Schauplätze der Handlung – Sechs Bücher mit nummerierten Kapiteln – Epilog – Quellen – Nachwort – Danksagung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsorte und -zeit: diverse Orte in Italien und Südfrankreich, 1348 bis 1349


    Inhalt

    Im Lager der die Stadt Caffa belagernden Tartaren ist die Pest ausgebrochen. Die Tartaren schleudern Pestleichen in die Stadt. Von Caffa aus wird der Schwarze Tod per Schiff auf diversen Handelswegen weitergetragen, darunter auch nach Genua. Es spricht sich schnell herum, dass eine schreckliche Seuche über die Menschheit gekommen ist und die Behörden versuchen, Maßnahmen gegen die Ausbreitung zu ergreifen – ein schwieriges Unterfangen, da nicht einmal die renommiertesten Ärzte wissen, wodurch die Ansteckung erfolgt. Viele Menschen glauben, die Juden würden die Brunnen vergiften und finden so einen willkommenen Vorwand, sich der jüdischen Mitbürger zu entledigen. Aber es wird auch gemunkelt, der „Todesengel Azrael“ gehe mit einer beträchtlichen Gefolgschaft um und verbreite die Pest.

    Der Jude Joseph ben Kesher wird beauftragt, den mysteriösen Azrael aufzuspüren und an der Verbreitung der Schwarzen Todes zu hindern. Die junge Adelige Gisela, die sich bei einer kurzen Begegnung unsterblich in Joseph verliebt hat, verlässt nach einem Erdbeben und dem Tod ihrer Mutter ihre Heimat und begleitet diesen auf seiner heiklen Mission. Ihr gemeinsamer Weg führt sie durch unwegsames Land und durch von Leichen gepflasterte Orte. Fast zu spät erkennen sie, welches das endgültige Ziel von Azraels todbringender Reise ist.


    Beurteilung

    Das „Personal“ dieses historischen Abenteuerromans setzt sich aus fiktiven Figuren und historischen Persönlichkeiten zusammen. Der Autor gibt einen sehr anschaulichen Einblick in die Zeit, in der eine gewaltige Pestepidemie ca. ein Drittel der europäischen Bevölkerung auslöschte. Viele Menschen sind sich selbst die Nächsten und ergreifen unter Zurücklassung kranker Angehöriger die Flucht, auch Ärzte sind unter denen, die ihr eigenes Leben retten wollen. Es gibt jedoch auch Ärzte und Geistliche, die den Sterbenden bis zum Schluss beistehen und selbst mit dem Leben dafür bezahlen. Die Juden, bei denen viele Bürger verschuldet sind, werden beschuldigt, durch Vergiftung der Brunnen für den Pestausbruch verantwortlich zu sein, was zu Pogromen und Massenmorden führt.

    Während all diese Zustände sehr authentisch beschrieben werden, erscheint die Liebesgeschichte zwischen dem Juden Joseph und der Christin Gisela weniger glaubwürdig, hier wird reichlich dick aufgetragen (große Liebe auf den ersten Blick) und die Schilderung ist gelegentlich von zu großem Gefühlsüberschwang geprägt.

    Der Roman wird durch einen informativen Anhang mit einer Quellensammlung, deren sich der Autor bedient hat und einem Nachwort abgerundet, sinnvoll wäre als weiteres Zusatzmaterial eine Landkarte gewesen, denn es ist nicht immer einfach, die Wege der Protagonisten zu verfolgen. Auch ein Verzeichnis realer und fiktiver Romanfiguren wäre ein von Vorteil gewesen.


    Fazit

    Ein lesenswerter Roman über das Wüten der Pestepidemie von 1348 in Europa, der einen interessanten gedanklichen Ansatz verfolgt!

    8 Punkte

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Eine Wand aus Feuer. Das ist alles, was Grace Holland sehen kann, als sie aus dem Fenster blickt. Überall in Maine sind nach dem langen trockenen Sommer des Jahres 1947 Brände ausgebrochen – und nun außer Kontrolle geraten. Grace, im fünften Monat schwanger, muss ihre zwei kleinen Kinder allein vor dem Feuer schützen, denn ihr Mann Gene hat sich der Feuerwehr angeschlossen. Hilflos müssen sie und ihre beste Freundin Rosie beobachten, wie ihre Häuser bis auf die Fundamente niederbrennen. Ihnen selbst und den Kindern bleibt nur die Flucht ins Meer. Nur knapp überleben sie die Nacht, doch am nächsten Morgen ist nichts, wie es war: Sie haben alles verloren. Und Gene ist verschollen. Inmitten dieser Katastrophe entdeckt Grace jedoch, dass sie zu mehr fähig ist, als sie bisher angenommen hat. Sie wächst über sich selbst hinaus, doch ihr Mut und Kampfgeist werden auf eine harte Probe gestellt …


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Anita Shreve, geboren 1946 in Massachusetts, verbrachte einige Jahre als Journalistin in Afrika und bereiste weite Teile Kenias, bevor sie in die USA zurückkehrte und Schriftstellerin wurde. Ihre Romane »Die Frau des Piloten« und das für den Orange Prize nominierte »Das Gewicht des Wassers« waren große internationale Erfolge. Es folgten zahlreiche weitere Romane, die weltweit millionenfach verkauft wurden. Anita Shreve verstarb Ende März 2018 im Alter von 71 Jahren in New Hampshire.


    Allgemeines

    Titel der Originalausgabe: „The Stars Are Fire“, ins Deutsche übersetzt von Mechtild Ciletti

    Erschienen am 11. Januar 2019 bei Pendo als HC mit 352 Seiten
    Gliederung: 11 Kapitel – Epilog – Danksagung

    Erzählung in der dritten Person aus der Perspektive von Grace Holland

    Handlungsort und -zeit: Maine (USA), 1947 – 1948, 1950 (Epilog)


    Inhalt

    Die 23-jährige Grace ist seit knapp drei Jahren mit Gene Holland verheiratet, sie lebt zusammen mit ihrem Mann und den beiden gemeinsamen Kleinkindern Claire und Tom in einem kleinen Häuschen in Maine. Während sie sich um die Kinder und den Haushalt kümmert, verdient ihr Mann das Geld für die Familie. Graces Leben ist relativ ereignislos, die Höhepunkte in ihrem Leben bestehen aus Besuchen bei ihrer Nachbarin und Freundin Rosie sowie gelegentlichen Treffen mit ihrer verwitweten Mutter.

    Das gleichförmige und ruhige Leben endet jäh, als es infolge langanhaltender Dürre zu einem verheerenden Brand kommt, bei dem (nicht nur) die Hollands ihr Haus und ihr gesamtes Hab und Gut verlieren. Gene, der bei der Brandbekämpfung helfen will, ist nicht zuhause, als das Feuer sein Haus verschlingt. Grace gelingt es dank ihrer Geistesgegenwart immerhin, ihr Leben und das ihrer Kinder zu retten. Da Gene verschollen bleibt und davon ausgegangen werden muss, dass er ums Leben gekommen ist, muss die mittellose Grace, die zuvor nie auf eigenen Beinen gestanden hat, für sich und ihre Kinder ein neues Leben aufbauen…


    Beurteilung

    Die Autorin hat die Handlung ihres Romans „Wenn die Nacht in Flammen steht“ in einen realen historischen Kontext, die verheerenden Brände des Jahres 1947 im US-Bundesstaat Maine, eingebettet.

    Der Leser bekommt Einblick in das Leben einer scheinbar ganz normalen Familie, nach und nach wird es jedoch deutlich, dass es zwischen den Eheleuten unausgesprochene Konflikte gibt und dass vor allem die unselbstständige und von ihrem Mann abhängige Grace nicht glücklich ist. Die Katastrophe zwingt sie einerseits und gibt ihr andererseits die Chance, zu beweisen, was in ihr steckt. Grace ist ein sehr beeindruckender Charakter, eine starke Frau, die alles für ihre Kinder tut, die aber auch an ihr eigenes Wohl denkt und keine „selbstlose“ Romanheldin ist. Ihre Entwicklung zu beobachten ist überaus faszinierend. Es ist nicht schwer, sich als LeserIn mit ihr zu identifizieren.

    Die Geschichte wird in jeweils ziemlich kurzen Textabschnitten erzählt, wobei oft – quasi nebenbei – sehr aufschlussreiche Rückblicke auf vorherige Ereignisse eingeflochten sind.

