Beiträge von €nigma

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    Simon Serrailler finds himself in devastating new territory as a sophisticated drugs network sets its sights on Lafferton and the surrounding villages

    DCS Simon Serrailler has long regarded drugs ops in Lafferton as a waste of time. Small-time dealers are picked up outside the local secondary school, they don't have any information about those higher up the chain, they're given a fine or a suspended and away they go. And rinse and repeat. But when the body of a 22-year-old drug addict is found in neighbouring Starley, the case pulls Simon into a whole new way of running drugs. The foot soldiers? Vulnerable local kids like Brookie and Olivia, who will give Simon a bitter taste of this new landscape.

    It is a harsh winter at home as well as work. Simon's GP sister Cat and her husband Kieron (also Simon's boss) are struggling with medical dramas big and small. A trip to Bevham General on her rounds sets off alarm bells for Cat, and a visit from her son Sam as he tries to work out if his midwifery course is right for him coincides with a threat to their beloved family dog. Simon is working hard, but he's restless, wondering what's next. There's nothing new going on for him in Lafferton, but sometimes the familiar holds surprises, too . . .


    Autorin (Quelle: Amazon)

    SUSAN HILL has been a professional writer for over fifty years. Her books have won awards and prizes including the Whitbread, the John Llewellyn Rhys and a Somerset Maugham, and have been shortlisted for the Booker. Her novels include Strange Meeting, I'm the King of the Castle, In the Springtime of the Year and The Mist in the Mirror. She has also published autobiographical works and collections of short stories as well as the Simon Serrailler series of crime novels. The play of her ghost story The Woman in Black is one of the longest running in the history of London's West End. In 2020 she was awarded a damehood (DBE) for services to literature. She has two adult daughters and lives in North Norfolk.


    Allgemeines

    Elfter Band der Reihe um Simon Serrailler

    Erschienen am 7. Oktober 2021 bei Chatto & Windus als TB mit 320 Seiten

    Gliederung: Roman in 66 Kapiteln

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Lafferton in der Gegenwart


    Inhalt und Beurteilung

    Zum ersten Mal in seiner Polizeikarriere beschäftigt sich Simon Serrailler mit Drogenkriminalität. In einer Wohnung, die über einer Chinesischen Apotheke liegt, wird ein junger Mann tot aufgefunden, der an einer Überdosis verstorben ist – es ist zunächst nicht ersichtlich, ob es sich um einen Unfall oder um einen als Unfall fingierten Mord handelt. Bei den Ermittlungen stellt sich heraus, dass die Drogendealer ein neues Geschäftsmodell entwickelt haben: Sie rekrutieren Jugendliche und sogar Kinder aus prekären Verhältnissen, die sie zunächst mit Geschenken und dann auch mit Drohungen dazu bringen, als Drogenkuriere tätig zu sein. Durch diese Hierarchie können die mittleren „Mitarbeiter“ in der Handlungskette nur schwer und die stets anonym bleibenden „Chefs“ als Drahtzieher gar nicht entlarvt werden.

    Simons Schwester, die Allgemeinärztin Cat, hat ebenfalls Stress; in der Familie herrscht Unruhe, weil ihr Sohn Sam in seiner Ausbildung und auch in seiner Beziehung zu einer Medizinstudentin nicht glücklich ist und ihr Mann eine Knieverletzung hat, die ihn zu einem ziemlich weinerlichen Weichei mutieren lässt. Beruflich hat sie mehrfach Anlass, über unterirdische Pflegestandards im örtlichen Krankenhaus zu klagen und auch eine offizielle Beschwerde einzureichen.


    Der elfte Band der Reihe thematisiert einen in sich abgeschlossenen Kriminalfall, widmet aber – wie auch die vorherigen Bände - dem privaten und beruflichen Leben der Protagonisten viel Aufmerksamkeit. Deshalb ist es nicht sinnvoll, diesen Band ohne vorherige Kenntnisse der Familiengeschichte zu lesen. Die Entwicklung der differenziert ausgearbeiteten Charaktere der Protagonisten wird stringent und glaubwürdig fortgesetzt, das gilt besonders für Simon, einen nach wie vor schwierigen Charakter.

    „A Change of Circumstance“ ist als Krimi nicht übermäßig spannend, aber dennoch aufgrund der gesellschaftskritischen Themen fesselnd und authentisch. Die Schilderungen des Drogennetzwerks sind erschütternd und der Zustand des britischen Gesundheitssystems, dem sich Deutschland wohl auch allmählich annähert, ist alarmierend.


    Fazit

    Ein eher ruhiger, aber dennoch fesselnder Kriminalroman, der gesellschaftskritische Themen anspricht!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 1784742767

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    Gregor Cornelius, emeritierter Münchner Geschichts­professor, freut sich auf seinen Urlaub bei Freunden im niederbayerischen Neukirchen. Dort will er ausspannen und den legendären Schäfflertanz ansehen, der nur alle sieben Jahre aufgeführt wird. Doch die erwartete Idylle aus Brauchtum und Landleben mag sich nicht so recht einstellen. Drei Tage vor dem Schäfflertanz findet Julian Bernbacher, der erste Vortänzer, eine tote Ratte auf seinem Auto, wenig später erhält er eine Todesanzeige, seine Todesanzeige, kurz danach wird sein bester Freund bei einem Autounfall schwer verletzt. Cornelius beginnt nachzuforschen und befindet sich bald mitten in einem erschütternden Familiendrama - und in großer Gefahr.


    Autorin (Quelle: Amazon)

    Karoline Eisenschenk, geboren 1975, veröffentlichte unter dem Pseudonym Katelyn Edwards die Kriminalromane »Der Shakespeare-Mörder« und »Pfadfinderehrenwort« (beide 2011). Nach ihrem Studium der englischen Sprach- und Literaturwissenschaft lebt sie heute in Geiselhöring und arbeitet in München. Im Allitera Verlag sind von ihr die Niederbayern-Krimis »Walpurgisnacht« und »Der letzte Tanz« erschienen.


    Allgemeines

    Zweiter Band der Niederbayern-Krimireihe um Professor Gregor Cornelius

    Erschienen am 31.10.2014 bei buch&media als TB mit 280 Seiten

    Gliederung: Prolog – 34 Kapitel

    Erzählung in der dritten Person aus der Perspektive von Professor Cornelius

    Handlungsort und -zeit: Neukirchen, Altenburg und Landshut um 2014(?)


    Inhalt

    Der emeritierte Professor Gregor Cornelius braucht offenbar wieder eine Auszeit von seiner zickigen Eheliebsten Ramona und deren versnobten Freunden. Statt mit diesen einen Ski-Urlaub anzutreten fährt er wie im Jahr zuvor in das niederbayerische Dorf Neukirchen. Dort sollen nämlich in der Faschingszeit die im siebenjährigen Turnus stattfindenden Schäfflertänze aufgeführt werden, ein kultureller Leckerbissen für den Geschichtsprofessor. Leider stehen die Vorbereitungen unter keinem guten Stern, denn auf Julian Bernbacher, Juniorchef eines ortsansässigen Unternehmens und erster Vortänzer der Schäfflergruppe, werden zunehmend aggressivere Anschläge verübt. Die Kommissare Thorwald und Weber kommen mit ihren Ermittlungen nicht recht voran, da es mehrere Verdächtige mit Motiven wie Neid, Eifersucht und schon länger schwelendem Hass gibt. Über die Umtriebe des neugierigen Professors, der ohne offiziellen Auftrag im Kreise der involvierten Dorfbewohner herumschnüffelt, sind die Ermittler nicht begeistert, dennoch ist es ausgerechnet Cornelius, der auf die richtige Fährte gerät.


    Beurteilung

    Der größtenteils in einem eher ruhigen Erzählstil gehaltene Regionalkrimi schildert die Sitten und Gebräuche rund um den historischen Schäfflertanz, der Leser erfährt Interessantes über die Voraussetzungen, die für die Teilnahme erfüllt werden müssen und über die harten Trainingsstunden, die den Teilnehmern viel Disziplin abverlangen. In dieses Umfeld wird eine unerwartet komplexe Handlung eingebettet, die mehrere Tatverdächtige und durch wiederholte Wendungen auch eine allmählich ansteigende Spannungskurve bietet. Dabei werden einige Überraschungen bereitgehalten, sodass der Leser erst gegen Ende des Romans dem Täter auf die Spur kommen kann.

    Wer bereits den ersten Band der Reihe „Walpurgisnacht“ gelesen hat, erlebt hier ein Wiedersehen mit den Einwohnern von Neukirchen. Die Kenntnis des ersten Bandes ist jedoch keine Voraussetzung, um im vorliegenden Band der Handlung folgen zu können. Die Autorin hat jeder ihrer Romanfiguren einen ganz eigenen Charakter verliehen – Professor Cornelius ist allerdings wieder ein wenig zu vergesslich gezeichnet - und es gelingt ihr auch, die Atmosphäre eines niederbayerischen Dorfes anschaulich zu transportieren.


    Fazit

    Eher leichte, aber durchaus fesselnde Krimi-Unterhaltung rund um den historischen Brauch der Schäfflertänze!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 3869066555

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    England, 1903.

    Giles, the new Earl of Stainton, is struggling to bring his family's estate back to order after the death of his father, and he has little time to spare for his young pregnant wife, Kitty. She lives in fear of her mother-in-law, who won't give up the reins of the household. Will she ever truly be mistress of Ashmore Castle? Perhaps if her coming child is a boy, that will change the balance of power...

    Meanwhile, the Earl's younger sisters are having their first taste of romance, but not necessarily with the right people. Richard is pursuing his forbidden relationship with Molly, while Nina makes a lively new friend who leads her straight into trouble and pushes her relationship with her husband to the limit.

    And below stairs, ambition, jealousy and revenge stalk the corridors, while a tragic suicide, a tender romance, and finally a mysterious disappearance challenge the castle's residents, both high and low . . .


    Autorin (Quelle: Amazon)

    Cynthia Harrod-Eagles is the author of the hugely popular Morland Dynasty novels, which have captivated and enthralled readers for decades. She is also the author of the contemporary Bill Slider mystery series, as well as her recent series, War at Home, which is an epic family drama set against the backdrop of World War I. Cynthia's passions are music, wine, horses, architecture and the English countryside.


