Beiträge von €nigma

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Das erste Kinderkrankenhaus Berlins und zwei Schwestern, die sich aufopferungsvoll um ihre kleinen Patienten kümmern

    Berlin 1911: Die Schwestern Marlene und Emma Lindow können ihr Glück kaum fassen: Sie dürfen als Lernschwestern in der Kinderklinik Weißensee anfangen. Die forsche Marlene lernt schnell, die schüchterne Emma fühlt sich hingegen bald von ihrer Schwester zurückgesetzt. Denn Marlene hat sich gleich doppelt verliebt: in den vornehmen Assistenzarzt Doktor Maximilian von Weilert und in das noch junge Fachgebiet Kinderheilkunde. Sie ist fest entschlossen, selbst Kinderärztin zu werden. Doch der Weg nach oben ist steinig, der in Maximilians Familie erst recht. Emma geht in ihrer Rolle als Kinderkrankenschwester auf und entfernt sich immer mehr von ihr. Erst als das Leben des kleinen Fritz Schmittke am seidenen Faden hängt, erkennen Emma und Marlene, dass sie zusammenstehen müssen, um ihre wichtigste Aufgabe zu erfüllen: den Kindern zu helfen.


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Antonia Blum lebte längere Zeit in Berlin, ohne den Weißen See dort je gesehen zu haben. Erst Jahre später, nachdem sie die Hauptstadt längst verlassen hatte, entdeckte sie durch einen Zufall die Ruine der einstigen Kinderklinik in Weißensee und kommt seitdem von dem Ort und seiner bewegten Geschichte nicht mehr los. Heute fährt Antonia nicht nur zum Spazierengehen immer wieder an den Weißen See, der dem Berliner Stadtteil seinen Namen gab. Sie ist überzeugt, dass dort ein Tor in die Vergangenheit existiert.


    Allgemeines

    Erster Teil der Dilogie „Kinderklinik Weißensee“

    Erschienen am 30. November 2020 im Ullstein Verlag als TB mit 432 Seiten
    Gliederung: Prolog – 46 Kapitel – Nachwort – Literaturhinweise

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Weißensee, Berlin, 1911/1912


    Inhalt

    Die Waisenschwestern Marlene und Emma Lindow beginnen im Sommer 1911 eine einjährige Ausbildung zur Kinderkrankenschwester an der gerade erst eröffneten Kinderklinik Weißensee. In dieser Klinik soll die Anfang des 20. Jahrhunderts extrem hohe Säuglings- und Kleinkindersterblichkeit bekämpft werden. Der Klinik ist ein eigener Milchbetrieb (Milchkuranstalt) angeschlossen, in dem aus der Milch hauseigener Kühe unter Einhaltung moderner hygienischer Standards Säuglingsmilch hergestellt wird. Gleichzeitig setzen sich die Ärzte der Klinik jedoch dafür ein, das Stillen als beste Art der Säuglingsernährung zu fördern. Diesbezüglich werden Vortragsreihen und Kongresse organisiert.

    Die beiden Schwestern widmen sich mit vollem Einsatz ihrer Ausbildung, auch wenn ihr Leben nicht ungetrübt verläuft, da die anderen Lernschwestern, größtenteils aus „guten Häusern“ stammend, auf die Waisen herabsehen. Außerdem kommt es auch zwischen Emma und Marlene zu einer Entfremdung, als Emma sich in einen Melker verliebt, der es Marlenes Meinung nach nicht ernst mit ihr meint. Als ältere Schwester fühlt sich Marlene für Emma verantwortlich und mischt sich zu sehr in deren Leben ein. Marlene träumt davon, im Anschluss an ihre Ausbildung Medizin zu studieren und sie verliebt sich in einen jungen Arzt, der ihre Ambitionen unterstützt. Dessen Eltern, Graf und Gräfin von Weilert, halten jedoch nichts von einer zukünftigen Schwiegertochter aus einfachen Verhältnissen und möchten die Frau für ihren Sohn selbst aussuchen.


    Beurteilung

    Der erste Teil der Dilogie beschäftigt sich mit einer neuen Entwicklung der Medizin kurz vor dem Ersten Weltkrieg, als sich die Pädiatrie als eigene medizinische Fachrichtung entwickelt. Wurden Kinder zuvor als kleine Erwachsene gesehen, so erkennt man jetzt, dass es in der Versorgung von Kindern spezielle Fragestellungen gibt, angefangen bei der optimalen Säuglingsnahrung bis zu Betrachtungen, inwieweit Ärzte bei längerem Krankenhausaufenthalt der Kinder auch als deren Erzieher wirken. Die im Roman agierenden Ärzte und die Rotkreuzoberin, Vorgesetzte der Lernschwestern, sind historische Persönlichkeiten.

    In sehr lebendigem, anschaulichen Sprachstil werden die pflegerischen Maßnahmen der damaligen Zeit sowie neue diagnostische und therapeutische Ansätze (Lokalanästhesie, Röntgen, Magenspiegelung) geschildert. Auch psychologische Ansätze der Therapie von Kindern werden angesprochen, hier erweist sich Emma als besonders einfühlsame Kinderschwester, die es versteht, durch Singen und Geschichtenerzählen den oft verstörten Kindern die Angst zu nehmen.

    All diese Entwicklungen werden vor dem Hintergrund der ausgehenden Kaiserzeit dargestellt, wobei auch gesellschaftliche Verhältnisse thematisiert werden, sei es der problematische „Standesunterschied“ bei Liebesbeziehungen, bzw. Ehen, sei es die Tatsache, dass nur der Vater eines Kindes und nicht die Mutter die Zustimmung zur Operation eines Kindes erteilen konnte.

    Eine bedeutende Rolle spielen die Liebesbeziehungen der beiden Schwestern, in diesem Handlungsstrang wirkt die Darstellung der Romanfiguren gelegentlich etwas überzeichnet; Marlene und Emma werden sehr positiv dargestellt, eine ihrer Mitschwestern dagegen extrem negativ als hasserfüllte und versnobte Intrigantin.

    Ein interessantes Autorennachwort und ein Literaturverzeichnis runden diesen lesenswerten Roman ab.


    Fazit

    Ein fesselnder Roman aus der Frühzeit der Kinderheilkunde, sehr lesenswert!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 3548064051

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    England 1896: Von der eigenwilligen Helen Mandeville erwartet ihre Familie vor allem eine standesgemäße Heirat. An ihrer Verlobung mit James Mitchell, einem schneidigen Anwalt mit besten Verbindungen, geht kein Weg vorbei. Aber dann verliebt Helen sich auf einer Bildungsreise in den deutschen Arzt Ludwig Ellerweg. Für ihn riskiert sie es, für immer mit ihrer Familie zu brechen.

    Sie löst ihr Verlöbnis und reist heimlich nach Hamburg, um Ludwig zu heiraten. Es ist für beide die große Liebe und die Geburt ihres Sohnes Fritz macht ihr Glück komplett. Doch dann erfährt Helen, dass ihre Mutter im Sterben liegt und sie reist zurück nach England – nicht ahnend, dass der erste Weltkrieg ausbrechen und ihr Leben vollkommen verändern wird.


    Autorin (Quelle: Amazon)

    Melanie Metzenthin lebt in Hamburg, wo sie als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie arbeitet. Sie hat bereits zahlreiche Romane veröffentlicht, in denen psychische Erkrankungen oft eine wichtige Rolle spielen. Beim Schreiben greift die Autorin gern auf ihre berufliche Erfahrung zurück, um aus ihren fiktiven Charakteren glaubhafte Figuren vor einem realistischen Hintergrund zu machen. 2020 wurde sie für ihr Buch »Mehr als die Erinnerung« mit dem DELIA Literaturpreis ausgezeichnet.


    Allgemeines

    Erscheinungstermin: 12. Januar 2021* im Verlag Tinte & Feder als TB mit 461 Seiten
    Gliederung: Prolog – 55 Kapitel – Epilog – Nachwort

    Erzählung in der dritten Person aus der Perspektive der Protagonistin Helen Mandeville

    Handlungsort und -zeit: London, Hamburg, 1896 bis 1946


    Inhalt

    „Die verstummte Liebe“ ist eine lose verknüpfte Vorgeschichte zum Roman „Im Lautlosen“, hier geht es um das Schicksal der Helen Mandeville, Mutter des Chirurgen Dr. Fritz Ellerweg, dieser ist eine der Hauptfiguren des zuvor erschienenen, aber chronologisch später angesiedelten Romans.

    Helen soll als Tochter einer Bankiersfamilie den wohlhabenden Anwalt James Mitchell heiraten. Dieser ist zwar in sie verliebt, nimmt Helen aber als Persönlichkeit mit eigenen Ansichten nicht ernst. Auf einer Bildungsreise lernt sie den jungen Arzt Dr. Ludwig Ellerweg kennen, der sie nicht herablassend behandelt, sondern ihr auf Augenhöhe begegnet. Die jungen Leute verlieben sich ineinander und beginnen Pläne für eine gemeinsame Zukunft zu schmieden. Ihre Eltern dürfen nichts davon erfahren, deshalb besorgt sich Helen heimlich die nötigen Papiere und „flieht“ ein Jahr später nach Erreichen der Volljährigkeit nach Deutschland zu Ludwig. Die beiden führen trotz zweier Schicksalsschläge eine harmonische Ehe…bis der Erste Weltkrieg ausbricht.


