Beiträge von €nigma

Die tiefgreifenden System-Arbeiten sind soweit abgeschlossen. Weitere Arbeiten können - wie bisher - am laufenden System erfolgen und werden bis auf weiteres zu keinen Einschränkungen im Forenbetrieb führen.

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Debütantin, Fürstin, Kämpferin – der dramatische Roman über den Weg einer starken Frau am Anfang des 20. Jahrhunderts

    Sie ist die schönste Debütantin Londons, ihr Heirat führt sie 1891 ins deutsche Kaiserreich. Doch in der kalten Pracht von Schloss Fürstenstein fühlt sich Daisy einsam und unsicher. Ständig eckt sie an, das steife Zeremoniell nimmt ihr den Atem. Muss sie das alles hinnehmen? Daisy wagt es, Regeln über den Haufen zu werfen, bezaubert mit ihrem Charme den Hof und selbst den Kaiser. Gleichzeitig beginnt sie im Geheimen einen gefährlichen Kampf gegen das Elend der Armen, der Grubenarbeiter in Schlesien. Aber was ist mit ihrem eigenen Glück? Darf sie eine Liebe leben, die alles gefährdet, was sie erreicht hat?

    Erfolgsautorin Sabine Weigand führt uns mit dem Schicksal der Daisy von Pless nach London, Berlin und Schlesien, in eine Welt im Wandel, zwischen Kaiserreich und Krieg, zwischen Glanz und Rebellion.


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Sabine Weigand stammt aus Franken. Sie ist promovierte Historikerin, arbeitete als Ausstellungsplanerin für Museen und ist nun Abgeordnete im bayerischen Landtag. Historische Originaldokumente sind der Ausgangspunkt vieler ihrer Romane, wie ›Die Markgräfin‹, ›Das Perlenmedaillon‹, ›Die Königsdame‹, ›Die Seelen im Feuer‹ und ›Die silberne Burg‹. In ›Die Tore des Himmels‹ gestaltet sie das Leben der Hl. Elisabeth, in ›Das Buch der Königin‹ das Schicksal der deutschen Kaiserin Konstanze, in ›Ich, Eleonore. Königin zweier Reiche‹ der europäischen Skandalherrscherin. Ihr neuer Roman ›Die Manufaktur der Düfte‹ schildert das Schicksal einer Seifenfabrikantendynastie.


    Allgemeines

    Erschienen am 28. August 2019 im Fischer Verlag als broschiertes TB mit 576 Seiten
    Gliederung: Roman in vier Büchern – Epilog – Nachwort – Personenverzeichnis

    Wechselnde Erzählarten: Erzählung in der dritten Person, zeitgenössische Zeitungsartikel

    Ich-Erzählung Daisys, teilweise auch als Tagebucheinträge und Briefe

    Handlungsorte und -zeit: Verschiedene Orte in England und Deutschland, 1883 bis 1922


    Inhalt und Beurteilung

    Der gründlich recherchierte Roman schildert das Leben der Mary Theresa Olivia Cornwallis-West, genannt Daisy (1873 – 1943), die den deutschen Fürsten Hans Heinrich XV von Pless (1861 – 1938) heiratete und den Großteil ihres Lebens in Deutschland verbrachte.


    Daisys Familie verkehrt in den besten Kreisen Englands, ist finanziell aber nicht (mehr) gut aufgestellt, deshalb wird das hübsche Mädchen mit 18 Jahren an den steinreichen deutschen Fürsten von Pless verheiratet. Die Ehe bringt drei Söhne hervor, wird aber nicht glücklich. Daisy lebt zwar in großem Luxus, fühlt sich aber im goldenen Käfig an der Seite ihres nüchternen, distanzierten Mannes nicht wohl und die immer gleichen gesellschaftlichen Anlässe, bei denen sie glänzend auftreten, sich aber ansonsten langweilen muss, kommen ihr zunehmend sinnentleert vor. Als sie – eher zufällig – erfährt, wie die Arbeiter in den Kohlegruben ihres Mannes ausgebeutet werden und im Elend leben, beginnt sie sich sozial zu engagieren, um das Leben dieser armen Menschen zu verbessern.

    Fast alle Romanfiguren sind historische Persönlichkeiten, mit Ausnahme des fiktiven Stallmeisters Joschi, der aus einem der Armenviertel stammt und Daisy fortan bei ihren karitativen Tätigkeiten begleitet. Die Protagonisten von „Die englische Fürstin“ sind in ihren Charakteren sehr gründlich ausgearbeitet, besonders Daisy wirkt überaus authentisch, was auch daran liegt, dass sie in Briefen und Tagebucheinträgen, zu denen die Autorin Zugang hatte, direkt zum Leser spricht.


    Der durch seine verschiedenen Erzählformen kurzweilige Roman ist in einem sehr anschaulichen und fesselnden Erzählstil verfasst, der Leser bekommt einen ausgezeichneten Einblick in das Luxusleben des englischen und deutschen Jetsets der Vorkriegszeit, in die entbehrungsreiche Zeit des Ersten Weltkriegs und in die Zeit unmittelbar nach dem Krieg. Dabei trifft man auf einige zur damaligen Zeit sehr bedeutende Persönlichkeiten, wie Kaiser Wilhelm II, mit dem das Ehepaar von Pless gut bekannt war und Professor Fritz Haber, der maßgeblich an der Erfindung und Herstellung chemischer Kriegswaffen (Giftgas) beteiligt war. In den eindringlichen Schilderungen der Gräuel des Ersten Weltkriegs wird ein Plädoyer gegen den Krieg deutlich.

    Die Autorin hat das Leben der Daisy von Pless intensiv recherchiert und sich weitgehend an die Fakten gehalten. In ihrem ebenso ausführlichen wie auch informativen Nachwort klärt sie darüber auf, wo sie die Fakten durch Fiktion ergänzt oder modifiziert hat. Darüber hinaus informiert sie über das spätere Leben der Protagonistin, das im Roman nicht mehr abgedeckt ist.

    Ein Personenverzeichnis der wichtigsten Romanfiguren rundet das Buch ab. Von besonderem Charme sind die Fotos der Daisy von Pless, die den vier Büchern vorangestellt sind und die sie in den jeweiligen Lebensphasen zeigen. Auch das Buchcover zeigt ein Foto der jungen Daisy.


    Fazit

    Ein gründlich recherchierter, ebenso informativer wie gut unterhaltender historischer Roman, wie man ihn von der Historikerin Sabine Weigand gewohnt ist, unbedingt lesenswert für jeden Leser, der sich für die englische und deutsche Geschichte der Zeit zwischen 1890 und 1920 interessiert!
    10 Punkte


    ASIN/ISBN: 381053059X


    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Eine neue Generation.

    Eine Welt im Umbruch

    Berlin, 1915: Die Millionenstadt ist gezeichnet von den Wirren des Krieges. Während tausende Männer auf dem «Feld der Ehre» ihr Leben verlieren, behandelt die Ärztin Ricarda Thomasius an der Charité junge Arbeiterinnen, die sich unter unmenschlichen Bedingungen in den Munitionsfabriken verletzen. Gleichzeitig droht Ricardas Familienglück zu zerbrechen. Sohn Georg wird an der Front vermisst, das Verhältnis zu Tochter Henny liegt in Scherben, und Nesthäkchen Antonia testet ihre Grenzen aus. Die Ärztin will um ihre Kinder kämpfen, koste es, was es wolle. Doch es gibt Verletzungen, die selbst die Liebe nicht so einfach heilen kann. Als das Schicksal erneut zuschlägt, muss Ricarda sich ihrer Vergangenheit stellen. Dort, wo alles begann…


    Autoren

    Helene Sommerfeld ist das Pseudonym eines in Berlin lebenden Autoren-Ehepaars. Viele ihrer Romane und Sachbücher waren internationale Bestseller. Auch mit der Historien-Saga um die Ärztin Ricarda Thomasius feierte Helene Sommerfeld große Erfolge. Im Rowohlt Verlag erschienen bereits «Die Ärztin. Das Licht der Welt» und «Die Ärztin. Stürme des Lebens». Band 2 der im Berlin der Kaiserzeit angesiedelten Reihe stand auf Platz 1 der Bestsellerliste.


    Allgemeines

    Dritter Band der Trilogie um Dr. Ricarda Thomasius

    Erschienen am 20. August 2019 im Rowohlt Verlag als Taschenbuch mit 575 Seiten
    Gliederung: Verzeichnis der wichtigsten Romanfiguren - 17 nicht-nummerierte Kapitel mit Titeln und Zeitangaben

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsorte und -zeit: Berlin, München, Los Angeles und New York, 1914 bis 1920


    Inhalt

    Dr. Ricarda Thomasius arbeitet an der Berliner Charité, dort werden Frauen behandelt, die sich bei ihrer Arbeit in Munitionsfabriken so schwer verletzt haben, dass ihnen nicht selten Hände oder Arme amputiert werden müssen. Auch als Ricarda auf die Gynäkologie versetzt wird, ist sie weiterem Stress ausgesetzt, zumal sie mit einem arroganten männlichen Kollegen massive Meinungsverschiedenheiten über die Behandlung der Patientinnen hat. Das ist aber nichts gegen die Probleme, die sich in ihrer Familie auftun. Ricardas älteste Tochter Henny setzt sich, nachdem ein länger andauernder Konflikt mit ihrer Mutter eskaliert ist, nach Amerika ab, der in München lebende Sohn Georg kehrt schwer traumatisiert von der Front zurück und die jüngste Tochter Antonia macht eine Entwicklung durch, von der ihre Mutter mangels Aufmerksamkeit nichts mitbekommt, bis die Gefahr besteht, auch ihr jüngstes Kind zu verlieren.


    Beurteilung

    Im dritten und abschließenden Roman um Dr. Ricarda Thomasius werden die gesellschaftlichen Veränderungen in Deutschland zur Zeit des Ersten Weltkriegs thematisiert. Das Leben der Zivilbevölkerung ist von materieller Not bestimmt, es gibt immer weniger Lebensmittel zu kaufen, viele Menschen hungern und werden 1918 leichte Beute für die Spanische Grippe. So harsch das Leben für die Menschen auch ist, so eröffnen sich den Frauen doch neue Chancen. Sie nehmen im Berufsleben die Plätze der an die Front eingerückten Männer ein und entwickeln ein neues Selbstbewusstsein. Die hierarchische Gesellschaftsordnung der Vorkriegszeit bricht ein, Frauen dürfen studieren und ab 1919 auch wählen. Nach dem Ende des Krieges macht sich bei der jungen Generation ein neues Lebensgefühl breit, die amerikanische Jazzmusik schwappt nach Europa über, es entstehen Tanzbars, in denen junge Frauen ohne Anstandsdamen mit Männern tanzen und feiern.

    Die drei weiblichen Hauptfiguren Ricarda, Henny und Antonia werden gründlich und glaubwürdig – mit ihren guten Eigenschaften und auch mit Schwächen – charakterlich ausgestaltet.

    Die Autoren stellen dem sich verändernden Leben im (ehemaligen) Deutschen Kaiserreich das freiere und fortschrittlichere Leben in Amerika gegenüber. Das Leben an der amerikanischen Westküste wird vom noch jungen Filmgeschäft dominiert, New York wird dagegen quasi zum Mekka des medizinischen Fortschritts, an den berühmten Kliniken werden neue technische Errungenschaften genutzt und innovative Wege der Krebstherapie beschritten. Die Handlung des Romans wird ungemein flüssig, anschaulich und fesselnd vermittelt, durch den ständigen Perspektivwechsel zwischen Ricarda, Henny und Antonia gestaltet sich die Lektüre trotz des Umfangs von beinahe 600 Seiten äußerst kurzweilig.

    „Die Wege der Liebe“ ist ein überaus fesselnder Roman über die gesellschaftlichen und politischen Veränderungen während des Ersten Weltkriegs und der ersten Nachkriegsjahre, als einziger kritikwürdiger Punkt bleibt festzuhalten, dass die Spanische Grippe fälschlicherweise mit „Bakterien“ in Verbindung gebracht wird – eine Influenza wird jedoch von Viren verursacht!


    Fazit

    Ein gelungener Abschluss einer insgesamt sehr lesenswerten Trilogie!

