Beiträge von €nigma

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Berlin 1929: Die drei Freundinnen haben ihren Weg gefunden: Edith arbeitet als Hebamme in der Klinik und in einer Beratungsstelle für Frauen. Margots Leben steht kopf, nachdem sie sich in einen verheirateten Mann verliebt hat, und Luise unterrichtet inzwischen Hebammen-Schülerinnen und stürzt sich ins Nachtleben der schillernden Metropole. Gleichzeitig zeigen sich die Spuren der Weltwirtschaftskrise nur zu deutlich in Berlin. Armut und Leid sind allgegenwärtig. Als Edith ein verlockendes Angebot bekommt, das ihr Leben verändern wird, ist die Freundschaft der drei Frauen auf eine harte Probe gestellt.


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Hinter Linda Winterberg verbirgt sich Nicole Steyer, eine erfolgreiche Autorin historischer Romane. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern im Taunus und begann im Kindesalter erste Geschichten zu schreiben, ganz besonders zu Weihnachten, was sie schon immer liebte. In der Aufbau Verlagsgruppe liegen von ihr die Romane „Das Haus der verlorenen Kinder“, „Solange die Hoffnung uns gehört“, "Unsere Tage am Ende des Sees", „Die verlorene Schwester“, „Für immer Weihnachten“ sowie der erste Teil der Hebammen-Saga „Aufbruch in ein neues Leben“ vor.


    Allgemeines

    Zweiter Band der Hebammen-Saga

    Erschienen am 21.01. 2020 als TB mit 400 Seiten im Aufbau Verlag
    Gliederung: Roman in 34 Kapiteln – Nachwort – Danksagung

    Erzählung in der dritten Person mit Perspektivwechsel zwischen den drei Hauptfiguren

    Handlungsort und -zeit: Berlin, 1929 bis 1933


    Inhalt

    Zwölf Jahre nach dem Beginn ihrer Ausbildung sind die drei Hebammen fest im Beruf etabliert. Luise bildet neben ihrer Hebammentätigkeit auch neue Hebammenschülerinnen aus, Edith arbeitet nebenher in einer Beratungsstelle, die jungen Müttern zur Seite steht; dort werden den Frauen auch Informationen zur Familienplanung gegeben. Margot arbeitet nicht nur in der Klinik, sondern macht auch Hausbesuche, vor allem bei ärmeren Familien. Deren Lage wird im Rahmen der Wirtschaftskrise immer verzweifelter. In vielen Familien ist das Geld knapp, um die (zu) zahlreiche Kinderschar durchzubringen. Das Privatleben der drei Frauen gestaltet sich komplizierter als der berufliche Alltag: Margot hat ein Verhältnis mit einem verheirateten Arzt, Luise ist mit einem Mann befreundet, der vom Krieg traumatisiert ist und sich in der Kostümierung als Frau ins Nachtleben stürzt, um seiner realen Identität zu entkommen und Edith, die nur knapp einer Vergewaltigung entronnen ist, will gar nichts von Männern wissen. Für Edith ergeben sich zusätzliche Schwierigkeiten, als die Stimmung gegenüber Juden – nicht zuletzt angefeuert von Hetze durch pöbelnde SA-Männer – immer feindseliger wird…


    Beurteilung

    Die Handlung des Romans spielt sich vor dem gut recherchierten Hintergrund der späten Zwanziger- und frühen Dreißigerjahre des 20. Jahrhunderts ab und beschreibt das Leben der Berliner Bevölkerung zur Zeit der Weltwirtschaftskrise und des an Bedeutung gewinnenden Nationalsozialismus. Wie schon in den ersten Nachkriegsjahren leiden viele Menschen Not, das Problem wird durch mangelnden Zugang zu Verhütungsmitteln verschärft, da viele Familien mehr Kinder haben als sie ernähren können.

    Im beruflichen Alltag der drei Hebammen spielen deshalb neben der Geburtshilfe auch die Themen der Sexualberatung nebst Ausgabe von Kondomen und Pessaren sowie die ethische Fragestellung bezüglich der (streng verbotenen) Abtreibung eine Rolle.

    Viele Menschen versuchen den Problemen des Alltags zu entfliehen, indem sie sich ins schillernde Nachtleben Berlins stürzen. Auch Luise, die einen schmerzhaften Verlust erlitten hat, versucht das, wird aber nicht glücklich damit. Die persönliche Geschichte der drei Hebammen wird fortgesetzt, wobei die Autorin den individuellen Charakteren ihrer drei Hauptfiguren viel und ausgewogen Aufmerksamkeit widmet. Zum besseren Verständnis der recht ausführlichen Darstellung des Privatlebens von Luise, Edith und Margot ist dringend anzuraten, den ersten Band der Trilogie, „Aufbruch in ein neues Leben“, zuvor zu lesen.

    Der Erzählstil ist sehr anschaulich und manchmal etwas zu gefühlsbeladen, gelegentlich wirkt er aufgrund häufig ins Satzgefüge eingeschobener Hauptsätze etwas umständlich und sperrig.

    Auch dieser Roman wird wieder durch ein informatives Nachwort abgerundet.


    Fazit

    Eine gelungene Fortsetzung der Hebammen-Saga, die die Tätigkeit der Geburtshelferinnen in einem interessanten zeitgeschichtlichen Kontext präsentiert und schon Vorfreude auf den abschließenden dritten Band weckt!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 3746635683

    Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)

    On the face of it DC Simon Serrailler has had time to recuperate after the violent incident that cost him his arm, and nearly his life. He is back in harness at Lafferton CID, but is spending his spare time high up in the cathedral roof, making drawings of the medieval angels which are being restored.

    Lafferton is going through a quiet patch, so far as crime is concerned, until one rainy night two local men open their front door to a couple seeking shelter. A serious error of judgement in the investigation puts Simon’s reputation on the line and calls into question how full his recovery has really been.

    In her new role as a private GP, Simon’s sister Cat’s medical and counselling skills are tested by terrible and unexpected events at the homes of two very different Lafferton women. Simon and Cat’s unreliable father, Richard, has returned to live nearby, in a luxury apartment for the well-heeled over 60s. He’s soon up to his usual tricks.


    Autorin (Quelle: amazon)

    Susan Hill has been a professional writer for over fifty years. Her books have won awards and prizes including the Whitbread, the John Llewellyn Rhys and a Somerset Maugham, and have been shortlisted for the Booker. She was awarded a CBE in the Queen's Diamond Jubilee Honours. Her novels include Strange Meeting, I’m the King of the Castle, In the Springtime of the Year and A Kind Man. She has also published autobiographical works and collections of short stories as well as the Simon Serrailler series of crime novels. The play of her ghost story The Woman in Black has been running in London’s West End since 1988. She has two adult daughters and lives in North Norfolk.


    Allgemeines

    10. Band der Reihe um Simon Serrailler

    Erschienen am 3. Oktober 2019 bei Chatto & Windus als großformatiges TB mit 304 Seiten
    Gliederung: Roman in 76 Kapiteln

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Lafferton in der Gegenwart


    Inhalt und Beurteilung

    Auch der zehnte Band der Reihe um Simon Serrailer und seine Schwester, Dr. Cat Deerbon, ist eher ein Roman mit Krimi-Elementen als ein Krimi/Thriller. Er besteht aus diversen Handlungssträngen, die größtenteils eng mit der persönlichen Geschichte und Entwicklung der Protagonisten verbunden sind. Deshalb sollte man möglichst nicht mit diesem Band in die Reihe einsteigen, sondern chronologisch lesen.

    Der Kriminalfall beschäftigt sich mit einer Einbrecherbande, die in Häuser einsteigt, deren Besitzer nicht zuhause sind, bzw. sogar gezielt aus dem Haus gelockt wurden. Serrailler verhängt nach einem solchen Einbruch in Lafferton eine Pressesperre, um die Einbrecher nicht bezüglich einer Polizeiaktion vorzuwarnen. Eine Fehlentscheidung, denn bei einem weiteren Einbruch, bei dem die Hausbesitzer zu früh zurückkehren, wird ein Mensch getötet. Nachdem auch eine Zeugin, die aussagen wollte, ermordet wurde, liegt die höchste Priorität der Ermittler darin, den inzwischen namentlich bekannten, aber flüchtigen Haupttäter zu ergreifen.

    Cat Deerbon hat derweil andere Probleme. Eine Familie, die sie in ihrer neuen Tätigkeit als Privatmedizinerin betreut, kommt mit ihrem unerwünschten neugeborenen Baby nicht zurecht und Cat fürchtet um das Leben des Kindes. Auch mit ihrem schwierigen Vater gibt es erneut Probleme, denen sich ihr Bruder Simon gern entzieht. Dieser ist wieder einmal mit sich selbst beschäftigt, zumal er seit den Ereignissen des achten Bandes an Panikattacken leidet.

    Wie in den vorherigen Bänden sind sie Charaktere des „Stammpersonals“ differenziert ausgearbeitet und sie agieren in einem realistisch wirkenden Umfeld. Simon wirkt nach wie vor eher unsympathisch, jedoch nicht mehr so extrem wie in den ersten Bänden. Auch Cat – früher fast eine Kandidatin für die Heiligsprechung – ist inzwischen zu einer sympathischen, aber auch normalen Person mutiert.

    Die Handlung um die Ereignisse in Lafferton ist nicht spektakulär und nicht übermäßig auf Spannung ausgelegt, aber sie bietet dennoch eine fesselnde Lektüre, was sowohl am häufigen Perspektivwechsel als auch an der anschaulichen Schilderung liegt.

    Wer ein Freund dieser Reihe ist und keinen Thriller erwartet, dem dürfte auch dieser Band gefallen.


    Fazit

    Fesselnde und realitätsnahe Unterhaltung ohne viel Spannung – eher Roman als Krimi!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 1784742783

    Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)

    The young woman who changed the course of history.

    Fresh from the palaces of Burgundy and France, Anne draws attention at the English court, embracing the play of courtly love.

    But when the King commands, nothing is ever a game.

    Anne has a spirit worthy of a crown - and the crown is what she seeks. At any price.


    Autorin (Quelle: amazon)

    Alison Weir is the top-selling female historian (and the fifth-bestselling historian overall) in the United Kingdom, and has sold over 2.7 million books worldwide. She has published eighteen history books, including her most recent non-fiction book, Queens of the Conquest, the first in her England's Medieval Queens quartet. Alison has also published several historical novels, including Innocent Traitor and The Lady Elizabeth.

