Beiträge von €nigma

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Zusammen sind sie in Berlin aufgewachsen: die Freunde Robert, Johannes, Ilse und Ella. Bis der Krieg sie trennte. Nun herrscht Frieden, doch die Wunden sind tief. Auch der Bahnhof Friedrichstraße wurde teilweise zerstört. Eines ist zum Glück geblieben: Johannes’ Kiosk, der Fixpunkt der Freunde, die längst zu einer Familie geworden sind. Vor allem für Roberts Tochter Lilli ist er immer wieder Zuflucht. Hier lernte sie ihre große Liebe Michael kennen – doch er verschwand von einem Tag auf den anderen aus ihrem Leben. Und nun muss Lilli ihre Zwillingsmädchen Anne und Cornelia allein großziehen. Dabei merkt sie, dass es vor allem die Frauen sind, die in diesen ersten Nachkriegsjahren fest zusammenhalten, um zu überleben. In einer zunehmend geteilten Stadt wird der Zusammenhalt wichtiger als je zuvor. Und ausgerechnet der Bahnhof Friedrichstraße mit dem angrenzenden Tränenpalast wird zum Symbol der deutsch-deutschen Trennung.


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Ulrike Schweikert arbeitete nach einer Banklehre als Wertpapierhändlerin, studierte Geologie und Journalismus. Seit ihrem Romandebüt «Die Tochter des Salzsieders» ist sie eine der bekanntesten deutschen Autorinnen historischer Romane. Beide Bände ihrer Erfolgsreihe «Die Charité» standen in den Top 10 der Bestsellerliste und verkauften sich insgesamt über 200.000-mal. Zuletzt begeisterte die Verfilmung ihrer Jugendbuchserie «Die Erben der Nacht» zahlreiche Zuschauer.


    Allgemeines

    Zweiter Band der zweiteiligen Friedrichstraßensaga

    Erschienen am 17.05. 2022 bei Rowohlt als TB mit 560 Seiten

    Gliederung: Prolog – 31 Kapitel – Epilog - Nachwort „Dichtung und Wahrheit“ – Danksagung – Auszug aus der verwendeten Literatur – Quellenangaben

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Berlin, 1938 (Prolog) bis 1989 (Epilog)


    Inhalt

    Der zweite Teil der Friedrichstraßensaga setzt die Geschichte der Protagonisten aus „Novembersturm“ sowie ihrer Kinder und Enkelkinder fort und sollte erst im Anschluss an den ersten Band gelesen werden.

    Die Handlung des Hauptteils setzt im letzten Kriegsjahr ein, Lilli Wagenbach ist 1944 Mutter der Zwillingstöchter Anne und Cornelia geworden; als Alleinerziehende mit der Verantwortung für zwei Kleinkinder leidet sie besonders unter den Luftangriffen der Alliierten sowie der Nahrungsmittelknappheit, die auch nach Kriegsende noch lange anhält. Während in Westberlin und den Gebieten, die später zur Bundesrepublik Deutschland gehören, die Versorgungslage relativ schnell besser wird, geht in den Ostgebieten unter Kontrolle der Russen nichts voran. In der 1949 gegründeten Deutschen Demokratischen Republik, dem sozialistischen Staat der Arbeiter und Bauern, errichtet die Einheitspartei SED ein diktatorisches Regime, das die Bürger ausspioniert, jegliche freie Meinungsäußerung unterdrückt und unter Strafe stellt – ebenso wie „Republikflucht“ von Menschen, die das Land verlassen wollen. Im Jahr 1961 wird die Mauer als „antifaschistischer Schutzwall“ errichtet, was zur Trennung von Familien und Freunden führt und viel Leid und zahlreiche Todesfälle an der Grenze nach sich zieht. Erst nach 28 langen Jahren fällt die Mauer.


    Beurteilung

    Der überaus gründlich recherchierte und aus sehr umfangreichen Quellen gespeiste Roman schildert das Leben einer fiktiven Familie und ihrer engsten Freunde vor dem Hintergrund der deutsch-deutschen Geschichte von 1944 bis 1989. Die politische Situation in der DDR und das Alltagsleben ihrer Bürger, das von massiver Unterdrückung, Bespitzelung und Warenknappheit geprägt ist, wird sehr eindrücklich geschildert. Lillis Töchter, die Zwillinge Anne und Cornelia, die in der Schule im Sinne des Sozialismus erzogen werden, sind zunächst stolz darauf, ab Schuleintritt zu den Pionieren zu gehören und haben Freude an den Gemeinschaftsaktivitäten. Ihre Mutter Lilli, die mehr von den wahren Verhältnissen im Land wahrnimmt, muss jedes Wort den Töchtern und auch anderen Menschen gegenüber auf die Goldwaage legen, da eine im privaten Kreis geäußerte Kritik an der Regierung bereits zur Inhaftierung führen kann, wenn man dem MfS gemeldet wird. Mit zunehmender Reife erwacht auch bei Anne und Cornelia der Widerstand, als ihnen die Repressalien und das Unrecht in ihrem Land zunehmend bewusst werden. Das Fass läuft über, als Anne, eine sehr gute Schülerin, kein Abitur machen darf, weil sie nicht in der „richtigen“ Jugendorganisation ist und mit „missliebigen“ Menschen (Christen) verkehrt.

    Die Autorin hat die Charakterisierung ihrer Figuren differenziert ausgearbeitet, besonders Lilli und ihre beiden Töchter sind jeweils auf ihre eigene Art starke Persönlichkeiten.

    Auch wenn die Geschichte der DDR bekannt ist, rüttelt dieser anschauliche Roman mit seinen schockierenden Einblicken in das Leben der DDR-Bürger den Leser zutiefst auf, nicht zuletzt anhand der unfassbaren Zustände in der sogenannten Justiz: unrechtmäßige Verhaftungen, unmenschliche Haftbedingungen etc.

    Der ebenso bedrückende wie auch fesselnde Roman wird durch ein Autorennachwort zu Fakten und Fiktion sowie durch ein äußerst umfangreiches Quellenverzeichnis (Bücher, Magazine, Filme) abgerundet.


    Fazit

    Ein sehr eindrücklicher Einblick in die politische Situation und das Leben der Bürger in der DDR, gut recherchiert und bedrückend anschaulich geschildert, fesselnd und informativ!

    10 Punkte

    ASIN/ISBN: 3499000105

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Hamburg, 1911: In Deutschlands größtem Auswandererhafen kümmern sich die Ärztin Anne Fitzpatrick und die angehende Pädagogin Helene Curtius um Familien. Anne und Helene sorgen sich vor allem um die Kinder, von denen viele traumatische Erfahrungen gemacht haben. Plötzlich häufen sich unter den Ärmsten unerklärliche Todesfälle. Kommissar Berthold Rheydt sieht sich die Sache genauer an und stellt fest: Die Opfer wurden vergiftet. Wer hat ein Interesse daran, die Menschen scheinbar wahllos zu töten? Als die drei auf ein toxisches Interessensgeflecht stoßen, begreifen sie: An dem Geschäft mit den Auswanderern lässt sich eine Menge Geld verdienen …


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Henrike Engel pendelte in ihrem Leben ständig zwischen Berlin und München, mit beiden Städten verbindet sie eine komplizierte Liebesbeziehung. Eines aber ist konstant geblieben: ihre Liebe zu Hamburg! Manche Träume jedoch müssen unerfüllt bleiben, und so hat die ehemalige Drehbuchautorin nicht ihren Wohnort in die Hafenstadt verlegt, sondern träumt sich lieber schreibend dorthin.


    Allgemeines

    Zweiter Band der Reihe „Die Hafenärztin“

    Erschienen am 28. April 2022 als eBook, am 27. Mai 2022 im Ullstein Verlag als TB mit 464 Seiten

    Gliederung: Roman in 37 Kapiteln – Epilog – Danksagung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Hamburg, 1911


    Inhalt

    Dr. Anne Fitzpatrick arbeitet nicht nur in ihrer Praxis, sondern ist auch in den Auswandererhallen als Ärztin tätig, sie ist für die medizinische Untersuchung und Betreuung der Emigranten zuständig. Auch die inzwischen mit ihr befreundete Helene Curtius, die das Lehrerinnenseminar besucht, arbeitet als Praktikantin im Hafen, sie betreut und unterrichtet die Kinder der Auswanderer, die manchmal tage- oder wochenlang auf ihre Ausschiffung warten müssen. Als trotz strikter Hygienemaßnahmen mehrere Kinder an Magen-Darm-Erkrankungen leiden und es sogar Todesfälle gibt, vermutet Anne, dass die Kinder gezielt vergiftet wurden. Sowohl ihr Vorgesetzter als auch die Polizei nehmen ihren Verdacht nicht ernst. Deshalb kontaktiert sie Kommissar Berthold Rheydt, dieser kennt sie bereits und schenkt ihr Glauben, aber er ist seinerseits gerade mit dem Mord an einem Zuhälter beschäftigt. Als bei dem Ermordeten ein Giftkoffer gefunden wird, muss Berthold sich die Zeit nehmen, sich auch um die mysteriösen Fälle im Hafen zu kümmern…


    Beurteilung

    Der zweite Band der „Hafenärztin“-Reihe sollte unbedingt erst im Anschluss an den ersten Band gelesen werden, da es sonst schwierig wird, den Zusammenhängen vollständig zu folgen. Außerdem wird der Name des Täters des Vorgängerbandes mehrfach genannt.

    Im Mittelpunkt des vorliegenden Bandes steht das Schicksal der Auswanderer, vor allem der Ärmeren unter ihnen. Alleinreisende junge Frauen und Mädchen sind in Gefahr, in die Fänge von Menschenhändlern zu geraten und als Prostituierte zu enden, auch Kinder und Männer sind der Gefahr der Ausbeutung ausgesetzt.

    Anne Fitzpatrick wird inzwischen als Ärztin größtenteils akzeptiert und auch Helene Curtius hat mittlerweile einen Weg gefunden, sich aus dem engen Korsett ihres protestantischen Elternhauses zu befreien, doch die weniger privilegierten Frauen sind weiterhin gegenüber Männern weitgehend rechtlos. Deshalb hat sich eine Gruppe junger Frauen, die sich „Die Lilith“ nennt, zusammengeschlossen und auf einen Rachefeldzug gegen Unterdrücker und Ausbeuter begeben. Im Gegensatz zu den meisten anderen Frauenrechtlerinnen der Zeit scheuen sie nicht vor Gewalttätigkeit zurück.

    Auch im zweiten Band der Reihe spielen neue Ermittlungsmethoden der Polizei (Sicherung von Fingerabdrücken, Vermeidung der Verunreinigung von Tatorten, Fotografie von Tatorten, wissenschaftliche Nachweise von Gift) eine interessante Rolle.

