Beiträge von €nigma

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Prag, 1342. Der halbwüchsige Otlin gerät in eine Katastrophe: Die aufgepeitschte Moldau zerstört in einer Gewitternacht die Judithbrücke und reißt seine Mutter mit in die Fluten. In seiner Angst stößt er ein Gelübde aus: Wenn Gott seine Mutter rettet, will Otlin ihm eine neue Brücke bauen, eine Brücke der Ewigkeit. Wie durch ein Wunder überlebt sie. Jahre später erhält Otlin Gelegenheit, sein Versprechen einzulösen. Er bewirbt sich bei einem Wettbewerb, doch er hat Feinde, allen voran den Steinmetz Rudolph, der ebenfalls aufs Amt des Bauleiters der neuen Brücke schielt. Um den Konkurrenten auszuschalten, sucht Rudolph Hilfe bei der gerissenen Astrologin Ricarda, die ein Bettlermädchen als Waffe missbraucht.


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Wolf Hector ist das Pseudonym eines mehrfach preisgekrönten Autors von Krimis, Fantasy- und historischen Romanen. Zuletzt wurde er mit dem goldenen HOMER für den besten historischen Roman des Jahres 2019 ausgezeichnet. Wolf Hector lebt mal in der Karlsruher, mal in der Wismarer Gegend. Wenn er gerade einmal nicht schreibt, läuft er durch die badische Hügellandschaft oder schwimmt in einem Mecklenburger See.


    Allgemeines

    Erscheinungstermin: 29 November 2021* im Ullstein Verlag als TB mit 608 Seiten
    Gliederung: Karte von Prag um 1400 – Personenverzeichnis historischer und fiktiver Romanfiguren – Zeittafel – Prolog – Roman in vier Büchern, jeweils mit nummerierten Kapiteln - Nachwort und Dank – Glossar

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: größtenteils Prag, 1342 bis 1367, 1380 (Epilog)


    Inhalt

    Im Mittelpunkt des Romans um die Entstehung der Karlsbrücke in Prag steht der Baumeister Jan Otlin, eine historische Persönlichkeit, über die jedoch nicht viel bekannt ist.

    Jan überlebt als Jugendlicher mit seiner Familie die Sturmflut von 1342, bei der die Judithbrücke zerstört wird, nur knapp und gelobt Gott, eine steinerne Brücke über die Moldau zu bauen. Jahre später bewirbt er sich tatsächlich um den Posten des Baumeisters, trifft aber in dem Straßburger Steinmetz Rudolph auf einen entschlossenen Konkurrenten, der auch nicht davor zurückschreckt, eine zwielichtige Sterndeuterin zur Unterstützung zu „engagieren“ und auch sonst keinerlei Skrupel kennt, wenn es sich um die Umsetzung seiner Wünsche handelt.

    Als dritte Hauptfigur tritt ein junges Mädchen namens Maria Magdalena auf, das ganz auf sich allein gestellt ist und das es in das Haus der Sterndeuterin, die zudem als Bordellwirtin Geschäfte macht, verschlägt. Das unschuldige Mädchen wird manipuliert und in die Machenschaften der Sterndeuterin und des Steinmetzes verwickelt, es soll in deren finsteren Treiben zum Bauernopfer gemacht werden…


    Beurteilung

    Der Autor hat gründlich über die Entstehung der Karlsbrücke und die Lebensverhältnisse im 14. Jahrhundert recherchiert, es treten neben den fiktiven Romanfiguren einige historische Persönlichkeiten auf, darunter König Karl IV (eigentlich Wenzel) von Böhmen und der berühmte Bildhauer Peter Parler, der am Veitsdom arbeitete.

    Die Rahmenhandlung des Romans spielt im Jahr 1367, als Jan Otlin sich in einer sehr schwierigen Lage befindet und nicht nur um seinen Posten als Baumeister, sondern auch um seine Freiheit und das Leben seiner eingekerkerten Frau fürchten muss. Zu Beginn eines jeden Hauptteils erzählt er seinem Schwiegervater, den er erst kürzlich kennengelernt hat, von den Ereignissen der vergangenen Jahre; im Folgenden springt die Handlung zurück in die jeweils angesprochene Zeit, sodass der Leser selbst Zeuge der von Intrigen, Geheimnissen und skrupelloser Brutalität geprägten Ereignisse wird. Dabei werden die Charaktere der Romanfiguren gründlich ausgearbeitet. Der Erzählstil ist anschaulich und oft spannend, gelegentlich hätte die Erzählung ein wenig gerafft werden können. Historische Fakten werden geschickt mit der fiktiven Ausarbeitung durch den Autor verknüpft, wobei stellenweise einige Details nicht vollkommen realistisch wirken.

    Das Zusatzmaterial in Form einer mittelalterlichen Karte von Prag, einer chronologischen Zeitleiste, eines Personenverzeichnisses unter Kennzeichnung historischer Persönlichkeiten sowie das Glossar ist sehr hilfreich.


    Fazit

    Fesselnde Unterhaltung, die Fakten und Fiktion gelungen verschmilzt – gut geeignet für winterliche Lesestunden am Kamin!

    8 Punkte


    ASIN/ISBN: 3548064078



    * Vorzeitige Veröffentlichung mit Genehmigung durch Vorablesen

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Eine junge Frau sucht ihr Glück in der Neuen Welt

    Pennsylvania, 1861: Die junge Esther wächst behütet in einer Amisch-Gemeinde auf, doch der Sezessionskrieg spaltet das Land. Sie fühlt sich machtlos, während plündernde Soldaten von Hof zu Hof ziehen und der Krieg immer näher rückt. Eines Tages findet sie den schwer verletzten Soldaten Jack auf ihrem Land. Obwohl er ein Feind ist, kümmert Esther sich um ihn und pflegt ihn gesund, bis er wieder zu Kräften kommt. Allmählich verlieben die beiden sich ineinander – doch sie wissen, diese Liebe muss ein Geheimnis bleiben.

    Die emotionale Geschichte einer verbotenen Liebe vor der besonderen historischen Kulisse der Amischen


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Karin Seemayer, geboren 1959, machte eine Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau und war beruflich und privat viel unterwegs. Die meisten ihrer Romanideen sind auf diesen Reisen entstanden. Allerdings musste die Umsetzung warten, bis ihre drei Kinder erwachsen waren. Heute lebt sie im Taunus.


    Allgemeines

    Zweiter Band der Amisch-Saga

    Erschienen am 15. November 2021 im Aufbau Taschenbuch Verlag mit 347 Seiten
    Gliederung: Roman in 31 Kapiteln – Nachwort und Danksagung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: größtenteils Jacobsville, Pennsylvania, 1861 bis 1864


    Inhalt

    Die Handlung des zweiten Bandes der Amisch-Saga spielt in der fiktiven Ansiedlung Jacobsville in Pennsylvania, seit den Ereignissen des ersten Bandes „Rebekkas Weg“ sind gut vierzig Jahre vergangen und inzwischen steht die Enkelgeneration der aus dem Vorgängerband bekannten Familien im Mittelpunkt.

    Die Amischen leben nach wie vor relativ abgeschottet in ihrer Gemeinschaft, die von einem Bischof und den drei Ältesten regiert wird. Mit den „ungläubigen Engländern“, die eigentlich Amerikaner sind, möchte man nichts zu tun haben und am politischen Geschehen im Land nimmt man keinen Anteil. Wer sich nicht völlig gruppenkonform verhält, wird misstrauisch beäugt und bekommt Probleme. So fallen zwei der Enkelkinder von Daniel und Rebekka Hochleitner (Protagonisten des ersten Bandes) aus der Rolle: Benjamin nimmt Anteil am Schicksal entlaufener Sklaven und schließt sich der Underground Railroad an, einer geheimen Organisation, die entflohene Sklaven von den Plantagen der Südstaaten bei der Flucht in den Norden unterstützt. Als es zum Sezessionskrieg kommt, schließt er sich der Armee der Nordstaaten als Sanitäter an. So muss er nicht kämpfen und töten, was den Amischen streng verboten ist. Dennoch riskiert er damit den Ausschluss aus der Gemeinschaft.

    Auch seine Schwester Esther wird als rebellisch und unangepasst wahrgenommen. Obwohl sie bereits älter als zwanzig Jahre und damit schon fast eine alte Jungfer ist, weigert sie sich, zu heiraten, da ihr keiner der Männer ihrer Gemeinde als Ehemann genehm wäre.


    Beurteilung

    Der gut recherchierte Roman bietet einen faszinierenden Einblick in die für uns fremde Welt der Amischen. Manche ihrer Sitten und Gebräuche sind positiv zu bewerten, so beeindrucken ihr gesellschaftlicher Zusammenhalt und die Hilfsbereitschaft untereinander als auch die Barmherzigkeit und Gastfreundschaft gegenüber Hilfsbedürftigen außerhalb der Gemeinschaft. Andererseits gibt es auch Dinge, die zu beklagen sind: ein sehr enges, traditionalistisches Weltbild und die undemokratische Übermacht einiger Weniger, die die Geschicke der Gemeinde bestimmen. Die Autorin schildert, wie sich infolge immer strenger und restriktiver ausgelegter Richtlinien des Zusammenlebens die Gruppe der mennonitisch-Amischen von den Traditionalisten abspaltete.

    Neben den Sitten der Amischen werden die drängendsten politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der 1860er Jahre thematisiert: das aufkommende Unrechtbewusstsein in Bezug auf die Haltung von Sklaven in den Südstaaten, die gefährlichen Aktionen zur Fluchthilfe in den Norden und der Sezessionskrieg zwischen den Nord- und Südstaaten, wobei auch die Zustände in Lazaretten und Kriegsgefangenenlagern geschildert werden.

    Die Charakterisierung der Romanfiguren ist gründlich ausgefeilt und differenziert, sie weist nur eine geringe Überspitzung der Darstellung auf.

    Der anschauliche Erzählstil, der den Leser direkt in die Gemeinde der Amischen versetzt, erzeugt Kopfkino und macht es schwer, das Buch aus der Hand zu legen.

    Ein informatives Nachwort rundet den ebenso informativen wie unterhaltsamen Roman ab. In der E-Book Version sind leider allerhand Druckfehler zu beklagen.