    Die Handlung des Romans ist sehr wendungsreich und nicht vorhersehbar, der Leser wird immer wieder mit unvorhersehbaren Entwicklungen überrascht und geradezu aufgerüttelt. Dabei wird große Spannung aufgebaut, die in Verbindung mit dem flüssigen und anschaulichen Erzählstil dafür sorgt, dass es fast unmöglich ist, das Buch aus der Hand zu legen.


    Fazit

    Ein ungeheuer fesselnder Roman mit Suchtpotenzial!

    10 Punkte

    Peter Prange - Die Rebellin


    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Ein Traum aus Kristall und Stahl: Peter Pranges mitreißender Bestseller über Fortschritt und Aufbruchsstimmung im viktorianischen London.

    London, 1851. Emily ist die engste Mitarbeiterin ihres Vaters Joseph Paxton. Gemeinsam bauen sie einen Traum aus Licht, Glas und Stahl: den gigantischen Kristallpalast für die Weltausstellung. Emily ist erfüllt vom Glauben an den Fortschritt. Doch dann trifft sie Victor wieder, den Freund aus Kindertagen. Die beiden verlieben sich – und Victor zeigt ihr seine Welt. Erschüttert sieht sie Hunger, Armut, Krankheit und Tod mitten in London. Emily muss sich entscheiden: für ihrem bewunderten Vater oder für den Mann, den sie liebt.


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Peter Prange ist als Autor international erfolgreich. Seine Werke haben eine Gesamtauflage von über zweieinhalb Millionen erreicht und wurden in 24 Sprachen übersetzt. Mehrere Bücher, etwa sein Bestseller ›Das Bernstein-Amulett‹, wurden verfilmt. Nach seinem Erfolgsroman ›Unsere wunderbaren Jahre‹ folgt nun der große Roman in zwei Bänden, ›Eine Familie in Deutschland‹. Der Autor lebt mit seiner Frau in Tübingen.


    Allgemeines

    Erstveröffentlichung 2005 unter dem Titel „Miss Emily Paxton“

    Erscheinungstermin der Neuauflage: 23. 01. 2019 im Fischer Verlag als TB mit 560 Seiten
    Gliederung: Prolog – Fünf Bücher mit jeweils ab 1 nummerierten Kapiteln – Epilog – Dichtung und Wahrheit – Danksagung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsorte und -zeit: Chatsworth und London, 1837 (Prolog), 1849 bis 1851 (Hauptteil), 1936 Epilog


    Inhalt

    Im Mittelpunkt des Romans steht die Errichtung des Londoner Kristallpalasts, in dem von Mai bis Oktober 1851 die Erste Weltausstellung (Great Exhibition) stattfindet, in der für Besucher aus diversen Ländern Exponate aus aller Welt – mit besonderem Augenmerk auf neuen technischen Erfindungen und Fortschritten - gezeigt werden. Schon der Ausstellungsort, der Kristallpalast, stellt eine Sensation dar.

    Zwei Männer sind maßgeblich am Bau des Kristallpalasts und der Organisation der Ausstellung beteiligt: Joseph Paxton als Architekt des gläsernen Wunderwerks und Henry Cole als Initiator der Great Exhibition. Paxton hat sich aus einfachen Verhältnissen emporgearbeitet, über eine Tätigkeit als Landschaftsgärtner für den Herzog von Devonshire und den Entwurf von Gewächshäusern für tropische Pflanzen wird er zum Architekten, der die Pläne für den Kristallpalast entwirft. Seine Tochter Emily, naturwissenschaftlich interessiert wie ihr bewunderter Vater und zeichnerisch begabt, unterstützt ihn, wo sie kann. In ihren Augen sind der Kristallpalast und die Erste Weltausstellung ein „Paradies des Fortschritts“. Durch ihren Jugendfreund Victor Springfield, den sie in London wiedertrifft, werden ihr jedoch die Augen für die Lebensumstände der meisten Menschen in London geöffnet; diese Menschen erarbeiten den Wohlstand für die privilegierten Klassen und vegetieren selbst am Existenzminimum dahin. Emily begreift, dass auch ihr ehrgeiziger Vater Geschäfte auf dem Rücken der Arbeiterklasse macht. Je mehr sie sich mit der Sozialen Frage beschäftigt, desto mehr entfremdet sie sich von ihrer Familie…


    Beurteilung

    Der hervorragend recherchierte Roman, in dem Victor als einzige fiktive Romanfigur unter lauter historischen Persönlichkeiten auftritt, schildert nicht nur konkret die Planung und Organisation der berühmten Ersten Weltausstellung, sondern gibt auch einen äußerst eindrücklichen Einblick in den Alltag der viktorianischen Gesellschaft um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Diese ist in die „Kuchenesser“ (privilegierte Oberschicht) und die „Steckrübenesser“ (arme Arbeiterschicht) unterteilt, die Arbeiter leben und arbeiten unter unbeschreiblichen Bedingungen, nur sehr zögerlich werden Gesetze zur Verbesserung ihrer Situation, wie z.B. die Reduzierung der täglichen Arbeitszeit auf „nur“ zehn Stunden, verabschiedet. In diesem Zusammenhang werden auch die Bestrebungen der Chartisten und erste Ansätze zum Widerstand der Arbeiter in Form von Streik thematisiert.

    Die Schilderung dieser Missstände ist sehr anschaulich und für den Leser – ebenso wie für die wohlbehütete Protagonistin Emily – nicht immer leicht zu ertragen. Dennoch fällt es aufgrund des fesselnden Erzählstils schwer, das Buch aus der Hand zu legen.

    Der Autor hat die Charaktere seiner Romanfiguren facettenreich ausgestaltet, wobei die Wandlung von Emily vielleicht ein wenig zu drastisch dargestellt wird, um ganz glaubwürdig zu sein. Einige ihrer Handlungen sind nicht leicht nachzuvollziehen.

    Es handelt sich bei „Die Rebellin“ keineswegs um einen Liebesroman, sondern um die Schilderung einer wenig romantischen und von großen realen Problemen geprägten Beziehung zwischen zwei Menschen ganz unterschiedlicher sozialer Herkunft.

    Das ausführliche Autorennachwort „Dichtung und Wahrheit“ gibt detaillierte Informationen zu den im Roman auftretenden Persönlichkeiten und thematisierten Ereignissen.


    Fazit

    Ein hervorragend recherchierter Roman über die Organisation und Durchführung der Ersten Weltausstellung vor dem Hintergrund der viktorianischen Gesellschaft mit ihren gravierenden sozialen Gegensätzen zwischen Fortschritt und sozialem Elend, sehr lesenswert!

    9 Punkte

    Das weiß ich leider nicht. Vielleicht haben sich diese Romane in Deutschland nicht so gut verkauft?

    Ich bin erst kürzlich bei NetGalley auf diese Autorin gestoßen. Da ich bei (mir) unbekannten Autoren ungern eine Rezensionsverpflichtung eingehe und ohnehin lieber die englischen Originalausgaben lese, habe ich mir die englische E-Book Ausgabe gekauft.

    Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)

    Als die Novizin Thomasine ihr Gelübde ablegt, trifft ihre Großtante zu einem Besuch ein. Selbst von den Schwestern wird die adelige Dame wegen ihres Auftretens gehasst. Immer wieder hat sie gedroht, Thomasine aus dem Kloster zu holen und zu verheiraten. Wenig später ist die Adelige tot - vergiftet. Und Schwester Frevisse hat ihren ersten Fall.


    Autorin (Quelle: amazon)

    Margaret Frazer lebt mit ihren vier Katzen und viel zu vielen Büchern in der Nähe von Minneapolis, Minnesota. In den USA hat sie sich mit ihrer Serie um Schwester Frevisse über viele Jahre ein Millionenpublikum erschrieben. Im Aufbau Verlag erschien bisher von ihr: "Die Novizin", "Die Magd" und "Der Vogelfreie".


