Beiträge von €nigma

    Danke für die Buchvorstellung, schon 10 Bände, ist ja allerhand.

    Es sind schon 12 Bände, nach "The Dark Angel" folgen noch "The Stone Circle" (habe ich gerade rezensiert) und "The Lantern Men" (habe ich vorbestellt und werde es dann rezensieren).:)

    Ich überlege mir schon, ob ich mich nicht doch mal ans englische Original wagen soll.

    Das würde ich auf jeden Fall tun. Wenn man die Bücher als E-Books liest, kann man ja sehr schnell unbekannte Wörter im integrierten Wörterbuch nachschlagen.

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    DCI Nelson has been receiving threatening letters telling him to 'go to the stone circle and rescue the innocent who is buried there'. He is shaken, not only because children are very much on his mind, with Michelle's baby due to be born, but because although the letters are anonymous, they are somehow familiar. They read like the letters that first drew him into the case of The Crossing Places, and to Ruth. But the author of those letters is dead. Or are they?

    Meanwhile Ruth is working on a dig in the Saltmarsh - another henge, known by the archaeologists as the stone circle - trying not to think about the baby. Then bones are found on the site, and identified as those of Margaret Lacey, a twelve-year-old girl who disappeared thirty years ago.

    As the Margaret Lacey case progresses, more and more aspects of it begin to hark back to that first case of The Crossing Places, and to Scarlett Henderson, the girl Nelson couldn't save. The past is reaching out for Ruth and Nelson, and its grip is deadly.


    Autorin (Quelle: Amazon)

    ELLY GRIFFITHS is the author of the Ruth Galloway and Magic Men mystery series, and the standalone novel The Stranger Diaries. She is a recipient of the Mary Higgins Clark Award and the CWA Dagger in the Library Award.


    Allgemeines

    11. Band der Reihe um Dr Ruth Galloway

    Erschienen am 5. September 2019 bei Quercus als TB mit 416 Seiten
    Gliederung: Roman in 38 Kapiteln – Danksagung – Leseprobe zu Band 12 „The Lantern Men“ – „Who´s who“

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Norfolk, 2016


    Inhalt und Beurteilung

    Bei der Ausgrabung eines prähistorischen Skeletts werden auch die Knochen eines jungen Mädchens gefunden, es stellt sich schnell heraus, dass es sich dabei um das Skelett von Margaret Lacey handelt, die als Zwölfjährige im Jahr 1981 spurlos verschwand. Dieses Skelett scheint allerdings erst vor kurzem umgebettet worden zu sein. Die Aufmerksamkeit der Polizei richtet sich erneut auf einen Sonderling, der seinerzeit unter Verdacht stand, dem man aber nichts nachweisen konnte. Doch dann wird der Mann ermordet und in der Familie von Margaret Lacey gibt es einen neuen Vermisstenfall – diesmal wird ein wenige Wochen altes Baby entführt.

    Harry Nelson und seine Kollegen müssen herausfinden, ob in allen diesen Fällen derselbe Täter verantwortlich ist, oder ob es sich um verschiedene Täter handelt.


    Der Kriminalfall ist relativ komplex und die Lösung ist nicht vorzeitig absehbar. Er erinnert an einen älteren Fall („The Crossing Places“/“Totenpfad“), bei dem ebenfalls die Skelette ermordeter Mädchen in der Saltmarsh aufgefunden wurden, der damalige Täter soll allerdings tot sein.

    Der Roman besticht durch gründliche und realistisch dargestellte Ermittlungsarbeit, er ist durchaus fesselnd, kommt aber ohne Gewaltdarstellungen aus. Sehr angenehm ist es, dass im Vergleich zum letzten Roman („The Dark Angel“) die komplizierte Beziehungsproblematik zwischen Harry Nelson, seiner Ehefrau Michelle und Ruth Galloway nicht so sehr ausgewalzt wird. Dieses Thema ist allmählich ausgereizt.

    Es zeichnen sich interessante Entwicklungen in Ruths Leben ab, wodurch die Reihe ab dem kommenden Band neue Impulse und Abwechslung verspricht.

    Der Roman ist in einem flüssigen, anschaulichen Erzählstil gehalten und lässt sich dementsprechend leicht und schnell lesen. Ein Personenverzeichnis des „Stammpersonals“ der Reihe erleichtert Neueinsteigern den Überblick.


    Fazit

    Ein eher spannungsarmer, ruhiger Krimi, der gute Unterhaltung bietet!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 9781786487315

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    Dr Ruth Galloway is flattered when she receives a letter from Italian archaeologist Dr Angelo Morelli, asking for her help. He's discovered a group of bones in a tiny hilltop village near Rome but doesn't know what to make of them. It's years since Ruth has had a holiday, and even a working holiday to Italy is very welcome!

    So Ruth travels to Castello degli Angeli, accompanied by her daughter Kate and friend Shona. In the town she finds a baffling Roman mystery and a dark secret involving the war years and the Resistance. To her amazement she also soon finds Harry Nelson, with Cathbad in tow. But there is no time to overcome their mutual shock - the ancient bones spark a modern murder, and Ruth must discover what secrets there are in Castello degli Angeli that someone would kill to protect.


    Autorin (Quelle: Amazon)

    ELLY GRIFFITHS is the author of the Ruth Galloway and Magic Men mystery series, and the standalone novel The Stranger Diaries. She is a recipient of the Mary Higgins Clark Award and the CWA Dagger in the Library Award.


    Allgemeines

    10. Band der Reihe um Dr Ruth Galloway

    Erschienen am 12.07.2018 bei Quercus als TB mit 384 Seiten
    Gliederung: Prolog – 34 Kapitel – Epilog – Danksagung – „Who´s who“

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsorte und -zeit: England und Italien, in der Gegenwart


    Inhalt und Beurteilung

    Der Roman besteht aus zwei Handlungssträngen, von denen einer in Italien und einer in England spielt.

    Italien: Ruth Galloway wird von ihrem italienischen Kollegen Angelo Morelli gebeten, nach Castello degli Angeli (fiktives Bergdorf) zu kommen und einen sehr alten Knochenfund zu begutachten. Sie reist mit ihrer Freundin Shona, deren Sohn Louis und ihrer Tochter Kate, um bei dieser Gelegenheit ein paar Urlaubstage zu verbringen. Kurz nach ihrer Ankunft wird auf dem Kirchhof des Dorfes ein weitaus jüngeres Skelett gefunden, offenbar ein Mordopfer aus dem 20. Jahrhundert. Dann wird auch noch der freundliche Pfarrer ermordet und jemand scheint es darauf abgesehen zu haben, Ruth zu vertreiben.

    England: Micky Webb, ein Mörder, der vor zehn Jahren von Harry Nelson ins Gefängnis gebracht wurde, wird vorzeitig entlassen. Er hat seinerzeit Rache geschworen, will aber inzwischen im Gefängnis den christlichen Glauben für sich entdeckt haben. Harry Nelson reist Ruth nach Castello degli Angeli nach und lässt seine schwangere Ehefrau und seine Tochter schutzlos zurück – keine gute Idee!


    Der Roman beschäftigt sich nicht nur mit den jeweiligen Kriminalfällen in England und Italien, sondern auch sehr intensiv mit dem Privatleben der Hauptfiguren. Deshalb ist es trotz des Personenverzeichnisses im Anhang sinnvoll, nicht mit diesem Buch in die Reihe einzusteigen, sondern sich zunächst über den Inhalt der vorherigen Bände zu informieren. Für Leser mit entsprechenden Vorkenntnissen bietet „The Dark Angel“ unterhaltsame, wenn auch größtenteils nicht hochspannende Lektüre.

    Die Charakterisierung der Romanfiguren ist gut ausgearbeitet und in ihre Probleme können sich vermutlich viele Leser gut hineinversetzen. Der Erzählstil ist anschaulich, gelegentlich subtil humorvoll und an einigen Stellen auch recht spannend.

    Da der Roman ohne explizite Szenen der Gewaltdarstellung auskommt, ist er auch für Freunde ruhigerer Kriminalromane geeignet. Etwas mehr Konzentration auf die Kriminalfälle sowie die archäologische Thematik und etwas weniger Beschäftigung mit Harry Nelsons „Beziehungskiste“ hätten dem Buch gutgetan.


    Fazit

    Empfehlenswert für Freunde ruhigerer Krimis, die bereits einen Band (oder mehr) der Reihe gelesen haben!