    Fazit

    Eine gelungene, fesselnd unterhaltende Fortsetzung zum ersten Band der Amisch-Saga, den man idealerweise zuerst lesen sollte, um alle Facetten des vorliegenden zweiten Bandes zu überblicken!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: 3746637570

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    Christmas day, and DCI Tom Reynolds receives an alarming call. A mass grave has been discovered on Oileán na Caillte, the island which housed the controversial psychiatric institution St. Christina's. The hospital has been closed for decades and onsite graves were tragically common. Reynolds thinks his adversarial boss is handing him a cold case to sideline him.

    But then it transpires another body has been discovered amongst the dead - one of the doctors who went missing from the hospital in mysterious circumstances forty years ago. He appears to have been brutally murdered.

    As events take a sudden turn, nothing can prepare Reynolds and his team for what they are about to discover once they arrive on the island . . .


    Autorin (Quelle: Amazon)

    Jo Spain is a full-time writer and screenwriter. Her first novel, With Our Blessing, was one of seven books shortlisted in the Richard and Judy Search for a Bestseller competition and her first psychological thriller, The Confession, was a number one bestseller in Ireland. Jo co-wrote the ground-breaking television series Taken Down, which first broadcast in Ireland in 2018. She's now working on multiple European television projects. Jo lives in Dublin with her husband and their four young children.


    Allgemeines

    Vierter Band der Tom Reynolds-Reihe

    Erschienen am 13. Juni 2019 bei Quercus als TB mit 352 Seiten
    Gliederung: Roman in 51 Kapiteln

    Erzählung in der dritten Person, größtenteils aus der Perspektive von Tom Reynolds, eingeschobene Ich-Erzählung im Tagebuchformat

    Handlungsort und -zeit: Irland, Weihnachten 2012 bis Anfang Januar 2013


    Inhalt und Beurteilung

    Nachdem die Zusammenarbeit zwischen Tom Reynolds und seinem Chef Joe Kennedy immer schlechter geworden ist, hat dieser Tom quasi kaltgestellt und ihm einen eiskalten Cold Case übertragen. Vor 40 Jahren, zu Weihnachten 1972, verschwand Dr. Conrad Howe, Arzt in der psychiatrischen Klinik St. Christina´s auf der Insel Oileán na Caillte, spurlos. Seine Frau Miriam trauert bis heute um ihren vermissten Ehemann. Die Klinik ist längst geschlossen worden, das Gebäude existiert aber noch und es leben auch noch einige „Zeitzeugen“ auf der Insel. Viele der damaligen Mitarbeiter sind jedoch bereits verstorben oder unbekannt verzogen, so ist die Aufgabe, der sich Tom Reynolds gegenübersieht, fast unlösbar. Ein Massengrab, das in der Nachbarschaft der ehemaligen Klinik gefunden wird, motiviert den Kommissar und seine Kollegen, intensiv über die Geschichte der psychiatrischen Anstalt zu recherchieren.


    Der Kriminalroman, dessen Handlung man auch folgen kann, wenn man die vorherigen drei Bände nicht gelesen hat, enthüllt dem Leser interessante und schockierende Details über die Behandlung psychisch kranker Menschen zu einer Zeit, in der es noch nicht die „maßgeschneiderten“ Psychopharmaka der Gegenwart gab und in der außerdem sehr zweifelhafte, ethisch bedenkliche und zu verurteilende Therapieversuche unternommen wurden.

    Die Schilderung der Ermittlungen in der unheimlichen leerstehenden Klinik ist spannend und atmosphärisch, das Team um Tom Reynolds beeindruckt durch seine Beharrlichkeit in einem Fall, bei dem man damit rechnen muss, dass eventuell kein Täter mehr zur Rechenschaft gezogen werden kann. Geschickt präsentiert die Autorin wechselnde Verdächtige, um den Leser am Ende doch komplett zu überraschen. Bis auf ein paar Kleinigkeiten ist die Geschichte um zwielichtige Machenschaften im Umgang mit den Patienten der Klinik größtenteils glaubwürdig.

    Die Charakterisierung der Romanfiguren ist gut gelungen, besonders Tom Reynolds besticht durch sein ausgeglichenes Temperament und seine Beharrlichkeit.


    Fazit

    Spannende Unterhaltung um einen Cold Case, der Abgründe enthüllt!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: 1786483963

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    Sein letzter Fall

    August 1961: Hauptmann Max Heller von der Dresdner Kriminalpolizei ist von seinem neuen Vorgesetzten in den Innendienst versetzt worden. Ein Affront für Heller, der kurz vor seinem Ruhestand steht. Als er eines Tages ein Paket mit Beweismaterial aus einem längst aufgeklärten Mordfall erhält, ist er alarmiert. Bald ist klar, der wahre Täter von damals ist zurück und fordert Heller zu einem perfiden Kampf um Leben und Tod heraus. Eine atemlose Mörderjagd beginnt, die Hellers Familie in größte Gefahr bringt. Auch die politische Lage in der DDR spitzt sich zu. Nahezu unbemerkt von der Welt wird der Bau der Berliner Mauer vorbereitet. Am 10. August 1961 müssen Karin und Max Heller eine dramatische Entscheidung treffen: gehen oder bleiben.


    Autor (Quelle: Amazon)

    Frank Goldammer, 1975 in Dresden geboren, ist Handwerksmeister und kam, neben seinem Beruf, schon früh zum Schreiben. Bei dtv veröffentlicht er seine erfolgreiche Krimireihe, die im Dresden zur Zeit des geteilten Deutschland spielt. Mit seinen Büchern landet er regelmäßig auf den Bestsellerlisten. Der Autor lebt mit seiner Familie in seiner Heimatstadt.


    Allgemeines

    Siebter und letzter Band der Reihe um Max Heller

    Erschienen am 17. September 2021 bei dtv als broschiertes TB mit 416 Seiten
    Gliederung: Zwei Teile, Kapitel jeweils mit Orts- und Zeitangaben betitelt

    Erzählung in der dritten Person aus der Perspektive von Oberkommissar Max Heller

    Handlungsort und -zeit: Dresden, in den Jahren 1959 und 1961


    Inhalt

    Im Spätsommer 1959 geschehen sich in einem Waldgebiet bei Dresden grausame Verbrechen. Erst werden zwei befreundete Wanderer und ihr Hund mit Messerstichen bestialisch abgeschlachtet, kurz darauf wird ein seit einiger Zeit vermisstes junges Ehepaar mit ähnlichen Wunden im Wald vergraben aufgefunden. Der Fall scheint schnell gelöst, da ein Mitarbeiter eines Ausflugslokals, auf das sich die Ermittlungen konzentrieren, zugibt, das junge Paar begraben zu haben. Der Mann ist etwas „seltsam“, vermutlich ein Asperger-Autist, und wird für die Morde verurteilt.

    Im Sommer 1961 werden Max Heller plötzlich Gegenstände zugeschickt, die den zwei Jahre zuvor Ermordeten gehört hatten und bisher als verschwunden galten. Der Oberkommissar ist davon überzeugt, dass seinerzeit ein Unschuldiger verurteilt wurde und will die Ermittlungen wieder aufnehmen. Bei seinen Vorgesetzten macht er sich damit nicht beliebt. Als Heller jedoch regelmäßig anonyme Anrufe erhält, in denen der wahre Mörder mit ihm ein Spiel spielen will, das weitere Menschen das Leben kostet, müssen auch Hellers Vorgesetzte einsehen, dass man mit Hochdruck daran arbeiten muss, den Serienmörder unschädlich zu machen.


    Beurteilung

    Der letzte Fall für Max Heller, der seiner Pensionierung entgegensieht, ist sehr verwickelt und komplex. Es gibt viele Verdächtige, in dem Klima des Misstrauens und der Bespitzelung, das in der DDR herrscht, ist es extrem schwierig, Freund und Feind zu unterscheiden. Der Mörder verfügt immer wieder über interne Informationen, sodass man fürchten muss, er habe Zugang zum Polizeifunk oder sonstige Kontakte in höchste Ermittlungskreise. Während der Roman im ersten Teil ein wenig behäbig daher kommt und die Handlung sich vornehmlich aus Verhören speist, überschlagen sich im zweiten Teil die Ereignisse: Mit mehreren spektakulären Morden und der anschaulichen Beschreibung düsterer, unheimlicher Situationen steigt die Spannungskurve steil an.

    Wie in den Vorgängerbänden, die man nach Möglichkeit zuvor gelesen haben sollte, werden erneut auch das Leben der DDR-Bürger und im Speziellen das familiäre Schicksal von Max Heller thematisiert. Die Familie ist seit siebzehn Jahren zerrissen, der ältere Sohn Klaus ist überzeugter Sozialist und arbeitet im MfS, der jüngere Sohn Erwin lebt mit Frau und Kindern im Westen. Kurz vor dem Mauerbau müssen sich Max Heller, seine Frau Karin und ihre Adoptivtochter Anni entscheiden, ob sie einen Fluchtversuch wagen wollen – ihre Meinungen zu dieser Frage sind unterschiedlich.

    Die Charakterisierung der Romanfiguren ist wieder sehr gut ausgearbeitet, besonders der Protagonist wirkt in seiner Persönlichkeit sehr realitätsnah, er macht Fehler, aber er ist ein integrer Mann, der Duckmäusertum ablehnt und Unrecht nicht toleriert. Es ist äußerst schade, dass man sich nach sieben Bänden von Max Heller, seiner Familie und seinen Kollegen verabschieden muss.


    Fazit

    Ein lesenswerter Abschlussband einer insgesamt gelungenen Reihe, die man idealerweise vollständig und in der richtigen Reihenfolge lesen sollte!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: 3423263008

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Starke Frauen in harten Zeiten

    Berlin 1922. Polizeiärztin Magda Fuchs wird zu einem grausamen Verbrechen gerufen: Die junge Mutter hat sich zu ihrem Kind geschleppt und ist kurz darauf ihren Stichverletzungen erlegen. Magda und Kommissar Kuno Mehring stellt sich die Frage, ob dieser sinnlos erscheinende Mord zu einer Serie brutaler Überfälle auf junge Frauen gehört. Sie alle haben auf der Straße ihre Gunst verkauft. Denn die Zeiten sind schwer: Die unvorstellbar rasch voranschreitende Inflation frisst das Geld für das tägliche Leben auf.