    9 Punkte


    ASIN/ISBN: 3499276550

    Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)

    Duisburg im 14. Jahrhundert nach Christus: Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation erzittert unter dem Wüten der Pest. Die Suche nach einem Mittel gegen den Schwarzen Tod führt den Mönch und ehemaligen Tempelritter Lucien de Courogny mitten hinein in das karge Pestland, wo Tod und Gewalt allgegenwärtig sind. Seine einzigen Reisegefährten: der 16jährige Simon und dessen Hund. Gemeinsam durchqueren sie einen Landstrich, der durch die Seuche beinahe vollständig entvölkert wurde, und müssen erleben, zu welchen Taten Menschen fähig sind, die dem Tod ins Auge blicken. Doch die Gefahren des Pestlandes sind nicht die einzigen Herausforderungen, denen sich Lucien stellen muss. Schon nach kurzer Zeit holen ihn die Schatten seiner Vergangenheit gnadenlos ein, denn die Häscher des Papstes folgen ihm ins Pestland. Es beginnt ein Wettlauf gegen das Verderben, bei dem Lucien und Simon bis an ihre Grenzen gehen, seinem schlimmsten Feind jedoch kann Lucien nicht davonlaufen, denn er ist allgegenwärtig, sogar in der Zukunft. Werden Lucien und Simon der Zeit entfliehen und den schwarzen Tod besiegen? Und was hat es mit dem geheimnisvollen Klingeln auf sich, das Lucien bis in seine Alpträume folgt?


    Autor (Quelle: amazon)

    Lars Schütz wurde am 24. Oktober 1992 in Duisburg geboren. Das Schreiben hat sich bis dato wie ein roter Faden durch sein noch junges Leben gezogen. Bereits mit 17 veröffentlichte er sein Erstlingswerk, den Fantasyroman 'NEXUS - Der Tod sei mit dir', als Hörbuch im Action-Verlag. 2012 folgt nun der Kurzroman 'Der Mosaikleger', der in der Reihe Lesetrips im Hamburger Doplpack-Verlag erscheinen wird.

    Im dritten Werk 'Pestland' wagt er sich jetzt zum ersten Mal an ein historisches Szenario. Da er mitten in der Duisburger Altstadt lebt, konnte er für den Roman an Originalschauplätzen in Duisburg und am Niederrhein recherchieren.

    Für die Zeit nach der Schule plant er, sich auch beruflich mit dem Schreiben auseinanderzusetzen und ein Studium der Literaturwissenschaft aufzunehmen.


    Allgemeines

    Erschienen am 25. März 2013 im Abacus Verlag als TB mit 244 Seiten
    Gliederung: Roman in drei Teilen mit insgesamt 27 Kapiteln

    Ich-Erzählung des Lucien de Courogny

    Handlungsort und -zeit: Duisburg und Norddeutschland, im 14. Und im 21. Jahrhundert


    Beurteilung

    Das Vorwort enthält eine sehr angebrachte Warnung: „Dies ist kein historischer Roman im klassischen Sinne. Es ist ein Roman über die Pest, nicht über die Zeit ihres Auftretens.[…]“

    „Pestland“ ist eine Mischung aus historischem, psychologischem und Science Fiction- (oder eher Fantasy-?) Roman. Da letzteres nicht unbedingt mein Genre ist, habe ich mich ein wenig schwergetan, obwohl ich am Ende, das ein bisschen zu kurz geraten ist, doch alles begriffen habe.


    Die Handlung ist ziemlich verwickelt mit verschiedenen Komponenten (Realität versus Phantasie), sodass der Leser sich bei der Lektüre stark konzentrieren muss, obwohl es sich um einen relativ kurzen Roman handelt. Eine Inhaltsangabe ist schwierig, wenn man Wesentliches nicht zu früh verraten möchte.

    Der Großteil des Romans, der in die Kategorie „Historisches“ fällt, ist ungemein flüssig, anschaulich und spannend erzählt. Das liegt nicht zuletzt an dem erschreckend realistisch dargestellten Thema der Pest und der packend geschilderten Flucht des Protagonisten vor den Häschern des Papstes und auch an den faszinierenden – und explizit brutalen – Kampfszenen.


    Fazit

    Ein Roman, dem inhaltlich zu folgen nicht ganz einfach ist, der aber durch einen extrem packenden Erzählstil besticht! Ein junger Autor mit viel Potenzial!

    7 Punkte

    Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)

    Deutsch-englische Geschichten und Geschichte aus den Fürstenhäusern des 19. Jahrhunderts. Königin Victoria als Tochter einer deutschen Prinzessin von Sachsen-Coburg-Saalfeld, verheiratet mit einem deutschen Prinzen von Sachsen-Coburg & Gotha, Mutter einer deutschen Kaiserin, Mutter einer Großherzogin von Hessen und bei Rhein und eines Herzogs von Sachsen-Coburg & Gotha, Großmutter einer Darmstädter Prinzessin, die heute in Russland als Heilige verehrt wird, und einer weiteren Darmstädter Prinzessin, die als letzte russische Zarin nach der Russischen Revolution zusammen mit ihrer Familie brutal ermordet wurde. Erzählt wird ferner wie ein Darmstädter Prinz von Battenberg zum Oberkommandierenden der britischen Marine wurde und wie sein Bruder zum Fürsten von Bulgarien wurde, dessen unglückliche Liebe zu einer preußischen Prinzessin von Bismarck vereitelt wurde.

    Nach den deutsch-englischen Tragödien des 20. Jahrhunderts sind diese alten engen Verbindungen zwischen England und Deutschland leider vielfach in Vergessenheit geraten. Dieses Buch soll sie wiederbeleben. Es geht sehr menschlich zu: Liebe und Hass, Glück und Enttäuschung, tragische Todesfälle und eigenartige Zufälle füllen die Seiten.

    Der Autor legt viel Wert auf deutsche und englische Originalquellen aus der damaligen Zeit; der Leser soll aus erster Hand, sozusagen, erfahren, was die Protagonisten und die zeitgenössischen Beobachter selbst zu berichten hatten. Alle englischsprachigen Texte, aus Briefen, Memoiren, Zeitungen und zeitgenössischen Biografien, sind vom Autor übersetzt worden und durch deutsche Quellen aus der damaligen Zeit ergänzt. In den umfangreichen Fußnoten finden sich auch die englischsprachigen Originalquellen.


    Autor (Quelle: amazon)

    Der Autor, Mark Grinsted MA (cantab), ist gleichermaßen in Deutschland und England zu Hause. Nach Abschluss eines Philosophiestudiums in Cambridge zog es ihn Anfang der 70er Jahre nach Deutschland, wo er seither im Rhein-Main-Gebiet lebt. Durch die Nähe zu Darmstadt und Schloss Wolfsgarten inspiriert, beschäftigt er sich seit vielen Jahren mit den engen Verbindungen zwischen England und Deutschland im 19. Jahrhundert. Besuchen Sie auch das Blog zum Buch unter cdw.grinsted.de. Lesen Sie die neusten Beiträge und diskutieren Sie mit!


    Allgemeines

    Erschienen am 14. Mai 2019 bei Books on Demand als TB mit 688 Seiten
    Gliederung: Vorwort – 50 Kapitel – Nachwort – Literaturverzeichnis – Fußnoten (mit den Originalzitaten zu den im Text integrierten Quellen)


    Beurteilung

    Das vorliegende Buch ist eine Jubiläumsausgabe aus Anlass des 200. Geburtstags von Queen Victoria (*24. Mai 1819) und ihres Ehemanns Albert (*26. August 1819). Victoria war deutscher Abstammung, Albert war Deutscher, doch schon zuvor bestanden enge (Heirats-) Beziehungen zwischen Deutschland und England, wobei nicht alle binationalen Ehen so glücklich waren wie die von Victoria und Albert. So kann man beispielsweise die Ehe von König George IV mit Caroline von Braunschweig nur als Katastrophe bezeichnen. Das traurige Schicksal ihrer einzigen Tochter Charlotte führte letztendlich dazu, dass Victoria später den Thron besteigen konnte.

    Das Buch beginnt mit Victorias Großmutter mütterlicherseits, Auguste von Sachsen-Coburg-Saalfeld, befasst sich mit einer Menge von deutschen Verwandten in Darmstadt und Coburg, um sich dann Victoria und Albert sowie deren Kindern zuzuwenden, unter denen besonders das Schicksal von Prinzessin Alice, die nach Deutschland heiratete, und ihrer Kinder beleuchtet wird. Am Ende von "Coburg Darmstadt Windsor" wird ein kurzer Ausblick auf das tragische spätere Schicksal der nach Russland verheirateten Enkelinnen Victorias gegeben, im Wesentlichen beschäftigt sich das Buch jedoch mit den Personen und Ereignissen vom Ende des 18. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts.


    Der Autor gibt viele Geschichten aus dem Leben dieser großen, weitverzweigten Familie zum Besten wobei er sich zahlreicher Originalquellen in Form von Briefen und Tagebüchern bedient. Die Zitate sind in deutscher Sprache in den Text eingefügt, im Anhang kann man die englischen Originaltexte lesen.

    Dadurch, dass die Persönlichkeiten, um die es geht, selbst zu Wort kommen, entsteht ein äußerst authentisches und lebendiges Bild der geschilderten Zeit und Umstände und der Leser bekommt einen intensiven Einblick in die Charaktere. Auch die vielen Illustrationen und Fotos „beleben“ das Buch ungemein.


    Es ist nicht immer leicht, den Überblick über alle Mitglieder dieser weitverzweigten deutsch-englischen Familie zu behalten, zumal manche Namen – vor allem Victoria – sehr häufig vorkommen. Es ist fast unmöglich, einen so umfangreichen Familienstammbaum in einem Buch unterzubringen, aber ein Personenverzeichnis wäre wünschenswert gewesen.


    Fazit

    Ein sehr fesselndes Buch, das dem an deutsch-englischer Geschichte interessierten Leser lebendige Einblicke in das Leben und die Persönlichkeiten der weitverzweigten deutsch-englischen Königsfamilie sowie in politische und gesellschaftliche Entwicklungen des 19. Jahrhunderts gibt! Aufgrund der Vielzahl an Personen sollte der Leser Zeit und Konzentration in die Lektüre investieren.


    9 Punkte

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Der grausamste Killer, den das FBI je gejagt hat.

    Lebenslang in Sicherheitsverwahrung.

    Doch er ist entkommen.

    Sein Name: Lucien Folter.

    Robert Hunter wird nicht ruhen, bis er ihn wieder gefasst hat.

    Robert Hunter weiß, wie Mörder denken. Der Profiler des LAPD jagt die grausamsten Killer. Der schlimmste von allen war Lucien Folter – hochintelligent und gewaltverliebt. Als Lucien aus der Sicherheitsverwahrung ausbricht, folgt Hunter seiner blutigen Spur. Und der Killer lockt den Widersacher mit einem perfiden Spiel in seine Nähe: Wer ist der Klügere? Wer wird gewinnen?


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Chris Carter wurde 1965 in Brasilien als Sohn italienischer Einwanderer geboren. Er studierte in Michigan forensische Psychologie und arbeitete sechs Jahre lang als Kriminalpsychologe für die Staatsanwaltschaft. Dann zog er nach Los Angeles, wo er als Musiker Karriere machte. Mittlerweile lebt Chris Carter als Vollzeit-Autor in London. Seine Thriller um Profiler Robert Hunter sind allesamt Bestseller.


    Allgemeines

    10. Band der Reihe um Hunter & Garcia

    Titel der Originalausgabe: „Hunting Evil“, ins Deutsche übersetzt von Sybille Uplegger

    Erschienen am 26. 07. 2019 im Ullstein Verlag als TB mit 416 Seiten
    Gliederung: 110 Kapitel – Anmerkung des Autors

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Los Angeles in der Gegenwart


    Inhalt und Beurteilung

    Die Romane der Reihe um Hunter & Garcia können normalerweise einzeln und unabhängig voneinander gelesen werden, die Lektüre des vorliegenden zehnten Bandes schließt allerdings inhaltlich an den sechsten Band, „Die stille Bestie“, an, deshalb ist es empfehlenswert, zumindest den sechsten Band zu kennen. Seit den Ereignissen um die „stille Bestie“ hat der Serienmörder Lucien Folter gut drei Jahre in einem Hochsicherheitsgefängnis eingesessen, als ihm der Ausbruch gelingt. Lucien will sich an Robert Hunter rächen, dem er die Schuld für seine damalige Verhaftung gibt. Allerdings möchte er seinen Widersacher nicht töten, sondern vielmehr weitere Morde an anderen Menschen begehen, für die Hunter sich – weil er bestimmte Hinweise und Rätsel nicht schnell genug gelöst hat – die Schuld geben und darunter leiden soll.