    Allgemeines

    Zweiter Band der Reihe Ashmore Castle

    Erschienen am 11. August 2022 bei Sphere als E-Book mit einem Umfang entsprechend 448 Seiten

    Gliederung: Verzeichnis der Romanfiguren – Roman in 24 Kapiteln

    Erzählung in der dritten Person aus ständig wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: England, 1903


    Inhalt

    Der zweite Band setzt die Geschichte um die Familie Tallant und ihre Bediensteten aus „The Secrets of Ashmore Castle“ fort und sollte zum besseren Verständnis erst nach dessen Lektüre gelesen werden.

    Giles versucht, das heruntergekommene Anwesen mit dem Geld seiner Frau Kitty wieder auf die Beine zu bringen, Kitty ist schwanger und man erhofft von ihr einen männlichen Erben. Kittys arrogante und herrschsüchtige Schwiegermutter ist glücklicherweise den größten Teil des Jahres mit ihrer Tochter Rachel unterwegs, um diese in vornehmen Kreisen als bald heiratsfähiges junges Mädchen vorzustellen. Das gibt ihrer jüngsten Tochter Alice die Gelegenheit, unüberwacht eigene Interessen zu verfolgen, die ihrer Familie kaum gefallen dürften.

    Kittys Freundin Nina führt eine von Konflikten geprägte Ehe mit dem Industriellen Joseph Cowling, der zwar sehr reich ist, aber auch den engeren Anschluss an adelige Kreise sucht und sich deshalb echauffiert, wenn seine intellektuelle Frau sich nicht ausreichend damenhaft verhält.

    Auch „below stairs“, also bei den Dienstboten, geht es nicht immer friedlich zu, Konkurrenz- und Machtgehabe, Eifersucht und Hinterlistigkeit stören den reibungslosen Ablauf des Alltags.


    Beurteilung

    Auch im zweiten Band der Reihe spielen die politischen Gegebenheiten der Zeit eine untergeordnete Rolle, allerdings wird auch hier das Streben der jüngeren Frauen nach mehr Selbstbestimmung und politischer Mitbestimmung angesprochen. Nina macht neue Bekanntschaften, zwei befreundete „moderne“ Frauen streben mittelfristig das Wahlrecht für Frauen an, beginnen ihren „Aufstand“ aber zunächst im engeren häuslichen Umfeld, indem sie sich erdreisten, wie Männer zu reiten und den Damensattel zu verschmähen, da dieser unbequem und wegen höherer Sturzgefahr auch unsicher ist. Für den heutigen Leser ist es unvorstellbar, welcher Skandal in der besseren Gesellschaft entfacht wird, nur weil Frauen „mit gespreizten Beinen“ in der Öffentlichkeit erscheinen. Auch im Hinblick auf die getrennten Aufgabenbereiche von Männern und Frauen wird die Einstellung der Gesellschaft Anfang des 20. Jahrhunderts sehr gut dargestellt; es sorgt für Aufsehen, als Kitty sich für die Verwendung ihres Vermögens und eine mögliche Investition in ein industrielles Unternehmen zu interessieren beginnt. Ebenso sorgt es für Stirnrunzeln, dass sie sich selbst um ihr Kind kümmern und es nicht vollständig den Kindermädchen überlassen will.

    Erneut gelingt es der Autorin, allen ihren zahlreichen Romanfiguren – von den Adeligen bis hinunter zum einfachsten Dienstboten – individuell ausgestaltete und glaubwürdige Charaktere zu verleihen.

    Durch den ständigen Perspektivwechsel zwischen diesen vielen Personen bietet der Roman viel Abwechslung und Spannung. Da wird das Warten auf den dritten Band „The Mistress of Ashmore Castle“ (August 2023) zur Qual.


    Fazit

    Kopfkino mit Suchtpotenzial!

    10 Punkte

    ASIN/ISBN: B09RMG6HYJ

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Fjällbacka wird kurz hintereinander von zwei Verbrechen erschüttert. Ein berühmter Fotograf wird brutal in einer Kunstgalerie ermordet und auf die Familie des erfolgreichen Schriftstellers Henning Bauer ein Anschlag verübt. Die Ermittlungen von Kommissar Patrik Hedström und seinem Team laufen ins Leere. Doch Erica Falck, die gerade einen Mordfall im Stockholm der Achtzigerjahre recherchiert, stellt plötzlich eine Verbindung zur Gegenwart her. Und zu Patriks Fall. Denn eiskalte Lügen hallen lange nach.


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Camilla Läckberg, Jahrgang 1974, stammt aus Fjällbacka. Sie hat weltweit über 30 Millionen Krimis und Thriller verkauft und ist Schwedens erfolgreichste Autorin. Mit ihrem Unternehmen »Invest In Her« fördert sie Projekte junger Frauen. Camilla Läckberg lebt mit ihrer Patchworkfamilie in Stockholm.


    Allgemeines

    Elfter Band der Reihe um Erica Falck & Patrik Hedström

    Titel der Originalausgabe: „Gökungen“, ins Deutsche übersetzt von Katrin Frey

    Erschienen am 29.12.2022 bei List als HC mit 416 Seiten

    Gliederung: Kapitel ohne Nummerierung, mit Angabe des Wochentags überschrieben – Epilog - Nachwort und Dank

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Fjällbacka, Inseln im Schärengarten und Stockholm, 1980 und Gegenwart


    Inhalt

    Zur Goldenen Hochzeit des berühmten Schriftstellers Henning Bauer und seiner Frau Elisabeth, einer bekannten Verlegerin, findet auf einer Schäreninsel ein großes Fest statt, zu dem auch die Autorin Erica Falck und ihr Mann, Kommissar Patrik Hedström, eingeladen sind. Bei der Feier wird es ersichtlich, dass in der Familie Bauer nicht alles so harmonisch ist, wie die Presse es darstellt. Während der Feier wird in der gegenüberliegenden Kunstgalerie der erfolgreiche Fotograf Rolf Stenklo ermordet, der trotz seiner langjährigen Freundschaft mit dem Ehepaar Bauer der Einladung wegen der Vorbereitung einer Fotoausstellung nicht gefolgt ist. Als wäre ein Toter nicht genug, ereignet sich kurz darauf in der Familie Bauer eine weitere Tragödie.

    Während der Ermittlungen in den Mordfällen ergeben sich Hinweise darauf, dass die aktuellen Fälle mit einem Mord aus dem Jahr 1980 in Stockholm zusammenhängen. Damals war Lars Bergström, eine Transfrau, die mit ihrer Tochter unter dem Namen Lola lebte, erschossen worden; in diesem Fall wurde – möglicherweise wegen Vorurteilen bezüglich der unkonventionellen Lebensweise des Opfers – nicht mit der gebotenen Sorgfalt ermittelt. Erica beschließt, zur Unterstützung ihres Mannes und auch für ihr neues Buchprojekt in diesem Cold Case zu recherchieren.


    Beurteilung

    Da auch im elften Band der Reihe das Privatleben von Erica und Patrik sowie seiner Kollegen eine gewisse Größenordnung einnimmt, sollte „Kuckuckskinder“ idealerweise erst im Anschluss an die vorherigen Bände gelesen werden. Der komplexe Kriminalfall ist jedoch in sich abgeschlossen und kann auch ohne Vorkenntnisse verfolgt werden.

    Die Handlung verteilt sich auf zwei Handlungsstränge und Zeitebenen, deren gemeinsamer Nenner ein Kulturclub namens „Blanche“ ist, der in den späten Siebzigerjahren in Stockholm von einer Gruppe Kulturschaffender um Henning und Elisabeth Bauer gegründet wurde. In diesem Umfeld verkehrte auch die Transfrau Lola. Im 1980 angesiedelten Handlungsstrang wird aus der Perspektive von Lola und ihrer sechsjährigen Tochter Pytte berichtet, die es nicht leicht haben, sich in einem teilweise feindlich gesinnten Umfeld ein Leben aufzubauen. In der Freundschaft zu dem aufgeschlossenen Künstlerkreis um Familie Bauer findet Lola Halt, bis ihr Leben ein jähes Ende findet…

    Der in der Gegenwart angesiedelte Handlungsstrang beleuchtet das verwickelte Beziehungsgeflecht in der Familie Bauer und ihrem Freundeskreis aus dem Kulturclub. Hier gelingt es der Autorin, die verschiedenen Persönlichkeiten individuell zu charakterisieren und schrittweise zu „entlarven“. In der Gesamtheit sind die Umstände, die nach und nach ans Licht kommen, allerdings etwas zu viel des Guten und nicht uneingeschränkt glaubwürdig. Nichtsdestotrotz bietet der Kriminalroman aber spannende Unterhaltung und ist durch den häufigen Perspektivwechsel schwer aus der Hand zu legen.

    Interessant ist auch die Schilderung des Lebens einer Transperson in den 1980er Jahren, zu einer Zeit, als dieses - derzeit sehr aktuelle – Thema noch wenig ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt war.


    Fazit

    Eine fesselnde Fortsetzung der Reihe um Falck & Hedström, die idealerweise nicht ganz ohne vorherige Bekanntschaft mit den Protagonisten gelesen werden sollte!

    8 Punkte

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Im kalt-stürmischen Februar 1990 wird in Dresden ein junger Mann, ein ehemaliger Grenzsoldat, als vermisst gemeldet. Zeitgleich ermittelt das KDD-Team um Tobias Falck, Edgar Schmidt und Stefanie Bach in einem Fall von Kunstraub. In der Dresdner Galerie der Alten Meister ist ein wertvolles Gemälde durch eine Fälschung ersetzt worden. Kurz darauf wird der Fälscher ermordet. Handelt es sich womöglich um alte Stasi-Machenschaften? Die westdeutsche Ex-Kommissarin Sybille Suderberg, die inzwischen Privatdetektivin im Osten ist, spielt dabei eine undurchsichtige Rolle. Ihretwegen kommen die Dresdner Polizisten zu einer Dienstreise in den unbekannten Westen, die sie in das karnevalstrunkene Köln, aber auch in eine gefährliche Falle führt.


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Frank Goldammer, Jahrgang 1975, ist Handwerksmeister und begann schon früh mit dem Schreiben. Die Bände seiner historischen Kriminalromanreihe über den Dresdner Kommissar Max Heller landen regelmäßig auf den Bestsellerlisten. Goldammer lebt mittlerweile als freier Autor in seiner Heimatstadt Dresden.