    Magda braucht ebenfalls eine Arbeit, von der sie leben kann. In Charlottenburg eröffnet sie ihre eigene Praxis. Frisch verheiratet stellt sie sich ebenso wie ihre Patientinnen die große Frage: Kann man ausgerechnet jetzt an eine Zukunft mit Kind glauben? Auch Medizinstudentin Celia liebt ihren Edgar. Aber will sie für ihn die Freiheit aufgeben, die sie so hart erkämpft hat? Ist Anwältin Ruth dafür die richtige Ratgeberin? Schauspielerin Doris genießt die Liebe wie im Rausch. Plötzlich wird daraus bitterer Ernst …


    Autoren (Quelle: Verlagsseite)

    Helene Sommerfeld ist das Pseudonym eines in Berlin lebenden Autoren-Ehepaars. Ihre Trilogie um die Ärztin Ricarda Thomasius hat ihre Leser mitten ins Herz getroffen und landete auf Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste. Die fesselnde Kombination aus historischer Genauigkeit und leidenschaftlichen und glaubwürdigen Figuren macht die Romane von Helene Sommerfeld zu einem mitreißenden Leseerlebnis.


    Allgemeines

    Zweiter Band der Trilogie um die Polizeiärztin Magda Fuchs

    Erscheinungstermin: 20. Oktober 2021 bei dtv als TB mit 560 Seiten
    Gliederung: Personenverzeichnis – Motto – 18 mit Überschriften versehene Kapitel – Leseprobe zu Band 3

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Berlin, 1922 bis 1924


    Inhalt

    Die Polizeiärztin Magda Fuchs und ihr Lebenspartner Kommissar Kuno Mehring bekommen es mit einer Reihe sinnloser Angriffe auf Prostituierte zu tun, die Frauen werden durch Messerstiche in den Bauch verletzt, zwei der Angegriffenen sterben. Da sie von ihren Einkünften als Polizeiärztin nicht leben kann, eröffnet sie eine gynäkologische Praxis. Dort wird sie mit den schwierigen Verhältnissen konfrontiert, in denen viele Patientinnen leben. Durch die Inflation geht es vielen Menschen – nicht nur aus der Unterschicht – schlecht und die zahllosen ungewollten Schwangerschaften verschärfen die Lage der Familien.

    Celia von Liebenau hat sich nach dem Tod ihres Mannes den Traum vom Medizinstudium erfüllt, dennoch ist ihr Leben nicht frei von Konflikten. Die Beziehung zu ihrer Mutter ist nach wie vor schwer belastet und auch ihre Partnerschaft mit dem reichen Edgar Hinnes ist nicht ohne Konfliktpotenzial, da Edgar ihre Eigenständigkeit nicht immer akzeptieren will.

    Doris Kaufmann wünscht sich keine feste Partnerschaft und träumt weiterhin von einer Karriere als Schauspielerin, doch der gewählte Weg ist steinig.

    Die Anwältin Ruth Jessen verdient ihr Geld mit Scheidungsfällen und Eheverträgen, sie berät auch Celia.


    Beurteilung

    Der zweite Band setzt die Geschichte um die vier starken Frauenpersönlichkeiten Magda, Celia, Doris und Ruth fort, deshalb ist es empfehlenswert, ihn erst im Anschluss an den Vorgängerband zu lesen. Auch hier wird das Leben im Berlin der 1920er Jahre, vor allem aus der Sicht der Frauen, geschildert. Magda wird als Ärztin wiederholt mit Bitten um eine Abtreibung konfrontiert, ihre persönliche Einstellung zu dieser Frage hat für die betroffenen ungewollt Schwangeren teilweise tragische Folgen. Dass es quasi unmöglich ist, unter dem Deckmantel der „Gesundheitsfürsorge“ Verhütungsmittel bekannt zu machen und zu verteilen, macht die Lage nicht einfacher. Celia muss ihre Rolle als Studentin und Aushilfsschwester im Krankenhaus mit der Rolle als Verlobte eines stadtbekannten Mannes unter einen Hut bringen und Doris muss feststellen, dass das Leben ohne festen Partner für eine Jungschauspielerin gar nicht so einfach ist.

    Der historische Hintergrund der Zeit ist gut recherchiert. Den Menschen geht es nicht gut, viele Männer sind noch immer von den Erlebnissen des Ersten Weltkrieges traumatisiert, die Frauen müssen weiterhin um mehr Unabhängigkeit und das Recht, über ihre Körper zu bestimmen, kämpfen. Bis auf die Reichsten leiden alle Bürger unter der extremen Inflation, die in vielen Familien zu Hunger führt und illegale Einkäufe auf dem Schwarzmarkt erforderlich macht. Diese Märkte werden oft von Juden geführt, die sich bereits zunehmender Aggressivität und Verfolgung ausgesetzt sehen.

    Der Erzählstil ist lebendig und anschaulich, er erzeugt Kopfkino und lässt die Charaktere der Romanfiguren plastisch hervortreten.


    Fazit

    Eine sehr lesenswerte Fortsetzung, die man jedoch erst im Anschluss an den ersten Band um die Polizeiärztin Magda Fuchs und ihr Umfeld lesen sollte!

    9 Punkte


    ASIN/ISBN: 3423263075

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Kurz vor der Krönung am Lucia-Fest verschwindet ein junges Mädchen spurlos. Nathalie Svensson begibt sich auf eine düstere Spur ...

    In der kleinen schwedischen Stadt Svartviken herrscht der kälteste Winter seit Jahrzehnten. Das beliebte Lucia-Fest steht bevor, die sechzehnjährige Ebba Lindgren soll zur Lucia gekrönt werden. Doch am Abend der großen Feier verschwindet Ebba spurlos. Eine Woche vergeht ohne jeden Hinweis auf den Verbleib des Mädchens. In Svartviken verdächtigt bald jeder jeden. Als Ebbas Lehrer Pierre brutal erstochen wird, schaltet sich die Psychiaterin Nathalie Svensson mit ihrer Profiling-Spezialeinheit in den Fall ein. Doch Nathalie weiß – mit jeder Stunde, die verstreicht, sinken die Chancen, Ebba lebendig zu finden …


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Jonas Moström wurde 1973 geboren. Er begann während seiner Elternzeit damit, an seinem ersten Roman zu arbeiten, der 2004 erschien. Seine Krimis um Psychiaterin Nathalie Svensson sind in Schweden Bestseller. Er lebt und arbeitet als Arzt in Stockholm.

    » jonasmostrom.se


    Allgemeines

    Fünfter Band der Reihe um Psychiaterin Nathalie Svensson

    Titel der Originalausgabe: „Skuggorna Ruva“, ins Deutsche übersetzt von Dagmar Mißfeldt

    Erschienen am 7. Oktober 2021 im Ullstein Verlag als TB mit 512 Seiten
    Gliederung: Prolog – 101 Kapitel – Nachwort

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven, kurze Einschübe als Ich-Erzählung (Gedanken) des Entführers

    Handlungsort und -zeit: Svartviken, eine kleine Ortschaft in Schweden, im Dezember (Gegenwart)


    Inhalt

    Die sechzehnjährige Ebba wurde ausgewählt, beim traditionellen Lucia-Fest am 13. Dezember als Lucia die Festprozession anzuführen. Auf dem Weg zur Kirche verschwindet sie spurlos, laut Zeugenaussagen ist sie in einen Volvo gestiegen, aber nie in der Kirche angekommen. Kurz nach dem ergebnislosen Abbruch der Suchaktion wird Ebbas Lehrer Pierre brutal ermordet aufgefunden. Der Lehrer stand im Ruf, seinen Schülerinnen zu nahe zu treten, da liegt der Verdacht nahe, dass jemand ihn für Ebbas Entführer gehalten und sich an ihm gerächt hat. Jedoch gibt es auch mehrere weitere Verdächtige: Ebbas Vater, von dem sie im Streit geschieden ist, ihren Ex-Freund Tony, der ihr weiter nachgestellt hat und ihren gegenwärtigen Freund, den afghanischen Flüchtling Hamid, von dem sie sich möglicherweise trennen wollte und nicht zuletzt ihre Klassenkameradin Alice, die ihre erbittertste Konkurrentin in der Schule ist. Die Polizeibeamten in Svartviken sind mit dem Fall überfordert, deshalb wird ein Ermittlerteam aus Stockholm angefordert, das von der Psychiaterin Nathalie Svensson verstärkt wird. Trotz unermüdlichen Einsatzes über die Weihnachtsfeiertage kann das Ermittlerteam einen weiteren Todesfall nicht verhindern…


    Beurteilung

    Der Fall, den das Stockholmer Team in Svartviken zu bearbeiten hat, ist sehr komplex – eigentlich handelt es sich um drei Straftaten, die vermutlich in einem direkten Zusammenhang stehen. Die Ermittlungen werden durch den eingeschränkten Horizont des alten Dorfpolizisten Gunnar erschwert, dieser hält es für unmöglich, dass ein Mitglied der eingeschworenen Dorfgemeinschaft Ebba entführt hat und richtet seinen Tunnelblick ausschließlich auf die Bewohner des Flüchtlingsheims. Die Kollegen aus Stockholm sind ergebnisoffen eingestellt und ermitteln in alle Richtungen, dabei führen sie unzählige lange Verhöre mit Personen aus Ebbas Umfeld, in denen sich vieles wiederholt. Dieses Vorgehen wird realistisch dargestellt, hier hätte man die Erzählung jedoch ein wenig raffen können, da diese Wiederholungen auf Kosten der Spannung gehen. Erst im letzten Drittel des Kriminalromans steigt die Spannungskurve deutlich an.

    Die Persönlichkeiten der Romanfiguren sind allesamt gründlich ausgearbeitet, im Falle der Protagonistin Nathalie Svensson wird auch auf deren Geschichte in den vorherigen Bänden Bezug genommen. Diese Informationen stehen aber nicht so sehr im Mittelpunkt, dass sie die Handlung des Romans für Neueinsteiger in die Reihe unverständlich machen würden.

    Der Erzählstil ist sehr anschaulich und transportiert gelungen die Atmosphäre in einem eiskalten, dunklen schwedischen Winter, in dem die Polizeibeamten bei minus 30 Grad Celsius quasi pausenlos unterwegs sein müssen.