    Beurteilung

    Der Beginn des Romans mutet ein wenig wie ein leicht unterhaltender „Frauenroman“ an, in dem das Schicksal einer jungen Frau der englischen Oberschicht geschildert wird, die sich einer ungewollten Heirat entzieht und mit einem geliebten Mann durchbrennt. Dann folgt jedoch die realistisch wirkende Darstellung eines Lebenswegs, der keineswegs ungetrübt ist und schließlich eine tragische Entwicklung nimmt. Überaus beeindruckend ist die differenzierte Ausgestaltung der Charaktere der Romanfiguren, hier lässt sich durchaus erkennen, dass es sich bei der Autorin um einen Menschen mit Erfahrungen mit psychotherapeutischen/ psychiatrischen Tätigkeiten handelt. Besonders die Persönlichkeit der Protagonistin Helen ist sehr gut ausgearbeitet, wobei sie im Verlauf der Handlung immer „unsympathischer“ und egozentrischer wird und gern die Schuld für ihre eigenen Fehler bei Anderen sucht. Auch die anderen Romanfiguren, allen voran James Mitchell, sind glaubwürdig und ohne Schwarzweißmalerei gezeichnet.

    Die Handlung des Romans wird sehr anschaulich und flüssig beschrieben, es werden auch einige historische Fakten zu den deutsch-britischen Beziehungen während des Ersten Weltkriegs vermittelt.

    Im Mittelpunkt steht jedoch nicht der Krieg, sondern eher das innerfamiliäre Verhältnis der Familienmitglieder der Mandevilles und Mitchells in einer Epoche, die von einem zunehmend moderneren Frauen- und Gesellschaftsbild geprägt ist. Besonders die unterschiedlichen Beziehungen zwischen einer Mutter und ihren Kindern werden intensiv beleuchtet.

    Auch dieser Roman wird durch ein Nachwort der Autorin abgerundet, in dem sie über Fakten und Fiktion informiert; die Romanfiguren sind größtenteils fiktiv, es kommen jedoch auch reale historische Persönlichkeiten vor.


    Fazit

    Ein überaus fesselnder Roman über das wechselvolle Schicksal einer willensstarken, egozentrischen Frau im frühen 20. Jahrhundert!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: 9782496703924


    * Für diesen Titel besteht keine Sperrfrist.

    Meine Rezension bezieht sich auf die englische Ausgabe "Gallows Rock". Dort ist dem Roman noch ein Personenverzeichnis mit Hinweisen zur Aussprache der isländischen Namen vorangestellt.


    Kurzbeschreibung (Amazon) zur englischen Ausgabe


    On a jagged, bleak lava field just outside Reykjavik stands the Gallows Rock. Once a place of execution, it is now a tourist attraction. Until this morning, when a man was found hanging from it...

    The nail embedded in his chest proves it wasn't suicide. But when the police go to his flat, a further puzzle awaits: a four-year-old boy has been left there. He doesn't seem to have any link with the victim, his parents cannot be found, and his drawings show he witnessed something terrible.

    As detective Huldar hunts the killer, and child psychologist Freyja looks for the boy's parents, the mystery unfolds: a story of violence, entitlement, and revenge.



    ASIN/ISBN: B07R6MYY88

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    Ein Toter, erhängt auf einer alten Hinrichtungsstätte in einem Lavafeld nahe des Präsidentensitzes. Eine ominöse Nachricht, mit einem Nagel in dessen Brust gerammt. Ein kleiner Junge, den man schließlich in der Wohnung des Toten findet. Schwer traumatisiert. Ohne jegliche Erinnerung.


    Autorin (Quelle: Amazon)

    Yrsa Sigurdardóttir, geboren 1963, ist eine vielfach ausgezeichnete Bestsellerautorin, deren Thriller in über 30 Ländern erscheinen. Sie zählt zu den »besten Kriminalautorinnen der Welt« (Times). Sigurdardóttir lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Reykjavík. Sie debütierte 2005 mit »Das letzte Ritual«, der Erfolgsserie von Thrillern um die junge Rechtsanwältin Dóra Gudmundsdóttir. »Abgrund« ist nach den SPIEGEL-Bestsellern »DNA«, »SOG« und »R.I.P.« der vierte Teil der Thriller-Serie um Kommissar Huldar und Kinderpsychologin Freyja.


    Allgemeines

    Vierter Band der Reihe um Huldar und Freyja

    Titel der Originalausgabe: „Gatið“, ins Deutsche übersetzt von Tina Flecken

    Erschienen am 27. April 2020 im btb Verlag als broschiertes TB mit 400 Seiten
    Gliederung: Roman in 34 Kapiteln

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Reykjavík in der Gegenwart


    Inhalt

    An einer historischen Hinrichtungsstelle wird ein wohlhabender Mann, der häufig geschäftlich im Ausland weilte, erhängt aufgefunden. Als Kommissar Huldar und seine Kollegen die Wohnung des Ermordeten aufsuchen, finden sie dort einen vierjährigen Jungen vor, der sehr eingeschüchtert wirkt und nicht in der Lage ist, Angaben zu seiner Person und Familie zu machen. Das ist ein Fall für die Kinderpsychologin Freyja, die den Kleinen in Obhut nimmt und herauszufinden versucht, wer die Eltern des kleinen Siggi sind.

    Im Laufe der Ermittlungen kristallisiert es sich heraus, dass Helgi, das Mordopfer, gemeinsam mit ein paar langjährigen Freunden in illegale Machenschaften verwickelt war, die geeignet waren, den Beteiligten eine Menge Feinde zu machen…


    Beurteilung

    Anschaulich, aber nicht hochspannend, wird ein komplex konstruierter Fall geschildert, bei dem der Leser als Ermittler zunächst auf eine falsche Spur geschickt wird. Die Ermittlungen muten mit ihrem nur allmählichen Fortschritt und gelegentlichen Rückschlägen glaubwürdig an. Gegen Ende des Romans nimmt die Spannung zu und die Autorin hält eine Überraschung für den Leser bereit.

    Im Mittelpunkt der Handlung stehen erneut Huldar, sein Mitarbeiter Guðlaugur, seine übellaunige Chefin Erla sowie natürlich die Kinderpsychologin Freyja vom Kinderhaus. Diese Charaktere werden detailliert ausgestaltet, angenehmerweise spielt die störanfällige „Beziehungskiste“ zwischen Huldar und Freyja in diesem Band so gut wie keine Rolle.

    Der Kriminalfall wirkt in mancher Hinsicht ein wenig konstruiert, er spricht aber aktuelle gesellschaftliche Themen an, die offensichtlich auch in der isländischen Gesellschaft Probleme darstellen.

    Es ist für das Verständnis dieses Buchs nicht unbedingt erforderlich, die vorherigen drei Bände gelesen zu haben. Wer sie gern gelesen hat, wird auch den vierten Band zu schätzen wissen.


    Fazit

    Unterhaltsamer Island-Krimi ohne viel Blutvergießen – empfehlenswert!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 9783442758470

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    „I love you all“, ruft der gefeierte Rockstar Brad Galloway seinen 22.000 Fans in der Berliner Waldbühne zu. Plötzlich tritt eine unbekannte Frau ins Scheinwerferlicht und überreicht ihm einen mysteriösen Umschlag. Am nächsten Abend wird Galloways ausgeblutete Leiche ans Bett gefesselt im Gästehaus der Polizei gefunden.

    LKA-Ermittler Tom Babylon wird vom Babyschwimmen zum Tatort gerufen. Gemeinsam mit der Psychologin Sita Johanns fahndet er nach der unbekannten Frau. Die Spur führt dreißig Jahre zurück – zu einer heimtückischen Kindesentführung mit dem Decknamen „Hornisse“ – und zu einer Frau, die zwischen zwei Männern stand. Beide waren bereit zu töten. Einer sinnt noch heute auf Rache.

    Und das kann Tom Babylon alles kosten, was er liebt.


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Marc Raabe, 1968 geboren, ist Geschäftsführer und Gesellschafter einer TV- und Medienproduktion. Seine Thriller Schlüssel 17 und Zimmer 19, Auftakt der Serie mit Kommissar Tom Babylon, waren monatelang auf der LITERATUR SPIEGEL Paperback-Bestsellerliste. Raabes Romane sind in über zehn Sprachen übersetzt. Er lebt mit seiner Familie in Köln.


    Allgemeines

    Dritter Band der Reihe um Tom Babylon

    Erschienen am 2. November 2020 im Ullstein Verlag als broschiertes TB mit 544 Seiten
    Gliederung: Prolog – 71 Kapitel – Epilog

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und-zeit: Berlin, Oktober 2019 und Mai bis November 1989


    Inhalt

    In seinem dritten gemeinsamen Fall mit der Kriminalpsychologin Sita Johanns hat es Tom Babylon mit der Ermordung eines berühmten Rockstars zu tun. Dessen verstümmelte Leiche wird ausgerechnet im Gästehaus der Polizei gefunden. Als bei der polizeilichen Untersuchung überraschende Tatsachen zutage treten, die Tom als Verdächtigen in den Fokus der Ermittlungen rücken, muss er untertauchen und herauszufinden versuchen, wer ihm etwas anhängen will und was der Grund dafür ist. Sita Johanns ermittelt von offizieller Seite und unterstützt Tom ohne Wissen ihres Vorgesetzten „inoffiziell“.

    Es verdichten sich Hinweise darauf, dass der aktuelle Mordfall mit der Familiengeschichte der Babylons zusammenhängt.


