Beiträge von €nigma

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    […] Die außergewöhnlich dramatischen Jahrzehnte zwischen 1840 und 1918 markieren eine Wendezeit, die bis heute unser Dasein und Leben prägen. Innerhalb dieser Jahre entwickelte sich die moderne Medizin und veränderte das Verhältnis des Menschen zu seinem Körper und dessen Leiden nachhaltig. Heilungserfolge wurden möglich, an die bisher nicht zu denken gewesen war, und schufen die Grundlage unseres heutigen Lebens. Es waren Forscher, Mediziner und Ärzte wie Koch, Semmelweis und Morton, die unsere Moderne begründeten. Diese Pioniere der Gegenwart zu begleiten heißt auch, sich auf eine Zeitreise in eine atemberaubende Epoche zu begeben – in der die Eisenbahn und das Dampfschiff den Menschen zu fernen Horizonten brachten, in der die Welt wahrhaft globalisiert wurde und in der neue Gedanken und Überzeugungen zu Umbruch und Revolution führten. Doch der Mensch bleibt der Mensch und die Natur lässt sich nicht endgültig bezwingen: Am Ende der hoffnungsvollen Epoche stehen eine von Staatsmännern geschaffene Katastrophe und, fast wie ein tragisches Nachwort zur Saga der Triumphe, eine von Viren verursachte Pandemie: die Spanische Grippe.


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Ronald D. Gerste, geboren 1957, ist Arzt, Historiker und Amerikakenner. Er lebt als Buchautor und Wissenschaftskorrespondent in Washington, D.C. Er schreibt u. a. für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Neue Zürcher Zeitung und DIE ZEIT. Bei Klett-Cotta erschienen u. a. »Wie Krankheiten Geschichte machen« und »Trinker, Cowboys, Sonderlinge - Die 12 seltsamsten Präsidenten der USA«.


    Allgemeines

    Erschienen bei Klett-Cotta am 20. Februar 2021 als HC mit 400 Seiten
    Gliederung: Prolog – 23 Kapitel, Zusatzkapitel „Schicksale“ – Epilog – Zeitstrahl – Anmerkungen – Bildnachweis – Namen- und Sachregister


    Beurteilung

    Wie schon bei dem Sachbuch „Wie Krankheiten Geschichte machen“ ist es auch beim vorliegenden Werk von Ronald Gerste ersichtlich, dass der Autor sowohl Mediziner als auch Historiker ist. Er beleuchtet nicht nur die wichtigsten medizinischen Entwicklungen und Erfindungen des fortschrittsträchtigen 19. Jahrhunderts, sondern setzt diese auch mit den technischen, gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen der Epoche in sinnvolle Zusammenhänge. So wird gleich zu Beginn die Erfindung der Fotografie thematisiert, eine Entwicklung, die auch auf die Medizin Einfluss nimmt, als es erstmals möglich wird, Mikroskopiertes zu fotografieren, statt es nur zu zeichnen und Krankheitsbilder am Patienten fotografisch zu dokumentieren. Infolge dieser Neuerung kann auch Studienmaterial für angehende Ärzte viel anschaulicher gestaltet werden.

    Die bahnbrechendsten Neuerungen im Bereich der Medizin des 19. Jahrhunderts waren die Einführung der Anästhesie ab den 1840er Jahren und der Antisepsis und Asepsis ab den 1860er Jahren. Hier werden nicht nur die Entwicklungen neuer Operationsmethoden geschildert, sondern auch die großen Ärztepersönlichkeiten, denen die Menschheit diese verdankt, angemessen gewürdigt. Des Weiteren widmet sich der Autor den Fortschritten in der Bakteriologie, hier werden die Entdeckung der Cholera- und Tuberkulose-Erreger geschildert. Interessant sind auch die Ausführungen über Verbesserungen im zunehmend strukturierten Pflegewesen (Krimkrieg, Florence Nightingale), die Gründung des Roten Kreuzes sowie technische Erfindungen, die der fachärztlichen Spezialisierung (z.B. Augenspiegel in der Augenheilkunde) zuträglich sind. Um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert eröffnen sich mit der Entdeckung der Röntgenstrahlung neue, bisher undenkbare Möglichkeiten von Diagnose und Therapie. Alle diese Entwicklungen/Entdeckungen werden vor dem Hintergrund der zunehmenden Industrialisierung präsentiert. Die „moderne Zeit“ mit schnellerem Arbeitstakt (Fabriken), Mobilität (Eisenbahn) und politischem Wandel führt bei vielen Patienten zu psychosomatischen Erkrankungen, bzw. Burnout, in der Medizin werden daraufhin neue Wege in der Behandlung psychischer Erkrankungen beschritten.

    Zwischen einigen Kapiteln befinden sich Abschnitte mit der Überschrift „Schicksale“, hier geht es um Persönlichkeiten, deren Schicksal mit bestimmten medizinischen Fortschritten zeitlich verknüpft ist. So wird zum Beispiel im Kapitel über die erste Herznaht am lebenden Menschen durch Ludwig Rehn auf das tragische Ende der österreichischen Kaiserin Elisabeth eingegangen, die möglicherweise hätte gerettet werden können, wenn man ihre Verletzung sofort erkannt und behandelt hätte.

    Im Epilog geht der Autor abschließend auf die Ähnlichkeiten und Unterschiede zweier Pandemien, der Spanischen Grippe von 1918 bis 1920 und der aktuellen Corona-Pandemie, ein.

    „Die Heilung der Welt“ ist sehr anschaulich, oft mit humorvollem Unterton und ohne jede Trockenheit geschrieben und entfaltet vor den Augen des Lesers ein farbenprächtiges Panorama der Jahre zwischen 1840 und dem Ersten Weltkrieg, das neben faszinierenden medizinischen Fortschritten auch technische Innovationen sowie politische und gesellschaftliche Entwicklungen aufgreift.

    Eine überaus lohnende Lektüre für historisch interessierte Leser!

    10 Punkte

    ASIN/ISBN: B08L1GHYFH

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele Zwei Tote, der eine ertrunken in einem See, der andere erstickt in einem Kühlschrank. Die Parallelen zwischen den Fällen sind frappierend: Hier wie dort stirbt ein schwer traumatisierter Mann unter Umständen, die an jenes Erlebnis erinnern, das die Traumatisierung ausgelöst hat. Handelt es sich wirklich um Suizide, wie es die Obduktion nahelegt und der Psychoanalytiker Dr. Hanning bestätigt? Genau das bezweifelt die Münchner Mordermittlerin Katja Sand. Doch je tiefer Katja gräbt, desto mehr wird sie von ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt.

    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Christoph Wortberg studierte Philosophie, Germanistik und Geschichte und ist ausgebildeter Schauspieler. Verschiedene Rollen am Theater und im Fernsehen, daneben Hörbuchsprecher. Seit vielen Jahren Drehbuchautor, u.a. für den Kölner »Tatort«, sowie Autor von Jugendromanen. Christoph Wortberg lebt in Köln.


    Allgemeines

    Erster Band einer Trilogie um Ermittlerin Katja Sand

    Erschienen am 19. Februar 2021 bei der dtv-Verlagsgesellschaft als TB mit 368 Seiten
    Gliederung: Roman in drei Teilen mit insgesamt 46 Kapiteln – Danksagung – Leseprobe zum Folgeroman „Trauma-Kein Vergessen“

    Erzählung in der dritten Person, größtenteils aus der Perspektive von Katja Sand

    Handlungsort und -zeit: München, in der Gegenwart


    Inhalt

    Ein Mann ist in einem See ertrunken, sein Schlauchboot weist einen absichtlich gesetzten, glatten Schnitt auf. Bei der Obduktion des Toten wird keine äußerliche Gewalteinwirkung festgestellt, alles deutet auf einen Selbstmord hin. Katja Sand und ihr Kollege Rudi Dorfmüller sind angesichts der merkwürdigen Umstände jedoch nicht von einem Selbstmord überzeugt, zumal sie herausfinden, dass August Hirschberger, der zuvor bei der Marine war, nach einem Vorfall, bei dem er vor der libyschen Küste beinahe ertrunken war, schwer traumatisiert war und im Falle eines Suizids wohl eher eine andere Todesart gewählt hätte. Nachdem Katjas Chef wegen der Ermittlungen im Umfeld der Bundesmarine Ärger bekommt, wird der Fall als Selbstmord ad acta gelegt. Doch kurz darauf wird ein weiterer Toter aufgefunden, dieser Mann ist – eingesperrt in einem großen Kühlschrank – erstickt. Auch er hatte zuvor ein Trauma davongetragen, als er bei einer Lawine verschüttet wurde. Katja ist nun endgültig davon überzeugt, es mit zwei Mordfällen zu tun zu haben. Gegen die Widerstände ihrer Vorgesetzten ermittelt sie weiter.


    Beurteilung

    Die Handlung ist passend zu drei verschiedenen Todesarten in drei Hauptteile gegliedert. Zu Beginn eines jeden Teils findet sich ein Abschnitt, der nicht zur fortlaufenden Handlung gehört, sondern in einer Rückblende Szenen aus dem Leben eines dreijährigen Kindes, das mit einer liebevollen Mutter und einem alkoholsüchtigen, gewalttätigen Vater aufwächst, zeigt. Der Zusammenhang dieser Vorgeschichte mit den aktuellen Ereignissen erschließt sich erst nach und nach.

    Die Charakterisierung der Protagonistin Katja Sand ist sehr ausgefeilt, die Ermittlerin ist alleinerziehende Mutter einer fünfzehnjährigen Tochter, von deren Vater sie sich während der Schwangerschaft getrennt hat. Auch in ihrem Leben hat es seinerzeit ein traumatisches Ereignis gegeben, das nie direkt angesprochen wird, auf das sich der Leser jedoch nach und nach einen Reim machen kann. Infolge ihrer persönlichen Situation ist Katja eine sehr behütende, dabei aber auch zu kontrollierende Mutter, die darunter leidet, nicht genug Zeit für ihre Tochter zu finden. Auch die weiteren wichtigsten Romanfiguren sind in Bezug auf ihre Charaktere detailliert angelegt.