    Die Charaktere der drei Protagonisten, aus deren Perspektive jeweils abwechselnd berichtet wird, sind erneut differenziert ausgearbeitet, im vorliegenden Band agiert die Ärztin nicht mehr so unlogisch und sprunghaft wie zuvor.

    Der Erzählstil ist anschaulich und stellenweise recht spannend. Den Fußballspielen der Polizeimannschaft wird glücklicherweise diesmal weniger Aufmerksamkeit gewidmet.


    Fazit

    Ein historischer Krimi, der fesselnde Unterhaltung bietet, aber erst im Anschluss an den ersten Band gelesen werden sollte!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: B09BW5S5JP

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    Finn und Layla: jung, verliebt, ihr ganzes Leben liegt vor ihnen. Doch auf dem Heimweg von einem Urlaub in Frankreich passiert etwas Schreckliches. Finn hält an einer Raststation und lässt Layla kurz allein im Wagen. Als er zurückkehrt, ist Layla verschwunden und wird nie wieder gesehen. Das ist die Geschichte, die Finn der Polizei erzählt. Es ist die Wahrheit. Aber nicht die ganze.

    Zwölf Jahre später hat Finn sich ein neues Leben aufgebaut. Er ist glücklich mit seiner Freundin Ellen – Laylas Schwester. Doch dann erhält er einen Anruf. Jemand hat Layla gesehen. Kurz darauf häufen sich die Zeichen, dass Layla sich ganz in der Nähe aufhält. Doch ist sie wirklich noch am Leben? Finn weiß nicht mehr, was er glauben soll. Vielleicht spielt jemand nur ein grausames Spiel mit ihm – aber aus welchem Grund?


    Autorin (Quelle: Amazon)

    B.A. Paris wuchs in England auf, hat jedoch den Großteil ihres Erwachsenenlebens in Frankreich verbracht. Sie arbeitete in der Finanzbranche und als Lehrerin, bevor sie sich dem Schreiben zuwandte. Gemeinsam mit ihrem Ehemann und ihren fünf Töchtern lebte sie heute wieder in England. Nach »Saving Grace – Bis dein Tod uns scheidet« und »Breakdown – Sie musste sterben. Und du bist schuld.« erscheint mit »Solange du schweigst« ihr dritter Roman im Blanvalet Verlag.


    Allgemeines

    Titel der Originalausgabe: “Bring me back“, ins Deutsche übersetzt von Wulf Bergner

    Erschienen am 16. März 2020 im Blanvalet Taschenbuch Verlag mit 352 Seiten

    Gliederung: Prolog – drei Hauptteile mit insgesamt 57 Kapiteln – Epilog – Danksagung

    Ich-Erzählung, wechselnd von Finn und Layla

    Handlungsort und -zeit: England – 2007 (damals) und 2019 (heute)


    Inhalt und Beurteilung

    2007 verschwindet Finns Freundin Layla während einer Urlaubsreise in Frankreich von einer Raststätte. Finn wird von der französischen Polizei intensiv vernommen, aber man kann ihm nicht nachweisen, dass er etwas mit dem Verschwinden seiner Partnerin zu tun hat.

    2019 ist Finn mit Ellen, der Schwester der Vermissten, die er anlässlich einer Gedenkfeier für Layla kennengelernt hat, liiert. Als die beiden beschließen, in Kürze zu heiraten, erhält Finn mysteriöse E-Mails, die darauf hindeuten, dass Layla noch lebt; auf dem Grundstück des Paares werden russische Holzpüppchen hinterlassen, die in Finns Beziehung zu Layla eine Rolle spielten. Finn ist sehr verunsichert, er weiß nicht, ob Layla selbst ihn kontaktiert und ihn „zurückhaben“ will oder ob jemand aus seinem Bekanntenkreis Psychoterror treibt.


    Die Handlung des Romans wird wechselnd auf zwei Zeitebenen (damals, 2007) und heute (zwölf Jahre später) sowie aus zwei Erzählperspektiven (Finn und Layla) geschildert. Dabei erhält der Leser nach und nach Informationen, die seine Sicht auf die Dinge verändern und zur Aufstellung neuer Hypothesen anregen. Der Plot ist einfallsreich konstruiert, entbehrt aber jeder Realitätsnähe – viele Details würden einem Realitätscheck nicht standhalten. Die drei Hauptfiguren Finn, Layla und Ellen sind als Charaktere individuell ausgearbeitet, Finn und Layla sind allerdings beide sehr egozentrische, unsympathische Persönlichkeiten, deren Handeln meist nicht nachvollziehbar ist. Die Auflösung ist bemüht, offene Fragen zu klären, wirkt allerdings wenig glaubwürdig.

    Der Erzählstil ist anschaulich und stellenweise auch recht spannend, sodass man trotz geringer Identifikation mit den Protagonisten motiviert ist, weiterzulesen.


    Fazit

    Ein Krimi mit einer eher unglaubwürdigen Handlung, der trotzdem unterhaltsam ist, wenn man nicht allzu große Ansprüche an eine stringente Handlung hat!

    6 Punkte



    ASIN/ISBN: B07QQFTPJN

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    1836, Prussia. Hanne is nearly fifteen and the domestic world of womanhood is quickly closing in on her. A child of nature, she yearns instead for the rush of the river, the wind dancing around her. Hanne finds little comfort in the local girls and friendship doesn't come easily, until she meets Thea and she finds in her a kindred spirit and finally, acceptance.

    Hanne's family are Old Lutherans, and in her small village hushed worship is done secretly - this is a community under threat. But when they are granted safe passage to Australia, the community rejoices: at last a place they can pray without fear, a permanent home. Freedom.

    It's a promise of freedom that will have devastating consequences for Hanne and Thea, but, on that long and brutal journey, their bond proves too strong for even nature to break . . .


    Autorin (Quelle: Amazon)

    Hannah Kent was born in Adelaide in 1985. She is the co-founder and publishing director of Australian literary journal Kill Your Darlings. In 2011 she won the inaugural Writing Australia Unpublished Manuscript Award. She is the author of Burial Rites and The Good People.


    Allgemeines

    Erschienen am 3. Februar 2022 bei Picador als TB mit 432 Seiten

    Gliederung: Drei Hauptteile (Tage) , einzelne Kapitel jeweils mit Überschriften versehen – Nachwort – Danksagungen

    Ich-Erzählung der Protagonistin Hanne Nussbaum

    Handlungsorte und -zeit: Preußen, Australien sowie das Segelschiff für die lange Seereise, 1836 bis ca.1848


    Inhalt

    Johanne Nussbaum lebt mit ihrem Zwillingsbruder Matthias und ihren Eltern in einer altlutherischen Gemeinde in Preußen. Der Alltag im Haus ist durch Arbeit und den Glauben bestimmt. Hanne fühlt sich der Natur verbunden und hält sich am liebsten im Freien auf, doch jetzt – mit knapp 15 Jahren - soll sie nach dem Wunsch ihrer Mutter an ihre Rolle als Frau herangeführt werden und sich „weiblichen“ Tätigkeiten widmen. An die anderen jungen Frauen im Dorf, die schon an ihrer Aussteuer arbeiten, findet sie keinen Anschluss. Erst als die gleichaltrige Thea Eichenwald mit ihren Eltern ins Dorf zieht, findet Hanne in ihr eine Freundin, die sie so akzeptiert wie sie ist. Aus der Beziehung der beiden jungen Frau entwickelt sich eine tiefe Liebe, für die sie jedoch lange keine Worte finden, da eine solche Beziehung in der altlutherischen Gemeinde absolut unvorstellbar ist.

    Als die Altlutheraner nach vielen Anfragen endlich die Erlaubnis erhalten, das Land, in dem sie sich religiös gegängelt fühlen, zu verlassen, machen sich fast alle Einwohner auf den langen beschwerlichen Seeweg nach Süd-Australien. Nicht alle Emigranten werden ihr Ziel erreichen und auch die Härten der Existenz im frisch gegründeten Heiligendorf in der neuen Heimat fordern noch manches Menschenleben…


    Beurteilung

    „Devotion“ ist eine Mischung aus historischem Roman, Liebesroman (kein Erotikroman!) und phantastischer Literatur.

    Da das Leben der Menschen in einer altlutherischen Gemeinde der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sowie deren Auswanderung aus religiösen Gründen und auch die Beschwerlichkeiten der langen Seereise nach Australien sehr authentisch geschildert werden, scheint mir eine Einordnung bei den „Historischen Romanen“ angemessen.

    Der Roman schildert eindringlich den Alltag in einer von Glauben und tradierten Konventionen geprägten Gemeinschaft und die Entwicklung einer jungen Frau, die die Erwartungen dieser Gemeinschaft nicht erfüllen kann und will. Nicht nur Hanne, sondern auch Thea und vor allem ihre Mutter Anna Maria ecken in diesem Gesellschaftsgefüge immer wieder an. Anna Maria kennt sich mit Heilkräutern aus und besitzt ein geheimnisvolles Buch, dessen Wissen sie nutzbringend anwendet, was dazu führt, dass sie von den Dorfbewohnern aufgrund deren engen geistigen Horizonts argwöhnisch beäugt wird.

    Die Liebesgeschichte zwischen Hanne und Thea wird sehr zart geschildert, wobei es eine Weile dauert, bis die beiden sich überhaupt eingestehen, dass sie mehr als Freundschaft verbindet. Im Laufe dieser Beziehung kommt das Übernatürliche ins Spiel – eine Entwicklung, aufgrund derer die Handlung den Raum der Realität verlässt. Auch wenn man Romane dieser Art normalerweise nicht liest, ist dieser durch und durch fiktive und phantastische Handlungsstrang ein sehr fesselndes Gedankenspiel. Um nicht zu spoilern, soll auf diesen Aspekt nicht weiter eingegangen werden.

    Die Charakterisierung der Romanfiguren ist nicht nur in Bezug auf die Protagonistinnen sehr gut gelungen und der Erzählstil ist nicht nur anschaulich, sondern auch sehr berührend und stellenweise geradezu poetisch.


    Fazit

    Eine sehr fesselnde Mischung aus Historie, kitschfreiem Liebesroman und phantastischen Elementen, außergewöhnlich und sehr lesenswert!
    9 Punkte


    ASIN/ISBN: 1509863893

    Inhalt

    Die Journalistin Agnes Tveit und ihr Lebensgefährte, der Chirurg Fredrik Dahl, kehren aus Oslo in Agnes´ Heimatort Voss zurück, wo Agnes für eine kleine Zeitung arbeiten will. Sie soll einen Artikel über ein Extremsport-Festival schreiben, das durch eine Gruppe Fallschirmspringerinnen in Tracht eröffnet wird. Die vier Frauen, die einen gemeinsamen Sprung absolvieren, sind allesamt erfahrene Springerinnen und außerdem ehemalige Schulkameradinnen von Agnes.