    7 Punkte


    ASIN/ISBN: 178429666X

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    In einem idyllischen Tal im irischen Wicklow werden die Leichen fünf junger Frauen gefunden. Sie alle verschwanden innerhalb der letzten Jahre spurlos. Inspector Tom Reynolds steht vor dem bislang größten Rätsel seiner Karriere. Während er und sein Team versuchen, eine Verbindung zwischen den Opfern herzustellen, wird ein weiteres Mädchen als vermisst gemeldet. Alles deutet darauf hin, dass auch sie dem Serienmörder in die Hände fiel. Die Hoffnung, sie lebend zu finden, schwindet mit jeder Stunde ...


    Autorin (Quelle: Amazon)

    Jo Spain arbeitet als Journalistin und Beraterin des Irischen Parlaments. Ihr Krimidebüt Tu Buße und stirb avancierte in Irland sogleich zum Bestseller und schaffte es auf die Shortlist des renommierten Richard and Judy Bestseller Competition. Auch die beiden Folgebände der Serie mit dem sympathischen Ermittlerteam um Inspector Tom Reynolds schafften den Sprung auf die irische Bestsellerliste. Jo Spain lebt mit ihrem Ehemann und ihren vier gemeinsamen Kindern in Dublin. –


    Allgemeines

    Dritter Band der Reihe um Tom Reynolds

    Erschienen am 31.07.2019 bei Bastei Lübbe als TB mit 416 Seiten, ins Deutsche übersetzt von Anke Angela Grube
    Gliederung: Prolog – 42 Kapitel – Danksagung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsorte und -zeit: Verschiedene Orte in Irland, 2012


    Inhalt

    Als die neunzehnjährige Fiona Holland spurlos verschwindet, denkt man zunächst, dass sie freiwillig – eventuell mit einem Mann - ihr Umfeld verlassen haben könnte, da sie viele Männerbekanntschaften pflegt und auch bereits einen unehelichen Sohn hat, dessen Betreuung sie lieber ihren Eltern überlässt. Als jedoch kurz nach ihrem Verschwinden die Leichen von fünf jungen Frauen, die im Zeitraum von 2007 bis 2012 vermisst wurden, aufgefunden werden, schrillen bei Tom Reynolds und seinen Kollegen alle Alarmglocken. Auch diese jungen Frauen galten als „lebenslustig“, offenbar geht ein Serienkiller um, der es auf einen bestimmten Typ von Frau abgesehen hat – auch Fiona passt in dieses Beuteschema. Man hofft, die junge Frau noch lebend zu finden, da man davon ausgeht, dass der Täter auch die anderen Frauen erst nach längerer Gefangenschaft getötet hat.


    Beurteilung

    In diesem Kriminalroman spielt das Privatleben der Ermittler eher eine untergeordnete Rolle, sodass auch Leser ohne Kenntnis der ersten beiden Bände der Handlung folgen können.

    Die Handlung wird aus wechselnden Perspektiven der diversen Ermittler geschildert, es sind jedoch auch rückblickende Kapitel aus der Sicht der Mordopfer eingeflochten. Diese Kapitel bringen dem Leser die Persönlichkeiten und Schicksale der jungen Frauen nahe und erzeugen Empathie. Auch die Charaktere der Ermittler sind schlüssig ausgearbeitet und wirken glaubwürdig. Ebenso wird der Persönlichkeit des Mörders hinreichende Aufmerksamkeit gewidmet.

    Der Verlauf der Handlung ist von zunehmender Spannung geprägt, wobei auf brutale Szenen verzichtet wird. Der anschauliche Erzählstil trägt dazu bei, dass man das Buch nur ungern aus der Hand legt.

    Der Kriminalfall ist komplexer als man es zunächst vermutet, gegen Ende wartet die Autorin mit einer überraschenden Wendung auf.


    Fazit

    Spannende Krimi-Unterhaltung ohne brutale Szenen – empfehlenswert!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 9783404178469

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Du hattest einen höllischen Tag und einen Gin Tonic zu viel. Das Auto kannst du nicht mehr nehmen. Zum Glück gibt es MyDriver, die App, mit der man jederzeit ein Auto samt Fahrer bestellen kann. Aber du kommst nie zu Hause an… Überall in der Stadt verschwinden junge Frauen. Kommissar Jens Kerner und seine Kollegin Rebecca Oswald ermitteln fieberhaft - obwohl beide mit privaten Herausforderungen kämpfen. Jens wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert, und Rebecca versucht erfolglos, ihn in die Gegenwart - und zu sich - zu ziehen. Dann verschwindet eine Fahrerin von MyDriver - auf dem Wagen steht in Leuchtschrift: #findemich ...


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Andreas Winkelmann, geboren 1968 in Niedersachsen, ist verheiratet und hat eine Tochter. Er lebt mit seiner Familie in einem einsamen Haus am Waldrand nahe Bremen. Wenn er nicht gerade in menschliche Abgründe abtaucht, überquert er zu Fuß die Alpen, steigt dort auf die höchsten Berge oder fischt und jagt mit Pfeil und Bogen in der Wildnis Kanadas.


    Allgemeines

    Dritter Band der Reihe um Jens Kerner und Rebecca Oswald

    Erschienen am 16.06.2020 im Rowohlt Taschenbuch Verlag mit 400 Seiten
    Gliederung: Prolog – Fünf lange Kapitel mit jeweils nummerierten Abschnitten – Schlusswort und Warnung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Hamburg, in der Gegenwart


    Inhalt

    In ihrem dritten Fall bekommen es Jens Kerner und Rebecca Oswald mit einer merkwürdigen Mordserie zu tun. Jemand lockt junge Frauen aus ihren Autos und entführt sie, auf die zurückgelassenen Fahrzeuge schreibt er mit Leuchtfarbe: #finde mich. Auf den Instagram-Accounts der Frauen postet er Videos der Entführten und gibt eine 24 Stunden-Deadline vor, innerhalb dieser Zeitspanne müssen die Frauen gefunden werden, anderenfalls würden diese „ein leuchtendes Beispiel polizeilicher Inkompetenz“ abgeben. Das bedeutet, dass die Leichen der Vermissten in der Öffentlichkeit aufgefunden werden und deren Gesichter mit Leuchtfarbe angestrichen sind.

    Die zunächst einzig ersichtliche Verbindung zwischen den Mordopfern besteht darin, dass diese den neuen Hamburger Fahrdienst MyDriver nutzen, den man per App buchen kann. Zwei der Frauen fühlten sich in den Kleinbussen der Firma von einem finster starrenden Passagier belästigt, eine weitere fuhr einen solchen Bus und ihr fiel ebenfalls ein unheimlicher Fahrgast auf.

    Im Laufe der Ermittlungen ergeben sich jedoch Hinweise auf eine Menge Verdächtiger jenseits des Start-up-Unternehmens MyDriver, dabei ist es hinderlich, dass Kerner total auf einen Verdächtigen fixiert ist und andere Ermittlungsansätze vernachlässigt…


    Beurteilung

    Der dritte Band der Reihe setzt die Entwicklung der persönlichen Beziehung zwischen Kerner und Oswald fort, diese nimmt jedoch keinen zu großen Raum ein. Der Kriminalfall ist in sich abgeschlossen, der Roman kann also auch ohne Kenntnis der beiden vorigen Bände gelesen werden.

    Die Handlung wird sehr anschaulich, in vergleichsweise kurzen Abschnitten und aus wechselnden Perspektiven, darunter auch der des Täters, geschildert. Die Einblicke in das Vorgehen und die Gedanken des Täters erlauben es dem Leser – im Gegensatz zu den Mordermittlern – relativ schnell auf das Motiv für die bizarren Taten zu kommen. Der Täter ist jedoch nicht frühzeitig zu identifizieren, auch der Leser wird auf falsche Fährten geführt.

    Es gelingt dem Autor, die jungen Frauen als individuelle Persönlichkeiten, für die man Empathie aufbringen muss, vorzustellen; auch die Schilderung ihres Martyriums geht an die Nieren. Der Einsatz von Cliffhangern an den Kapitelenden und der Perspektivwechsel an „kritischen“ Stellen sorgen dafür, dass dieser Kriminalroman als sehr spannend wahrgenommen wird.

    Das Verhalten von Jens Kerner ist hier zu unprofessionell, um vollkommen glaubwürdig zu sein.