    Der Erzählstil ist sehr anschaulich und stellenweise, besonders gegen Ende des Romans, recht spannend. Die Vorgehensweise von Katja wirkt hier allerdings sehr leichtsinnig und damit nicht vollkommen glaubwürdig.

    Besonders berührend sind die Abschnitte aus dem Leben des Kleinkindes sowie einige Fakten um die Ermittlungen im Falle des Ertrunkenen, die beim Leser Erschütterung und Wut hervorrufen dürften.

    Die Leseprobe zum zweiten Teil im Anhang deutet darauf hin, dass der erste Band nicht vollständig in sich abgeschlossen ist und dass man unbedingt mit dem ersten Band beginnen sollte.


    Fazit

    Ein lesenswerter, spannend unterhaltender Einstieg in eine Reihe, die sich dem Thema „Traumata“ verschrieben hat!

    8 Punkte

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    Es ist nie zu spät, einem toten Kind Gerechtigkeit widerfahren zu lassen ... Eine junge Frau ist spurlos verschwunden. Verzweifelt wenden sich ihre Großeltern an den pensionierten Kommissar Konráð, den sie von früher kennen. Sie wissen, dass ihre Enkelin Drogen geschmuggelt hat, und nun ist sie unauffindbar. Eigentlich hat Konráð mit seiner beruflichen Vergangenheit abgeschlossen und widmet sich vor allem seiner eigenen Familiengeschichte. Doch als er bei seinen Recherchen auf ein kleines Mädchen stößt, das vor Jahrzehnten im Reykjavíker Stadtsee Tjörnin ertrunken ist, will er die Wahrheit unbedingt ans Licht zu bringen. War der Tod des Mädchens wirklich nur ein tragischer Unfall? Und gibt es eine Verbindung zum Verschwinden der jungen Frau?


    Autor (Quelle: Amazon)

    Island ist hierzulande eher für Vulkane, stämmige Pferde und Feen bekannt als für seine Literatur. Als eine der wenigen Ausnahmen hat es der Autor Arnaldur Indriðason geschafft, auch im Ausland erfolgreich Fuß zu fassen. In seinen Romanen um Kommissar Erlendur ist das schroffe Island ein Ort des Schreckens. Autor Indriðason (*1961) hat mit diesen Krimis einige renommierte Preise eingeheimst, u. a. den „Gold Dagger Award“. Dabei war das erste Buch für den Journalisten und Filmkritiker Indriðason eigentlich nur „ein Versuch“. Da dieser so positiv ausfiel, verdient der Isländer seine Brötchen inzwischen als Autor. Er lebt mit seiner Familie in Reykjavik.


    Allgemeines

    Zweiter Band um den pensionierten Polzisten Konráð

    Titel der Originalausgabe: „Stúlkan hjá brúnni“, ins Deutsche übersetzt von Anika Wolff

    Erschienen am 28. August 2020 bei Lübbe als HC mit 384 Seiten
    Gliederung: Roman in 63 Kapiteln

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Reykjavík, um 2016


    Inhalt

    Im zweiten Band, in dem der pensionierte Polizist Konráð im Mittelpunkt der Handlung steht, ermittelt dieser in drei Fällen. Freunde seiner verstorbenen Frau Erna bitten ihn um Hilfe, als ihre zwanzigjährige Enkelin, die bei ihnen aufgewachsen ist, nicht mehr zu erreichen ist. Konráð, der noch Kontakt zur aktiv im Dienst befindlichen Kollegin Marta hat, unterstützt diese, doch leider können sie den bangenden Großeltern keine erfreulichen Ergebnisse liefern.

    Außerdem versucht Konráð weiterhin – wie schon im vorherigen Band – den ungeklärten Todesumständen seines Vaters, der im Jahr 1961 erstochen wurde, nachzugehen. Zu diesem Zweck trifft er sich regelmäßig mit Eygló, der Tochter eines Mannes namens Engilbert, mit dem Konráðs Vater in zwielichtige Geschäfte verwickelt war. Bei diesen Recherchen stößt er nicht nur auf unangenehme Erkenntnisse über seinen Vater, sondern auch auf den ebenfalls ungeklärten Todesfall eines zwölfjährigen Mädchens namens Nanna, dessen Leiche 1961 im Reykjavíker Stadtsee gefunden wurde. Die Puppe des Mädchens sei, so zumindest die offizielle Theorie in den Akten, von der Brücke über den Tjörnin ins Wasser gefallen und das Mädchen habe wohl versucht, sie aus dem Wasser zu holen und sei dabei ertrunken. Aus diversen Gründen hegt Konráð Zweifel an der Unfalltheorie, doch er sieht sich Problemen gegenüber: Bei der Polizei interessiert man sich nicht für diese uralte Geschichte, die Beteiligten sind inzwischen verstorben oder hochbetagt und der Obduktionsbericht des Mädchens ist merkwürdigerweise aus dem Archiv verschwunden…


    Beurteilung

    Der Roman schließt mindestens in einem Handlungsstrang an den Vorgängerband „Verborgen im Gletscher“ an, deswegen ist es ratsam, diesen zuerst zu lesen. Die Handlung ist mit verschiedenen Handlungssträngen und Zeitebenen sehr komplex, es bedarf einer gewissen Konzentration, um den Überblick über alle Details zu behalten. Bedauerlicherweise sind die jeweiligen Kapitel nicht mit Zeitangaben betitelt, sodass man sich nicht immer sofort darüber im Klaren ist, ob die geschilderten Szenen sich in der Gegenwart oder einige Jahrzehnte zuvor abspielen.

    Der Perspektivwechsel, verbunden mit einem für den Autor ungewöhnlich hohen Spannungspotenzial, sorgt jedoch auch dafür, dass die Lektüre extrem fesselnd ist und keine Längen empfunden werden. Die Handlung ist nicht nur sehr geschickt konstruiert, sondern wird auch rasanter als sonst präsentiert, manche Szenen erinnern an einen Thriller.

    Konráð ist ein sehr sympathischer Mensch, der sich auch seiner Fehler bewusst ist, seine differenzierte Charakterdarstellung überzeugt in jeder Hinsicht. Mit seiner Bekannten Eygló, die das zweite Gesicht hat, kommt ein Hauch des Übernatürlichen ins Spiel, der dem Roman eine angenehme Würze verleiht.

    Wie immer ist auch hier eine gewisse Gesellschaftskritik zu finden, indem ein leider zeitloses gesellschaftliches Problem thematisiert und angeprangert wird.

    Eine Island-Karte im vorderen und ein Stadtplan von Reykjavík im hinteren Einband erleichtern dem Leser die geographische Orientierung.


    Fazit

    Ein inhaltlich komplexer und erzähltechnisch erstaunlich spannender Kriminalroman, dessen Lektüre Konzentration erfordert und fesselnde Unterhaltung bietet!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: 9783785727119

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    Orphaned young, H is sent to live with her doting aunt in London. H’s life is a happy one until her lecherous cousin robs her of her innocence, and the plague takes away the city and the people she loves. H is cast out – friendless, pregnant and destitute – into the rapidly emptying streets of London under quarantine.

    Forced to fend for herself, she is determined to gain back the life she lost. H will face a villain out for revenge, find love in the most unexpected places, and overcome a betrayal that she never could have foreseen. Weathering it all, can H charm, or scheme, her way to the life of freedom and independence that she longs for?


    Autorin (Quelle: Amazon)

    Sarah Burton was the course director of Cambridge University&;s MSt in Creative Writing. She has written for BBC History Magazine and done reviews for the Times, Spectator, Guardian and Independent.


    Allgemeines

    Erschienen am 1. Mai 2020 bei Legend Press als Kindle Version, entsprechend einem Druckumfang von 363 Seiten
    Gliederung: Prolog – Roman in drei Teilen mit insgesamt 79 Kapiteln – Danksagung

    Ich-Erzählung der Protagonistin H.

    Handlungszeit und -ort: London, in den Jahren ab 1665


    Inhalt

    H. wächst mit mehreren Schwestern in einer konservativen Familie auf. Ihre ältesten Schwestern Clarissa und Diana sind bereits mit zwei selbstgerechten Biedermännern verheiratet, die Schwestern Grace und Frances verlassen mehr oder weniger freiwillig das Elternhaus, nachdem Grace ein uneheliches Kind erwartet. Nur Evelyn und H. bleiben im Elternhaus, bis auch der strenge Vater stirbt und die Mädchen Vollwaisen sind. Ihre Tante Madge nimmt die beiden auf, dort leben sie zufrieden, bis die Zwillingssöhne ihrer Tante aus dem Studium heimkehren. Einer von ihnen, Roger, ist ein Lebemann und Nichtsnutz, er vergewaltigt und schwängert H. Während sie noch überlegt, wie sie vorgehen soll, bricht in London die Pest aus. Als Evelyn stirbt und Roger und seine hartherzige Frau H. aus dem Haus werfen, ist sie ganz auf sich allein gestellt…


    Beurteilung

    Der Roman erinnert trotz unterschiedlicher Handlungsverläufe in mancher Hinsicht an „Moll Flanders“, den 1722 erschienenen Klassiker von Daniel Defoe. Auch hier sieht sich eine junge Frau den Widrigkeiten eines Lebens im London des 17. Jahrhunderts ausgesetzt.

    H. ist eine zunächst naive, aber intelligente und anpassungsfähige junge Frau, die das Herz auf dem rechten Fleck hat und viel Empathie mit Menschen hat, denen es noch schlechter geht als ihr selbst. Ungeachtet ihrer strengen Erziehung ist sie pragmatisch und zögert nicht, den Beruf einer Prostituierten zu ergreifen, um ihr Überleben zu sichern. Zunächst findet sie Unterschlupf im Bordell von Mother Cresswell, aber es ist ihr Ziel, sich unabhängig zu machen und nur noch wenige, gut betuchte „Klienten“ zu haben.