    Katheryn Howard, The Tainted Queen is Alison Weir's tenth published novel and the fifth in the Six Tudor Queens series about the wives of Henry VIII, which was launched in 2016 to great critical acclaim. All four books in the series are Sunday Times bestsellers.

    Alison is a fellow of the Royal Society of Arts and an honorary life patron of Historic Royal Palaces.


    Allgemeines

    Zweiter Band einer Reihe um die sechs Ehefrauen des Henry VIII

    Erschienen am 11. Januar 2018 bei Headline Review als TB mit 544 Seiten
    Gliederung: Stammbäume des europäischen und englischen Herrscherhauses - Roman in vier Teilen mit insgesamt 28 Kapiteln – Autorennachwort – Personenverzeichnis – Zeitleiste - „Reading Group Questions“

    Erzählung in der dritten Person aus der Perspektive Anne Boleyns

    Handlungsorte und -zeit: Frankreich und England, 1512 bis 1536


    Inhalt und Beurteilung

    Der zweite Band der Reihe um die sechs Ehefrauen des englischen Königs Henry VIII (1491 – 1547) ist ein biographischer Roman über Anne Boleyn (ca. 1501 – 1536).

    Die Handlung beginnt im Jahr 1512, als Anne ins Ausland geschickt wird, um ihr Französisch zu vervollkommnen und eine Erziehung zu erhalten, die sie für eine Anstellung als Hofdame bei Königin Katharina qualifiziert. Nachdem Anne bei Margarete von Österreich und Königin Claude von Frankreich „gedient“ hat, kehrt sie 1521 nach England zurück. Als der König sich für sie zu interessieren beginnt und sie zu seiner Geliebten machen will, lehnt sie dies vehement ab, sie will nicht das Schicksal ihrer Schwester Mary, einer der abgelegten Gespielinnen des Königs, teilen. Für Henry empfindet sie nichts, aber die Aussicht auf die Krone reizt die ehrgeizige Frau sehr. Es dauert Jahre, bis der König einen Weg findet, sich von seiner ersten Frau Katharina zu trennen. Da die Katholische Kirche ihm keine Scheidung, bzw. Annullierung seiner Ehe gewähren will, bricht Henry mit Rom und erklärt sich selbst zum Oberhaupt der Kirche in England.


    „Anne Boleyn, A King´s Obsession“ ist ein äußerst gründlich recherchierter Roman, dessen agierende Figuren fast ausnahmslos historische Persönlichkeiten sind. Die Handlung ist sehr komplex und erfordert es bei Lesern mit wenigen Vorkenntnissen zur Geschichte der Tudors möglicherweise, sich im angehängten Personenverzeichnis zu orientieren. Die Autorin arbeitet die Charakterdarstellung ihrer Figuren detailliert aus, die Charakterisierung der Protagonistin Anne ist großartig gelungen: äußerst differenziert und ohne Schwarzweißmalerei! Anne, die wie ihre Geschwister für ihren ehrgeizigen Vater Thomas Boleyn nur eine Schachfigur zur nutzbringenden Verwendung ist, wird mit ca. 11 Jahren an den Hof der Margarete von Österreich nach Mechelen geschickt. Bei seiner gebildeten Herrin lernt das junge Mädchen nicht nur Französisch, sondern auch die Regeln des höfischen Lebens und die Grenzen, die sie Männern gegenüber einzuhalten hat, damit später die bestmögliche Heirat ermöglicht wird. Erst nachdem später in England eine Liebesgeschichte und angestrebte eheliche Verbindung zwischen Anne und einem jungen Adeligen aus dem Norden von Kardinal Wolsey und König Henry zunichte gemacht wird, entwickelt sich Anne zur rachsüchtigen und ehrgeizigen Frau.

    Auch die Ablehnung, die sie über Jahre vom englischen Volk, das nur Katharina als Königin anerkennt, erfährt, trägt dazu bei, aus ihr eine verbitterte Frau zu machen, die dem König gegenüber immer häufiger fordernd und zänkisch auftritt – eine verhängnisvolle Entwicklung!

    Der Roman ist in einer flüssigen und anschaulichen Sprache verfasst, dabei wird sehr detailreich und ausführlich berichtet, Leser mit nur oberflächlichem Interesse an der Thematik könnten stellenweise unnötige Längen sehen.

    Das Buch kann einzeln gelesen werden, grundsätzlich ist es jedoch sinnvoll, den ersten Band über Königin Katharina zuvor zu lesen.


    Fazit

    Ein gründlich recherchierter biographischer Roman mit hilfreichem Zusatzmaterial, fesselnde und informative Unterhaltung für Tudor-Fans und -Kenner!

    10 Punkte

    ASIN/ISBN: 9781472227669

    Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)

    England in 1572 is a powder keg of rumour, fanaticism, treachery and dissent. All it would take is a single spark . . .

    In the England of Elizabeth I, the fear of plague and invasion, and the threat of insurrection are constant. As the Earl of Leicester's chief intelligencer, lawyer Dr Christopher Radcliff is tasked with investigating rumours of treachery at home and the papist threat from abroad. And with heresy and religious unrest simmering beneath the surface of a country on the brink, Radcliff is under pressure to get results.

    Then two brutal and seemingly motiveless killings point alert Radcliff to the whisper of a new plot against the queen. There are few clues, and all he and his network of agents have to go on is a single word: incendium. But what does it mean - and who lies behind it? Christopher Radcliff must find out before it's too late . . .


    Autor (Quelle: amazon)

    Andrew Swanston read law at Cambridge, but was inspired to write by his lifelong interest in early modern history. His Thomas Hill novels – The King’s Spy, The King’s Exile and The King’s Return – are set against the backdrops of the English Civil War, Cromwell’s Commonwealth and the early Restoration respectively. He is also the author of Waterloo: The Bravest Man and Beautiful Star and Other Stories. His first historical thriller set during the reign of Elizabeth I – Incendium (published in paperback as The Incendium Plot) – introduced readers to the academic, lawyer and intelligencer Dr Christopher Radcliff, whose adventures continue in Chaos. Andrew Swanston lives in Surrey.


    Allgemeines

    Erschienen am 8. März 2018 im Corgi Verlag als TB mit 416 Seiten
    Gliederung: Karte von London im 16. Jahrhundert – 43 Kapitel

    Erzählung in der dritten Person aus der Perspektive von Christopher Radcliff

    Handlungsorte und -zeit: Paris und London, 1572


    Inhalt

    Obwohl die protestantische Königin Elizabeth I 1572 schon viele Jahre an der Macht ist, gibt es immer noch Verschwörer, die sie absetzen, bzw. ermorden wollen, um die katholische Königin Maria Stuart auf den Thron zu bringen. Der junge Anwalt Christopher Radcliff, der für den Vertrauten der Königin, den Earl of Leicester, als Geheimdienstler arbeitet, versucht, den Urhebern einer geplanten Verschwörung namens Incendium (Feuer, Brand) auf die Spur zu kommen. Er wird nach Paris geschickt, da man hochrangige Franzosen aus der Familie von Maria Stuart in die Attentatspläne verwickelt glaubt, dort wird er zum Zeugen der Bartholomäusnacht. Von den Ereignissen schwer traumatisiert, weiß er, dass er alles daransetzen muss, einen solchen Massenmord durch Katholiken an Protestanten in England zu verhindern…


    Beurteilung

    Nach einem etwas zähen Beginn nimmt die Handlung Fahrt auf, besonders die Schilderung der Ereignisse in der Bartholomäusnacht ist sehr spannend, aber auch in ihrer erbarmungslosen Brutalität sehr authentisch gehalten, was für sensible Leser eine Belastung sein könnte.

    Die Handlung des Romans ist intelligent konstruiert und sie wird in einem anschaulichen Sprachstil flüssig erzählt. Der Protagonist ist in seiner Charakterdarstellung gründlich ausgearbeitet, seine Geliebte, die verwitwete Katherine Allington, die gern an seiner Seite ermitteln möchte, ist jedoch für ihre Epoche zu emanzipiert und wirkt daher weniger realitätsnah.

    Der komplexe Roman ist lesenswert, stellt für Leser ohne geschichtliche Vorkenntnisse jedoch eine Herausforderung dar. Das Fehlen eines Personenverzeichnisses und eines Autorennachworts muss deshalb als Manko gewertet werden.


    Fazit

    Eine lohnende Lektüre für Leser, die sich für die englische Geschichte des 16. Jahrhunderts interessieren und auch Vorkenntnisse dazu mitbringen!

    7 Punkte


    ASIN/ISBN: 9780552172387

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Sommer 1953. Der Alltag in der jungen DDR ist beschwerlich, die Unzufriedenheit der Bevölkerung wächst und die Zahl derer, die das Land verlassen, steigt unaufhörlich. Mit harter Hand setzt die SED-Regierung ihre Forderungen durch. Auch Max und Karin Heller erwägen die Flucht in den Westen. Als es am 17. Juni zu großräumigen Protestbewegungen kommt, wird Heller zu einem Dresdner Isolierungsbetrieb gerufen: Der Leiter wurde brutal mit Glaswolle erstickt. Ein Opfer der Aufständischen? Heller hat einen ganz anderen Verdacht und sucht in den Wirren des Volksaufstands einen unberechenbaren Mörder. Währenddessen drängt Karin zu Hause auf eine Entscheidung: gehen oder bleiben?


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Frank Goldammer wurde 1975 in Dresden geboren und ist gelernter Maler- und Lackierermeister. Neben seinem Beruf begann er mit Anfang zwanzig zu schreiben, verlegte seine ersten Romane im Eigenverlag. Mit ›Der Angstmann‹, Band 1 der Krimiserie mit Max Heller, gelangte er sofort auf die Bestsellerlisten. Er ist alleinerziehender Vater von Zwillingen und lebt mit seiner Familie in seiner Heimatstadt.