    Beurteilung

    Auch der dritte Band der Reihe ist inhaltlich äußerst komplex, zumal die Erzählung sich aus zwei Handlungssträngen (2019 und 1989) zusammensetzt, was bei der Lektüre erhöhte Aufmerksamkeit erfordert. Die Handlung schließt sich an die der beiden vorherigen Bände an, es wird immer wieder auf deren Ereignisse Bezug genommen, sodass es unbedingt empfehlenswert ist, die Bände dieser Reihe in der korrekten Reihenfolge zu lesen, um der Handlung folgen zu können.

    Beide Erzählstränge sind von hoher Spannung und rasanten Wendungen geprägt, der Handlungsstrang um die Ereignisse des Jahres 1989 gibt außerdem prägnante Einblicke in die Verhältnisse in der DDR, es werden Dinge aus dem Leben der DDR-Bürger geschildert, die zwar bekannt, aber dennoch nicht weniger beklemmend sind. Der Erzählstil des Autors ist sehr anschaulich, er schreckt auch vor brutalen Szenen nicht zurück. Einige Einzelheiten wirken nicht vollkommen realistisch.

    Den Charakteren der Hauptfiguren, insbesondere den Mitgliedern der Familie Babylon, wird viel Aufmerksamkeit gewidmet; Tom Babylon wird als Mensch mit vielen Facetten sehr differenziert dargestellt.


    Fazit

    Ein intelligent konstruierter und spannender Kriminalroman, den man nur mit Kenntnis der beiden vorherigen Bände der Reihe lesen sollte, um der Handlung vollständig folgen zu können!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: 3864931517

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    Three sisters.

    Three secrets.

    Three ways to fall . . .

    England, 1628.

    Forcibly seduced by the powerful George Villiers, doctor's daughter Hester is cast aside to raise her son alone and in secret. She hopes never to see Villiers again.

    Melis's visions cause disquiet and talk. She sees what others can't - and what has yet to be. She'd be denounced as a witch if Hester wasn't so carefully protective.

    Young Hope's beauty marks her out, drawing unwelcome attention to the family. Yet she cannot always resist others' advances. And her sisters cannot always be on their guard.

    When Villiers decides to claim his son against Hester's wishes, the sisters find themselves almost friendless and at his mercy.

    But the women hold a grave secret - will it be their undoing or their salvation?

    Because in the right hands, a secret is the deadliest weapon of all . . .


    Autorin (Quelle: Amazon)

    E.C. Fremantle holds a First for her BA in English and an MA in Creative Writing from Birkbeck. As Elizabeth Fremantle she is the critically acclaimed author of four Tudor historical novels: Queen's Gambit, Sisters of Treason, Watch the Lady and The Girl in the Glass Tower. She lives in London and Norfolk.


    Allgemeines

    Erschienen am 6. August 2020 bei Michael Joseph als HC mit 368 Seiten
    Gliederung: Prolog (Foreword) – Roman in drei Hauptteilen, Kapiteln jeweils mit dem Namen wechselnder Romanfiguren überschrieben – Autorennachwort – Danksagung

    Teilweise Ich-Erzählung, teilweise Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: diverse Orte in England, August 1628


    Inhalt

    Die Schwestern Hester und Melis sowie ihre Halbschwester Hope leben auf dem Land und bestreiten durch Imkerei und Näharbeiten ihren Lebensunterhalt. Hester, die nach dem Tod ihres Vaters, eines Landarztes, zwischenzeitlich beim Duke of Buckingham,George Villiers, angestellt war, ist zu ihren Schwestern zurückgekehrt, nachdem sie von ihrem Arbeitgeber vergewaltigt und geschwängert wurde. Neun Jahre später, im Sommer 1628, erscheint er plötzlich bei Hester und erhebt Anspruch auf die „Herausgabe“ und Erziehung des gemeinsamen Sohnes Rafe, für den er sich bisher nicht interessiert hat. Da er als Favorit des Königs James I ein mächtiger Mann ist und Hester mit Zwangsmaßnahmen droht, beschließt diese, mit ihrer Familie zu fliehen. Für ihren Sohn würde sie alles tun! Villiers setzt einen ehemaligen Soldaten und mehrfachen Mörder auf Hester an, es folgt eine erbarmungslose Hetzjagd durch Südengland.


    Beurteilung

    Dieser Roman unterscheidet sich von den vorherigen Werken der Autorin dadurch, dass Elizabeth Fremantle hier von den historischen Fakten deutlich abweicht und wesentlich mehr Fiktives einbaut. Die Figur des George Villiers ist zwar historisch verbürgt und seine Charakterschilderung sowie sein Lebenslauf und sein früher Tod sind grundsätzlich faktenbasiert, die Geschichte der Beziehung zu dem drei Schwestern ist jedoch vollständig erfunden. Bei Hester, Melis und Hope handelt es sich um fiktive Figuren, die allerdings konkreten Personen des frühen 17. Jahrhunderts nachempfunden sind und – laut Autorin im Nachwort – exemplarisch für bestimmte Typen von Frauen und ihre gesellschaftlichen Rollen der Epoche stehen. Die drei verwaisten Schwestern haben keinen männlichen Beschützer, Hester hat für das an ihr verübte Unrecht keine Entschädigung erfahren und soll sogar noch widerspruchslos ihren Sohn aufgeben. Melis hat das „zweite Gesicht“ und wird in einer Gesellschaft, in der der Hexenglaube gängig ist, mit Misstrauen beäugt. Die jüngste (Halb)schwester Hope ist eine Mulattin, was sie Diskriminierung und mangelnder Respektierung durch Männer aussetzt.

    Der Erzählstil ist äußerst flüssig und anschaulich, die Spannungskurve verläuft nahezu von Beginn an sehr steil. Es gelingt der Autorin, beim Leser Empathie für Hester und ihre Familie sowie große Angst um deren Überleben zu erzeugen. Gleichzeitig bringt sie es zustande, auch den gedungenen Mörder nicht nur als Unmenschen darzustellen, sondern ihn eine gewisse Menschlichkeit zu verleihen und zumindest teilweise sein Verhalten nachvollziehbar zu machen. Durch den Wechsel der Erzählperspektiven (Ich-Erzählung von Hester, Erzählung in der dritten Person über die anderen Hauptfiguren) gestaltet sich die Lektüre sehr kurzweilig.


    Fazit

    Weniger faktengetreu und deutlich fiktiver als die anderen Romane der Autorin, aber mindestens ebenso fesselnd, sehr spannende Unterhaltung!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: 071818050X

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    How can a mother just stand by when her daughter is being cozened into sin?

    It’s 1360, eleven years since the Black Death devastated all of England, and six years since Emma Ward fled Meonbridge with her children, to find a more prosperous life in Winchester. Long satisfied that she’d made the right decision, Emma is now terrified that she was wrong. For she’s convinced her daughter Bea is in grave danger, being exploited by her scheming and immoral mistress.

    Bea herself is confused: fearful and ashamed of her sudden descent into sin, but also thrilled by her wealthy and attentive client.

    When Emma resolves to rescue Bea from ruin and tricks her into returning to Meonbridge, Bea doesn’t at first suspect her mother’s motives. She is happy to renew her former friendships but, yearning for her rich lover, Bea soon absconds back to the city. Yet, only months later, plague is stalking Winchester again and, in terror, Bea flees once more to Meonbridge.

    But, this time, she finds herself unwelcome, and fear, hostility and hatred threaten…

    Terror, betrayal and deceit, but also love and courage, in a time of continuing change and challenge – Children’s Fate, the fourth MEONBRIDGE CHRONICLE.


    Autorin (Quelle: Amazon)

    CAROLYN HUGHES has lived much of her life in Hampshire. With a first degree in Classics and English, she started working life as a computer programmer, then a very new profession. But it was technical authoring that later proved her vocation, as she wrote and edited material, some fascinating, some dull, for an array of different clients, including banks, an international hotel group and medical instruments manufacturers. Having written creatively for most of her adult life, it was not until her children flew the nest several years ago that writing historical fiction took centre stage, alongside gaining a Master's degree in Creative Writing from Portsmouth University and a PhD from the University of Southampton.


    Allgemeines

    Vierter Band der Meonbridge Chronicles

    Erschienen am 28. Oktober 2020 bei Riverdown Books als E-Book mit einem Umfang entsprechend 452 Seiten
    Gliederung: Personenverzeichnis – Prolog – 40 Kapitel -Epilog – Autorennachwort – Danksagung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsorte und -zeit: Winchester und Meonbridge, 1360 bis 1362


    Inhalt

    Im vierten Band der Meonbridge Chronicles begegnet der Leser erneut vielen alten Bekannten, den Bewohnern des fiktiven Dorfes Meonbridge. Seit den in „De Bohun´s Destiny“ geschilderten Ereignissen sind zwei weitere Jahre vergangen, inzwischen schreibt man das Jahr 1360. Emma Ward, zum zweiten Mal verwitwet, ist mit ihren überlebenden Kindern Beatrix, Ami und Bart nach Winchester gegangen, wo sie als Weberin ihren Lebensunterhalt verdient. Als sich Anzeichen verdichten, dass ihre Tochter Bea unter der Obhut der Stickerin und Lehrmeisterin Sybilla Brouderer in schlechte Gesellschaft geraten ist, möchte Emma mit ihrer Familie nach Meonbridge zurückkehren. Bea kann sich jedoch nicht wieder an das Dorfleben gewöhnen und kehrt allein nach Winchester zurück. Erst als sie dort in Schwierigkeiten gerät, reist sie erneut nach Meonbridge. Kurz nach ihrer Rückkehr flackert elf Jahren nach dem großen Seuchenzug der Pest die schreckliche Krankheit erneut auf und fordert diesmal vor allem Opfer unter den Kindern. Die Dorfbewohner sind davon überzeugt, dass Bea die Pest aus Winchester mitgebracht hat und dass ihr sündiges Leben in der Stadt Gottes Zorn auf das Dorf herabbeschworen hat. Voller Hass wollen sie an dem jungen Mädchen Rache nehmen; ihrer Mutter Emma, die ihre Tochter beschützen will, schlägt plötzlich ebenfalls Ablehnung entgegen.