    Aus der Sicht von H. erlebt der Leser den Ausbruch der Pest 1665 und den Großen Brand von London (1666) mit. Das Leben der Londoner Bevölkerung Mitte des 17. Jahrhunderts wird anschaulich geschildert, ein besonderes Augenmerk liegt dabei auch auf dem Theater, in diesem Bereich der Kultur ergeben sich neue Entwicklungen. Wurden Frauenrollen in Theaterstücken zuvor nur mit Männern besetzt, treten jetzt auch Frauen als Schauspieler auf. Der Ruf dieser Schauspielerinnen ist nicht der beste, man sagt ihnen einen liederlichen Lebenswandel nach. Allerdings wird auch deutlich, dass das Leben von Schauspielerinnen und sogar von (selbstbestimmten) Prostituierten in vieler Hinsicht angenehmer ist als das „ehrbarer“ Ehefrauen. Diese verlieren mit der Heirat jegliches Recht über ihre Körper und ihr Vermögen und müssen sich allzu oft demütigen, betrügen und misshandeln lassen.

    Sehr schön stellt die Autorin die Bigotterie und Heuchelei sogenannter „anständiger Leute“ heraus, ein zeitloses Phänomen, das man auch heute noch bei Geistlichen und Politikern beobachten kann.


    Fazit

    Ein lesenswerter Roman, der anhand des Schicksals einer liebenswerten, aber auch energischen Protagonistin Einblick in die Londoner Gesellschaft Mitte des 17. Jahrhunderts gibt!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: B07YWT8T3H

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Cork, 1923. Der Fluss Lee spült der Nonne Mutter Aquinas eine junge Frau vor die Füße, im feinen, seidenen Ballkleid - und ganz offensichtlich tot. Die resolute Mutter Oberin verständigt umgehend Sergeant Patrick Cashman, einen ehemaligen Klosterschüler von ihr, der neben einem scharfen Verstand auch einen besonderen Blick fürs Detail besitzt. Nicht umsonst: Am Hals der Toten finden sich Strangulationsmale. Es dauert nicht lange, und der obduzierende Arzt – der unorthodoxe jüdische Dr. Scher – bestätigt die Vermutung, dass die junge Frau ermordet wurde. Auch ist die Identität der Toten schnell geklärt: die als vermisst gemeldete Angelina Fitzsimon, die zwanzigjährige Tochter eines respektablen Teehändlers aus Cork, die kurz davor stand, ein Vermögen zu erben. Als Dr. Scher im Saum von Angelinas Ballkleid eine Fahrkarte für die Mitternachtsfähre nach Liverpool entdeckt, ahnt die Mutter Oberin, dass hinter dem Mord an der jungen Frau mehr steckt, als es den Anschein hat. Gemeinsam mit Sergeant Cashman und Dr. Scher geht die Nonne der Sache auf den Grund – und kommt dem Mörder bald näher, als ihr lieb ist …


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Cora Harrison hat als Lehrerin gearbeitet, bevor sie auf eine Farm im Westen Irlands zog und anfing, historische Romane zu schreiben. «Ein niederträchtiger Mord» ist der erste Band ihrer Reihe um die ermittelnde Nonne Mutter Aquinas.


    Allgemeines

    Erster Band der Reihe um Mutter Aquinas

    Titel der Originalausgabe: „A Shameful Murder“, ins Deutsche übersetzt von Sabine Schilasky

    Erscheinungstermine: Kindle Ausgabe 1. Januar 2021, Printausgabe 26. Januar 2021 im Rowohlt Verlag als TB mit 368 Seiten
    Gliederung: Roman in 26 nummerierten Kapiteln, jeweils mit einem vorangestellten lateinischen Zitat von Thomas von Aquin (mit deutscher Übersetzung)

    Erzählung in der dritten Person aus der Perspektive von Mutter Aquinas

    Handlungsort und -zeit: Cork, Irland, 1923


    Inhalt

    Mutter Aquinas, eine Nonne Ende Sechzig, stammt ursprünglich aus der besseren Gesellschaft Corks und pflegt über ihre Cousine Lucy noch zahlreiche Kontakte zu Menschen außerhalb des Klosters, darunter auch ehemalige Klosterschüler*innen. Einer davon ist Sergeant Patrick Cashman, Sohn einer armen Familie, der die Polizeilaufbahn eingeschlagen hat. Als im Bereich des Klosters die Leiche einer jungen Frau in einem vornehmen Abendkleid angespült wird, verständigt sie ihn sofort, denn sie hat den Eindruck, dass man es sich hier nicht mit einem tragischen Unfall zu tun hat. Bei der Toten handelt es sich offenbar um Angelina Fitzsimon, die Tochter eines wohlhabenden Teehändlers, von deren Ableben mehrere Menschen profitierten könnten. Ihr Bruder würde in diesem Fall das eigentlich Angelina zugedachte Erbe der Großmutter bekommen. Ihr Vater wollte Angelina mit einem von ihr unerwünschten Mann verheiraten, diesen Plänen wollte sie sich augenscheinlich durch eine Reise nach Liverpool entziehen, was für die beiden Männer ein Mordmotiv darstellen könnte. Und schließlich wird bei der Obduktion festgestellt, dass die Tote schwanger war, mit dem unbekannten Vater des Kindes kommt ein weiterer Verdächtiger ins Spiel…


    Beurteilung

    Bei „Ein niederträchtiger Mord“ handelt es sich eher um eine Erzählung als um einen Krimi. Die Handlung spielt sich vor dem Hintergrund gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen ab und bietet damit einen guten Einblick in das Leben der Bürger von Cork vor knapp hundert Jahren, ein Leben, das für viele Einwohner von extremer Armut geprägt ist und in dem politische Unruhen und lebensgefährliche Situationen auf der Straße nichts Außergewöhnliches sind.

    Der Kriminalfall ist gründlich konstruiert, aber es geht leider mit den Ermittlungen nur schleppend voran. Mutter Aquinas, eine facettenreich ausgestaltete Protagonistin, die das Herz am rechten Fleck hat, ist weitaus mehr außerhalb ihres Klosters unterwegs als es für eine Ordensfrau glaubwürdig erscheint. Durch die ständig in den Text eingeschobenen Reminiszenzen der Nonne in Bezug auf ihre gemeinsam mit ihrer Cousine Lucy verlebte Jugend wird der Handlungsstrang um den Mord sehr ausgebremst, erst gegen Ende des Romans kommt ein wenig Spannung auf. Die Darstellung des gesellschaftlichen Wandels der letzten 50 Jahre, besonders hinsichtlich des Lebens der irischen Frauen, ist interessant, wenn auch einige Details aus der Jugend von Lucy und Mutter Aquinas ein wenig zu konstruiert wirken.


    Fazit

    Als Erzählung über die gesellschaftliche und politische Lage im Irland der 1920er Jahre lesenswert, als Krimi etwas zäh und spannungsarm!

    7 Punkte

    ASIN/ISBN: B0882M865M

    Die deutsche Ausgabe erscheint am 21. Januar 2021, die Kindle-Ausgabe ist schon verfügbar.


    Kurzbeschreibung zur deutschen Ausgabe

    Einige Türen sind aus einem bestimmten Grund verschlossen ...

    England, 1866: Als Elsie den reichen Erben Rupert Bainbridge heiratet, glaubt sie, nun ein Leben im Luxus vor sich zu haben. Doch nur wenige Wochen nach ihrer Hochzeit ist sie bereits verwitwet. Und dazu schwanger.

    Elsie bezieht das alte Landgut ihres verstorbenen Mannes. Da ihre neuen Diener ihr gegenüber äußert reserviert sind, hat Elsie nur die ungeschickte Cousine ihres Mannes zur Gesellschaft.

    Zumindest glaubt sie das. Doch in ihrem neuen Zuhause existiert ein verschlossener Raum. Als sich dessen Tür für sie öffnet, findet sie ein 200 Jahre altes Tagebuch und eine beunruhigende, lebensgroße Holzfigur – eine stille Gefährtin ...

    ASIN/ISBN: 3865528783

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    Some doors are locked for a reason...

    Newly married, newly widowed Elsie is sent to see out her pregnancy at her late husband's crumbling country estate, The Bridge.

    With her new servants resentful and the local villagers actively hostile, Elsie only has her husband's awkward cousin for company. Or so she thinks. For inside her new home lies a locked room, and beyond that door lies a two-hundred-year-old diary and a deeply unsettling painted wooden figure - a Silent Companion - that bears a striking resemblance to Elsie herself...


    Autorin (Quelle: Amazon)

    Laura Purcell is a former bookseller, she lives in Colchester with her husband and pet guinea pigs. Her first novel for Bloomsbury, The Silent Companions, was a Radio 2 Book Club pick, was selected for the Zoe Ball ITV Book Club and was the winner of the Thumping Good Read Award.