    Allgemeines

    Zweiter Band der Reihe „Kriminal Dauerdienst: Team Ost-West“

    Erschienen am 27.12. 2022 bei dtv als broschiertes TB mit 400 Seiten

    Gliederung: Prolog – 26 Kapitel

    Erzählung in der dritten Person aus der Perspektive von Tobias Falck, Kriminalbeamter beim KDD

    Handlungsort und -zeit: größtenteils Dresden, Februar 1990


    Inhalt

    Tobias Falck, seine Kollegin Steffi Bach und ihr Vorgesetzter Edgar Schmidt werden von der Mutter eines ehemaligen Grenzsoldaten um Hilfe gebeten. Ihr Sohn, der vor der Wende einen Republikflüchtling an der Grenze erschossen hat und seitdem mit seinem schlechten Gewissen kämpft, ist verschwunden. Seine Mutter fürchtet, dass die Familie des Erschossenen ihn entführt haben könnte oder dass er selbst sich etwas angetan hat. Die Mitarbeiter des KDD haben allerdings nicht allzu viel Zeit für diese Ermittlungen, denn sie sollen gleichzeitig nach einem wertvollen Gemälde suchen, das aus der Dresdner Kunstgalerie entwendet wurde. Da das Werk gegen eine sehr gut gemachte Kopie ausgetauscht wurde, ist der Diebstahl einer Restauratorin erst einige Zeit später zufällig aufgefallen.


    Beurteilung

    Es ist sinnvoll, diesen Kriminalroman erst im Anschluss an den ersten Band „Im Schatten der Wende“ zu lesen. Nach den Schilderungen des Lebens in der DDR kurz vor der Wende wird es auch im vorliegenden Buch ersichtlich, welchen Schatten die Stasi auf das Leben der Bürger geworfen hat. Stasi-Mitarbeiter hatten keine Hemmungen, Menschen, die etwas von ihren illegalen Machenschaften mit dem Westen wussten, aus dem Verkehr zu ziehen. Als auch im Zusammenhang mit dem Kunstraub ein Zusammenhang mit der Stasi vermutet wird, da Menschen ermordet werden, möchte kaum eine der zahlreichen in den Fall verwickelten Personen (Museumsmitarbeiter, Maler, Kunsthändler, Restauratorin) aussagen. Allmählich zeigt sich allerdings, dass diese Personen auch privat in unterschiedlichen, teils schwer überschaubaren Beziehungsgeflechten stecken.

    Tobias Falck hat unterdessen auch im Privatleben Probleme, er ist unsicher, wie er sich gegenüber der Mutter seines unehelichen Kindes verhalten will, seine Kollegin Steffi Bach zeigt ebenfalls Interesse an ihm und eine Ex-Freundin, die sich in den Westen abgesetzt hatte und wieder zurückgekehrt ist, erwartet von ihm, wieder freudig „zurückgenommen“ zu werden. Hier erweist sich Tobias, der beruflich der schlaueste Kopf im Team ist, im menschlichen Bereich als sehr unsicher und wenig entschlussfreudig. Eine solche differenzierte Charakterisierung hat der Autor auch den anderen Hauptfiguren zugewiesen, die alle auf ihre individuelle Art glaubwürdig ausgearbeitet sind.

    Der Kriminalfall ist komplex und wendungsreich mit vielen spannenden Szenen, teilweise ist die Schilderung z.B. von Verfolgungsjagden, bei denen ein Trabi ein wesentlich schnelleres „Westauto“ verfolgen will, geradezu lustig. Auf die Unterschiede zwischen den Wessis und den Ossis wird mehrfach eingegangen, die Ostdeutschen, die erstmals in den Westen kommen, fühlen sich wie in einer anderen, fremden Welt.

    Zeitgeschichtlich ist der Kriminalroman sehr interessant, er verdeutlicht die auch nach der Wende anhaltende Angst vor der Stasi und die Gewissensnöte von Grenzsoldaten, die seinerzeit einem staatlichen Befehl Folge leisteten, gleichzeitig aber wussten, dass sie die Menschenrechte missachteten. Auch die sehr unterschiedlichen Wohnverhältnisse im luxus-verwöhnten Westen und im heruntergekommenen Osten werden erneut thematisiert.

    Der Fall um das entwendete Gemälde ist etwas zu verwickelt geraten und nicht nur für die Ermittler, sondern auch für den Leser schwer durchschaubar. Hier hätte gelegentlich etwas geraffter erzählt werden können.


    Fazit

    Ein spannender Kriminalfall aus der Zeit kurz nach dem Mauerfall mit interessanten zeitgeschichtlichen Elementen – lesenswert!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 3423263326

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    September 1419: Armenapothekerin Serafina und Stadtarzt Adalbert Achaz sind glückliche Eltern der einjährigen Kathrin. Gemeinsam schauen sie sich ein Possenspiel auf dem Michaelismarkt an, in dem Serafinas Sohn Vitus die Magd spielt. Grell geschminkt und mit einer roten Perücke verkleidet, verfolgt die Magd mit einem Brotmesser in der Hand im Stück einen Bauern. Das Publikum duckt sich lachend weg, die Magd flieht von dannen. Dann folgt der Schock: Ein Zuschauer liegt da, mit einem Messer in der Brust. Es ist der reiche Gerbermeister Oblathus. Damit beginnt ein ganz persönlicher Albtraum für Serafina.


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Astrid Fritz studierte Germanistik und Romanistik in München, Avignon und Freiburg. Als Fachredakteurin arbeitete sie anschließend in Darmstadt und Freiburg und verbrachte mit ihrer Familie drei Jahre in Santiago de Chile. Zu ihren großen Erfolgen zählen «Die Hexe von Freiburg», «Die Tochter der Hexe», «Turm aus Licht», «Der dunkle Himmel». Astrid Fritz lebt in der Nähe von Stuttgart.


    Allgemeines

    Siebenter Band in der Reihe um die ehemalige Begine Serafina

    Erschienen am 13. Dezember 2022 im Rowohlt Verlag als TB mit 304 Seiten

    Gliederung: Personenverzeichnis – 44 Kapitel – umfangreiches Glossar

    Erzählung in der dritten Person, größtenteils aus der Perspektive der Protagonistin

    Handlungsort und -zeit: Freiburg, im Herbst 1419


    Inhalt

    Serafina, inzwischen Mutter der einjährigen Kathrin, und ihr Mann Adalbert freuen sich auf den Besuch der Gauklertruppe, die in Freiburg auf dem Michaelismarkt auftreten soll, denn Serafinas Sohn Vitus ist Mitglied der Truppe und übernimmt bei deren Aufführungen die Frauenrollen. Doch diesmal steht der Auftritt der Gaukler unter keinem guten Stern, denn bei der Aufführung kommt ein Freiburger Ratsherr ums Leben, erdolcht von der anschließend entflohenen “Magd“, in deren Kostüm Vitus stecken sollte. Die intellektuell wenig flexiblen Stadtoberen gehen sofort von Vitus als dem Schuldigen aus, dieser gibt allerdings an, vor seinem Auftritt im Bühnenwagen niedergeschlagen worden zu sein. Serafina und Adalbert sehen keine andere Möglichkeit als Vitus zunächst zur Flucht in ein Versteck zu verhelfen, um dann im Alleingang den wahren Täter zu ermitteln. Vitus wird in Abwesenheit zum Tod am Galgen verurteilt, doch als es zwei weitere Tote gibt, beginnen zumindest einige Ratsherren, an Vitus´ Schuld zu zweifeln. Zudem werden nach und nach Einzelheiten aus dem Leben des ermordeten Ratsherrn bekannt, denen zufolge nicht wenige Mitbürger ein Mordmotiv hatten.


    Beurteilung

    Dank des umfangreichen Personenverzeichnisses kann „Der Totentanz zu Freiburg“ ohne Kenntnis der vorherigen Bände gelesen werden, auch wenn gelegentlich Details aus diesen zur Sprache kommen. Der Kriminalfall ist in sich abgeschlossen.

    In diesem Band tritt Serafina nicht als Armenapothekerin auf, sondern geht völlig in der Mutterrolle auf. Sie umsorgt liebevoll die einjährige Tochter Kathrin und ist auch bereit, wie eine Löwin für ihren erwachsenen Sohn Vitus zu kämpfen, der des Mordes verdächtigt wird. Ihr starkes emotionales Engagement veranlasst sie allerdings mehrfach zu einem sehr dummen und leichtsinnigen Verhalten, das nicht nur sie selbst, sondern auch Vitus und Kathrin in Gefahr bringt. Es obliegt ihrem Mann, dem Stadtarzt Adalbert, sowie einem befreundeten Ratsherrn, die Lage nüchtern und objektiv zu beurteilen und gegen die Machenschaften anderer Ratsherren vorzugehen, die wegen vorangegangener Ereignisse noch einen Groll gegen Serafina hegen.

    Der Kriminalfall ist glaubwürdig gestaltet und verwickelter als es zunächst den Anschein hat. Scheint es zunächst kein Motiv für den Mord am Gerbermeister zu geben, so tun sich im Laufe der Ermittlungen schließlich zu viele Motive auf, wodurch die Untersuchungen erschwert werden.

    Die Erzählung beginnt relativ ruhig mit der Schilderung von Serafinas Familienleben, nach dem ersten Mord steigt die Spannungskurve an und der Leser kann nicht umhin, sich in die Verzweiflung einer Mutter, deren Kind zum Sündenbock gemacht werden soll, einzufühlen. Auf die Justiz des frühen 15. Jahrhunderts wirft die Schilderung des „Prozesses“, der von befangenen Gerichtsherren geführt wird, kein gutes Licht.

    Ein sehr ausführliches Glossar rundet den Roman ab.


    Fazit

    Ein stellenweise sehr spannender historischer Krimi, in dem sich die Protagonistin Serafina von einer ganz neuen Seite zeigt – sehr lesenswert!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: 349900593X

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Sie sind bekannt für ihre verblüffende Intelligenz, für das clevere Benutzen von Werkzeugen und für ihr außergewöhnlich soziales Miteinander: Raben und Krähen faszinieren und begleiten Menschen seit jeher.

    Leben Kolkraben wirklich so streng in Zweierbeziehungen wie Ehepaare im Einfamilienhaus? Warum verlassen sie ein Gebiet, in dem es genug Nahrung gibt? Wie gelingt es ihnen, sich in andere hineinzuversetzen? Und welche Regeln prägen ihr komplexes Sozialsystem?

    Der international renommierte Rabenforscher Thomas Bugnyar räumt mit vielen Mythen und Schwarz-Weiß-Bildern auf. Als Verhaltens- und Kognitionsbiologe nimmt er uns mit auf eine Entdeckungsreise in das Leben, Denken und Fühlen der Raben. Wir lernen die Verhaltensweisen der Rabenvögel zu verstehen, aber auch: dass sie uns verstehen.