    Zum Entsetzen der zahlreichen Zuschauer stürzt eine der Springerinnen vor aller Augen in den Tod, als sich ihr Fallschirm nicht öffnet. Die Polizei, einer ihrer Beamten ist Agnes´ Jugendfreund Viktor, stellt fest, dass es sich nicht um einen Unfall, sondern um Mord handelt, denn sowohl der Hauptfallschirm als auch der Notfallschirm sind sabotiert worden. Jetzt gilt es zu klären, wer ein Motiv gehabt haben könnte, Veslemøy Liland, Mutter zweier kleiner Söhne, zu töten und wie derjenige die Gelegenheit gehabt haben sollte, die Schirme unbemerkt zu manipulieren.

    Agnes möchte die Polizei bei ihren Ermittlungen unterstützen und beginnt auf eigene Faust im Kreise ihrer früheren Bekannten zu ermitteln.


    Beurteilung

    Der Kriminalfall ist geschickt konstruiert und wartet mit immer neuen Wendungen und Überraschungen auf. Schnell wird deutlich, dass man zur Lösung dieses Falls in der Vergangenheit der vier Fallschirmspringerinnen und ihrer Jugendfreunde ermitteln muss. Die Beziehungen unter diesen Menschen sind vielschichtig und relevante Informationen kommen nur häppchenweise ans Licht, sodass die Auflösung für den Leser nicht zu früh ersichtlich wird.


    Bedauerlicherweise nimmt das Privatleben von Agnes Tveit sehr großen Raum ein. Die Achtunddreißigjährige und ihr Partner versuchen seit über einem Jahr erfolglos, ein Kind zu bekommen, das Zusammenleben der beiden ist von Eisprungsermittlung, Zeugungsversuchen nach dem Kalender, Schwangerschaftstests und Streitereien geprägt. Agnes ist dabei eigentlich mehr daran interessiert, im Beruf voranzukommen und fühlt sich von Fredrik unter Druck gesetzt, sie bereut bereits den Wechsel zur Provinzzeitung und entzweit sich mit ihrem neuen Chef. Obwohl der Kriminalfall fesselnd ist und man Agnes ein gewisses Verständnis entgegenbringen kann, ist sie doch ein sehr anstrengender Charakter: ständig auf der Suche nach Junkfood und sehr zickig. Das schmälert das Lesevergnügen und man kann nur hoffen, dass sie im nächsten Band der Reihe ausgeglichener sein wird…


    Fazit

    Ein komplexer und anschaulich präsentierter Kriminalfall, dessen Unterhaltungswert leider durch den „Nervfaktor“ der Protagonistin beeinträchtigt wird!

    6 Punkte

    ASIN/ISBN: B09JVNWHWR

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Die große Welt des Tees, die bewegende Geschichte einer Frau, die ihren Weg geht und das Schicksal einer Kaufmannsfamilie – der zweite Band der Ronnefeldt-Saga

    Frankfurt 1853: Die Teehändlerin Friederike Ronnefeldt möchte ihre zunehmend erwachsenen Kinder gut versorgt wissen. Schließlich hängt auch das Familienunternehmen von den Zukunftsplänen der neuen Generation ab. Doch die Geschwister entwickeln – zum Leid Friederikes – ihre eigenen Ideen. Mine lockt das Schauspiel, Elise möchte Lehrerin werden, anstatt zu heiraten und Wilhelm möchte Malerei studieren. Immerhin eines scheint sicher: Der Älteste, Carl, wird die Geschäfte übernehmen – nach dem Abschluss seiner Lehrjahre in Hamburg. Doch ist er der verantwortungsvollen Rolle gewachsen, die einst sein Vater innehatte?


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Susanne Popp, geboren 1967, ist die Tochter von Jugendherbergseltern – Hagebuttentee, serviert in großen Metallkannen, gehört daher zu ihren Kindheitserinnerungen. Heute bevorzugt sie jedoch eine Tasse Darjeeling oder Oolong, und sie liebt es, in die Teeregionen der Welt zu reisen. Mit der Schriftstellerei begann sie als Verfasserin von Privatbiographien. Die Geschichte der Familie Ronnefeldt zu erzählen, war ihr daher ein ganz persönliches Anliegen, denn in diesem Traditionsunternehmen verbindet sich die Sehnsucht nach fernen Ländern mit dem Schicksal einer Familie im Deutschland des 19. Jahrhunderts. Die Autorin lebt heute mit ihrem Mann und ihrer Tochter am Zürichsee in der Schweiz.


    Allgemeines

    Zweiter Band der Ronnefeldt-Saga

    Erschienen als E-Book am 1. März 2022, als TB mit 512 Seiten am 30. März 2022 im Fischer Verlag

    Gliederung: Verzeichnis der Romanfiguren – Roman in zwei Teilen, Kapitel jeweils mit Überschriften versehen – Epilog – Autorennachwort – Danksagung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsorte und -zeit: größtenteils Frankfurt und Hamburg, 1853/ 1854, 1889 (Epilog)


    Inhalt

    Der zweite Band der Saga setzt die Geschichte um das Teehaus Ronnefeldt in den 1850er Jahren fort. Acht Jahre nach dem Tod des Firmengründers Johann Tobias Ronnefeldt führt dessen Witwe Friederike das Geschäft zusammen mit dem ältlichen Prokuristen Besthorn. Gleichzeitig muss sie sich um die Erziehung ihrer fünf minderjährigen Kinder kümmern. Den ältesten Sohn Carl schickt sie nach Hamburg, um ihm dort eine kaufmännische Ausbildung zukommen zu lassen. Der zweitälteste Sohn Wilhelm zeigt wenig Interesse an einer solchen Lehre, er hilft zwar im Laden mit, fühlt sich aber eher zur Kunst hingezogen und ist ein begabter Zeichner. Der jüngste Sohn Friedrich ist noch ein Kind. Die beiden Töchter Elise und Wilhelmina machen der Mutter Sorgen: Elise, die eine gute Partie machen soll, will nicht heiraten, sondern das Lehrerinnenseminar besuchen, sie möchte von niemandem abhängig sein und ihren Lebensunterhalt selbst verdienen. Die erst siebzehnjährige Wilhelmina möchte dagegen heiraten, hat sich aber in einen unpassenden Mann verliebt und muss zu Verwandten nach Norddeutschland geschickt werden, um einen drohenden Skandal (Durchbrennen) zu verhindern.

    Auch beruflich hat Friederike Probleme. Der Prokurist ist in seiner Amtsausübung sehr konservativ und will die Zeichen der Zeit nicht erkennen, die Innovationen und Veränderungen im Geschäftsablauf erfordern.


    Beurteilung

    Der zweite Band der Ronnefeldt-Saga ist nicht so sehr auf Friederike fokussiert, sondern stellt ihre älteren Kinder Carl, Elise und Wilhelm als weitere Protagonisten in den Mittelpunkt des Geschehens. Der stetige Perspektivwechsel gestaltet die Lektüre sehr kurzweilig. Die „Kinder“ sind zu jungen Erwachsenen mit eigenen Persönlichkeiten und Vorlieben herangewachsen, ihre Charaktere sind gründlich und differenziert ausgearbeitet. Es kommt zu Konflikten mit der Mutter, die zwar das Beste für ihre Kinder will, aber gerade ihrer Tochter Elise wenig Verständnis entgegenbringt und sie in einer traditionellen Ehe mit einem Mann ihrer Wahl sehen will, obwohl Friederike selbst ein eher „unkonventionelles“ Leben als Geschäftsfrau führt.

    Der historische Hintergrund ist gut recherchiert, sowohl im Hinblick auf die politische Unfreiheit – wer liberale Vorstellungen vertritt, hat mit Repressionen und Inhaftierung zu rechnen – als auch im Hinblick auf technische Neuerungen: Das wachsende Eisenbahnnetz fördert die Mobilität und die Telegraphie ermöglicht eine bis dahin ungekannt schnelle Verständigung unter den Menschen.

    Bei der Schilderung der Familiengeschichte hat die Autorin sich dichterische Freiheiten genommen. Die Mitglieder der Familie Ronnefeldt sind zwar allesamt historische Figuren, jedoch gibt es Änderungen und fiktive Zusätze, über die der Leser im Nachwort aufgeklärt wird.

    Das Nachwort lässt auch auf eine Fortsetzung hoffen, obwohl bisher kein dritter Band angekündigt ist.

    Es ist sinnvoll, aber für das Verständnis der Zusammenhänge nicht unbedingt erforderlich, den ersten Band „Die Teehändlerin“ zuerst zu lesen.


    Fazit

    Fesselnde Unterhaltung über die Geschicke des Unternehmens Ronnefeldt in der Mitte des 19. Jahrhunderts!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: B09G5MQVWY

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Drei Leben, ein Dorf, eine Weltkrise. Die Bestsellerautorin von «Turm aus Licht» erzählt das berühmte, schicksalhafte Jahr 1816, das «Jahr ohne Sommer», als großen packenden Roman - und als berührende Liebesgeschichte.

    1816: schwarze Wolken, Dauerregen, Kälteeinbrüche, grelle Sonnenuntergänge. Immer wieder schauen die Menschen aus dem schwäbischen Hohenstetten in den Himmel. Das Wetter spielt verrückt. Ernteausfälle bedrohen ihr Leben. Viele Verzweifelte suchen auf fernen Kontinenten ihr Glück. Strenggläubige sehen die Apokalypse nahen. Und wieder andere versuchen, durch Tatkraft und puren Überlebenswillen das Jahr ohne Sommer zu meistern. Wie der junge Schulmeister Friedhelm. Die starke Paulina. Und der kluge Pfarrer Unterseher. Packend und atmosphärisch erzählt «Der dunkle Himmel» anhand des Leinenweberdorfes von einer historischen Klimakatastrophe globalen Ausmaßes nach einem Vulkanausbruch in Indonesien.


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Astrid Fritz studierte Germanistik und Romanistik in München, Avignon und Freiburg. Als Fachredakteurin arbeitete sie anschließend in Darmstadt und Freiburg und verbrachte mit ihrer Familie drei Jahre in Santiago de Chile. Zu ihren großen Erfolgen zählen «Die Hexe von Freiburg», «Die Tochter der Hexe» und «Turm aus Licht». Astrid Fritz lebt in der Nähe von Stuttgart.