    Beurteilung

    Das Dorf Meonbridge und seine Bewohner sind fiktiv, der historische Hintergrund des Romans ist jedoch real und gut recherchiert. Der Roman thematisiert den zweiten Zug des Schwarzen Todes durch England im Jahr 1360, der kurz nach einer Sonnenfinsternis (5. Mai 1361), die als böses Omen interpretiert wird, stattfindet. Diesem zweiten Seuchenzug fallen vor allem Kinder zum Opfer. Sehr eindringlich schildert die Autorin den Schmerz der verwaisten Eltern sowie die Dynamik in der Dorfgemeinschaft, einer Gemeinschaft, die den Schrecken der Krankheit hilf- und ratlos gegenübersteht und einen „Schuldigen“ sucht. Es lassen sich durchaus Parallelen zur gegenwärtigen Corona-Pandemie erkennen.

    Auch die Darstellung des Lebens in der mittelalterlichen Stadt fußt auf historisch verbürgten Hintergründen, die Figur der Sybilla Brouderer ist nach einer realen Lehrmeisterin des 14. Jahrhunderts entworfen, die ihre Lehrmädchen in die Prostitution trieb – offenbar kein Einzelfall in der damaligen Zeit.

    Die Romanfiguren sind in Bezug auf ihre Charaktere gründlich ausgearbeitet, ihre Lebensgeschichten und Beziehungen untereinander sind seit dem ersten Band einer fortlaufenden Entwicklung unterworfen, weshalb es unbedingt ratsam ist, die Bände in der korrekten Reihenfolge zu lesen.

    Der anschauliche Erzählstil ist zunächst ruhig, um dann mit dem Auftreten der Pest bedeutend an Spannung und Dramatik zu gewinnen.

    Dem Roman ist ein umfangreiches Personenverzeichnis voran- und ein ausführliches Autorennachwort nachgestellt.


    Fazit

    Eine sehr gelungene Fortsetzung einer insgesamt lesenswerten Reihe, die sich mit dem Leben der englischen Dorfbevölkerung im 14. Jahrhundert beschäftigt, uneingeschränkt empfehlenswert für Freunde gut recherchierter historischer Romane!

    10 Punkte

    ASIN/ISBN: B08LZLW9S1

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    In einer regnerischen Herbstnacht werden die Privatdetektive Rica und Jan Kantzius Zeugen eines grauenhaften Zwischenfalls an einer Autobahnraststätte: Ein panisches Mädchen rennt direkt auf die Fahrbahn und wird von einem Auto erfasst, jede Hilfe kommt zu spät. An der Raststätte findet sich die Leiche eines Mannes, der das Mädchen offenbar entführt und sich dann erschossen hat. Die Privatdetektive stellen Nachforschungen an und finden heraus, dass es weitere Teenager gibt, die auf ähnliche Weise kurz nach einem Umzug verschwunden sind. Eine Spur führt zu »Amissa«, einer Hilfsorganisation, die weltweit nach vermissten Personen sucht und für die Rica arbeitet. Plötzlich ist nichts mehr, wie es war, und Rica und Jan kommen Dingen auf die Spur, von denen sie lieber nie gewusst hätten.


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Frank Kodiak ist das Pseudonym für Andreas Winkelmann, geboren 1968, der bei Rowohlt (rororo) schon etliche Thriller veröffentlicht hat. Mit »Das Haus der Mädchen« stand er monatelang unter den Top 10 der Spiegel-Bestsellerliste, »Die Lieferung« erreichte Platz 1. Schon früh entwickelte er eine Leidenschaft für spannende, unheimliche Geschichten. Bevor er sein erstes Buch veröffentlichte, arbeitete er nach dem Studium der Sportwissenschaften zunächst jedoch als Soldat, Sportlehrer, Taxifahrer, Versicherungsfachmann und freier Redakteur. Mit seiner Familie lebt er in der Nähe von Bremen – in einem einsamen Haus am Waldrand.

    Mehr über Andreas Winkelmann: andreaswinkelmann.com


    Allgemeines

    Erster Band einer Trilogie um Jan und Rica Kantzius

    Erschienen am 2. November 2020 bei Droemer Knaur als TB mit 400 Seiten
    Gliederung: Sieben Hauptkapitel mit jeweils mehreren kürzeren Kapiteln – Danksagung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: diverse Orte in Deutschland und Tschechien, in der Gegenwart


    Inhalt

    Nach einem heftigen Streit mit ihren Eltern läuft die siebzehnjährige Leila wutentbrannt aus dem Haus und verschwindet spurlos. Grund für den Streit ist der berufsbedingte Umzug, das Mädchen verkraftet es nicht, aus ihrem Freundeskreis gerissen worden zu sein.

    Am selben Abend werden die Privatdetektive Jan und Rica Kantzius zufällig Zeugen einer Tragödie auf der Autobahn. Ein junges Mädchen, das anscheinend vor jemandem flieht, läuft kopflos auf die Fahrbahn und wird getötet. Kurz darauf brennt ganz in der Nähe ein Wohnwagen, in dem ein Mann, der sich offenbar selbst in den Kopf geschossen hat, verbrennt. Während es für die mit dem Fall betrauten Polizisten klar scheint, dass der Mann im Wohnwagen sich erschossen hat, nachdem ihm das Mädchen entkommen ist, sind Jan und Rica misstrauisch, zumal ein wichtiger Zeuge plötzlich nicht mehr auffindbar ist. Ihre eigenen Recherchen deuten darauf hin, dass es weitere Mädchen gibt, die nach einem Umzug vermisst werden, diese Mädchen hatten sich auf sozialen Netzwerken ihre Wut auf ihre Eltern von der Seele geschrieben…


    Beurteilung

    Die beiden Protagonisten der neuen Thriller-Reihe sind unkonventionelle Persönlichkeiten: Jan Kantzius hat früher bei der Polizei gearbeitet; seitdem er Privatdetektiv ist, fühlt er sich bei seinen Ermittlungen nicht mehr an das Gesetz gebunden und schreckt bei Befragungen auch nicht vor harten Bandagen zurück. Seine Frau Rica stammt aus der Karibik und hat in Deutschland üble Erfahrungen gemacht, unter denen Rassismus noch die harmloseste ist. Aufgrund ihrer eigenen traumatischen Erfahrungen arbeitet sie für „Amissa“, eine Organisation, die sich der Suche nach vermissten Menschen widmet. Das Ehepaar macht sich auf die Suche nach der verschwundenen Leila Eidinger und stößt dabei auf eine Reihe weiterer Fälle, in denen junge Mädchen augenscheinlich von zuhause ausgerissen sind. Die Charaktere der beiden Hauptfiguren sind gründlich ausgearbeitet, ihre Vorgeschichten werden zunächst nur angedeutet und dann im weiteren Verlauf der Handlung nach und nach enthüllt.

    Die Handlung des Romans ist gut konstruiert und in den Details zum Kriminalfall leider auch recht realitätsnah, die Ermittlungsmethoden von Jan Kantzius sind allerdings ebenso grenzwertig wie effektiv und damit nicht vollkommen glaubwürdig. Dennoch kann man nicht umhin, ihm für seinen harten Umgang mit Kriminellen einen gewissen Beifall zu zollen.

    Der überaus flüssige und spannende Erzählstil ist sehr fesselnd, allerdings enthält der Thriller auch einige sehr brutale Szenen, die geschilderte Brutalität passt allerdings „sinnvoll“ in die Handlung und ist kein Selbstzweck.


    Fazit

    Ein fesselnder und vielversprechender Auftakt einer Trilogie um zwei unkonventionelle Privatermittler!

    8 Punkte

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Die Snowboarderin Milla trifft auf einer einsamen Lodge in den französischen Alpen ihre Clique von früher wieder. An diesem Ort haben sie vor zehn Jahren gemeinsam trainiert, bis eine Tragödie alles zunichtemachte. Doch was Milla als harmloses Wiedersehen ansah, entwickelt sich schnell zum gnadenlosen Psychospiel. Plötzlich sind die Handys verschwunden, und die Seilbahn steht still. Dann ist der Erste von ihnen tot. Die eisige Bergspitze droht zum Grab für sie alle zu werden, wenn sie nicht ihr düsterstes Geheimnis offenbaren. Und jeder hat etwas zu verbergen. Besonders Milla.


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Allie Reynolds fuhr professionell Snowboard und rangierte unter den ersten zehn in der Rangliste. Sie verbrachte mehrere Winter in den Bergen von Frankreich, der Schweiz, Österreich und Kanada. Im Jahr 2003 tauschte sie das Snowboard gegen das Surfbrett und zog an die Goldküste in Australien, wo sie fünfzehn Jahre lang Englisch als Fremdsprache unterrichtete. Frostgrab ist ihr erster Roman. Sie schreibt bereits an ihrem zweiten Thriller.