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Thomas Bugnyar ist Professor und aktueller Leiter des Departments für Verhaltens- und Kognitionsbiologie der Universität Wien sowie der Forschungsstation Haidlhof in Bad Vöslau. Dort und an der von Konrad Lorenz gegründeten Forschungsstelle Grünau im Almtal erforscht er die kognitiven und sozialen Fähigkeiten von Tieren, insbesondere von Rabenvögeln. Mit den zahlreichen neuen Erkenntnissen, die er in der Arbeit mit handaufgezogenen wie mit wildlebenden Raben und Krähen in den vergangenen 25 Jahren gewinnen konnte, gehört er zu den weltweit bedeutendsten Rabenforschern und Kognitionsbiologen.


    Allgemeines

    Erschienen am 26. September 2022 im Brandstätter Verlag als HC mit 224 Seiten

    Aufbau: Populärwissenschaftliches Sachbuch in 10 Großkapiteln


    Inhalt und Beurteilung

    Der Verhaltens- und Kognitionsbiologe vermittelt in seinem Buch dem interessierten Laien fesselnde Einblicke in das Leben, „Denken“ und Sozialgefüge von Rabenvögeln, speziell Kolkraben, mit denen er seit Jahrzehnten an unterschiedlichen Standorten forscht.

    Dabei thematisiert er auch Mythen, die zu Unrecht über die klugen Vögel bestehen, z.B. die Tatsache, dass sie schon im Mittelalter als „Todesboten“ gesehen wurden, weil sie sich als u.a. Aasfresser auch in der Nähe von Kadavern aufhalten. Der Autor schildert das Verhalten der Vögel im Zusammenhang mit der Futterbeschaffung, das oft in Wildparks bei der Fütterung von Wölfen und Wildschweinen zu beobachten ist, wenn die Raben quasi als ungeladene Gäste an der Fütterung teilnehmen. Sehr interessant sind die Erkenntnisse über die offensichtliche Intelligenz der Raben, wenn sie einen Leckerbissen vor anderen Raben verstecken wollen oder selbst das Futter der anderen stehlen wollen, wobei sie sehr trickreich vorgehen können.

    Des Weiteren werden die sehr unterschiedlichen Charaktere der gefiederten Individuen angesprochen, in denen diverse Eigenschaften beobachtet werden: Mut oder Scheuheit, soziale Interaktionen, die mit dem Auf- oder Abstieg in der Rangordnung einhergehen, Neugier oder Zurückhaltung und auch der Bewegungsradius – manche Raben sind sehr weitgereist, andere bleiben eher in ihrem engeren Umfeld.

    Neben den Erkenntnissen die Thomas Bugnyar und seine zahlreichen Mitarbeiter gewonnen haben, erklärt er außerdem die wissenschaftlichen Vorgehensweisen, die es erlauben, objektive und verlässliche Belege zu erbringen. Gleichzeitig wird die Zuneigung deutlich, die der Verhaltensbiologe seinen „Forschungsobjekten“, die er als individuelle Persönlichkeiten wahrnimmt, entgegenbringt.

    Das Buch enthält sehr viele schöne Fotos von diversen Raben während der Interaktion mit Artgenossen und Menschen, die die Lektüre im Wortsinne anschaulich gestalten. Ungewöhnlich, aber sympathisch und wertschätzend ist die namentliche Nennung zahlloser Mitarbeiter, die an den verschiedenen Standorten als Studenten, Doktoranden oder Kollegen mit dem Autor zusammen geforscht haben.

    Sehr störend ist dagegen das durchgängige Gendern, das den Lesefluss hemmt und in zwei Fällen sogar in so absurden Formulierungen wie „Kolleg*innen und Kollegen“ gipfelt. Hier wäre es sehr viel passender, eingangs darauf hinzuweisen, dass immer Mitarbeiter beiderlei Geschlechts gemeint sind, was ohnehin anhand der aufgeführten Namen ersichtlich ist.


    Fazit

    Ein sehr lesenswertes populärwissenschaftliches Werk über Intelligenz und Sozialverhalten von Rabenvögeln, mit wunderschönen Fotos dieser Tiere versehen!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: 3710606373

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    The small community of Akranes is devastated when a young man dies in a mysterious house fire, and when Detective Elma and her colleagues from West Iceland CID discover the fire was arson, they become embroiled in an increasingly perplexing case involving multiple suspects. What’s more, the dead man’s final online search raises fears that they could be investigating not one murder, but two.

    A few months before the fire, a young Dutch woman takes a job as an au pair in Iceland, desperate to make a new life for herself after the death of her father. But the seemingly perfect family who employs her turns out to have problems of its own and she soon discovers she is running out of people to turn to.

    As the police begin to home in on the truth, Elma, already struggling to come to terms with a life-changing event, finds herself in mortal danger as it becomes clear that someone has secrets they’ll do anything to hide…


    Autorin (Quelle: Amazon)

    Born in Akranes in 1988, Eva Björg Ægisdóttir moved to Trondheim, Norway to study my MSc in Globalisation when she was 25. After moving back home having completed her MSc, she knew it was time to start working on her novel. Eva has wanted to write books since she was 15 years old, having won a short story contest in Iceland.

    Eva worked as a stewardess to make ends meet while she wrote her first novel. The book went on to win the Blackbird Award and became an Icelandic bestseller. Eva now lives with her husband and three children in Reykjavík.


    Allgemeines

    Dritter Band der Reihe um die Ermittlerin Elma

    Titel der Originalausgabe: „Næturskuggar „, ins Englische übersetzt von Victoria Cribb

    Erschienen am 1.November 2022 bei Orenda Books als TB mit 431 Seiten

    Gliederung: Hinweise zur Aussprache isländischer Namen – Roman in zwei Teilen, jeweils mit Angabe des Tages überschriebene Kapitel – Danksagung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Akranes, Island, im Spätsommer und Herbst 2019


    Inhalt

    Nach dem Brand eines Hauses wird in Akranes die Leiche eines jungen Mannes gefunden, zunächst wird ein Selbstmord durch Brandstiftung in Erwägung gezogen. Da es eine Ungereimtheit gibt, wird detaillierter ermittelt und es stellt sich heraus, dass der Mann bereits tot war, als das Feuer gelegt wurde.

    Im Bekanntenkreis des Toten hat sich ein weiterer mysteriöser Fall zugetragen: die 19-jährige Lise, die als Au Pair im Haushalt einer befreundeten Familie gearbeitet hat und dann in die Niederlande zurückgekehrt sein soll, wird ebenfalls tot aufgefunden – ausgerechnet in der Scheune des ermordeten jungen Mannes.

    Für Elma und ihren Kollegen Sævar liegt die Vermutung nahe, dass beide Todesfälle in einem Zusammenhang stehen, aber die Ermittlungen erweisen sich wesentlich als schwieriger als gedacht, immer wieder haben Verdächtige ein Alibi, sodass Theorien verworfen und neu aufgestellt werden müssen.


    Beurteilung

    Idealerweise sollte der dritte Band erst im Anschluss an die beiden vorherigen Bände gelesen werden, da neben dem aktuellen Kriminalfall auch die persönlichen Umstände der beiden Ermittler eine wichtige Rolle spielen und dabei Vorkenntnisse von Nutzen sind.

    Die polizeilichen Untersuchungen sind in diesem Fall sehr komplex, da eine größere Anzahl an Personen und deren Familien in die Ereignisse verwickelt sind. Es gelingt der Autorin eindrucksvoll, alle diese einzelnen Fäden souverän zu einem vollständigen, lange nicht vorhersehbaren Gesamtbild zu verweben. Dabei erhält jede Romanfigur eine sehr gründliche, ausgefeilte Charakterisierung und die „Gruppendynamik“ in den jeweiligen Familien wird sehr gut dargestellt.

    Die Erzählstil ist anschaulich und teilweise recht spannend, die Ermittlungen werden mit langsamen Fortschritten und Rückschlägen realitätsnah dargestellt. Auch die Entwicklungen im Privatleben von Elma sind spannend zu verfolgen.

    Während im ersten Teil des Kriminalromans die fortlaufenden Ereignisse geschildert werden, sind in den zweiten Teil Kapitel mit Rückblenden auf die Monate Februar bis September 2019 eingeflochten, die aus dem Leben des niederländischen Au Pairs Lise berichten, sodass der Leser ab diesem Zeitpunkt einen Wissensvorsprung vor Elma und Sævar hat.

    Zum Ende hin wartet die Autorin noch mit einer überraschenden Wendung auf, hier erscheinen einige Umstände etwas zu unwahrscheinlich, um in dieser Kombination realistisch zu sein.


    Fazit

    Ein weiterer sehr lesenswerter Band aus der Reihe „Forbidden Iceland“, die hoffentlich fortgesetzt wird!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: 1914585208

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    In Uppsala wird vor einem Krankenhaus die Chirurgin Isabella Falk erschossen. Die Psychiaterin Nathalie Svensson und Kommissar Johan Axberg sind zufällig Zeugen, doch bevor die beiden reagieren können, ist der Schütze auf und davon. Als die Ermittler beginnen, im Umfeld der Toten zu forschen, tun sich Abgründe auf, die vor allem Nathalie fassungslos machen – denn die Chirurgin wurde von einem von Nathalies Patienten bedroht. Doch auch eine Gang, deren Anführer auf Isabella Falks OP-Tisch gestorben ist, trachtete der Ärztin nach dem Leben. Nathalie und Johan stürzen Hals über Kopf in einen Fall, der ihnen alles abverlangt und nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Liebsten in Gefahr bringt.


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Jonas Moström wurde 1973 geboren. Er begann während seiner Elternzeit damit, an seinem ersten Roman zu arbeiten, der 2004 erschien. Seine Krimis um Psychiaterin Nathalie Svensson sind in Schweden Bestseller. Er lebt und arbeitet als Arzt in Stockholm.


    Allgemeines

    Sechster Band der Reihe um Nathalie Svensson

    Titel der Originalausgabe: „Skytten“, ins Deutsche übersetzt von Dagmar Mißfeldt

    Erschienen am 24.11.2022 im Ullstein Verlag als TB mit 449 Seiten

    Gliederung: Personenverzeichnis – 87 Kapitel – Epilog – Nachwort

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Uppsala, 2019


    Inhalt

    Nachdem Nathalie Svensson im Krankenhaus ihre schwerkranke Mutter besucht hat, werden sie und Johan Axberg Zeugen, wie die Transplantationschirurgin Isabella Falk, eine frühere Kommilitonin von Nathalie, von einem mit einer Sturmhaube getarnten Täter erschossen wird. Johan wird bei der Verfolgung des Täters angeschossen.