    Fazit

    Morde mit ansatzweise nachvollziehbarem Motiv – spannende Unterhaltung!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 3499000385

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Berlin, 1907: Die junge Wissenschaftlerin Lise kommt nach ihrer Promotion an die Friedrich-Wilhelms-Universität Unter den Linden, um bei Max Planck zu forschen. Dass Frauen in Preußen offiziell noch nicht an Universitäten zugelassen sind, kann sie nicht aufhalten. Schon bald arbeitet sie neben Otto Hahn. Das Schicksal führt sie mit zwei Frauen zusammen: Hedwig musste die Unterschrift ihres Mannes fälschen, um die Uni besuchen zu können – denn ohne die Zustimmung des Ehemannes geht nichts. Anni arbeitet als Dienstmädchen beim berühmten Friedrich Althoff und liest sich heimlich durch dessen Bücherregal. Die drei unterschiedlichen Frauen werden zu engen Verbündeten, die gemeinsam um ihr Glück, die Liebe und das Recht auf Wissen und Bildung kämpfen. Denn die Widerstände in der männlichen dominierten Universitätswelt sind hoch.

    Die Figur Lise erinnert an Lise Meitner (1878–1968), eine der bekanntesten Physikerinnen des 20. Jahrhunderts. Sie war die erste deutsche Physik-Professorin und entdeckte die Kernspaltung.

    "Ob Frauen studieren dürfen? Ob Frauen studieren können? Ob Frauen studieren sollen? Mir persönlich erscheinen diese Untersuchungen ebenso müßig, als wollte jemand fragen: Darf der Mensch seine Kräfte entwickeln? Soll er seine Beine zum Gehen gebrauchen?" Hedwig Dohm


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Ann-Sophie Kaiser ist in Berlin geboren und lebt auch heute noch hier. Sie hat für ein kurzes Semester Physik an der Humboldt-Universität studiert, bevor sie erkannt hat, dass sie lieber etwas mit Schreiben machen möchte. Sie liebt es, in den Berliner Seen zu schwimmen und sich bei ausgedehnte Stadtspaziergänge durch die Kieze in das historische Berlin zurückzudenken. "Unter den Linden 6" ist ihr erster historischer Roman.


    Allgemeines

    Erschienen am 15. Juni 2020 im Ullstein Verlag als broschiertes TB mit 464 Seiten
    Gliederung: Zwei Hauptteile mit nummerierten Kapiteln, die wiederum in kürzere Kapitel aus wechselnden Perspektiven aufgeteilt sind

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Berlin, 1907 bis 1915


    Inhalt

    Der Roman schildert das Leben dreier sehr unterschiedlicher Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, eine der Hauptfiguren ist eine historische Persönlichkeit, die beiden anderen sind fiktiv, ihre Lebensläufe wirken jedoch vor dem Hintergrund der Zeit glaubwürdig.

    Die berühmte Physikerin Lise Meitner (1878 – 1968) kommt aus Wien 1907 nach Berlin, um an der dortigen Universität zu forschen. Trotz ihres erfolgreich abgeschlossenen Studiums und ihrer Kompetenz wird sie den männlichen Physikern gegenüber immer wieder zurückgesetzt. Sie verdient für dieselbe Arbeit zunächst gar nichts und dann nur 60 Prozent des Gehalts ihrer männlichen Kollegen, sodass sie ihren Lebensunterhalt mit Privatunterricht für junge Mädchen bestreiten muss.

    Hedwig Brügger ist eine wohlhabende Fabrikantentochter, die von ihrem Vater mit einem ungeliebten Mann verheiratet wurde. Als ihr Mann für längere Zeit in ein Sanatorium muss, schreibt sie sich als Gasthörerin an der Universität ein. Eine reguläre Immatrikulation ist Frauen 1907 noch nicht gestattet.

    Auch als Gasthörerin muss sie sich Diskriminierung und Respektlosigkeiten von den Studenten und Professoren aussetzen, sie ist jedoch nicht gewillt, sich das bieten zu lassen.

    Anni ist ein Dienstmädchen aus einer armen Bauernfamilie, das sich nichts sehnlicher wünscht als eine höhere Bildung. Sie schleicht sich nachts in die Bibliothek ihres Dienstherrn, Friedrich Althoff, und liest heimlich in den Büchern seiner Bibliothek.

    Eher zufällig begegnen sich die drei Frauen in Berlin und werden trotz ihres unterschiedlichen gesellschaftlichen Hintergrundes zu Freundinnen, vereint im Bestreben, für die Verbesserung der Situation der Frauen im Bildungswesen zu kämpfen.


    Beurteilung

    Der Roman gibt einen sehr guten Einblick in das Leben und die Gesellschaft Berlins (Preußens) zu Beginn des 20. Jahrhunderts, besonderes Augenmerk gilt dabei den (eingeschränkten) Rechten der Frauen, denen allein aufgrund ihres Geschlechts eine höhere Schulbildung und das Hochschulstudium verwehrt sind. Sogar der Status der Gasthörerin ist nur schwer zu erringen und selbst volljährige Frauen bedürfen der Genehmigung des Vaters oder des Ehemannes, um Vorlesungen zu hören. Professoren, die Frauen an der Universität gegenüber aufgeschlossen sind, bilden eine Ausnahme.

    Jede der drei Hauptfiguren hat ihr eigenes Schicksal, gemeinsam ist ihnen der Kampf gegen einengende Konventionen. Es wird aus wechselnden Perspektiven berichtet, was die Lektüre kurzweilig und abwechslungsreich macht. Dabei gelingt es der Autorin, jeder der drei Frauen eine detailliert ausgearbeitete Persönlichkeit zu verleihen.

    Der Erzählstil ist flüssig und anschaulich, manchmal ein wenig zu sentimental, auf jeden Fall erzeugt er beim Leser bleibende Eindrücke.

    In einem recht ausführlichen Nachwort werden Informationen zum weiteren Lebensweg Lise Meitners sowie zu den Tätigkeiten von diversen Frauenrechtlerinnen der Zeit präsentiert.


    Fazit

    Ein lesenswerter Roman, der eindrucksvoll verdeutlicht, welch unfassbarer Diskriminierung „bildungshungrige“ Frauen sich noch vor gut hundert Jahren ausgesetzt sahen!

    9 Punkte


    ASIN/ISBN: 3550200609

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    1236. Ailenor of Provence, cultured and intelligent, is only thirteen when she meets her new husband, Henry III of England. A foreign and friendless princess in a strange land she is determined to please him. And she knows that when the times comes she must provide an heir, to secure the throne against those who would snatch it away.

    Rosalind, a commoner skilled in the arts of needlework and embroidery, catches the young queen's attention and a friendship blossoms. But she is unprepared for the dangerous ramifications of winning the queen's favour ...

    As closeness, and soon love, develops between Ailenor and Henry, so too does her influence on her husband and her power at court. As France and Wales provide constant threat, and England's barons increasingly resent her influence, Ailenor must learn to be ruthless. Who should she encourage her husband to favour? Who can she trust?

    Caught in a web of treachery and deceit, her choices will define the fate of England. To protect her close friends, and her beloved children, Ailenor, the She-Wolf from Provence, would do, and endure, anything.


    Autorin (Quelle: Amazon)

    Carol McGrath taught History and English for many years in both the state and private sectors. She left teaching to work on a MA in Creative Writing from Queens University Belfast, then an MPhil in English at Royal Holloway, London, where she developed her expertise on the Middle Ages.


    Allgemeines

    Erster Band einer Trilogie über „She-Wolves“ des Mittelalters

    Erschienen bei Headline am 2. April 2020 als TB mit 355 Seiten
    Gliederung: Stammbaum der königlichen Familie Englands – Erläuterung der klösterlichen Gebetsstunden – Roman in 36 Kapiteln, überschrieben mit Orts- und Zeitangaben – Autorennachwort

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsorte und -zeit: diverse Orte in England und Frankreich, 1236 bis 1253


    Inhalt

    Der Roman schildert das Leben der Eleonore (Ailenor) von der Provence (ca. 1223 – 1291) vor dem Hintergrund der Regierungszeit ihres Mannes, König Henry III. Ailenor kommt als ca. 13-jährige nach England, um den deutlich älteren König zu heiraten. Ihre Ehe wird glücklich, aber die Königin ist im Land nicht besonders beliebt, da man ihr Nepotismus vorwirft. In der Tat bringt das Königspaar viele von Ailenors Verwandten aus der Provence in wichtigen Stellungen unter.