    Allgemeines

    Titel der Originalausgabe: „Shiver“, ins Deutsche übersetzt von Jürgen Bürger

    Erschienen am 27. Oktober 2020 bei HarperCollins als broschiertes TB mit 416 Seiten
    Gliederung: Prolog – 64 Kapitel – Epilog – Danksagung

    Ich - Erzählung der Milla Anderson

    Handlungsort und -zeit: Französische Alpen, in der Gegenwart sowie vor zehn Jahren


    Inhalt

    Vor zehn Jahren trainierte eine Gruppe von sieben Snowbordern auf einem Gletscher in den französischen Alpen zusammen für diverse Wettbewerbe. Ein tragischer Tag, der zur schweren Verletzung eines Gruppenmitglieds und zum Verschwinden einer weiteren Person führte, setzte der Freundschaft der jungen Leute ein Ende.

    Zehn Jahre später erhalten die fünf verbliebenen Mitglieder der Clique eine Einladung zu einem Wiedersehenswochenende in der Bergstation des französischen Gletschers, die sie mit gemischten Gefühlen annehmen. Nach ihrer Ankunft auf der einsamen Bergstation brechen unter dem dünnen Mantel der Freundschaft schnell wieder Misstrauen und Rivalitäten hervor, zumal sich bedrohliche Dinge ereignen. Die Handys der fünf Teilnehmer verschwinden spurlos, der Strom fällt aus und macht die Seilbahn ins Tal unbrauchbar und die ehemaligen Freunde erhalten Karten mit Botschaften, die darauf schließen lassen, dass jemand weiß, was zehn Jahre zuvor zur Tragödie führte. Da sich offenbar niemand sonst auf der Bergstation befindet, muss eine(r) aus der Clique für die Psychospiele verantwortlich sein…


    Beurteilung

    Das Sujet einer Gruppe von Menschen, die in einer isolierten Umgebung den Machenschaften eines Mörders ausgesetzt sind, ist nicht neu, dennoch wird es in „Frostgrab“ im Extremsportler-Milieu innovativ umgesetzt. Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen („Heute“ und „Zehn Jahre zuvor“), wobei die Kapitel über die Gegenwart und die Vergangenheit einander abwechseln. Die Schilderung der Vorgänge vor zehn Jahren schildert sehr gut die Gruppendynamik in einer gemischtgeschlechtlichen Gruppe junger Leute, die von sportlicher Konkurrenz, aber auch von Eifersüchteleien geprägt ist.

    Die Ich-Erzählerin Milla ist von großem Ehrgeiz getrieben, ihre schärfste Konkurrentin ist Saskia, die Schwester von Curtis, an dem Milla interessiert ist. Saskia ist ein Störfaktor in der Gruppe, sie kämpft Milla gegenüber mit unlauteren Mitteln und sorgt auch unter den drei Männern Curtis, Brent und Dale, für Unruhe. Als sie spurlos verschwindet, hat jedes der anderen Gruppenmitglieder ein mögliches Motiv, ihr etwas anzutun.

    Die Romanfiguren sind in ihren Charakteren gründlich und unverwechselbar ausgestaltet, wenn auch größtenteils keine Sympathieträger.

    Durch die beiden wechselnden Zeitebenen ist der Roman überaus fesselnd: Die Handlungsebene in der Gegenwart fesselt durch die Unheimlichkeit der Vorgänge in der isolierten Bergstation, der Handlungsstrang in der Vergangenheit verschafft dem Leser in kleinen Schritten Informationen, die die gegenwärtigen Vorgänge verständlicher machen und es ihm erlauben, eigene Theorien zu entwickeln.

    Die Handlung auf beiden Zeitebenen ist weitgehend glaubwürdig, nur im medizinischen Bereich (Leistungsfähigkeit trotz Verletzungen) wirken einige Details übertrieben dargestellt.

    „Frostgrab“ enthält eine Menge „Fachvokabular“ aus dem Bereich des Snowboardings, man merkt, dass die Autorin sozusagen vom Fach ist. Für den Leser ohne Kenntnisse über diese Sportart ist das ein bisschen zu viel.


    Fazit

    Ein überaus fesselndes Debüt, das man Freunden spannender Unterhaltung gern ans Herz legt!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 3959675526

    ich frage mich gerade, wäre es nun sinniger mit dem "4ten" zu starten wenn ich endlich dazu komme, die 4 Bände zu lesen?

    Man kann die Bände völlig unabhängig voneinander lesen, weil die Geschichten jeweils in sich abgeschlossen sind. Wenn ich die anderen Bände nicht schon gelesen hätte, würde ich vermutlich mit dem vierten beginnen, um die chronologische Reihenfolge einzuhalten.

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    England im Jahr 997. Im Morgengrauen wartet der junge Bootsbauer Edgar auf seine Geliebte. Deshalb ist er der Erste, der die Gefahr am Horizont entdeckt: Drachenboote. Jeder weiß: Die Wikinger bringen Tod und Verderben über Land und Leute.

    Edgar versucht alles, um die Bürger von Combe zu warnen. Doch er kommt zu spät. Die Stadt wird beinahe völlig zerstört. Viele Menschen sterben, auch Edgars Familie bleibt nicht verschont. Die Werft der Bootsbauer brennt nieder. Edgar bleibt nur ein Ausweg: ein verlassener Bauernhof in einem Weiler fern der Küste.

    Während Edgar ums Überleben kämpft, streiten andere um Reichtum und Macht in England. Unter ihnen: der gleichermaßen ehrgeizige wie skrupellose Bischof Wynstan, der idealistische Mönch Aldred und Ragna, die Tochter eines normannischen Grafen ...

    Edgar, Ragna, Wynstan, Aldred - ihre Schicksale sind untrennbar miteinander und mit ihrer Zeit verbunden. Ihr Land, das England der Angelsachsen, ist eine Gesellschaft voller Gewalt. Eine Gesellschaft, in der selbst der König es schwer hat, Recht und Gerechtigkeit durchzusetzen.

    Gemeinsam mit Edgar, Ragna, Wynstan und Aldred erleben wir den Übergang von dunklen Zeiten ins englische Mittelalter - und den Aufstieg eines unbedeutenden Weilers zum Ort Kingsbridge, den wir seit "Die Säulen der Erde" kennen und lieben.


    Autor (Quelle: Amazon)

    Ken Follett, geboren 1949 in Cardiff, Wales, gehört zu den erfolgreichsten Autoren der Welt. Berühmt wurde er mit den Romanen Die Säulen der Erde und der Fortsetzung Die Tore der Welt, die auch erfolgreich verfilmt wurden. Nach einigen Thrillern hat er mit Sturz der Titanen, Winter der Welt und Kinder der Freiheit eine groß angelegte Chronik des 20. Jahrhunderts vorgelegt. Zuletzt erschien Das Fundament der Ewigkeit, eine Fortführung der weltbekannten Kingsbridge-Reihe.


    Allgemeines

    Prequel zur Kingsbridge-Trilogie

    Titel der Originalausgabe: „The Evening and the Morning“, ins Deutsche übersetzt von Dietmar Schmidt und Rainer Schumacher

    Erschienen am 15. September 2020 bei Bastei Lübbe als HC mit 1024 Seiten
    Gliederung: Karte – Vorwort – Vier Teile mit insgesamt 43 Kapiteln – Danksagung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Dreng´s Ferry, später King´s Bridge und Umgebung, 997 bis 1007


    Inhalt und Beurteilung

    Der Roman, der chronologisch vor der Kingsbridge-Trilogie angesiedelt ist, schildert die Entstehung dieser fiktiven Stadt aus der ärmlichen Siedlung Dreng´s Ferry zur Regierungszeit von König Ethelred (ca. 968 bis 1016).

    Im Mittelpunkt stehen drei junge Leute verschiedener Herkunft: der Bootsbauer und spätere Baumeister Edgar, der durch einen Wikinger-Überfall heimatlos geworden ist, die normannische Herzogtochter Ragna, die den Ealdorman Wilwulf heiratet und der Mönch Aldred, der über die Sittenlosigkeit in der Gemeinde Dreng´s Ferry empört ist und ein Kloster als Ort der Frömmigkeit und Gelehrsamkeit etablieren möchte.

    Diesen drei Personen, die zum Wohl der Gemeinschaft agieren, sind Gegenspieler gegenübergestellt, die sich durch Machtgier, Korruption, Bauernschläue, aber auch durch Brutalität und Dummheit „auszeichnen“. Hier wird eine gewisse überzeichnete Schwarzweiß-Malerei deutlich, aus der sich allerdings eine rasante, wechselvolle und höchst fesselnde Geschichte speist. Man kann nicht umhin, um Leib und Leben der ans Herz gewachsenen Protagonisten zu bangen.

    Der Erzählstil ist sehr anschaulich und spannend, trotz des gewaltigen Umfangs von mehr als 1000 Seiten fällt es schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Über die Dark Ages ist nicht allzu viel dokumentiert, der Leser erfährt aber doch einiges über die Rechtsprechung und Verwaltung während der spät-angelsächsischen Epoche, über die Rolle des Königs und über die ständige Bedrohung durch Überfälle der Wikinger auf die englische Westküste.


    Fazit

    Ein fesselnder Roman, der zu ausgedehnten Lesestunden auf dem heimischen Sofa verlockt, ideal zum Abtauchen aus dem Alltag!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: 9783785727003

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Der Auftakt einer neuen Thrillerreihe - von einem der größten schwedischen Krimi- und Drehbuchautoren!