    Allgemeines

    Erschienen am 22.03. 2022 im Rowohlt Taschenbuch Verlag mit 576 Seiten

    Gliederung: Prolog – Haupthandlung in 43 Kapiteln, jeweils mit Orts- und Zeitangabe betitelt – Epilog – Nachwort der Autorin – umfangreiches Glossar – Danksagung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsorte und -zeit: Hohenstetten (fiktiver Ort auf der Schwäbischen Alb), Stuttgart, Amsterdam – Silvesterabend 1815 bis September 1817


    Inhalt

    Der Roman schildert das Leben in der Dorfgemeinschaft des fiktiven Ortes Hohenstetten auf der Schwäbischen Alb vor dem gründlich recherchierten Hintergrund des „Jahres ohne Sommer“ 1816. Aufgrund eines Vulkanausbruchs in Indonesien spielt das Wetter in diesem Jahr komplett verrückt, das ganze Jahr hindurch gibt es schwere Regenfälle, Hagelschläge und selbst in den Sommermonaten eine extreme Kälte, sodass die Äcker verwüstet werden und keine Ernte eingebracht werden kann. Besonders die ärmeren Dorfbewohner nagen schon bald am Hungertuch, aber auch die vergleichsweise Bessergestellten, wie der Pfarrer Unterseher und der Schulmeister Friedhelm Lindenthaler müssen schon bald den Gürtel enger schnallen. Trotzdem bemühen sie sich, den Ärmsten zu helfen und setzen sich auch bei der Obrigkeit für diese ein – König Friedrich I von Württemberg ist jedoch eher an Prunk und Bauprojekten interessiert als daran, für seine hungernden Untertanen Getreide aufzukaufen. Der Einzige in Hohenstetten, der scheinbar nicht unter dem Katastrophenjahr zu leiden hat, ist der Gastwirt und Schultheiß Gutjahr. Schon bald machen Gerüchte die Runde, dass er Kornwucher betreibe.

    Seine Tochter Paulina und Friedhelm sind ineinander verliebt und möchten heiraten, doch ihr Vater untersagt dies nicht nur, sondern möchte sie obendrein mit dem dümmlichen Metzger Lorenz verheiraten, er schreckt auch nicht davor zurück, rabiate Mittel anzuwenden, um die Tochter seinem Willen gefügig zu machen…


    Beurteilung

    Das Thema „Klimakatastrophe“ ist kein neues, schon in vergangenen Zeiten kam es aufgrund von extremen Wetterbedingungen zu Hungersnöten. Die Autorin schildert sehr anschaulich die Missernte des Jahres 1816 und die Folgen für die betroffenen Menschen im süddeutschen Raum. Viele Menschen werden aufgrund des Nahrungsmangels zur leichten Beute für Infektionskrankheiten, andere – eigentlich ehrliche Bürger – begehen in ihrer Verzweiflung Straftaten wie Wilderei und Raub. Unter den Bessergestellten gibt es Menschen, die mit ärmeren Mitmenschen teilen und andere, die aus deren Not noch Profit schlagen, indem sie Getreidevorräte verstecken und dann zu überteuerten Preisen anbieten. Jüngere Männer schließen sich in Stuttgart zu Gruppen Aufständischer zusammen und fordern mehr soziale Gerechtigkeit und Fürsorge des Königs. Diese Aufständischen werden brutal niedergeknüppelt und inhaftiert. Erst nach dem Regierungsantritt von Friedrichs sozialer eingestelltem Sohn Wilhelm I im Herbst 1816 verbessert sich die Lage der einfachen Menschen allmählich.

    Die Frauen schließen sich dagegen eher in Gebetsgruppen zusammen, da sie in der Hungersnot eine Strafe Gottes für menschliche Sünden sehen. Dann gibt es noch die Pragmatischen, die nach Russland oder Amerika auszuwandern versuchen, ein Unterfangen, das für nicht Wenige mit dem Tod endet.

    Vor diesem packend beschriebenen Elend spielt sich die dramatische Liebesgeschichte von Friedhelm und Paulina ab, die zwar in der Handlung viel Raum einnimmt, aber ohne Kitsch und unangemessene „Romantik“ präsentiert wird und dem Roman auch atemlose Spannung verleiht.

    Die Charaktere der Romanfiguren sind differenziert und weitestgehend glaubwürdig ausgestaltet, lediglich Paulinas Vater wird extrem negativ dargestellt.

    Ein Nachwort der Autorin und ein sehr umfangreiches Glossar runden den ebenso packenden wie informativen Roman ab.


    Fazit

    Ein überaus fesselnder Roman, der das Katastrophenjahr 1816 heraufbeschwört, gesellschaftliche und politische Auswirkungen der Hungersnot aufzeigt und mit Liebe & Intrigen auch viel Spannung zu bieten hat!

    10 Punkte

    ASIN/ISBN: 3499005921

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Es sind viele Jahre vergangen, seit der kleine Otto nach einem Familiendrama verschwand. Seiner älteren Schwester Elke konnte Polizeiärztin Magda ein neues Zuhause geben. Damals versprach sie sich selbst, die Geschwister wieder zusammenzubringen. Plötzlich eröffnen sich der Polizei neue Möglichkeiten. Kann Otto nach all den Jahren doch noch gefunden werden?


    Autoren (Quelle: Verlagsseite)

    Helene Sommerfeld ist das Pseudonym eines in Berlin lebenden Autoren-Ehepaars. Ihre Trilogie um die Ärztin Ricarda Thomasius hat ihre Leser mitten ins Herz getroffen und erreichte Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste.


    Allgemeines

    Dritter Band der Trilogie „Die Polizeiärztin“

    Erscheinungstermin: 16. März 2022 bei der dtv Verlagsgesellschaft als TB mit 528 Seiten

    Gliederung: Personenverzeichnis – Roman in 16 Kapiteln – Autorennachwort – Leseprobe des kommenden Romans von Helene Sommerfeld

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsorte und -zeit: Berlin, Mühlheim, Hildesheim, 1924 – 1926


    Inhalt

    Der abschließende Roman der Trilogie um die Polizeiärztin Magda, geborene Fuchs, verfolgt das Leben der schon aus den Vorgängerbänden bekannten Hauptfiguren in den Jahren 1924 bis 1926.

    Die Polizeiärztin Magda Mehring bemüht sich weiterhin, den kleinen Otto zu finden, der seit einer Familientragödie vier Jahre zuvor verschwunden ist. Außerdem wird sie in einen Mordfall hineingezogen, in dem ihr Ehemann, Kommissar Kuno Mehring, ermittelt. Eine reiche Dame der Gesellschaft ist unter Umständen, die ins Milieu der Halbwelt verweisen, ums Leben gekommen und es könnten „honorige“ Berliner Bürger in diese unselige Angelegenheit verwickelt sein.

    Die junge Celia Hinnes-Fahrland ist inzwischen mit dem reichen Unternehmer Edgar Hinnes verheiratet, aber das Leben im Goldenen Käfig sagt ihr nicht zu. Trotz der im Ehevertrag ausgehandelten Klauseln, die Celia allerhand Freiheiten, wie z.B. die Fortsetzung ihres Medizinstudiums, zugestehen, mischt sich ihre Schwiegermutter immer penetranter in ihr Leben ein und versucht, aus ihr eine Bruthenne für die Familiendynastie der Hinnes zu machen – dies führt wenig überraschend zu Konflikten in Celias und Edgars Ehe.

    Besser geht es Doris Kaufmann, die nach früheren Schicksalsschlägen nun auf dem besten Weg ist, ihren Traum zu verwirklichen und als Schauspielerin Karriere zu machen.

    Die Anwältin Ruth Jessen hat Veranlassung, sich von ihrem Mann Ottmar, mit dem sie in einer Scheinehe lebt, zu trennen, als sein Verhalten für sie untragbar wird.


    Beurteilung

    Da der abschließende Band der Trilogie inhaltlich nahtlos an die vorherigen Bände anschließt und das weitere Schicksal der vier Frauen sowie ihre Beziehungen untereinander im turbulenten Berliner Leben der 1920er Jahre thematisiert, ist es dringend geraten, die Bücher in der korrekten Reihenfolge zu lesen.

    Auch dieser abschließende Roman ist gut recherchiert und entwirft ein farbenprächtiges Panorama des Berliner Lebens in einer Zeit, die viel Wandel mit sich bringt. Das gilt vor allem in Bezug auf die Rolle der Frau, für die es immer selbstverständlicher wird, berufstätig zu sein und ihr eigenes Leben zu bestimmen. Frauen treten nicht nur ihren Ehemännern selbstbewusster gegenüber, sie nehmen sich auch im gesellschaftlichen Leben, nicht zuletzt im „Nachtleben“, mehr Rechte heraus. Juristinnen widmen sich der rechtlichen Beratung von Frauen und auch unter den Medizinern steigt allmählich der Frauenanteil.

    Bei der Polizei verbessern sich die Ausstattung und die Ermittlungsmethoden, es werden Leichenwagen mit einem kleinen Labor an Bord und die Einbeziehung von Fingerabdrücken eingeführt.

    Der Erzählstil ist anschaulich und stellenweise sehr spannend, durch den häufigen Perspektivwechsel bleibt das Interesse des Lesers durchgängig erhalten. Nicht nur die vier weiblichen Hauptfiguren, sondern auch deren Familienangehörige sind in ihren Charakteren gründlich ausgearbeitet. Besonders an der konfliktträchtigen Beziehung zwischen Celia und ihrer Schwiegermutter Alwine wird der enorme Wandel des Frauenbildes in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg deutlich.


    Fazit

    Ein starker Abschluss einer insgesamt sehr lesenswerten Trilogie, den man erst im Anschluss an die ersten beiden Bände genießen sollte!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: 3423220112

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Der Anruf kam unerwartet. Eine Ex-Kollegin bittet Fallanalytiker Max Bischoff um Hilfe. Ihr Neffe wurde des Mordes beschuldigt und hat sich daraufhin das Leben genommen. Mit 22. Ein Schuldeingeständnis? Oder die Tat eines Verzweifelten?

    Max sichtet die Fakten, die Beweislast ist erdrückend, aber nichts passt zusammen. Kein Motiv, vollkommene Willkür. Und dann die vage Verbindung zu einem anderen Fall. Irgendetwas ist da, das kann Max beinahe körperlich spüren. Aber der Kopf des Mörders bleibt ihm verschlossen. Hat er sich verrannt? Oder versagt die Fallanalyse und damit Max zum ersten Mal in seiner gesamten Laufbahn?


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Arno Strobel liebt Grenzerfahrungen und teilt sie gern mit seinen Leserinnen und Lesern. Deshalb sind seine Thriller wie spannende Entdeckungsreisen zu den dunklen Winkeln der menschlichen Seele und machen auch vor den größten Urängsten nicht Halt.

    Seine Themen spürt er dabei meist im Alltag auf und erst, wenn ihn eine Idee nicht mehr loslässt und er den Hintergründen sofort mit Hilfe seines Netzwerks aus Experten auf den Grund gehen will, weiß er, dass der Grundstein für seinen nächsten Roman gelegt ist. Alle seine bisherigen Thriller waren Bestseller.

    Arno Strobel lebt als freier Autor in der Nähe von Trier.