    Allgemeines

    Erschienen bei Raven Books am 5. April 2018 als TB mit 384 Seiten
    Gliederung: Kapitel ohne Nummerierung, überschrieben jeweils mit „St Joseph´s Hospital“, „The Bridge 1865 (1866)“, „The Bridge 1635“

    Größtenteils Erzählung in der dritten Person aus Elsies Perspektive, teilweise Ich-Erzählung (Tagebuch der Anne Bainbridge)

    Handlungsort und -zeit: England, 1867 (Hospital), 1865/1866, 1635


    Inhalt

    Elsie Bainbridge, Schwester eines Streichholzfabrikanten, hat Rupert Bainbridge, den Besitzer des Landguts „The Bridge“, geheiratet. Wenige Monate später ist ihr Mann bereits verstorben und die schwangere Witwe begibt sich mit Sarah, der altjüngferlichen Cousine ihres Mannes, zum Familienwohnsitz. Im Dorf und auch bei der Dienerschaft tritt man ihr gegenüber reserviert auf, denn es hat in den letzten Jahrzehnten immer wieder merkwürdige Vorkommnisse und Unfälle gegeben, die Dorfbewohner glauben, dass in The Bridge etwas Böses umgeht, seitdem eine Bainbridge des 17. Jahrhunderts als Hexe verbrannt wurde. Seitdem Elsie in einem bisher verschlossenen Raum hölzerne Figuren, sogenannte „stille Gefährten“ und das Tagebuch der Anne Bainbridge aus dem Jahr 1635 gefunden hat, geschehen auch in ihrem Umfeld seltsame Dinge, sie fühlt sich von den Holzfiguren beobachtet und verfolgt – schließlich kommt es zu Todesfällen im Haus…


    Beurteilung

    Der Roman spielt auf drei Zeitebenen. Die Rahmenhandlung (1867) schildert Elsies Aufenthalt im St Joseph´s Hospital, einer Nervenklinik. Elsie ist dort untergebracht, sie leidet unter Brandwunden und ist so traumatisiert, dass sie nicht sprechen kann. Ihr Arzt, der überzeugt ist, dass sie sich verschütteten Erinnerungen stellen muss, lässt sie ihre Geschichte aufschreiben.

    Der zweite Handlungsstrang spielt in den Jahren 1865/ 1866 und berichtet über die unheimlichen und entsetzlichen Dinge, die Elsie im Haus ihres verstorbenen Mannes erlebt.

    Eine dritte Zeitebene bildet die Geschichte der Anne Bainbridge, die diese 1635 in ihren Tagebüchern niedergelegt hat, diese Ereignisse scheinen noch zwei Jahrhunderte später widerzuhallen.

    Elsie ist eine sympathische junge Frau, die allerdings seit ihrer Jugend ein schweres Päckchen mit sich zu tragen hat. Sie hat offenbar vieles aus ihrer Vorgeschichte verdrängt, der Leser kommt diesen Dingen gemeinsam mit Elsie selbst nach und nach auf die Spur. Die Ereignisse in The Bridge werden überaus atmosphärisch, anschaulich und unheimlich geschildert, dementsprechend weist der Roman eine steile Spannungskurve auf. Für den Leser ist es schwer zu beurteilen, ob in dem Haus Übernatürliches geschieht, ob jemand Elsie in den Wahnsinn treiben will oder ob sie psychisch krank ist und bestimmte Dinge nur in ihrem Kopf passieren. In jedem Fall ist die Lektüre sehr fesselnd, das Buch wäre perfekt für eine Leserunde geeignet, in der verschiedene Interpretationen diskutiert werden könnten. Einige Details klären sich gegen Ende, anders bleibt rätselhaft.


    Fazit

    Eine fesselnde viktorianische Geistergeschichte – oder auch nicht!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 1408888033

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Die Erfolgsserie um die Armenapothekerin Serafina aus Freiburg geht weiter. Februar 1418: Die Menschen leiden unter der beißenden Kälte. Erschreckend nah heulen des Nachts die ausgehungerten Wölfe und reißen die ersten Schafe. Dann fällt ihnen in dem Dörfchen Würi, gleich vor der Stadt, der junge Müllerssohn Jörgelin zum Opfer. Zum Schock gesellen sich Spukgeschichten über Werwölfe. Man hängt zur Abschreckung sogar einen Wolf an den Galgen. Das Töten geht weiter. Als die junge Heilerin Mia stirbt, kommen der Armenapothekerin Serafina und ihrem Mann, Stadtarzt Achaz, Zweifel, ob die Tiere für das Morden verantwortlich sind oder wer anders sein Unwesen treibt. Das erste Mal ermitteln sie als Ehepaar gemeinsam. In der Würi stoßen die beiden jedoch auf eine Mauer des Schweigens, der sie mit Spürsinn, Wissen und Hartnäckigkeit begegnen.


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Astrid Fritz studierte Germanistik und Romanistik in München, Avignon und Freiburg. Als Fachredakteurin arbeitete sie anschließend in Darmstadt und Freiburg und verbrachte mit ihrer Familie drei Jahre in Santiago de Chile. Zu ihren großen Erfolgen zählen «Die Hexe von Freiburg», «Die Tochter der Hexe» und «Die Vagabundin». Astrid Fritz lebt in der Nähe von Stuttgart.


    Allgemeines

    Sechster Band um die ehemalige Begine Serafina

    Erschienen am 15.12. 2020 im Rowohlt Verlag als TB mit 304 Seiten
    Gliederung: Personenverzeichnis – Prolog – 43 Kapitel – Autorennachwort – Glossar

    Erzählung in der dritten Person, größtenteils aus der Perspektive der Protagonistin

    Handlungsort und -zeit: Freiburg und Vorort Würi, im Februar 1418


    Inhalt

    Der Winter 1417/1418 ist außergewöhnlich lang und kalt, nicht nur die Menschen, sondern auch die Wölfe hungern, sodass die Tiere sich an die menschlichen Behausungen herantrauen und Schafe reißen. Zum Entsetzen der Bewohner fällt im Vorort Würi außerhalb der Freiburger Stadtmauer der sechsjährige Jörgelin, das einzige Kind des Baders Veit, den Wölfen zum Opfer. Unterstützt von Bürgern der Stadt begeben sich die Männer des Dorfes auf die Wolfsjagd und erlegen ein ganzes Rudel. Dennoch werden kurz darauf zwei Frauen tot aufgefunden, beide weisen Bisswunden an der Kehle auf.

    Die abergläubischen Dorfbewohner sind der Meinung, diese Taten könne nur ein Werwolf verübt haben und sie haben auch schon einen Verdächtigen im Visier: den arroganten und selbstherrlichen Müller, den sie sogleich lynchen wollen. Serafina, die im Dorf ist, um der Mutter des kleinen Jörgelin beizustehen, hat zwar auch den Verdacht, dass für den Tod der beiden Frauen kein Wolf, sondern ein Mensch verantwortlich ist, sie will aber den Müller vor der Lynchjustiz bewahren und den wahren Täter ermitteln.


    Beurteilung

    Der sechste Band der Reihe schließt inhaltlich an die vorherigen Bände an, der Kriminalfall ist jedoch in sich abgeschlossen. Da es zudem ein umfangreiches, vorangestelltes Personenverzeichnis gibt, ist es deshalb auch Neueinsteigern in die Reihe möglich, der Handlung zu folgen. Serafina, die im Hause ihres Mannes, des Stadtarztes Adalbert Achaz, ihre Armenapotheke betreibt, pflegt weiterhin den Kontakt zu ihren früheren Mitschwestern bei den Beginen. Gemeinsam mit diesen kümmert sie sich um notleidende und verzweifelte Menschen auch außerhalb der Stadtmauern. So wird sie in die mysteriösen Ereignisse in der Würi verwickelt und ermittelt wieder einmal auf eigene Faust. Diesmal bezieht sie auch noch ihren Mann, einen herzensguten, aber auch recht naiven und impulsiven Menschen, in ihre Schnüffeleien ein, was beide in Lebensgefahr bringt.

    Die anschauliche Erzählung gestaltet sich zunächst ziemlich ruhig, um erst in der zweiten Hälfte des Romans Spannung aufzubauen. Die Charaktere der Romanfiguren sind gründlich und differenziert ausgestaltet, vor allem wird die „Gruppendynamik“ in der mittelalterlichen Dorfgemeinschaft gut dargestellt. Die Menschen sind vom Aberglauben geprägt, man meint, sich durch Amulette und Zaubersprüche gegen Bedrohungen schützen zu können und man glaubt an Werwölfe. Die Wortführer finden genügend Mitläufer und fast niemand kommt auf die Idee, sich dem aufgewiegelten Mob entgegenzustellen, als ein unbeliebter Dorfbewohner öffentlich als Werwolf verdächtigt und mit dem Tod bedroht wird.

    Dem Roman sind ein informatives Nachwort und ein umfangreiches Glossar nachgestellt.


    Fazit

    Ein unterhaltsamer historischer Krimi, der das gesellschaftliche Gefüge einer mittelalterlichen Dorfgemeinschaft abbildet!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 3499001829

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    England 1938. Auf Slane House, dem idyllisch am River Dart gelegenen Landsitz der Baronets of Durbar, laufen die Vorbereitungen für die Hochzeit von Lady Penelope Hatton und Sir Perceval Holmes auf Hochtouren. Die Familie und ihre engsten Freunde sind bereits anwesend, als ein Mord geschieht, der einer alten Gespensterlegende neues Leben einhaucht. Selbst der als Trauzeuge eingeladene Literaturprofessor und Gelegenheitsdetektiv John Stableford ist zunächst von der logischen Unmöglichkeit des Verbrechens verblüfft. Als er sich endlich gemeinsam mit seiner Frau Harriet und dem Brautpaar auf die Suche nach dem Täter macht, geschieht ein zweiter Mord ...


    Autor (Quelle: Amazon)

    Rob Reef wurde 1968 geboren. Er studierte Literaturwissenschaft und Philosophie an der Freien Universität Berlin und arbeitet als Berater und Texter in einer Werbeagentur.

    Seine Kriminalromane folgen dem Muster klassischer "Whodunits". Sie spielen in den 30er-Jahren und handeln von den Abenteuern des Literaturprofessors und Gentleman-Detektivs John Stableford und seines watsonesken Freundes Dr. Holmes.

    Reef lebt mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern in Berlin.