    Allgemeines

    Fünfter Band um den Dresdener Oberkommissar Max Heller

    Erscheinungstermin: 23.12. 2019 bei der dtv Verlagsgesellschaft als broschiertes TB mit 368 Seiten
    Gliederung: Nicht-nummerierte Kapitel, jeweils mit Datum und Tageszeit überschrieben – Glossar

    Erzählung in der dritten Person aus der Perspektive von Max Heller

    Handlungsort und -zeit: Dresden, 18. bis 28. Juni 1953


    Inhalt

    Nachdem sich die Unzufriedenheit der Arbeiter in der DDR am 17. Juni 1953 in einem Aufstand Bahn gebrochen hat, muss sich Max Heller mit dem Tod von Martin Baumgart, Leiter des VEB (Volkseigenen Betriebs) Rohrisolation, beschäftigen. Dessen Leiche wird in einem Behälter mit Glaswolle gefunden. Sein Kollege Kruppa, Funktionär der Betriebsparteiorganisation, wird vermisst. Für die Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit scheint der Fall klar: Die aufständischen Arbeiter haben, möglicherweise angestiftet von Feinden im Westen, den Betriebsleiter gelyncht und den vermissten Kollegen entführt; diese Behauptung liefert auch einen weiteren Vorwand, missliebige Bürger als vermeintlich Aufständische verhaften zu können.

    Max Heller ermittelt dagegen auch in andere Richtungen. Es soll eine von der Obrigkeit nicht gern gesehene Studie über nachteilige gesundheitliche Folgen der ungeschützten Arbeit mit Glaswolle gegeben haben, die Studie ist nicht auffindbar. Außerdem soll es eine Liste früherer zwangsverpflichteter und misshandelter sowjetischer Arbeiter geben, auch diese Liste ist verschwunden. Nicht zuletzt gab es auch persönliche Konflikte zwischen dem Ermordeten und seinen Mitarbeitern. Heller werden die Ermittlungen nicht leichtgemacht, da er aufgrund seiner beharrlichen Weigerung, Mitglied der SED zu werden, beruflich immer wieder mit Repressalien zu kämpfen hat.


    Beurteilung

    Wie schon im vorherigen Roman „Roter Rabe“ werden auch in „Juni 53“ eindringlich die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in der DDR in den frühen Fünfzigerjahren geschildert. Die meisten Menschen sind nicht mit den „Segnungen“ des Sozialismus einverstanden, die Arbeiter müssen immer höhere Arbeitsnormen erfüllen, bekommen immer weniger Geld und können für ihr Geld immer weniger kaufen. Sie wissen, dass es ihren Kollegen im Westen besser geht, diese bekommen schneller Wohnungen, besitzen Autos und können sich Urlaub leisten. Außerdem leben sie nicht im oppressiven Klima ständiger Bespitzelung und willkürlicher Justiz-Aktionen.

    Nicht nur Max Heller durchschaut das Unrechtregime der DDR, auch seine Frau Karin erkennt die Dysfunktionalität des Staates. Bei der Suche nach einem Heimplatz für die mittlerweile völlig demente Frau Marquart, bei der sie und ihr Mann seit Kriegsende leben, erhält Karin keinerlei Unterstützung und ist am Ende ihrer Kräfte. Nachdem sich ihr Sohn Klaus, ein eingefleischter Sozialist, seinen Eltern vollkommen entfremdet hat, treibt Karin nur noch der Wunsch um, alles hinter sich zu lassen und zu ihrem Sohn Erwin in den Westen zu gehen.

    Ihr Mann, dessen Persönlichkeit auch in diesem Roman ausgezeichnet ausgearbeitet ist, fühlt sich zwischen seinem Pflichtgefühl in Bezug auf seine Arbeit und seine Kollegen einerseits und seiner Liebe zu Karin und dem Wunsch nach einem freien Leben andererseits zerrieben.

    Der sehr komplexe Kriminalfall in „Juni 53“ ist in sich abgeschlossen, dennoch sollte man zum besseren Verständnis der darüber hinausreichenden Umstände Vorkenntnisse aus den vorherigen Bänden mitbringen.


    Fazit

    Eine eindrückliche Schilderung des bedrückenden Lebens in der DDR der Fünfzigerjahre, verbunden mit einem komplexen Kriminalfall – eine lohnende Lektüre, die dem Leser Konzentration abverlangt!

    Vorkenntnisse aus den vorherigen Bänden der Reihe sind wünschenswert.

    9 Punkte


    ASIN/ISBN: 342326232X

    Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)

    Liebe und Macht, Loyalität und Verrat … Ihr Vater war der skrupellose Heinrich VIII., ihre Mutter die schöne Anna Boleyn: In ihrer Kindheit steht Elisabeth im Zentrum der Aufmerksamkeit – doch als ihre Mutter wegen Ehebruchs zum Tode verurteilt wird, erklärt man das Mädchen zum Bastard. In den Tower gesperrt und von der Thronfolge ausgeschlossen, lebt Elisabeth fernab vom Prunk des Hofes – und wird im Jahr 1559 trotzdem zur Königin von England gekrönt! Als Herrscherin über eine gespaltene Nation muss sie sich immer wieder gegen gefährliche Feinde durchsetzen. Aber sie ist gebildet, weltgewandt und bereit, ihrem Land bedingungslos zu dienen – selbst wenn sie dafür ihre große Liebe opfern muss …


    Autorin (Quelle: Wikipedia)

    Cornelia Wusowski (* 1946 in Fulda) ist eine deutsche Schriftstellerin und Autorin mehrerer historischer Romane. Sie absolvierte ein Studium der Politischen Wissenschaften am Otto-Suhr-Institut der Universität Berlin, das sie 1971 mit einem Diplom abschloss. Bis 2009 arbeitete sie im höheren Verwaltungsdienst.[1] 1993 erschien beim Münchner Schneekluth Verlag ihr erster historischer Roman Die Familie Bonaparte, dem weitere Romanbiografien folgten. Ihr Wissen über Geschichte hat sie sich im Schulunterricht und durch private Recherchen angeeignet.


    Allgemeines

    Erstveröffentlichung 1996

    eBook veröffentlicht bei dotbooks am 26. Juli 2016 mit einem Umfang entsprechend 1168 Seiten
    Gliederung: Prolog – Vier Bücher mit insgesamt 27 Kapiteln – Bibliographie

    Erzählung in der dritten Person aus der Perspektive von Elizabeth I

    Handlungsort und -zeit: Großraum London, 1536 bis 1603


    Beurteilung

    Dieser monumentale biografische Roman (1168 Seiten) ist sehr gründlich recherchiert und beschäftigt sich überaus detailgenau mit dem Leben der englischen Königin Elizabeth I (1533 – 1603) von ihrer frühen Kindheit bis zu ihrem Tod. Ihre Kindheit und Jugend sind von den Umständen ihrer Geburt überschattet; da die Ehe zwischen Heinrich VIII und Anne Boleyn nicht von Allen anerkannt wird, steht Elizabeths Legitimität nicht eindeutig fest. Unter der Herrschaft ihrer älteren Schwester Mary Tudor, die Heinrichs männlichem Erben Edward VI auf den Thron folgt, ist Elizabeths Leben immer wieder in Gefahr, aber das kluge Mädchen vermeidet es, sich in Machenschaften protestantischer Anhänger, die die katholische Mary gestürzt sehen wollen, verwickeln zu lassen.

    Der Roman schildert sehr detailverliebt die Stationen von Elizabeths Leben von der potenziellen Thronfolgerin bis über ihre gesamte Regierungszeit und beleuchtet dabei sowohl die Politik und ihren Umgang mit den wichtigsten Regierungsmitgliedern als auch ihr „Gefühlsleben“, das sie jedoch rationalen Entscheidungen unterordnet. Von den Erfahrungen mit den diversen Ehen ihres Vaters geprägt, lehnt sie es ab, sich zu verheiraten und damit ihre Macht einem Ehemann zu übergeben, auch wenn das persönliche Opfer verlangt.

    Der Leser bekommt einen interessanten Einblick auch in andere bedeutende Persönlichkeiten der Zeit (William und Robert Cecil, Robert Dudley, Graf von Leicester) und in das Leben und die Kultur (Theaterstücke) am Elizabethanischen Hof.

    Das Buch lässt sich, nicht nur aufgrund des Umfangs, sondern auch aufgrund der Vielzahl an Informationen nur langsam und mit viel Konzentration lesen, aber die Mühe lohnt sich. Für Leser ohne Vorkenntnisse zum Thema wäre ein ausführliches Personenverzeichnis hilfreich gewesen.


    Fazit

    Ein lesenswerter biografischer Roman über Elizabeth I und ihre Zeit, für dessen Lektüre der Leser Konzentration und Ausdauer mitbringen sollte!

    8 Punkte


    ASIN/ISBN: 9783958247826

    Am 4. Januar 2020 erscheint die deutsche Ausgabe unter dem Titel "Violet".


    Kurzbeschreibung (amazon)

    England, dreißiger Jahre. Die Abende, an denen Violet mit einer Gruppe ungewöhnlicher Frauen wunderschöne Stickereien für die Kathedrale in Winchester anfertigt, sind der Aufbruch in eine neue Welt. Sie zeigen Violet, dass sie mit ihrem Auszug aus dem mütterlichen Zuhause die richtige Entscheidung getroffen hat. Schnell lernt und schätzt sie die Kunst des Stickens und lässt sich von Arthur in die des Läutens der Kirchturmglocken einweihen. Violet gewinnt durch das starke Band der Freundschaft zwischen den Frauen und die wachsende Nähe zu Arthur an Lebensmut und überwindet die Lebenskrise infolge des Ersten Weltkriegs. Und die Kirchturmglocken könnten wahrhaftig ihr neues Leben in Winchester einläuten…


    Bei vorablesen kann man sich in der laufenden Woche um diesen Roman bewerben.


    ASIN/ISBN: 3455007473

    Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)

    It is 1932, and the losses of the First World War are still keenly felt. Violet Speedwell, mourning for both her fiance and her brother and regarded by society as a 'surplus woman' unlikely to marry, resolves to escape her suffocating mother and strike out alone. A new life awaits her in Winchester. Yes, it is one of draughty boarding-houses and sidelong glances at her naked ring finger from younger colleagues; but it is also a life gleaming with independence and opportunity. Violet falls in with the broderers, a disparate group of women charged with embroidering kneelers for the Cathedral, and is soon entwined in their lives and their secrets. As the almost unthinkable threat of a second Great War appears on the horizon Violet collects a few secrets of her own that could just change everything...


    Autorin (Quelle: amazon)

    Tracy Chevalier is the author of ten novels, including At the Edge of the Orchard, Remarkable Creatures and Girl with a Pearl Earring, an international bestseller that has sold over five million copies and won the Barnes and Noble Discover Award. Born in Washington DC, in 1984 she moved to London, where she lives with her husband and son.