    Allgemeines

    Erster Band der 17-teiligen Reihe um Schwester Frevisse

    Erstveröffentlichung 1992, ET der vorliegenden Ausgabe: 20.08.2008 im Aufbau Verlag als TB mit 298 Seiten, ins Deutsche übersetzt von Anke Grube
    Gliederung: 14 Kapitel – Autorennachwort – Autoreninfo

    Erzählung in der dritten Person, hauptsächlich aus der Perspektive von Schwester Frevisse

    Handlungsort und -zeit: Kloster St. Fridewide´s (England), September 1431


    Inhalt

    Zwei Wochen bevor die tiefgläubige, aber auch egozentrische Novizin Thomasine ihr endgültiges Gelübde als Nonne im Kloster St. Fridewide´s ablegen will, trifft deren adelige Großtante Ermentrude ein. Sie hat sich in den Kopf gesetzt, die widerstrebende Großnichte aus dem Kloster zu holen und zu verheiraten, wie sie es auch schon mit Thomasines älterer Schwester Isobel getan hat. Lady Ermentrude ist egoistisch, rücksichtlos und manipulativ, sie führt sich im Kloster in ihrer herrischen Art unmöglich auf….und kommt plötzlich zu Tode.

    Der Sohn der Verstorbenen, ein ebenso cholerischer und unangenehmer Charakter wie seine Mutter sowie der inkompetente Leichenbeschauer halten Thomasine für die Mörderin und würden sie am liebsten sofort aburteilen. Doch Schwester Frevisse und Schwester Claire, der Heilkundigen des Klosters, fallen Ungereimtheiten auf, die nicht recht zur Täterschaft Thomasines passen wollen. Ihre Ermittlungen führen zu der Erkenntnis, dass es mehrere Menschen gibt, deren Hass Lady Ermentrude auf sich gezogen hat.


    Beurteilung

    Das erste Drittel des Romans beginnt ein wenig zäh und liest sich nicht sehr spannend. Die Ermittlungen von Schwester Frevisse, einer Art mittelalterlicher Miss Marple, und ihrer Mitschwester, der Infirmarin Claire, gehen langsam vonstatten, da den beiden Frauen keine modernen Untersuchungsmethoden zur Verfügung stehen und sie darauf angewiesen sind, immer wieder mit allen Anwesenden zu sprechen. Nach dem Erscheinen des cholerischen Sir Walter, der so schnell wie möglich jemanden für den Mord an seiner Mutter an den Galgen bringen will, nimmt die Handlung Fahrt auf. Frevisse gerät unter Zeitdruck, die (vermutete) Unschuld Thomasines zu beweisen und intensiviert ihre Ermittlungen. Jetzt zeigt sich, dass es sich um einen komplexeren und intelligent konstruierten Kriminalfall handelt, dessen Lösung nicht zu früh absehbar ist und der es dem Leser erlaubt, eigene Theorien zu ent- und verwerfen. Dabei wird auch auf ein konkretes historisches Ereignis Bezug genommen.

    Die Charaktere der wichtigsten Romanfiguren sind gründlich ausgestaltet, wobei Lady Ermentrude, Sir Walter und Thomasine keine Sympathieträger darstellen. Eindrucksvoll sind die beiden Ermittlerinnen Frevisse und Claire in ihrer Beharrlichkeit und Unvoreingenommenheit.

    Der Erzählstil des Romans ist flüssig und anschaulich, er weckt Interesse, weitere Romane dieser Reihe historischer Krimis zu lesen.

    Ein Autorennachwort über Fakten & Fiktion rundet den Roman ab.


    Fazit

    Ein lesenswerter historischer Krimi über eine mittelalterliche Nonne als Ermittlerin!

    8 Punkte


    Meine Rezension bezieht sich auf die englische E-Book Ausgabe "The Novice`s Tale".

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Berlin, 1916: Die herzliche, resolute Lene hat soeben ihr Lehrerinnen-Seminar bestanden. Als sie sich in den verschlossenen Paul verliebt, scheint ihr Glück vollkommen. Dass Paul wegen einer Kriegsverletzung nicht arbeiten kann, ist für Lene kein Hindernis: Sie liebt ihre Arbeit als »Fräulein« und kann genug Geld nach Hause bringen. Doch einer Hochzeit steht der sogenannte Lehrerinnen-Zölibat im Wege, ein Erlass, der verheiratete Frauen vom Schuldienst ausschließt. Entweder ihr Paul oder die Freiheit, den geliebten Beruf auszuüben? Eine unmögliche Wahl. Zu stark, um aufzugeben, kämpft Lene für die Freiheit, Liebe und Beruf zu vereinen.


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Silke Schütze, Jahrgang 1961, lebt in Hamburg. Nach ihrem Studium der Philologie war sie Pressechefin bei einem Filmverleih und Chefredakteurin der Zeitschrift CINEMA. Sie hat bereits zahlreiche Romane und Kurzgeschichten veröffentlicht und hält Schreiben für die zweitschönste Sache der Welt. 2008 wurde Silke Schütze vom RBB und dem Literaturhaus Berlin mit dem renommierten Walter-Serner-Preis ausgezeichnet.


    Allgemeines

    Als Knaur eBook erschienen am 1. Januar 2019, Umfang entsprechend 398 Druckseiten
    Gliederung: 22 Kapitel – Epilog – Danksagung – Literaturliste – Anmerkung der Autorin

    Erzählung in der dritten Person, größtenteils aus der Perspektive von Lene Lehmann

    Handlungsort und -zeit: Schöneberg (Berlin), 1916


    Inhalt

    Lene Lehmann stammt aus einfachen Verhältnissen, doch eine gutsituierte Familie, für die ihre verwitwete Mutter arbeitete, hat es ihr ermöglicht, das Lyzeum zu besuchen und sich anschließend als Lehrerin für Deutsch, Handarbeiten und Zeichnen ausbilden zu lassen. Da sich viele männliche Lehrkräfte während des Ersten Weltkriegs an der Front befinden, bzw. bereits gefallen sind, werden an den Schulen Frauen als Vertretungslehrerinnen und auch als festangestellte Lehrkräfte benötigt.

    Während Lene mit Freude und pädagogischem Engagement ihrer Arbeit an der Schöneberger Mädchenschule nachgeht, muss ihr Verlobter Paul in den Krieg ziehen. Der geplanten Heirat sieht sie allerdings mit gemischten Gefühlen entgegen, denn aufgrund des „Lehrerinnenzölibats“ müssen junge Frauen bei ihrer Eheschließung aus dem Schuldienst ausscheiden, da eine Unvereinbarkeit von Beruf und Ehe-/Familienleben angenommen wird. Lene und ihre Kolleginnen empören sich über diese Ungerechtigkeit und wollen beim Oberbürgermeister eine Petition einreichen, damit auch verheiratete Frauen weiter unterrichten dürfen.



    Beurteilung

    Der Roman thematisiert nicht ausschließlich die Regelung des Lehrerinnenzölibats, sondern gibt darüber hinaus einen sehr interessanten Einblick in das Leben der Deutschen an der Heimatfront während des Ersten Weltkriegs. Für die meisten Menschen ist der Alltag von Mangel und Lebensmittelknappheit geprägt, sie müssen hart arbeiten und oft durch verbotene Tauschgeschäfte auf dem Schwarzmarkt ihren kargen Lebensunterhalt aufbessern. Lediglich privilegierte Familien leben weiterhin sehr üppig und genießen das Nachtleben in teuren Lokalen. Lene gewinnt an der Seite des reichen Ferdinand von dem Hofe einen Einblick in das Leben der Reichen, erkennt aber schnell, dass sie nicht in diese glitzernde Welt gehört. Ihre Beziehung zu Paul wird jedoch durch dessen Traumatisierung und Kriegsversehrung überschattet, es fällt ihr schwer, sich in seine Lage zu versetzen und nachzuvollziehen, dass sein Stolz es nicht zulässt, sich von seiner Frau ernähren zu lassen. Die Autorin schildert die Mutlosigkeit und Depressionen des Kriegsheimkehrers sowie die zunächst mangelnde Empathie seiner Verlobten sehr eindringlich und realistisch, beide Charaktere sind gründlich ausgearbeitet und werden nicht idealisiert dargestellt.

    Der Erzählstil des Romans ist sehr anschaulich und ungemein fesselnd, es scheint dem Leser fast unglaublich, mit welchen rechtlichen Nachteilen die Frauen noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu kämpfen hatten. Der pompöse, selbstgefällige Schulleiter Frambosius steht als Repräsentant für die damalige Einstellung gegenüber berufstätigen Frauen, aber es gibt auch Männer, die neuen Entwicklungen gegenüber aufgeschlossen sind, hier repräsentiert durch Schönebergs Oberbürgermeister Alexander Dominicus.

    Dem Roman ist eine Literaturliste angeschlossen, das Autorennachwort hätte gern noch umfassender sein dürfen.