    Hunter muss versuchen, Lucien, der ein wahrer Verwandlungskünstler und ebenso intelligent wie er selbst ist, zu stoppen, was trotz Hilfe des FBIs kein einfaches Unterfangen ist.


    Der Autor präsentiert seinen Thriller wie gewohnt in vielen, relativ kurzen Kapiteln, wobei er geschickt Cliffhanger platziert, sodass es dem Leser schwerfällt, das Buch aus der Hand zu legen. Diesmal gibt es bis auf zwei sehr explizite Schilderungen nicht so viele blutige und brutale Szenen wie in vorherigen Bänden, vielmehr liegt das Augenmerk hauptsächlich auf den wohldurchdachten Vorbereitungen Luciens auf seine perfiden Taten. Auch Hunters Gedankengänge und seine Beratungen mit den Kollegen werden ausführlich geschildert, was gelegentlich die Spannung ein wenig ausbremst.

    Die Charaktere von Hunter & Garcia sind gründlich ausgearbeitet, wobei Hunters intellektuelle Überlegenheit seinen Kollegen gegenüber nicht mehr so penetrant thematisiert wird wie in den ersten Bänden der Reihe. Auch Lucien Folter ist ein interessanter Charakter, denn er ist kein perverser Triebtäter, sondern ein analytischer, autistischer(?) Geist, der seine zahlreichen Morde quasi als „Forschungsprojekte“ sieht, darüber Tagebücher führt und seinen – meist nicht vorhandenen – Gefühlen nachspürt.

    Der Erzählstil ist flüssig und anschaulich, wobei es gelegentlich auch kleine Überraschungen gibt, obwohl der Täter hier von Anfang an bekannt ist.


    Fazit

    Gewohnt fesselnde Unterhaltung um Robert Hunter und seinen gefährlichsten Widersacher Lucien Folter, der Leser sollte den sechsten Band, „Die stille Bestie“ gelesen haben, um das Verhältnis zwischen den beiden Kontrahenten vollständig zu überblicken.

    8 Punkte


    ASIN/ISBN: 3548291910

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Täter oder Opfer?

    Nördlich von Stockholm findet ein Bauer einen Mann in seiner Scheune, nackt und brutal gefoltert. Als Kommissar Carl Edson von der Reichsmordkommission mit seinem Team eintrifft, stellen sie schockiert fest, dass der Mann noch lebt. Noch bevor Edson tiefer in die Ermittlungen einsteigen kann, berichtet Reporterin Alexandra Bengtsson über den Fall. Das Opfer, Marco Holst, ist ein Krimineller, er hatte viele Feinde. Persönliche Rache? Ein blutiger Krieg in der Unterwelt? Doch bevor Holst eine Aussage machen kann, stirbt er im Krankenhaus. Als scheinbar wahllos weitere Morde an Kriminellen begangen werden, sucht die Reichsmordkommission fieberhaft nach einem Muster. Bis eine Spur Carl Edson und Alexandra Bengtsson in die Vergangenheit führt, zu äußerst düsteren, gewalttätigen Ereignissen.


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Bo Svernström, Jahrgang 1964, promovierte in schwedischer Literatur und arbeitete jahrelang als Journalist für Aftonbladet, eine der größten schwedischen Zeitungen. «Opfer» ist sein Debütroman, der in elf Ländern erscheint. Der Autor lebt mit seiner Familie in Stockholm.


    Allgemeines

    Titel der schwedischen Originalausgabe: „Offrens offer“, ins Deutsche übersetzt von Ulla Ackermann

    Erscheinungstermin: 23.07. 2019 im Rowohlt Taschenbuch Verlag mit 608 Seiten
    Gliederung: Drei Teile mit insgesamt 65 Kapiteln

    Teilweise Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven, teilweise Ich-Erzählung des Täters

    Handlungsort und -zeit: Stockholm, ein Frühling in der Gegenwart (mit Rückblicken in die Vergangenheit des Mörders)


    Inhalt

    Carl Edson und seine Kollegen von der Reichsmordkommission bekommen es mit einer ungewöhnlichen Mordserie zu tun. Die Opfer werden auf ebenso brutale wie auch originelle Weise geradezu zu Tode gefoltert, das Vorgehen ist nicht in jedem Fall dasselbe. Der gemeinsame Nenner der Fälle besteht darin, dass es sich bei allen Opfern um Kriminelle handelt, die offenbar nach Ansicht des Täters bei der schwedischen Justiz zu milde davongekommen sind.

    Die ehrgeizige Reporterin Alexandra Bengtsson, die beim Aftonbladet angestellt ist, hält engen Kontakt zur Polizei, sie möchte sich mit der Berichterstattung über die aufsehenerregenden Morde unbedingt profilieren – vielleicht auch als Ausgleich zu ihrem Privatleben, das nicht so konfliktfrei verläuft wie ihre berufliche Karriere.


    Beurteilung

    Der Thriller „Opfer“ ist in drei Hauptteile gegliedert, im ersten und dritten Teil wird die Handlung als Erzählung in der dritten Person, hauptsächlich aus den Perspektiven Carl Edsons und Alexandra Bengtssons, vermittelt. Im zweiten Teil gibt der Täter als Ich-Erzähler einen Einblick in sein Tun und auch in seine persönliche Vergangenheit, die gewissermaßen als Schlüssel für den gegenwärtigen psychischen Zustand verstanden werden kann. Alle drei Teile sind in ihren Schilderungen sehr explizit, Folter und Tötung werden in ihrer Brutalität anschaulich geschildert, wobei diese Schilderungen jedoch kein Selbstzweck, sondern in diesem Kontext durchaus sinnvoll sind. Dennoch sollten sich sensible Leser, die eher ruhige Krimis bevorzugen, gut überlegen, ob sie dieses Buch lesen möchten.

    Die Handlung ist wendungsreich und wartet gegen Ende mit einer gelungenen Überraschung auf, das Verwirrspiel der letzten Abschnitte mutet jedoch nicht vollkommen glaubwürdig an.

    Durch die durchgängig hohe Spannung und den anschaulichen Erzählstil übt die Lektüre auf den (abgebrühten) Leser eine große Faszination aus. Da besonders im mittleren Teil Jugenderinnerungen des Täters direkt ohne spezielle graphische Kennzeichnung in die fortlaufende Erzählung eingeflochten sind, bedarf es der besonderen Aufmerksamkeit des Lesers, um die Orientierung zu behalten.

    Der Charakter der Protagonistin Alexandra ist sehr gründlich ausgearbeitet, die zweite Hauptfigur, Carl Edson, verblasst daneben ein wenig.


    Fazit

    Ein hochspannendes, fesselndes Debüt, allerdings mit expliziten Gewaltdarstellungen und deshalb vor allem für weniger sensible Liebhaber „härterer“ Thriller geeignet!

    8 Punkte

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Berlin 1917: Edith, Margot und Luise könnten unterschiedlicher nicht sein, als sie sich bei der Hebammenausbildung kennenlernen. Was sie jedoch verbindet, ist ihr Wunsch nach Freiheit und Selbständigkeit – als Flucht vor dem dominanten Vater, vor der Armut der Großfamilie oder den Schatten der Vergangenheit. In einer Zeit, in der die Welt im Kriegs-Chaos versinkt, ist die Sehnsucht nach Frieden genauso groß wie das Elend, mit dem die drei Frauen täglich konfrontiert sind. Aber sie geben nicht auf, denn sie wissen, dass sie jeden Tag aufs Neue die Chance haben, Leben zu schenken …


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Hinter Linda Winterberg verbirgt sich Nicole Steyer, eine erfolgreiche Autorin historischer Romane. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern im Taunus und begann im Kindesalter erste Geschichten zu schreiben, ganz besonders zu Weihnachten, was sie schon immer liebte. In der Aufbau Verlagsgruppe liegen von ihr die Romane „Das Haus der verlorenen Kinder“, „Solange die Hoffnung uns gehört“, "Unsere Tage am Ende des Sees", „Die verlorene Schwester“, „Für immer Weihnachten“ sowie der erste Teil der Hebammen-Saga „Aufbruch in ein neues Leben“ vor.


    Allgemeines

    Erster Teil einer Trilogie

    Erschienen am 12. Juli 2019 im Aufbau Verlag als TB mit 400 Seiten
    Gliederung: 41 Kapitel – Nachwort – Danksagung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Neukölln, 1917 – 1918


    Inhalt

    Im Zentrum des Geschehens stehen drei junge Frauen unterschiedlicher Herkunft, die im Jahr 1917 die neugegründete Lehranstalt für Hebammen besuchen möchten. Luise ist als Waise bei ihrer Großmutter, einer Hebamme, auf dem Land aufgewachsen und möchte später in deren Fußstapfen treten. Margot stammt aus einfachsten Verhältnissen und will durch eine qualifizierte Ausbildung ihr Los und das ihrer Familie nach dem „Heldentod“ ihres Vaters verbessern. Edith ist die Tochter eines reichen Unternehmers, sie möchte sich von ihrer versnobten Familie unabhängig machen und ihr Leben durch eine sinnvolle Tätigkeit bereichern. Die drei Frauen freunden sich an und erleben während ihrer Ausbildungszeit viele freudige Momente, aber auch sehr viel Leid.


    Beurteilung

    Die Handlung des Romans spielt vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs, diese Thematik spielt neben der Darstellung der systematischen Ausbildung und Tätigkeit als Hebamme eine wichtige Rolle.

    Die Arbeit der Hebammen (und Ärzte) in der Klinik und auch bei der Fürsorge für die jungen Mütter ist vom kriegsbedingten Mangel am Nötigsten überschattet. Viele Familien haben nicht genug zu essen, es mangelt außerdem an warmer Kleidung, Säuglingsausstattungen und Medikamenten. Viele Frauen müssen ihre Kinderschar allein durchbringen, nachdem der Ehemann im Krieg gefallen ist. Andere Frauen sind in Not geraten, nachdem sie unverheiratet schwanger wurden.

    Die Autorin schildert sehr eindringlich das Leid, das auch die Zivilbevölkerung während der Kriegsjahre durchmachen muss. Die Sterblichkeit unter den Säuglingen liegt aufgrund der kriegsbedingten Umstände bei gut 18 %; im Jahr 1918 kommt es zur Pandemie der Spanischen Grippe, die viele weitere Leben kostet.

    Auch die politische Situation im Land wird beleuchtet, immer mehr Menschen sind des sinnlosen Krieges überdrüssig und wünschen eine Abdankung des Kaisers und die Errichtung einer Republik. Wer sich den Spartakisten anschließt, gilt jedoch als Revolutionär und lebt gefährlich.

    Der Roman ist realitätsnah gehalten, dazu gehört auch, dass es für viele Menschen kein glückliches Ende gibt und der Leser sich von ihm ans Herz gewachsenen Romanfiguren verabschieden muss.

    Die Charaktere der drei Protagonistinnen sind gründlich und individuell ausgearbeitet, man kann sich gut in ihre jeweilige Situation hineinversetzen.

    Der Sprachstil ist flüssig und anschaulich, jedoch stellenweise etwas zu schwülstig und gefühlsüberfrachtet.

    Ein kurzes, aber informatives Nachwort rundet den Roman ab.


    Fazit
    Ein lesenswerter Roman, der eindrücklich das Leben und Leid der Zivilbevölkerung während des Ersten Weltkriegs schildert, wobei besonderes Augenmerk auf die Geburtshilfe und medizinische Versorgung von Müttern und ihren Neugeborenen gelegt wird!

    8 Punkte

    Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)

    Manches ist schlimmer als Mord.