    Ailenor versteht sich gut mit Nell, der Schwester des Königs, die mit Simon de Montfort verheiratet ist. Während es zwischen Henry und Simon immer wieder zu Konflikten kommt, bewahren die Frauen ihre Freundschaft. In einem dritten Handlungsstrang wird die Beziehung zwischen der Königin und der Gewandstickerin Rosalind beleuchtet; Rosalind, Tochter eines Schneiders, wird aufgrund ihres großen Talents zur „Hofstickerin“ berufen und entwickelt sich fast schon zur Freundin der Königin. Doch die enge Beziehung zum Königshaus birgt auch Risiken.


    Beurteilung

    Die Schilderung von Ailenors Leben ist in einen sehr gut recherchierten historischen Kontext eingebettet. Der Vergleich mit diversen Sachbüchern zeigt, dass sowohl die Persönlichkeiten des Königspaares als auch deren wechselvolles Verhältnis zu den de Montforts und die politischen Entwicklungen der Zeit – Henry versucht, unter seinem Vater John verlorengegangene Gebiete in Frankreich zurückzugewinnen – historisch korrekt wiedergegeben werden. Die Autorin hat unter anderem die Schriften eines zeitgenössischen Chronisten herangezogen. Ein umfangreiches Nachwort gibt zusätzliche Informationen und weist darauf hin, dass die zwei weiteren Bände der Trilogie sich mit Ailenors Schwiegertochter Eleonore (Lenora) von Kastilien, Frau Edwards I, und deren Schwiegertochter Isabella von Frankreich, Frau Edwards II, beschäftigen werden. Alle drei Frauen galten in ihrer Epoche als „she-wolf“, eine damals übliche Bezeichnung für eigenständig denkende, energische Frauen, die nicht nur als Anhängsel ihrer Männer auftraten und ihre eigenen Interessen sowie die ihrer Kinder unnachgiebig vertraten.

    Der Sprachstil ist äußerst flüssig und anschaulich, er versetzt den Leser ins 13. Jahrhundert. Durch den Perspektivwechsel zwischen Ailenor, Nell und Rosalind gestaltet sich die Lektüre abwechslungsreich.

    Zusätzlich zum vorhandenen Stammbaum wäre noch ein erweitertes Personenverzeichnis hilfreich gewesen.


    Fazit

    Ein sehr gut recherchierter, farbenprächtiger Roman über das Leben der Ailenor von der Provence – sehr lesenswert für Liebhaber seriöser historischer Romane!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: B0844V3JLV

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Hulda Hermannsdóttir, Kommissarin bei der Polizei Reykjavík, soll frühzeitig in Ruhestand gehen, um Platz für einen jüngeren Kollegen zu machen. Sie darf sich einen letzten Fall, einen cold case, aussuchen – und sie weiß sofort, für welchen sie sich entscheidet. Der Tod einer jungen Frau wirft während der Ermittlungen düstere Rätsel auf, und die Zeit, um endlich die Wahrheit ans Licht zu bringen, rennt. Eine Wahrheit, für die Hulda ihr eigenes Leben riskiert …


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Ragnar Jónasson, 1976 in Reykjavík geboren, ist Mitglied der britischen Crime Writers‘ Association und Mitbegründer des »Iceland Noir«, dem Reykjavík International Crime Writing Festival.

    Seine Bücher werden in 21 Sprachen in über 30 Ländern veröffentlicht und von Zeitungen wie der New York Times und Washington Post gefeiert.

    Ragnar Jónasson lebt und arbeitet als Schriftsteller und Investmentbanker in der isländischen Hauptstadt. An der Universität Reykjavík lehrt er außerdem Rechtswissenschaften. Die preisgekrönte Hulda-Trilogie erscheint bei btb erstmals auf Deutsch.


    Allgemeines

    Erster Band der Trilogie um Hulda Hermannsdóttir

    Titel der Originalausgabe: „Dimma“, ins Deutsche übersetzt von Kristian Lutze

    Erschienen am 25. Mai 2020 im btb Verlag mit 384 Seiten
    Gliederung: Roman in drei Teilen, entsprechend jeweils einem Tag und mit nummerierten Kapiteln – Epilog – Danksagung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven, hauptsächlich aus Huldas Sicht

    Handlungsort und -zeit: Reykjavík und Umgebung in der Gegenwart, mit eingeschobenen Rückblicken


    Inhalt

    Kommissarin Hulda Hermannsdóttir ist 64 Jahre alt und befindet sich in ihrem letzten Dienstjahr vor der Pensionierung, der sie mit Unbehagen entgegensieht, da sie nach dem Tod ihrer Tochter und ihres Mannes vor vielen Jahren alleinstehend ist. Als ihr Chef sie in den vorzeitigen Ruhestand schicken will, um ihr Büro mit einem jungen Mitarbeiter zu besetzen, ist sie schockiert und bittet sich aus, noch einen ungeklärten Fall bearbeiten zu dürfen. Sie entscheidet sich für den Fall der russischen Asylbewerberin Elena, deren Leiche ein Jahr zuvor in einem Fluss gefunden wurde. Alexander, der ebenso inkompetente wie faule Kollege, der für den Fall zuständig war, hat diesen als „Unfalltod durch Ertrinken oder Selbstmord“ zu den Akten gelegt, doch Hulda kommen einige Umstände verdächtig vor…


    Beurteilung

    Die Handlung des Romans wird auf drei Zeitebenen erzählt. Neben der Haupthandlung, die Huldas Ermittlungen im cold case der verstorbenen Asylbewerberin schildert, gibt es Kapitel, die das Leben einer unverheirateten Mutter und ihrer Tochter in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg schildern. Ein dritter, kursiv gedruckter Handlungsstrang beschäftigt sich mit dem Ausflug einer nicht namentlich genannten jungen Frau mit einem seltsamen Mann in die menschenleere verschneite Berglandschaft außerhalb Reykjavíks.

    Hulda ist eine sehr interessante Persönlichkeit. Zunächst wirkt sie wie eine ruhige, kontaktarme ältere Frau, in deren Leben es jenseits des Berufs nichts Bemerkenswertes gibt. Im Beruf wurde sie offenbar trotz guter Leistungen zugunsten männlicher Kollegen übergangen. Es zeigt sich allerdings, dass Hulda ihrem Chef gegenüber immer bestimmter auftritt und auch bei ihren Ermittlungen entpuppt sie sich als äußerst beharrlich und verbeißt sich wie ein Terrier in ihren letzten Fall.

    Der Leser erfährt durch die wechselnden Handlungsstränge nicht nur mehr als Hulda über die Vorgänge, die seinerzeit zum Tod der jungen Russin führten, sondern er lernt auch alle Facetten von Huldas Persönlichkeit und Vorleben kennen, wobei die Vorstellung von der langweiligen, harmlosen älteren Frau ad absurdum geführt wird. Durch den Perspektivwechsel und die portionsweise erfolgenden Enthüllungen ist der Roman von einer für einen isländischen Krimi recht hohen Spannung geprägt.

    Der Kriminalfall ist nicht spektakulär, aber gut und glaubwürdig konstruiert. Das Faszinierendste ist jedoch die Persönlichkeit der Protagonistin Hulda, die der Leser in den beiden Folgebänden, die chronologisch früher angesiedelt sind, in deren jüngeren Jahren wiedertreffen kann.


    Fazit

    Ein vergleichsweise spannender Kriminalroman, der für den Leser einige Überraschungen bereithält!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 3442758602

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Über die wilde Schönheit der Scilly-Inseln legen sich dunkle Schatten – der dritte Fall für den charismatischen Ermittler Ben Kitto

    Detective Inspector Ben Kitto hätte seinen 35. Geburtstag lieber mit seinen Freunden im Pub statt im Dienst verbracht. Doch an diesem Abend findet das traditionelle Feuerwerk zur Bonfire Night auf der Insel St. Agnes vor Cornwall statt, das Ben überwachen soll.

    Unerwartet nehmen die Feierlichkeiten ein jähes Ende. In der Asche einer Feuerstelle werden menschliche Überreste gefunden. Ben Kitto stoppt sofort den Schiffsverkehr zu den Nachbarinseln und stellt die achtzig Bewohner von St. Agnes unter Hausarrest.