    Fazit

    Ein fesselnder Roman, der interessante zeitgeschichtliche Einblicke in das Leben der Deutschen vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs bietet und dabei besonderes Augenmerk auf Frauen(un)rechte legt – sehr lesenswert!

    9 Punkte

    Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)

    A marriage. A murder. One of them did it. Which of them will die for it? In the autumn of 1615, scandal rocks the Jacobean court, when a celebrated couple, Robert and Frances Carr, are imprisoned on suspicion of murder. Frances is young, captivating, and from a notorious family. She has been rescued from an abusive marriage by Robert, and is determined to make a new life for herself. Whatever the price. Robert is one of the richest and most famous men in the kingdom. He has risen from nothing to become one of the countrys most powerful men. But to get to the top, you cannot help making enemies. Some believe she is innocent; others think her wicked or insane. He claims no knowledge of the murder. The king suspects them both, though it is his secret at stake. Now a man is dead. And someone must pay with their life. Who is telling the truth? Who has the most to lose? And who is willing to commit murder?

    Autorin (Quelle: amazon)

    Elizabeth Fremantle is the acclaimed author of Sisters of Treason, Queen's Gambit, and Watch the Lady, and she has contributed to Vogue, the Wall Street Journal, Vanity Fair, and the Sunday Times (London). She lives in London.

    Allgemeines

    Erschienen am 14.06. 2018 im Verlag Michael Joseph als HC mit 416 Seiten

    Zwei Hauptteile, wechselnde Kapitel „Her“ und „Him“ , aus der Perspektive der beiden Protagonisten, Autorennachwort, Danksagung

    Teils Ich-Erzählung von Robert Carr, teils Erzählung in der dritten Person aus Frances Perspektive

    Handlungsort und -zeit: London, 1615/ 1616 mit Rückblenden auf die Zeit seit ca 1611


    Inhalt und Beurteilung

    Der fünfte Roman von Elizabeth Fremantle greift einen Skandal auf, der sich am Hof von James I ereignete. Dort standen eine Frau aus berühmt-berüchtigter Familie, Frances Howard, und ihr Mann Robert Carr wegen Giftmordes an Thomas Overbury vor Gericht.

    Frances möchte ihrer unglücklichen Ehe mit Robert Devereux, Earl of Essex, entkommen, sie will eine Annullierung wegen angeblicher Impotenz ihres Ehemannes erreichen. Sie hat sich in Robert Carr, den Favoriten des Königs, verliebt und dieser erwidert ihre Gefühle. Carr hat jedoch nicht nur eine Beziehung zum König, sondern auch ein Verhältnis mit Thomas Overbury. Letzterer ist strikt gegen die Heiratspläne seines Freundes, das liegt nicht nur an seiner persönlichen Eifersucht, sondern auch an seiner grundsätzlichen Abneigung gegen die intrigante Familie Howard – er versucht Robert durch Erpressung von seiner geplanten Heirat abzuhalten. Da er auch über König James Dinge weiß, die nicht ans Licht kommen sollen, wird er im Tower inhaftiert, wo er kurz vor der zugestandenen Annullierung von Frances erster Ehe durch Gift zu Tode kommt.

    Der Roman ist in zwei Teile gegliedert, der erste Teil schildert zu einer Zeit, als Frances und Robert bereits im Tower inhaftiert sind, in Rückblenden die Geschehnisse, die zum Mord an Overbury führten.

    Dabei tritt Robert als Ich-Erzähler auf, während die Kapitel, die sich mit Frances beschäftigen, in der dritten Person erzählt werden. Der zweite Teil, über den an dieser Stelle nicht viel verraten werden soll, stellt das Bild, das der Leser sich von den beiden Protagonisten gemacht hat, quasi auf den Kopf und bringt allerlei Überraschungen mit sich.

    Die Romanfiguren sind historische Persönlichkeiten und die Autorin hat sehr gründlich recherchiert, auch wenn sie – wie sie im Nachwort aussagt – keinen Anspruch erhebt, die Wahrheit über alle Einzelheiten dieses aufsehenerregenden Kriminalfalls zu kennen. Aufgrund der großen Zahl von beteiligten Personen wäre es sinnvoll gewesen, dem Roman ein Personenverzeichnis voranzustellen.

    Der Leser, der sich mit der Geschichte Englands unter dem ersten Stuart-König nicht auskennt, wird nebenher recherchieren müssen.

    Der Erzählstil ist fesselnd und sehr anschaulich, besonders die Charakterisierung der beiden Hauptfiguren Frances und Robert ist detailliert ausgearbeitet.

    Fazit

    Ein gut recherchierter und fesselnd geschriebener Roman über einen skandalösen Mordfall aus der Regierungszeit James I, der sicherlich nicht weniger faszinierend ist als die „bekannteren“ Skandale der Tudors im Jahrhundert zuvor!

    9 Punkte

    Nele Neuhaus – Muttertag

    Als der 84-jährige Theodor Reifenrath einige Tage nach seinem Tod aufgefunden wird, entdecken die Polizisten im Zwinger seines halbverhungerten Hundes Menschenknochen. Unter der Betonplatte des Hundezwingers werden mehrere Frauenleichen gefunden. Die Ermittler der Mordkommission sind sich nicht sicher, ob der alte Mann ein Serienmörder war oder ob eins seiner ehemaligen Pflegekinder aus schwierigen Verhältnissen, die Reifenrath und seine Frau Rita von den Sechzigerjahren bis zu Rita Reifenraths vermutetem Selbstmord in den Neunzigerjahren betreuten, mit den Taten zu tun haben.

    Zum Entsetzen von Pia Sander, Oliver Bodenstein und ihren Kollegen stellt es sich heraus, dass die aufgefundenen Leichen nur Teil einer Mordserie darstellen, in deren Verlauf zehn Frauen jeweils kurz vor oder am Muttertag entführt und auf eine bestimmte, ritualisierte Weise getötet wurden. Die Ermittler versuchen herauszufinden, welche Gemeinsamkeit all diese Opfer, die ein unterschiedliches Erscheinungsbild hatten und die aus unterschiedlichen sozialen Schichten stammten, verbinden.

    In einem zweiten Handlungsstrang, der erst nach und nach mit den Entwicklungen im aktuellen Kriminalfall in Zusammenhang gebracht werden kann, wird die Geschichte der jungen Schweizerin Fiona Fischer erzählt, die nach dem Tod ihrer Mutter erfährt, dass diese eigentlich ihre Adoptivmutter war und dass ihre leibliche Mutter sie auf „inoffiziellem“ Wege gleich nach der Geburt weggegeben hat. Fiona setzt alles daran, ihre leibliche Mutter zu finden, ihre hartnäckigen Nachforschungen führen sie in den Taunus.


    Obwohl es sich bei „Muttertag“ bereits um den neunten Band der Reihe um Pia Sander und Oliver Bodenstein handelt, verpackt die Autorin Informationen zu ihren Hauptfiguren und deren Beziehungen untereinander so geschickt, dass der Leser der Handlung auch folgen kann, wenn er keinen der Vorgängerbände gelesen hat.

    Die Handlung des Romans ist äußerst komplex, doch Nele Neuhaus hält souverän alle Fäden in der Hand und verwebt diese zu einem Ganzen, das letztlich ein vollständiges und nachvollziehbares Bild ergibt. Dabei wird der Leser immer wieder geschickt auf falsche Fährten geführt, die Auflösung des Falls ist nicht zu früh absehbar.

    Der Erzählstil ist sehr anschaulich und fesselnd, außerdem auch informativ, da der Leser Wissenswertes zu forensischen Vorgehensweisen erfährt. In vielen Details wird deutlich, wie sorgfältig für diesen Roman recherchiert wurde.


    „Muttertag“ ist ein äußerst lesenswerter Kriminalroman mit gründlich ausgearbeiteten Charakteren, der möglicherweise ein paar mehr Psychopathen vereint als es in diesem relativ begrenzten Umfeld realistisch erscheint, der aber in jedem Fall spannende – und auch nachdenklich stimmende – Unterhaltung bietet!

