Beiträge von hollyhollunder

    Ich bingespannt, wie es hier weitergeht, denn kurz vor ihrem geplantenAufbruch wird ihr ja die kleine Amita vor die Türe gelegt. Ich hattemich vorher schon gewundert, warum Gesa ein Kind adoptiert, wo ihreEhe doch zerrüttet ist und alles in ihr „Weg hier!“ schreit.

    Ich tippe mal darauf, dass es Ravis uneheliches Kind ist. Und ich fürchte, dass jetzt alle Zukunftsplänen mit James wieder ad acta gelegt werden.

    Ichgebe zu, dass ich ab und an irritiert bin, da dieses Buch auf sovielen verschiedenen Zeitebenen stattfindet. Ich muss mich da echtimmer sortieren, „wann“ ich gerade bin und wie alt dieentsprechenden Protagonisten in diesem Abschnitt gerade sind.

    Das geht mir hi und da, wenn ich schnell weiterlese, auch so. Es ist toll, dass beide Hauptstränge so spannend sind, aber irgendwie fällt mir der Wechsel emotional auch schwer. Hab mir zwischendrin gedacht, man hätte da zwei Bücher draus schreiben können und dafür dann diese noch intensiver und ausführlicher.

    Ravi ist und bleibt ein Ekel, kann man einfach nicht anders sagen, bei Paula bin ich aber anderer Meinung. Klar, man belauscht keine Gespräche und fremde Briefe liest man schonmal grad gar nicht, trotzdem finde ich Paulas Verhalten nicht so schrecklich. Ich habe bei den ganzen verschiedenen Zeitebenen den Überblick verloren, wie alt sie in dem Moment ist, auf jeden Fall noch ein Teenager, der umbedingt wissen möchte, was mit ihrer Freundin, ihrem Vorbild passiert ist, da kann ich verstehen und verzeihen, dass sie lauscht und Briefe öffnet.

    Das habe ich auch so empfunden. Ich glaube sie ist dreizehn :/ auf jeden Fall noch ein Kind. Und auch ein sehr kindliches Kind. Das "harte" Leben hat sie nie gesehen. Es wird vor ihr geheim gehalten. Auch ihre Liebe zu Tara - zur großen wunderbaren Tara - ist sehr kindlich-naiv.


    Taras Schicksal berührt umso mehr, da sie ja Gesas Kind ist und man gehofft hätte, dass Gesa für sie mehr Freiheit und Selbstbestimmung erwirken kann.

    Hier schon mal die Einteilung, die ich nach Absprache mit Melanie so an Wolke schicken werden.


    Abschnitt 1: Seiten 001 – 100 (Kapitel 1 – 10)

    Abschnitt 2: Seiten 102 – 201 (Kapitel 11 – 24)

    Abschnitt 3: Seiten 202 – 298 (Kapitel 25 – 39)

    Abschnitt 4: Seiten 299 – 383 (Kapitel 40 – 52)

    Abschnitt 5: Seiten 384 – 464 (Kapitel 53 – Ende)

    DasSchlimmste von allem ist aber, wie er Madhavi „weggesperrt“ hat,damit sie aus dem Weg ist. Hier finde ich sehr schön, dass Gesa imRahmen ihrer Möglichkeiten alles tut, um für Madhavi zu sorgen.Wieder einmal mehr dachte ich daran, wie schwer es Frauen in Indiendoch haben. Ihre Sorge um Madhavi findet auch Mrs KhandalsZustimmung, die nicht mit allen Entscheidungen ihres Sohneseinverstanden ist, aber leider auch nichts zu sagen hat.

    Gibt einige Stellen, wo man merkt, was für ein großes Herz Gesa hat und wie großartig sie ist. Wie Ravi mit Madhavi umgeht, das erkläre ich mir so, dass er das einfach verdrängt. Was ich nicht mehr sehe, ist nicht mehr mein Problem. Können wir nicht verstehen, aber bei manchen funktioniert das Gehirn zu. (Extremes Beispiel: Ich war diese Woche in einer Lesung zu einem True-Crime-Buch. In dem bringt ein Mann einen anderen um und da er ihn nicht "entsorgen" kann, legt er ihn in sein Besucherzimmer, schüttet einen Sack Erde drauf, klebt die Türe zu und lebt vier Monate als wäre nix mit einem Leichnam im Zimmer. Obwohl irgendwann alle Nachbarn und Besucher sagen, dass es fürchterlich stinkt. Er verdrängt das alles, weil ihm keine andere Lösung einfällt. An den erinnert mich Ravi.)

    So weit ich das weiß, war eine Heirat außerhalb der eigenen Kaste ein absolutes Tabu, auf dem Land ist das wohl bis heute so und die Heirat mit Ausländerinnen fällt da bestimmt auch rein, deswegen kommt Ravi wahrscheinlich auch beruflich nicht von der Stelle.