    Noch während die Ermittlungen laufen, werden zwei weitere Menschen aus Isabellas Umfeld getötet. Die Mitglieder der Mordkommission sehen sich mit großen Schwierigkeiten konfrontiert, da immer neue, schockierende Enthüllungen über die ermordete Chirurgin weitere Tatverdächtige in den Fokus rücken lassen. Sowohl im Privatleben als auch im beruflichen Umfeld gibt es mehrere Menschen, die über Isabellas Ableben ganz und gar nicht unglücklich sind…


    Beurteilung

    Dank des Personenverzeichnis und des in sich abgeschlossenen Kriminalfalls kann der sechste Band der Reihe um Nathalie Svensson auch einzeln gelesen werden, vorherige Fälle werden ohne Spoiler nur am Rande gestreift.

    „Der Tod in dir“ ist ein anschaulicher und größtenteils spannender Kriminalroman, der durch neue polizeiliche Erkenntnisse und die damit verbundenen Wendungen im Handlungsverlauf kurzweilig zu lesen ist. Wie gewöhnlich bei skandinavischen Krimis werden auch hier gesellschaftliche Missstände angesprochen, das reicht von der organisierten Drogenkriminalität über Lücken in der psychiatrischen Versorgung bis hin zur unbefriedigenden Situation in den Krankenhäusern. Nathalies Mutter braucht dringend eine Lebertransplantation, bzw. eine Teilspende ihrer Tochter, doch Organe für Transplantationen sind in Schweden knapp und Nathalie tut sich mit der Entscheidung schwer, ob sie ihrer Mutter einen Teil ihrer Leber spenden will.

    Die verwickelten Umstände in den drei Mordfällen werden glaubwürdig und mit Rückschlägen bei den Ermittlungen geschildert.

    Die problematische Beziehung zwischen Nathalie und Johan, die schon in den vorherigen Bänden thematisiert wird, setzt sich hier fort. Die Charakterisierung der Protagonisten ist dem Autor gut gelungen, beide sind beruflich sehr engagiert, aber nicht unbedingt Sympathieträger – das gilt besonders für Nathalie.


    Fazit

    Ein lesenswerter Schwedenkrimi, der aktuelle Probleme anspricht und ohne Schilderungen extremer Brutalität auskommt!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: B09XFFGY9G

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Hamburger Hafen, 1911: Anne Fitzpatrick behandelt in ihrer Arztpraxis am Hafen immer häufiger chinesische Frauen, die in den Kolonien als Arbeitskräfte angeworben wurden. Als eine der Frauen vor Annes Augen stirbt, schwört die Hafenärztin, die Verantwortlichen zu finden. Zusammen mit Kommissar Berthold Rheydt fängt sie an, im Chinesenviertel auf Sankt Pauli nachzuforschen. Der Kommissar glaubt, die mörderische Handschrift eines Erzfeindes zu erkennen. Sein Herz jedoch ist nicht ganz bei der Sache – er hat Helene Curtius seine Liebe erklärt. Doch auch Helene kämpft an mehreren Fronten um das Heil misshandelter Frauen. Während Anne sich zunehmend in große Gefahr begibt, macht Rheydt einen Schritt, der sein Leben und das von Helene für immer verändert.


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Henrike Engel pendelte in ihrem Leben ständig zwischen Berlin und München, mit beiden Städten verbindet sie eine komplizierte Liebesbeziehung. Eines aber ist konstant geblieben: ihre Liebe zu Hamburg! Manche Träume jedoch müssen unerfüllt bleiben, und so hat die ehemalige Drehbuchautorin nicht ihren Wohnort in die Hafenstadt verlegt, sondern träumt sich lieber schreibend dorthin.


    Allgemeines

    Dritter Band der Reihe „Die Hafenärztin“

    Erschienen am 24.11.2022 bei Ullstein als TB mit 480 Seiten

    Gliederung: Prolog - Roman in drei Teilen – Epilog (insgesamt 43 Kapitel) – Nachbemerkung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Hamburg, 1911


    Inhalt

    Die „Hafenärztin“ Anne Fitzpatrick hat sich inzwischen in England dem Gericht gestellt und konnte nach Hamburg zurückkehren, wo sie nun unter ihrem wirklichen Namen Anne van der Zwaan praktiziert. Sie behandelt nach wie vor Frauen aus prekären Verhältnissen im Frauenhaus am Hafen und sie nimmt auch Gesundheitsuntersuchungen an den Prostituierten in den Bordellen der Hafengegend vor. In einem Bordell im Chinesischen Viertel wird sie Ohrenzeugin, als eine Prostituierte von einem Freier grausam ermordet wird. Die Bordellwirtin will offenbar den Leichnam verschwinden lassen und die Polizei aus dem Spiel lassen. Deshalb wendet Anne sich an Kommissar Berthold Rheydt. Dieser hat das Chinesische Viertel ohnehin schon im Visier, da in einem Fass in einer Lagerhalle die Leiche eines Chinesen entdeckt worden ist.

    Helene Curtius hat mittlerweile bei ihrem Vater durchgesetzt, dass sie Lehrerin werden darf, ein Beruf, den sie nur als unverheiratete Frau ausüben darf. Ihr Entschluss gerät deshalb ins Wanken, als ihre Beziehung zu Berthold Rheydt ernster wird. Helene macht sich Sorgen um ihre beste Freundin Paulina, die einen Helene extrem unsympathischen Mann geheiratet hat, der seine Frau offenbar schon kurz nach der Eheschließung misshandelt.


    Beurteilung

    Der dritte Band der Reihe greift diverse Handlungsstränge aus den beiden vorhergehenden Bänden auf, wobei auch die Identitäten der Mörder aus diesen beiden Romanen genannt werden. Um nicht gespoilert zu werden und der verwickelten Handlung folgen zu können, sollte der vorliegende Roman unbedingt erst im Anschluss an die ersten beiden Bände gelesen werden.


    Neben den aktuellen Ermittlungen im Fall der beiden getöteten chinesischen Mitbürger stehen nach wie vor die kriminellen Machenschaften von Annes Vater Roger van der Zwaan im Mittelpunkt, die Anne aufdecken möchte. Auch dieser Handlungsstrang reicht ins Chinesische Viertel hinein, denn van der Zwaan hat offenbar Kontakte zum zwielichtigen Geschäftsmann Sun Bo, der der heimliche Herrscher des Rotlichtbezirks zu sein scheint. Anhand von Helenes Geschichte werden die erschreckenden Ehe-Gesetze in Bezug auf die Rechte der Frauen beleuchtet, noch im 20.Jahrhundert dürfen Männer ihre Frauen legal misshandeln („Züchtigung“).

    Die Handlung wird aus wechselnden Perspektiven abwechslungsreich, sehr anschaulich und spannend dargeboten, der Leser erhält interessante Einblicke in das Leben im Chinesischen Viertel Hamburgs, das später durch die Nationalsozialisten ausgelöscht wurde. Sehr interessant ist auch die Darstellung der fehlenden gesetzlichen Regulierung im Hinblick auf Erwerb und Verkauf von Rauschmitteln. Morphin gilt als Mittel, um Opiumsucht zu heilen, Drogen können unbeschränkt eingeführt und verarbeitet werden. Erst allmählich reift die Erkenntnis der Gefährlichkeit dieser Stoffe.

    Die Forensik macht weitere Fortschritte, Gerichtsmediziner und Pharmakologen gelingt es, Drogen im Blut Verstorbener nachzuweisen.

    Die Ausgestaltung der Charaktere der Romanfiguren ist größtenteils realistisch, der Ehemann von Paulina ist allerdings etwas zu sehr als Erzschurke gezeichnet und auch Helenes Handlungen sind nicht allesamt glaubwürdig und nachvollziehbar. Die Liebesgeschichte von Berthold und Helene kommt gelegentlich ein wenig zu „gefühlsüberfrachtet“ daher.


    Fazit

    Ein weiterer lesenswerter Band um die Hafenärztin Anne van der Zwaan und ihre Freunde, der interessante Einblicke in das Leben im Chinesischen Viertel Hamburgs zu Beginn des 20. Jahrhunderts bietet!

    8 Punkte


    ASIN/ISBN: B09XFFB89R


    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    Behind the doors of the magnificent Ashmore Castle, secrets are waiting to be uncovered . . .

    1901. When the Earl of Stainton dies in a tragic hunting accident, the eldest son of the noble Tallant family must step forward to replace him as the head of the family. But Giles has avoided the Castle and his stifling relatives for years, deciding instead to forge his own path away from the spotlight. Now, he must put aside his ambitions aside and honour his duty to the family.

    With their world upended, the Tallants and their servants struggle to find their place in the house - and society - once again. And Giles realises that, along with the title and the castle, he's also inherited his father's significant financial troubles that threaten the security of his entire family.

    In Kensington, Kitty Bayfield, the painfully shy but moneyed daughter of a Baronet, has just left school with her penniless companion Nina. Nina captures the new Earl's heart, but only Kitty can save his family from their debts, and soon Giles must choose between his duty and his heart . . .


    Autorin (Quelle: Amazon)

    Cynthia Harrod-Eagles is the author of the hugely popular Morland Dynasty novels, which have captivated and enthralled readers for decades. She is also the author of the contemporary Bill Slider mystery series, as well as her recent series, War at Home, which is an epic family drama set against the backdrop of World War I. Cynthia's passions are music, wine, horses, architecture and the English countryside.


    Allgemeines

    Erster Band der Ashmore Castle-Reihe

    Erschienen bei Sphere am 12.August 2021 als HC mit 512 Seiten

    Gliederung: Personenverzeichnis – 26 Kapitel

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: England, 1901-1902


    Inhalt

    Als der Earl of Stainton durch einen Reitunfall viel zu früh aus dem Leben gerissen wird, muss sein ältester Sohn Giles, ein Intellektueller, der in Ägypten an Ausgrabungen teilnimmt, widerwillig nach England zurückkehren und den Titel sowie das verschuldete Anwesen übernehmen. Auf seinen Schultern lastet die Verantwortung für seine verwöhnte Mutter, einen aus dem Burenkrieg heimgekehrten Bruder und zwei Schwestern im Teenageralter. Der einzige Ausweg aus der finanziellen Misere ist die Heirat mit einer reichen Erbin. Kitty Bayfield erfüllt diese Voraussetzung, aber Giles ist in ihre mittellose Freundin Nina verliebt, die nicht so schüchtern ist und seine Interessen teilt…

    Auch die Dienstboten der Familie Tallant haben ihre eigenen Probleme: Altgediente Bedienstete fürchten angesichts der finanziellen Lage die Entlassung, andere sind vom Ehrgeiz besessen, sich hochzuarbeiten, auch auf Kosten anderer.