    Allgemeines

    Erschienen am 5. September 2019 bei HarperCollins Publishers als HC mit 352 Seiten
    Gliederung: 25 Kapitel – Danksagung mit Bibliographie - Nachwort

    Erzählung in der dritten Person aus der Perspektive von Violet Speedwell

    Handlungsort und -zeit: Winchester, 1932 bis 1934


    Inhalt

    Violet Speedwell hat im Ersten Weltkrieg ihren Verlobten verloren und ist – wie viele Frauen ihrer Generation unverheiratet geblieben. Inzwischen 38 Jahre alt, zieht sie nach Winchester um, da sie es mit ihrer verwitweten, ewig nörgelnden Mutter, bei der sie bisher gewohnt hat, nicht mehr aushält. Ihr neues Leben ist unspektakulär – sie lebt in beengten finanziellen und räumlichen Verhältnissen in einem „boarding house“ für alleinstehende Frauen und arbeitet als Schreibkraft in einem Versicherungsbüro – aber es ist zumindest endlich ein eigenes, unabhängiges Leben! Beim Besuch der Kathedrale von Winchester gerät Violet in eine Sitzung der „broderers“, Frauen, die Kissen und Kniepolster für die Gottesdienste in der Kathedrale herstellen und kunstvoll besticken. Violet schließt sich der von Louisa Pesel geleiteten Gruppe an und findet in der kreativen Arbeit eine stille Freude.

    Außerdem lernt sie den wesentlich älteren, verheirateten Arthur Knight kennen, der in der Kathedrale zusammen mit seinen Kollegen die Glocken läutet und dabei kunstvolle „Melodien“ hervorbringt. Sowohl der ruhige, zuverlässige Mann als auch die Kunst des Glockengeläuts faszinieren sie und geben ihrem Leben einen neuen Inhalt…


    Beurteilung

    Der Roman schildert in einem ruhigen Erzählstil das Leben einer Frau, die aufgrund des Verlusts zahlloser Männerleben im Ersten Weltkrieg alleinstehend geblieben ist. Ihr ältester Bruder ist ebenso wie ihr Verlobter im Krieg gefallen, auch der Vater ist verstorben und der jüngere Bruder Tom, der ein verheirateter Familienvater ist, findet es ganz normal, dass Violet bei der recht übellaunigen Mutter lebt und sich von dieser drangsalieren lässt. Indem sie sich aus diesem Leben befreit, um in Winchester eine eigene, wenn auch bescheidene, Existenz aufzubauen, macht sie nicht nur ihrem Bruder einen Strich durch die Rechnung, sondern rebelliert auch gewissermaßen gegenüber gesellschaftlichen Konventionen.

    Die Autorin beschreibt eindringlich und anschaulich das eher triste Dasein einer Frau, an der ein Großteil des Lebens schon vorbeigegangen ist, die aber nicht aufgibt und doch noch etwas aus ihren reiferen Jahren machen will. Violet ist eine willensstarke Persönlichkeit, die unter den gegebenen Umständen das Beste aus ihrem Leben macht und sich dabei auch nicht scheut, gegen den Strom zu schwimmen.

    Der Leser erfährt Interessantes über die Herstellung von Kissen für die Gottesdienste in der Kathedrale von Winchester, diese Kissen sind immer noch im Gebrauch, und auch über die Kunst des Glockenläutens mit mehreren Glocken.

    Der Roman besticht durch seine Glaubwürdigkeit und den Verzicht auf emotionale Übertreibungen, er vermittelt den Eindruck, dass man auch ohne ein großes Happy End einen persönlichen Weg zu einem stillen Glück finden kann.


    Fazit

    Ein lesenswerter, ruhig erzählter Roman über das Leben einer bemerkenswerten (fiktiven) Frauenpersönlichkeit, der außerdem wenig bekannte künstlerische Betätigungen im Umfeld der Kathedrale von Winchester thematisiert!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 9780008153816

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    In den Tiefen des Langjökull-Gletschers wird die Leiche eines seit Jahrzehnten vermissten Geschäftsmanns entdeckt. Damals wurde die Suche nach ihm eingestellt. Zwar war ein Kollege des Mannes des Mordes verdächtigt worden, aber die Beweise fehlten. Kommissar Konráð blieb jedoch stets von dessen Schuld überzeugt. Inzwischen ist Konráð pensioniert, aber der Fund des Vermissten lässt die Erinnerungen wieder wach werden. Und Konráð beschließt, den Fall noch einmal aufzurollen. Mit dramatischen Folgen ...


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Arnaldur Indriðason, 1961 geboren, graduierte 1996 in Geschichte an der University of Iceland und war Journalist sowie Filmkritiker bei Islands größter Tageszeitung Morgunbladid.

    Heute lebt er als freier Autor mit seiner Familie in Reykjavik und veröffentlicht mit sensationellem Erfolg seine Romane. Arnaldur Indriðasons Vater war ebenfalls Schriftsteller.

    1995 begann er mit Erlendurs erstem Fall, weil er herausfinden wollte, ob er überhaupt ein Buch schreiben könnte. Seine Krimis belegen allesamt seit Jahren die oberen Ränge der Bestsellerlisten. Seine Kriminalromane "Nordermoor" und "Todeshauch" wurden mit dem "Nordic Crime Novel’s Award" ausgezeichnet, darüber hinaus erhielt der meistverkaufte isländische Autor für "Todeshauch" 2005 den begehrten "Golden Dagger Award" sowie für "Engelsstimme" den "Martin-Beck-Award", für den besten ausländischen Kriminalroman in Schweden.

    Arnaldur Indriðason ist heute der erfolgreichste Krimiautor Islands. Seine Romane werden in einer Vielzahl von Sprachen übersetzt. Mit ihm hat Island somit einen prominenten Platz auf der europäischen Krimilandkarte eingenommen.


    Allgemeines

    Titel der Originalausgabe: „Myrkrið veit“ , ins Deutsche übersetzt von Anika Wolff

    Erschienen am 31.10.2019 bei Lübbe als HC mit 368 Seiten
    Gliederung: Karte von Island- Karte von Reykjavík – 60 Kapitel

    Erzählung in der dritten Person aus der Perspektive von Konráð

    Handlungsort und -zeit: Island, 2015 (mit zahlreichen Rückblicken)


    Inhalt

    Eine Touristengruppe findet auf dem abschmelzenden Langjökull-Gletscher die gut erhaltene Leiche eines Mannes, bei dem es sich um den 1985 spurlos verschwundenen Geschäftsmann Sigurvin handelt. Der pensionierte Polizist Konráð war seinerzeit mit dem Fall befasst und von der Schuld eines Mannes namens Hjaltalín überzeugt. Ohne Leiche konnte dem Verdächtigen kein Mord nachgewiesen werden, der Verdacht haftete jedoch wie Pech an ihm und überschattete sein ganzes Leben. Nach dem Fund der Leiche verlangt Hjaltalín, der inzwischen im Sterben liegt, noch einmal Konráð zu sprechen und beteuert auch im Angesicht seines Todes erneut seine Unschuld.

    Konráð beginnt auf eigene Faust zu ermitteln und muss sich dabei zahlreichen Erinnerungen aus seinem eigenen Leben stellen. Als sich der Verdacht ergibt, dass ein vermeintlicher Unfall, bei dem vor sechs Jahren ein Mann ums Leben kam, gar kein Unfall war, sondern ein Mord, der im Zusammenhang mit dem Fall Sigurvins steht, werden auch offizielle Ermittlungen durch die Mordkommission aufgenommen.


    Beurteilung

    Der Fall um den verschwundenen und dreißig Jahre später tot aufgefundenen Geschäftsmann Sigurvin ist gut konstruiert und – inklusive eines weiteren, aus dem ersten Mord resultierenden Verbrechens – logisch aufgebaut. Die Handlung um die Ermittlungen in den beiden Fällen wird, wie man es von Arnaldur Indriðason gewohnt ist, sehr ruhig und spannungsarm präsentiert.

    Mindestens ebenso bedeutend wie der Kriminalfall sind die Persönlichkeit und das Leben des schon seit dem Roman „Schattenwege“ bekannten pensionierten Polizisten Konráð. Erneut wird der rätselhafte Tod seines Vaters, einer zwielichtigen Gestalt, in den frühen Sechzigerjahren thematisiert.

    Außerdem erhält der Leser rückblickend interessante Einblicke in das berufliche Leben und sehr berührende Eindrücke von der glücklichen Ehe Konráðs, die durch den Krebstod seiner Frau Erna endete – ein Verlust, den der Witwer nicht überwunden hat!

    Konráð ist als Persönlichkeit sehr differenziert ausgearbeitet, trotz oder wegen seiner Fehler kann man sich gut in ihn hineinversetzen und fühlt sich ihm verbunden.

    Der Roman spricht einige unangenehme gesellschaftliche Erscheinungen wie Alkoholismus, Drogenmissbrauch, gesellschaftliche Vorverurteilung und Mobbing an und weist damit wie auch andere Werke des Autors gesellschaftskritische Elemente auf.


    Fazit

    Ein lesenswerter, gut konstruierter Kriminalroman, der aufgrund des spannungsarmen Erzählstils eher Freunden ruhigerer Krimis zu empfehlen ist als Lesern rasanter Thriller!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 9783785726570

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Wie wird man die Frau, die man sein will?

    In einer Sommernacht 1906 verlässt die eigenwillige Lisette Winter heimlich ihr Elternhaus: Ihre Liebe gehört dem Modezeichnen und Schneidergesellen Emile. Im Rheingau, fernab einer konservativen Gesellschaft, wollen sie selbstbestimmt leben. Schon bald ist das Paar bekannt für seine extravagante Reform-Mode. Doch dann bricht der Krieg aus und bringt neue Herausforderungen ... Hundert Jahre später hat auch Lisettes Urenkelin das Gefühl, nicht in ihr Leben zu passen. Sie begibt sich auf Spurensuche in die Vergangenheit. Nach und nach entfaltet sich für Maya die bewegende Geschichte der Frauen ihrer Familie – und ihre eigene.


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Astrid Ruppert studierte Literaturwissenschaft und arbeitete mehrere Jahre als Producerin und Redakteurin für das Fernsehen, bis sie während einer unfreiwilligen Auszeit zu schreiben begann. ›Leuchtende Tage‹ ist ihr fünfter Roman und der Beginn einer Trilogie über die Geschichte vierer Generationen von Müttern und Töchtern einer Familie. Astrid Ruppert, selbst Tochter, Mutter und Großmutter, geht hier der Frage nach, welches Band die Frauen einer Familie eigentlich zusammenhält. Wann gibt dieses Band Halt, und wann und wie kann man es lösen? Und wie prägt man selbst diese Beziehungen.