    Fazit

    Ein intelligent konstruierter und atmosphärischer Kriminalroman, dessen Handlung fesselnd unterhält, aber zur Steigerung der Spannung stellenweise etwas geraffter hätte erzählt werden können!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 3548291821

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Berlin, Anfang der zwanziger Jahre: Ein neues Lebensgefühl bricht sich Bahn - Freiheit! Es ist die Vision von glanzvollen Stars, spektakulären Großfilmen und glitzernden Kinopalästen, die Tino, Bankier und Lebemann, an der gerade gegründeten Ufa begeistert. Er riskiert alles, um mit der deutschen Traumfabrik Hollywood Paroli zu bieten. Rahel will als Journalistin Wege gehen, die Frauen bisher verschlossen waren. Als die zwei einander begegnen, ahnen sie nicht, welche Wende ihr Leben dadurch nimmt. Denn bald stellt sich ihnen die alles entscheidende Frage: Wie weit darf Freiheit gehen? In der Politik, in der Kunst – und in der Liebe.


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Bestsellerautor Peter Prange ist der große Erzähler der deutschen Geschichte. Als Autor aus Leidenschaft gelingt es ihm, die eigene Begeisterung für seine Themen auf Leser und Zuhörer zu übertragen. Die Gesamtauflage seiner Werke beträgt weit über drei Millionen. ›Der Traumpalast‹ ist sein vierter großer Deutschland-Roman. Die Vorläufer sind Bestseller, etwa sein Roman in zwei Bänden, ›Eine Familie in Deutschland‹. ›Das Bernstein-Amulett‹ wurde erfolgreich verfilmt, der TV-Mehrteiler zu ›Unsere wunderbaren Jahre‹ begeisterte ein Millionenpublikum. Der Autor lebt mit seiner Frau in Tübingen.

    http://www.peterprange.de


    Allgemeines

    Erster Teil der Dilogie „Der Traumpalast“

    Erschienen am 13. Oktober 2021 bei FISCHER Scherz als HC mit 816 Seiten
    Gliederung: Prolog – Fünf Teile – Nachbemerkung – Danksagung – Personenverzeichnis

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsorte und -zeit: Berlin, Dresden, München – 1917 bis 1925


    Inhalt

    Konstantin „Tino“ Reichenbach, Sohn einer wohlhabenden Bankiersfamilie, verliebt sich in die Jüdin Rahel Rosenberg, eine unkonventionelle junge Frau, deren Lebensziel nicht die Ehe ist, sondern eine Berufslaufbahn als Journalistin. Für Tinos Mutter, die versnobte Constanze, die den Zeiten und Sitten des Kaiserreichs nachtrauert, kommt eine Jüdin als Schwiegertochter nicht in Frage; ihr Mann Gustav, der ihr hörig ist, wagt es nicht, gegen seine dominante Frau aufzubegehren. So kommt es zum Bruch zwischen Tino und seiner Familie, er scheidet aus der Bank aus und engagiert sich beruflich in der gerade aufkommenden Filmindustrie an der Seite seines guten Freundes, des Filmproduzenten Erich Pommer. Die Zusammenarbeit der beiden Männer ist nicht gleich von Erfolgen gekrönt, vielmehr müssen sie auch bedenkliche finanzielle Risiken in Kauf nehmen. Auch Tinos Beziehung zu Rahel, die auf ihrer Unabhängigkeit besteht, verläuft keineswegs konfliktfrei und ein Eklat führt zum Bruch. Auch als Rahel feststellen muss, dass es für eine Frau so gut wie unmöglich ist, als Journalistin ernstgenommen zu werden und sie in finanzielle Schwierigkeiten gerät, verliert sie ihren Stolz nicht und bleibt sich treu.


    Beurteilung

    Das Schicksal der beiden Protagonisten Tino und Rahel wird vor dem sehr gründlich recherchierten Hintergrund der politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen im Deutschland der 1920er Jahre geschildert. Unterschiedliche politische Gruppierungen, völkisch-nationale sowie demokratisch-liberale, kämpfen um die Herrschaft in Deutschland, Attentate auf Politiker und Putschversuche sind schon beinahe an der Tagesordnung. Auch wirtschaftlich sind die 1920er Jahre eine kritische Zeit; durch die galoppierende Inflation geraten viele Menschen in Not und können sich nicht einmal ausreichend Lebensmittel und Heizmaterial leisten. Andererseits ist die Zeit von bahnbrechenden technischen Neuerungen geprägt. Sehr anschaulich wird erzählt, wie sich der Film, der ursprünglich der Kriegspropaganda dienen sollte, zu einer eigenen Kunstgattung entwickelt, die in Lichtspielhäusern einem breitgefächerten zahlenden Publikum präsentiert wird. Berühmte Stummfilme der Zeit sind etwa „Dr. Mabuse, der Spieler“, „Das Kabinett des Dr. Caligari“ und „Metropolis“. Im Zusammenhang mit der Frühgeschichte der UFA macht der Leser Bekanntschaft mit vielen berühmten Produzenten, Regisseuren, Drehbuchautoren und Schauspieler(inn)en der Zeit, wie Fritz Lang und seine Frau Thea von Harbou. Sehr interessant sind auch weitere Neuerungen, wie etwa die Einführung von Werbung im Radio nach Einführung des Öffentlichen Rundfunks im Jahr 1923. Danach war es nur ein kleiner Schritt zur Einführung von Werbefilmen in den Lichtspieltheatern, um eine große Zahl potenzieller Konsumenten anzusprechen.

    Der Erzählstil des Romans ist sehr anschaulich und fesselnd, der Leser fühlt sich direkt in die 1920er Jahre versetzt. Die Romanfiguren sind in ihren Charakteren differenziert ausgestaltet, wirken jedoch gelegentlich etwas überzeichnet. Die Figur der Constanze Reichenbach macht für eine Frau ihrer Generation keinen allzu realistischen Eindruck, auch ihr Mann scheint mit seinem geradezu hündisch unterwürfigen Verhalten nicht ganz lebensecht. Angesichts der hervorragenden Recherche und des überaus faszinierenden Panoramas der Weimarer Republik, die hier geboten werden, fällt es jedoch leicht, über diese Kritikpunkte hinwegzusehen.

    Eine „Notwendige Nachbemerkung“ des Autors zur verwendeten politisch inkorrekten Sprache der Zeit sowie ein Personenverzeichnis mit Auflistung fiktiver Figuren und historischer Persönlichkeiten runden den lesenswerten Roman ab.


    Fazit

    Ein überaus fesselnder Roman über die Frühgeschichte der Kinematographie zur Zeit der Weimarer Republik, der schon Vorfreude auf den Folgeband weckt!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: 3651025780

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Drei Morde innerhalb weniger Tage: Die beschauliche schwedische Kleinstadt Karlshamn wird vom Terror erfasst. Vanja Lithner und ihre Kollegen von der Reichsmordkommission stehen unter Druck, den Heckenschützen zu stoppen, bevor weitere Menschen ums Leben kommen. Aber es gibt keine Hinweise, keine Zeugen und keine eindeutigen Verbindungen zwischen den Opfern.

    Sebastian Bergman hat sich für ein ruhigeres Leben entschieden, seit er Großvater geworden ist. Er arbeitet als Psychologe und Therapeut. Doch plötzlich wird seine Welt auf den Kopf gestellt, als ein Australier ihn aufsucht, um seine Erlebnisse während des Tsunamis 2004 zu verarbeiten. Bei dem Sebastian selbst Frau und Tochter verlor.

    Seit Sebastians ehemaliger Kollege Billy das erste Mal getötet hat, kann er nicht aufhören. Nun wird er Vater und beschließt, nie wieder zu morden. Aber die Umstände wollen nicht zulassen, dass die Vergangenheit in Vergessenheit gerät. Wie weit wird Billy gehen, um nicht zur Rechenschaft gezogen zu werden?


    Autoren (Quelle: Verlagsseite)

    Michael Hjorth ist ein erfolgreicher schwedischer Produzent, Regisseur und Drehbuchautor. Er schrieb u.a. Drehbücher für die Verfilmungen der Romane von Henning Mankell.

    Hans Rosenfeldt, Jahrgang 1964, ist einer der angesehensten Drehbuchautoren Schwedens und Schöpfer der bislang erfolgreichsten skandinavischen Serie «Die Brücke», die in über 170 Ländern ausgestrahlt wurde und zahlreiche Preise erhielt. Für die britische Fernsehserie «Marcella» wurde er mit dem British Screenwriters' Award in der Kategorie Best Crime Writing on Television ausgezeichnet. Als Teil des Autorenduos Hjorth & Rosenfeldt schrieb er sechs Kriminalromane der Sebastian-Bergman-Reihe, die in 34 Ländern erscheint, sich weltweit über 4 Millionen mal verkauft hat - allein in Deutschland 2,2 Millionen mal - und die von Sveriges Television in Kooperation mit dem ZDF verfilmt wird. Alle Bände befanden sich monatelang in den Top 10 der Spiegel-Bestsellerlisten, mit Band 6 gelang der Sprung auf Platz 1 sowohl auf der Spiegel-Hardcover- als auch der Taschenbuch-Liste. In seinem Heimatland Schweden ist Hans Rosenfeldt ein beliebter Radio- und Fernsehmoderator.


    Allgemeines

    Siebter Band der Reihe um Sebastian Bergman

    Titel der Originalausgabe: „‎Som Man Sår“, ins Deutsche übersetzt von Ursel Allenstein

    Erschienen am 12. Oktober 2021 bei Wunderlich als HC mit 512 Seiten
    Gliederung: Einzelne Kapitel ohne Nummerierung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Karlshamn, Schweden, in der Gegenwart


    Inhalt

    Vanja Lithner hat Torkel Höglund als Leiter/in der Reichsmordkommission abgelöst und bekommt es gleich mit einem besonders schwierigen Fall zu tun. Innerhalb weniger Tage sind in Karlshamn mehrere Menschen von einem Heckenschützen mit Kopfschüssen ermordet wurden. Die Mordopfer standen untereinander in keinem erkennbaren Zusammenhang, erst im Laufe der Ermittlungen ergibt sich ein gemeinsamer Nenner. Aufgrund der sich überschlagenden Ereignisse ist Vanja sehr gestresst und hat wenig Zeit für ihre dreijährige Tochter Amanda. Da kommt es ihr gelegen, dass ihr Vater Sebastian Bergman, mit dem sie seit einiger Zeit einen Waffenstillstand geschlossen hat, ihren Lebensgefährten bei der Betreuung des Kindes unterstützt. Sebastian ist, seitdem er Großvater geworden ist, ruhiger geworden und betäubt seine Trauer um seine 2004 ums Leben gekommene Frau und Tochter nicht länger durch sexuelle Abenteuer. Als er einen Patienten trifft, der ebenfalls seine Familie im Tsunami verloren hat, versucht er erstmals, sich seinem Trauma zu stellen.