    Denn der Täter befindet sich noch immer auf der Insel. Und seine Botschaft ist eindeutig: Alle Eindringlinge sind dem Tod geweiht ...


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Kate Penrose kennt die Scilly-Inseln vor der Küste Cornwalls wie ihre Westentasche. Seit Kindertagen verbringt sie fast jeden Sommer dort und ist jedes Mal aufs Neue fasziniert von dem atemberaubenden Naturparadies. Die Idee für eine Krimiserie mit diesem einzigartigen Schauplatz kam ihr spontan bei einem Restaurantbesuch, und aus ein paar hastig hingekritzelten Stichworten auf der Speisekarte wurde einige Monate später der erste Insel-Krimi. Kate Penrose, die auch unter dem Namen Kate Rhodes schreibt, lebt mit ihrem Mann, dem Autor David Pescod, in Cambridge am Ufer des River Cam.


    Allgemeines

    Dritter Band der Reihe um Ben Kitto

    Titel der Originalausgabe: „Burnt Island“, ins Deutsche übersetzt von Birgit Schmitz

    Erschienen am 27.05. 2020 im FISCHER Taschenbuch Verlag mit 416 Seiten
    Gliederung: Prolog - Roman in drei Teilen mit insgesamt 65 Kapiteln – Autorennachwort - Danksagungen

    Ich-Erzählung von Ben Kitto, eingeschobene Kapitel in der dritten Person aus der Perspektive des Außenseiters Jimmy Curwen

    Handlungsort und -zeit: Scilly-Insel St. Agnes, ein November in der Gegenwart


    Inhalt

    Nach den Nachbarinseln Bryher und Tresco steht im dritten Band der Reihe die kleine Insel St. Agnes (3,66 km² Fläche, ca. 80. Einwohner) im Mittelpunkt des Geschehens.

    Dort wird die verbrannte Leiche des Astronomen Alex Rogan, der kürzlich eine Inselbewohnerin geheiratet hat, gefunden. Neben der Leiche entdeckt man eine Nachricht in der eigentlich ausgestorbenen kornischen Sprache, die „Eindringlinge“ mit dem Tod bedroht. Als kurz darauf die ebenfalls neu zugezogene Bildhauerin Naomi Vine angegriffen und entführt wird, scheint es klar zu sein, dass jemand auf der Insel den Zuzug von Fremden und die Abkehr von Traditionen auf jeden Fall verhindern will. Im Prinzip ist jeder alteingesessene Inselbewohner verdächtig, doch ganz oben auf der Verdächtigenliste von Ben Kitto steht der „Vogelmann“ Jimmy Curwen, ein seit seiner Kindheit traumatisierter Außenseiter, der nicht spricht und sich am liebsten der Pflege verletzter Vögel widmet.


    Beurteilung

    Erneut muss Ben Kitto unter den Bewohnern einer kleinen, isolierten Insel einen äußerst grausamen Mörder suchen. Das Motiv für die unfassbaren Taten scheint ein extremer Hass gegen neu zugezogene Menschen zu sein, aber es gibt auch andere Ermittlungsansätze, die auf mögliche Affären und Eifersucht hindeuten. Ben Kitto, ein sehr sympathischer Ermittler, scheint aus seinen vorherigen Fällen jedoch nicht viel gelernt zu haben, denn er zeigt wieder einen ziemlichen Tunnelblick und hält – wie nicht wenige Einwohner von St. Agnes - den sogenannten Vogelmann Jimmy Curwen für schuldig. Dass dieser Analphabet ist, scheint ihm in keinem nennenswerten Widerspruch zu der Tatsache, dass der Mörder schriftliche Nachrichten hinterlässt und verschickt, zu stehen. Im Laufe der Ermittlungen machen sich jedoch auch weitere Inselbewohner verdächtig, sodass der Leser diverse Theorien ent- und verwerfen kann. Dabei ist die Auflösung des Falls nicht zu früh absehbar.

    Der Erzählstil ist anschaulich, vermittelt ein lebendiges Bild der kleinen Scilly-Insel und ist nach einem eher ruhigen Einstieg auch von einer gewissen Spannung geprägt, was unter anderem auch auf Kittos mutiges, aber auch leichtsinniges Verhalten (Alleingang ohne Verständigung des Kollegen) zurückzuführen ist. Das Verhalten Kittos lässt hier erneut einiges an Glaubwürdigkeit vermissen.

    Sehr interessant ist die Thematik der eigentlich seit 1777 ausgestorbenen kornischen Sprache, die von einigen Menschen „wiederbelebt“ werden soll, es gibt jedoch nur ca. 300 Menschen, die sie fließend beherrschen und ungefähr 3000 Sprecher mit rudimentären Kenntnissen.

    Der Roman kann problemlos ohne Kenntnis der beiden vorherigen Bände gelesen werden.


    Fazit

    Spannende Krimi-Unterhaltung, mit schönen Natureindrücken garniert!

    8 Punkte


    ASIN/ISBN: 3596700019

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Camilla Läckberg ist die Königin der Rachegeschichten

    Ingrid, Birgitta, Viktoria. Drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Doch eine Gemeinsamkeit teilen sie, und diese hält sie davon ab, das Leben zu führen, das ihnen zusteht: Jede von ihnen ist in einer unglücklichen Ehe gefangen, keine von ihnen sieht einen Ausweg. Als sie in einem Internetforum aufeinander treffen, erkennen sie, dass die Lösung zum Greifen nahe liegt. Sie schmieden einen teuflischen Plan, der sie alle befreien soll ...


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Camilla Läckberg, Jahrgang 1974, stammt aus Fjällbacka - der kleine Ort und seine Umgebung sind Schauplatz ihrer Kriminalromane. Weltweit hat Läckberg inzwischen über dreiundzwanzig Millionen Bücher verkauft, sie ist Schwedens erfolgreichste Autorin. Heute lebt Camilla Läckberg in einer großen Patchworkfamilie in Stockholm.


    Allgemeines

    Titel der Originalausgabe:“ Kvinnor utan nåd“, ins Deutsche übersetzt von Katrin Frey

    Erschienen bei List Hardcover am 21.05. 2020 mit 160 Seiten
    Gliederung: Drei Teile, nummerierte Kapitel jeweils mit dem Namen einer der Protagonistinnen überschrieben - Epilog

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Stockholm und Heby, in der Gegenwart


    Inhalt

    Drei Frauen, die in ihren Ehen unglücklich sind, weil sie von ihren Männern seelisch oder körperlich misshandelt werden:

    Ingrid Steen hat zugunsten ihres Mannes ihre eigene Karriere aufgegeben und erzieht die gemeinsame Tochter. Ihr Mann betrügt sie. Aufgrund eines Ehevertrages ginge sie im Falle einer Scheidung leer aus.

    Viktoria Brunberg ist eine aus Russland stammende „gekaufte“ Frau. Ihr Mann sieht sie als Gebrauchsgegenstand für den Haushalt und seine sexuellen Bedürfnisse. Isoliert auf dem Land lebend, hat sie keine Möglichkeit des Entkommens.

    Birgitta Nilsson arbeitet als Lehrerin und steht kurz vor der Pensionierung. Niemand weiß, dass ihr Mann sie seit Jahren schlägt.


    Beurteilung

    Der Roman ist – im Gegensatz zu den anderen Werken der Autorin - mit 160 Seiten extrem kurz und kompakt gehalten, die drei Frauen und ihre jeweilige Situation werden im ersten Teil in kurzen Kapiteln abwechselnd vorgestellt. Im zweiten und dritten Teil wird die Umsetzung der Pläne geschildert, die die gebeutelten Ehefrauen nach der Begegnung in einem anonymen Online-Forum gemeinsam geschmiedet haben. Über diese Begegnung wird leider gar nichts berichtet.

    Trotz der Kürze gelingt es der Autorin, jeder der drei Frauen eine unverwechselbare Persönlichkeit zu geben, die Männer werden jedoch sehr negativ gezeichnet.

    Einige Aspekte dieses Kurzkrimis sind unglaubwürdig, die Schicksale der Frauen und das Verhalten ihrer Ehemänner wirken teilweise recht klischeebehaftet; man fragt sich, weshalb zumindest die finanziell unabhängige Birgitta nicht längst ihren Mann verlassen hat. Andererseits erzeugt diese überspitzte Darstellung vor allem bei weiblichen Lesern einen regelrechten Hass auf die Männer und damit auch eine ausgesprochene Vorfreude auf das, was diese erwartet.