    In der schwedischen Stadt Haparanda wird ein toter Wolf gefunden. Als die Behörden das Tier untersuchen, finden sie im Magen menschliche Überreste. Nachforschungen führen die Ermittler auf eine Spur: In Finnland ist ein Drogendeal aus dem Ruder gelaufen, es gab mehrere Tote. Und daher tauchen gleich mehrere Kriminelle in Haparanda auf - allen voran Profi-Killerin Katja, die für ihren russischen Auftraggeber Drogen und Geld zurückholen soll. Die leitende Polizistin vor Ort, Hannah Wester, hat noch ganz andere Probleme: Sie befürchtet, ihr Mann könnte sie verlassen, die Affäre mit ihrem jüngeren Chef macht es nicht besser. Doch Hannah steht ihre Frau.


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Hans Rosenfeldt, Jahrgang 1964, ist einer der angesehensten Drehbuchautoren Schwedens und Schöpfer der bislang erfolgreichsten skandinavischen Serie «Die Brücke», die in über 170 Ländern ausgestrahlt wurde und zahlreiche Preise erhielt. Für die britische Fernsehserie «Marcella» wurde er mit dem British Screenwriters' Award in der Kategorie Best Crime Writing on Television ausgezeichnet.


    Allgemeines

    Titel der Originalausgabe: „Vargasommar“, ins Deutsche übersetzt von Ursel Allenstein

    Erschienen im Rowohlt Verlag am 13.10.2020 als HC mit 544 Seiten
    Gliederung: Zwei Prologe – Kapitel ohne Nummerierung – Danksagung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Haparanda, Nordschweden, in der Gegenwart


    Inhalt

    In Finnland, nahe der Grenze zu Schweden, endet ein Geschäft zwischen russischen Drogenhändlern und finnischen Käufern in einem Blutbad. Der einzige Überlebende macht sich mit den Drogen und dem Geld der Käufer davon.

    Auf der anderen Seite der Grenze, im schwedischen Haparanda, wird kurz darauf ein toter Wolf entdeckt, in dessen Magen menschliche Überreste gefunden werden.

    Der russische Drogenboss möchte sein Rauschgift und das Geld der ermordeten Käufer wiederhaben, deshalb schickt er eine bestens ausgebildete Auftragskillerin nach Haparanda. Sie soll nicht nur die vermissten Dinge wiederbeschaffen, sondern auch die für den Diebstahl Verantwortlichen töten.

    Hannah Wester von der örtlichen Polizeibehörde untersucht den Fall, allerdings ist es für sie nicht einfach, sich auf die Ermittlungen zu konzentrieren, denn sie hat gerade einige private Probleme. Die Hitzewallungen der Wechseljahre setzen ihr zu, außerdem ist ihre langjährige Ehe aus dem Gleichgewicht geraten und sie hat eine Affäre mit ihrem wesentlich jüngeren Chef.


    Beurteilung

    Bei „Wolfssommer“ handelt es sich um einen inhaltlich sehr komplexen Kriminalroman, der aufgrund der Fülle an Romanfiguren, Perspektivwechsel und Rückblenden in die Vergangenheit beim Leser einiges an Konzentration erfordert. Die Perspektivwechsel kommen ziemlich abrupt und werden oft nur mit einem Personalpronomen (er, sie) eingeleitet, sodass man sich orientieren muss, um wen es gerade geht. Einige dieser Perspektiven gehören „ihr“, der Stadt Haparanda, außerdem einigen Einwohnern der Stadt, die im weiteren Verlauf keine Rolle spielen – das ist gewöhnungsbedürftig.

    Von diesen Eigenheiten abgesehen ist der Erzählstil höchst anschaulich, stellenweise sehr brutal und quasi durchgängig von hoher Spannung geprägt. Die Charaktere der Romanfiguren sind gründlich ausgearbeitet, dies gilt in besonderem Maße für die beiden weiblichen Protagonisten Hannah Wester und ihre Gegenspielerin, die Profi-Killerin, die sich Katja nennt, aber auch unter anderen Namen und Identitäten auftritt. Bei beiden Frauen werden ihre persönlichen Vorgeschichten thematisiert, diese Rückblenden erscheinen als Erinnerungen mitten in der fortlaufenden Handlung, auch hier ist erhöhte Aufmerksamkeit gefragt.


    Fazit

    Ein durchgängig spannender, stellenweise sehr brutaler Krimi, dessen Lektüre Konzentration erfordert und fesselnd unterhält!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 9783805200028

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    Everything has changed for Dr Ruth Galloway.

    She has a new job, home and partner, and is no longer North Norfolk police's resident forensic archaeologist. That is, until convicted murderer Ivor March offers to make DCI Nelson a deal. Nelson was always sure that March killed more women than he was charged with. Now March confirms this, and offers to show Nelson where the other bodies are buried - but only if Ruth will do the digging.

    Curious, but wary, Ruth agrees. March tells Ruth that he killed four more women and that their bodies are buried near a village bordering the fens, said to be haunted by the Lantern Men, mysterious figures holding lights that lure travellers to their deaths.

    Is Ivor March himself a lantern man, luring Ruth back to Norfolk? What is his plan, and why is she so crucial to it? And are the killings really over?


    Autorin (Quelle: Amazon)

    Elly Griffiths lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Brighton. Bisher sind sieben Krimis mit der forensischen Archäologin Dr. Ruth Galloway und DCI Harry Nelson erschienen: «Totenpfad», «Knochenhaus», «Gezeitengrab», «Aller Heiligen Fluch», «Rabenkönig» ,«Engelskinder» und «Grabesgrund».


    Allgemeines

    12. Band der Reihe um Dr Ruth Galloway

    Erschienen bei Quercus am 20.08.2020 als TB mit 400 Seiten
    Gliederung: Prolog – 35 Kapitel – Danksagung – Leseprobe zu „The Night Hawk“ (ET Februar 2021) – Personenverzeichnis des „Stammpersonals“

    Erzählung in der dritten Person, größtenteils aus Ruths Perspektive

    Handlungsort und zeit: Cambridge und North Norfolk, Sommer 2018


    Inhalt

    Seit zwei Jahren lebt Ruth Galloway mit ihrer Tochter Kate und ihrem Lebensgefährten Frank in Cambridge. Sie wird allerdings nach North Norfolk zurückgerufen, als DCI Nelson ihre Hilfe braucht. Der wegen mehrerer Frauenmorde angeklagte Ivor March will aussagen, wo die Leichen zweier weiterer (bisher vermisster) Frauen begraben sind, die Bedingung dafür ist allerdings, dass Ruth die Ausgrabung durchführt.

    Die Ermittlungen führen Nelson und Kollegen zu einer Künstlerkolonie, in der offenbar merkwürdige Dinge vor sich gegangen sind, das Beziehungsgeflecht der dort lebenden Männer und Frauen ist ziemlich undurchschaubar. Es steht allerdings fest, dass jede der ermordeten, bzw. vermissten Frauen sich vorübergehend in dieser Gemeinschaft aufgehalten hat.


    Beurteilung

    Die Handlung des 12. Bandes der Ruth Galloway-Reihe ist um die lokale Legende der Lantern Men, mysteriöse Gestalten, die Wanderer mit ihrem Licht ins Verderben locken, gestrickt. Als Lantern Men bezeichnen sich auch drei der Männer in der Künstlerkolonie, die durchreisende junge Frauen zu einem Aufenthalt einladen. In diesem Krimi ist der mutmaßliche Mörder bereits verhaftet worden, es geht nun darum, die fehlenden Leichen zu finden und dem Angeklagten die Taten zweifelsfrei nachzuweisen. Es gibt belastende Indizien, aber auch berechtigte Zweifel – vor allem, als nach der Inhaftierung von Ivor March eine weitere Frau ermordet wird.

    Der Roman beschäftigt sich hauptsächlich mit den verwickelten Beziehungen der Mitglieder der Künstlergruppe untereinander und natürlich auch mit der komplizierten Beziehung zwischen Ruth und Nelson, diese Probleme hat Ruth eigentlich hinter sich lassen wollen. Auch die Geschichte einiger anderer wiederkehrender Romanfiguren wird fortgesetzt, deshalb empfiehlt es sich, die Bände dieser Reihe in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Der Erzählstil ist sehr anschaulich, aber zunächst ruhig, erst gegen Ende nimmt die Spannung deutlich zu.

    Die Figuren sind gründlich charakterisiert, besonders Ruth macht eine interessante Entwicklung durch, die schon Vorfreude auf den nächsten Band weckt.


    Fazit

    Eine lesenswerte Fortsetzung der Reihe um Ruth Galloway!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 0358237041

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    […] Es klingt fast zu gut, um wahr zu sein. Hamburg-Winterhude, ein Haus mit Smart Home, alles ganz einfach per App steuerbar, jederzeit, von überall. Und dazu absolut sicher. Hendrik und Linda sind begeistert, als sie einziehen. So haben sie sich ihr gemeinsames Zuhause immer vorgestellt.

    Aber dann verschwindet Linda eines Nachts. Es gibt keine Nachricht, keinen Hinweis, nicht die geringste Spur. Die Polizei ist ratlos, Hendrik kurz vor dem Durchdrehen. Konnte sich in jener Nacht jemand Zutritt zum Haus verschaffen? Und wenn ja, warum hat die App nicht sofort den Alarm ausgelöst?

    Hendrik fühlt sich mehr und mehr beobachtet. Zu Recht, denn nicht nur die App weiß, wo er wohnt …


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Arno Strobel liebt Grenzerfahrungen und teilt sie gern mit seinen Lesern. Deshalb sind seine Thriller wie spannende Entdeckungsreisen zu den dunklen Winkeln der menschlichen Seele und machen auch vor den größten Urängsten nicht Halt.