    Allgemeines

    Zweiter Band der Max Bischoff-Reihe

    Erschienen am 9. März 2022 im Fischer Verlag als TB mit 368 Seiten

    Gliederung: Prolog – Roman in 58 Kapiteln

    Erzählung in der dritten Person, wechselnd aus den Perspektiven von Max Bischoff und Horst Böhmer,

    eingeschobene Abschnitte als Ich-Erzählung des Täters

    Handlungsort und -zeit: Düsseldorf, in der Gegenwart


    Inhalt

    Katharina Baumann, eine Kollegin aus der Zeit, als Max Bischoff noch bei der Polizei arbeitete, wendet sich in seiner Eigenschaft als Fallanalytiker an ihn. Ihr Neffe Leon hat Selbstmord begangen, nachdem er beschuldigt wurde, eine junge Frau in deren Wohnung bestialisch abgeschlachtet zu haben. Alle Indizien – nicht zuletzt sein anschließender Selbstmord – sprechen gegen ihn. Katharina traut ihm jedoch eine solche Tat nicht zu, zumal Leon das Mordopfer nicht kannte und somit keinerlei Mordmotiv hatte. Max soll neue Ermittlungsansätze finden, um nachträglich Leons Unschuld zu beweisen.

    Der Fall soll schon zu den Akten gelegt werden, als kurz nacheinander zwei weitere Menschen umgebracht werden. Alle drei Taten werden auf unterschiedliche Weise begangen, die Mordopfer kannten einander nicht und waren unauffällige Menschen, die keine Feinde hatten und ein ruhiges Leben führten – und doch scheint es sich um eine Mordserie zu handeln, denn an den Tatorten werden Nachrichten sehr ähnlichen Wortlauts gefunden, über die Polizei und Presse in der Öffentlichkeit nichts verlauten ließen. Horst Böhmer vom Morddezernat und sein „inoffizieller“ Helfer Max Bischoff stehen vor einer schier unlösbaren Aufgabe, da der als Täter im ersten Fall identifizierte Mann schon tot war, als die weiteren Morde verübt wurden.


    Beurteilung

    Im zweiten Fall, bei dem Max Bischoff, der als Dozent an der Polizeihochschule Köln tätig ist, seine ehemaligen Kollegen in Düsseldorf unterstützt, hat er hohe Hürden zu überwinden. Zunächst muss er gegen die Ablehnung der Chefin seines Kollegen Horst Böhmer vorgehen, die keinen Außenstehenden in die Ermittlungen einbeziehen will und erst einlenkt, als der öffentliche Druck wegen drei ungelöster Mordfälle innerhalb weniger Tage zu groß wird. Die Ermittlungsteilergebnisse strotzen vor Ungereimtheiten und Widersprüchlichkeiten und Max muss auf die Beratung durch Psychiater und Graphologen zurückgreifen. Der Autor schildert anschaulich, wie sich Max in den Täter hineinzuversetzen versucht und wie hartnäckig er bleibt, als er mit seinen üblichen Methoden an seine Grenzen kommt.

    Die Charaktere der beiden Protagonisten Max Bischoff und Horst Böhmer sind gründlich ausgearbeitet, ihre Beziehung ist von gegenseitiger Ergänzung und Loyalität geprägt. Der Handlungsverlauf, der hauptsächlich auf Ermittlungen durch Recherchen und Verhöre ausgelegt ist, bietet – bis auf wenige Szenen – keine Hochspannung, ist aber dennoch sehr fesselnd, da hier die Macht der Manipulation gut veranschaulicht wird. Obwohl der Leser im Laufe der Zeit Theorien entwickelt, die in die richtige Richtung gehen, ist die Auflösung doch in gewisser Weise überraschend und recht ungewöhnlich.

    Hier vermisst man ein Autorennachwort zu der Frage, inwieweit das dargestellte Szenario realistisch ist.


    Fazit

    Morde mit ungewöhnlicher Motivlage und ebenso ungewöhnlichem Vorgehen – fesselnde Unterhaltung!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 3596706688

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Es ist besser, du findest mich nie

    LKA-Ermittler Tom Babylon ist wie elektrisiert. Seit vielen Jahren sucht er nach seiner kleinen Schwester Vi. Und plötzlich gibt es einen Hinweis: Ein Foto von Viola als erwachsene Frau, das er im Keller seines Elternhauses findet.

    Wenig später kommt Toms Vater bei einem mysteriösen Überfall in der Berliner U-Bahn ums Leben. Tom fürchtet, auch der Täter ist auf der Suche nach Viola. Und er hat einen Verdacht, wer es sein könnte: sein früherer Mentor Dr. Walter Bruckmann, der geschworen hat, ihm das Leben zur Hölle zu machen.

    Doch wie kann ein Mann, der seit seiner Verurteilung in einer psychiatrischen Anstalt in den Alpen einsitzt, in Berlin einen Mord verüben?


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Marc Raabe, 1968 geboren, arbeitete viele Jahre lang als Geschäftsführer und Gesellschafter einer TV- und Medienproduktion. Heute widmet er sich ausschließlich dem Schreiben. Seine Thriller mit Kommissar Tom Babylon, zuletzt erschien DIE HORNISSE, sind regelmäßig auf der LITERATUR SPIEGEL-Paperback-Bestsellerliste zu finden. Raabes Romane sind in über zehn Sprachen übersetzt. Er lebt mit seiner Familie in Köln.


    Allgemeines

    Vierter Band der Tom Babylon-Reihe

    Erschienen am 24. Februar 2022 im Ullstein Verlag als TB mit 624 Seiten

    Gliederung: Prolog – Hauptteil in 63 Kapiteln – Epilog – Danksagung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsorte und -zeit: London, Berlin, Forensische Klinik Burg Tauenstein in den Alpen, 2021 und 1989 (Rückblende)


    Inhalt

    Tom Babylon erwacht in einer Londoner Klinik und weiß nicht einmal, wie er nach London gekommen ist. Offensichtlich leidet er nach einem Überfall, bei dem er eine Kopfverletzung erlitt, an retrograder Amnesie. Erst durch die Hilfe seiner behandelnden Ärztin gelingt es ihm nach und nach, die Tage vor seiner Einlieferung ins Krankenhaus zu rekonstruieren. Er hatte Hinweise auf den Aufenthaltsort seiner seit 23 Jahren vermissten Schwester Viola bekommen und war dieser neuen Fährte nach England gefolgt. Dort muss er feststellen, dass offenbar nicht nur sein ehemaliger Chef Dr. Walter Bruckmann, der vorerst durch die Einweisung in die geschlossene Psychiatrie aus dem Verkehr gezogen wurde, hinter Viola her ist. Sie wird von sind weiteren Menschen verfolgt, die etwas an sich bringen wollen, das eher zufällig viele Jahre zuvor in Violas Besitz gelangt ist.


    Toms frühere Kollegin, die Kriminalpsychologin Dr. Sita Johanns, ist auf seinen Wunsch zur Forensischen Klinik Burg Tauenstein gereist, um seinem erbitterten Widersacher Dr. Walter Bruckmann eine Botschaft von Tom auszurichten. In dieser Klinik, in der nicht alles nach Recht und Gesetz zugeht, wird Sita unter fadenscheinigen Vorwänden festgehalten. Um aus der Klinik zu entkommen, muss sie ausgerechnet mit dem verhassten Psychopathen Bruckmann einen Plan schmieden.


    Beurteilung

    Der vierte und voraussichtlich abschließende Band um Tom Babylon setzt die Geschichte seiner jahrelangen Suche nach seiner Schwester Viola fort und nimmt auch wiederholt Bezug auf die Ereignisse der vorherigen Bände, wobei auch die Erkenntnisse und Auflösungen der alten Kriminalfälle thematisiert werden. Deshalb ist es sehr empfehlenswert, die vier Bände in der korrekten Reihenfolge zu lesen. Ohne Vorkenntnisse wird der Leser der verwickelten Handlung von „Violas Versteck“, die sich an verschiedenen Orten vollzieht und zahllose Zeitsprünge aufweist, kaum folgen können. Selbst mit diesen Vorkenntnissen erfordert die Lektüre viel Konzentration und hält bis zum Ende Überraschungen bereit.

    Durch die vielen Perspektivwechsel, die jeweils von Cliffhangern eingeläutet werden, gestaltet sich die Lektüre trotz des Umfangs von gut 600 Seiten überaus kurzweilig. Beide Handlungsstränge sind von einem hohen Spannungsniveau und auch der schonungslosen Schilderung brutaler Szenen geprägt.

    Die Charaktere der beiden Protagonisten Tom und Sita sind gut ausgearbeitet, man kann sich in ihre Verhaltensweisen einfühlen. Lediglich die Schilderung dessen, was ein Mensch mit gravierenden körperlichen Verletzungen aushalten und noch zustande bringen kann, muten ein wenig übertrieben an.

    Die Auflösung, die einen Schlusspunkt unter alle vier Romane der Reihe setzt, hat reale zeithistorische Bezüge und ist – leider - durchaus glaubwürdig.


    Fazit

    Überaus spannende Unterhaltung, die Kenntnis der vorherigen Bände ist allerdings Voraussetzung, um der Handlung vollständig folgen zu können.

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: 3864931525

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)
    Eine Schule am Indischen Ozean - ein hoffnungsvoller Ort, der alles verändert
    Am Golf von Bengalen will Léna ihr Leben in Frankreich vergessen. Jeden Morgen beobachtet sie das indische Mädchen Lalita, das seinen Drachen fliegen lässt. Als Léna von einer Ozeanwelle fortgerissen wird, holt Lalita Hilfe bei Preeti, der furchtlosen Anführerin einer Selbstverteidigungsgruppe für junge Frauen. Léna überlebt und zusammen mit Preeti schmiedet sie einen Plan, der nicht nur Lalitas Leben grundlegend verändern wird.


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)
    Laetitia Colombani wurde 1976 in Bordeaux geboren, sie ist Filmschauspielerin und Regisseurin. Ihr erster Roman »Der Zopf« stand wochenlang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste und wird verfilmt. Für ihren zweiten Roman »Das Haus der Frauen« recherchierte Colombani im »Palais de la Femme« in Paris, einem Wohnheim für Frauen in Not. »Das Haus der Frauen« ist der erste Roman über Blanche Peyron, die 1926 unter widrigsten Umständen eines der ersten Frauenhäuser begründete. Die Idee für ihren dritten Roman »Das Mädchen mit dem Drachen« fand Laetitia Colombani in Indien, in einer Schule für Dalits. Laetitia Colombani lebt in Paris.