    Emma ist eine liebende Ehefrau – und eine Mörderin. Vor Jahren hat sie ihren Lehrer, der sie als Teenager verführte, erschlagen und auf dem Grundstück ihres Elternhauses vergraben – so glaubt sie zumindest. Als ihr Ehemann Alex eine neue Stelle annimmt, muss Emma ihr Elternhaus verkaufen. Zuvor will sie die Leiche verschwinden lassen. Doch das vermeintliche Grab ist leer. In ihrer Not offenbart sie sich ihrem Ehemann und löst damit etwas aus, das ihre Familie zu zerstören droht.


    Autorin (Quelle: amazon)

    Carolin Mitchell hat lange Jahre als Polizistin gearbeitet und war auf Fälle von häuslicher Gewalt und besonders schweren sexuellen Vergehen spezialisiert. Sie stammt ursprünglich aus Irland und lebt nun mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in einem Dorf an der Küste von Essex.

    Mehr zur Autorin unter http://www.caroline-writes.com.


    Allgemeines

    Titel der Originalausgabe: „Silent Victim“, ins Deutsche übersetzt von Wolfgang Thon

    Erschienen am 14.06. 2019 im Aufbau Taschenbuch Verlag mit 384 Seiten
    Gliederung: Prolog – 81 Kapitel – Anmerkung der Autorin – Danksagungen

    Abwechselnde Ich-Erzählung der drei Protagonisten

    Handlungsort und -zeit: Mersea Island, Essex, 2017, mit zahlreichen Rückblicken auf die Jahre 2002/ 2003 und 2013


    Inhalt und Beurteilung

    Als Emmas Ehemann Alex ein sehr gutes Jobangebot in Leeds erhält und das Haus auf Mersea Island, in dem Emma aufgewachsen ist, verkaufen will, hat Emma ein Problem. 2013 hat sie auf dem Grundstück ihren ehemaligen Lehrer Luke, mit dem sie eine lange Vorgeschichte verband, mit einem Spaten niedergeschlagen und vergraben. Als sie die Leiche vor dem Einzug der neuen Hausbesitzer beiseiteschaffen will, findet sie das Grab leer vor. Gleichzeitig beginnt sie jemand psychisch zu terrorisieren, wobei er auf Dinge Bezug nimmt, die nur Luke wissen kann. Ist es möglich, dass Luke noch lebt oder weiß jemand Anderes von den Ereignissen?

    Emma vertraut sich ihrem Mann an und dieser erfährt plötzlich Dinge aus Emmas Vergangenheit, die ihn glauben lassen, seine Frau nicht zu kennen. Sie hatte eine schwere Kindheit und entwickelte eine Bulimie. Außerdem neigt sie dazu, Probleme zu verdrängen und reagiert zunehmend unüberlegt und hysterisch. Auch Emmas Schwester Theresa teilt Alex Dinge mit, die in ihm Misstrauen aufkommen lassen.


    Emma, Alex und Luke (2002/2003) treten abwechselnd als Ich-Erzähler auf und schildern die Ereignisse der Jahre von 2002 bis 2017 jeweils aus ihrer Perspektive. Dabei ergeben sich Widersprüche und es werden Zweifel am Wahrheitsgehalt der jeweils anderen Erzähler gestreut. Den Leser befällt eine zunehmende Verwirrung, er weiß nicht mehr, wem oder was er noch glauben soll. Besonders Emma gerät in den Verdacht, psychisch instabil und unverlässlich zu sein.

    Der Erzählstil ist ausgesprochen anschaulich und spannend, ohne explizit brutale Schilderungen; es fällt sehr schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Die Autorin hat viel Zeit und Mühe in die Darstellung von Emmas Kindheit und deren Folgen für ihre Psyche investiert, man merkt, wie sehr ihr das Thema jugendlicher Missbrauchs- und Manipulationsopfer am Herzen legt. Insofern geht „Silent Victim“ über einen reinen Unterhaltungsroman hinaus und bietet Diskussionsanreize.

    Einige Dinge, auf die man ohne Spoilergefahr nicht eingehen kann, sind nicht vollkommen glaubwürdig, das tut dem Lesegenuss jedoch keinen Abbruch.


    Fazit

    Rasante (Psycho-)Krimi-Unterhaltung mit einem ernsten Hintergrundthema, sehr lesenswert!

    9 Punkte

    Claudia und Nadja Beinert – Die Kathedrale der Ewigkeit

    Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)

    Uta von Ballenstedt ist überglücklich: Nicht nur ist ihr Traum in Erfüllung gegangen und die Kathedrale von Naumburg vollendet worden, sie darf sich auch Hoffnungen machen, endlich mit ihrem geliebten Hermann vereint zu leben. Doch dann verschwindet Hermann spurlos, und kurz darauf wird eine fast nicht mehr zu erkennende Leiche auf den Burghof gebracht, die Hermanns Kleider trägt. Für Uta bricht die Welt zusammen, und es kommt der Tag, an dem sie sich entscheiden muss: für den Kampf um ihre Liebe oder ihr Lebenswerk - die Kathedrale! Eine einzigartige Reise in das deutsche Mittelalter und ein beeindruckender Roman über die schönste Frau ihrer Zeit. Nach Die Herrin der Kathedrale der zweite Teil der großen Trilogie


    Autorinnen (Quelle: amazon)

    Dr. Claudia Beinert, Jahrgang 1978, ist genauso wie ihre Zwillingsschwester Nadja in Staßfurt geboren und aufgewachsen. Claudia studierte Internationales Management in Magdeburg, arbeitete lange Zeit in der Unternehmensberatung und hatte eine Professur für Finanzmanagement inne. Sie lebt und schreibt in Erfurt und Würzburg.

    Nadja Beinert studierte ebenfalls Internationales Management und ist seit mehreren Jahren in der Filmbranche tätig. Die jüngere der Zwillingsschwestern ist in Erfurt zu Hause.


    Allgemeines

    2.Band der Uta von Naumburg-Trilogie, erschienen 2015 im Weltbild Verlag als HC mit 658 Seiten

    Gliederung: Vorwort – Personenverzeichnis – drei Teile mit insgesamt zehn langen Kapiteln – Nachwort – Glossar, Karte des Salischen Reichs um 1040 im vorderen Einband, Grundriss der Naumburger Kathedrale im hinteren Einband

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Naumburg, in den Jahren 1038 und 1039


    Inhalt

    Der Roman schließt inhaltlich an den ersten Band, „Die Herrin der Kathedrale“, an und es ist sinnvoll, diesen zuvor zu lesen.

    Uta von Naumburg und ihr Schwager Hermann möchten Utas Gatten, den Markgrafen Ekkehard von Naumburg, bitten, einer Ehetrennung zuzustimmen, damit sie heiraten können. Doch bevor Ekkehard eine Entscheidung treffen kann, verschwindet Hermann spurlos. Eine in der Nähe Naumburgs aufgefundene, durch Bisswunden von Wölfen schwer entstellte Leiche, die die Kleidung Hermanns trägt, wird auf dem Schandacker vergraben, da man in der gräflichen Burg davon ausgeht, dass es sich um Hermann handelt, der aus Schwermut die Todsünde des Suizids auf sich genommen habe. Uta glaubt jedoch daran, dass Hermann noch lebt, sie schreckt auch nicht davor zurück, mithilfe einer heilkundigen Klosterfrau den Leichnam gegen das ausdrückliche Verbot König Heinrichs III zu exhumieren, um den Dingen auf den Grund zu gehen.

    Ihre Tat wird entdeckt und fortan wird Uta beschuldigt, einen Fluch auf die Kathedrale herabbeschworen zu haben, denn bei der Fertigstellung der Wandbemalung im Gotteshaus kommt es zu mysteriösen und verstörenden Zwischenfällen.


    Beurteilung

    Der Roman beschäftigt sich neben der fiktiven Liebesgeschichte zwischen Uta und Hermann, die manchmal etwas zu „gefühlsbelastet“ erscheint, vor allem mit der Geschichte und den Techniken der Wandmalerei in der Naumburger Kathedrale. Im Hinblick auf die mittelalterliche Wandmalerei wurde sehr gründlich recherchiert und der Leser erfährt Interessantes zu den verwendeten Farben und ihren - von der jeweiligen Auftragstechnik abhängigen – Effekten.

    Außerdem gibt das Buch einen lebhaften Einblick in das Leben der Menschen verschiedener gesellschaftlicher Schichten (Adelige, Geistlichkeit, Bauern) in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts,

    auch die mittelalterliche Rechtsprechung wird thematisiert. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang die veränderte Einstellung zur Ehe(scheidung), die mit dem zunehmenden Einfluss der Kirche auf Eheschließungen einhergeht.

    Der Leser begegnet in diesem anschaulich und flüssig geschriebenen Roman vielen Figuren aus dem ersten Band wieder, außerdem lernt er hier König Heinrich III näher kennen, den Sohn Konrads II und der Gisela von Schwaben, die in Utas Leben vor ihrer Hochzeit eine wichtige Rolle spielte.

    Ein umfangreiches und sehr informatives Nachwort zu Fakten und Fiktion rundet den Roman ab, außerdem bietet ein ebenfalls umfängliches Glossar Erläuterungen zu den mittelalterlichen Techniken der Wandbemalung.


    Fazit

    Ein unterhaltsamer und auch informativer Roman, der dem Leser das Leben und die sakrale Kunst im Hochmittelalter näherbringt!

    8 Punkte


    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Der neue Thriller von Bestsellerautor Andreas Winkelmann: Seit Wochen hat Viola das Gefühl, verfolgt zu werden. Es ist, als klebe ein Schatten an ihr – immer, wenn sie sich umdreht, ist er verschwunden. Bildet sie sich das nur ein?

    Ihre Freundin ist die einzige, die ihr glaubt. Doch dann meldet sie sich plötzlich nicht mehr.

    Viola bleibt jetzt abends lieber zu Hause. Zum Glück gibt es ja Netflix und den Lieferdienst.

    Die Pizza, die er bringt, wird für immer unangetastet bleiben...

    Der Hamburger Polizeikommissar Jens Kerner hat einen merkwürdigen Fall auf dem Tisch: Eine bleiche, verstörte und vollkommen unterernährte Frau wurde in den Harburger Bergen aufgegriffen. Als er sie verhören will, stirbt sie. Gemeinsam mit seiner Kollegin Rebecca kommt er einem Täter auf die Spur, der so perfide ist, dass es alle Vorstellungen übersteigt. Als die beiden begreifen, mit wem sie es da zu tun haben, ist es schon fast zu spät...


    Autor (Quelle Verlagsseite)

    Andreas Winkelmann, geboren 1968 in Niedersachsen, ist verheiratet und hat eine Tochter. Er lebt mit seiner Familie in einem einsamen Haus am Waldrand nahe Bremen. Wenn er nicht gerade in menschliche Abgründe abtaucht, überquert er zu Fuß die Alpen, steigt dort auf die höchsten Berge oder fischt und jagt mit Pfeil und Bogen in der Wildnis Kanadas.


    Allgemeines

    Erschienen am 18. Juni 2019 im Rowohlt Taschenbuch Verlag mit 400 Seiten
    Gliederung: Prolog – Sechs große Kapitel mit nummerierten Abschnitten – Epilog

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: größtenteils Hamburg und Niedersachsen, in der Gegenwart, mit Rückblenden in die Vergangenheit


    Inhalt

    Der schon aus „Das Haus der Mädchen“ bekannte Hamburger Kommissar Jens Kerner und seine Kollegin Rebecca Oswald bekommen es mit einem mysteriösen Fall zu tun. In einem Wald wird eine „bleiche Frau“ aufgegriffen; bei der abgemagerten und kahlrasierten Person, die immer nur „Darling, Licht meines Lebens“ sagt, handelt es sich um eine seit vier Jahren spurlos verschwundene junge Frau.

    Leider ist von ihr keine Zeugenaussage zu bekommen und sie verstirbt schon bald im Krankenhaus. Dies ist umso bedauerlicher, als in den letzten Jahren weitere junge Frauen auf Nimmerwiedersehen verschwunden sind, deren einziger gemeinsamer Nenner darin besteht, dass sie allesamt besonders attraktiv waren.