    Allgemeines

    Erster Band einer Trilogie über die Frauen der Familie Winter

    Erschienen am 24. Oktober 2019 im dtv-Verlag als broschiertes TB mit 480 Seiten
    Gliederung: Prolog – Acht Großkapitel mit nach Jahresangaben gegliederten Abschnitten – Nachwort – Quellenangabe

    Erzählung in der dritten Person aus Lisettes Perspektive, Einschübe aus Mayas Tagebuch als Ich-Erzählung

    Handlungsorte und -zeit: größtenteils Wiesbaden und Eltville, 1888 bis 1935 / 2006


    Inhalt

    Lisette wächst in Wiesbaden als Tochter eines wohlhabenden Bauunternehmers auf. Ihrer Mutter Dora, die aus kleinen Verhältnissen stammt, ist nichts wichtiger als zur „guten Gesellschaft“ zu gehören und sie versucht mit allen Mitteln, Lisette zur typischen Tochter aus gutem Hause zu erziehen. Lisette soll sich wie eine perfekte junge Dame benehmen, möglichst wenig eigenständig denken und darauf warten, von einem Mann der gehobenen Gesellschaft – möglichst einem Adeligen – geheiratet zu werden. Lisette ist jedoch ganz anders als ihre versnobte Mutter, sie möchte weder von gesellschaftlichen Konventionen noch von den korsettgestützten Kleidern der Vorkriegszeit eingeengt werden und sie will ihrem Leben einen Sinn geben. Ihr Wunsch gilt einem unabhängigen Dasein als Modezeichnerin, die bequeme Kleidung für Frauen entwirft und dadurch die Lebensqualität der Trägerinnen verbessert. In dem Schneider Emile, der ins Haus kommt, um den Damen der Familie Winter Kleider zu nähen, erkennt sie eine verwandte Seele. Sie verliebt sich unsterblich in den Mann, der sie – als erster Mensch überhaupt – als eigenständige Persönlichkeit wahrnimmt. Da ihre Eltern einer gemeinsamen Zukunft Lisettes mit „nur“ einem Schneider nie zustimmen würden, flieht sie 1906 gemeinsam mit Emile, um fortan mit ihm zu leben und zu arbeiten.

    Hundert Jahre später wandelt Lisettes Urenkelin Maya auf ihren Spuren und recherchiert über das Leben ihrer stolzen und mutigen Vorfahrin, die so ganz anders war als sie selbst.


    Beurteilung

    Der erste Band der Trilogie über die Frauen der fiktiven Familie Winter beschäftigt sich mit dem Verhältnis zwischen Müttern und Töchtern. Lisettes Mutter Dora, die sich ihrer einfachen Herkunft schämt und deshalb übertrieben standesbewusst und über-angepasst auftritt, kann nicht begreifen, dass ihre Tochter ihre Vorstellung vom Leben nicht teilt. Lisette, eine äußerst starke Persönlichkeit, muss später ihrerseits erkennen, dass auch ihre Tochter eine eigene Persönlichkeit mit eigenen Zielen ist. Dieses Thema spielt auch im Falle von Lisettes Urenkelin Maya, die als Ich-Erzählerin in ihrem Tagebuch über ihre familiengeschichtlichen Nachforschungen berichtet, eine Rolle. Maya bewundert Lisette, ihr ist sehr bewusst, dass sie selbst schüchtern und wenig mutig ist, worin sie sich nicht nur von Lisette, sondern auch von ihrer eigenen „wilden“ Mutter Paula unterscheidet.

    Die Charaktere aller Romanfiguren sind sehr gründlich ausgearbeitet. Diese Charaktere agieren vor einem gut recherchierten historischen Hintergrund, der ein eindrückliches Bild der gesellschaftlichen Veränderungen vom Ende des 19. Jahrhunderts bis 1935 zeichnet. Von besonderem Charme sind eingefügte Zitate aus zeitgenössischen Büchern und Zeitschriften (“Der gute Ton“, „Damenjournal“ etc.), die einen Eindruck vom damaligen Frauenbild vermitteln.

    Der Erzählstil ist anschaulich und farbenprächtig, sodass sich das Buch sehr flüssig lesen lässt. Die Beschreibung der großen Liebe zwischen Lisette und Emile ist ein wenig zu gefühlsüberladen geraten und hätte etwas weniger pathetisch gestaltet werden können.


    Fazit

    Ein vielversprechender Auftakt einer Trilogie, die sich mit den Familienkonstellationen von Frauen und ihren Müttern, bzw. Töchtern beschäftigt, sehr lesenswert!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 3423262265

    Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)

    Der goldene Herbst 1518 neigt sich dem Ende. Sechs Jahre sind vergangen, seitdem der berühmte Magier Johann Georg Faustus aus Nürnberg geflohen ist. Noch immer zieht er als Quacksalber und Astrologe durch die Lande. Sein Ruhm ist gewachsen, selbst an den Höfen von Herzögen, Grafen und Bischöfen sucht man seinen Rat. So als würde der Herrgott – oder sein böser Gegenspieler? – eine schützende Hand über ihn halten. Gemeinsam mit seinen neuen Gefährten Karl Wagner und der jungen Gauklerin Greta, seiner Ziehtochter, geht er gegen das erstarkende Böse in der Welt vor – immer auf der Suche nach dem wahren Wissen, das die Welt im Innersten zusammenhält.

    Johann spürt deutlich, dass dieses Leben nicht ewig so weiter gehen kann. Sein Erzfeind Tonio noch lange nicht besiegt, im Moment hält er sich bloß im Hintergrund. Doch manchmal glaubt Johann, dass der Teufel schon jetzt seine Hand nach ihm ausstreckt …


    Autor (Quelle: amazon)

    Seine blutige Familiengeschichte beschäftigt Oliver Pötzsch, Jahrgang 1970, bereits seit der Kindheit. Bei seinen Recherchen stieß er auf die Folterwerkzeuge seiner Ahnen und einen Meisterbrief, der seinem Vorfahren eine 'besondere Kunstfertigkeit beim Köpfen' bescheinigt. Er fand außerdem heraus, dass das Richtschwert der Familie in den 70ern des letzten Jahrhunderts aus einem Heimatmuseum gestohlen wurde und seitdem verschollen ist. Sein 2008 erschienener Roman „Die Henkerstochter“ wurde für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. Der Autor arbeitet für den Bayrischen Rundfunk und lebt in München.


    Allgemeines

    Zweiter Band um Dr. Johann Georg Faustus

    Erschienen am 25. Oktober 2019 bei List als HC mit 800 Seiten
    Gliederung: Prolog – Hauptteil in „Fünf Akten“ mit insgesamt 29 Kapiteln – Epilog – Nachwort – Reiseführer auf Fausts Spuren – Faust für Besserwisser

    Erzählung in der dritten Person, größtenteils aus Fausts Perspektive

    Handlungsort und -zeit: Verschiedene Orte im Deutschen Reich, 1518 bis 1523


    Inhalt

    Knapp sechs Jahre nach den Ereignissen des ersten Bandes „Der Spielmann“ zieht Dr. Johann Faust mit seinem homosexuellen Adlatus Karl Wagner und der jungen Greta, Tochter seiner verstorbenen Jugendliebe Margarete, als Zauberer und Gaukler durch das Deutsche Reich. Sein früherer Lehrmeister Tonio del Moravia, den er vor vielen Jahren verlassen hat, ist noch immer hinter ihm her, aber er ist nicht der Einzige, der ihn gern in seine Gewalt bringen möchte. Da das Gerücht umgeht, Faust habe den „Stein der Weisen“ gefunden und wisse, wie man als Alchimist Gold herstellt, ist dem geld- und goldgierigen Papst Leo X daran gelegen, dieses Geheimnis zu erfahren. Nach dem Tod Kaiser Maximilians ringen verschiedene Herrscher um die Krone des Deutschen Reiches; während Maximilians Enkel Karl durch die Hilfe der Fugger das nötige Geld für die Königswahl aufzubringen versucht, möchte Frankreichs König Franz I Faust in seine Gewalt bringen und das Rezept zur Goldherstellung erhalten.

    Von verschiedenen Verfolgern gejagt, fliehen Faust und seine Begleiter kreuz und quer durch das Deutsche Reich und geraten immer wieder in lebensgefährliche Situationen, doch es wird Faust schnell klar, dass er – und vor allem seine unschuldigen Reisegefährten – nur Frieden finden können, wenn er sich endlich seinem Feind Tonio stellt…


    Beurteilung

    Die fiktive Ausgestaltung der Lebensgeschichte des Dr. Johann Georg Faust(us) ist in einen gutrecherchierten historischen Kontext eingebettet. An der Seite des Protagonisten begegnet der Leser bedeutenden Persönlichkeiten des frühen 16. Jahrhunderts wie dem Gelehrten Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim, Leonardo da Vinci, König Franz I von Frankreich und Papst Leo X.

    Die Handlung des Romans wird äußerst anschaulich, rasant und wendungsreich erzählt, wobei auch aufgrund eines gewissen, manchmal leicht übertriebenen „Gruselfaktors“ durch Übernatürliches die Spannung durchgehend auf hohem Niveau bleibt.

    Die Charaktere der Romanfiguren sind sehr differenziert mit guten und schlechten Eigenschaften ausgearbeitet.

    Im Nachwort informiert der Autor über historische Hintergründe und ergänzt außerdem wie im vorherigen Band einen „Reiseführer auf Fausts Spuren“, der dem interessierten Leser Anregungen für den Besuch von mit dem historischen Faust assoziierten Stätten gibt.

    Um allen Nuancen der Erzählung folgen zu können, ist es ratsam, zunächst den ersten Band „Der Spielmann“ und anschließend den zweiten Teil „Der Lehrmeister“ zu lesen.


    Fazit

    Eine faszinierende Begegnung mit dem Bösen, die optimal in die dunklere Jahreszeit passt und fesselnde Unterhaltung beschert!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: 3471351604

    Am 2. Dezember 2019 erscheint die deutsche Ausgabe. Anbei die Kurzbeschreibung von amazon dazu:


    Ein Killer, der die Herzen seiner Opfer auf Gräbern ablegt:
    Der rasante Thriller ist Fall Nummer 18 für FBI-Special-Agent Aloysius Pendergast, den Kult-Ermittler aus der Feder der Bestseller-Autoren Douglas Preston und Lincoln Child.