    Allgemeines
    Titel der Originalausgabe: „Le Cerf-volant“, ins Deutsche übersetzt von Claudia Marquardt
    Erschienen am 23. Februar 2022 im S. Fischer Verlag als HC mit 272 Seiten
    Gliederung: Prolog – Roman in drei Teilen mit nummerierten Kapiteln – Epilog
    Erzählung in der dritten Peron aus der Perspektive der Lehrerin Léna
    Handlungsort und -zeit: Tamil Nadu/ Indien, in der Gegenwart


    Inhalt
    Léna ist eine Lehrerin Anfang Vierzig, die seit zwanzig Jahren in ihrer Heimatstadt Nantes engagiert unterrichtet hat. Nachdem ein tragisches Ereignis ihr Leben komplett aus den Fugen gebracht hat, beschließt sie, für drei Monate nach Indien zu reisen, um sich körperlich und seelisch zu regenerieren.
    In Mahabalipuram fällt ihr am Strand ein zehnjähriges Mädchen auf, das dort täglich ganz allein mit seinem Drachen spielt. Angeregt durch die Begegnung mit dem Mädchen möchte sie mehr über das Leben der einheimischen Bevölkerung erfahren und lernt dabei auch die ca. zwanzigjährige Preeti kennen, eine junge Frau, die sich trotz ihres Analphabetentums als überaus starke und entschlossene Persönlichkeit erweist. Preeti führt eine Abteilung der „Roten Brigaden“ an, Zusammenschlüsse von jungen Frauen, die Selbstverteidigung trainieren, um sich gegen die in Indien weit verbreiteten sexuellen Übergriffe gegen Frauen wehren zu können.
    Je mehr Léna über das Leben der Dalit (Angehörige der untersten gesellschaftlichen Kaste Indiens), besonders der Mädchen und Frauen, erfährt, desto stärker wird ihre Entrüstung über deren von Unbildung, Diskriminierung, Ausbeutung und Unterdrückung geprägten Lebensweg. In ihr keimt der Wunsch, für diese Unterprivilegierten eine Schulbildung zu ermöglichen, damit sie eine Chance auf eine bessere Zukunft haben. Doch sie sieht sich erbitterten Widerständen von in traditionellen Denkmustern verhafteten Menschen gegenüber…


    Beurteilung
    „Das Mädchen mit dem Drachen“ gibt einen erschütternden Einblick in das Leben der Menschen, die der untersten Kaste der indischen Gesellschaft angehören und kaum eine Chance auf einen gesellschaftlichen Aufstieg haben. Viele von ihnen sind Analphabeten und bitterarm, da sie trotz harter Arbeit kaum genug zum (Über)leben verdienen. Auch die Kinder müssen mitarbeiten und dazuverdienen; offiziell herrscht zwar eine Schulpflicht, was aber in Dörfern fern der Metropolen ungestraft ignoriert wird. Besonders hart ist das Los der Mädchen; oft schon im Kindesalter sexuellen Übergriffen ausgesetzt, werden sie häufig schon als Zwölfjährige zwangsverheiratet, da jedes Mädchen, das man „losgeworden“ ist, eine Entlastung der kinderreichen Familien bedeutet.
    Die Protagonistin des Romans erkennt, dass es ohne Bildung keine Befreiung aus diesem Elend geben kann und sie versucht, eine Schule für die Kinder der Dalit zu etablieren. Die Autorin beschreibt sehr eindrücklich, welche Kämpfe dabei gegen Traditionen und Sturheit der Eltern- und Großelterngeneration der Schülerinnen zu führen sind.
    Die Schilderung der Gegebenheiten ist sehr plastisch und authentisch, wobei indische Begriffe mit Fußnoten erläutert werden. Die Geschichte ist trotz des überschaubaren Umfangs und des schnell lesbaren Sprachstils keine leichte Kost und sehr berührend, denn sie weckt beim Leser verschiedene Emotionen von Mitleid über Kummer bis zu grenzenlosem Zorn.


    Fazit
    Fesselnde und sehr berührende Lektüre, die lange im Gedächtnis haftet!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: 3103974906

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    »Die Zeiten haben sich geändert. Die Verbrechen auch.«

    Dezember 1989. Die Mauer ist gefallen. Der angehende Kriminalpolizist Tobias Falck tritt bei dem neu gegründeten Kriminaldauerdienst in Dresden an – und wird vor große Herausforderungen gestellt. Drogenhandel, Prostitution, Mord auf offener Straße – die Kriminalität im Osten verändert sich drastisch. Und es ist völlig unklar, welche Rechtsgrundlage für ostdeutsche Polizeiarbeit kurz nach der Wende gilt. Das KDD-Team gerät zusehends unter Druck, vor allem als plötzlich eine westdeutsche Kollegin auftaucht und um Amtshilfe bei der Suche nach einem Auftragskiller ersucht …


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Frank Goldammer, Jahrgang 1975, ist Handwerksmeister und begann schon früh mit dem Schreiben. Die Bände seiner historischen Kriminalroman-Reihe über den Dresdner Kommissar Max Heller landen regelmäßig auf den Bestsellerlisten. Goldammer lebt mittlerweile als freier Autor in seiner Heimatstadt Dresden.


    Allgemeines

    Erster Band der Reihe „Kriminal Dauerdienst: Team Ost-West“

    Erschienen am 16.Februar 2022 bei dtv als broschiertes TB mit 368 Seiten
    Gliederung: Prolog – Roman in zwei Hauptteilen: Frühling 1988 (19 Kapitel) und Herbst 1989 (26 Kapitel)

    Erzählung in der dritten Person aus der Perspektive von Tobias Falck, Obermeister der Volkspolizei, später Kriminalbeamter beim KDD

    Handlungsort und -zeit: Dresden, 1988 bis 1989


    Inhalt

    Der erste Teil des Romans, der ca. ein Drittel des Umfangs einnimmt, spielt im Frühjahr 1988 und schildert die Lebens- und Arbeitsumstände des fünfundzwanzigjährigen Obermeisters bei der Volkspolizei, Tobias Falck. In Dresden kommt es zu verschiedenen Straftaten: ein ABV (Abschnittsbevollmächtigter), bei dem Falck sich dienstlich melden soll, stürzt im Treppenhaus seines Wohnhauses zu Tode, im betreffenden Stadtviertel kommt es zu mysteriösen Leichendiebstählen und verschiedene Frauen sowie ein Kind werden sexuell belästigt. Falck ist ein engagierter junger Polizist, der in all diesen Fällen ermitteln möchte, er wird jedoch von seinen Vorgesetzten permanent ausgebremst. Der Todessturz des ABV soll als Unfall zu den Akten gelegt werden, obwohl die Umstände auf ein Tötungsdelikt hinweisen und auch die anderen Vorfälle sollen unter den Teppich gekehrt werden, da es solche Straftaten in der DDR offiziell nicht gibt.

    Im zweiten Teil, der kurz nach der Öffnung der Mauer im November und Dezember 1989 angesiedelt ist, tritt Falck seinen Dienst beim KDD an und bekommt es mit einer ganz neuen Art von Verbrechen zu tun. Offensichtlich haben sich Kriminelle aus dem Westen in den Osten begeben, um hier neue „Geschäftszweige“ im Bereich des Drogenhandels und Rotlichtmilieus zu etablieren; Falck, sein wenig umgänglicher Chef Edgar Schmidt und seine Kollegin Steffi Bach bekommen Besuch von Sybille Suderberg, einer westdeutschen Kriminalkommissarin, die einen untergetauchten Auftragskiller sucht.


    Beurteilung

    „Im Schatten der Wende“ ist kein Kriminalroman im üblichen Sinne, bei dem ein einziges Verbrechen im Zentrum des Geschehens steht und aufgeklärt wird. Vielmehr handelt es sich hier um eine Erzählung, die ein Stück Zeitgeschichte transportiert und dabei die gravierenden Unterschiede zwischen der BRD und der DDR aufzeigt, nicht nur im Umgang mit und bei der Aufklärung von Verbrechen, sondern auch in Bezug auf die Lebensverhältnisse in den beiden deutschen Staaten.

    Die Volkspolizei der DDR ist streng hierarchisch organisiert und der Einzelne ist, sofern nicht ganz oben in der Hierarchie positioniert, nur Befehlsempfänger. Eigeninitiative wird gebremst oder sogar sanktioniert. Falck hat mit diesem System Probleme, muss sich aber dennoch nach der Wende zunächst gewaltig umstellen, als er feststellt, dass im Westen ganz anders gearbeitet wird. Dort ist die Zusammenarbeit eher von Kollegialität geprägt und die Ermittler sind auch in jeder Hinsicht besser ausgestattet. Die ehemaligen Volkspolizisten fühlen sich der Kommissarin aus dem Westen gegenüber oft wie Hinterwäldler. Nun werden ungelöste Fälle aus dem ersten Teil des Romans wieder aufgegriffen, dabei kommt es auch zu spektakulären und lebensgefährlichen Situationen, was einen deutlichen Spannungsanstieg zur Folge hat.

    Neben der unterschiedlichen Handhabung der Polizeiarbeit schildert der vorliegende Roman auch sehr anschaulich, wie sich angesichts der Lebensverhältnisse in der DDR (heruntergekommene Infrastruktur, eingeschränktes Warenangebot, Durchsetzung sozialistischer Ideale unter drastischer Unterdrückung der freien Meinungsäußerung) gerade bei den jüngeren Menschen eine Wut aufstaut, die schließlich zu Demonstrationen und dem Ende der DDR führen. Die jungen Leute sind die ständige Gängelung und Bespitzelung leid, sie wollen nicht länger in Bruchbuden hausen, jahrelang auf eine Wohnung oder ein Auto warten, sie wollen ihre Berufe selbst wählen und sie wollen reisen – kurzum, sie wollen Freiheit.

    Die Charakterisierung der Romanfiguren ist gut gelungen, die Konflikte bei der Zusammenarbeit von Ost- und Westkollegen aufgrund unterschiedlicher Sozialisation wird glaubwürdig präsentiert.


    Fazit

    Eine sehr fesselnde Zeitreise zurück zum letzten Jahr der DDR und zur Wende, sehr lesenswert!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: 3423263180

    Erfreulicherweise erscheint bereits am 28. März die deutsche Ausgabe dieses Romans, anbei deren Kurzbeschreibung (Amazon):


    Als die Polizistin Teo Bontempi nach einer schweren Verletzung nicht mehr aus dem Koma erwacht, weist alles auf einen Mordanschlag hin. Weil Teo zuletzt vor allem in der nigerianischen Gemeinde Nord-Londons ermittelte, beginnt Detective Superintendent Thomas Lynley auch genau dort mit der Suche nach dem Täter. Zusammen mit DS Barbara Havers taucht er in eine Welt ein, die nichts mit dem privilegierten britisch-bürgerlichen Leben, wie es Lynley bisher kannte, gemein zu haben scheint. Eine Welt, in der Schweigen und Unverständnis mehr als sonst ihre Arbeit behindern. Zumal auch Teo selbst nicht nur ein Geheimnis zu verbergen hatte ...

    ASIN/ISBN: 3442316200

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    When a police detective is taken off life support after falling into a coma, only an autopsy reveals the murderous act that precipitated her death. She'd been working on a special task force within North London's Nigerian community, and Acting Detective Superintendent Thomas Lynley is assigned to the case, which has far-reaching cultural associations that have nothing to do with life as he knows it. In his pursuit of a killer determined to remain hidden, he's assisted by Detective Sergeants Barbara Havers and Winston Nkata. They must sort through the lies and the secret lives of people whose superficial cooperation masks the damage they do to one another.