    Seine Themen spürt er dabei meist im Alltag auf und erst, wenn ihn eine Idee nicht mehr loslässt und er den Hintergründen sofort mit Hilfe seines Netzwerks aus Experten auf den Grund gehen will, weiß er, dass der Grundstein für seinen nächsten Roman gelegt ist. Alle seine bisherigen Thriller waren Bestseller.

    Arno Strobel lebt als freier Autor in der Nähe von Trier.


    Allgemeines

    Erschienen am 23.09. 2020 im Fischer Verlag als TB mit 384 Seiten
    Gliederung: Prolog – 50 Kapitel – Epilog - Nachwort

    Erzählung in der dritten Person, größtenteils aus der Perspektive von Hendrik Zemmer

    Handlungsort und -zeit: Hamburg, in der Gegenwart


    Inhalt

    Während Dr. Hendrik Zemmer im Krankenhaus Nachtdienst hat, verschwindet seine Verlobte Linda aus dem gemeinsamen Haus, ohne eine Nachricht zu hinterlassen. Obwohl auch ihr Koffer fehlt, glaubt Hendrik nicht, dass Linda ihn wenige Tage vor der geplanten Hochzeit freiwillig verlassen hat.

    Da die Polizei den Fall wenig ernst nimmt, schaltet Hendrik eine Vermisstenanzeige auf Facebook. Daraufhin melden sich neben vielen Spinnern zwei hilfsbereite Frauen; eine von ihnen, Julia, vermisst ihren Mann, der ebenso plötzlich aus dem gemeinsamen Haus verschwunden ist, die andere, Alexandra, interessiert sich für forensische Psychologie und kennt sich gut im Darknet aus. Alexandra fällt es auf, dass bei mehreren Vermisstenfällen in Hamburg Menschen betroffen sind, die die Smart Home-App „Adam“ nutzen. Mit dieser App kann man Elektrogeräte, Beleuchtung und auch Türen und Jalousien steuern, nun stellt sich die Frage, ob ein Hacker die Kontrolle über das angeblich todsichere System übernommen und sich Zugang zu den Häusern verschafft haben könnte…


    Beurteilung

    Der Kriminalroman „Die App“ zeigt auf beklemmende Weise, welche Gefahren lauern, wenn sich Menschen von technischen Neuerungen, deren Möglichkeiten und Risiken sie als Laien kaum überblicken können, abhängig machen.

    Der Protagonist Hendrik ist ein intelligenter und sympathischer, aber technisch eher unbedarfter und etwas naiver Mann. Er hat zwar das Geld, eine teure Smart Home-Anlage installieren zu lassen, ist aber relativ hilflos im Umgang damit, ein Umstand, den sich Kriminelle zunutze machen!

    Die Ermittlungen von Hendrik und Alexandra werden anschaulich und realitätsnah beschrieben, ebenso wie die beiden Hauptfiguren weiß auch der Leser nicht, wem er trauen kann. Im Laufe der wendungsreichen Handlung machen sich verschiedene Personen verdächtig, selbst die wenig engagierten Polizisten scheinen etwas zu verbergen haben.

    In die fortlaufende Handlung sind Szenen eingefügt, die das Schicksal der Vermissten erhellen, dadurch kommt der Leser dem Motiv für die mysteriösen Taten eher auf die Spur als Hendrik und Alexandra.

    Der Erzählstil ist flüssig und sehr anschaulich, mit deutlichen Spannungshöhepunkten gegen Ende, aber ohne extrem blutrünstige Szenen.

    Der Roman bietet entgegen dem ersten Anschein nicht nur leichte Unterhaltung, sondern spricht auch relevante gesellschaftliche Themen unserer Zeit an.


    Fazit

    Ein lesenswerter Krimi, der mehr als nur spannende Unterhaltung bietet!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 3596703557

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Wie alles begann - der Roman für alle, die Peter Pranges Bestseller »Unsere wunderbaren Jahre« lieben.

    Deutschland im Hungerwinter 46. Gelähmt von den Schrecken des verlorenen Krieges und der Angst vor einer ungewissen Zukunft, fehlt es den Menschen an allem, was sie zum Leben brauchen. Selbst Ulla, Tochter eines Fabrikanten, leidet mit ihrer Familie Not. Das baldige Weihnachtsfest erscheint da wie ein Licht in der Finsternis. In dieser Zeit veranstaltet Tommy Weidner, ein „Bastard“, der nicht mal den Namen seines Vaters kennt, Tanzabende gegen Lebensmittelspenden. Dabei lernt er Ulla kennen. Für ihn ist es Liebe auf den ersten Blick, auch sie ist von seinem Charme verzaubert. Doch hat ihre Liebe eine Zukunft? Alles spricht dagegen. Bis der Firma Wolf die Demontage droht, und Ullas Vater ausgerechnet Tommys Hilfe braucht ... […]


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Peter Prange ist als Autor international erfolgreich. Seine Werke haben eine Gesamtauflage von über drei Millionen erreicht und wurden in 24 Sprachen übersetzt. Zuletzt stand sein großer Roman in zwei Bänden, über die Zeit der Naziherrschaft, ›Eine Familie in Deutschland‹, auf den Bestsellerlisten. Mehrere Bücher, etwa sein Bestseller ›Das Bernstein-Amulett‹, wurden verfilmt. Im Frühjahr begeisterte der TV-Mehrteiler nach seinem Erfolgsroman ›Unsere wunderbaren Jahre‹ das Publikum. Der Autor lebt mit seiner Frau in Tübingen.


    Allgemeines

    Vorgeschichte zu „Unsere wunderbaren Jahre“

    Erschienen am 23.09.2020 bei Fischer Scherz als HC mit 336 Seiten
    Gliederung: Roman in drei Teilen mit nummerierten Kapiteln – Autorennachwort

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Altena im Winter 1946


    Inhalt

    Der Zweite Weltkrieg ist seit eineinhalb Jahren vorüber, doch den Deutschen geht es immer noch sehr schlecht, Lebensmittel, Heizmaterial und anderer Bedarf des täglichen Lebens sind knapp. Sogar der wohlhabende Fabrikant Eduard Wolf gerät in Not, da die englischen Besatzer die Maschinen seiner Fabrik demontieren und nach England schaffen wollen. Sein einziger Sohn ist im Krieg gefallen, seine älteste Tochter Ruth ist mit einem überzeugten Nationalsozialisten verheiratet, der traumatisiert und arbeitsuntauglich aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrt. Die beiden jüngeren Töchter Ulla und Gundel leben noch bei ihren Eltern und arbeiten bei der Flüchtlingshilfe. Die jungen Frauen sind in Männer verliebt, die vor dem Krieg als unpassende Partner für die Töchter aus gutem Hause angesehen worden wären; Gundels Freund Benno ist Lehrling in der Firma ihres Vaters und Ullas Freund Tommy ist der uneheliche Sohn einer Putzfrau, der seinen Lebensunterhalt durch Kohlendiebstahl und Schieberei bestreitet. Dennoch ist er es, der gute Beziehungen zu den Engländern unterhält und auf dem die Hoffnungen ruhen, die Demontage der Fabrik noch abzuwenden…


    Beurteilung

    Nach Aussage des Autors im Nachwort sollte „Winter der Hoffnung“ eigentlich nur eine Weihnachtsgeschichte werden und als Vorgeschichte zu „Unsere wunderbaren Jahre“ erklären, wie die Hauptfiguren einander kennengelernt haben. Dann habe sich die Handlung jedoch quasi verselbstständigt und sei zum Roman geworden.

    Die Handlung ist in der Heimatstadt des Autors, Altena, angesiedelt und beschreibt das harte Leben der deutschen Bevölkerung im Hungerwinter 1946. Die Schilderung der Not ist sehr anschaulich und eindrücklich, am meisten leiden die „kleinen Leute“, die als Arbeiter in den Fabriken durch die angekündigten Demontagen um ihre Arbeitsplätze fürchten müssen. In geringerem Maße leiden die wohlhabenden Bürger wie die Familie Wolf, die zumindest gelegentlich jenseits der Lebensmittelkarten „unter der Hand“ Nahrungsmittel kaufen können. Die erbarmungslose Kälte setzt jedoch allen Menschen zu, oft schläft man sogar mit Mütze und Schal.

    Die Charakterisierung der Romanfiguren ist glaubwürdig und sehr differenziert ausgestaltet. Die drei Wolf-Töchter sind jeweils auf ihre Weise starke Persönlichkeiten, das gilt auch für Tommy, der aus einfachsten Verhältnissen stammt, wobei die extrem unterschiedliche Herkunft in seiner allmählich aufblühenden Beziehung zu Ulla für Konflikte sorgt.

    Der Erzählstil ist flüssig und anschaulich, der Roman lässt sich sehr zügig lesen. Die Darstellung der Liebe zwischen Gundel und Benno sowie zwischen Ulla und Tommy ist ein wenig zu gefühlsüberfrachtet und schwülstig geraten.


    Fazit

    Ein eindrucksvoller, lesenswerter Roman über das Leben der deutschen Bevölkerung in der unmittelbaren Nachkriegszeit!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 3651000915

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    A NAIVE YOUNG WOMAN AT THE MERCY OF HER AMBITIOUS FAMILY.

    At just nineteen, Katheryn Howard is quick to trust and fall in love.