    Eine äußerst morbide Mordserie wird zu einer ganz besonderen Herausforderung für Special Agent Aloysius Pendergast – denn dem erklärten Einzelgänger wird von seinem neuen Chef beim FBI ein Partner zur Seite gestellt.
    Den Frischling Agent Coldmoon im Schlepptau, reist Pendergast nach Miami Beach in Florida, wo ein Serienkiller die Herzen ermordeter Frauen zusammen mit kryptischen Briefen auf Gräbern ablegt. Während es zwischen den Opfern des Killers keinerlei Verbindung zu geben scheint, stellt sich schnell heraus, dass in den Gräbern ausnahmslos Selbstmörderinnen beigesetzt sind. Doch was haben diese toten Frauen mit den neuen Morden zu tun?
    Je tiefer Pendergast und Coldmoon graben, desto klarer wird ihnen, dass die Lösung des Rätsels weit in der Vergangenheit liegen muss – und dass ihr Gegner ihnen näher ist, als ihnen lieb sein kann.


    ASIN/ISBN: 3426226944

    Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)

    After an overhaul of leadership at the FBI's New York field office, Special Agent A.X.L. Pendergast is forced to accept an unthinkable condition of continued employment: the unorthodox lone wolf must now work with a partner. Pendergast and his new cohort, Special Agent Coldmoon, are dispatched to Florida to investigate a rash of ritualistic murders. A killer is carving out the hearts of his victims, and depositing the stolen organs alongside the headstones of existing graves. Accompanying each heart is a cryptic letter, signed by a 'Mr Brokenhearts'. There is one more intriguing aspect to Mr Brokenhearts' macabre modus operandi: the chosen graves all belong to women who have committed suicide. As he searches for the connection between the old suicides and the new murders, Pendergast realizes the brutal new crimes may be just the tip of the iceberg: that he faces a conspiracy of death reaching back decades.


    Autoren (Quelle: amazon)

    Douglas Preston and Lincoln Child are the number one bestselling co-authors of the celebrated Pendergast novels, as well as the Gideon Crew books. Preston and Child's Relic and The Cabinet of Curiosities were chosen by readers in a National Public Radio poll as being among the one hundred greatest thrillers ever written, and Relic was made into a number one box-office hit movie. Readers can sign up for their monthly newsletter, The Pendergast File, at http://www.PrestonChild.com and follow them on Facebook.


    Allgemeines

    18.Band der Pendergast-Reihe

    Erschienen am 31.12.2019 bei Head of Zeus als HC mit 352 Seiten
    Gliederung: 50 Kapitel

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Florida (USA), in der Gegenwart


    Inhalt

    Gegen seinen Willen bekommt Pendergast einen Partner zugeteilt; Special Agent Coldmoon soll ihn bei einem sehr verwickelten Fall in Florida unterstützen. In Miami geht ein Killer um, der jungen Frauen auf der Straße von hinten schnell und schmerzlos die Kehlen durchschneidet, um ihnen anschließend die Herzen zu entnehmen. Diese Herzen drapiert er auf den Gräbern von Frauen, die in den Jahren 2006 und 2007 durch Selbstmord gestorben sind. Zusätzlich zu den Herzen werden auf den Gräbern Briefe eines „Mr. Brokenhearts“ gefunden, in denen dieser angibt, mit dem Geschenk der Herzen für etwas, das er bedauert, Buße zu tun.

    Pendergast und Coldmoon versuchen herauszubekommen, ob es zwischen den Mordopfern, den Selbstmörderinnen oder sogar zwischen den damals und den jetzt Verstorbenen eine Verbindung gibt.

    Ihre Ermittlungen führen die beiden Agenten in eine abgelegene Sumpflandschaft, in der die zahlreichen hungrigen Alligatoren nur eine von vielen Gefahren darstellen…


    Beurteilung

    Der 18. Fall für Special Agent Aloysius Pendergast ist sehr ungewöhnlich, denn er hat es mit einem Mörder zu tun, der offenbar keinen Spaß am Töten hat und seine Opfer so schmerzlos wie möglich umbringt, da es ihm nur darum geht, an deren Herzen zu gelangen. Für Pendergast, der sich hier mit einem neuen Partner und dessen Eigenheiten arrangieren muss, ist es schwierig, dem Zusammenhang der aktuellen Mordserie mit einer Reihe von Selbstmorden vor mehr als einem Jahrzehnt auf die Spur zu kommen.

    Neben dem Agenten Coldmoon treten weitere neue Romanfiguren auf, so zum Beispiel der Journalist Smithback, Bruder des in einem vorherigen Band verstorbenen Will Smithback, und die Gerichtsmedizinerin Fauchet, die Pendergast und Coldmoon als „Hobbydetektivin“ unterstützt. Der immer etwas undurchschaubare Pendergast entwickelt in diesem Roman geradezu menschliche Eigenschaften und zeigt eine bisher nicht erkennbare Empathie.

    Das Motiv der Taten mag etwas unrealistisch sein, aber der Kriminalfall ist gut aufgebaut und aufgrund der überaus anschaulichen Erzählweise auch sehr spannend.


    Fazit

    Nach dem schwächeren 17. Band ein erfreulich spannender Kriminalroman, der den Freunden der Pendergast-Reihe fesselnde Unterhaltung bietet!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 1788546768

    Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)

    In a time of suspicion and accusation, to be a woman is the greatest risk of all . . . Fleetwood Shuttleworth is 17 years old, married, and pregnant for the fourth time. But as the mistress at Gawthorpe Hall, she still has no living child, and her husband Richard is anxious for an heir. When Fleetwood finds a letter she isn't supposed to read from the doctor who delivered her third stillbirth, she is dealt the crushing blow that she will not survive another pregnancy. Then she crosses paths by chance with Alice Gray, a young midwife. Alice promises to help her give birth to a healthy baby, and to prove the physician wrong. As Alice is drawn into the witchcraft accusations that are sweeping the north-west, Fleetwood risks everything by trying to help her. But is there more to Alice than meets the eye? Soon the two women's lives will become inextricably bound together as the legendary trial at Lancaster approaches, and Fleetwood's stomach continues to grow. Time is running out, and both their lives are at stake. Only they know the truth. Only they can save each other.


    Autorin (Quelle: amazon)

    Stacey Halls grew up in Rossendale, Lancashire, as the daughter of market traders. She has always been fascinated by the Pendle witches. She studied journalism at the University of Central Lancashire and moved to London aged 21. She was media editor at the Bookseller and books editor at Stylist.co.uk, and has also written for Psychologies, the Independent and Fabulous magazine, where she now works as Deputy Chief Sub Editor. The Familiars is her first novel.


    Allgemeines

    Erschienen bei Zaffre Publishing am 7. Februar 2019 als HC mit 432 Seiten
    Gliederung: Landkarte „Counts of Lancaster“ – Vier Teile mit insgesamt 26 Kapiteln – Danksagung – A Letter From The Author – Historical Note – Reading Group Questions

    Ich-Erzählung von Fleetwood Shuttleworth

    Handlungsort und -zeit: County of Lancaster, 1612


    Inhalt

    Die erst siebzehnjährige Fleetwood Shuttleworth ist die Herrin auf Gawthorpe Hall. Nach drei Fehlgeburten ist sie zum vierten Mal schwanger; ihr Mann Richard erwartet dringend einen Erben von ihr. Ihr Arzt glaubt allerdings, dass sie eine weitere Schwangerschaft/ Fehlgeburt nicht überleben wird.

    Bei einem ihrer Ausritte im Wald lernt Fleetwood die junge Alice, eine „wise woman“ und Hebamme, kennen und nimmt fortan ihre Dienste in Anspruch. Doch dann gerät Alice in den Verdacht der Hexerei, da sie zu den Verdächtigen im Pendle witch trial Kontakt hatte und außerdem ein Kind, das sie betreuen sollte, gestorben ist.

    Fleetwood ist von ihrer Unschuld überzeugt und kämpft verbissen um die Freilassung von Alice, um deren und auch ihr eigenes Leben zu retten, denn sie ist sich sicher, dass sie nur mit Alices Hilfe ihr Kind zur Welt bringen kann. Um ihr Ziel zu verfolgen, verstößt sie gegen einige Konventionen einer Zeit, in der Frauen im gesellschaftlichen und politischen Leben so gut wie keinen Einfluss haben.


    Beurteilung

    Die Figuren dieses Romans sind allesamt historische Persönlichkeiten, lediglich die Beziehung zwischen Fleetwood und Alice ist nicht historisch belegt und wird von der Autorin fiktiv gestaltet. Die Informationen um den vom fanatischen Hexenjäger Roger Nowell angezettelten Hexenprozess von Pendle im Jahr 1612 sind gut recherchiert und entsprechen den historischen Fakten. Im Mittelpunkt des Geschehens steht allerdings nicht so sehr der Hexenprozess, der gegen Ende relativ kurz thematisiert wird, sondern vor allem die Rolle der Frau zur Regierungszeit des aber- und hexengläubischen Königs James I. Diese Rolle wird am Beispiel Fleetwoods verdeutlicht, wobei Fleetwood eine – wohl eher untypisch - starke Persönlichkeit ist, die sich in ihrer Ehe auf Augenhöhe mit ihrem Mann sieht und sich auch nicht scheut, sich an Amtspersonen zu wenden, wenn sie gegen ein Unrecht zu Felde zieht. Das Schicksal der Frauen aus dem einfachen Volk wird am Leben von Alice aufgezeigt, im frühen 17. Jahrhundert sind Frauen nicht nur durch häusliche Gewalt sowie die Gefahren des Kindbetts bedroht, sondern auch durch Hexenprozesse, denen immer wieder vor allem „unangepasste“ Frauen zum Opfer fallen.

    Die Handlung wird durch die Augen der Ich-Erzählerin Fleetwood erzählt, deren Persönlichkeit deshalb am gründlichsten ausgearbeitet ist; der Leser kann sich jedoch auch von Alice und der Kräuterheilkunde der Zeit ein gutes Bild machen.