    Beurteilung

    Im Gegensatz zur Morland Dynasty Series der Autorin spielen hier politische Entwicklungen der Zeit eine geringere Rolle und werden nur am Rande gestreift, wie z.B. Forderungen von Frauen, das Wahlrecht zu erhalten. Dafür erhält der Leser einen guten Einblick in die gesellschaftlichen Verhältnisse der Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg - Verhältnisse, die noch durch die deutliche Unterteilung der Gesellschaft in verschiedene soziale Klassen (Landadel und Grundbesitzer, aufstrebendes Bürgertum & Industrielle sowie Dienstboten) geprägt sind.

    Auf den Landsitzen des Adels herrschen noch die Traditionen des 19. Jahrhunderts, es wird nach sachlichen Erwägungen geheiratet, junge Mädchen werden zuhause streng überwacht, bevor sie ihre erste „Saison“ als Debütantinnen haben – dann sollen sie möglichst schnell verheiratet werden.

    Im Bürgertum und bei den Industriellen steht die Bildung hoch im Kurs, auch Mädchen sollen sich sinnvoll beschäftigen und streben teilweise eine berufliche Tätigkeit als Lehrerin an.

    Die Bediensteten leben größtenteils noch wie in den Jahrhunderten zuvor, doch bei den jüngeren Leuten gibt es Bestrebungen, sich selbstständig zu machen und gesellschaftlich aufzusteigen.

    Die Autorin gestaltet ihre Charaktere gründlich aus, teilweise stehen diese als typische Vertreter ihrer Schicht. Der Erzählstil ist sehr anschaulich und erlaubt es, sich gut in die Romanfiguren einzufühlen.

    Die historischen Hintergründe, z.B. um die Krönung Edwards VII, sind gründlich recherchiert.

    Von dem Cover sollte man sich nicht abschrecken lassen, das Buch ist zwar eher ein „Frauenroman“, aber keinesfalls ein seichter Friede-Freude-Eierkuchen Roman.


    Fazit

    Eher leichtere, aber dennoch äußerst fesselnde Unterhaltung mit Suchtpotenzial!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: 075158181X

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Die Katastrophe, die das Gesicht der Nordseeküste für immer veränderte …

    Im Winter des Jahres 1361 ist die Natur besonders unbarmherzig, Wind und Wellen peitschen gegen das Land. Deichbauer Folkert sieht mit Sorge, wie verwundbar der vernachlässigte Flutschutz seine Heimat macht. Doch seine Warnungen verhallen ungehört. Auch sein Bruder Auke sorgt sich mehr um die Herrschaftsansprüche der dänischen Krone. Er kämpft mit allen Mitteln für die friesische Freiheit – und für seine große Liebe Griet. Von der wird als Tochter des dänischen Statthalters erwartet, zum Vorteil der Familie zu heiraten. Soll sie sich fügen? Oder rebellieren? Dann kommt der 16. Januar 1362. Die Deiche brechen. Und nach der Flut ist nichts mehr, wie es vorher war …


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Historisch fundiert – Dr. Hendrik Lambertus ist promovierter Skandinavist/Mediävist. Dem Setting des Romans verbunden – Er lebt mit seiner Familie in der Nähe von Bremen. Stilistisch versiert und erfahren – Seit 2011 betreibt er als freiberuflicher Schreibcoach die Schreibwerkstatt „Satzweberei“ und veröffentlicht Bücher in unterschiedlichen Genres: Fantasy bei Lübbe, Kinderbücher bei Ueberreuter und Sachbücher bei Eden.


    Allgemeines

    Erschienen am 15. November 2022 im Rowohlt Taschenbuch Verlag mit 592 Seiten

    Gliederung: Roman in drei Teilen, jeweils mit nummerierten Kapiteln – Autorennachwort – Glossar

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsorte und -zeit: Uthlande, 1361 – 1365, Epilog einige Jahre später


    Inhalt

    Im Jahr 1361 stellt der Deichbaumeister Folkert fest, dass die Deiche im nordfriesischen Verwaltungsbezirk Edomsharde nicht sicher genug sind und das Land hinter den Deichen gegenüber dem Meeresspiegel abgesunken ist. Doch niemand will seine Warnungen hören, denn die Bewohner sind mit anderen Problemen beschäftigt. Sie sind nicht damit einverstanden, dass sie den „plogpennig“ (Pflugpfennig) als Landsteuer an die dänische Krone entrichten müssen und Folkerts Bruder Auke scheut nicht davor zurück, zusammen mit einigen Kameraden die Eintreiber dieses Geldes zu überfallen und auszurauben. Er will für ein unabhängiges Friesland kämpfen. Eine heimliche Liebesbeziehung verbindet ihn mit Griet, der Tochter des Stallers (dänischer Statthalter des Bezirks), doch ihr Vater erwartet, dass sie zum Wohle der Familie und seiner Handelsbeziehungen den Hamburger Kaufmann Ulrich Wullenwever heiratet. Die unfreiwillige Eheschließung soll gleich im Januar 1362 in Rungholt stattfinden. Zusammen mit Auke und der Magd Janne, die mit ihrer unehelichen Tochter Lentje bei Griet Zuflucht gefunden hat, versucht sie, Fluchtpläne zu schmieden.


    Beurteilung

    Im Mittelpunkt des gründlich recherchierten Romans steht die Zweite Marcellusflut (Grote Mandränke) vom Januar 1362, die unzählige Menschenleben und ganze Kirchspiele auslöschte und zum Untergang von Rungholt führte. Die Romanfiguren sind größtenteils fiktiv, die historischen Ereignisse werden jedoch faktengetreu geschildert, das gilt auch für die Umtriebe der Wogemänner, einer (See)räuberbande von Bauern und Fischern, die aufgrund der Marcellusflut ihre Existenzgrundlage verloren haben und – da sie keine Unterstützung aus Dänemark und anderen Verwaltungsbezirken bekommen haben – zunächst Handelsschiffe und anschließend auch benachbarte Höfe überfallen, wobei das Vorgehen immer brutaler wird.

    Die Ereignisse rund um die Marcellusflut und die Überfälle der Wogemänner werden äußerst anschaulich und fesselnd wiedergegeben; auch die familiäre Situation von Griet und ihre verzweifelten Versuche, der ungewollten Hochzeit mit dem aufgeblasenen, selbstgefälligen Kaufmann Wullenwever zu entkommen, sind überaus spannend zu verfolgen.

    Die Zeichnung der Figuren ist größtenteils sehr differenziert und realitätsnah: Griet ist freiheitsliebend und will selbstbestimmt leben, als Kind ihrer Zeit ist sie sich aber auch der „Verpflichtungen“ zum Wohl ihrer Familie bewusst. Auke ist ebenfalls freiheitsliebend und eigentlich kein schlechter Mensch, aufgrund der dramatischen Ereignisse und der Hungersnot im Anschluss an die Flut findet er allerdings Gefallen an seiner Rolle als Wogehauptmann, lässt immer mehr die moralischen Bedenken fallen und wird schließlich zum Mörder, eine Entwicklung, die ihn Griet entfremdet und sie vor eine schwere Entscheidung stellt.

    Lediglich die Darstellung des Kaufmanns Ulrich Wullenwever, eines primitiven Dummkopfs und seines „Bodyguards“ Burkhart, eines tumben einäugigen Schlagetots, ist etwas überzeichnet geraten.

    Ein ausführliches Glossar und ein Autorennachwort ergänzen den durchgängig spannenden Roman sinnvoll.


    Fazit

    Ein gründlich recherchierter, spannender Roman über die zweite Marcellusflut im Jahr 1362 und ihre verheerenden Auswirkungen – sehr lesenswert!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: 3499008327

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    Das Higher Barton Romantic Hotel beherbergt eine besondere Art von Gästen: Geisterjäger. Mit technischen Geräten möchten die Besucher der Vergangenheit des alten Hauses und einem Mordfall aus dem 19. Jahrhundert auf die Spur kommen. Die Hotelinhaberin Sandra Flemming, die nicht an Geister glaubt, ist trotzdem vom wissenschaftlichen Vorgehen der Gruppe fasziniert. Doch dann stirbt einer der Teilnehmer, vermeintlich weil ihn ein Geist zu Tode erschreckt hat.

    Sandra schließt einen Geist als Mörder aus, doch niemand hatte ein Motiv oder die Möglichkeit, den Mord zu begehen. Als seltsame, paranormale Dinge im Higher Barton Romantic Hotel geschehen, wird es für Sandra schwer, die Wahrheit ans Licht zu bringen.


    Autorin (Quelle: Amazon)

    Rebecca Michéle, geboren 1963 in Süddeutschland, lebt mit ihrem Mann in der Nähe von Stuttgart. Seit über 20 Jahren widmet sie sich ausschließlich dem Schreiben und hat bereits mehrere historische Romane und Krimis veröffentlicht. Mehr unter: http://www.rebecca-michele.de


    Allgemeines

    Sechster und letzter Band der Reihe um Sandra Flemming

    Erschienen am 31.August 2022 im Dryas Verlag als TB mit 314 Seiten

    Gliederung: Prolog - 15 Kapitel – Epilog – Nachwort

    Erzählung in der dritten Person aus der Perspektive von Sandra Flemming

    Handlungsort und -zeit: Higher Barton, Cornwall, 2019 (Prolog: 19. Jahrhundert)


    Inhalt

    Florence Carmichael ist eine „Geistersucherin“, die mit wissenschaftlichen Methoden unter Nutzung diverser Messgeräte die Gegenwart von „Geistern“, bzw. ruhelosen Seelen Verstorbener in alten Häusern nachzuweisen versucht. Die Geschichte des von Sandra Flemming betriebenen Higher Barton Romantic Hotels reicht bis in die Elisabethanische Zeit zurück, dementsprechend sind dort im Laufe der Jahrhunderte allerhand Menschen ums Leben gekommen; besonders rätselhaft sind das Verschwinden und die wahrscheinliche Ermordung der jungen Evelyn Tremaine im 19. Jahrhundert. Florence bucht sich mit den Teilnehmern eines von ihr geleiteten Seminars zur Entdeckung von Seelen in Sandras Hotel ein – gegen den Willen der Angestellten. Auch Sandra ist skeptisch, aber sie ist am lukrativen Geschäft interessiert. Im Laufe der Woche kommt es zu einigen verstörenden Vorfällen, die selbst der „geisterresistenten“ Sandra zu denken geben: Mehrere Gäste sehen in den Fluren des Hotels die Gestalt einer fremden Frau und schließlich kommt sogar ein Gast ums Leben…


    Beurteilung

    Der sechste Band der Reihe um Sandra Flemming ist in sich abgeschlossen und kann ohne Kenntnis der vorherigen Bände gelesen werden. Inhaltlich wird auf den historischen Roman „Das Flüstern der Wände“ der Autorin Bezug genommen.