    Beurteilung

    Der siebte Band der Sebastian Bergman-Reihe nimmt starken Bezug auf die Handlung der vorhergehenden Bände und sollte unbedingt erst im Anschluss an diese gelesen werden.

    Im vorliegenden Roman verbinden sich vier Handlungsstränge zu einem komplexen Gesamtwerk. Parallel zu den fortlaufenden polizeilichen Ermittlungen gibt es eine Erzählung über eine junge Frau, die für ein Klassentreffen nach Karlshamn zurückkehrt. Sie hat nicht die besten Erinnerungen an ihre Jugend und Schulzeit und die Wiedersehensfreude ist nicht das Motiv für ihre Rückkehr…

    Auch die Geschichte von Sebastian Bergman, der seit 2004 den Verlust seiner kleinen Familie nicht verarbeiten konnte, wird wieder aufgenommen. Er darf nicht mehr direkt mit der Reichsmordkommission zusammenarbeiten, ist mit seinen psychologischen Kenntnissen aber trotzdem hilfreich. Der vierte und letzte Handlungsstrang beschäftigt sich mit der Geschichte von Billy, einem der Mitarbeiter der Ermittlungsgruppe.

    Der Kriminalroman ist insofern sehr ungewöhnlich konstruiert, als schon nach weniger als zwei Dritteln die Mordserie aufgeklärt ist, doch er hat weitere Spannungshöhepunkte zu bieten – atemlose Spannung bis buchstäblich zur letzten Seite mitsamt zwei „Knalleffekten“ ist garantiert!

    Die Charaktere der Romanfiguren sind differenziert und nicht mehr so übertrieben wie in den früheren Bänden ausgearbeitet. Auch ihre Handlungen sind weitestgehend nachvollziehbar, lediglich der überraschende Schlusspunkt, der auf einen weiteren Band hoffen lässt, wirkt ein wenig überzogen.


    Fazit

    Ein überaus fesselnder Kriminalroman, den man jedoch nicht ohne Kenntnis der vorherigen Bände lesen sollte!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: 3805250894

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Eine Frau wird in ihrer Wohnung in Reykjavík ermordet aufgefunden. Auf dem Schreibtisch liegt ein Zettel mit Kommissar Konráðs Telefonnummer. Die Frau hatte offenbar kurz vor ihrem Tod noch angerufen und ihn angefleht, nach ihrem Kind zu suchen, das sie vor Jahrzehnten zur Adoption freigegeben hat. Konráð hatte abgelehnt. Dies bereut er nun zutiefst und will ihrer verzweifelten Bitte wenigstens postum nachkommen. Er macht sich auf die Suche nach dem Kind – nichtsahnend, welch einem tragischen Schicksal er damit auf die Spur kommt ...


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Arnaldur Indriðason, 1961 geboren, graduierte 1996 in Geschichte an der University of Iceland und war Journalist sowie Filmkritiker bei Islands größter Tageszeitung Morgunbladid.

    Heute lebt er als freier Autor mit seiner Familie in Reykjavik und veröffentlicht mit sensationellem Erfolg seine Romane. Arnaldur Indriðasons Vater war ebenfalls Schriftsteller.

    1995 begann er mit Erlendurs erstem Fall, weil er herausfinden wollte, ob er überhaupt ein Buch schreiben könnte. Seine Krimis belegen allesamt seit Jahren die oberen Ränge der Bestsellerlisten. Seine Kriminalromane "Nordermoor" und "Todeshauch" wurden mit dem "Nordic Crime Novel’s Award" ausgezeichnet, darüber hinaus erhielt der meistverkaufte isländische Autor für "Todeshauch" 2005 den begehrten "Golden Dagger Award" sowie für "Engelsstimme" den "Martin-Beck-Award", für den besten ausländischen Kriminalroman in Schweden.

    Arnaldur Indriðason ist heute der erfolgreichste Krimiautor Islands. Seine Romane werden in einer Vielzahl von Sprachen übersetzt. Mit ihm hat Island somit einen prominenten Platz auf der europäischen Krimilandkarte eingenommen.


    Allgemeines

    Dritter Band um Kommissar Konrað ‎

    Titel der Originalausgabe: „‎ Tregasteinn“, ins Deutsche übersetzt von Kristof Magnusson

    Erschienen am 30. September 2021 bei Lübbe als HC mit 400 Seiten
    Gliederung: Karte von Island – Karte von Reykjavík – 66 Kapitel

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungszeit und -ort: Reykjavík in der Gegenwart, mit Rückblenden auf die Sechziger- und frühen Siebzigerjahre


    Inhalt

    Eine ältere Frau namens Valborg wendet sich mit der Bitte, ihr 1972 zur Adoption freigegebenes Kind zu finden, an den pensionierten Polizisten Konrað. Sie will ihm gegenüber keine Aussagen dazu machen, weshalb sie nach fast fünf Jahrzehnten plötzlich diesen Wunsch hat. Konrað lehnt die Bitte ab, zumal er nach wie vor damit beschäftigt ist, mit seiner Bekannten Eygló dem Schicksal ihrer beider Väter nachzugehen. Die beiden Männer waren seinerzeit gemeinsam als Betrüger unterwegs gewesen und hatten gutgläubigen Menschen als „Medium“ das Geld aus der Tasche gezogen. Konraðs Vater wurde Anfang der Sechzigerjahre ermordet - ein bis in die Gegenwart ungeklärter Fall - und auch Eyglós Vater kam kurz darauf ums Leben.

    Als Konrað erfährt, dass Valborg in ihrer Wohnung ermordet wurde, hat er ein sehr schlechtes Gewissen wegen seines wenig einfühlsamen Umgangs mit der Verstorbenen und beschließt, auf eigene Faust nach deren Kind zu suchen. Ein mühsames Unterfangen, denn einige an der „inoffiziellen“ Adoption Beteiligte leben nicht mehr…


    Beurteilung

    Auch der dritte Band der Reihe um den pensionierten Polizisten Konrað verbindet mehrere Handlungsstränge auf verschiedenen Zeitebenen zu einem komplexen Roman, wobei leider zu Beginn der 66 Kapitel nicht speziell ersichtlich wird, in welchem Jahr man sich gerade befindet. Da der Handlungsstrang um die Geschichte von Konraðs Vater außerdem auf Informationen aus den vorherigen Bänden aufbaut, ist es dringend anzuraten, die drei Bände in der korrekten Reihenfolge zu lesen.

    Wer ausreichende Konzentration mitbringt, hat mit „Tiefe Schluchten“ einen größtenteils ruhig erzählten, aber dennoch überaus fesselnden Roman vor sich. Die Nachforschungen Konraðs, der bei der Suche nach Valborgs Kind immer wieder in Sackgassen gerät und nur noch mit Bekannten der bereits verstorbenen damaligen Akteure sprechen kann, werden anschaulich und glaubwürdig geschildert. Durch Perspektivwechsel und Rückblenden in die Vergangenheit wird der Leser Zeuge der Ereignisse, die vor fast fünfzig Jahren Valborgs Leben aus dem Gleichgewicht brachten. Die häppchenweise dargereichten Informationen befeuern das Interesse und machen es schwer, den Roman aus der Hand zu legen, bevor man weiß, was damals geschehen ist.

    Wie schon in den beiden vorherigen Bänden ist auch hier die Persönlichkeit Konraðs sehr differenziert und überzeugend ausgearbeitet. Er hat seine Fehler, ist aber immer ehrlich zu sich selbst und handelt, wenn sein Gewissen ihn dazu auffordert. Auch die vielen anderen Personen, die in diesem Roman eine Rolle spielen, werden allesamt als Individuen erlebbar und ihr Handeln wirkt nachvollziehbar.


    Fazit

    Ein anspruchsvoller, in ruhigem Erzähltempo gehaltener und sehr fesselnder Kriminalroman, den man idealerweise erst nach den beiden Vorgängerbänden „Verborgen im Gletscher“ und „Das Mädchen an der Brücke“ lesen sollte!

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: 3785727674

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Markus und seine Frau Bettina fanden den Gedanken, dass man nicht alles besitzen muss, um es zu nutzen, schon immer gut. Diese Philosophie liegt auch ihrem Sharing-Unternehmen zugrunde. Möglichst viele sollen Autos und Wohnungen teilen und so für mehr Nachhaltigkeit sorgen.

    Bis Bettina in die Hand eines Unbekannten gerät, im Darknet öffentlich misshandelt wird und das Teilen plötzlich eine andere Dimension annimmt. Wenn Markus seine Frau lebend wiedersehen will, muss er tun, was Bettinas Peiniger sagt. Ausnahmslos, bedingungslos. Und ein Spiel mitspielen, das er nicht gewinnen kann. Auch wenn er bereit ist, alles auf eine Karte zu setzen.

    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Arno Strobel liebt Grenzerfahrungen und teilt sie gern mit seinen Leserinnen und Lesern. Deshalb sind seine Thriller wie spannende Entdeckungsreisen zu den dunklen Winkeln der menschlichen Seele und machen auch vor den größten Urängsten nicht Halt.

    Seine Themen spürt er dabei meist im Alltag auf und erst, wenn ihn eine Idee nicht mehr loslässt und er den Hintergründen sofort mit Hilfe seines Netzwerks aus Experten auf den Grund gehen will, weiß er, dass der Grundstein für seinen nächsten Roman gelegt ist. Alle seine bisherigen Thriller waren Bestseller.