    9 Punkte

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Spion im eigenen Land

    Im Spätsommer 1951 kehrt Oberkommissar Heller mit seiner Familie aus dem staatlich genehmigten Ostseeurlaub nach Dresden zurück. Für seine Frau Karin geht die Fahrt gleich weiter, denn sie hat überraschend die Reiseerlaubnis in den Westen zu Sohn Erwin erhalten. Heller ist besorgt. Doch sein neuer Fall lässt ihm keine Zeit zum Grübeln: Zwei unter Spionageverdacht stehende Männer, Zeugen Jehovas, sterben in ihren Gefängniszellen. Und es geschehen weitere mysteriöse Todesfälle. Bei einem der Opfer wird eine geheimnisvolle Botschaft gefunden: »Eine Flut wird kommen.« Heller beschleicht eine schreckliche Ahnung.


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Frank Goldammer wurde 1975 in Dresden geboren und ist gelernter Maler- und Lackierermeister. Neben seinem Beruf begann er mit Anfang zwanzig zu schreiben, verlegte seine ersten Romane im Eigenverlag. Mit ›Der Angstmann‹, Band 1 der Krimiserie mit Max Heller, gelangte er sofort auf die Bestsellerlisten. Er ist alleinerziehender Vater von Zwillingen und lebt mit seiner Familie in seiner Heimatstadt.


    Allgemeines

    Vierter Band um den Dresdener Oberkommissar Max Heller

    Erschienen am 21.12.2018 bei der dtv Verlagsgesellschaft als broschiertes TB mit 384 Seiten
    Gliederung: Nicht-nummerierte Kapitel, jeweils mit Datum und Tageszeit überschrieben – Glossar

    Erzählung in der dritten Person aus der Perspektive von Max Heller

    Handlungsort und -zeit: Dresden, im September 1951


    Zum Inhalt

    Nach der Rückkehr von einem gemeinsamen Ostseeurlaub darf Max Hellers Frau Karin nach Köln reisen, um ihren älteren Sohn Erwin in Köln zu besuchen, Max und die Pflegetochter Anni müssen jedoch in der DDR zurückbleiben. Ausgerechnet während Karins Abwesenheit, als Max eigentlich die kleine Anni intensiv betreuen soll, bekommt er es mit einem merkwürdigen Fall und zeitraubenden Ermittlungen zu tun. Zwei wegen Spionageverdachts inhaftierte Männer, die zu den Zeugen Jehovas gehörten, sollen sich in ihren Zellen umgebracht haben. Max zweifelt am Selbstmord und beginnt im Umfeld der Männer zu ermitteln, jedoch häufen sich plötzlich weitere Todesfälle von Zeugen durch vermeintliche Selbstmorde, Unfälle und einen Schlaganfall. Unglücksfälle wie die Explosion in einem Kraftwerk lassen in Max den Verdacht aufkommen, dass jemand der Stadt durch Sabotage schaden und für den Westen spionieren will. Einen solchen Verdacht hat man auch beim Ministerium für Staatssicherheit, der Drahtzieher aller dieser Todes- und Unglücksfälle soll ein mysteriöser „Amerikaner“, den die Russen auch „woron“, den Raben, nennen, sein. In der Zeitung erscheinen chiffrierte Anzeigen, die möglicherweise auf das Datum eines erneuten, großen Anschlags hinweisen könnten…


    Beurteilung

    Die Handlung des vierten Bandes um Max Heller ist ziemlich komplex und für Leser, die sich bisher nicht mit dem Thema „Spionage“ befasst haben, nicht immer einfach zu überblicken; die Zusammenhänge erschließen sich erst gegen Ende des Romans. Sehr anschaulich und eindrücklich ist dagegen von Anfang an die zeitgeschichtlich sehr interessante Schilderung des Lebens in der DDR in einem Klima von dauernder Bespitzelung. Die Versorgungslage mit Lebensmitteln ist zwar inzwischen ausreichend, jedoch längst nicht so gut wie in der BRD. Das wissen die Menschen und in vielen wächst der Wunsch, in den Westen zu gehen. Deshalb gibt es keine Ausreisegenehmigungen für ganze Familien; am Beispiel Max Hellers wird deutlich, wie die Zurückgebliebenen ihre Angehörigen vermissen und in der Angst leben, diese könnten nicht zurückkehren.

    Des Weiteren leben die Menschen mit der ständigen Befürchtung, der Spionage oder anderer subversiver Tätigkeiten verdächtigt zu werden, für solche Verdächtigungen reicht es schon, wenn man dabei „erwischt“ wird, westliche Radiosender zu hören.

    Wie schon in den vorherigen Bänden widmet der Autor der Persönlichkeit und Gedankenwelt seines Protagonisten große Aufmerksamkeit und arbeitet dessen Charakter differenziert aus. Es ist in Bezug auf den Kriminalfall nicht unbedingt erforderlich, die ersten drei Bände gelesen zu haben, aufgrund der Entwicklungen sowohl im persönlichen Leben Max Hellers als auch im Hinblick auf die politische und gesellschaftliche Situation ist es aber auf jeden Fall lohnend, die Bücher in der korrekten Reihenfolge zu lesen.


    Fazit

    Ein komplexer, nicht von Hochspannung geprägter Kriminalroman, der in sehr anschaulichem Erzählstil einen beeindruckenden Einblick in das Leben der DDR-Bürger zu Beginn der Fünfzigerjahre des 20. Jahrhunderts bietet – sehr lesenswert!

    8 Punkte

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Frühjahr 1943. In Reykjavík herrscht eine angespannte Stimmung – Island ist von den Amerikanern besetzt. In diesen unruhigen Zeiten wird nahe einer Soldatenkneipe im Stadtzentrum ein Mann brutal erstochen. Kommissar Flóvent und sein kanadischer Kollege Thorson von der Militärpolizei nehmen die Ermittlungen auf, während Flóvent noch mit einem anderen Fall befasst ist: Eine männliche Leiche wurde am Strand der Nautholsvík-Bucht angespült. Stehen die Tode mit den Kriegsereignissen in Zusammenhang? Die Kommissare ermitteln in einem heiklen Umfeld und geraten dabei selbst in Gefahr ...


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Arnaldur Indriðason, 1961 geboren, graduierte 1996 in Geschichte an der University of Iceland und war Journalist sowie Filmkritiker bei Islands größter Tageszeitung Morgunbladid.

    Heute lebt er als freier Autor mit seiner Familie in Reykjavik und veröffentlicht mit sensationellem Erfolg seine Romane. Arnaldur Indriðasons Vater war ebenfalls Schriftsteller.

    1995 begann er mit Erlendurs erstem Fall, weil er herausfinden wollte, ob er überhaupt ein Buch schreiben könnte. Seine Krimis belegen allesamt seit Jahren die oberen Ränge der Bestsellerlisten. Seine Kriminalromane "Nordermoor" und "Todeshauch" wurden mit dem "Nordic Crime Novel’s Award" ausgezeichnet, darüber hinaus erhielt der meistverkaufte isländische Autor für "Todeshauch" 2005 den begehrten "Golden Dagger Award" sowie für "Engelsstimme" den "Martin-Beck-Award", für den besten ausländischen Kriminalroman in Schweden.

    Arnaldur Indriðason ist heute der erfolgreichste Krimiautor Islands. Seine Romane werden in einer Vielzahl von Sprachen übersetzt. Mit ihm hat Island somit einen prominenten Platz auf der europäischen Krimilandkarte eingenommen.


    Allgemeines

    Dritter Band der Reihe um Thorson und Flóvent

    Erscheinungstermin: 21. Dezember 2018 bei Bastei Lübbe als HC mit 432 Seiten
    Gliederung: 63 Kapitel

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: (hauptsächlich) Reykjavík, zwei Handlungsstränge: 1943 und 1941


    Inhalt

    In ihrem dritten gemeinsamen Fall bekommen es Thorson und Flóvent mit mehreren Todes- und einem Vermisstenfall zu tun. Vor einer Kneipe, in der hauptsächlich amerikanische Soldaten, oft in Gesellschaft von isländischen Frauen, verkehren, wird ein junger Isländer schwerverletzt aufgefunden, wenig später verstirbt er im Krankenhaus. Ellý, eine dem Verstorbenen bekannte Isländerin, die in diesem zwielichtigen Lokal den Kontakt zu Amerikanern gesucht hat, ist spurlos verschwunden.

    Außerdem wird eine männliche Leiche in einer Bucht an den Strand gespült, man geht zunächst von einem Selbstmord aus. Die Ermittlungen ergeben allerdings, dass der Mann dubiose Kontakte ins Ausland hatte und dass es auch in seiner Ehe nicht zum Besten stand.