    Autorin (Quelle: Amazon)

    "Akribische Recherche, präziser Spannungsaufbau und höchste psychologische Raffinesse zeichnen die Bücher der Amerikanerin Elizabeth George aus. Ihre Fälle sind stets detailgenaue Porträts unserer Zeit und Gesellschaft. Elizabeth George, die lange an der Universität »Creative Writing« lehrte, lebt heute in Seattle im Bundesstaat Washington, USA. Ihre Bücher sind allesamt internationale Bestseller, die sofort nach Erscheinen nicht nur die Spitzenplätze der deutschen Verkaufscharts erklimmen. Ihre Lynley-Havers-Romane wurden von der BBC verfilmt und auch im deutschen Fernsehen mit großem Erfolg ausgestrahlt.


    Allgemeines

    21. Band der Reihe um Lynley & Havers

    Erschienen am 11. Januar 2022 im Viking Verlag als HC mit 704 Seiten
    Gliederung: Roman in zwei Hauptteilen, Großkapitel gegliedert nach Daten (21. Juli bis 16.August), weiter untergliedert in Kapitel mit der jeweiligen Ortsangabe als Titel – Danksagung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: London, ein heißer Sommer in der Gegenwart


    Inhalt

    Der Roman setzt sich aus mehreren Handlungssträngen zusammen, die erst allmählich miteinander verflochten werden:

    Die farbige Polizeibeamtin Teo Bontempi wird bewusstlos aufgefunden, sie erlangt im Krankenhaus das Bewusstsein nicht wieder und die Maschinen müssen wegen irreparabler Schädigung des Gehirns abgestellt werden.


    Mark Phinney. ein Kollege der Verstorbenen, lebt in schwierigen Familienverhältnissen, seine Frau Pietra kümmert sich fast ausschließlich um ihre schwerstbehinderte Tochter Lilybet, er selbst ist zwischen der Loyalität zu seiner Familie und dem Wunsch, dennoch etwas Freude in seinem Leben zu haben, hin und hergerissen.


    Adaku Obiaka, eine Afrikanerin, spioniert eine dubiose Frauenklinik aus, die nur Eingeweihten bekannt ist und in der offenbar nicht alle Behandlungen legal sind.


    In der nigerianischen Familie Bankole entwickelt sich der Vater Abeo immer mehr zum Familientyrannen. Ungeachtet der Tatsache, dass die Familie seit Jahren in England lebt und – zumindest oberflächlich betrachtet – gut integriert ist, will er Sitten und Traditionen seiner Heimat ausleben. Er behandelt seine Frau Monifa wie seine Sklavin, will den achtzehnjährigen Sohn Tanimola mit einer diesem nicht bekannten sechzehnjährigen Jungfrau aus Nigeria verheiraten und plant, die achtjährige Tochter Simisola beschneiden zu lassen, damit sie „rein“ wird und er einen guten Brautpreis für sie erhalten kann.


    Beurteilung

    Für die Lektüre des 21. Bandes der Lynley & Havers-Reihe muss der Leser Ruhe, Geduld und Konzentration mitbringen. Im schnellen Szenenwechsel werden unterschiedliche Handlungsfäden abgerollt, die allesamt sehr fesselnde Unterhaltung bieten, aber zunächst den Sinnzusammenhang vermissen lassen.


    Der gemeinsame Nenner aller Handlungsstränge ist die menschenverachtende, illegale Praxis des FGM (Female Genital Mutilation), die keineswegs nur in arabischen und afrikanischen Ländern, sondern mit der Migration aus diesen Ländern zunehmend auch mitten in Europa ausgeführt wird. Die „medizinische FGM“ hat sich dabei als neuer Geschäftszweig etabliert, sodass die Mädchen nicht mehr in afrikanischen Hütten unter katastrophalen hygienischen Bedingungen, sondern in europäischen Städten unter Narkose und sterilen Bedingungen verstümmelt werden. Letzteres bietet größere Überlebenschancen, führt aber zum selben Ergebnis, die Opfer dieser Praktik können kein erfüllendes Sexualleben mehr haben und leiden im schlimmsten Fall lebenslang unter Schmerzen und Infektionen.

    Als „Gegenbewegung“ gibt es Kliniken, die den bedauernswerten betroffenen Frauen eine rekonstruktive Chirurgie anbieten, die unterschiedliche Erfolge zeitigt, aber zumindest Schmerzen und Entzündungen beseitigen kann.

    Außerdem gibt es Organisationen Ehrenamtlicher, die von FGM bedrohten Mädchen Zuflucht gewähren, wie z.B. Orchid House.

    In diesem Umfeld müssen Lynley, Havers und Nkata einen sehr komplexen Fall lösen, in dem es mit zunehmenden Erkenntnissen immer mehr mögliche Motive und Tatverdächtige gibt. Die Ermittlungsschritte werden glaubwürdig und nachvollziehbar dargestellt, wobei die Autorin sich Zeit für ausführliche Schilderungen nimmt. Allerdings gibt es auch in jedem Handlungsstrang Abschnitte, die unglaublich spannend sind und den Leser mitfiebern lassen – die geschilderten Vorgänge erzeugen viel Empathie, aber auch großen Zorn… und viel Fassungslosigkeit.

    Die Charakterisierung der Romanfiguren ist sehr differenziert, die Autorin veranschaulicht am Beispiel der Familie Bankole die Konflikte der unterschiedlichen Generationen von Einwandererfamilien: Der Vater fühlt sich als unumschränkter Herrscher in der Familie, er stellt Traditionen über das Gesetz. Seine Frau leidet unter ihm, kommt aber nicht auf die Idee, sich ihm zu widersetzen – sie ist von Geburt an auf ihre unterwürfige Rolle gepolt.

    Die Kinder Tani und Simi sind als Engländer aufgewachsen und möchten als solche leben, Tani hat zum Missfallen seines Vaters eine „selbst ausgesuchte“ Freundin.

    Die Privatangelegen des Stammpersonals der Reihe, Lynley, Havers, Nkata und Deborah St.James, spielen hier keine so große Rolle, was es auch Lesern ohne Vorkenntnisse ermöglicht, diesen Band als ersten der Reihe zu lesen.


    Fazit

    Ein großartiger, bedrückender und hoffentlich wachrüttelnder Roman, dem man viele Leser, ganz besonders unter den Politikern, wünscht!

    10 Punkte

    ASIN/ISBN: 0593296842

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Der junge Oliver Herzog soll Selbstmord begangen haben, nachdem er seine Freundin Anna vom Dach einer alten Ziegelei gestoßen hat. Doch Olivers Mutter hat Zweifel an der Geschichte und bittet den pensionierten Kriminalrat Heinrich Tenbrink um Hilfe, der bei seinen Ermittlungen einen Jahre zurückliegenden mysteriösen Todesfall aufdeckt. Auch Oberkommissar Maik Bertram beginnt in dem Fall zu ermitteln – und hat es kurz darauf mit einer neuen Leiche zu tun. Gemeinsam stoßen die beiden ungleichen Ermittler Tenbrink und Bertram auf ein Gespinst von Lügen, Geheimnissen und Verbrechen ...


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Tom Finnek wurde 1965 im Münsterland geboren und arbeitet als Filmjournalist, Drehbuchlektor und Schriftsteller. Er ist verheiratet, Vater von zwei Söhnen und lebt mit seiner Familie in Berlin. Sowohl unter dem Pseudonym Tom Finnek als auch unter seinem richtigen Namen, Mani Beckmann, hat er bereits zahlreiche Krimis veröffentlicht. Zu seinen größten Erfolgen gehören neben der historischen Moor-Trilogie die London-Romane "Unter der Asche", "Gegen alle Zeit" und "Vor dem Abgrund".


    Allgemeines

    Sechster Band der Münsterland-Reihe

    Erschienen am 26. November 2021 bei beTHRILLED als E-Book mit einem Umfang entsprechend 438 Seiten (TB-Ausgabe)
    Gliederung: Prolog – Haupthandlung in sieben Tagen, jeweils mit nummerierten Kapiteln – Epilog

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Münsterland, Oktober 2019


    Inhalt

    Anna Ostermann, eine attraktive junge Frau, die in einer Künstler-WG in einer ehemaligen Ziegelei lebt, kommt auf mysteriöse Weise ums Leben. Sie wird vom Dach der Ziegelei gestoßen, wo sie sich mit einem Mann treffen wollte. Jedermann ist davon überzeugt, dass der Schuldige nur ihr Exfreund Oliver Herzog, von dem sie sich getrennt haben soll, sein kann. Als dieser mit aufgeschnittenen Pulsadern tot in seiner Badewanne gefunden wird, geht die Polizei von einem Selbstmord infolge eines schlechten Gewissens aus. Olivers Mutter glaubt nicht, dass ihr Sohn ein Mörder war und bittet den pensionierten Kommissar Heinrich Tenbrink, in der Künstler-WG ein paar „informelle“ Ermittlungen anzustellen. Heinrich konferiert mit seinem jungen ehemaligen Kollegen Maik Bertram, der deswegen mit seinem bornierten Chef Probleme bekommt. Die Ermittlungen ergeben allerhand überraschende Details, die teilweise auf illegale Machenschaften auf dem Grundstück der alten Ziegelei hindeuten und andererseits den Dorf-Casanova Fiete Vossbülten, Hahn im Korb der Künstlergruppe, in den Fokus der Polizei rücken. Der Fall entpuppt sich als verwickelt und nicht leicht aufzuklären.


    Beurteilung

    Wie auch in den vorherigen fünf Bänden der Reihe spielt das Privatleben der Protagonisten Tenbrink und Bertram eine gewichtige Rolle und wird ausführlich thematisiert. Dabei wird auf vorausgegangene Ereignisse Bezug genommen, sodass es unbedingt empfehlenswert ist, die Bände in der korrekten Reihenfolge zu lesen. Aufgrund der wiederholten Einschübe hinsichtlich privater Probleme der beiden Ermittler, die manchmal ein wenig zu ausufernd sind, ist die eigentliche Krimihandlung von einem eher gemächlichen und nicht übermäßig spannenden Erzählstil geprägt. Dafür besticht dieser jedoch durch Lokalkolorit und auch Humor, wenn der Autor einige kauzige Münsterländer sehr anschaulich präsentiert. Auch die beiden Hauptfiguren der Reihe sind in ihren Charakteren gut ausgearbeitet, der Leser kann sich in sie hineinversetzen und Anteil an ihren Problemen nehmen.

    Der Kriminalfall ist intelligent konstruiert und nicht so einfach zu durchschauen, wie es der Anfang des Romans zunächst vermuten lässt.