    Auch die hübsche Viola May fühlt sich gestalkt. Von der Polizei nicht ernstgenommen, findet sie ihre einzige Unterstützung bei ihrer forschen Freundin Sabine. Doch auch Sabine ist plötzlich verschwunden, als Viola sie am dringendsten braucht…


    Beurteilung

    Die Handlung von „Die Lieferung“ spielt auf mehreren Zeitebenen, darunter hauptsächlich in der Gegenwart (Ermittlungen des Hamburger Kommissariats in den Vermisstenfällen) und in der Vergangenheit, hier wird Einblick in die Kindheit und die Psyche des namentlich nicht genannten Entführers gegeben.

    Der Leser bekommt somit schon vor den Ermittlern einen Einblick in das Leben und das - eher ungewöhnliche - Tatmotiv des Entführers und Mörders, er kennt dessen Identität jedoch nicht und wird vom Autor während dieses wendungsreichen Falls geschickt auf verschiedene falsche Fährten geführt – mit einer gelungenen Überraschung zum Schluss.

    Der Erzählstil ist – wie immer bei Andreas Winkelmann – sehr anschaulich und spannend, Cliffhanger am Ende der Abschnitte sorgen für einen Sog, dem sich der Leser kaum entziehen kann.

    Die Charaktere der Hauptfiguren Jens und Rebecca sind gründlich ausgearbeitet, in deren Verhältnis zueinander setzt sich auch eine Entwicklung seit dem vorherigen Kriminalroman „Das Haus der Mädchen“ fort. Dennoch ist es ohne Weiteres möglich, „Die Lieferung“ zu lesen, ohne den ersten Roman um das Gespann Jens & Rebecca zu kennen.

    Die Ermittlungen sind logisch und nachvollziehbar aufgebaut, bei der Vorgeschichte des Täters gibt es allerdings das eine oder andere Detail, das nicht vollkommen realistisch wirkt.


    Fazit

    Spannende und wendungsreiche Unterhaltung mit einem sympathischen Ermittlerteam, das man gern noch bei weiteren Fällen begleiten möchte!

    8 Punkte

    Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)

    DC Simon Serrailler's last, devastating case was nearly the death of him and left him confronting a new reality

    Recovering on a remote Scottish island, his peace doesn’t last long. He is pulled in to a murder inquiry by the overstretched local police. A newcomer, popular with the islanders, has died in perplexing circumstances. The community's reactions are complicated and fragile.

    It’s good to be back on the job. And when Simon returns to Lafferton, an arsonist is on the rampage and a woman whose daughter disappeared some years before is haunting the police station seeking closure. She will not let it rest, and Simon is called in to do a cold-case review.

    At home, Simon is starting to get used to having a new brother-in-law – in the form of his Chief Constable Kieron Bright. His sister Cat has embarked on a new way of practising medicine, and his nephew Sam is trying to work out what to do with his life. And then their tricky father, Richard, turns up again like a bad penny.

    In this gripping new Serrailler thriller, Simon's personal and professional lives intertwine in more complex and demanding ways than ever before.


    Autorin (Quelle: amazon)

    Susan Hill has been a professional writer for over fifty years. Her books have won awards and prizes including the Whitbread, the John Llewellyn Rhys and the Somerset Maugham, and have been shortlisted for the Booker. She was awarded a CBE in the Queen's Diamond Jubilee Honours. Her novels include Strange Meeting, I’m the King of the Castle, In the Springtime of the Year and A Kind Man. She has also published autobiographical works and collections of short stories as well as the Simon Serrailler series of crime novels. The play of her ghost story The Woman in Black has been running in London’s West End since 1988. She has two adult daughters and lives in North Norfolk.


    Allgemeines

    9. Band der Reihe um Simon Serrailler

    Erschienen am 21. März 2019 bei Vintage als TB mit 384 Seiten
    Gliederung: Prolog – 61 Kapitel

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsorte und -zeit: Hebrideninsel Taransay, Lafferton, Frankreich, 2015


    Inhalt und Beurteilung

    „The Comforts of Home“ ist eher eine Erzählung als ein Krimi, ein sehr fesselnder, aber nicht auf Hochspannung ausgerichteter Roman. Er kann einzeln gelesen werden, es ist jedoch empfehlenswert, ihn im Anschluss an die vorherigen Bände zu lesen, da die komplexe Vorgeschichte der Hauptfiguren fortgesetzt wird. Die Handlung wird in mehreren Erzählsträngen präsentiert, die einander abwechseln und dadurch beim Leser allerhand Konzentration erfordern.


    Simon Serrailler befindet sich nach einem Vorfall, der ihn beinahe das Leben gekostet hätte, und einer schweren Operation zur Erholung auf Taransay. Als dort die vor wenigen Jahren zugezogene Sandy Murdoch ermordet wird, beteiligt sich Simon an den Ermittlungen, obwohl er nicht zur schottischen Polizei gehört und ohnehin noch nicht wieder im Dienst ist.

    Simons Schwester Cat, die als Ärztin in Lafferton praktiziert, hat nach dem Tod ihres ersten Mannes wieder geheiratet und steht vor einer wichtigen beruflichen Neu-Orientierung. In diesem Zusammenhang wird das Problem der seelenlosen „Abfertigungsmedizin“ und auch der „Zwei-Klassen-Medizin“ thematisiert, diese Thematik, die nicht nur den englischen National Health Service (NHS) betrifft, sondern auch in Deutschland aktuell ist, wird differenziert dargestellt.

    Simons und Cats arroganter Vater Richard, der nach (s)einem Prozess, der mit einem Freispruch endete, in Frankreich lebt, kehrt nach Lafferton zurück und lebt aufgrund einer Erkrankung vorübergehend bei Cat, was sich zur Belastung für deren junge Ehe auswächst; auch das ist eine Thematik, mit der sich sicherlich einige Leser identifizieren können.

    In einem weiteren Handlungsstrang geht es um einen alten Vermisstenfall aus Lafferton, in dem Simon erst von Taransay aus im Internet und dann auch vor Ort in Lafferton ermittelt. Der Tatverdächtige sitzt bereits wegen zweier Morde im Gefängnis, aber im Fall der vermissten und mutmaßlich ermordeten Kimberley konnte man ihm die Tat nicht nachweisen. Auf dringenden Wunsch der „verwaisten“ Mutter wendet sich die Polizei wieder diesem Fall zu. Dieser Fall erzeugt dann mit einzelnen Spannungshöhepunkten doch noch das Gefühl, einen Krimi zu lesen.

    Die Charakterisierung der Hauptfiguren ist gelungen und nicht mehr so extrem wie in früheren Bänden, in denen Cat fast als Heilige und Simon fast als Soziopath dargestellt wurden. Dadurch wirken Cat und auch ihre familiären Probleme – ihr ältester Sohn Sam weiß nicht so recht, welche Ausbildung er machen will und ist anfangs wenig engagiert – glaubwürdig.

    Das Ende ist ein wenig zu glatt geraten.


    Fazit

    Ein gelungener Roman, der fesselnde und realitätsnahe Unterhaltung bietet und Freunde der Reihe zufriedenstellen wird! Wer allerdings einen Krimi oder sogar einen Thriller erwartet, dürfte enttäuscht werden.

    9 Punkte

    Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)

    Pest, Syphilis und Aids haben die Menschen in ihren Epochen bedroht, geprägt und in ihrem Bewusstsein Spuren hinterlassen. Eindrucksvoll zeigt Roland Gerste, wie Seuchen und die Krankheiten der Mächtigen zu Entscheidungsfaktoren in der Geschichte wurden – bis heute.

    Eine englische Königin, die das Land zusammen mit ihrem Mann, dem spanischen König, wieder katholisch machen will, scheint schwanger zu sein. Doch es ist ein Tumor – wäre sonst Spanien die Supermacht in unserer Welt? Ein deutscher Kaiser gilt als Hoffnungsträger der Liberalen, könnte Deutschland auf den Weg zu einer konstitutionellen, fortschrittlichen Monarchie führen. Doch er hat Kelhlkopfkrebs, ihm sind nur 99 Tage an der Macht vergönnt - wäre durch ihn der Erste Weltkrieg vermeidbar gewesen? Die Krankheiten von Staatenlenkern haben wiederholt in den Ablauf der Geschichte eingegriffen und die Weichen des Weltgeschehens oft auf dramatische Weise in eine andere Richtung gestellt. Doch Krankheiten bestimmen auch das Leben, die Kultur und das Bewusstsein der Völker. Die Pest und Aids, die Cholera und die Syphilis haben ganze Zeitalter geprägt. Der Arzt und Historiker Ronald D. Gerste nimmt den Leser mit auf eine spannende Reise zu den medizinischen Wegmarken unserer Geschichte.


    Autor (Quelle: amazon)

    Ronald D. Gerste ist Arzt und Historiker; seit seinen Studientagen fasziniert ihn der Einfluss, den medizinische Faktoren auf den Ablauf der Geschichte haben. Seit vielen Jahren lebt er als Korrespondent und Buchautor in Washington, D.C. und schreibt dort vor allem für die »Neue Zürcher Zeitung« und die »FAZ am Sonntag«, für »Damals«, für das »Deutsche Ärzteblatt« und andere wissenschaftliche Zeitschriften. Bei Klett-Cotta sind von ihm Bücher über Amerika und über einen anderen die Geschichte beeinflussenden Faktor – das Wetter – erschienen.


    Allgemeines

    Erschienen am 23. März 2019 bei Klett-Cotta als HC mit 381 Seiten
    Gliederung: Vorwort – 26 Kapitel – Epilog - Anmerkungen – Bildnachweis


    Beurteilung

    Das vorliegende Sachbuch beschreibt in ungemein kenntnisreicher, fesselnder und gelegentlich auch trocken-humorvoller Weise, wie sich seit der Antike diverse Erkrankungen einzelner Persönlichkeiten, aber auch ganzer Bevölkerungsgruppen auf den Verlauf der Geschichte ausgewirkt haben. Bei diesen Betrachtungen hält sich der Autor in den Kapiteln nicht strikt an die chronologische Reihenfolge. So widmet er sich zunächst der Frage, ob die Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts anders verlaufen wäre, wenn der kriegstreibende Kaiser Wilhelm II nicht so jung auf den Thron gelangt wäre, nachdem sein Vater Friedrich III nur 99 Tage nach seinem Amtsantritt als König von Preußen und deutscher Kaiser dem Kehlkopfkrebs erlag. Anschließend begibt Ronald Gerste sich zurück in die Antike, das Mittelalter, die frühe Neuzeit, um sich dann ausführlich mit Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts zu befassen. Bei den „geschichtsbeeinflussenden“ Krankheiten handelt es sich sowohl um Seuchen wie die Pest und weitere pandemische Erscheinungen wie die Syphilis, die Pocken, die Cholera, die Tuberkulose und die Spanische Grippe als auch um individuelle Krankheiten wie Krebs und Gefäßerkrankungen mit ihren verheerenden Folgen (Schlaganfällen).


    Der Autor, der sowohl Historiker als auch Mediziner ist, beschreibt die Pathobiografie mächtiger und einflussreicher Persönlichkeiten und trifft dabei die Feststellung, dass in Bezug auf schwere, eigentlich mit Amtsunfähigkeit einhergehende Erkrankungen von Staatschefs quasi sowohl eine „Lügenpresse“ als auch eine „Lückenpresse“ evident wird. Die Bevölkerung diverser Länder wurde/ wird in vielen Fällen nicht oder bewusst falsch über den - oft sehr kritischen – gesundheitlichen Zustand amtierender oder zukünftiger Staatschefs informiert.


    In den Anmerkungen am Ende des Buchs findet der interessierte Leser Quellenangaben, die zur Lektüre weiterer themenverwandter Sachbücher inspirieren können.


    „Wie Krankheiten Geschichte machen“ ist ein sehr flüssig und anschaulich geschriebenes Sachbuch, das eine gelungene Mischung von Geschichte und Medizingeschichte ebenso unterhaltsam wie informativ darbietet. Für (medizin)historisch Interessierte unbedingt lesenswert!