    Thorson und Flóvent ermitteln unter Isländern und Amerikanern, aber gerade die amerikanischen Soldaten zeigen sich wenig kooperativ und scheuen auch nicht vor drastischen Methoden zurück, um sich die Polizei vom Hals zu schaffen…


    Beurteilung

    Die Handlung des komplexen Kriminalromans beschäftigt sich mit mehreren Fällen und wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Die aktuellen Ermittlungen spielen sich im Jahr 1943 ab, ein zweiter Handlungsstrang spielt jedoch im Jahr 1941. In diesem Jahr kehren Isländer, die in anderen Ländern gelebt haben, wegen des Krieges und des wachsenden Einflusses der deutschen Nationalsozialisten auf einem Schiff von Petsamo nach Reykjavík zurück. Im Zentrum dieser Erzählung steht eine namentlich nicht genannte junge Frau, die in Petsamo vergeblich auf ein Wiedersehen mit ihrem Verlobten hofft, der in Dänemark als Widerständler gegen die Nazis verraten und verhaftet wurde.

    Erst nach und nach wird die Bedeutung der Vorfälle auf dem Schiff für die später in Reykjavík zu ermittelnden Fälle ersichtlich. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn die Kapitel jeweils mit Jahresangaben gekennzeichnet worden wären, das hätte die Orientierung zwischen den verschiedenen Perspektiven und Zeitebenen erleichtert.

    Der Autor nimmt sich für die Darstellung der Charaktere und die Entwicklung der Handlung viel Zeit, der Roman ist deshalb nur von mäßiger Spannung geprägt, gibt aber einen faszinierenden Einblick in das Leben in Reykjavík zu Beginn der Vierzigerjahre des 20. Jahrhunderts. Diese Atmosphäre wird sehr anschaulich geschildert.

    Der Roman ist auch ohne Kenntnis der beiden anderen Bände verständlich.


    Fazit

    Ein ruhig erzählter Roman, der einen anschaulichen Eindruck vom Leben in Reykjavík unter der amerikanischen Besetzung zur Zeit des Zweiten Weltkriegs vermittelt; aufgrund der Komplexität sollte der Leser Zeit und Konzentration mitbringen!

    8 Punkte

    Rumpelstilzchen

    Ja, das Buch von Katja Doubek habe ich auch gelesen, es ist allerdings schon 10 Jahre her. Hier habe ich damals meinen Eindruck hinterlassen. Es ist ein biographischer Roman über Katharina Keplers ganzes Leben, nicht nur über den Hexenprozess.

    "Der Astronom und die Hexe" ist ein Sachbuch mit anderer Gewichtung, hier geht es hauptsächlich um Johannes Kepler und sein Verhältnis zur Mutter, welches auch anhand seines Verhaltens in der "Hexensache" deutlich wird. Außerdem geht es aber auch um die Darstellung der Zeit kurz vor dem Dreißigjährigen Krieg. Wenn man sich für Katharina Kepler interessiert, ist es sicher eine lohnende Lektüre.

    Zur Zeit kann man es bei NetGalley anfragen, ich habe mein E-Book auch von dort bekommen.


    Nachtrag: Auch in diesem Forum findest Du meinen Beitrag zum Buch von Katja Doubek.

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Keplers Kampf um seine Mutter – ein historisches Familiendrama zwischen Hexenverfolgung und moderner Wissenschaft

    Deutschland, 1615. Die Mutter des berühmten Astronomen Johannes Kepler wird als Hexe angeklagt. Vor der faszinierenden Kulisse einer Welt im Wandel zwischen Magie und Naturwissenschaft beschreibt Rublack fesselnd und bewegend, wie der Vorwurf der Hexerei Familien entzweite.

    Die Entdeckung der ellipsenförmigen Umlaufbahnen der Planeten machte Johannes Kepler zum Mitbegründer der modernen Wissenschaft. Ulinka Rublack entfaltet auf Basis einer einzigartigen Quellenlage eine weitaus weniger bekannte Episode in Keplers Biographie: Im Jahr 1615 wird seine verwitwete Mutter der Hexerei bezichtigt und angeklagt. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere übernimmt Kepler ihre Verteidigung vor Gericht und kämpft für ihre Freisprechung. Was bedeutet der Vorwurf der Hexerei für die Beschuldigten und ihre Angehörigen in einer Welt, in der Volksglaube und Wissenschaft nebeneinander existieren? So ergreifend wie schockierend zeugt Rublacks souveräner Bericht von einer Epoche, die sich hundert Jahre nach der Reformation und an der Schwelle zum Dreißigjährigen Krieg im Aufbruch befindet – zwischen vernunftgeleiteter Moderne und dem Terror der Hexenverfolgung.


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Ulinka Rublack, geboren 1967 in Tübingen, lehrt seit 1996 Europäische Geschichte der Frühen Neuzeit am St John‘s College in Cambridge. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Genderstudien, Materialitätsgeschichte und Fragen der kulturellen Identität. Neben eigenen Büchern schreibt die Mitbegründerin des Cambridge Center for Gender Studies für »Die Zeit« und ist Fellow der British Academy.


    Allgemeines

    Titel der Originalausgabe: „The Astronomer and the Witch: Johannes Kepler´s Fight for his Mother“, ins Deutsche übersetzt von Hainer Kober

    Erschienen am 16.12.2018 bei Klett Cotta als HC mit 409 Seiten
    Gliederung: Zeitleiste – Anmerkung zu den Daten – Liste der Abbildungen – Liste der Abkürzungen – Karten – Prolog – Einleitung – 13 Kapitel – Epilog – Endnoten – bibliographische Empfehlungen – Danksagung – Register


    Beurteilung

    Das Sachbuch „Der Astronom und die Hexe“ befasst sich intensiv mit dem Leben und den Werken des berühmten Mathematikers und Astronomen Johannes Kepler (1571 – 1630). Dabei wird besonderes Augenmerk auf Keplers Beziehung zu seiner Mutter Katharina (1546 – 1622) gelegt, die 1615 beschuldigt wurde, eine Hexe zu sein. Die Bedeutung einer solchen Anschuldigung für die Beklagte und ihre Familie veranschaulicht die Autorin sehr eindrücklich vor dem Hintergrund der Zeit: Hundert Jahre nach der Reformation und kurz vor dem Beginn des Dreißigjährigen Krieges wird die Gesellschaft sowohl von noch mittelalterlich anmutenden Vorstellungen (Magie, Hexenglaube) als auch von neuzeitlichen Entwicklungen (Naturwissenschaften, festgelegte Regeln im Justizwesen, Fürsorge für die Armen aus einer „Sozialkasse“) geprägt. Trotz der wachsenden Bedeutung der Naturwissenschaften ist eine Anklage wegen Hexerei immer noch äußerst gefährlich und endet größtenteils mit Todesurteilen, was nicht zuletzt an der Durchführung der peinlichen Befragung (Folter) liegt, die zu falschen Geständnissen führt. Als Kind seiner Zeit zweifelt auch Johannes Kepler – trotz seiner naturwissenschaftlichen Betätigung – nicht daran, dass es den Straftatbestand der Hexerei gibt und er ist auch von der intellektuellen Überlegenheit des männlichen Geschlechts gegenüber den Frauen überzeugt. Dennoch widmet er sich entschlossen der Verteidigung seiner Mutter, die er für eine gute Christin hält. Er macht seinen ganzen Einfluss geltend, verklagt seinerseits die Denunzianten als Verleumder und erreicht durch zahllose Eingaben, dass seine Mutter auch in Gefangenschaft anständig untergebracht und vergleichsweise „gerecht“ und unvoreingenommen behandelt wird. Insgesamt zieht sich der Prozess gegen Katharina unglaubliche sechs Jahre hin.


    Die Darstellung von Keplers Persönlichkeit sowie seinen Beziehungen zu seinen Familienmitgliedern und seinem gesellschaftlichen Umfeld ist gründlich ausgearbeitet und hochinteressant, auch die Schilderung des Lebens in der Gesellschaft des frühen 17. Jahrhunderts ist sehr anschaulich und gibt dem Leser einen intensiven Einblick. Der flüssige Stil der Autorin macht die Lektüre zu einem Vergnügen. Allerdings springt die Erzählung des Öfteren zwischen verschiedenen chronologischen und thematischen Ebenen hin und her, was gelegentlich die Orientierung ein wenig beeinträchtigt.