    Durch den gerafften Handlungsverlauf und die knappe, sehr anschauliche Erzählweise bietet der kurze Krimi sehr spannende Unterhaltung und es gibt auch keinerlei Probleme, den Überblick zu behalten.


    Fazit

    Spannende Unterhaltung um drei clevere und rachsüchtige Frauen, die jedoch nicht in allen Facetten glaubwürdig ist!

    7 Punkte

    ASIN/ISBN: 3471360220

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Der packende, groß angelegte Ensembleroman der Bestsellerautorin nimmt uns als erster Roman überhaupt mit auf den spannenden Bau des so faszinierenden, wie beindruckenden Freiburger Münsters. Es hat das Angesicht Freiburgs für immer verändert und gilt als eines der Meisterwerke der Gotik: «Der schönste Turm auf Erden». Der sechzig Jahre andauernde Turmbau brachte Reichtum und Verderben, stiftete Liebe und besiegelte Schicksale. Episch und bewegend erzählt Fritz, wie die Menschen von Freiburg - protzende Grafen, aufstrebende Kaufleute, machtbewusste Kirchenleute, leidenschaftliche Baumeister, ihre Familien und gemeine Leute - im Schatten des Baus lebten, hassten, kämpften, um schließlich nach sechzig Jahren im Jahr 1330 glorreich zu triumphieren.


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Astrid Fritz studierte Germanistik und Romanistik in München, Avignon und Freiburg. Als Fachredakteurin arbeitete sie anschließend in Darmstadt und Freiburg und verbrachte mit ihrer Familie drei Jahre in Santiago de Chile. Zu ihren großen Erfolgen zählen «Die Hexe von Freiburg», «Die Tochter der Hexe» und «Die Vagabundin». Astrid Fritz lebt in der Nähe von Stuttgart.


    Allgemeines

    Erschienen am 19.05. 2020 im Rowohlt Taschenbuch Verlag mit 816 Seiten
    Gliederung: Verzeichnis realer und fiktiver Persönlichkeiten – Roman in drei Büchern mit insgesamt 42 Kapiteln – Epilog – Nachwort der Autorin – umfangreiches Glossar – Danksagung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsorte und -zeit: Freiburg und Straßburg, 1270 bis 1330


    Inhalt

    Der Roman beschäftigt sich mit dem Bau des Freiburger Münsters, bzw. dessen Westturms in den Jahren 1270 bis 1330. Die Errichtung zieht sich über viele Jahrzehnte hin, was nicht nur daran liegt, dass den mittelalterlichen Baumeistern keine modernen Hilfsmittel zur Verfügung stehen, sondern auch daran, dass nicht alle gräflichen Stadtherren dem Bau die gleiche Priorität einräumen. Im Gegensatz zu Graf Konrad I von Freiburg, der dem Kirchenbau große Bedeutung beimisst, aber leider schon 1271 verstirbt, ist dessen Sohn Egino II aufgrund seiner Raufhändel und Kleinkriege immer knapp bei Kasse, sodass das Geld für den Turmbau nur spärlich fließt und der Fortgang der Arbeiten immer wieder unterbrochen wird. Erst unter Eginos Sohn Konrad II wird der Turm fertiggestellt.


    Beurteilung

    Von den Baumeistern, die vor der Mitte des 14. Jahrhunderts wirkten, ist meist nicht mehr als ihr Name überliefert, deshalb gestaltet die Autorin ihre Persönlichkeiten nach ihren Vorstellungen aus. Auch der Großteil der weiteren Romanfiguren ist fiktiv, diese agieren jedoch in einem sehr gut recherchierten historischen Kontext und veranschaulichen das Leben der Handwerker (Baumeister, Steinmetze, Bildhauer), bürgerlichen Kaufleute und Geistlichen in der mittelalterlichen städtischen Gesellschaft. Vor dem Hintergrund des Münsterbaus erlebt der Leser das bunte Leben und Treiben im Freiburg des 13./14. Jahrhunderts mit und verfolgt die Lebenswege mehrerer Generationen diverser Handwerker- und Kaufmannsfamilien. Alle Romanfiguren sind in ihrer charakterlichen Wesensart gründlich und individuell ausgearbeitet. Der Erzählstil ist flüssig, in der Ausdrucksweise der geschilderten Epoche gut angepasst und nicht selten auch von Spannung geprägt, da auch Liebe und Intrigen nicht fehlen, die hier quasi das Salz in der Suppe ausmachen.

    Das Buch ist trotz der Vielzahl an Romanfiguren und der komplexen Handlung nicht unübersichtlich, da ein umfangreiches, nach den drei Büchern gegliedertes Personenverzeichnis vorangestellt ist und die nummerierten Kapitel jeweils mit Orts- und Zeitangaben überschrieben sind. Ein Autorennachwort und ein äußerst umfängliches Glossar bieten darüber hinaus nützliche Information.


    Fazit

    Ein gründlich recherchierter, anschaulich geschriebener, farbenprächtiger historischer Roman, der den Corona-bedingten Langzeitaufenthalt im heimischen Lesesessel zum Vergnügen macht!

    10 Punkte

    ASIN/ISBN: 3499001195

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    »Hab dich. Und jetzt spielen wir. Wir spielen: Gericht.«

    Es ist Jahre her, dass man Nadja für ein grausames Verbrechen verurteilt hat. Nach ihrer Haftentlassung wünscht sie sich nichts sehnlicher, als ein normales Leben zu führen. Doch dann geschieht ein Mord. Und der soll ungeschehen gemacht werden. Ein abgelegenes Haus wird zum Schauplatz eines bizarren Spiels ‒ denn Nadjas Vergangenheit macht sie zum perfekten Opfer. Und zur perfekten Mörderin ... Ein tief unter die Haut gehender Psychothriller über Schuld, Vergeltung und die Frage, ob ein Täter je wieder frei sein kann.


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Romy Hausmann, Jahrgang 1981, hat sich mit ihrem Thrillerdebüt ‚Liebes Kind‘ (Februar 2019) sogleich an die Spitze der deutschen Spannungsliteratur geschrieben: ‚Liebes Kind‘ landete auf Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste, Übersetzungen erscheinen in 15 Ländern. 2019 erhielt sie den Crime Cologne Award 2019, die Filmrechte wurden hochkarätig verkauft. ‚Marta schläft‘ ist ihr zweiter Thriller. Romy Hausmann wohnt mit ihrer Familie in einem abgeschiedenen Waldhaus in der Nähe von Stuttgart. Weitere Informationen unter http://www.romy-hausmann.de


    Allgemeines

    Erschienen am 24.04. 2020 bei der dtv Verlagsgesellschaft als TB mit 400 Seiten
    Gliederung: Nicht nummerierte Kapitel mit Namen- oder Zeitangaben als Überschrift – Epilog – Danksagung

    Teils Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven, außerdem Ich-Erzählung von Nadja, sowie in Briefform gehaltene Ich-Erzählung

    Handlungsorte und -zeit: Zabrew (Polen), Berlin, Spreewald, 2019, mit Rückblenden auf die Jahre 1999, 2014 bis 2017


    Inhalt

    Die ursprünglich aus Polen stammende Anwaltsgehilfin Nadja Kulka hatte eine schwere Kindheit; im Alter von fünfzehn Jahren wurde sie für einen Mord, den man ihr nicht einwandfrei nachweisen konnte, für sieben Jahre inhaftiert. Durch ihr Schicksal geprägt, scheint sie die Idealbesetzung für die Rolle des Sündenbocks zu sein, als in ihrem Umfeld ein weiterer Mord geschieht.

    Nadjas Chef Gero van Hoven vertritt einen Klienten, der sich in einer ähnlichen Situation befindet wie Nadja als junges Mädchen. Paul Heger wird beschuldigt, seine Geliebte Nelly Schütt ermordet zu haben, da diese zur Gefahr für seine Ehe wurde. Er bestreitet die Tat und wird in einem Indizienprozess verurteilt.