    Allgemeines

    5. Band der Detektiv John Stableford-Reihe

    Erschienen am 8. Oktober 2019 im Dryas Verlag als TB mit 270 Seiten
    Gliederung: 25 Kapitel – Epilog

    Erzählung in der dritten Person, hauptsächlich aus der Perspektive John Stablefords

    Handlungsort und -zeit: Ein englischer Landsitz, 1938


    Inhalt

    Sir Perceval Holmes, Erbe des Landsitzes Slane House, und Lady Penelope Hatton, Tochter eines Earls, wollen im Sommer 1938 heiraten. Schon einige Tage vorher haben sich Familienangehörige und Freunde des Paares auf dem Landsitz versammelt. Auch Laura, die Schwester von Percys Schwägerin ist gekommen, sie hat sich allerdings selbst eingeladen und ihre Anwesenheit ist unerwünscht, da sie selbst ein Auge auf den Bräutigam geworfen hat und auch sonst immer allerlei Unfrieden stiftet…


    Beurteilung

    Es handelt sich bei diesem Kriminalroman um den fünften Band einer mir bisher unbekannten Reihe, man braucht jedoch keine Vorkenntnisse, um der Handlung folgen zu können. Es fällt zunächst zwar etwas schwer, den Überblick über alle Romanfiguren zu behalten, dies liegt jedoch nur an Namensähnlichkeiten (Françoise, Francine, Francis) sowie an der Tatsache, dass dieselbe Person unterschiedlich angesprochen wird (Penelope, Penny, Hattie). Der Sinn dieser Namensgebung erschließt sich nicht.

    Der in ruhigem Erzählstil gehaltene Krimi erinnert ein wenig an die Bücher von Arthur Conan Doyle und Agatha Christie. Innerhalb eines weitgehend isolierten Umfelds ereignen sich zwei Morde, für die nur einer der auf dem Landsitz Anwesenden als Täter*in in Frage kommt. Statt die Polizei hinzuzuziehen wollen Sir Perceval und sein Freund John Stableford, der offenbar schon häufiger als Hobbydetektiv in Erscheinung getreten ist, die Mordfälle selbst aufklären. Dabei setzen sie auf wiederholte Befragungen aller Familienmitglieder und Gäste – wie es scheint, gab es mehr Motive als Gelegenheiten, das Opfer zu töten. Dieses Vorgehen sorgt nicht gerade für viel Spannung, dennoch unterhält der Roman gut. Das liegt an einem vertrackten Problem, denn das erste Opfer wurde augenscheinlich in einem von innen abgeschlossenen Raum umgebracht, wie konnte der/die Schuldige also aus dem Raum entkommen? Außerdem erhält der Krimi eine gewisse Würze in Form einer Gespenstergeschichte: In Slane House soll der Geist von Ethel umgehen, diese war viele Jahre zuvor als erste Braut von Sir Percevals Großvater in der Nacht vor ihrer Hochzeit in der Brautkammer gestorben.

    Der Kriminalfall wirkt ziemlich konstruiert, aber er ist gut konstruiert.


    Fazit

    Für Freunde „altmodischer“ Krimis ohne moderne Forensik und viel Blutvergießen empfehlenswert!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 3940855987

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Das erste Kinderkrankenhaus Berlins und zwei Schwestern, die sich aufopferungsvoll um ihre kleinen Patienten kümmern

    Berlin 1911: Die Schwestern Marlene und Emma Lindow können ihr Glück kaum fassen: Sie dürfen als Lernschwestern in der Kinderklinik Weißensee anfangen. Die forsche Marlene lernt schnell, die schüchterne Emma fühlt sich hingegen bald von ihrer Schwester zurückgesetzt. Denn Marlene hat sich gleich doppelt verliebt: in den vornehmen Assistenzarzt Doktor Maximilian von Weilert und in das noch junge Fachgebiet Kinderheilkunde. Sie ist fest entschlossen, selbst Kinderärztin zu werden. Doch der Weg nach oben ist steinig, der in Maximilians Familie erst recht. Emma geht in ihrer Rolle als Kinderkrankenschwester auf und entfernt sich immer mehr von ihr. Erst als das Leben des kleinen Fritz Schmittke am seidenen Faden hängt, erkennen Emma und Marlene, dass sie zusammenstehen müssen, um ihre wichtigste Aufgabe zu erfüllen: den Kindern zu helfen.


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Antonia Blum lebte längere Zeit in Berlin, ohne den Weißen See dort je gesehen zu haben. Erst Jahre später, nachdem sie die Hauptstadt längst verlassen hatte, entdeckte sie durch einen Zufall die Ruine der einstigen Kinderklinik in Weißensee und kommt seitdem von dem Ort und seiner bewegten Geschichte nicht mehr los. Heute fährt Antonia nicht nur zum Spazierengehen immer wieder an den Weißen See, der dem Berliner Stadtteil seinen Namen gab. Sie ist überzeugt, dass dort ein Tor in die Vergangenheit existiert.


    Allgemeines

    Erster Teil der Dilogie „Kinderklinik Weißensee“

    Erschienen am 30. November 2020 im Ullstein Verlag als TB mit 432 Seiten
    Gliederung: Prolog – 46 Kapitel – Nachwort – Literaturhinweise

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Weißensee, Berlin, 1911/1912


    Inhalt

    Die Waisenschwestern Marlene und Emma Lindow beginnen im Sommer 1911 eine einjährige Ausbildung zur Kinderkrankenschwester an der gerade erst eröffneten Kinderklinik Weißensee. In dieser Klinik soll die Anfang des 20. Jahrhunderts extrem hohe Säuglings- und Kleinkindersterblichkeit bekämpft werden. Der Klinik ist ein eigener Milchbetrieb (Milchkuranstalt) angeschlossen, in dem aus der Milch hauseigener Kühe unter Einhaltung moderner hygienischer Standards Säuglingsmilch hergestellt wird. Gleichzeitig setzen sich die Ärzte der Klinik jedoch dafür ein, das Stillen als beste Art der Säuglingsernährung zu fördern. Diesbezüglich werden Vortragsreihen und Kongresse organisiert.

    Die beiden Schwestern widmen sich mit vollem Einsatz ihrer Ausbildung, auch wenn ihr Leben nicht ungetrübt verläuft, da die anderen Lernschwestern, größtenteils aus „guten Häusern“ stammend, auf die Waisen herabsehen. Außerdem kommt es auch zwischen Emma und Marlene zu einer Entfremdung, als Emma sich in einen Melker verliebt, der es Marlenes Meinung nach nicht ernst mit ihr meint. Als ältere Schwester fühlt sich Marlene für Emma verantwortlich und mischt sich zu sehr in deren Leben ein. Marlene träumt davon, im Anschluss an ihre Ausbildung Medizin zu studieren und sie verliebt sich in einen jungen Arzt, der ihre Ambitionen unterstützt. Dessen Eltern, Graf und Gräfin von Weilert, halten jedoch nichts von einer zukünftigen Schwiegertochter aus einfachen Verhältnissen und möchten die Frau für ihren Sohn selbst aussuchen.


    Beurteilung

    Der erste Teil der Dilogie beschäftigt sich mit einer neuen Entwicklung der Medizin kurz vor dem Ersten Weltkrieg, als sich die Pädiatrie als eigene medizinische Fachrichtung entwickelt. Wurden Kinder zuvor als kleine Erwachsene gesehen, so erkennt man jetzt, dass es in der Versorgung von Kindern spezielle Fragestellungen gibt, angefangen bei der optimalen Säuglingsnahrung bis zu Betrachtungen, inwieweit Ärzte bei längerem Krankenhausaufenthalt der Kinder auch als deren Erzieher wirken. Die im Roman agierenden Ärzte und die Rotkreuzoberin, Vorgesetzte der Lernschwestern, sind historische Persönlichkeiten.

    In sehr lebendigem, anschaulichen Sprachstil werden die pflegerischen Maßnahmen der damaligen Zeit sowie neue diagnostische und therapeutische Ansätze (Lokalanästhesie, Röntgen, Magenspiegelung) geschildert. Auch psychologische Ansätze der Therapie von Kindern werden angesprochen, hier erweist sich Emma als besonders einfühlsame Kinderschwester, die es versteht, durch Singen und Geschichtenerzählen den oft verstörten Kindern die Angst zu nehmen.

    All diese Entwicklungen werden vor dem Hintergrund der ausgehenden Kaiserzeit dargestellt, wobei auch gesellschaftliche Verhältnisse thematisiert werden, sei es der problematische „Standesunterschied“ bei Liebesbeziehungen, bzw. Ehen, sei es die Tatsache, dass nur der Vater eines Kindes und nicht die Mutter die Zustimmung zur Operation eines Kindes erteilen konnte.

    Eine bedeutende Rolle spielen die Liebesbeziehungen der beiden Schwestern, in diesem Handlungsstrang wirkt die Darstellung der Romanfiguren gelegentlich etwas überzeichnet; Marlene und Emma werden sehr positiv dargestellt, eine ihrer Mitschwestern dagegen extrem negativ als hasserfüllte und versnobte Intrigantin.

    Ein interessantes Autorennachwort und ein Literaturverzeichnis runden diesen lesenswerten Roman ab.


    Fazit

    Ein fesselnder Roman aus der Frühzeit der Kinderheilkunde, sehr lesenswert!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 3548064051

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    England 1896: Von der eigenwilligen Helen Mandeville erwartet ihre Familie vor allem eine standesgemäße Heirat. An ihrer Verlobung mit James Mitchell, einem schneidigen Anwalt mit besten Verbindungen, geht kein Weg vorbei. Aber dann verliebt Helen sich auf einer Bildungsreise in den deutschen Arzt Ludwig Ellerweg. Für ihn riskiert sie es, für immer mit ihrer Familie zu brechen.

    Sie löst ihr Verlöbnis und reist heimlich nach Hamburg, um Ludwig zu heiraten. Es ist für beide die große Liebe und die Geburt ihres Sohnes Fritz macht ihr Glück komplett. Doch dann erfährt Helen, dass ihre Mutter im Sterben liegt und sie reist zurück nach England – nicht ahnend, dass der erste Weltkrieg ausbrechen und ihr Leben vollkommen verändern wird.