    Arno Strobel lebt als freier Autor in der Nähe von Trier.

    http://www.arno-strobel.de/


    Allgemeines

    Erschienen am 29.09.2021 im FISCHER Verlag als TB mit 368 Seiten
    Gliederung: Kriminalroman in 60 Kapiteln

    Erzählung in der dritten Person, größtenteils aus der Perspektive von Markus Kern

    Handlungsort und -zeit: Frankfurt und Umgebung, eine nervenaufreibende Woche in der Gegenwart


    Inhalt

    Markus und Bettina Kern führen gemeinsam ein Sharing Unternehmen, sie haben einen Fuhrpark mit einigen Autos und ein paar Wohnungen, die jeweils von den Nutzern geteilt werden. Eines Abends kommt Bettina nicht nach Hause, stattdessen erhält ihr Mann über sein Smartphone einen Link zum Darknet. Dort muss der verstörte Mann sehen, wie seine Frau nackt in entwürdigender Pose an einem Stuhl festgebunden ist. Der Entführer kündigt an, dass Markus nun am eigenen Leib fühlen werde, wie es ist, wenn seine eigene Frau „geteilt“ werde. So wie Markus mit seinem Sharing-Unternehmen nur an Profit interessiert sei und sich nicht um die Sicherheit seiner Kunden und Kollateralschäden seiner Gleichgültigkeit schere, wolle der Entführer jetzt an einer Video-„Show“ von Bettinas Leiden verdienen. Es scheint nicht nur um Geld, sondern auch um Rache zu gehen. Markus verdächtigt einen Mann, der durch einen Unfall mit einem Auto der Sharing-Firma seine Frau und sein Kind verloren hat. Er weist auch die Polizei auf diesen Mann hin, doch diese verdächtigt Markus selbst, denn plötzlich werden überall Indizien gefunden, die auf ihn als Täter hindeuten. Als auch noch seine fünfzehnjährige Tochter Leonie entführt wird, begibt sich Markus auf die Flucht vor der Polizei, denn der Entführer hat ihm eine Frist gesetzt, seine Tochter zu finden und seine Schuld zu gestehen, bevor Leonie das Schicksal ihrer Mutter teilen soll…


    Beurteilung

    Der größte Teil des Romans schildert die abenteuerliche Flucht von Markus Kern vor der Polizei, er muss verschiedene vom Entführer seiner Frau und Tochter vorgegebene Aufgaben erfüllen, um seine minderjährige Tochter vor einer öffentlichen Misshandlung und Vergewaltigung in einem Livestream des Darknets zu bewahren. Diese Aufgaben führen ihn an verschiedene Orte, er kann sich aber wegen der polizeilichen Fahndung nicht frei bewegen und braucht Helfer. Sein größtes Problem besteht darin, dass immer mehr Verdachtsmomente gegen ihn aufkommen und dass dementsprechend immer weniger Bekannte bereit sind, ihm noch zu helfen.

    Einige Kapitel, die in kursiver Schrift abgesetzt sind, berichten aus deren Perspektive über die traumatische Erfahrung der entführten Leonie.

    Der Plot dieses Romans ist überaus einfallsreich, die Auflösung relativ überraschend. Nicht alle Aspekte der Handlung wirken sehr glaubwürdig, nichtsdestotrotz bietet der Krimi fesselnde Unterhaltung und lässt sich sehr zügig lesen. Es ist faszinierend zu beobachten, wie nicht nur die Bekannten des Protagonisten, sondern sogar auch er selbst an seiner Unschuld zu zweifeln beginnen, als er perfide manipuliert wird.

    Die Handlung wird sehr anschaulich geschildert, sprachlich gibt es jedoch Wiederholungen zu bemängeln, Markus´emotionaler Ausnahmezustand wird mit teilweise sehr überzogenen Beschreibungen dargestellt und das Wort, das ihm am häufigsten über die Lippen kommt, ist „Verdammt!“.


    Fazit

    Einfallsreich konstruierte, fesselnde Unterhaltung, sprachlich gelegentlich ein wenig zu eindimensional!

    7 Punkte

    ASIN/ISBN: 3596700531

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Berlin 1918: Marlene Lindow ist glücklich, nach ihrem Medizin-Studium wieder in der Kinderklinik Weißensee arbeiten zu können. Die meisten Ärzte wurden in Lazarette befohlen, so dass sie die kleinen Patienten oft allein behandeln muss. Fortan kämpft sie nicht nur um ihren geliebten Maximilian, der völlig verändert aus dem Krieg heimkehrt, sondern auch gegen die Spanische Grippe, die sich rasant in Berlin ausbreitet. Als der Sohn ihrer Schwester Emma ebenfalls erkrankt, taucht der verschollene Kindsvater auf. Er bietet Emma eine neue Heimat fern des seuchengeplagten Berlins, wo ihr Sohn unbeschwert aufwachsen kann. Marlene kann sich allerdings ein Leben ohne Emma nicht vorstellen. Und auch die kranken Kinder in der Klinik brauchen die engagierte Kinderkrankenschwester. Wie wird sie sich entscheiden?


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Antonia Blum lebte längere Zeit in Berlin, ohne den Weißen See dort je gesehen zu haben. Erst Jahre später, nachdem sie die Hauptstadt längst verlassen hatte, entdeckte sie durch einen Zufall die Ruine der einstigen Kinderklinik in Weißensee und kommt seitdem von dem Ort und seiner bewegten Geschichte nicht mehr los. Heute fährt Antonia nicht nur zum Spazierengehen immer wieder an den Weißen See, der dem Berliner Stadtteil seinen Namen gab. Sie ist überzeugt, dass dort ein Tor in die Vergangenheit existiert.


    Allgemeines

    Zweiter Teil der Trilogie „Kinderklinik Weißensee“

    Erschienen am 24. September bei Ullstein als TB mit 512 Seiten
    Gliederung: Prolog - 42 Kapitel – Autorennachwort – Bibliographie

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Berlin, 1918 bis 1919


    Inhalt

    Seit ihrer gemeinsamen Ausbildung zur Krankenschwester an der Kinderklinik Weißensee haben es die Lindow-Schwestern weit gebracht. Emma ist eine hochgeschätzte, einfühlsame Kinderkrankenschwester, die dank hilfreicher Nachbarn ihr berufliches Leben mit der privaten Situation als alleinerziehende Mutter vereinbaren kann. Ihre Schwester Marlene hat soeben ihr Medizinstudium abgeschlossen und will nun in der Kinderklinik Weißensee ihr Medizinalpraktikum absolvieren, um anschließend zu promovieren. Dort wird ihr das Leben nicht leicht gemacht, da es immer noch Ärzte gibt, nach deren Meinung eine Frau für den Arztberuf ungeeignet ist. Marlene muss auch auf die Unterstützung ihres Verlobten, des Arztes Maximilian von Weilert, verzichten, denn dieser befindet sich in einem Lazarett an der Front. Auch nach seiner Rückkehr aus dem Krieg muss sie allein um ihr berufliches Fortkommen kämpfen; Maximilian ist von seinen Kriegserlebnissen traumatisiert und sehr verschlossen geworden. Als Emma nach einer schweren Erkrankung ihres Sohnes Theodor beschließt, mit diesem aus Weißensee wegzuziehen und ihrem Kind ein gesünderes Leben in ländlicher Umgebung zu ermöglichen, droht Marlene vollends den Boden unter den Füßen zu verlieren…


    Beurteilung

    Der zweite Band der Trilogie schließt inhaltlich eng an den ersten (Zeit der Wunder) an und sollte deshalb der Verständlichkeit wegen erst im Anschluss an diesen gelesen werden. Anhand der beiden fiktiven Protagonistinnen, die in einem gut recherchierten historischen Kontext agieren, werden die Probleme sichtbar, denen sich Frauen in den Jahren um das Ende des Ersten Weltkriegs gegenübersehen. Eine unverheiratete Mutter muss mit gesellschaftlicher Ächtung rechnen; einer Frau mit dem Anspruch, als Ärztin zu praktizieren, schlägt noch immer viel Ablehnung – von Kollegen ebenso wie von Patienten – entgegen.

    Dennoch ändert sich das tradierte Weltbild stetig, der Kaiser ist ins Exil gegangen, sozialdemokratische Ideale werden formuliert und die Frauen erhalten das Wahlrecht.

    Die Ereignisse in der Kinderklinik werden anschaulich und fesselnd beschrieben, besonders werden dabei neue Therapieansätze in der Kinderheilkunde thematisiert, wozu nicht nur die medizinische Behandlung, sondern auch der einfühlsame, kindgerechte Umgang mit den kleinen Patienten zählt.

    Ein weiteres Schwerpunktthema stellt der Kampf gegen die Spanische Grippe dar, der zwar schon mit modernen hygienischen Maßnahmen wie Desinfektion, Mundschutz und Isolation geführt wird, aber ohne Verfügbarkeit von Impfstoffen und Virostatika leider auch häufig verloren wird.

    Die Entwicklungen im Privatleben der beiden Schwestern sind interessant, hätten aber etwas gekürzt werden dürfen. Die Liebesgeschichten von Emma und Marlene nehmen relativ viel Raum ein und werden gelegentlich etwas zu „gefühlsbehaftet“ geschildert.

    Ein informatives Nachwort und eine Bibliographie runden den lesenswerten zweiten Band um die Kinderklinik Weißensee und ihre Beschäftigten ab.


    Fazit

    Ein lesenswerter Roman über die Kinderklinik Weißensee, ihre Patienten und Beschäftigten in der Zeit kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 354806406X


    Vorzeitige Rezension mit Genehmigung durch Vorablesen


    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Der Bahnhof Friedrichstraße. Ein Jahrhundertbauwerk. Stolzes Herz einer Stadt auf dem Sprung zur modernen Weltstadt. Als der junge Architekt Robert 1920 den Auftrag bekommt, am Neubau des Bahnhofs und der Planung der ersten U-Bahn-Linie Berlins mitzuarbeiten, ist er überglücklich. Endlich kann er seiner großen Liebe Luise einen Heiratsantrag machen. Doch ihr Glück ist nicht ungetrübt. Seit dem Großen Krieg ist Roberts bester Freund Johannes, mit dem er gemeinsam an der Front kämpfte, verschollen. Johannes war Luises erste Liebe. Als sie glaubte, er sei tot, fand sie Trost bei Robert. Ausgerechnet am Tag ihrer Hochzeit taucht Johannes wieder auf, kriegsversehrt und ohne Hoffnung, Luise eine Zukunft bieten zu können …


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Ulrike Schweikert arbeitete nach einer Banklehre als Wertpapierhändlerin, studierte Geologie und Journalismus. Seit ihrem Romandebüt «Die Tochter des Salzsieders» ist sie eine der bekanntesten deutschen Autorinnen historischer Romane. Beide Bände ihrer Erfolgsreihe «Die Charité» standen in den Top 10 der Bestsellerliste und verkauften sich insgesamt über 200.000-mal. Zuletzt begeisterte die Verfilmung ihrer Jugendbuchserie «Die Erben der Nacht» zahlreiche Zuschauer.