    She comes to court. She sings, she dances. She captures the heart of the King.

    Henry declares she is his rose without a thorn. But Katheryn has a past of which he knows nothing. It comes back increasingly to haunt her. For those who share her secrets are waiting in the shadows, whispering words of love... and blackmail.

    KATHERYN HOWARD

    THE FIFTH OF HENRY'S QUEENS.

    HER STORY.


    Autorin (Quelle: Amazon)

    Alison Weir is the top-selling female historian (and the fifth-bestselling historian overall) in the United Kingdom, and has sold over 3 million books worldwide. She has published eighteen history books, including her most recent non-fiction book, Queens of the Conquest, the first in her England's Medieval Queens quartet. Alison has also published several historical novels, including Innocent Traitor and The Lady Elizabeth.

    Katheryn Howard, The Tainted Queen is Alison Weir's tenth published novel and the fifth in the Six Tudor Queens series about the wives of Henry VIII, which was launched in 2016 to great critical acclaim. All four books in the series are Sunday Times bestsellers.

    Alison is a fellow of the Royal Society of Arts and an honorary life patron of Historic Royal Palaces.


    Allgemeines

    Fünfter Band der Reihe „Six Tudor Queens“

    Erschienen am 6. August 2020 bei Headline Review als HC mit 480 Seiten
    Gliederung: Familienstammbäume – Roman in fünf Teilen mit insgesamt 34 Kapiteln – Danksagung & Autorennachwort – Personenverzeichnis – chronologische Zeitleiste – Reading Group Questions

    Erzählung in der dritten Person aus der Perspektive Katheryn Howards

    Handlungsort und -zeit: England, 1528 bis 1542


    Inhalt und Beurteilung

    Der fünfte Band der Reihe „Six Tudor Queens“ schildert das kurze Leben der Katheryn Howard (ca.1521 – 1542), fünfte Ehefrau des englischen Königs Henry VIII. Im Alter von ca. acht Jahren verliert Katheryn ihre Mutter und wird dann bei verschiedenen Verwandten untergebracht, zuletzt bei ihrer Stiefgroßmutter, der verwitweten Duchess of Norfolk. Dort herrscht eine laxe „Überwachung“ und die im Haushalt lebenden jungen Mädchen empfangen nachts Männer im Schlafsaal. Im herzoglichen Haus unterhält Katheryn nacheinander intime Beziehungen zu ihrem Musiklehrer Henry Manox und zu Francis Dereham, einem Bediensteten des Herzogs. Besonders die letztgenannte Beziehung, die mit einem halbformellen Eheversprechen verbunden ist, wird später für Katheryns tragisches Schicksal bedeutsam. Als sie auf Drängen ihrer ehrgeizigen Verwandtschaft den König, dessen vierte Ehe mit Anna von Kleve gerade annulliert worden ist, heiratet, verschweigt sie ihr Vorleben. Obwohl sie den König schätzt, lässt sie sich auf eine weitere illegitime Beziehung mit dem Höfling Thomas Culpeper ein…


    Der gründlich recherchierte biographische Roman der Historikerin Alison Weir ist sehr eng an den historischen Fakten orientiert. Lediglich der Charakter der Hauptfigur ist von der Autorin literarisch, aber realistisch, ausgestaltet. Mit Katheryn kann man Mitleid haben: Sie ist ein Kind, das aus seinem Umfeld gerissen wird, sie ist außerdem sehr naiv und offenbar nicht allzu intelligent. Eine Sympathieträgerin ist sie jedoch nicht, denn sie ist unehrlich, zum Verrat bereit, wenn sie sich selbst schützen will und sie ist nicht in der Lage, ihre offensichtlich starke Libido zu kontrollieren. Henry VIII wird hier überraschend positiv dargestellt, Francis Dereham dagegen (etwas übertrieben?) in ein ausgesprochen schlechtes Licht gerückt.

    Es gelingt der Autorin, Katheryns Gefühlwelt ausgezeichnet darzustellen; seit der Hochzeit mit Henry VIII lebt sie ständig in Angst, da es einige Menschen gibt, die von ihrem „unkeuschen“ Vorleben wissen und sie damit erpressen. Außerdem steht sie unter dem Druck, schwanger zu werden, denn der König wünscht sich einen weiteren Sohn.

    Der anschaulich geschriebene Roman verdeutlicht eindrucksvoll das Leben am Hof und die anstrengenden sommerlichen Rundreisen des Königs samt Bediensteten. Ein ausführliches Nachwort, ein umfangreiches Personenverzeichnis und eine Zeitleiste erleichtern dem Leser die Orientierung.

    Da die Geschichte Katheryn Howards allgemein bekannt ist, kann der Roman auch unabhängig von den vorherigen Bänden gelesen werden.


    Fazit

    Ein gut recherchierter, fesselnder Roman, den sich ein Tudor-Interessent nicht entgehen lassen sollte!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: 1472227778

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    In einer kalten Rauhnacht, nahe der niederländischen Grenze: Ein alter Bauernkotten steht lichterloh in Flammen, und die Leiche des Bauern liegt ­mit eingeschlagenem Schädel vor dem Haus. Oberkommissar Maik Bertram und seine Kollegen können den vermeintlichen Mörder bald fassen: Schultewolter, der vor Jahren auch den inzwischen pensionierten Heinrich Tenbrink niedergeschlagen hat. Doch Zeugen haben gesehen, wie Schultewolter den Toten aus dem brennenden Haus gezerrt hat. Warum würde ein Mörder sein Opfer retten wollen?

    Im vierten Fall der Münsterland-Krimis machen alte Bekannte und dunkle Geheimnisse während der Rauhnächte den Ermittlern Tenbrink und Bertram das Leben schwer.


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Tom Finnek wurde 1965 im Münsterland geboren und arbeitet als Filmjournalist, Drehbuchlektor und Schriftsteller. Er ist verheiratet, Vater von zwei Söhnen und lebt mit seiner Familie in Berlin. Sowohl unter dem Pseudonym Tom Finnek als auch unter seinem richtigen Namen, Mani Beckmann, hat er bereits zahlreiche Krimis veröffentlicht. Zu seinen größten Erfolgen gehören neben der historischen Moor-Trilogie die London-Romane "Unter der Asche", "Gegen alle Zeit" und "Vor dem Abgrund".


    Allgemeines

    Vierter Band der Reihe um Tenbrink und Bertram

    Erschienen am 26.08.2020 bei Bastei Lübbe als TB mit 350 Seiten
    Gliederung: Prolog – Fünf Teile, entsprechend je einem Wochentag und jeweils mit nummerierten Kapiteln – Epilog

    Erzählung in der dritten Person aus den Perspektiven Tenbrinks und Bertrams

    Handlungsort und -zeit: Münsterland, ein Januar in der Gegenwart


    Inhalt

    Der „Schaddebuer“ (Torfbauer) Harking kommt auf seinem abgelegenen Hof nahe der niederländischen Grenze ums Leben, allerdings stirbt er nicht bei dem Brand, der sein Anwesen zerstört, sondern an schweren Kopfverletzungen. Sein alter Freund, der polizeibekannte Schultewolter, zieht ihn gerade noch rechtzeitig aus dem brennenden Haus, dennoch wird er zunächst verdächtigt. Allerdings gibt es noch einige weitere Verdächtige, denn der Ermordete war ein eigenbrötlerischer, seltsamer Kauz, der es sich mit vielen Menschen, darunter seinen eigenen Kindern, verscherzt hatte. Für Tenbrink, der eigentlich schon im Ruhestand ist und Bertram gilt es, die komplizierten Beziehungen der miteinander verschwägerten Familien der Dorfgemeinschaft zu durchschauen. Doch auch eine Reihe von Einbrüchen in der Gegend ist von Interesse, zumal man sich erzählt, der Schaddebuer habe einen größeren Schatz (Geld und Schmuck) vergraben…


    Beurteilung

    „Rauchland“ ist der vierte Band einer Reihe, deren vorherige Bände man möglichst zuvor gelesen haben sollte, um der komplexen Handlung folgen zu können. Es wird wiederholt auf frühere Ereignisse im Leben der beiden Protagonisten Tenbrink und Bertram Bezug genommen und es kommt in diesem Roman zu weiteren bedeutsamen Entwicklungen, dieser Handlungsstrang dürfte für Neueinsteiger in die Reihe nicht leicht zu durchschauen sein.

    Der Kriminalfall ist in sich abgeschlossen, wobei es jedoch auch zur Figur Schultewolter eine Vorgeschichte gibt. In jedem Fall erfordert die Lektüre dieses intelligent und verwickelt konstruierten Krimis viel Konzentration, da es nicht einfach ist, die ganzen interfamiliären Beziehungen mehrerer miteinander verschwägerter Familien nachzuvollziehen. Ein Personenverzeichnis wäre hilfreich gewesen. Im Laufe der Befragungen gewinnen die Kommissare und der Leser nach und nach interessante neue Erkenntnisse, als sich herausstellt, dass es (Familien)geheimnisse gibt und nicht jeder im Verhör die Wahrheit sagt.

    Der Erzählstil ist anschaulich und atmosphärisch, aber nicht sehr spannend – Spannung kommt erst zum Schluss auf, als ein Ermittler einen unklugen Alleingang unternimmt. Auch dieser vierte Band kommt ohne Schilderung von brutalen Szenen aus.


    Fazit

    Solide Krimiunterhaltung mit viel Lokalkolorit und einem Schuss Humor – empfehlenswert!

    8 Punkte