    Der Erzählstil ist flüssig und anschaulich, sodass sich der Roman zügig lesen lässt. Ein (leider recht kurzes) Nachwort gibt Zusatzinformationen zum Hexenprozess von 1612. Ein Verzeichnis der Romanfiguren wäre hilfreich gewesen.


    Fazit

    Ein gelungener Debütroman einer jungen Autorin, der sich vor allem an Leser mit Interesse an englischer Geschichte des 17. Jahrhunderts rund um den Hexenprozess von Pendle richtet!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: 1785766112

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    […] Groß war die Hoffnung im Wolfsburger Land, als auf Hitlers Befehl das Volkswagenwerk aus dem Boden gestampft wurde. War dies der Anfang einer neuen Zeit? Aufbruch in eine wunderbare Zukunft? Während die Welt der Familie Ising sich von Grund auf verwandelt, geht die Saat der falschen Verheißungen auf. Der Krieg bricht aus, und nun muss ein jeder sich zu erkennen geben, im Guten wie im Bösen ...

    Während Horst in der Partei Karriere macht, begleitet Edda mit dem Sonderfilmtrupp Riefenstahl den Polen-Feldzug der Wehrmacht. Georg bricht mit seinem VW zu einer Testfahrt auf, die ihn kreuz und quer durch das umkämpfte Europa bis nach Afghanistan führt. Zu Hause bangen die Eltern um ihr Sorgenkind, den kleinen Willy. Und Charly wartet auf Nachricht von Benny, der Liebe ihres Lebens. Doch er scheint in den Wirren von Krieg und Zerstörung verschollen.

    Was wird für sie alle in den Zeiten der Bewährung am Ende übrig bleiben - von ihren Träumen, von ihrer Hoffnung? […]


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Peter Prange ist als Autor international erfolgreich. Seine Werke haben eine Gesamtauflage von über drei Millionen erreicht und wurden in 24 Sprachen übersetzt. Mehrere Bücher, etwa sein Bestseller ›Das Bernstein-Amulett‹, wurden verfilmt. Nach seinem Erfolgsroman ›Unsere wunderbaren Jahre‹ folgt nun der große Roman in zwei Bänden, ›Eine Familie in Deutschland‹. Der Autor lebt mit seiner Frau in Tübingen.


    Allgemeines

    Zweiter Band zu „Eine Familie in Deutschland - Zeit zu hoffen, Zeit zu leben“

    Erschienen am 25.09. 2019 bei Fischer Scherz als HC mit 816 Seiten
    Gliederung: Roman in drei Hauptteilen mit jeweils nummerierten Kapiteln – Epilog - Danksagung – Personenverzeichnis der Familie Ising sowie weiterer Romanfiguren

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsorte und -zeit: Fallersleben, Wolfsburg („Stadt des KdF-Wagens“), Berlin, Paris, Niederlande, 1939 bis 1945, bzw. 1955 (Epilog)


    Inhalt

    Der zweite Band setzt die Geschichte um die fiktive Familie Ising aus „Zeit zu hoffen, Zeit zu leben“ fort, es ist sowohl wegen der komplexen historischen Entwicklungen als auch wegen der Vielzahl an historischen und fiktiven Romanfiguren unbedingt empfehlenswert, diesen Roman erst im Anschluss an den ersten Band zu lesen.


    Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs geht nach wie vor ein Riss durch die Familie Ising: Hermann und sein Sohn Horst sind überzeugte Nationalsozialisten, die erst sehr spät die Einsicht gewinnen, dass die Nationalsozialisten gewissenlose und größenwahnsinnige Schlächter sind. Die älteste Tochter Edda gelangt an der Seite von Leni Riefenstahl schon wesentlich früher zu dieser Einsicht, sie trennt sich von Leni und geht nach Paris, wo sie als Botschaftssekretärin arbeitet und Kontakte zur Résistance knüpft.

    Georg Ising, der eigentlich nur als Ingenieur an der Konstruktion des Volkswagens arbeiten will, wird gegen seinen Willen an die Front geschickt und gerät in de Hexenkessel bei Stalingrad. Charlotte, die zur Scheidung von ihrem jüdischen Mann Benny gezwungen wurde, ist immer noch eine entschiedene Gegnerin des Nationalsozialismus; während sie täglich um das Leben Bennys fürchtet, der in einem Arbeitslager in den Niederlanden lebt, arbeitet sie im Hospital des Fallerslebener Arbeitslager und kämpft für ein halbwegs menschenwürdiges Leben der zwangsverpflichteten Ostarbeiterinnen und ihrer Kinder.


    Beurteilung

    Auch der zweite Band ist hervorragend recherchiert, die Geschichte der fiktiven Familie Ising ist in den realen historischen Gesamtzusammenhang der Kriegsjahre eingebettet. Trotz des gewaltigen Umfangs lässt sich das Buch zügig lesen, was nicht nur am äußerst bildhaften Erzählstil, sondern auch am häufigen Wechsel der Erzählperspektive liegt. Die einzelnen Kapitel sind relativ kurz und oft mit einem Cliffhanger versehen.

    Der Autor hat die Charaktere seiner Romanfiguren sehr differenziert und ohne Schwarzweiß-Malerei ausgearbeitet. Selbst die überwiegend „negativen“ Charaktere werden nicht ausschließlich als Unmenschen dargestellt und sympathische Romanfiguren werden unter dem Druck der Umstände zu Verrätern, wenn es darum geht, ihr Leben zu retten. Der Leser kann sich fragen, ob er selbst als Jude untergetauchte jüdische Mitbürger verraten hätte, wenn er oder seine engsten Angehörigen dadurch dem Transport ins Todeslager hätte entgehen können.

    Sehr eindringlich schildert der Autor die Angst der Juden in den Arbeitslagern, die im Wochentakt fürchten müssen, mit dem montäglichen Zug „auf Transport“ (nach Auschwitz ins Todeslager) geschickt zu werden. Der brutale Umgang der Wächter mit Gefangenen und das Schicksal der Juden in Auschwitz werden dem Leser schonungslos in ihrer unfassbaren Menschenverachtung vor Augen geführt. Auch wenn diese Vorgänge jedem bekannt sind, ist diese Lektüre inhaltlich schwere Kost.

    Dem Roman ist ein Verzeichnis der fiktiven und realen Romanfiguren angefügt, dieses hätte besser vorn platziert werden sollen.


    Fazit

    Gründlich recherchiert, informativ und erschütternd – uneingeschränkt empfehlenswert!

    10 Punkte

    ASIN/ISBN: 3651025020

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    1919: The war is over, but peace is yet to come. As men are demobbed, women must give up positions that gave them freedom. Edward is given an important job at the Peace Conference in Paris, but it means more lonely months away from Beattie and his hoped-for reconciliation. Fred's unit is sent to the Rhine, and Cook feels a guilty relief that her uprooting has been postponed. Laura's friend Ransley volunteers for a further six months, and rather than go home, Laura finds a new outlet: conducting guided tours of the battlefields.

    In England there are strikes and unrest, hardship and widespread unemployment, and everywhere the sight of the wounded to remind the nation of what it has paid for peace. But as the first, difficult year post-war comes to an end, there are great changes afoot for the Hunter household, wonderful surprises, and the promise of a new start.

    Pack Up Your Troubles is the sixth and final book in the War at Home series by Cynthia Harrod-Eagles, author of the much-loved Morland Dynasty novels. Set against the real events of 1919, at home and on the front, this concludes the vivid and rich family drama featuring the Hunter family and their servants.


    Autorin (Quelle: Amazon)

    Cynthia Harrod-Eagles is the author of the hugely popular Morland Dynasty novels, which have captivated and enthralled readers for decades. She is also the author of the contemporary Bill Slider Mystery series, as well as her new series, War at Home, which is an epic family drama set against the backdrop of World War I. Cynthia's passions are music, wine, horses, architecture and the English countryside.


    Allgemeines

    Sechster und letzter Band der „War at Home“-Reihe

    Erschienen am 15.08.2019 im Sphere Verlag als HC mit 400 Seiten
    Gliederung: Stammbaum der Familie Hunter - 25 Kapitel

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Northcote, London, Frankreich, Dezember 1918 bis Dezember 1919


    Inhalt

    Mit dem Waffenstillstand ist der Erste Weltkrieg noch nicht vorbei, die Soldaten werden größtenteils nicht gleich demobilisiert, da man dem Frieden noch nicht traut. Auch Edward Hunter kann noch nicht zu seiner Familie zurückkehren, da er an der Friedenskonferenz in Paris teilnimmt.

    Als die Männer schließlich heimkehren, ergeben sich daraus neue Probleme. Es gibt nicht genügend Arbeitsplätze. Die Frauen, die während des Krieges viele Arbeitsplätze der Männer eingenommen haben, sind nicht ohne Weiteres bereit, diese zugunsten der Männer aufzugeben und sich in das Schattendasein zurückzuziehen, das sie in der Vorkriegszeit geführt haben. Außerdem sind manche Kriegsheimkehrer aufgrund von gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht in der Lage, ihren früheren Tätigkeiten nachzugehen.

    Die gesellschaftlichen Konventionen sind im Wandel begriffen, es wird weniger Wert auf Etikette gelegt und die jungen Leute, die ihr Leben genießen wollen, erhalten bis dahin ungekannte Freiheiten.


    Beurteilung

    Auch der letzte Band der Reihe um die Familie Hunter und ihre Dienstboten ist gründlich recherchiert und vermittelt ein eindrucksvolles Bild vom Leben in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Der Erzählstil ist sehr anschaulich und atmosphärisch; durch den Wechsel der Erzählperspektive zwischen den verschiedenen Mitgliedern des Hunter´schen Haushalts und auch einiger nicht im Haus lebender Verwandter ist die Lektüre sehr kurzweilig. Aufgrund der Vielzahl von Romanfiguren und der Fortsetzung von deren diversen Lebensgeschichten ist es unbedingt sinnvoll, die Reihe in der korrekten Reihenfolge zu lesen.

    Die Geschichte wirkt sehr glaubwürdig und lebensnah, dazu gehören auch einige üble Schockmomente, da es - realistischerweise – nicht für Jeden ein Happy End gibt. Dennoch vermittelt der Roman ein Gefühl von Aufbruch und Neubeginn nach den schrecklichen Kriegsjahren. Nur der Leser bleibt traurig darüber zurück, dass eine großartige Romanreihe ihr Ende gefunden hat und er sich nicht im nächsten Jahr auf einen weiteren Band freuen kann.


    Fazit

    Ein würdiger Abschluss einer insgesamt großartigen Reihe!