    Allgemeines

    Erster Band der zweiteiligen Friedrichstraßensaga

    Erschienen am 14.09. 2021 bei Rowohlt als TB mit 512 Seiten
    Gliederung: Prolog (1882) – 28 Kapitel – Epilog – Bibliographie der verwendeten Literatur, Magazine und Filme – Nachwort zu Dichtung und Wahrheit – Danksagung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Berlin, 1920 bis 1933 (mit Rückblenden auf frühere Jahre)


    Inhalt

    Robert Wagenbach, Johannes Rosenstein und Luise Richter wachsen gemeinsam in Berlin auf, zwischen Johannes und Luise entwickelt sich im Laufe der Jahre eine Jugendliebe. Dann kommt der Erste Weltkrieg, beide Männer werden eingezogen, doch nur Robert kehrt zurück, während Johannes als vermisst gilt. Als Robert, inzwischen Architekt, den lukrativen Auftrag bekommt, an der Modernisierung des Bahnhofs Friedrichstraße mitzuarbeiten, macht er Luise, in die er schon lange verliebt ist, einen Heiratsantrag. Sie nimmt den Antrag an, doch die Ehe verläuft nicht rundum harmonisch. Dies liegt zum einen an Roberts Kriegstrauma, das sein Eheleben dauerhaft überschattet; seine Weigerung, psychologische Hilfe zu suchen, verstärkt die häuslichen Konflikte. Zum anderen leidet die Ehe gelegentlich unter den unterschiedlichen Lebensentwürfen von Robert und Luise. Robert ist konservativ eingestellt und nimmt daran Anstoß, dass Luise ihre Arbeit als Sekretärin bei der Berliner Sittenpolizei nicht aufgeben möchte. Er befürwortet auch nicht Luises Freundschaft mit Ilse, der Schwester von Johannes. Ilse ist überaus emanzipiert, sie kümmert sich wenig um „Schicklichkeit“ und zeigt Luise das Berliner Nachtleben, aufgrund von Ilses sexueller Orientierung verkehren die Frauen auch in Szenebars lesbischer Frauen. Als Johannes zwei Jahre nach Kriegsende als Kriegsversehrter nach Berlin zurückkehrt, ergeben sich weitere Anlässe für Konflikte.


    Beurteilung

    Der Beschreibung nach könnte man hinter „Novembersturm“ einen Liebesroman vermuten, dies trifft jedoch nicht zu. Die Schicksale der Hauptfiguren Robert, Luise, Johannes, Ilse und auch Ella, einer Bewohnerin des ärmlichen „Hinterhauses“, die seit ihrer Kindheit nicht so recht zur Gruppe der Freunde gehört, vollziehen sich vor dem gründlich recherchierten Hintergrund Berlins in den 1920er und frühen 1930er Jahren. Die Autorin entwirft ein beeindruckendes Panorama dieser Zeit und führt dem Leser die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen und Strömungen der Epoche vor Augen. Die politische Lage ist instabil, ständig wechseln die führenden Politiker und die nationalsozialistischen „Braunhemden“ terrorisieren zunehmend die Bevölkerung, auf offener Straße greifen sie Kommunisten und Juden an. Die wirtschaftliche Situation ist von Inflation und für die ärmeren Bevölkerungsschichten – hier exemplarisch an Ellas Familie dargestellt – Hunger und Mangel geprägt. Die gesellschaftliche Veränderung ist gegenüber den Vorkriegsjahren enorm: Auch Frauen sind berufstätig, verlangen in der Ehe mehr Gleichberechtigung und auch sie wollen nach den harten Kriegsjahren das Nachtleben erkunden. Tanzbars mit amerikanischer Musik und Kinos bieten erweiterte Freizeitmöglichkeiten. Des Weiteren gibt es in Berlin auch schon zahlreiche Bars für homosexuelle/ lesbische Gäste. Der Leser begegnet zahlreichen prominenten Zeitgenossen, seien es Politiker, Autor(inn)en oder Künstler(inn)en. Hier wäre ein Personenverzeichnis im Anhang hilfreich gewesen.

    In die fortlaufende Schilderung der Ereignisse sind Rückblenden auf die Kindheits- und Jugendjahre sowie die Kriegserlebnisse der Protagonisten eingeflochten, die deren gründlich und differenziert ausgearbeitete Charaktere erhellen und manch ungewöhnliche Verhaltensweise nachvollziehbar machen.


    Fazit

    Ein überaus fesselndes Panorama der deutschen Hauptstadt im Zeitraum von 1920 bis 1933, ein sehr lesenswerter Roman, der schon Vorfreude auf den Folgeband „Tränenpalast“ (Mai 2022) weckt!

    10 Punkte

    ASIN/ISBN: 3499000083

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Oktober in Hudiksvall, Nordschweden: Die Elchjagdsaison beginnt. Eine Gruppe von sechs Jägern bricht zur Jagd auf. Kurz darauf hängt im Kühlhaus neben dem gehäuteten Elch eine aufgeschlitzte menschliche Leiche. Es handelt sich um einen der Jäger, eingeritzt in seine Haut ist die Ziffer 6. Johan Rokka beginnt zu ermitteln, doch auch er kann nicht verhindern, dass kurze Zeit später ein weiterer Kopf an einer Sennhütte hängt, daneben die Zahl 5. Die Verbindung zwischen den Verbrechen ist klar, doch wer macht Jagd auf die Schützen? Kann Rokka den Täter stellen, bevor er auch die verbliebenen vier Jäger umbringt?


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Gabriella Ullberg Westin stammt aus der nordschwedischen Stadt Hudiksvall, wo auch ihre Protagonisten leben. Sie studierte Modedesign und Kommunikation und arbeitete für eine der größten Telefongesellschaften Schwedens, bevor sie sich vollzeit dem Schreiben widmete. Sie lebt heute in Stockholm, ist verheiratet mit einem Polizisten und Mutter von zwei Kindern.


    Allgemeines

    Vierter Band der Reihe um Johan Rokka

    Titel der Originalausgabe: „Slaktaren“, ins Deutsche übersetzt von Stefanie Werner

    Erschienen am 24.08.2021 bei HarperCollins als broschiertes TB mit 368 Seiten
    Gliederung: 30 Kapitel – Epilog – Danksagung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Hudiksvall, Nordschweden, ein Herbst in der Gegenwart


    Inhalt

    In den Wäldern um Hudiksvall trifft sich jeden Herbst eine Gruppe von mehreren Männern, um gemeinsam auf Elchjagd zu gehen. Eines Morgens hängt im Kühlhaus neben den Elchkadavern auch die Leiche eines der Jäger, beschriftet mit seinem Namen und der Nummer 6. Als kurz darauf der Kopf eines weiteren Mannes aus der Jagdgruppe an eine Hüttentür genagelt entdeckt wird, diesmal mit der Zahl 5 markiert, muss das Team um Kommissar Johan Rokka davon ausgehen, dass der Mörder noch weitere potenzielle Opfer auf seiner persönlichen Todesliste hat.

    Parallel zu den Mordermittlungen verlaufen die Recherchen von Stina Olsson, einer Journalistin, die mit Kent Wik, dem Eigentümer des Waldgebiets in Hudiksvall, liiert ist und in einem Fall von Wirtschaftskriminalität belastendes Material zu sammeln versucht.

    Ein dritter Handlungsstrang beschäftigt sich mit Eddie, einem ehemals drogensüchtigen und kleinkriminellen Jugendlichen, den Johan Rokka unter seine Fittiche genommen und in einem Therapieheim untergebracht hat. Der Leiter des Therapieheims scheint seinen Laden nicht im Griff zu haben, einige der Jugendlichen konsumieren weiter illegale Substanzen und es ist auch schon zu einem Todesfall gekommen…


    Beurteilung

    Der vierte Band der Krimireihe setzt den Handlungsstrang um Johan Rokka und Eddie sowie die Geschichte um die beruflichen und privaten Beziehungen im Kollegium der Hudiksvaller Mordkommission fort, deshalb sollten die Bände der Reihe idealerweise in der korrekten Reihenfolge gelesen werden.

    Der Roman weist drei unterschiedliche Handlungsstränge auf, deren Zusammenhang erst relativ spät zu durchschauen ist, da viele relevante Informationen zunächst nur spärlich und durch Andeutungen gegeben werden. Auch innerhalb der einzelnen Handlungsstränge kommt es häufig zu Szenen- und Perspektivwechseln, sodass eine gewisse Konzentration erforderlich ist, um der Handlung zu folgen.

    Der Kriminalfall ist geschickt und komplex aufgebaut, die Schilderung legt nicht nur den Fokus auf Spannung mit einzelnen blutigen Szenen, sondern auch auf die Psyche einiger Romanfiguren, die teils unter vergangenen Erlebnissen leiden oder sich durch Erpressung und Angst in ein Lügennetz verstricken und sich in einer ausweglosen Lage sehen. Der Leser kann – ebenso wie Johan Rokka und sein Team – das Tatmotiv erst relativ spät durchschauen.

    Die Charakterisierung der wichtigsten Romanfiguren ist differenziert ausgestaltet, aber nicht in jedem Fall glaubwürdig, eine zentrale Figur wirkt psychisch so instabil und macht einen dummen und naiven Eindruck, dass einige Details in diesem Zusammenhang ein wenig unrealistisch anmuten.


    Fazit

    Ein komplex konstruierter Kriminalroman mit vielen Perspektivwechseln, der fesselnde Unterhaltung bietet!

    8 Punkte

    ASIN/ISBN: 3959675623

    Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

    Edinburgh. This city will bleed you dry.

    Dr Will Raven is a man seldom shocked by human remains, but even he is disturbed by the contents of a package washed up at the Port of Leith. Stranger still, a man Raven has long detested is pleading for his help to escape the hangman.