    Autorin (Quelle: Amazon)

    Melanie Metzenthin lebt in Hamburg, wo sie als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie arbeitet. Sie hat bereits zahlreiche Romane veröffentlicht, in denen psychische Erkrankungen oft eine wichtige Rolle spielen. Beim Schreiben greift die Autorin gern auf ihre berufliche Erfahrung zurück, um aus ihren fiktiven Charakteren glaubhafte Figuren vor einem realistischen Hintergrund zu machen. 2020 wurde sie für ihr Buch »Mehr als die Erinnerung« mit dem DELIA Literaturpreis ausgezeichnet.


    Allgemeines

    Erscheinungstermin: 12. Januar 2021* im Verlag Tinte & Feder als TB mit 461 Seiten
    Gliederung: Prolog – 55 Kapitel – Epilog – Nachwort

    Erzählung in der dritten Person aus der Perspektive der Protagonistin Helen Mandeville

    Handlungsort und -zeit: London, Hamburg, 1896 bis 1946


    Inhalt

    „Die verstummte Liebe“ ist eine lose verknüpfte Vorgeschichte zum Roman „Im Lautlosen“, hier geht es um das Schicksal der Helen Mandeville, Mutter des Chirurgen Dr. Fritz Ellerweg, dieser ist eine der Hauptfiguren des zuvor erschienenen, aber chronologisch später angesiedelten Romans.

    Helen soll als Tochter einer Bankiersfamilie den wohlhabenden Anwalt James Mitchell heiraten. Dieser ist zwar in sie verliebt, nimmt Helen aber als Persönlichkeit mit eigenen Ansichten nicht ernst. Auf einer Bildungsreise lernt sie den jungen Arzt Dr. Ludwig Ellerweg kennen, der sie nicht herablassend behandelt, sondern ihr auf Augenhöhe begegnet. Die jungen Leute verlieben sich ineinander und beginnen Pläne für eine gemeinsame Zukunft zu schmieden. Ihre Eltern dürfen nichts davon erfahren, deshalb besorgt sich Helen heimlich die nötigen Papiere und „flieht“ ein Jahr später nach Erreichen der Volljährigkeit nach Deutschland zu Ludwig. Die beiden führen trotz zweier Schicksalsschläge eine harmonische Ehe…bis der Erste Weltkrieg ausbricht.


    Beurteilung

    Der Beginn des Romans mutet ein wenig wie ein leicht unterhaltender „Frauenroman“ an, in dem das Schicksal einer jungen Frau der englischen Oberschicht geschildert wird, die sich einer ungewollten Heirat entzieht und mit einem geliebten Mann durchbrennt. Dann folgt jedoch die realistisch wirkende Darstellung eines Lebenswegs, der keineswegs ungetrübt ist und schließlich eine tragische Entwicklung nimmt. Überaus beeindruckend ist die differenzierte Ausgestaltung der Charaktere der Romanfiguren, hier lässt sich durchaus erkennen, dass es sich bei der Autorin um einen Menschen mit Erfahrungen mit psychotherapeutischen/ psychiatrischen Tätigkeiten handelt. Besonders die Persönlichkeit der Protagonistin Helen ist sehr gut ausgearbeitet, wobei sie im Verlauf der Handlung immer „unsympathischer“ und egozentrischer wird und gern die Schuld für ihre eigenen Fehler bei Anderen sucht. Auch die anderen Romanfiguren, allen voran James Mitchell, sind glaubwürdig und ohne Schwarzweißmalerei gezeichnet.

    Die Handlung des Romans wird sehr anschaulich und flüssig beschrieben, es werden auch einige historische Fakten zu den deutsch-britischen Beziehungen während des Ersten Weltkriegs vermittelt.

    Im Mittelpunkt steht jedoch nicht der Krieg, sondern eher das innerfamiliäre Verhältnis der Familienmitglieder der Mandevilles und Mitchells in einer Epoche, die von einem zunehmend moderneren Frauen- und Gesellschaftsbild geprägt ist. Besonders die unterschiedlichen Beziehungen zwischen einer Mutter und ihren Kindern werden intensiv beleuchtet.

    Auch dieser Roman wird durch ein Nachwort der Autorin abgerundet, in dem sie über Fakten und Fiktion informiert; die Romanfiguren sind größtenteils fiktiv, es kommen jedoch auch reale historische Persönlichkeiten vor.


    Fazit

    Ein überaus fesselnder Roman über das wechselvolle Schicksal einer willensstarken, egozentrischen Frau im frühen 20. Jahrhundert!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: 9782496703924


    * Für diesen Titel besteht keine Sperrfrist.

    Meine Rezension bezieht sich auf die englische Ausgabe "Gallows Rock". Dort ist dem Roman noch ein Personenverzeichnis mit Hinweisen zur Aussprache der isländischen Namen vorangestellt.


    Kurzbeschreibung (Amazon) zur englischen Ausgabe


    On a jagged, bleak lava field just outside Reykjavik stands the Gallows Rock. Once a place of execution, it is now a tourist attraction. Until this morning, when a man was found hanging from it...

    The nail embedded in his chest proves it wasn't suicide. But when the police go to his flat, a further puzzle awaits: a four-year-old boy has been left there. He doesn't seem to have any link with the victim, his parents cannot be found, and his drawings show he witnessed something terrible.

    As detective Huldar hunts the killer, and child psychologist Freyja looks for the boy's parents, the mystery unfolds: a story of violence, entitlement, and revenge.



    ASIN/ISBN: B07R6MYY88

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    Ein Toter, erhängt auf einer alten Hinrichtungsstätte in einem Lavafeld nahe des Präsidentensitzes. Eine ominöse Nachricht, mit einem Nagel in dessen Brust gerammt. Ein kleiner Junge, den man schließlich in der Wohnung des Toten findet. Schwer traumatisiert. Ohne jegliche Erinnerung.


    Autorin (Quelle: Amazon)

    Yrsa Sigurdardóttir, geboren 1963, ist eine vielfach ausgezeichnete Bestsellerautorin, deren Thriller in über 30 Ländern erscheinen. Sie zählt zu den »besten Kriminalautorinnen der Welt« (Times). Sigurdardóttir lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Reykjavík. Sie debütierte 2005 mit »Das letzte Ritual«, der Erfolgsserie von Thrillern um die junge Rechtsanwältin Dóra Gudmundsdóttir. »Abgrund« ist nach den SPIEGEL-Bestsellern »DNA«, »SOG« und »R.I.P.« der vierte Teil der Thriller-Serie um Kommissar Huldar und Kinderpsychologin Freyja.


    Allgemeines

    Vierter Band der Reihe um Huldar und Freyja

    Titel der Originalausgabe: „Gatið“, ins Deutsche übersetzt von Tina Flecken

    Erschienen am 27. April 2020 im btb Verlag als broschiertes TB mit 400 Seiten
    Gliederung: Roman in 34 Kapiteln

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Reykjavík in der Gegenwart


    Inhalt

    An einer historischen Hinrichtungsstelle wird ein wohlhabender Mann, der häufig geschäftlich im Ausland weilte, erhängt aufgefunden. Als Kommissar Huldar und seine Kollegen die Wohnung des Ermordeten aufsuchen, finden sie dort einen vierjährigen Jungen vor, der sehr eingeschüchtert wirkt und nicht in der Lage ist, Angaben zu seiner Person und Familie zu machen. Das ist ein Fall für die Kinderpsychologin Freyja, die den Kleinen in Obhut nimmt und herauszufinden versucht, wer die Eltern des kleinen Siggi sind.

    Im Laufe der Ermittlungen kristallisiert es sich heraus, dass Helgi, das Mordopfer, gemeinsam mit ein paar langjährigen Freunden in illegale Machenschaften verwickelt war, die geeignet waren, den Beteiligten eine Menge Feinde zu machen…


    Beurteilung

    Anschaulich, aber nicht hochspannend, wird ein komplex konstruierter Fall geschildert, bei dem der Leser als Ermittler zunächst auf eine falsche Spur geschickt wird. Die Ermittlungen muten mit ihrem nur allmählichen Fortschritt und gelegentlichen Rückschlägen glaubwürdig an. Gegen Ende des Romans nimmt die Spannung zu und die Autorin hält eine Überraschung für den Leser bereit.

    Im Mittelpunkt der Handlung stehen erneut Huldar, sein Mitarbeiter Guðlaugur, seine übellaunige Chefin Erla sowie natürlich die Kinderpsychologin Freyja vom Kinderhaus. Diese Charaktere werden detailliert ausgestaltet, angenehmerweise spielt die störanfällige „Beziehungskiste“ zwischen Huldar und Freyja in diesem Band so gut wie keine Rolle.

    Der Kriminalfall wirkt in mancher Hinsicht ein wenig konstruiert, er spricht aber aktuelle gesellschaftliche Themen an, die offensichtlich auch in der isländischen Gesellschaft Probleme darstellen.

    Es ist für das Verständnis dieses Buchs nicht unbedingt erforderlich, die vorherigen drei Bände gelesen zu haben. Wer sie gern gelesen hat, wird auch den vierten Band zu schätzen wissen.


    Fazit

    Unterhaltsamer Island-Krimi ohne viel Blutvergießen – empfehlenswert!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 9783442758470

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    „I love you all“, ruft der gefeierte Rockstar Brad Galloway seinen 22.000 Fans in der Berliner Waldbühne zu. Plötzlich tritt eine unbekannte Frau ins Scheinwerferlicht und überreicht ihm einen mysteriösen Umschlag. Am nächsten Abend wird Galloways ausgeblutete Leiche ans Bett gefesselt im Gästehaus der Polizei gefunden.