    Beurteilung

    Der Anfang des Romans ist äußerst verwirrend und von einem ständigen Wechsel der Perspektiven und Zeitebenen geprägt. Teilweise erzählt Nadja über ihre gegenwärtigen Erlebnisse, in anderen Kapiteln erlebt der Leser quasi als Augenzeuge die Affäre zwischen Paul Heger und Nelly Schütt mit und weitere Kapitel stellen Auszüge aus (nicht abgesandten) Briefen dar, bei denen es zunächst nicht ersichtlich ist, wer sie verfasst hat und an wen sie gerichtet sind. Dementsprechend erfordert es eine Menge Konzentration, in diesem Roman den roten Faden zu finden und zu verfolgen. Die Autorin ist sehr geschickt darin, dem Leser fast unmerklich und sehr allmählich zu weiteren Erkenntnissen zu verhelfen, bis sie schließlich alle Handlungsstränge zusammenführt und aus unverständlichen Puzzleteilchen ein komplettes Bild gestaltet.

    Der Handlungsstrang um Nadja und ihre derzeitige Problematik ist ziemlich unglaubwürdig, aber auch atemberaubend wendungsreich und spannend erzählt. Dabei wird dieser Romanfigur eine sehr gründlich ausgearbeitete Charakterisierung zuteil, die es ermöglicht, sich in Nadja einzufühlen und ihr Empathie entgegenzubringen.

    Neben dem Themenkomplex „Schuld und Vergeltung“ widmet sich der Roman auch den Themen „Familienzusammenhalt und Liebe“, bzw. der Frage, wie weit ein Mensch für geliebte Angehörige zu gehen bereit ist.


    Fazit

    Ein wendungsreicher, spannender und sehr anschaulich geschriebener Krimi, der fesselnde Unterhaltung bietet; man sollte sich vom sehr undurchschaubaren Einstieg nicht entmutigen lassen.

    8 Punkte

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    Kommissarin Heide Rose und ihr Partner Peter Grahne werden zu einem furchteinflößenden Tatort gerufen: Eine menschliche Hand ragt aus dem Moor. Schnell ist die Identität der Toten klar: Marie Fuchs, eine junge Floristin, die mit ihrem Hund im Wittemoor scheinbar spazieren war. Aber warum musste sie sterben? Seit einiger Zeit wurde sie von einem Stalker verfolgt und belästigt. Konnte der Mann ihre Abweisung nicht ertragen? Und was hat es mit dem Unbekannten mit schwarzer Kapuze auf sich, der zuletzt immer wieder vor dem Blumenladen gesehen wurde. Heide Rose und Peter Grahne ermitteln fieberhaft. Doch keine Indizien erhärten sich. Und dann taucht eine ganz neue Spur auf, die die Ermittler in eine völlig andere Richtung zur führen scheint…


    Autorin (Quelle: Amazon)

    Andrea Wendeln schreibt seit ihrer Jugend. Wurde 1967 in Oldenburg geboren, wo sie noch heute im Landkreis lebt. Sie ist gelernte Konditoreifachverkäuferin, arbeitete im Einzelhandel auch als Dekorateurin und nun als Abteilungsverantwortliche. Zahlreiche ihrer Gedichte und einige Kurzgeschichten sind in Anthologien erschienen.


    Allgemeines

    Erschienen bei Midnight am 4.Februar 2019 als Kindle Ausgabe mit einer Seitenzahl entsprechend 224
    Gliederung: Zehn lange Kapitel mit jeweils vielen Absätzen

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Oldenburg, in der Gegenwart


    Inhalt und Beurteilung

    Die junge Floristin Marie Fuchs wird schon seit einiger Zeit von einem Stalker verfolgt. Als sie von einem Spaziergang mir ihrer Hündin Fibi nicht zurückkehrt und kurz darauf ihre Leiche im Moor aufgefunden wird, liegt der Verdacht nahe, dass ihr Stalker sie ermordet hat. Die beiden Kommissare Heide Rose und Peter Grahne stellen im Laufe der Ermittlungen jedoch fest, dass noch weitere Menschen ein Motiv gehabt haben könnten, die junge Ehefrau zu töten. Ein weiterer Mordanschlag bringt neue Aspekte ins Spiel…


    Der Fall ist interessant, wenn auch nicht spektakulär, konstruiert. Die Ermittlungen werden ohne große Spannung, dafür aber recht realistisch mit nur schrittweisen Ermittlungserfolgen geschildert. Bei der Charakterisierung der Romanfiguren liegt der Fokus auf der kleinen, aber zähen und schnellen Kommissarin Heide Rose und der Chihuahua-Hündin Fibi, der sie nach der Ermordung von deren Frauchen ein neues Zuhause gibt.


    Der Erzählstil des Romans gleicht leider dem Schreibstil eines Unterstufenschülers und ist in der mündlichen Umgangssprache ohne jede Rücksicht auf das „Schriftdeutsch“ gehalten. Man fragt sich unweigerlich, ob kein Lektorat stattgefunden hat, denn der Roman enthält Orthographie-, Interpunktions- und Grammatikfehler. Dadurch geht viel Lesevergnügen verloren.


    Fazit

    Eine grundsätzlich ansprechende Geschichte, die leider stilistisch gar nicht überzeugen kann!

    4 Punkte


    ASIN/ISBN: B07MZ5R9L2

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Als die Frauen operieren lernten: die große Familiensaga um eine Frau, die im 19. Jahrhundert Ärztin werden will

    Würzburg im 19. Jahrhundert: Bankierstochter Viviana Winkelmann träumt davon, Ärztin zu werden – obwohl Frauen seit 1800 nicht mehr studieren dürfen. Als die junge Frau sich unstandesgemäß verliebt und schwanger wird, wirft ihre Familie sie aus dem Stadtpalais. Um sich und ihre kleine Tochter Ella über Wasser zu halten, verdingt sich die einst vornehme Viviana als Gehilfin in der Apotheke des renommierten Würzburger Juliusspitals. Doch soll das wirklich alles sein, was sie als Frau im Leben erreichen kann? Sie belauscht Vorlesungen berühmter Ärzte am Spital und lernt Professor Virchow kennen, der einer Weltsensation auf der Spur ist. Ihre Zukunft, das spürt sie, liegt als Ärztin im Spital – auch wenn ihr dadurch nicht nur der eigene Bruder zum erbitterten Feind wird.


    Autorinnen (Quelle: Verlagsseite)

    Dr. Claudia Beinert, Jahrgang 1978, ist genauso wie ihre Zwillingsschwester Nadja in Staßfurt geboren und aufgewachsen. Claudia studierte Internationales Management in Magdeburg, arbeitete lange Zeit in der Unternehmensberatung und hatte eine Professur für Finanzmanagement inne. Sie lebt und schreibt in Würzburg und Leipzig.

    Nadja Beinert studierte ebenfalls Internationales Management und ist seit mehreren Jahren in der Filmbranche tätig. Die jüngere der Zwillingsschwestern ist in Erfurt zu Hause.


    Allgemeines

    Erster Band um das Juliusspital in Würzburg

    Erschienen am 4. Mai 2020 als Knaur TB mit 576 Seiten, als E-Book am 28.04.2020

    Gliederung: Verzeichnis wichtiger Personen – Drei Hauptteile mit insgesamt 40 Kapiteln – Nachwort – Bibliographie

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Würzburg, 1850 bis 1855


    Inhalt

    Nachdem die sechzehnjährige Viviana Winkelmann, Tochter aus dem gehobenen Bürgertum, von einem Handwerker schwanger geworden ist und ihr Kind nicht aufgeben will, kommt es zum Bruch mit ihrer Familie. Fortan lebt sie in der Pleich, dem Würzburger Armenviertel, und verdient sich ihren Lebensunterhalt als „Helfnerin“ in der Apotheke des Juliusspitals. Vivianas zunächst negative Einstellung zum Spital als „Warteraum des Todes“ ändert sich, als sie engagierte Ärzte bei der Arbeit beobachten kann. Dadurch wird ihr eigenes Interesse an der Medizin geweckt und sie beantragt beim Senat, zu den Vorlesungen im Fach Medizin zugelassen zu werden. Zum Studium kann man jedoch nur mit Abitur zugelassen werden und für Mädchen gibt es im Königreich Bayern keine Möglichkeit, das Abitur abzulegen. Inspiriert vom Lebensweg der ersten deutschen promovierten Ärztin, Dorothea Erxleben (1715 – 1762), beginnt sie, für das Recht von Frauen auf eine höhere Bildung zu kämpfen.