    Die Geschichte um die „Geistersucher“ mutet sehr abstrus an, im Nachwort berichtet Rebecca Michéle jedoch über die zugrundeliegenden Fakten. Heutzutage versuchen tatsächlich Wissenschaftler mit seriösen Methoden – ohne Tischerücken und Zaubersprüche – die Existenz von Geistern nachzuweisen.

    Rund um diese Versuchsreihen wird ein unterhaltsamer Krimi gestrickt, dessen Handlung komplexer ist als es zunächst den Anschein hat. Dementsprechend ist die Auflösung auch nicht zu früh absehbar und für den Leser werden bis zum Schluss Überraschungen bereitgehalten. Das Zusammentreffen mehrerer ungewöhnlicher Umstände wirkt zwar nicht ganz realistisch, steigert aber den Unterhaltungswert beträchtlich. Der Erzählstil ist locker und anschaulich, mit einer Prise Humor und gelegentlichen Spannungshöhepunkten gewürzt.

    Die Figurenzeichnung ist nicht übermäßig tiefgründig, eher erinnert der Kriminalroman an manche Werke von Agatha Christie, in denen es einfach darum geht, unter einer Gruppe von Menschen an einer geschlossenen Örtlichkeit einen Mörder zu entlarven.


    Fazit

    Leichte unterhaltsame Lektüre ohne Blutvergießen – perfekt zum Entspannen!

    8 Punkte


    ASIN/ISBN: 3986720006

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Die Krone Englands – und zwei Männer, die um sie kämpfen

    Nur dank der Hilfe einiger weniger Getreuer konnte Guilhem als Kind die Verfolgung durch seine Widersacher überleben. Doch er hat sich durchgekämpft und als Herzog der Normandie behauptet. Als es ihm gelingt, den letzten Widerstand zu brechen, und sein Werben um die schöne Matilda erfolgreich ist, scheint er am Ziel all seiner Träume zu sein. Erst recht, als sein Onkel, König Eadweard von England, ihn überraschend zum Thronerben erklärt. Englands Krone – wer würde das ablehnen? Matilda aber hat größte Bedenken, denn Guilhem hat einen mächtigen Gegner: Harold Godwinson, dessen Familie ebenfalls Anspruch auf den Thron erhebt ...


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Ulf Schiewe wurde 1947 im Weserbergland geboren und wuchs in Münster auf. Er arbeitete lange als Software-Entwickler und Marketingmanager in führenden Positionen bei internationalen Unternehmen und lebte über zwanzig Jahre im Ausland, unter anderem in der französischen Schweiz, in Paris, Brasilien, Belgien und Schweden. Schon als Kind war Ulf Schiewe ein begeisterter Leser, zum Schreiben fand er mit Ende 50. http://www.ulfschiewe.de


    Allgemeines

    Erschienen am 28.10.2022 bei Bastei Lübbe als TB mit 560 Seiten

    Gliederung: Verzeichnis alter Ortsnamen – Verzeichnis der Romanfiguren - Roman in drei Büchern, Kapitel jeweils mit Titeln versehen – Anmerkungen des Autors

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsorte und -zeit: Verschiedene Orte in England und der Normandie, 1049 bis 1066


    Inhalt

    „Der eiserne Herzog“ thematisiert das Leben des späteren William the Conqueror (1027 oder 1028 – 1087) in der Zeit bis 1066, als er noch der Herzog der Normandie war. Hier wird er bei seinem normannischen Namen Guilhem genannt. Als illegitimer Sohn des Herzogs Robert I und einer Gerberstochter hat er es immer schwer gehabt und konnte die Nachfolge seines Vaters nur antreten, weil es keinen legitimen Titelanwärter gab. Immer wieder gibt es Aufstände gegen seine Herrschaft, die er konsequent niederschlägt. Um seinen Einfluss auszuweiten, heiratet er Mathilda von Flandern (ca.1030 – 1083), die Tochter des Grafen Baldwin V.

    In England herrscht Edward the Confessor (ca. 1004 – 1066), im Roman mit angelsächsischen Namen Eadweard genannt. Er ist mit Edith (Edythe) Godwinson aus der mächtigen angelsächsischen Familie der Godwins verheiratet, die Ehe bleibt kinderlos. Eadweard sagt Guilhem, mit dem er über seine Mutter Emma von der Normandie verwandt ist, die Thronfolge zu. Guilhems Ehefrau Mathilda ist sehr skeptisch, sie fürchtet zu Recht, dass die Engländer, vor allem die mächtige Sippe der Godwins, keinen Normannen als König akzeptieren werden. Als unmittelbar nach dem Tod des Königs dessen Schwager Harold Godwinson (1022 – 1066), der zuvor einen Schwur auf Guilhems Thronfolge geleistet hat, zum König gekrönt wird, beschließt der Normanne, England zu erobern, um seinen Thronanspruch durchzusetzen…


    Beurteilung

    Die normannische Eroberung Englands war für dessen weitere Geschichte äußerst bedeutsam, Politik und Verwaltung erfuhren weitgreifende Veränderungen und auch die Entwicklung der Sprache wurde durch den Einfluss der Normannen geprägt – das heutige Englisch besteht zu etwa 70% aus romanischem und zu 30 % aus germanischem Wortschatz. Im vorliegenden Roman wird jedoch nicht die Rolle des Königs William I als Herrscher thematisiert, sondern vielmehr dessen vorheriges Leben als strenger und machtbewusster, aber gerechter Herzog der Normandie. Es gelingt dem Autor sehr gut, Guilhems Persönlichkeit differenziert darzustellen und seine für die Zeit sehr „partnerschaftliche“, offenbar glückliche Ehe mit Mathilda zu porträtieren. Auch der zweite Protagonist des Romans, Guilhems Gegenspieler Harold Godwinson, erfährt Gerechtigkeit und wird als facettenreiche Persönlichkeit präsentiert.

    Der gut recherchierte Roman gibt einen interessanten Einblick in die politischen und gesellschaftlichen Hintergründe der Zeit; der Leser erfährt, weshalb es im Oktober 1066 zur grausamen Schlacht von Hastings kam, die spektakulär und in ihrer ganzen Brutalität überaus anschaulich geschildert wird.

    Die Ausdrucksweise der Romanfiguren mutet gelegentlich etwas zu modern an.

    Aufgrund der Vielzahl handelnder Personen und verwickelter Verwandtschaftsverhältnisse erfordert die Lektüre eine gewisse Konzentration, glücklicherweise ist ein umfangreiches Personenverzeichnis beigefügt. Auch das Nachwort des Autors ist informativ und hilfreich.


    Fazit

    Eine überaus fesselnde Darstellung der Geschehnisse, die letztlich zum Konflikt zwischen Herzog Guilhem von der Normandie und dem letzten angelsächsischen König Harold Godwinson und zur berühmten Schlacht von Hastings im Jahr 1066 führten – sehr lesenswert!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: 3785728182

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    1925: Berlin ist die flirrende Metropole Europas. Nach dem Chaos von Straßenkämpfen und Inflation gibt es nur noch eine Richtung: aufwärts! Auch für Rahel und Tino brechen goldene Zeiten an. Während sie zum neuen Star der Ufa ausgerufen wird, treibt er den kometenhaften Aufstieg der Filmfabrik voran. Aber dunkle Wolken ziehen auf, Nazis marschieren durch die Straßen, und unversehens wird Rahels und Tinos Liebe auf eine Probe gestellt, die stärker zu sein droht als sie. Als die Ufa zum Spielball der politischen Mächte wird, muss Tino, um ihre Liebe zu retten, eine furchtbare Entscheidung treffen …


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Bestsellerautor Peter Prange ist der große Erzähler der deutschen Geschichte. Als Autor aus Leidenschaft gelingt es ihm, die eigene Begeisterung für seine Themen auf Leser und Zuhörer zu übertragen. Die Gesamtauflage seiner Werke beträgt weit über drei Millionen. ›Der Traumpalast‹ ist sein vierter großer Deutschland-Roman. Die Vorläufer sind Bestseller, etwa sein Roman in zwei Bänden, ›Eine Familie in Deutschland‹. ›Das Bernstein-Amulett‹ wurde erfolgreich verfilmt, der TV-Mehrteiler zu ›Unsere wunderbaren Jahre‹ begeisterte ein Millionenpublikum. Der Autor lebt mit seiner Frau in Tübingen.


    Allgemeines

    Zweiter Band der Dilogie „Der Traumpalast“

    Erschienen am 26.10.2022 bei FISCHER Scherz als HC mit 768 Seiten

    Gliederung: Vorbemerkung – Roman in vier Hauptteilen, jeweils mit nummerierten Kapiteln – Autorennachwort „Dichtung und Wahrheit“ – Danksagung – Verzeichnis fiktiver und historischer Romanfiguren

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsorte und -zeit: Berlin, Dresden, München – 1925 bis 1938


    Inhalt

    Die Erzählung knüpft direkt an die Ereignisse des ersten Bandes „Im Bann der Bilder“ an, was auch in der fortlaufenden Zählung der Hauptabschnitte ab Teil 6 zum Ausdruck kommt. Deshalb ist es empfehlenswert, den ersten Teil der Dilogie zuerst zu lesen.

    Tino und Rahel sind inzwischen verheiratet, Tino arbeitet weiterhin als Finanzdirektor bei der Ufa, Rahel ist als Schauspielerin ebenfalls dort beschäftigt, muss aber einige berufliche Rückschläge hinnehmen. Außerdem hat sie Flugstunden genommen und fliegt in ihrer Freizeit gern mit dem Privatflugzeug, das ihr Mann ihr geschenkt hat. Rahels berufliche Zusammenarbeit mit dem Filmproduzenten Erich Pommer führt zu Komplikationen, da die beiden sich ineinander verlieben.