    10 Punkte

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Türkisblaues Meer, sattgelbe Ginsterbüsche, majestätische Klippen – doch die Idylle auf den Scilly-Inseln trügt …

    Detective Inspector Ben Kitto wollte bei seiner Rückkehr auf die Scilly-Inseln vor Cornwall eigentlich nur eines: zur Ruhe kommen. Seinem Onkel beim Bootsbau helfen, sich vom Inselwind den Kopf freipusten und London hinter sich lassen. Soweit der Plan. Doch bereits bei der Ankunft auf seiner Heimatinsel Bryher wird die 16-jährige Laura Trescothick vermisst und kurz darauf ermordet aufgefunden. Ben meldet sich freiwillig, die Ermittlungen zu übernehmen, aber bald hat er mehr Verdächtige, als ihm lieb ist. Darunter auch Menschen, die er sein Leben lang kennt und die ihm viel bedeuten. Denn in der kleinen Inselgemeinschaft auf Bryher gibt es dunkle Geheimnisse. Und der Täter kann jederzeit erneut zuschlagen.

    Der packende Start einer neuen Krimireihe auf den Scilly-Inseln mit dem charismatischen Ermittler Ben Kitto, der Ruhe sucht und Verbrechen findet.


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Kate Penrose kennt die Scilly-Inseln vor der Küste Cornwalls wie ihre Westentasche. Seit Kindertagen verbringt sie fast jeden Sommer dort und ist jedes Mal aufs Neue fasziniert von dem atemberaubenden Naturparadies. Die Idee für eine Krimiserie mit diesem einzigartigen Schauplatz kam ihr spontan bei einem Restaurantbesuch, und aus ein paar hastig hingekritzelten Stichworten auf der Speisekarte wurde einige Monate später der erste Insel-Krimi. Kate Penrose, die auch unter dem Namen Kate Rhodes schreibt, lebt mit ihrem Mann, dem Autor David Pescod, in Cambridge am Ufer des River Cam.


    Allgemeines

    Erster Band einer Reihe um DI Ben Kitto

    Titel der Originalausgabe: “Hell Bay“, ins Deutsche übersetzt von Birgit Schmitz

    Erschienen am 22. Mai 2019 im Fischer Verlag als broschiertes TB mit 464 Seiten
    Gliederung: Prolog – 56 Kapitel -Danksagung

    Ich-Erzählung von Ben Kitto

    Handlungsort und -zeit: Scilly-Insel Bryher, in der Gegenwart


    Inhalt

    Nachdem DI Ben Kitto in London seine Kollegin Clare auf tragische Weise verloren hat, kehrt er für eine Auszeit vom Dienst zur Insel Bryher, auf der er aufgewachsen ist, zurück. Er ist in Begleitung von Shadow, dem Wolfshund seiner verstorbenen Team-Partnerin. Ben kennt die nicht einmal 100 Bewohner der Insel seit seiner Kindheit und hofft auf ein paar erholsame Wochen. Doch schon bei seiner Ankunft erfährt er, dass die sechzehnjährige Laura, Tochter von Bens Schul- und Jugendfreunden Matt und Jenna, vermisst wird. Nach intensiven Suchaktionen wird das Mädchen ermordet aufgefunden, als Mörder kommt nur ein Inselbewohner in Frage. Ben versucht herauszufinden, wer die schreckliche Tat, die nicht die einzige bleiben wird, verübt haben kann, dabei muss er feststellen, dass es viele Dinge gibt, die er über die ihm vermeintlich gut bekannten Inselbewohner nicht weiß…


    Beurteilung

    „Nachts schweigt das Meer“ ist ein atmosphärischer Krimi, der das Leben auf einer kleinen und nur durch den Fährbetrieb erreichbaren Insel beschreibt, mit dieser Beschreibung ist eine anschauliche Schilderung der Landschaft und Natur verbunden. In dieser abgeschlossenen und überschaubaren Gesellschaft versucht Ben, einen Mörder zu finden. Er spricht wiederholt mit allen Inselbewohnern und erfährt im Laufe der Ermittlungen Dinge über diese, die ihm trotz langjähriger Bekanntschaft vollkommen neu sind und ihn schockieren. Nicht wenige Bewohner haben etwas zu verbergen und zählen schnell zu den Verdächtigen. Die Auflösung ist für den Leser – ebenso wie für Ben - nicht vorzeitig abzusehen, solange das Mordmotiv ungeklärt ist. Die Ermittlungen sind logisch konstruiert und recht breit angelegt, da sowohl eine Beziehungstat aus Eifersucht als auch finanzielle Motive im Zusammenhang mit Drogenschmuggel nicht ausgeschlossen werden können. Die eher langsam voranschreitenden Untersuchungen werden in einem flüssigen und anschaulichen, aber nicht allzu spannenden Erzählstil geschildert.

    Ben Kitto ist ein sympathischer Protagonist, kein Superheld und manchmal etwas leichtsinnig, aber beharrlich und auch einfühlsam und empathisch. Seine Charakterisierung ist – ebenso wie der Kriminalfall - realistisch und nachvollziehbar.

    Als Zusatzmaterial enthält die vordere Umschlagklappe eine Karte der Scilly-Inseln, die dem Leser die Orientierung erleichtert, in der hinteren Umschlagklappe findet man ein Interview mit der Autorin.


    Fazit

    Ein glaubwürdig konstruierter, atmosphärischer Krimi, der ohne brutale Szenen auskommt und damit auch für Freunde „ruhiger“ Kriminalliteratur geeignet ist!

    8 Punkte

    Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)

    A shocking mass murder occurs at a wedding in a small Dales church and a huge manhunt follows. Eventually, the shooter is run to ground and things take their inevitable course.

    But Banks is plagued with doubts as to exactly what happened outside the church that day, and why. Struggling with the death of his first serious girlfriend and the return of profiler Jenny Fuller into his life, Banks feels the need to dig deeper into the murders, and as he does so, he uncovers forensic and psychological puzzles that lead him to the past secrets that might just provide the answers he is looking for.

    When the surprising truth becomes clear, it is almost too late.


    Autor (Quelle: amazon)

    Peter Robinson's DCI Banks is now a major ITV1 drama starring Stephen Tompkinson (Wild at Heart, Ballykissangel) as Inspector Banks, and Andrea Lowe (The Bill, Murphy's Law) as DI Annie Cabbot.

    Peter's standalone novel BEFORE THE POISON won the IMBA's 2013 Dilys Award as well as the 2012 Arthur Ellis Award for Best Novel by the Crime Writers of Canada. This was Peter's sixth Arthur Ellis award. His critically acclaimed DCI Banks novels have won numerous awards in Britain, the United States, Canada and Europe, and are published in translation all over the world.

    Peter grew up in Yorkshire, and now divides his time between Richmond and Canada. Peter keeps a website at http://www.inspectorbanks.com.


    Allgemeines

    24.Band der Reihe um Alan Banks

    Erschienen am 31.05.2018 bei Hodder Paperback als TB mit 384 Seiten
    Gliederung: 17 Kapitel – Danksagung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Eastvale, Winter 2014/15


    Inhalt

    Die Hochzeit von Laura Tindall und Benjamin Kemp endet in einem Blutbad. Ein Sniper eröffnet das Feuer auf die Festgesellschaft, es gibt mehrere Tote, darunter das Brautpaar, und Schwerverletzte.

    Ein im Ruhestand befindlicher Zahnarzt, der sich kurz darauf das Leben nimmt, ist augenscheinlich der Täter, denn bei ihm wird die Tatwaffe gefunden. Die Ermittler der Mordkommission können allerdings keinerlei Bezug zwischen dem Verstorbenen und den Mitgliedern der Hochzeitsgesellschaft und damit auch kein Mordmotiv eruieren, Befragungen von Bekannten und Verwandten des Zahnarztes ergeben außerdem keinerlei Hinweise darauf, dass dieser psychisch gestört oder aggressiv war. Vielmehr kommt der Verdacht auf, dass der Zahnarzt ermordet und als Sündenbock präsentiert wurde.

    Für die Polizei ist es nun äußerst schwierig, herauszufinden, welches Mitglied der Hochzeitsgesellschaft das eigentliche Ziel des Snipers war und weshalb dieser mehrere Menschen ermordete. Eine der Spuren führt zu einem alten Mordfall, der sich 1964 ereignete…


    Beurteilung

    Der Kriminalfall ist gut konstruiert und wird anschaulich, wenn auch nicht übermäßig spannend, geschildert. Im Mittelpunkt steht diesmal neben Alan Banks und Annie Cabbot die junge Kollegin Gerry Masterson. Neben den Mordermittlungen spielt das psychische Befinden von Banks eine größere Rolle. Seine Jugendliebe Emily, die er seit mehr als 40 Jahren nicht gesehen hat, ist verstorben und dieser Todesfall setzt ihm mehr zu als nachvollziehbar erscheint. Die fortlaufende, logisch und glaubwürdig präsentierte Ermittlung wird immer wieder von Banks Reminiszenzen unterbrochen, was überflüssig und spannungshemmend wirkt. Außerdem taucht die Polizeipsychologin Jenny Fuller, mit der Banks eine Vorgeschichte verbindet, nach vielen – in Australien verbrachten – Jahren aus der Versenkung auf, ein weiterer Handlungsstrang, der vom Hauptgeschehen ablenkt! Allerdings dienen Banks Jugenderinnerungen immerhin dazu, ein detailliertes Bild seiner Persönlichkeit zu vermitteln.

    Trotz der Bezugnahme auf vergangene Privatangelegenheiten der Ermittler kann man den Roman auch ohne Vorkenntnisse der Reihe um Alan Banks problemlos lesen und verstehen.


    Fazit

    Gut konstruierte Krimi-Unterhaltung, die etwas weniger Beschäftigung mit Alan Banks Privatleben und etwas mehr Spannung vertragen hätte!

    7 Punkte

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Hätte ich ihr den Heiratsantrag einen Moment früher gemacht, wäre das nie passiert. Wir wären nicht angegriffen worden, und sie wäre nicht für immer aus meinem Leben verschwunden.

    Zehn Jahre nach dem Verschwinden seiner Verlobten Ewa ist Damian Werner ein Schatten seiner selbst. Er ist sich sicher, dass er sie nie wiedersehen wird. Eines Tages stößt er jedoch auf eine Spur – jemand sucht nach Ewa und hat ein Bild von ihr ins Netz gestellt. Kurz darauf postet der Unbekannte ein weiteres Foto. Wer sucht die junge Frau? Und kann es nach all den Jahren wirklich Ewa sein? Damian und Ewa waren bereits als Kinder unzertrennlich, sie hatten keine Geheimnisse voreinander. Doch als Damian weitere Nachforschungen anstellt, muss er feststellen, dass er seine große Liebe wohl doch nicht so gut kannte, wie er immer gedacht hatte.


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Remigiusz Mróz, geboren 1987, hat einen Ph.D. in Jura und gab seine Anwaltskarriere auf, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Mit gerade mal 30 Jahren hat er bereits 25 Bücher veröffentlicht, darunter eine Justizthrillerreihe, die sich allein in Polen über 1,5 Millionen Mal verkauft hat und die für das Fernsehen verfilmt wird. In Polen ist jedes seiner Bücher auf Platz 1 der Bestsellerliste.


    Allgemeines

    Titel der Originalausgabe: „Nieodnaleziona“, ins Deutsche übersetzt von Marlena Breuer und Jakob Walosczyk

    Erscheinungstermin: 21. Mai 2019 im Rowohlt Taschenbuch Verlag mit 352 Seiten
    Gliederung: Roman in drei Teilen mit jeweils ab 1 nummerierten Kapiteln – Autorennachwort

    Abwechselnde Ich-Erzählung von Damian Werner und Kasandra Reimann

    Handlungsort und -zeit: Verschiedene Orte in Polen, in der Gegenwart


    Inhalt

    Vor zehn Jahren hat Damian Werner seine Verlobte Ewa verloren. An dem Abend, als er ihr den Heiratsantrag machte, wurde das junge Paar von einer Männergruppe überfallen, Damian wurde bewusstlos geschlagen, Ewa vergewaltigt und entführt. Damian hat Ewa nie vergessen und glaubt daran, dass sie noch lebt. Als ein guter Freund im Internet ein Foto von einem Popkonzert findet, auf dem eine Frau zu sehen ist, die Ewa sein könnte, ist Werner entschlossen, sich auf die Suche zu machen.