    Beurteilung

    Viviana Winkelmann ist eine fiktive Romanfigur, deren Schicksal vor dem gründlich recherchierten medizingeschichtlichen Hintergrund des 19. Jahrhunderts erzählt wird. Die im Roman auftretenden Ärzte, die in den 1850er Jahren am Juliusspital wirken, sind größtenteils reale historische Persönlichkeiten, deren Arbeit dem Leser detailliert vorgestellt wird. Dazu zählen Rudolf Virchow, Begründer der Zellularpathologie, der mit der Humoralpathologie („Säftelehre“) aufräumt, dessen Kollege Albert von Köllicker, der ebenfalls im Bereich der Zellen forscht, Franz von Rinecker, der erstmals eine eigene pädiatrische Heilkunde etabliert und Karl Friedrich von Marcus, ein besonders einfühlsamer Oberarzt und begnadeter Lehrer der Studenten. Neben bedeutsamen Fortschritten werden auch die Schattenseiten der medizinischen Forschung angesprochen, so z.B. die Experimente mit der Übertragung der Syphilis durch „Impfungen“. Die Schilderungen sind anschaulich und auch recht drastisch (Leichensektionen), der Leser wird quasi zum Augenzeugen neuer Entwicklungen.

    Das beherrschende Thema in Vivianas Leben ist der Kampf gegen die Konventionen, die Frauen als vermeintlich sensiblere und intellektuell weniger begabte Menschen von höheren Studien ausschließen. Hier setzen die Autorinnen der ersten deutschen Ärztin Dorothea Erxleben, die sich schon im 18.Jahrhundert für das Frauenstudium einsetzte, ein würdiges Denkmal.

    Der Roman ist in einem äußerst ansprechenden, höchst anschaulichen Stil verfasst und durch eine gründliche Charakterisierung seiner Protagonisten geprägt. Lediglich bei den fiktiven Figuren scheint die Charakterisierung gelegentlich überspitzt, Vivianas Mutter Elisabeth und vor allem ihr Bruder Valentin erscheinen in sehr negativem Licht.

    Ein sehr umfängliches Nachwort gibt weitere Einblicke in die gesellschaftlichen Verhältnisse im Königreich Bayern sowie ins Leben und Wirken der berühmten Ärzte des Juliusspitals. Hier sollte das Zitat von Rudolf Virchow korrigiert werden. Es muss „Omnis cellula e cellula“ (statt „a cellula“) heißen.

    Für medizingeschichtlich interessierte Leser ist im Anhang außerdem eine Bibliographie enthalten.


    Fazit

    Ein ebenso informativer wie auch unterhaltsamer medizinhistorischer Roman über das Würzburger Juliusspital – sehr empfehlenswert!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: B07ZPW345G

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Alice Lindstedt hat gerade die Filmhochschule in Stockholm abgeschlossen und plant, ihren ersten Dokumentarfilm zu drehen: über Silvertjärn, einen abgelegenen Grubenort im Wald von Norrland. Vor 60 Jahren verschwanden unter ungeklärten Umständen alle Bewohner von einem Tag auf den anderen. Kurz zuvor zog ihre Großmutter von dort weg. Alice will herausfinden, was damals geschehen ist. Mit ihrem Team bricht sie zu dem einsamen Ort auf. Doch bald geschehen seltsame Dinge. Die Handys haben keinen Empfang, im Walkie-Talkie ist ein heiseres Lachen zu hören. Und kurz darauf ist der erste aus dem Team tot. Wer ist außer ihnen noch in Silvertjärn? Was ist damals passiert? Und vor allem: Werden Sie diesen grausamen Ort lebend verlassen?

    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Camilla Sten wurde 1992 geboren und studiert an der Universität Uppsala Psychologie. Sie interessierte sich schon früh für Politik und schreibt Artikel über Feminismus, Rassismus und das aktuelle politische Klima für diverse schwedische Zeitungen. Gemeinsam mit ihrer Mutter, der Bestseller-Autorin Viveca Sten, schrieb sie bereits mehrere Bücher. »Das Dorf der toten Seelen« ist ihr Thrillerdebüt.


    Allgemeines

    Titel der schwedischen Originalausgabe: „Staden“, ins Deutsche übersetzt von Nina Hoyer

    Erschienen bei Harper Collins am 21. April 2020 als TB mit 448 Seiten
    Gliederung: Prolog - Roman in nicht-nummerierten Kapiteln, je nach Handlungsebene mit „Jetzt“ oder „Damals“ überschrieben – Danksagung

    Teils Ich-Erzählung von Alice Lindstedt, teils Erzählung in der dritten Person aus der Perspektive von Elsa

    Handlungsort und -zeit: Silvertjärn, Norrland, 1959 („Damals“) und 2019 („Jetzt“)


    Inhalt

    Kurz nachdem das Erzbergwerk des abgelegenen Ortes Silvertjärn 1959 schließen musste und die Bergarbeiter ihre Lebensgrundlage verloren haben, verschwinden plötzlich alle 900 Einwohner spurlos und werden nie wieder gesehen. Als die Polizei an den Ort kommt, wird auf dem Marktplatz die Leiche einer zu Tode gesteinigten Frau aufgefunden, das einzige lebende Wesen in der Geisterstadt ist ein neugeborenes Mädchen, das im Schulhaus zurückgelassen worden ist.

    Alice Lindstedt hat schon immer einen Bezug zu Silvertjärn gehabt, denn ihre Großmutter Margareta ist dort aufgewachsen und kurz vor dem geheimnisvollen Verschwinden der gesamten Dorfgemeinschaft nach Stockholm gezogen. Aus den Briefen ihrer Mutter Elsa und ihrer jüngeren Schwester Aina schließt Margareta, dass in dem Dorf etwas Unheilvolles vorgegangen sein muss. Nachdem sie ihrer Enkelin Alice diese Briefe gezeigt hat, entschließt sich diese, mit ein paar Bekannten nach Silvertjärn zu fahren und einen Dokumentarfilm über die „Geisterstadt“ zu drehen. Doch die jungen Leute werden vom Unglück – oder von etwas Unheimlichem – verfolgt, es geschehen merkwürdige und bedrohliche Dinge. Die Stimmung im Team wird immer angespannter und man misstraut einander…


    Beurteilung

    Der Prolog schildert, wie zwei Polizeibeamte im August 1959 im verlassenen Ort Silvertjärn die an einen Schandpfahl gefesselte Leiche einer gesteinigten Frau und im Schulhaus ein Neugeborenes finden.

    Die folgenden Kapitel werden abwechselnd auf zwei Zeitebenen präsentiert: In der Gegenwart („Jetzt“) tritt Alice, die Leiterin des Filmteams als Ich-Erzählerin auf, die Handlung in der Vergangenheit ist als Erzählung in der dritten Person aus der Perspektive von Margaretas Mutter und Alices Urgroßmutter Elsa gehalten. Durch die 1959 („Damals“) spielenden Kapitel ist der Leser Alice und ihrem Team in Bezug auf den Erkenntnisgewinn immer einen Schritt voraus.

    Der Erzählstil der Autorin ist sehr anschaulich und vermag es, beim Leser ein gewisses Gruselgefühl zu erzeugen. Das liegt nicht nur an den scheinbar unerklärlichen Missgeschicken und Unglücksfällen, die das Filmteam ereilen, sondern auch an der Gruppendynamik unter den jungen Leuten. Diese sind nicht alle psychisch stabil und haben teilweise auch eine nicht „aufgearbeitete“ gemeinsame Vorgeschichte.

    Es ist sehr spannend, zu verfolgen, wie aus einem ungewöhnlichen Filmprojekt ein Kampf ums Überleben wird, den leider nicht jeder gewinnt.

    Auch der 1959 spielende Teil des Romans befasst sich im weiteren Sinne mit dem Thema „Gruppendynamik und Manipulation“, es ist schier unfassbar, wie ein einzelner Mensch Unfrieden in eine bisher funktionierende Gemeinschaft tragen und diese in den Untergang führen kann. Diese Darstellung mutet zumindest in einem speziellen Fall ein wenig übertrieben an.

    Die Charaktere der Romanfiguren sind differenziert ausgearbeitet und damit weitestgehend realistisch gezeichnet.


    Fazit

    Ein sehr beeindruckendes Debüt, spannende Unterhaltung!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: 9783959674232


    Nachtrag: Ich sehe gerade, dass der Erscheinungstermin von heute auf den 5. Mai verschoben worden ist.