    Die Arbeit bei der Ufa ist für alle Mitarbeiter zunehmend von Unruhe und Veränderungen geprägt. Zunächst werden aufgrund der Entwicklung des Tonfilms, der sich erst in den USA, dann aber auch in Deutschland etabliert, beträchtliche finanzielle Investitionen in Umbaumaßnahmen erforderlich, die Finanzierung ist in den Zeiten der Inflation nur schwer zu bewerkstelligen.

    Aufgrund der allgemeinen Unzufriedenheit im Land gelingt es der NSDAP unter der Führung von Adolf Hitler, nach und nach immer mehr Anhänger zu gewinnen und 1933 schließlich die Macht an sich zu reißen. Auch diese Entwicklung hat unmittelbaren Einfluss auf die Filmindustrie, denn jetzt sollen nur noch deutsche Filme – hauptsächlich Propagandafilme – mit deutschen Schauspielern und deutschen Produzenten gezeigt werden. Die Arbeitsbedingungen für jüdische Mitarbeiter verschlechtern sich drastisch. Tino gerät in eine moralische Zwickmühle, um seine jüdische Frau zu schützen, muss er die verhassten Nazis unterstützen…


    Beurteilung

    Auch der zweite Band der Dilogie berichtet vom Schicksal des (fiktiven) Ehepaares Reichenbach im Kontext einer turbulenten Zeit, die von gesellschaftlichem Wandel, beeindruckenden technischen Fortschritten und bedrohlichen politischen Entwicklungen geprägt ist.

    Der Leser gewinnt faszinierende Einblicke in das zwischen Kunst und Kommerz agierende Filmgeschäft der späten Zwanziger- und Dreißigerjahre, dessen bedeutendste Neuerung die Ablösung des Stummfilms durch den Tonfilm ist. Diese Entwicklung erlaubt auch die Nutzung der Kinos für politische Propaganda in tönenden Wochenschauen. Verträge mit amerikanischen Filmgesellschaften ermöglichen es, in Amerika deutsche Filme zu zeigen und umgekehrt. Auf diese Weise gelingt auch bisher wenig bekannten Schauspielern der internationale Durchbruch, wie z.B. Marlene Dietrich in „Der blaue Engel“.

    Ebenso faszinierend ist es, die Machenschaften der Nazis bis zu ihrer Machtergreifung im Januar 1933 zu verfolgen. Auf dem Weg dorthin müssen sich die Schlägertruppen der frühen Zwanzigerjahre zunächst einen bürgerlichen Anstrich geben und um viele Spendengelder ersuchen, im Roman werden sie von Tinos Mutter Constanze, der Frau des Vorstands der Reichenbach-Bank, gegen den Willen ihres Mannes Gustav unterstützt. Nach der Machtergreifung zeigt die NSDAP schnell ihr wahres Gesicht, andere Parteien werden verboten, Deutschland wird zur Diktatur und „missliebige“ Menschen wie jüdische Mitbürger und Homosexuelle sind gut beraten, das Land zu verlassen.

    Im Vergleich zur herausragenden Vermittlung historischer Gegebenheiten lässt die von Klischees geprägte Figurenzeichnung leider zu wünschen übrig. Die Figur der Constanze Reichenbach ist als „Erzschurkin“ sehr überzeichnet, die Beziehungen zu ihrem unterwürfigen Ehemann Gustav und dem ehrgeizigen, eiskalten Nationalsozialisten Major Alexander Grau wirken wenig realistisch, das gilt besonders auch für die schwülstige Sprache zwischen Constanze und ihrem Geliebten, der sie ständig als „Du wunderbares Weib!“ tituliert.

    Auch Rahels Dreiecksbeziehung zu zwei Männern wirkt vor dem Hintergrund der Epoche wenig realistisch. Sie ist eine egozentrische Frau, deren Denken hauptsächlich um sich selbst kreist und die wenig Rücksicht auf die Gefühle ihrer beiden Männer und vor allem ihres Sohnes Alex nimmt. Die Akzeptanz der Dreierkonstellation durch Tino und Erich erscheint wenig glaubwürdig.

    Der Erzählstil ist lebendig und sehr anschaulich, in den Liebesszenen jedoch zu schwülstig.


    Fazit

    Ein fesselnder Roman über das Filmgeschäft und die politische Entwicklung im Deutschland der Zwanziger- und Dreißigerjahre des letzten Jahrhunderts, jedoch nicht ohne Klischees in der Charakterisierung der Protagonisten!

    7 Punkte


    ASIN/ISBN: 3651001075

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Hanna Ahlander ist 34, als ihre Welt kurz vor Weihnachten in sich zusammenfällt. Ihr Freund verlässt sie für eine andere und ihr Vorgesetzter legt ihr nahe, den Dienst bei der Stockholmer Polizei zu quittieren. Nachdem sie nicht bereit war, einen kriminellen Kollegen zu decken, stellt sich das Polizeikorps gegen sie. Zum Glück gibt es in dieser Männerwelt auch Frauen: Etwa ihre ältere Schwester, die sie flugs nach Åre schickt in ihr leer stehendes Ferienhaus. Hanna badet noch in Selbstmitleid, als eine Vermisstenmeldung sie erreicht. Nach einer Party ist die junge Amanda nicht nach Hause gekommen. Bei minus 20 Grad zählt jede Stunde. Hanna beteiligt sich an der Suchaktion und hält Augen und Ohren offen. Bald weiß sie mehr als die örtliche Polizei …


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Viveca Anne Bergsted Sten, geb. 1959 in Stockholm, ist Juristin und eine der bekanntesten schwedischen Krimiautorinnen der Gegenwart. Mit ihrer Familie lebt sie nördlich von Stockholm. Seit ihrer Kindheit verbringt sie jeden Sommer auf Sandhamn in den Schären. Im Winter aber reist sie zum Skifahren nach Åre - dem Schauplatz ihrer neuen Reihe.

    Viveca Stens Sandhamn-Serie gehört zu den erfolgreichsten Krimiserien aus Skandinavien und lieferte den Stoff für den TV-Serienhit Mord im Mittsommer. Ihre Bücher sind in 24 Sprachen übersetzt.


    Allgemeines

    Erster Band der Reihe um Hanna Ahlander

    Titel der Originalausgabe:“ Offermakaren“, ins Deutsche übersetzt von Dagmar Lendt

    Erschienen am 19.10.2022 im dtv Verlag als broschiertes TB mit 512 Seiten

    Gliederung: Prolog – 124 Kapitel – Zeitungsartikel als „Epilog“ – Danksagung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Åre (Schweden), Dezember 2019


    Inhalt

    Hanna Ahlander ist unter ihren Kollegen von der Stockholmer Polizei zur persona non grata geworden, nachdem sie sich geweigert hat, einen Kollegen, der sich häuslicher Gewalt schuldig gemacht hat, zu decken. Schon aufgrund ihres beruflichen Aufgabenbereichs verabscheut sie gewalttätige Männer. Ihr Chef legt ihr nahe, sich einen neuen Arbeitsplatz zu suchen. Zu allem Überfluss verlässt sie auch ihr langjähriger Lebensgefährte für eine andere Frau; da die gemeinsame Wohnung ihm gehört, ist Hanna plötzlich quasi obdachlos. Ihre ältere Schwester Lydia, eine gut situierte Anwältin, bietet ihr an, für ein paar Wochen in ihr Ferienhaus im Ski-Ort Åre zu ziehen.

    In diesem Ort wird die achtzehnjährige Amanda Halvorsson vermisst, sie hatte sich nach einer Party mit Klassenkameraden in der Nacht allein auf den Heimweg gemacht und kam nie zuhause an. Bei minus 20 Grad kann niemand lange im Freien überleben, deshalb wird von der Polizei mithilfe der Dorfbewohner sofort eine Suchmannschaft organisiert. Hanna will sich von ihrer desolaten Situation ablenken und schließt sich der Suche an.

    Daniel Lindskog und seine Kollegen von der kleinen Polizeistation in Åre bemerken schnell, dass sie es mit einer erfahrenen Kollegin zu tun haben, die für die unterbesetzte Dienststelle eine Bereicherung darstellen könnte.


    Beurteilung

    Der erste Band der Reihe von Polarkreis-Krimis schildert, wie die Protagonistin Hanna Ahlander in den Touristenort Åre kommt und als Privatperson in einen Kriminalfall verwickelt wird, in dem ihr beruflicher Hintergrund sich als sehr nützlich erweist. Der Fall um die verschwundene Amanda ist eigentlich kaum zu lösen, es kommen mehrere Tatverdächtige in Frage, aber es fehlt an belastbaren Beweisen. Erst durch Hannas kriminalistisches Gespür und ihre Beobachtungsgabe, die sie auf einen anderen – bisher nicht einmal zur Kenntnis der Behörden gelangten - Fall von Kriminalität in dem beschaulichen Ort aufmerksam machen, kommt Bewegung in den Fall.

    Die Charakterisierung der Romanfiguren ist gründlich ausgearbeitet. Hanna ist eine starke Persönlichkeit, die sich nach ein paar Tagen des Selbstmitleids und des reichlichen Alkoholkonsums zusammenreißt und ihre Energie sinnvoll investiert, um wieder auf die Beine zu kommen.

    Ihr neuer Kollege Daniel Lindskog ist vor drei Monaten Vater geworden und hat nicht nur im Büro, sondern auch zuhause Stress. Seine Lebensgefährtin kritisiert wiederholt, dass er ständig Überstunden macht und sich zu wenig um seine Familie kümmert, ein belastender Vorwurf für Daniel, der ein besserer Vater sein will als sein eigener Vater es war.

    Sehr plastisch treten auch die Charaktere der Eltern von Amanda Halvorsson hervor, hier wirken die Persönlichkeiten allerdings weniger realistisch, beide Eltern kümmern sich nur um ihre eigenen Befindlichkeiten und vernachlässigen ihre jüngeren Kinder, ein neunjähriges Zwillingspaar, sträflich.

    Der Erzählstil des Krimis ist überaus atmosphärisch und anschaulich, die eisige Kälte und Dunkelheit eines schwedischen Winters wird eindrücklich vermittelt. Die Handlung ist wendungsreich und von stetig zunehmender Spannung geprägt, es fällt schwer, die Lektüre zu unterbrechen.

    Wie so oft in skandinavischen Krimis werden auch hier akute gesellschaftliche Missstände angesprochen.


    Fazit

    Atmosphärisch, spannend und wendungsreich – ein gelungener Reihenauftakt!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 3423263385