    Das Buch ist reich bebildert, auch das Zusatzmaterial (Zeitleiste, Karten) ist für den Überblick des Lesers hilfreich.


    Fazit

    Ein sehr lesenswertes Sachbuch, das nicht nur anhand guter Quellenlage (erhaltene Prozessakten) einen Einblick in das Leben und die Persönlichkeit Johannes Keplers sowie den Hexenprozess gegen seine Mutter Katharina gibt, sondern auch einen anschaulichen allgemeinen Eindruck von der Gesellschaft zu Beginn des 17. Jahrhunderts vermittelt!

    8 Punkte

    Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)

    Die Bürger des englischen Städtchens Ludlow sind zutiefst entsetzt, als man den örtlichen Diakon eines schweren Verbrechens beschuldigt und ihn verhaftet. Kurz darauf wird er in Polizeigewahrsam tot aufgefunden. Im Auftrag Scotland Yards versucht Sergeant Barbara Havers Licht ins Dunkel um die geheimnisvollen Vorfälle zu bringen. Zunächst weist tatsächlich alles auf den Selbstmord eines Verzweifelten hin – doch Barbara und mit ihr DI Thomas Lynley trauen dieser Version der Ereignisse nicht. Gemeinsam werfen sie einen genaueren Blick hinter die idyllische Fassade Ludlows – und entdecken, dass fast jeder hier etwas zu verbergen hat …


    Autorin (Quelle: amazon)

    Eine Amerikanerin in London – zumindest zeitweise lebt Elizabeth George in der britischen Hauptstadt. Dort recherchiert die preisgekrönte Krimiautorin detailversessen an den Orten des Geschehens. Ihre größtenteils verfilmten Geschichten sind eher Gesellschaftsromane als „nur“ spannende Storys – von denen George allerdings eine Menge versteht. Denn Handwerk und Kunst des Schreibens hat sie lange Jahre als Lehrerin für Englische Sprache und Literatur sowie später in Unikursen für Kreatives Schreiben unterrichtet. Bekannt wurde sie vor allem mit ihrem Ermittlerduo Inspector Lynley und Sergeant Havers. Geboren wurde Elizabeth George 1949 in Warren im US-Bundesstaat Ohio. Nach vielen Jahren in Kalifornien lebt sie heute im Nordwesten der Vereinigten Staaten bei Seattle.


    Allgemeines

    20. Band der Reihe um Thomas Lynley und Barbara Havers

    Titel der Originalausgabe: „The Punishment She Deserves“, ins Deutsche übersetzt von Charlotte Breuer und Norbert Möllemann

    Erschienen am 8. Oktober 2018 im Goldmann Verlag als HC mit 864 Seiten
    Gliederung: Prolog – nicht-nummerierte Kapitel mit Ortsangabe überschrieben – Danksagung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsorte und -Zeit: Ludlow, London, in der Gegenwart


    Inhalt

    In Ludlow hat sich der junge, sozial äußerst engagierte Diakon Ian Druitt im Polizeigewahrsam erhängt, nachdem er unter dem Verdacht pädophiler Straftaten festgenommen wurde. Der Vater des Verstorbenen, ein einflussreicher Brauereibesitzer, ist davon überzeugt, dass sein Sohn weder pädophil noch ein Selbstmörder war; über einen ihm gut bekannten Parlamentsabgeordneten erreicht er, dass Scotland Yard sich des Falls annimmt. Zunächst werden Isabelle Ardery und Barbara Havers nach Ludlow entsandt, doch die Ermittlungen leiden nicht nur unter dem angespannten Verhältnis der beiden Frauen, sondern auch unter der mangelnden Gründlichkeit Isabelles, die immer noch mit ihren familiären Problemen und ihrer Alkoholsucht zu kämpfen hat. Nach einer relativ ergebnislosen ersten Ermittlungsrunde reist Barbara erneut, diesmal mit Thomas Lynley, nach Ludlow und kann nun endlich neuen Ermittlungsansätzen folgen. Da der Diakon ein sehr großes persönliches Umfeld hatte, müssen sehr viele Personen vernommen werden, darunter eine Gruppe von Studenten, um deren Wohlergehen der Diakon besorgt war. Offensichtlich hat jeder etwas zu verbergen und selbst auf die Aussagen des örtlichen Hilfspolizisten, der Druitts Verhaftung vorgenommen hatte und dessen Vorgesetzter ist kein Verlass…


    Beurteilung

    Für diesen Roman braucht man einen langen Atem. Das liegt nicht nur am beachtlichen Umfang von 864 Seiten, sondern vor allem an der Komplexität der Handlung und der Unmenge an Romanfiguren sowie an deren lange wenig durchschaubaren Beziehungen untereinander. Die Handlung nimmt erst langsam Fahrt auf, die Spannung bleibt auf einem eher niedrigen Level. Wer einen spannenden Thriller mit viel Blutvergießen erwartet, wird mit diesem Buch nicht glücklich werden. Wer dagegen Krimis mit psychologischer Ausrichtung und starker gesellschaftskritischer Komponente mag, hat hier eine durchaus lohnende Lektüre vor sich. Der Leser gewinnt nicht nur Einblick in das Leben einiger Studenten, die ihren familiären Problemen durch Alkohol- oder Drogenkonsum, bzw. Promiskuität zu entkommen versuchen, sondern auch in die Verhältnisse in deren Elternhäusern. Hier wird besonders das Thema „Kontrollsucht“ durch übergriffige Mütter thematisiert – Mütter, die das Beste für ihre Kinder wollen und nicht merken, dass sie im Begriff sind, sie durch extreme Gängelung zu entfremden und die Familie zu zerstören. Im Gegensatz dazu steht der Kontrollverlust von Isabelle Ardery, deren Leben nur noch vom Alkohol dominiert wird und die ihre Familie bereits wegen ihrer Sucht zerstört hat.

    Die Autorin hat die Charaktere aller Romanfiguren sehr gründlich ausgearbeitet, die persönliche Geschichte des „Stammpersonals“ wird unter gelegentlicher Bezugnahme auf den Inhalt vorheriger Bände fortgesetzt, der Roman kann aber auch ohne Vorkenntnisse gelesen werden.

    Der Erzählstil ist anschaulich und flüssig zu lesen, manchmal allerdings zu weitschweifig.

    Der englische Titel „The Punishment She Deserves“ lässt Interpretationsspielraum, da er sich auf mehrere Romanfiguren beziehen kann.


    Fazit

    Ein komplexer, ruhig erzählter Krimi mit gesellschaftlichen Thematiken, für den man sich viel Zeit nehmen sollte. Lohnende Lektüre, wenn man nicht auf Hochspannung und Blutvergießen fixiert ist!

    8 Punkte

    Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)

    LONDON, 1590. Queen Elizabeth I's control over her kingdom is wavering. Amidst a tumultuous backdrop of Spanish plotters, Catholic heretics and foreign wars threatening the country's fragile stability, the body of a small boy is found in the City of London, with strange marks that no one can explain.

    When idealistic physician Nicholas Shelby finds another body displaying the same marks only days later, he becomes convinced that a killer is at work, preying on the weak and destitute of London.

    Determined to find out who is behind these terrible murders, Nicholas is joined in his investigations by Bianca, a mysterious tavern keeper. As more bodies are discovered, the pair find themselves caught in the middle of a sinister plot. With the killer still at large, and Bianca in terrible danger, Nicholas's choice seems impossible - to save Bianca, or save himself...


    Autor (Quelle: amazon)

    S. W. Perry was a journalist and broadcaster before retraining as an airline pilot. He lives in Worcestershire with his wife.