    Ja, ich glaube, hier in Indien kommt er auf dem harten Boden der Tatsachen an und muss erkennen, dass das doch keine so gute Idee war, eine Deutsche zu heiraten. Und dann ist die nicht so willfährig, wie die meisten Inderinnen. Der Kulturen-Clash ist ja noch relativ harmlos, weil Gesa so jung ist am Anfang. Und sehr viel zulässt und durch die Kinder gebunden. Heutzutage ist das noch um einiges schwieriger. Denn den Kultur-Clash gibt es immer noch, nur dass die europäischen Frauen meist emanzipierter sind.

    Vermutlich. Ich schätze ihn auch nicht als einen absichtlich bösartigen Mann ein.


    Er ist egoistisch und rücksichtslos, aber auch feige und ich bin mir sicher, ein Arxxxkriecher vor dem Herrn. So ein typischer "nach oben buckeln, nach unten treten".

    Ravi ist, denke ich, im Indien der damaligen Zeit - und wahrscheinlich sogar noch heute - gar keine Seltenheit. Das System dort ist einfach anders. Die Hierachien sind sehr viel starrer und müssen sehr viel stärker beachtet werden. Die Kasten und andere religiöse Vorschriften unterstützen diese Strukturen und es ist sehr schwer, auch für einen Mann, daraus wirklich auszubrechen. Und nicht jeder hat einen starken Charakter so wie Gesa. Seinen Frust lässt er zuhause aus. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, wenn sie weiter in der Nähe seiner Eltern gelebt hätten, denn da hat er sich mehr zusammen gerissen.

    Gestern Abend habe ich bis Seite 232 gelesen, und fühlte mich immer schlechter. Ravi istein Mistkerl, wie ich nur wenige in Büchern gefunden habe. Und paßt eigentlich genau ins Vorurteil, wenn man einen Menschen aus einem anderen Kulturkreis heiratet: in Deutschland paßt er sich an, zuhause zeigter sein wahres Gesicht. Dem Faß den Boden ausgeschlagen hat die Behandlung seiner indischen Frau.

    Ravi ist ein armes Würstchen und ein Mann seiner Zeit und seines Umfeldes. Er wird schon noch merken, dass Gesa stärker ist. Wahrscheinlich weiß er das sogar schon und es wurmt ihn. Anders als seine erste Ehefrau ist sie nie unterwürfig geworden, bleibt vor allem wegen der Kinder und am Anfang der Ehe ist sie ja noch sehr jung und kennt sich in Indien nicht aus und ist dort ganz alleine. Das ändert sich aber immer mehr. Gesas Entwicklung ist faszinierend. (Bin schon im dritten Abschnitt und sehr beeindruckt.)

    Von Kapitel zu Kapitel gefällt mir das Buch besser. Es entwickelt sich genau in die von mir erhoffte Richtung. Ravi verkommt immer mehr zur Randfigur. Gesa wird erwachsen und findet Stück für Stück nicht nur zu sich selbst sondern auch zu Indien und den Frauen, die sie in Indien kennt. Ich liebe es, wie die Entwicklung spürbar ist. Wie sie immer stärker und selbstbestimmter wird.


    Und wie Indien immer mehr Raum in dem Buch und in ihrem Leben einnimmt. Zwischen den Zeilen erfährt man immer wieder etwas über das Land, die Leute, die Religion.


    Ich bin eigentlich kein Fan von Büchern, in denen verschiedene Zeitebenen erzählt werden. Weil oft die eine mich mehr fesselt als die andere. Aber hier finde ich, dass vor allem die Gesa- und die Paula-Ebene komplett gleichwertig spannend sind.

    Nur mal zur Einordnung:


    Es handelt sich um reale Personen, die real gehandelt haben. Also nicht erfunden. Ich finde es sehr erhellend, wenn man das im Hinterkopf hat. Denn für mich geht es auch darum aufzuzeigen, wie unterschiedlich unsere Kulturen waren und noch sind. Was uns an Ravi nervt oder abstößt war zumindest damals noch harmlos und normal in Indien. (Ich denke an die tausende von Schwiegertöchtern, die von ihren neuen Familien getötet wurden u.ä.) War jabei uns schon kein Zuckerschlecken als Frau. Aber dort in dem fremden Land sicher nochmal eine andere Hausnummer.


    Mich zieht das Buch nicht so herunter. Es nervt halt unglaublich. Auch wie die Frauen sich verhalten nervt teilweise. Aber ich lese es dennoch gerne. Ist ja auch eine Qualität, wenn ich beim Lesen in Wallung komme.