    Deshalb kontaktiert er eine Detektivfirma namens Reimann Investigations, die ausschließlich über das Internet arbeitet. Wie er bald feststellen muss, hilft Kasandra, die Ehefrau des Inhabers, ihm nicht uneigennützig und auch nicht nur des möglichen Verdienstes wegen…


    Beurteilung

    Der Kriminalroman setzt sich aus zwei Handlungssträngen zusammen, in denen die jeweilige Hauptfigur als Ich-Erzähler*in auftritt. Damian berichtet darüber, wie das Verschwinden seiner Verlobten sich auf sein Leben ausgewirkt hat und wie er – motiviert durch eine Entdeckung seiner Freundes – auf die Suche nach Ewa geht; eine Suche, die einer Schnitzeljagd gleicht, denn Ewa, die sich offenbar vor einer kriminellen Organisation verstecken muss, führt ihn durch „Hinweise“ kreuz und quer durch das Land.

    Kasandra Reimann führt nur tagsüber das scheinbar perfekte Leben mit Mann und Sohn in einer schicken Villa. Nachts ist sie den Misshandlungen ihres gewalttätigen Ehemannes ausgesetzt. Der Leser fragt sich fassungslos, weshalb sie in dieser Situation ausharrt; die Vorahnung, dass es zu einer Eskalation kommen muss, sorgt für ein hohes Spannungsniveau. Der gesamte Roman ist in einem fesselnden und spannungsvollen Erzählstil verfasst, die Schilderungen der Misshandlungen sind äußerst drastisch und selbst für routinierte Thrillerleser nur schwer zu ertragen. Sensiblen Lesern muss deshalb von diesem Buch eher abgeraten werden. Die Geschichte der Kasandra Reimann ist umso erschütternder, als der Autor im Nachwort erklärt, dass in Polen jede Woche drei Frauen infolge häuslicher Gewalt versterben und 700 000 bis 1 000 000 Polinnen von ihren Männern misshandelt werden.

    „Die kalten Sekunden“ ist ein intelligent konstruierter, wendungsreicher Krimi, dessen Ausgang der Leser nicht vorzeitig absehen kann. Der anschauliche Sprachstil und die differenzierte Ausarbeitung der Charaktere bewirken, dass der Leser das Buch trotz der schwer zu ertragenden Szenen ungern aus der Hand legt.


    Fazit

    Ein wendungsreicher, spannender Kriminalroman mit traurigem Realitätsbezug, äußerst fesselnd, aber aufgrund expliziter Gewaltdarstellungen für sensible Leser weniger geeignet!

    8 Punkte

    Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)

    How can you uphold a lie when you know it might destroy your family?

    It is 1356, seven years since the Black Death ravaged Meonbridge, turning society upside down. Margaret, Lady de Bohun, is horrified when her husband lies about their grandson Dickon’s entitlement to inherit Meonbridge. She knows that Richard lied for the very best of reasons – to safeguard his family and its future – but lying is a sin. Yet she has no option but to maintain her husband’s falsehood...

    Margaret’s companion, Matilda Fletcher, decides that the truth about young Dickon’s birth really must be told, if only to Thorkell Boune, the man she’s set her heart on winning. But Matilda’s “honesty” serves only her own interests, and she’s oblivious to the potential for disaster.

    For Thorkell won’t scruple to pursue exactly what he wants, by whatever means are necessary, no matter who or what gets in his way…


    Autorin (Quelle: amazon)

    Carolyn Hughes was born in London, but has lived most of her life in Hampshire. After a first degree in Classics and English, she started her working life as a computer programmer, in those days a very new profession. It was fun for a few years, but she left to become a school careers officer in Dorset.

    But it was when she discovered technical authoring that she knew she had found her vocation. She spent the next few decades writing and editing all sorts of material, some fascinating, some dull, for a wide variety of clients, including an international hotel group, medical instrument manufacturers and the Government.

    She has written creatively for most of her adult life, but it was not until her children grew up and flew the nest, several years ago, that creative writing and, especially, writing historical fiction, took centre stage in her life.

    She has a Masters in Creative Writing from Portsmouth University, and a PhD from the University of Southampton.


    Allgemeines

    3.Band der Meonbridge Chronicles

    Erschienen am 3.Mai 2019 bei Riverdown Books als E-Book mit einem Umfang entsprechend 394 Seiten
    Gliederung: Prolog – 36 Kapitel – Epilog – Glossar – „A message from the author“

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Meonbridge, fiktives Dorf in Hampshire, 1356 bis 1358


    Inhalt

    Die Handlung des dritten Bandes knüpft lose an die Geschichte der beiden vorherigen Bände „Fortune´s Wheel“ und „A Woman´s Lot“ an. Seit den Ereignissen des zweiten Bandes sind zwei weitere Jahre vergangen. Sir Richard de Bohun wird von der Frage der Erbregelung für seine Ländereien umgetrieben. Seit sein Sohn Philip ermordet wurde, dessen schwangere Frau an der Pest verstarb und auch noch seine Tochter Johanna ins Kloster ging, hat er keinen rechtmäßigen Erben mehr. Um seinen illegitimen Enkel Dickon, Sohn von Philip und der Dorfbewohnerin Agnes, zum Erben zu machen, versucht Sir Richard, den Enkel als ehelichen Sohn Philips auszugeben und behauptet, dessen Mutter Isabella sei bei der Geburt verstorben.

    Er hat die Rechnung ohne Sir Morys Boune und dessen Söhne Gunnar und Thorkell gemacht, Sir Morys wäre als entfernter Cousin der nächste Erbe des Grundbesitzes der de Bohuns.

    Nachdem die Männer auf legalem Wege keinen Erfolg mit der Einklage des Erbes hatten, schmieden sie finstere Pläne, dieses gewaltsam in ihren Besitz zu bringen. Thorkell bedient sich dabei der Hilfe der verliebten Matilda Fletcher, die von Lady Margaret großherzig in ihr Haus aufgenommen wurde.


    Beurteilung

    Der dritte Band der Reihe, den man möglichst im Anschluss an die beiden ersten Bände lesen sollte, beschäftigt sich nicht mehr mit dem Leben der einfachen Dorfbewohner, sondern wendet sich der Familie des Grundherrn Sir Richard de Bohun zu. Hier wird deutlich, wie wichtig es für Adelige und Reiche ist, legitime Erben zu haben. Durch die Machenschaften skrupelloser Verwandter, die auf die Ländereien der de Bohuns spekulieren und die dabei auch nicht vor Mord zurückschrecken, verläuft in diesem Roman die Spannungskurve wesentlich steiler als in den vorherigen Bänden.

    Die Charaktere der Romanfiguren sind sehr gründlich und größtenteils glaubwürdig ausgestaltet, lediglich Sir Morys wird als Scheusal ohne jegliche menschliche Regung etwas zu sehr als Bösewicht präsentiert. Auch Matilda Fletcher ist keine Sympathieträgerin, ihr Verhalten ist jedoch in gewisser Weise angesichts ihrer Vorgeschichte nachvollziehbar.

    „De Bohun´s Destiny“ ist in einem sehr anschaulichen Sprachstil geschrieben und bietet dem Leser einen interessanten Einblick in die Sitten und Rechtsbräuche des 14. Jahrhunderts.

    Laut Aussage der Autorin im Anhang ist bereits ein vierter Band in Arbeit, der Leser darf sich also auf ein Wiedersehen mit den Bewohnern von Meonbridge freuen.


    Fazit

    Eine sehr gelungene, spannend unterhaltende Fortsetzung der „Meonbridge Chronicles“, die sich im vorliegenden dritten Band mit der Familie des Grundherren Sir Richard und deren Belangen befasst!

    9 Punkte

    Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)

    […] Die Vergangenheit ist ein fremdes Land.

    Leo Colston ist ein Mann fortgeschrittenen Alters, als er in einem alten roten Karton auf sein Jugendtagebuch stößt. »Tagebuch für das Jahr 1900« steht darauf, und dieser Fund lässt Leo Colston in Gedanken zurückgehen in jenen Sommer 1900, als er dreizehn war:

    Während der Ferien auf dem Landgut der Eltern seines Schulfreundes wird Leo zum Überbringer heimlicher Liebesbotschaften zwischen Ted, dem Pächter, und Marian, der schönen Tochter des Schlossherrn, deren Verlobung mit Lord Trimingham kurz bevorsteht. Gegen seinen Willen zieht es Leo immer tiefer in den Strudel des gefährlichen Spiels von Verlangen und Verrat, von versprochener und verbotener Liebe, und schließlich steht er vor der ersten großen Gewissensentscheidung seines jungen Lebens.

    Ein Sommer in Brandham Hall ist ein raffiniert konstruierter Roman über die Strapazen des Erwachsenwerdens und die Gefühlswirren der Jugend, eine fein beobachtete Gesellschaftsanalyse und eine wunderbare Liebesgeschichte. […]


    Autor (Quelle: amazon)

    Leslie Poles Hartley, 1895 in Whittlesey in England geboren, studierte neuere Geschichte in Oxford und machte sich einen Namen als Literaturkritiker, bevor er sein preisgekröntes Debüt Das Goldregenhaus schrieb. Der eigentliche Durchbruch gelang ihm jedoch erst 1953 mit Ein Sommer in Brandham Hall, einer der schönsten englischen Romane des 20. Jahrhunderts. 1972 starb Hartley im Alter von 76 Jahren in London.


    Allgemeines

    Titel der Originalausgabe: „The Go-Between“ (Erstveröffentlichung 1953), aktuelle Übersetzung von Wibke Kuhn

    Erscheinungstermin: 2. Mai 2019 im Eisele Verlag als HC mit 400 Seiten
    Gliederung: Prolog – 23 Kapitel – Epilog

    Ich-Erzählung von Leo Colston

    Handlungsort und -zeit: Brandham Hall, England, im Sommer 1900


    Inhalt

    Als Mann von 65 Jahren stößt Leo Colston auf ein Tagebuch, das er als zwölfjähriger Junge geführt hat, als er von seinem Internatsfreund Marcus Maudsley eingeladen wurde, im Sommer 1900 ein paar Wochen bei dessen Familie in Brandham Hall zu verbringen.

    Leo ist ein argloser, naiver Junge, der die Ferien bei der wohlhabenden Familie genießt, er schwärmt auf seine kindliche Weise für Marian, die ältere Schwester seines Freundes und idealisiert sie. Er ist auch von Lord Trimingham, einem Grafen, den Marian auf Wunsch ihrer Mutter heiraten soll, beeindruckt. Und er mag den Bauern und Pächter der Maudsleys, Ted Burgess, in dessen Scheune er gern spielt. Die Fassade eines perfekten Sommers bekommt erste Risse, als Marian und Ted Leo damit beauftragen, Briefe hin und her zu transportieren. Zunächst glaubt er trotz der Heimlichkeiten, es handle sich um „geschäftliche“ Briefe, doch als er einmal - eher zufällig – einen Blick auf die ersten Zeilen eines Briefes erhascht, wird ihm klar, dass zwischen Ted und Marian eine Beziehung besteht, die das Tageslicht scheuen muss. So bekommt er einen ersten Einblick in die Welt der Erwachsenen und gerät in einen Gewissenskonflikt, da er sowohl Marian und Ted als auch Lord Trimingham mag und sich den Gastgebern, Marians Eltern, verpflichtet fühlt. Außerdem schockiert ihn die Erkenntnis, dass die von ihm idealisierte Marian durchaus berechnend ist und sich nicht nur um seiner selbst willen mit ihm beschäftigt.


    Beurteilung

    Der Prolog gibt einen Einblick in das Leben eines Internatsschülers im England des Jahres 1900, er schildert den noch kindlichen Charakter des Ich-Erzählers Leo Colston und erklärt, wie es zu dessen Besuch in Brandham Hall kommt. Der Hauptteil, der sich mit Leos Besuch bei der Familie seines Schulfreundes befasst, lässt den Leser anschaulich und eindrücklich zum Zeugen einer Entwicklung werden, während der Leo vom naiven Kind zum Jugendlichen wird, der erstmals einen Blick in die Welt der Erwachsenen werfen kann und den das – bis dahin uninteressante – Thema des „Herumpoussierens“ beschäftigt. Was in einem in der Gegenwart spielenden Roman unglaubwürdig wirken würde, erscheint vor dem Hintergrund der geschilderten Zeit, dem letzten Jahr der Regentschaft von Queen Victoria, absolut realistisch: Leo ist nicht nur kindlich, sondern offenbar über die Beziehungen zwischen Mann und Frau völlig unaufgeklärt. Trotzdem entwickelt er instinktiv ein feines Gespür für Recht und Unrecht, sein Gewissenskonflikt wird großartig verdeutlicht.