    Allgemeines

    Erschienen am 6. September 2018 bei Atlantic Books als HC mit 432 Seiten
    Gliederung: 50 Kapitel – Historical Note – Author´s Note

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsorte und -zeit: London und Surrey, 1590/1591


    Inhalt

    Nachdem der Arzt Nicholas Shelby seine Frau und sein Kind im Kindbett verloren hat, beschließt er, seinem Leben in der Themse ein Ende zu setzen. Er wird jedoch gerettet und von Bianca, der Inhaberin der Kneipe „Jackdaw“, aufgepäppelt. Bianca kennt sich mit Heilkräutern aus und ist medizinisch interessiert, sie ermutigt Nicholas, in einer Sache, die ihn kurz vor dem Tod seiner Frau beschäftigte, weiter zu ermitteln. In der letzten Zeit sind einige Leichen aus der Themse geborgen worden, bei allen Opfern handelt es sich um Menschen mit Behinderungen. Die Behörden sehen nicht, bzw. wollen nicht sehen, dass die Verletzungen der Toten nicht auf einen Unfall zurückzuführen sind. Nicholas stellt fest, dass die Toten an hohem Blutverlust gestorben sind und dass sie an den Waden Schnitte in Form eines auf dem Kopf stehenden Kruzifixes aufweisen. Sein erster Verdacht richtet sich gegen Katholiken, bzw. Häretiker oder „Teufelsjünger“, die – wie man allgemein glaubt – einen Sturz der protestantischen Königin Elizabeth I planen. Eine Spur führt zum Gelehrten John Lumley, der des „Papismus“ verdächtigt wird, wohnhaft im Nonsuch Palace. Robert Cecil beauftragt Nicholas, die Familie Lumley auszuspionieren, was ihn in einen schweren Loyalitätskonflikt und in Gefahr bringt…


    Beurteilung

    Die Handlung des historischen Krimis spielt sich vor dem Hintergrund der späten Regierungsjahre von Elizabeth I ab. Auch Jahre nach der Hinrichtung Mary Stuarts fürchtet man immer noch Verschwörungen und Aufstände von Katholiken, die Elizabeth nicht als rechtmäßige Königin anerkennen und durch einen katholischen Herrscher ersetzen wollen. Elizabeths Minister Robert Cecil führt ein Spionagenetz, um vermeintliche Verschwörer dingfest zu machen und wegen Hochverrats hinrichten zu lassen. In dieser unsicheren Lage kommt es zu einer Reihe merkwürdiger Todesfälle in London. Die Schwester eines der Toten, die mit dem Leben davongekommen ist, sagt aus, ein Engel habe sie und ihren Bruder mitgenommen, sie dann aber gefangen gehalten. Da die Opfer während ihrer Zeit in der Gefangenschaft offensichtlich unter dem Einfluss betäubender Substanzen gehalten wurden, ist auf diese Aussage nur bedingt Verlass.

    Die Persönlichkeit des integren und beharrlichen Protagonisten ist sehr gründlich ausgearbeitet, der Leser kann sich gut in seine Lage versetzen und seine Handlungen nachvollziehen. Auch die historischen Persönlichkeiten Lumley und Cecil werden plastisch – und historisch gut recherchiert- dargestellt.

    Der Erzählstil ist anschaulich und steigert sich nach einem eher ruhigen Beginn kontinuierlich In Bezug auf Spannung.

    Ein historisches Nachwort sowie ein Schlusswort, in dem der Autor bibliographische Informationen zu seinen Quellen gibt, runden den Roman ab.


    Fazit

    Ein lesenswerter historischer Krimi, dessen Handlung vor dem gut recherchierten Hintergrund der späten Regierungsjahre Elizabeths I spielt!

    9 Punkte

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Was die Zeit nicht heilt…

    München, 1890: Die junge Ärztin Ricarda führt mit Brauereierbe Georg und Tochter Henny fern der Berliner Heimat ein beschauliches Leben. Mit der Eröffnung einer eigenen Praxis scheint sich ihr größter Traum zu erfüllen. Doch kaum jemand nimmt die erste Ärztin der Stadt ernst. Als eine Diphteriewelle München erfasst und der «Würgeengel» Hunderte von Kinderleben fordert, läuft Ricarda gegen Mauern. Denn ihre männlichen Kollegen halten das vielversprechende neue Heilmittel Emil von Behrings für Humbug. Die Ärztin ist entschlossen, für ihre Überzeugung und ihre Patienten zu kämpfen. Bis ein Geheimnis aus ihrer Vergangenheit Ricarda alles zu nehmen droht, was ihr am Herzen liegt. Ein Geheimnis, dessen dunkle Kraft auch die nächste Generation bestimmen wird.

    Autoren (Quelle: Verlagsseite)

    Helene Sommerfeld ist das Pseudonym eines in Berlin lebenden Autoren-Ehepaars. Viele ihrer Romane und Sachbücher waren internationale Bestseller. Die einzigartige Lebendigkeit ihrer Bücher entsteht aus der Begeisterung für Medizin und dem Interesse an historischen Persönlichkeiten, verbunden mit der Leidenschaft, fremde Länder zu bereisen.


    Allgemeines

    Zweiter Band der Reihe um Ricarda Thomasius

    Erschienen am 20. November 2018 im Rowohlt Verlag als Taschenbuch mit 614 Seiten

    Personenverzeichnis - Kapitel mit Titeln überschrieben und mit Zeitangaben versehen

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsorte und -zeit: Berlin, München, Afrika und China, 1890 bis 1914


    Inhalt

    Infolge der Ereignisse gegen Ende des ersten Bandes „Die Ärztin – Das Licht der Welt“ hat Ricarda den Brauereibesitzer Georg Kögler geheiratet und lebt mit ihm, ihrer Tochter Henny und dem gemeinsamen Sohn Georg in München. Die Ehe ist harmonisch, trotzdem ist Ricarda nicht glücklich. Ihre Schwägerin Magdalena macht ihr das Leben schwer und auch in ihrem beruflichen Leben als Ärztin gibt es immer wieder Stolpersteine in Form von ignoranten männlichen Kollegen, die sie als Medizinerin nicht ernst nehmen wollen. Immerhin ermöglicht ihr Ehemann es ihr, als Betriebsärztin in der Brauerei tätig zu sein.

    Nach einem schweren Schicksalsschlag kehrt Ricarda nach Berlin zurück, doch auch dort ist ihr kein einfaches, konstantes Leben vergönnt. Vielmehr verschlägt das Schicksal sie nach Afrika, wo sie eine Hebammenschule errichten will und Jahre später ist sie in China, als der erste Weltkrieg ausbricht.

    Ihre Tochter Henny entschließt sich, ebenfalls Medizin zu studieren. Immerhin ist das jetzt den Frauen auch im Deutschen Reich erlaubt.


    Beurteilung

    Der zweite Band der Reihe um die Ärztin Ricarda schildert deren wechselvolles Schicksal in den Jahren von 1890, als ihre Tochter Henny geboren wird, bis Weihnachten 1914, als der Erste Weltkrieg tobt und – entgegen den Erwartungen aller Beteiligten – keineswegs dem Ende entgegengeht. Dieser Roman thematisiert schwerpunktmäßig nicht mehr die Rolle der Frauen mit akademischen Ambitionen in der Gesellschaft, sondern befasst sich unter anderem mit der Rolle deutscher Kolonialherren im Ausland. Das herablassende Auftreten der Weißen in Afrika führt naturgemäß zu Aufständen und Blutvergießen, auch tropische Krankheiten machen ihnen zu schaffen. Deutsche Ärzte beginnen in diesen Jahren, Tropenkrankheiten systematisch zu erforschen, außerdem bemühen sie sich darum, in Afrika eine medizinische Versorgung auf höherem Standard zu etablieren. Ricarda richtet eine Hebammenschule ein, in der afrikanische Geburtshelferinnen ausgebildet werden.

    Ricarda steht jedoch nicht allein im Zentrum dieses Romans, ihre vielseitig begabte und interessierte Tochter Henny, die über den gleichen starken Willen verfügt wie ihre Mutter, nimmt zunehmend Raum ein. Die beiden Frauen verstehen sich gut, doch ein altes Familiengeheimnis bedroht den Frieden der Familie.

    Die Romanfiguren, besonders Ricarda und Henny, sind in ihren Charakteren sehr gründlich ausgearbeitet und die Zerrissenheit von Ricarda zwischen den Erfordernissen ihrer Aufgaben als Mutter, Ehefrau und Ärztin wird eindrücklich geschildert. Ihr Verhalten in einigen Situationen ist vielleicht nicht immer ganz realitätsnah.

    Der Roman endet mit einem geradezu „bombastischen“ Cliffhanger, der einen Ausblick auf den dritten Band der Reihe („Die Ärztin – Die Wege der Liebe“), der zum Verdruss des Lesers leider erst am 20.08. 2019 erscheint, gibt.


    Fazit

    Ein farbenprächtiger Roman um das wechselvolle Schicksal der Ärztin Ricarda Thomasius, der es dem Leser ermöglicht, komplett aus dem Alltag abzutauchen – ideale Unterhaltung für lange Winterabende auf dem heimischen Sofa!

    9 Punkte