    ASIN/ISBN: 0751574287

    10 Punkte

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Fünf Tage ohne Handy. Ohne Internet. Offline.

    Der neue Psycho-Thriller von Bestseller-Autor Arno Strobel

    Fünf Tage ohne Internet. Raus aus dem digitalen Stress, einfach nicht erreichbar sein. Digital Detox. So das Vorhaben einer Gruppe junger Leute, die dazu in ein ehemaliges Bergsteigerhotel auf den Watzmann in 2000 Metern Höhe reist.

    Aber am zweiten Tag verschwindet einer von ihnen und wird kurz darauf schwer misshandelt gefunden. Jetzt beginnt für alle ein Horrortrip ohne Ausweg. Denn sie sind offline, und niemand wird kommen, um ihnen zu helfen ...


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Arno Strobel liebt Grenzerfahrungen und teilt sie gern mit seinen Lesern. Deshalb sind seine Thriller wie spannende Entdeckungsreisen zu den dunklen Winkeln der menschlichen Seele und machen auch vor den größten Urängsten nicht Halt.

    Seine Themen spürt er dabei meist im Alltag auf und erst, wenn ihn eine Idee nicht mehr loslässt und er den Hintergründen sofort mit Hilfe seines Netzwerks aus Experten auf den Grund gehen will, weiß er, dass der Grundstein für seinen nächsten Roman gelegt ist. Alle seine bisherigen Thriller waren Bestseller.


    Allgemeines

    Erschienen am 25.09.2019 im Fischer Verlag als broschiertes TB mit 368 Seiten
    Gliederung: Prolog – 53 Kapitel – Epilog

    Erzählung in der dritten Person, größtenteils aus der Perspektive von Jennifer (Jenny) König

    Handlungsort und -zeit: Ein abgeschiedenes Bergsteigerhotel in Österreich in einem eiskalten Februar in der Gegenwart


    Inhalt

    Jenny König, ein paar ihrer Kollegen und einige andere junge Menschen, die allesamt beruflich und privat ständig mit Smartphones, Tablets und dergleichen beschäftigt sind, finden sich zu einem ungewöhnlichen „Seminar“ namens „Digital Detox“ zusammen. Es geht darum, ein paar Tage ohne moderne technische Kommunikationsmittel in einer abgeschiedenen Umgebung zur Ruhe zu kommen.

    Zu diesem Zweck wollen die Gruppenmitglieder, nachdem sie ihre Mobiltelefone dem Reiseleiter übergeben haben, fünf Tage als die einzigen Gäste in einem abgeschiedenen Bergsteigerhotel, das sich im Umbau befindet, gemeinsam verbringen, wandern und anderen „Offline-Beschäftigungen“ nachgehen. Schon nach der ersten Nacht wird ein Gruppenteilnehmer vermisst und nach einer Suchaktion schließlich schwer verletzt aufgefunden. Der Mann ist auf eine so perfide Weise verstümmelt worden, dass der Täter nur ein Wahnsinniger sein kann. Das Hotel ist durch anhaltende Schneestürme so eingeschneit, dass niemand es verlassen oder von außerhalb aufsuchen kann, der Irre muss sich also entweder unter den Gruppenteilnehmern befinden oder einer der beiden Hausmeister sein. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen findet der Psychopath in der nächsten Nacht ein neues Opfer…


    Beurteilung

    Das Grundmotiv dieses Thrillers kennt man schon von Agatha Christie: Eine Gruppe von Menschen, in deren Mitte sich ein Mörder befindet, hält sich in einer abgeschlossenen Umgebung auf, ohne die Möglichkeit, Kontakt nach außen zu haben und Hilfe zu holen. Arno Strobel setzt dieses Sujet in unserer modernen Zeit um, indem seine Gruppenteilnehmer ihre Kommunikationsmittel (Smartphones) abgeben müssen.

    Nachdem die Teilnehmer des Seminars „Digital Detox“ einzeln vorgestellt worden sind, entwickelt sich die Handlung rasant, das Spannungsniveau ist durchgängig so hoch wie die Lage des abgeschiedenen Hotels, in dem sie sich abspielt. Es gelingt dem Autor ausgezeichnet, die einzelnen Charaktere und ihre Veränderung unter enormem psychischen Druck herauszuarbeiten. Der Leser sieht, wie sich Menschen verändern, wenn die Masken fallen.

    Der Erzählstil ist überaus spannend und anschaulich, der Leser bekommt selbst das Gefühl, sich in diesem durch Schneestürme von der Außenwelt abgeschlossenen, unheimlichen Hotel zu befinden.

    Der Autor versteht es, seine Leser geschickt auf falsche Fährten zu führen; da das Motiv dieser völlig unfassbaren Taten lange unklar bleibt, ist die Auflösung erst spät absehbar.

    Eine Kleinigkeit wird zum Ende hin nicht ausreichend erklärt, davon abgesehen ist „Offline“ ein Thriller, der so fesselnd ist, dass man ihn nicht aus der Hand legen kann.


    Fazit

    Ein unglaublich fesselnder Pageturner für Leser mit starken Nerven!

    9 Punkte


    ASIN/ISBN: 3596703948



    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    Eine Tote, mitten im Wald. Getötet an dem Ort, wo vor Jahren das Skelett eines kleinen Mädchens lag. Ein cold case, der nie gelöst wurde. Wer sind die Toten? Was hat der spurlos verschwundene Kommissar mit ihnen zu tun? Und warum erinnert Profilerin Hanne sich an keine Ermittlungsergebnisse? Die Einwohner des kleinen trostlosen Omberg, das mitten zwischen dunklen Kiefernwäldern liegt, halten sich bedeckt. Doch niemand, nicht einmal die Polizei, kann der Wahrheit entkommen, die sich nach jahrelangem Schweigen bahnbricht…


    Autorin (Quelle: Amazon)

    Camilla Grebe, geboren 1968 in Älvsjö in der Nähe von Stockholm. Sie studierte an der Stockholm School of Economics, hat den Hörbuchverlag »StorySide« gegründet und betreibt ein Beratungsunternehmen. Gemeinsam mit ihrer Schwester schrieb sie die erfolgreiche Krimi-Reihe um die Stockholmer Psychotherapeutin Siri Bergman. »Wenn das Eis bricht« war ihr erster eigener Roman, der für seine einzigartige Stimme in der Presse hochgelobt wurde. »Tagebuch meines Verschwindens« wurde mit dem Skandinavischen Krimipreis ausgezeichnet. Camilla Grebe lebt mit ihrer Familie in Stockholm.


    Allgemeines

    Zweiter Band um die Profilerin Hanne

    Titel der Originalausgabe: „Husdjuret“, ins Deutsche übersetzt von Gabriele Haefs

    Erschienen am 9. September beim btb Verlag als broschiertes TB mit 608 Seiten
    Gliederung: Prolog (2009) – Hauptteil (Winter 2017) – Epilog (Frühjahr 2018)

    Ich-Erzählung, kapitelweise abwechselnd von Malin, Hanne und Jake

    Handlungsort und -zeit: Ormberg (fiktives schwedisches Dorf), 2009 bis 2018


    Inhalt

    Im Jahr 2009 finden die Jugendliche Malin und ihre Freunde bei einem Bierumtrunk im Wald bei Ormberg die skelettierten Überreste eines Kindes. 2017, Malin arbeitet inzwischen bei der Polizei, wird am selben Ort die Leiche einer unbekannten Frau gefunden, in der Nähe des Tatorts wird die Profilerin Hanne, die offenbar an beginnender Demenz leidet, völlig verwirrt aufgegriffen. Sie gibt an, mit ihrem Kollegen Peter eine Spur verfolgt zu haben, kann sich jedoch an nichts erinnern und Peter ist spurlos verschwunden.

    Die beiden im Wald gefundenen Toten scheinen einen Bezug zum örtlichen Flüchtlingsheim, in dem Anfang der Neunzigerjahre bosnische Flüchtlinge untergebracht waren, zu haben, doch was ist mit Peter passiert? Sind Hanne und Peter dem Täter zu nah gekommen?


    Beurteilung

    Im ersten Drittel des Kriminalromans, in dem die Handlung noch eher spannungsarm verläuft, werden die drei Ich-Erzähler, die abwechselnd über die Geschehnisse in Ormberg berichten, detailliert vorgestellt. Malin hat Ormberg, das sie immer als beengend empfunden hat, nach ihrer Schulzeit verlassen und arbeitet in Katrineholm, sie wird aber für den aktuellen Fall nach Ormberg entsandt, weil sie sich dort auskennt. Hanne ist eine talentierte Profilerin, deren Verstand jedoch zunehmend durch eine beginnende Demenz getrübt wird. Da nicht einmal sie selbst sich auf ihre Erinnerungen verlassen kann, hält sie die Ermittlungen in ihrem Tagebuch fest. Leider hat sie dieses Tagebuch im Wald verloren, wo es der fünfzehnjährige Jake gefunden hat, der auf diese Weise in den Fall verwickelt wird.

    Der Kriminalfall ist komplex konstruiert und beschäftigt sich mit dem Thema „Flucht“ in der Vergangenheit (1993) und in der Gegenwart sowie mit der diesbezüglichen Reaktion der schwedischen Dorfbewohner, die in einem verarmten Ort leben, in dem es keine Industrie mehr, dafür aber eine hohe Arbeitslosigkeit gibt. Die Romanfiguren werden in ihren Charakteren differenziert und ohne Schwarzweiß-Malerei dargestellt, ihre unterschiedlichen Einstellungen den Flüchtlingen gegenüber sind problemlos nachvollziehbar.

    Im Verlauf des Romans steigt die Spannung, sodass man das Buch nach einem etwas zähen Beginn ungern aus der Hand legt. Die Schilderung des Dorfes und des Waldes im Winter ist sehr atmosphärisch und anschaulich. Die Auflösung ist nicht zu früh absehbar, am Ende gibt es sogar für die Leser, die quasi „in die richtige Richtung ermittelt“ haben, eine gelungene Überraschung.

    Einige Tatumstände wirken nicht vollkommen glaubwürdig, das tut der Unterhaltung jedoch keinen Abbruch.


    Fazit

    Ein bedrückender Kriminalfall, der auch Leser ohne Kenntnis des ersten Bandes „Wenn das Eis bricht“ gut unterhält!

    8 Punkte


    ASIN/ISBN: 3442718813