    Als es in Brandham Hall zum Eklat kommt, ist der Junge psychisch überfordert. Erst in der Retrospektive als reifer Mann kann er die Vorfälle des Sommers 1900 zuordnen und er reist im Jahr 1952 noch einmal nach Brandham Hall, um zu erfahren, wie es den am damaligen Drama Beteiligten seither ergangen ist. Dieser Epilog gibt auch dem Leser einen Abschluss und beantwortet Fragen, über deren Antworten er vorher nur spekulieren konnte.


    Fazit

    Ein sehr lesenswerter Roman der leisen Töne, der einen einfühlsamen Einblick in die Gefühlswelt und Reifung eines zwölfjährigen Jungen an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gibt!

    9 Punkte

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Ein Mörder wählt seine Opfer scheinbar zufällig aus. So hinterlässt er keine Spuren. Kommissar Fabian Risk und das Helsingborger Kommissariat stehen vor einem Rätsel.

    Helsingborg ist nicht mehr der idyllische Ort an der schwedischen Küste, der er mal war. Während eine Reihe von Morden die Stadt erschüttert, kämpft Kommissar Fabian Risk gegen sein ganz persönliches Leid: Seine Familie droht an seiner Arbeit als Mordermittler zu zerbrechen. Aber sein Job ist sein Leben. Er kann nicht anders und nimmt sich der Aufklärung der Morde an, doch er findet keine Spur. Risk und seine Kollegen ahnen nicht, dass der Täter seine Opfer durch ein Würfelspiel rein zufällig auswählt, genau wie die Mordwaffe und den Tatort. So lassen sich keinerlei Verbindungen zu ihm herstellen. Wird dieser Fall ungelöst bleiben?


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Stefan Ahnhem ist einer der erfolgreichsten Krimiautoren Schwedens. Seine Bücher sind allesamt Bestseller und preisgekrönt. Bevor Ahnhem begann, selbst Krimis zu schreiben, verfasste er Drehbücher unter anderem für die Filme der Wallander-Reihe. Er lebt mit seiner Familie in Kopenhagen.


    Allgemeines

    Vierter Band der Reihe um Fabian Risk

    Titel der Originalausgabe: „Motiv X“, ins Deutsche übersetzt von Katrin Frey

    Erscheinungstermin: 2. Mai 2019 bei Ullstein als TB mit Klappbroschüre und 496 Seiten
    Gliederung: Prolog – Zwei Teile mit 88 Kapiteln – Danksagung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Helsingborg, im Sommer 2012 (Prolog: ca. 2007)


    Inhalt

    Die Handlung setzt sich aus mehreren unterschiedlichen Handlungssträngen zusammen, die Fortsetzungen der Geschichte(n) aus den vorhergehenden drei Bänden darstellen, deshalb sollte man möglichst nicht mit dem vierten Band in die Reihe einsteigen.

    Fabian Risk ist beurlaubt, da er bei einem schrecklichen Vorfall einen Monat zuvor beinahe seine Tochter Matilda verloren hat. Auch sein Sohn Theodor leidet noch unter diesen Ereignissen. Während Fabian sich um seine Familie zu kümmern versucht, ermittelt er gleichzeitig im Geheimen gegen seinen Kollegen Ingvar Molander, den er für einen Mörder hält.

    Seine Kollegen haben es unterdessen mit einer merkwürdigen Mordserie zu tun, bei der sehr unterschiedliche Opfer auf ebenso unterschiedliche Art scheinbar völlig ohne Motiv getötet werden.

    Bei einem der Mordopfer handelt es sich um ein syrisches Flüchtlingskind, deshalb denken die Mitglieder der Mordkommission zunächst an ein rassistisches Motiv. Allerdings treibt auch ein psychisch gestörter Pädophiler in Helsingborg sein Unwesen – so hat die personal unterbesetzte Abteilung viel Arbeit vor sich.


    Beurteilung

    Ohne Vorkenntnisse der Reihe dürfte es schwierig sein, der Handlung vollständig zu folgen. Auch mit entsprechenden Kenntnissen bedarf es erhöhter Konzentration, den Überblick zu behalten. Alle Handlungsstränge – sowohl diejenigen um das Privatleben und die familiären Probleme der Ermittler als auch diejenigen um die Morde – sind sehr spannend, durch den häufigen Perspektivwechsel und Cliffhanger am Ende der Kapitel bleibt das Interesse des Lesers durchgängig erhalten. Auch der fesselnde Erzählstil trägt dazu bei, dass man den Kriminalroman ungern aus der Hand legt.

    Der Autor nimmt sich viel Zeit für die Charakterdarstellung seiner Hauptfiguren, deren persönliche und politische Einstellungen immer wieder Auswirkungen auf ihre Arbeit haben und gelegentlich zu einem Tunnelblick führen, wenn z.B. eine Kommissarin, die nichts mehr hasst als Rechtspopulisten, einen verengten Blickwinkel entwickelt und außer Rassismus kein anderes mögliches Mordmotiv mehr sehen will. Interessant ist der Einblick in die Psyche eines Mörders, der seine Opfer durch Würfeln aussucht, er ist offenbar der Meinung, von den Würfeln „Aufträge“ zu erhalten. Zu dieser Persönlichkeitsstörung hätte man gern – gegebenenfalls in einem Nachwort – nähere Informationen bekommen.

    Wie die meisten skandinavischen Kriminalromane spricht auch „10 Stunden tot“ aktuelle gesellschaftliche Probleme an, neben dem Erstarken rechtsgerichteter Parteien (Schwedendemokraten) und rechtsradikaler Gruppierungen im Untergrund wird auch der zu lasche Umgang mit Pädophilen, die eigentlich in die geschlossene Psychiatrie gehören, aber auf freiem Fuß sind, thematisiert.

    Die Handlung ist nicht in allen Einzelheiten glaubwürdig, das schadet dem Unterhaltungswert jedoch nicht. Der Roman ist nicht in sich abgeschlossen, mehrere Handlungsstränge enden offen…und in einem kritischen Moment, sodass zu hoffen bleibt, dass der fünfte Band nicht lange auf sich warten lassen wird.


    Fazit

    Spannende Unterhaltung, der Leser sollte auf jeden Fall Vorkenntnisse aus den ersten drei Bänden mitbringen!

    8 Punkte

    Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Der größte Zauberer seiner Zeit: Doktor Faust.

    Gretchen: alles andere als unschuldig.

    Die junge Novizin Margarete hat ein Laster: Wissbegier. Nicht einmal ihr geschätzter Beichtvater, der berühmte Schriftgelehrte Trithemius, will ihr einen Funken Entfaltung zugestehen. Sie streift den Habit ab – und flieht aus dem Kloster. Auf einem Markt in Heidelberg lernt sie den erfolglosen Astrologen und Alchimisten Georg Helmstetter kennen und schließt sich ihm an. Unter dem Namen Doktor Faustus schlagen sie sich als wandernde Zauberkünstler durch, bis Margarete Zweifel kommen. Ist der Mann an ihrer Seite nicht vielmehr ein Meister des Betrugs? Schmähschriften tauchen auf, die Faust im Pakt mit dem Teufel zeigen. Margarete bleibt. Und muss diese Entscheidung teuer bezahlen …


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Roman Rausch, 1961 in Mainfranken geboren und aufgewachsen, arbeitete nach dem Studium der Betriebswirtschaft im Medienbereich und als Journalist. Für seine Würzburger Kommissar-Kilian-Krimis wurde er 2002 auf der Leipziger Buchmesse und 2011 mit dem Weintourismuspreis ausgezeichnet. 2015 folgte der Bronzene HOMER für «Die letzte Jüdin von Würzburg». Er lebt als Autor und Schreibcoach in Würzburg und Berlin.


    Allgemeines

    Erscheinungstermin: 16.04.2019 im Rowohlt Taschenbuch Verlag, 464 Seiten
    Gliederung: Prolog – Zwei Teile mit insgesamt 32 Kapiteln – Anmerkungen

    Ich-Erzählung der Margarete

    Handlungsorte und -zeit: Verschiedene Orte im Gebiet (des heutigen) Deutschlands, ca. Jahrhundertwende vom 15. zum 16. Jahrhundert bis 1540


    Inhalt

    Margarete, Tochter adeliger Eltern, ist von diesen gegen ihren Willen ins Kloster gebracht worden. Das junge Mädchen eckt mit ihrem Freiheits- und Wissensdrang dort ständig an, denn sie interessiert sich für viele Dinge, die einer frommen Novizin nicht anstehen – besonders die Astrologie. Auch ihr Beichtvater, der Abt Johannes Trithemius kann sie nicht dazu bewegen, sich mit dem Klosterleben zu versöhnen.

    Als es Margarete gelingt, aus dem Kloster zu fliehen, trifft sie auf den Alchimisten Georg Helmstetter, der sich auch Sabellicus nennt und später unter dem Namen Johann Georg Faust berüchtigt werden wird. In ihm meint sie, eine verwandte Seele gefunden zu haben, deshalb zieht sie mit ihm durch das Land. Sie machen Experimente und treten als „Zauberkünstler“ auf, Sabellicus behandelt gelegentlich auch Kranke, während Margarete Horoskope erstellt. Als Sabellicus sich der Nekromantie zuwendet und durch dieses Gebaren seine Kunden täuscht, betrügt und in Gefahr bringt, kommt es zum Bruch zwischen Margarete und ihm. In den Jahren nach ihrer Trennung tritt Sabellicus immer wieder unter dem Namen „Johann Faust“ – einst Erfindung und Pseudonym von Margarete – auf und gelangt durch immer übertriebenere, auf Flugblättern verbreitete Geschichten zu zweifelhaftem Ruhm.

    Doch nicht allein deshalb hasst ihn Margarete und folgt seiner Spur viele Jahre, um an ihm Rache zu nehmen…


    Beurteilung

    Über den historischen Faust ist nicht allzu viel bekannt, seine Legende beruht auf vielen Übertreibungen und Ausschmückungen. Der Brief (1507) von Trithemius an den Arzt und Astrologen Johann Virdung stellt allerdings eine gute Quelle für die Geschichten dar, die über Faust – nicht zuletzt durch seinen scharfen Kritiker Trithemius selbst – in Umlauf gebracht wurden. Der seinerzeit noch junge Buchdruck ermöglicht die rasante Verbreitung der Geschichte Fausts durch Flugblätter, Drucker verdienen mit der Erfindung immer spektakulärerer „Storys“ viel Geld – Parallelen zum 21. Jahrhundert sind durchaus erkennbar.

    Vor dem gut recherchierten Hintergrund des frühen 16. Jahrhunderts entwirft der Autor das fiktiv ausgestaltete Leben des Johann Georg Faust, der Leser begegnet dabei vielen realen historischen Persönlichkeiten, darunter Joß Fritz, Martin Luther und seinen Freunden im Schwarzen Kloster zu Wittenberg. Die Unruhen (Bauernkriege, Religionskonflikte) und die daraus resultierenden Grausamkeiten der Zeit werden anschaulich geschildert und vermitteln ein düsteres Bild dieser Epoche, in der die Welt im Wandel vom Mittelalter zur frühen Neuzeit begriffen ist.

    Sowohl Sabellicus als auch die Ich-Erzählerin Margarete sind in ihren Charakteren detailliert und facettenreich ausgestaltet.

    Es wäre hilfreich gewesen, wenn die Kapitel des Romans statt mit Überschriften mit Orts- und Zeitangaben versehen worden wären und wenn eine Landkarte des 16. Jahrhunderts vorhanden wäre. Ohne dieses Zusatzmaterial fällt es nicht ganz leicht, sich chronologisch und geografisch zu orientieren, da die Handlung einen großen Zeitrahmen umfasst und an vielen verschiedenen Orten spielt.

    Die Anmerkungen des Autors im Anhang werfen ein Licht auf verschiedene Interpretationen der Persönlichkeit Fausts zwischen wissenschaftlichem Bestreben einerseits und Teufelspakt andererseits.


    Fazit

    Eine lesenswerte literarische Ausgestaltung des Lebens von Johann Georg Faust vor dem Hintergrund der unruhigen ersten Hälfte des 16.Jahrhunderts!

    8 Punkte