    LKA-Ermittler Tom Babylon wird vom Babyschwimmen zum Tatort gerufen. Gemeinsam mit der Psychologin Sita Johanns fahndet er nach der unbekannten Frau. Die Spur führt dreißig Jahre zurück – zu einer heimtückischen Kindesentführung mit dem Decknamen „Hornisse“ – und zu einer Frau, die zwischen zwei Männern stand. Beide waren bereit zu töten. Einer sinnt noch heute auf Rache.

    Und das kann Tom Babylon alles kosten, was er liebt.


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Marc Raabe, 1968 geboren, ist Geschäftsführer und Gesellschafter einer TV- und Medienproduktion. Seine Thriller Schlüssel 17 und Zimmer 19, Auftakt der Serie mit Kommissar Tom Babylon, waren monatelang auf der LITERATUR SPIEGEL Paperback-Bestsellerliste. Raabes Romane sind in über zehn Sprachen übersetzt. Er lebt mit seiner Familie in Köln.


    Allgemeines

    Dritter Band der Reihe um Tom Babylon

    Erschienen am 2. November 2020 im Ullstein Verlag als broschiertes TB mit 544 Seiten
    Gliederung: Prolog – 71 Kapitel – Epilog

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und-zeit: Berlin, Oktober 2019 und Mai bis November 1989


    Inhalt

    In seinem dritten gemeinsamen Fall mit der Kriminalpsychologin Sita Johanns hat es Tom Babylon mit der Ermordung eines berühmten Rockstars zu tun. Dessen verstümmelte Leiche wird ausgerechnet im Gästehaus der Polizei gefunden. Als bei der polizeilichen Untersuchung überraschende Tatsachen zutage treten, die Tom als Verdächtigen in den Fokus der Ermittlungen rücken, muss er untertauchen und herauszufinden versuchen, wer ihm etwas anhängen will und was der Grund dafür ist. Sita Johanns ermittelt von offizieller Seite und unterstützt Tom ohne Wissen ihres Vorgesetzten „inoffiziell“.

    Es verdichten sich Hinweise darauf, dass der aktuelle Mordfall mit der Familiengeschichte der Babylons zusammenhängt.


    Beurteilung

    Auch der dritte Band der Reihe ist inhaltlich äußerst komplex, zumal die Erzählung sich aus zwei Handlungssträngen (2019 und 1989) zusammensetzt, was bei der Lektüre erhöhte Aufmerksamkeit erfordert. Die Handlung schließt sich an die der beiden vorherigen Bände an, es wird immer wieder auf deren Ereignisse Bezug genommen, sodass es unbedingt empfehlenswert ist, die Bände dieser Reihe in der korrekten Reihenfolge zu lesen, um der Handlung folgen zu können.

    Beide Erzählstränge sind von hoher Spannung und rasanten Wendungen geprägt, der Handlungsstrang um die Ereignisse des Jahres 1989 gibt außerdem prägnante Einblicke in die Verhältnisse in der DDR, es werden Dinge aus dem Leben der DDR-Bürger geschildert, die zwar bekannt, aber dennoch nicht weniger beklemmend sind. Der Erzählstil des Autors ist sehr anschaulich, er schreckt auch vor brutalen Szenen nicht zurück. Einige Einzelheiten wirken nicht vollkommen realistisch.

    Den Charakteren der Hauptfiguren, insbesondere den Mitgliedern der Familie Babylon, wird viel Aufmerksamkeit gewidmet; Tom Babylon wird als Mensch mit vielen Facetten sehr differenziert dargestellt.


    Fazit

    Ein intelligent konstruierter und spannender Kriminalroman, den man nur mit Kenntnis der beiden vorherigen Bände der Reihe lesen sollte, um der Handlung vollständig folgen zu können!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: 3864931517

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    Three sisters.

    Three secrets.

    Three ways to fall . . .

    England, 1628.

    Forcibly seduced by the powerful George Villiers, doctor's daughter Hester is cast aside to raise her son alone and in secret. She hopes never to see Villiers again.

    Melis's visions cause disquiet and talk. She sees what others can't - and what has yet to be. She'd be denounced as a witch if Hester wasn't so carefully protective.

    Young Hope's beauty marks her out, drawing unwelcome attention to the family. Yet she cannot always resist others' advances. And her sisters cannot always be on their guard.

    When Villiers decides to claim his son against Hester's wishes, the sisters find themselves almost friendless and at his mercy.

    But the women hold a grave secret - will it be their undoing or their salvation?

    Because in the right hands, a secret is the deadliest weapon of all . . .


    Autorin (Quelle: Amazon)

    E.C. Fremantle holds a First for her BA in English and an MA in Creative Writing from Birkbeck. As Elizabeth Fremantle she is the critically acclaimed author of four Tudor historical novels: Queen's Gambit, Sisters of Treason, Watch the Lady and The Girl in the Glass Tower. She lives in London and Norfolk.


    Allgemeines

    Erschienen am 6. August 2020 bei Michael Joseph als HC mit 368 Seiten
    Gliederung: Prolog (Foreword) – Roman in drei Hauptteilen, Kapiteln jeweils mit dem Namen wechselnder Romanfiguren überschrieben – Autorennachwort – Danksagung

    Teilweise Ich-Erzählung, teilweise Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: diverse Orte in England, August 1628


    Inhalt

    Die Schwestern Hester und Melis sowie ihre Halbschwester Hope leben auf dem Land und bestreiten durch Imkerei und Näharbeiten ihren Lebensunterhalt. Hester, die nach dem Tod ihres Vaters, eines Landarztes, zwischenzeitlich beim Duke of Buckingham,George Villiers, angestellt war, ist zu ihren Schwestern zurückgekehrt, nachdem sie von ihrem Arbeitgeber vergewaltigt und geschwängert wurde. Neun Jahre später, im Sommer 1628, erscheint er plötzlich bei Hester und erhebt Anspruch auf die „Herausgabe“ und Erziehung des gemeinsamen Sohnes Rafe, für den er sich bisher nicht interessiert hat. Da er als Favorit des Königs James I ein mächtiger Mann ist und Hester mit Zwangsmaßnahmen droht, beschließt diese, mit ihrer Familie zu fliehen. Für ihren Sohn würde sie alles tun! Villiers setzt einen ehemaligen Soldaten und mehrfachen Mörder auf Hester an, es folgt eine erbarmungslose Hetzjagd durch Südengland.


    Beurteilung

    Dieser Roman unterscheidet sich von den vorherigen Werken der Autorin dadurch, dass Elizabeth Fremantle hier von den historischen Fakten deutlich abweicht und wesentlich mehr Fiktives einbaut. Die Figur des George Villiers ist zwar historisch verbürgt und seine Charakterschilderung sowie sein Lebenslauf und sein früher Tod sind grundsätzlich faktenbasiert, die Geschichte der Beziehung zu dem drei Schwestern ist jedoch vollständig erfunden. Bei Hester, Melis und Hope handelt es sich um fiktive Figuren, die allerdings konkreten Personen des frühen 17. Jahrhunderts nachempfunden sind und – laut Autorin im Nachwort – exemplarisch für bestimmte Typen von Frauen und ihre gesellschaftlichen Rollen der Epoche stehen. Die drei verwaisten Schwestern haben keinen männlichen Beschützer, Hester hat für das an ihr verübte Unrecht keine Entschädigung erfahren und soll sogar noch widerspruchslos ihren Sohn aufgeben. Melis hat das „zweite Gesicht“ und wird in einer Gesellschaft, in der der Hexenglaube gängig ist, mit Misstrauen beäugt. Die jüngste (Halb)schwester Hope ist eine Mulattin, was sie Diskriminierung und mangelnder Respektierung durch Männer aussetzt.

    Der Erzählstil ist äußerst flüssig und anschaulich, die Spannungskurve verläuft nahezu von Beginn an sehr steil. Es gelingt der Autorin, beim Leser Empathie für Hester und ihre Familie sowie große Angst um deren Überleben zu erzeugen. Gleichzeitig bringt sie es zustande, auch den gedungenen Mörder nicht nur als Unmenschen darzustellen, sondern ihn eine gewisse Menschlichkeit zu verleihen und zumindest teilweise sein Verhalten nachvollziehbar zu machen. Durch den Wechsel der Erzählperspektiven (Ich-Erzählung von Hester, Erzählung in der dritten Person über die anderen Hauptfiguren) gestaltet sich die Lektüre sehr kurzweilig.


    Fazit

    Weniger faktengetreu und deutlich fiktiver als die anderen Romane der Autorin, aber mindestens ebenso fesselnd, sehr spannende Unterhaltung!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: 071818050X

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    How can a mother just stand by when her daughter is being cozened into sin?

    It’s 1360, eleven years since the Black Death devastated all of England, and six years since Emma Ward fled Meonbridge with her children, to find a more prosperous life in Winchester. Long satisfied that she’d made the right decision, Emma is now terrified that she was wrong. For she’s convinced her daughter Bea is in grave danger, being exploited by her scheming and immoral mistress.

    Bea herself is confused: fearful and ashamed of her sudden descent into sin, but also thrilled by her wealthy and attentive client.

    When Emma resolves to rescue Bea from ruin and tricks her into returning to Meonbridge, Bea doesn’t at first suspect her mother’s motives. She is happy to renew her former friendships but, yearning for her rich lover, Bea soon absconds back to the city. Yet, only months later, plague is stalking Winchester again and, in terror, Bea flees once more to Meonbridge.

    But, this time, she finds herself unwelcome, and fear, hostility and hatred threaten…

    Terror, betrayal and deceit, but also love and courage, in a time of continuing change and challenge – Children’s Fate, the fourth MEONBRIDGE CHRONICLE.


    Autorin (Quelle: Amazon)

    CAROLYN HUGHES has lived much of her life in Hampshire. With a first degree in Classics and English, she started working life as a computer programmer, then a very new profession. But it was technical authoring that later proved her vocation, as she wrote and edited material, some fascinating, some dull, for an array of different clients, including banks, an international hotel group and medical instruments manufacturers. Having written creatively for most of her adult life, it was not until her children flew the nest several years ago that writing historical fiction took centre stage, alongside gaining a Master's degree in Creative Writing from Portsmouth University and a PhD from the University of Southampton.