    Fazit

    Solide, aber nicht übermäßig spannende Unterhaltung mit Lokalkolorit und einem Kriminalfall mit überraschenden Wendungen!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: B08W584Z2S

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Hamburger Hafen, 1910: Anne Fitzpatrick ist voller Hoffnung. Als eine der ersten Ärztinnen Deutschlands hat sie gerade ein Frauenhaus eröffnet. Ihre Mission ist es, Frauen zu helfen, denen Leid zugefügt wurde. Als die couragierte Pastorentochter Helene bei ihr auftaucht und mitarbeiten will, unterstützt Anne die junge Frau in ihrem Wunsch, etwas Sinnvolles zu tun. […]

    Da werden neben dem Frauenhaus im Hafenbecken zwei Leichen entdeckt. Anne ist erschüttert. Die Opfer hatten Kontakt zur neuen Frauenbewegung, so wie Anne selbst auch. Die Polizei spielt den Vorfall jedoch als Mord im Milieu herunter. Aber warum ermittelt der wortkarge Kommissar Berthold Rheydt trotzdem weiter? Zusammen mit Helene sucht Anne nach Antworten und gerät dabei in immer größere Gefahr.


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Henrike Engel pendelte in ihrem Leben ständig zwischen Berlin und München, mit beiden Städten verbindet sie eine komplizierte Liebesbeziehung. Eines aber ist konstant geblieben: ihre Liebe zu Hamburg! Manche Träume jedoch müssen unerfüllt bleiben, und so hat die ehemalige Drehbuchautorin nicht ihren Wohnort in die Hafenstadt verlegt, sondern träumt sich lieber schreibend dorthin.


    Allgemeines

    Erster Teil der Dilogie „Die Hafenärztin“

    Erscheinungstermin: 1. Dezember 2021 (eBook), 3. Januar 2022 (Taschenbuch) im Ullstein Verlag mit 464 Seiten
    Gliederung: Prolog – Hauptteil in 35 Kapiteln – Epilog

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Hamburg, 1910


    Inhalt

    Dr. Anne Fitzpatrick, eine gebürtige Hamburgerin, die die letzten fünfzehn Jahre in England gelebt hat, kehrt im Januar 1910 in ihre Heimatstadt zurück. Sie hat London nicht freiwillig verlassen, sondern musste nach einem Vorfall, bei dem sie sich offenbar strafbar gemacht, hat, fliehen. In Hamburg will sie ihre Arbeit zum Wohl unterprivilegierter Frauen fortsetzen, sie betreibt im Hamburger Hafen ein Haus, in dem Frauen aus der unteren Gesellschaftsschicht, auch Prostituierte, Schutz, eine warme Mahlzeit und auch kostenlose ärztliche Betreuung finden können. Zur Eröffnung kommt auch Helene Curtius, eine wohlbehütete Pastorentochter, die kein Interesse am vorgezeichneten Lebensweg als Ehefrau und Mutter hat, sondern sich lieber den Frauenrechtlerinnen anschließen und auch einen Beruf erlernen will. Die Eröffnungsfeier des Frauenhauses verläuft nicht wie geplant, denn genau an diesem Tag werden in zwei Schuten im Hafen die Leichen zweier Frauen aufgefunden, die ganz offensichtlich einem Psychopathen zum Opfer gefallen sind, der ihnen zuerst die Kehle aufgeschlitzt und dann den Brustkorb aufgebrochen hat. Kommissar Berthold Rheydt und seine Kollegen geraten bei den Ermittlungen unter Druck, als eine dritte Frau grausam getötet wird – alle Opfer bewegten sich im Umfeld des Frauenhauses. Auch Dr. Fitzpatrick fühlt sich bedroht…


    Beurteilung

    Bei dem Roman handelt es sich um eine Mischform zwischen historischem Roman und Krimi. Die Ermittlungen, die die Ergreifung eines offenbar triebgesteuerten Serienmörders zum Ziel haben, finden vor dem gut recherchierten Hintergrund der späten Kaiserzeit statt. Die Gesellschaft ist streng hierarchisch gegliedert, wobei den Frauen wenig Rechte zugestanden werden. Insbesondere gilt dies für die Frauen der Unterschicht, die Armut und täglicher Gewalt ausgesetzt sind. Gebildete Frauen, deren Anspruch über einen traditionellen Lebensentwurf hinausgeht und die sich für Frauenrechte im Allgemeinen sowie den Schutz von Unterprivilegierten im Besonderen einsetzen, haben es schwer. Konservative Politiker bekämpfen sie und auch in den eigenen Familien werden junge, noch minderjährige Frauen stark eingeengt. Für Männer ist es einfacher, sie können sich, auch wenn sie aus einfachen Verhältnissen kommen, aus eigener Kraft, z.B. im Polizeidienst, hocharbeiten. Die drei Protagonisten Anne Fitzpatrick, Helene Curtius und Berthold Rheydt stehen hier für angestrebte gesellschaftliche Veränderungen. Auch technische Fortschritte werden in der Arbeit der Polizei ersichtlich, bei den Ermittlungen werden Fingerabdrücke gesichert und die kurz zuvor von Karl Landsteiner entdeckten Blutgruppen sind in manchen Fällen hilfreich, Blutspuren bestimmten Personen zuzuordnen.

    Die Ausgestaltung der Charaktere ist differenziert, im Falle von Dr. Fitzpatrick allerdings nicht ganz schlüssig, sie agiert oft unkontrolliert und unklug, was nicht recht glaubwürdig wirkt.

    Der Erzählstil ist anschaulich und stellenweise sehr spannend, lediglich die zu ausführliche Schilderung von Fußballspielen der Polizeibediensteten ist etwas ermüdend und für den Handlungsverlauf eher überflüssig.


    Fazit

    Ein lesenswerter historischer Krimi, der einen guten Einblick in die Hamburger Gesellschaft des späten Kaiserreichs bietet!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: B09BW6BDLL

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Prag, 1342. Der halbwüchsige Otlin gerät in eine Katastrophe: Die aufgepeitschte Moldau zerstört in einer Gewitternacht die Judithbrücke und reißt seine Mutter mit in die Fluten. In seiner Angst stößt er ein Gelübde aus: Wenn Gott seine Mutter rettet, will Otlin ihm eine neue Brücke bauen, eine Brücke der Ewigkeit. Wie durch ein Wunder überlebt sie. Jahre später erhält Otlin Gelegenheit, sein Versprechen einzulösen. Er bewirbt sich bei einem Wettbewerb, doch er hat Feinde, allen voran den Steinmetz Rudolph, der ebenfalls aufs Amt des Bauleiters der neuen Brücke schielt. Um den Konkurrenten auszuschalten, sucht Rudolph Hilfe bei der gerissenen Astrologin Ricarda, die ein Bettlermädchen als Waffe missbraucht.


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Wolf Hector ist das Pseudonym eines mehrfach preisgekrönten Autors von Krimis, Fantasy- und historischen Romanen. Zuletzt wurde er mit dem goldenen HOMER für den besten historischen Roman des Jahres 2019 ausgezeichnet. Wolf Hector lebt mal in der Karlsruher, mal in der Wismarer Gegend. Wenn er gerade einmal nicht schreibt, läuft er durch die badische Hügellandschaft oder schwimmt in einem Mecklenburger See.


    Allgemeines

    Erscheinungstermin: 29 November 2021* im Ullstein Verlag als TB mit 608 Seiten
    Gliederung: Karte von Prag um 1400 – Personenverzeichnis historischer und fiktiver Romanfiguren – Zeittafel – Prolog – Roman in vier Büchern, jeweils mit nummerierten Kapiteln - Nachwort und Dank – Glossar

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: größtenteils Prag, 1342 bis 1367, 1380 (Epilog)


    Inhalt

    Im Mittelpunkt des Romans um die Entstehung der Karlsbrücke in Prag steht der Baumeister Jan Otlin, eine historische Persönlichkeit, über die jedoch nicht viel bekannt ist.

    Jan überlebt als Jugendlicher mit seiner Familie die Sturmflut von 1342, bei der die Judithbrücke zerstört wird, nur knapp und gelobt Gott, eine steinerne Brücke über die Moldau zu bauen. Jahre später bewirbt er sich tatsächlich um den Posten des Baumeisters, trifft aber in dem Straßburger Steinmetz Rudolph auf einen entschlossenen Konkurrenten, der auch nicht davor zurückschreckt, eine zwielichtige Sterndeuterin zur Unterstützung zu „engagieren“ und auch sonst keinerlei Skrupel kennt, wenn es sich um die Umsetzung seiner Wünsche handelt.

    Als dritte Hauptfigur tritt ein junges Mädchen namens Maria Magdalena auf, das ganz auf sich allein gestellt ist und das es in das Haus der Sterndeuterin, die zudem als Bordellwirtin Geschäfte macht, verschlägt. Das unschuldige Mädchen wird manipuliert und in die Machenschaften der Sterndeuterin und des Steinmetzes verwickelt, es soll in deren finsteren Treiben zum Bauernopfer gemacht werden…


    Beurteilung

    Der Autor hat gründlich über die Entstehung der Karlsbrücke und die Lebensverhältnisse im 14. Jahrhundert recherchiert, es treten neben den fiktiven Romanfiguren einige historische Persönlichkeiten auf, darunter König Karl IV (eigentlich Wenzel) von Böhmen und der berühmte Bildhauer Peter Parler, der am Veitsdom arbeitete.

    Die Rahmenhandlung des Romans spielt im Jahr 1367, als Jan Otlin sich in einer sehr schwierigen Lage befindet und nicht nur um seinen Posten als Baumeister, sondern auch um seine Freiheit und das Leben seiner eingekerkerten Frau fürchten muss. Zu Beginn eines jeden Hauptteils erzählt er seinem Schwiegervater, den er erst kürzlich kennengelernt hat, von den Ereignissen der vergangenen Jahre; im Folgenden springt die Handlung zurück in die jeweils angesprochene Zeit, sodass der Leser selbst Zeuge der von Intrigen, Geheimnissen und skrupelloser Brutalität geprägten Ereignisse wird. Dabei werden die Charaktere der Romanfiguren gründlich ausgearbeitet. Der Erzählstil ist anschaulich und oft spannend, gelegentlich hätte die Erzählung ein wenig gerafft werden können. Historische Fakten werden geschickt mit der fiktiven Ausarbeitung durch den Autor verknüpft, wobei stellenweise einige Details nicht vollkommen realistisch wirken.

    Das Zusatzmaterial in Form einer mittelalterlichen Karte von Prag, einer chronologischen Zeitleiste, eines Personenverzeichnisses unter Kennzeichnung historischer Persönlichkeiten sowie das Glossar ist sehr hilfreich.


    Fazit

    Fesselnde Unterhaltung, die Fakten und Fiktion gelungen verschmilzt – gut geeignet für winterliche Lesestunden am Kamin!

    8 Punkte


    ASIN/ISBN: 3548064078



    * Vorzeitige Veröffentlichung mit Genehmigung durch Vorablesen