    Back at 52 Queen Street, Sarah Fisher has set her sights on learning to practise medicine. Almost everyone seems intent on dissuading her from this ambition, but when word reaches her that a woman has recently obtained a medical degree despite her gender, Sarah decides to seek her out.

    Raven's efforts to prove his erstwhile adversary's innocence are failing and he desperately needs Sarah's help. Putting their feelings for one another aside, their investigations will take them to both extremes of Edinburgh's social divide, where they discover that wealth and status cannot alter a fate written in the blood.


    Autoren (Quelle: Amazon)

    Ambrose Parry is the penname for two very different authors - the internationally bestselling and multi-award-winning Chris Brookmyre and consultant anaesthetist of twenty years' experience, Dr Marisa Haetzman. Inspired by the gory details Haetzman uncovered during her History of Medicine degree, the couple teamed up to write a series of historical crime thrillers, featuring the darkest of Victorian Edinburgh's secrets. They are married and live in Scotland.


    Allgemeines

    Dritter Band der Reihe um Will Raven und Sarah Fisher

    Erschienen am 19. August 2021 bei Canongate Books Ltd als TB mit 406 Seiten
    Gliederung: Roman in 61 Kapiteln – historisches Nachwort – Danksagung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Edinburgh, 1850


    Inhalt

    Sarah Fisher ist auf den Kontinent gereist, um Dr. Elizabeth Blackwell (1821 – 1910) zu treffen, da auch sie an einem Studium der Medizin interessiert ist. Das Treffen ist jedoch für Sarah eher ernüchternd und bei ihrer Heimkehr nach Edinburgh wartet ein weiterer Schock auf sie.

    Will Raven ist nach wie vor bei Dr. James Young Simpson (1811 – 1870) beschäftigt. Als Sir Ainsley Douglas, ein Bürger der „besseren“ Gesellschaft und Vater eines ehemaligen Kommilitonen, unter verdächtigen Umständen stirbt, bittet Gideon, der Sohn des Verstorbenen, der als Tatverdächtiger verhaftet wurde, Will um Hilfe. Dieser mochte den arroganten Gideon noch nie, nimmt den Auftrag jedoch dennoch an. Ein weiterer Fall, an dem er Interesse nimmt, ist der Fund eines ermordeten Babys, die kleine Leiche wurde im Hafen von Leith angespült.

    Auch Sarah geht ihren eigenen Ermittlungen nach. Sie möchte einem befreundeten Hausmädchen helfen, das sein uneheliches Kind einer Frau zur Pflege überlassen hat – die Frau ist plötzlich wie vom Erdboden verschluckt. Bei ihren Recherchen kommt Sarah ungeheuerlichen Machenschaften auf die Spur…


    Beurteilung

    Der abschließende Band der Trilogie legt gegenüber den beiden vorherigen Bänden eine etwas geringere Gewichtung auf die Medizinhistorie und zeichnet sich dafür durch mehr Krimi-Elemente aus; nach einem eher beschaulichen Einstieg steigt die Spannungskurve deutlich an. Die Handlung ist komplex konstruiert und wendungsreich. Wie in den ersten beiden Bänden werden auch hier die entgegengesetzten Pole der Gesellschaft Edinburghs um die Mitte des 19. Jahrhunderts beleuchtet – im Hinblick auf den gesellschaftlichen Status einerseits und im Hinblick auf das Geschlecht andererseits: Wohlhabende Bildungsbürger haben, bzw. nehmen sich mehr Rechte und Privilegien heraus als die Dienstboten- und Arbeiterklasse und Frauen sind Männern gegenüber nicht nur gesellschaftlich, sondern auch gesetzlich benachteiligt. Die Folgen dieser grundsätzlichen Missstände machen sich in diesem Roman konkret im Umfeld der Protagonisten bemerkbar.

    Der gut recherchierte historische Krimi spart die Schilderung der Schattenseiten der Viktorianischen Gesellschaft nicht aus, sehr sensible Leser könnten von einem der Handlungsstränge verstört werden.

    Die Charaktere der Hauptfiguren sind detailliert ausgestaltet und für den Leser nicht einfach einzuordnen, ihn erwarten Überraschungen. Da es sich in Bezug auf Will Raven und Sarah Fisher im Verlauf der Trilogie um eine Fortsetzung ihrer persönlichen Lebensgeschichten handelt, ist es empfehlenswert, bei der Lektüre die korrekte Reihenfolge einzuhalten.


    Fazit

    Ein weiterer fesselnder Ausflug ins Edinburgh des 19. Jahrhunderts, diesmal etwas „krimilastiger“ als medizinhistorisch ausgerichtet.

    10 Punkte

    ASIN/ISBN: 1786899868

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Die Münchner Hauptkommissarin Katja Sand und ihr Assistent Rudi Dorfmüller ermitteln im Fall der ermordeten Rentnerin Selma Kiefer. Der Körper der ehemaligen OP-Schwester wurde postmortal grausam verstümmelt. Nach vierzig Ehejahren hat sie sich von ihrem gewalttätigen Ehemann Josef scheiden lassen und ihn wegen Körperverletzung angezeigt. Hat ihr Exmann sie ermordet, um einer drohenden Verurteilung zu entgehen? Katja bittet den Psychoanalytiker Dr. Alexander Hanning um Hilfe. Hanning schließt auf einen Täter mit einem gestörten Verhältnis zu seinem Körper und seiner Sexualität. Seine Analyse führt Katja zu dem kürzlich entlassenen Serienmörder Franz Bichler. Der Mord an Selma Kiefer gleicht bis ins Detail den von ihm verübten Taten. Hat er seine Serie wieder aufgenommen?

    Der ehemalige Kinderchirurg Professor Thomas Goldt wird ermordet aufgefunden, auf die gleiche Art geschändet wie Selma Kiefer. Aber als Mann passt er nicht in Bichlers Mordmuster. Auf der Suche nach einer Verbindung zwischen den Morden stößt Katja auf einen Abgrund aus ärztlicher Selbstherrlichkeit. Und plötzlich ergeben die Verstümmelungen der beiden Toten einen ganz neuen, grausamen Sinn.


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Christoph Wortberg studierte Philosophie, Germanistik und Geschichte und ist ausgebildeter Schauspieler. Verschiedene Rollen am Theater und im Fernsehen, daneben Hörbuchsprecher. Seit vielen Jahren Drehbuchautor, u.a. für den Kölner ›Tatort›‹, sowie Autor von Jugendromanen. Christoph Wortberg lebt in Köln.


    Allgemeines

    Zweiter Band der Trauma-Trilogie um Katja Sand

    Erschienen am 20. August 2021 bei der dtv-Verlagsgesellschaft als TB mit 384 Seiten
    Gliederung: Roman in drei Teilen mit insgesamt 48 Kapiteln – Danksagung – Leseprobe zum dritten Band „Trauma – Keine Gnade“

    Erzählung in der dritten Person, hauptsächlich aus der Perspektive von Katja Sand

    Handlungsort und -zeit: München, ein Dezember in der Gegenwart


    Inhalt

    Katja Sand und ihr Kollege Rudi Dorfmüller haben einen schockierenden Mordfall zu bearbeiten: Eine Rentnerin wurde in ihrer Wohnung getötet und anschließend im Intimbereich mit einem Skalpell gehäutet. Zunächst gerät der geschiedene Mann der Toten ins Visier der Polizei. Da das Mordopfer ihn wegen häuslicher Gewalt und Körperverletzung angezeigt hatte, musste er mit einer Gefängnisstrafe rechnen; durch den Tod seiner früheren Frau wird es nun keinen Prozess mehr geben, was ein gutes Mordmotiv sein könnte. Allerdings gleicht der Mord in seinen Details einer Mordserie an älteren Frauen aus den 1990er Jahren, der damals verurteilte Täter Bichler ist gerade aus der Haft entlassen worden. Man kann darüber hinaus nicht die Theorie ausschließen, dass ein anderer Psychopath die Tat begangen hat, um durch den modus operandi den Verdacht auf Bichler zu lenken. Katja sucht den bereits aus dem ersten Band „Kein Entkommen“ bekannten Psychoanalytiker Dr. Alexander Hanning auf, um Aufschlüsse über die Psyche des Täters zu erhalten. Als ein weiterer Mensch, diesmal jedoch ein Mann, auf die gleiche Art getötet wird, müssen neue Ermittlungsansätze einbezogen werden.


    Beurteilung

    Der zweite Band der Trauma-Trilogie schließt inhaltlich an den ersten an und bezieht dabei auch die Auflösung des alten Kriminalfalls ein, deshalb sollte der vorliegende Roman auf jeden Fall erst im Anschluss an den ersten Band gelesen werden.

    In die Schilderung der fortlaufenden Handlung aus der Perspektive von Katja Sand sind drei Abschnitte eingeflochten, die aus der Sicht des Täters erzählt werden. So erhält der Leser wesentlich früher als die Ermittler einen Einblick in das Mordmotiv, ohne allerdings zu wissen, wer für die Morde verantwortlich ist.

    Der Kriminalroman ist stark psychologisch ausgerichtet, das betrifft nicht nur die Psyche des Täters, die durch ein bestimmtes Trauma beschädigt ist, sondern auch die Psyche der Protagonistin Katja Sand, die in ihrer familiären Vergangenheit einige „Baustellen“ hat, deren Verarbeitung noch nicht abgeschlossen ist. Durch die Ermittlung und die Gespräche mit dem Psychoanalytiker macht sie einen weiteren Fortschritt in der Aufarbeitung ihrer persönlichen Traumata.

    Der Kriminalfall ist geschickt und größtenteils glaubwürdig konstruiert, die zugrundeliegende Thematik wird seit Jahren in der Gesellschaft, besonders in medizinischen Kreisen, diskutiert und hat eine neue Bewertung erfahren. Doch auch der Handlungsstrang um die persönlichen Belange Katja Sands, deren Charakter differenziert ausgearbeitet ist, fesselt.

    Vom Erzählstil ist der Roman nicht übermäßig spannend, jedoch sehr anschaulich und nachvollziehbar.


    Fazit

    Eine gelungene Fortsetzung der Trauma-Trilogie, für Freunde psychologischer Kriminalromane sehr lesenswert! „Kein Vergessen“ sollte unbedingt erst im Anschluss an „Kein Entkommen“ gelesen werden.

    9 Punkte

    ASIN/ISBN: 3423262982