    Allgemeines

    Vierter Band der Meonbridge Chronicles

    Erschienen am 28. Oktober 2020 bei Riverdown Books als E-Book mit einem Umfang entsprechend 452 Seiten
    Gliederung: Personenverzeichnis – Prolog – 40 Kapitel -Epilog – Autorennachwort – Danksagung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsorte und -zeit: Winchester und Meonbridge, 1360 bis 1362


    Inhalt

    Im vierten Band der Meonbridge Chronicles begegnet der Leser erneut vielen alten Bekannten, den Bewohnern des fiktiven Dorfes Meonbridge. Seit den in „De Bohun´s Destiny“ geschilderten Ereignissen sind zwei weitere Jahre vergangen, inzwischen schreibt man das Jahr 1360. Emma Ward, zum zweiten Mal verwitwet, ist mit ihren überlebenden Kindern Beatrix, Ami und Bart nach Winchester gegangen, wo sie als Weberin ihren Lebensunterhalt verdient. Als sich Anzeichen verdichten, dass ihre Tochter Bea unter der Obhut der Stickerin und Lehrmeisterin Sybilla Brouderer in schlechte Gesellschaft geraten ist, möchte Emma mit ihrer Familie nach Meonbridge zurückkehren. Bea kann sich jedoch nicht wieder an das Dorfleben gewöhnen und kehrt allein nach Winchester zurück. Erst als sie dort in Schwierigkeiten gerät, reist sie erneut nach Meonbridge. Kurz nach ihrer Rückkehr flackert elf Jahren nach dem großen Seuchenzug der Pest die schreckliche Krankheit erneut auf und fordert diesmal vor allem Opfer unter den Kindern. Die Dorfbewohner sind davon überzeugt, dass Bea die Pest aus Winchester mitgebracht hat und dass ihr sündiges Leben in der Stadt Gottes Zorn auf das Dorf herabbeschworen hat. Voller Hass wollen sie an dem jungen Mädchen Rache nehmen; ihrer Mutter Emma, die ihre Tochter beschützen will, schlägt plötzlich ebenfalls Ablehnung entgegen.


    Beurteilung

    Das Dorf Meonbridge und seine Bewohner sind fiktiv, der historische Hintergrund des Romans ist jedoch real und gut recherchiert. Der Roman thematisiert den zweiten Zug des Schwarzen Todes durch England im Jahr 1360, der kurz nach einer Sonnenfinsternis (5. Mai 1361), die als böses Omen interpretiert wird, stattfindet. Diesem zweiten Seuchenzug fallen vor allem Kinder zum Opfer. Sehr eindringlich schildert die Autorin den Schmerz der verwaisten Eltern sowie die Dynamik in der Dorfgemeinschaft, einer Gemeinschaft, die den Schrecken der Krankheit hilf- und ratlos gegenübersteht und einen „Schuldigen“ sucht. Es lassen sich durchaus Parallelen zur gegenwärtigen Corona-Pandemie erkennen.

    Auch die Darstellung des Lebens in der mittelalterlichen Stadt fußt auf historisch verbürgten Hintergründen, die Figur der Sybilla Brouderer ist nach einer realen Lehrmeisterin des 14. Jahrhunderts entworfen, die ihre Lehrmädchen in die Prostitution trieb – offenbar kein Einzelfall in der damaligen Zeit.

    Die Romanfiguren sind in Bezug auf ihre Charaktere gründlich ausgearbeitet, ihre Lebensgeschichten und Beziehungen untereinander sind seit dem ersten Band einer fortlaufenden Entwicklung unterworfen, weshalb es unbedingt ratsam ist, die Bände in der korrekten Reihenfolge zu lesen.

    Der anschauliche Erzählstil ist zunächst ruhig, um dann mit dem Auftreten der Pest bedeutend an Spannung und Dramatik zu gewinnen.

    Dem Roman ist ein umfangreiches Personenverzeichnis voran- und ein ausführliches Autorennachwort nachgestellt.


    Fazit

    Eine sehr gelungene Fortsetzung einer insgesamt lesenswerten Reihe, die sich mit dem Leben der englischen Dorfbevölkerung im 14. Jahrhundert beschäftigt, uneingeschränkt empfehlenswert für Freunde gut recherchierter historischer Romane!

    10 Punkte

    ASIN/ISBN: B08LZLW9S1

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    In einer regnerischen Herbstnacht werden die Privatdetektive Rica und Jan Kantzius Zeugen eines grauenhaften Zwischenfalls an einer Autobahnraststätte: Ein panisches Mädchen rennt direkt auf die Fahrbahn und wird von einem Auto erfasst, jede Hilfe kommt zu spät. An der Raststätte findet sich die Leiche eines Mannes, der das Mädchen offenbar entführt und sich dann erschossen hat. Die Privatdetektive stellen Nachforschungen an und finden heraus, dass es weitere Teenager gibt, die auf ähnliche Weise kurz nach einem Umzug verschwunden sind. Eine Spur führt zu »Amissa«, einer Hilfsorganisation, die weltweit nach vermissten Personen sucht und für die Rica arbeitet. Plötzlich ist nichts mehr, wie es war, und Rica und Jan kommen Dingen auf die Spur, von denen sie lieber nie gewusst hätten.


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Frank Kodiak ist das Pseudonym für Andreas Winkelmann, geboren 1968, der bei Rowohlt (rororo) schon etliche Thriller veröffentlicht hat. Mit »Das Haus der Mädchen« stand er monatelang unter den Top 10 der Spiegel-Bestsellerliste, »Die Lieferung« erreichte Platz 1. Schon früh entwickelte er eine Leidenschaft für spannende, unheimliche Geschichten. Bevor er sein erstes Buch veröffentlichte, arbeitete er nach dem Studium der Sportwissenschaften zunächst jedoch als Soldat, Sportlehrer, Taxifahrer, Versicherungsfachmann und freier Redakteur. Mit seiner Familie lebt er in der Nähe von Bremen – in einem einsamen Haus am Waldrand.

    Mehr über Andreas Winkelmann: andreaswinkelmann.com


    Allgemeines

    Erster Band einer Trilogie um Jan und Rica Kantzius

    Erschienen am 2. November 2020 bei Droemer Knaur als TB mit 400 Seiten
    Gliederung: Sieben Hauptkapitel mit jeweils mehreren kürzeren Kapiteln – Danksagung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: diverse Orte in Deutschland und Tschechien, in der Gegenwart


    Inhalt

    Nach einem heftigen Streit mit ihren Eltern läuft die siebzehnjährige Leila wutentbrannt aus dem Haus und verschwindet spurlos. Grund für den Streit ist der berufsbedingte Umzug, das Mädchen verkraftet es nicht, aus ihrem Freundeskreis gerissen worden zu sein.

    Am selben Abend werden die Privatdetektive Jan und Rica Kantzius zufällig Zeugen einer Tragödie auf der Autobahn. Ein junges Mädchen, das anscheinend vor jemandem flieht, läuft kopflos auf die Fahrbahn und wird getötet. Kurz darauf brennt ganz in der Nähe ein Wohnwagen, in dem ein Mann, der sich offenbar selbst in den Kopf geschossen hat, verbrennt. Während es für die mit dem Fall betrauten Polizisten klar scheint, dass der Mann im Wohnwagen sich erschossen hat, nachdem ihm das Mädchen entkommen ist, sind Jan und Rica misstrauisch, zumal ein wichtiger Zeuge plötzlich nicht mehr auffindbar ist. Ihre eigenen Recherchen deuten darauf hin, dass es weitere Mädchen gibt, die nach einem Umzug vermisst werden, diese Mädchen hatten sich auf sozialen Netzwerken ihre Wut auf ihre Eltern von der Seele geschrieben…


    Beurteilung

    Die beiden Protagonisten der neuen Thriller-Reihe sind unkonventionelle Persönlichkeiten: Jan Kantzius hat früher bei der Polizei gearbeitet; seitdem er Privatdetektiv ist, fühlt er sich bei seinen Ermittlungen nicht mehr an das Gesetz gebunden und schreckt bei Befragungen auch nicht vor harten Bandagen zurück. Seine Frau Rica stammt aus der Karibik und hat in Deutschland üble Erfahrungen gemacht, unter denen Rassismus noch die harmloseste ist. Aufgrund ihrer eigenen traumatischen Erfahrungen arbeitet sie für „Amissa“, eine Organisation, die sich der Suche nach vermissten Menschen widmet. Das Ehepaar macht sich auf die Suche nach der verschwundenen Leila Eidinger und stößt dabei auf eine Reihe weiterer Fälle, in denen junge Mädchen augenscheinlich von zuhause ausgerissen sind. Die Charaktere der beiden Hauptfiguren sind gründlich ausgearbeitet, ihre Vorgeschichten werden zunächst nur angedeutet und dann im weiteren Verlauf der Handlung nach und nach enthüllt.

    Die Handlung des Romans ist gut konstruiert und in den Details zum Kriminalfall leider auch recht realitätsnah, die Ermittlungsmethoden von Jan Kantzius sind allerdings ebenso grenzwertig wie effektiv und damit nicht vollkommen glaubwürdig. Dennoch kann man nicht umhin, ihm für seinen harten Umgang mit Kriminellen einen gewissen Beifall zu zollen.

    Der überaus flüssige und spannende Erzählstil ist sehr fesselnd, allerdings enthält der Thriller auch einige sehr brutale Szenen, die geschilderte Brutalität passt allerdings „sinnvoll“ in die Handlung und ist kein Selbstzweck.


    Fazit

    Ein fesselnder und vielversprechender Auftakt einer Trilogie um zwei unkonventionelle Privatermittler!

    8 Punkte