Beiträge von Lese-rina

    Obwohl ich noch nicht mit dem Buch fertig bin (sondern erst Kapitel 32 beendet habe), muss ich mal hier reinschleichen, um meine Gedanken dazu loszuwerden.


    Habe ich Kapitel 25 richtig verstanden??? Das Gehirn des Ich-Erzählers ist in drei verschiedene Bewusstseinskerne gespalten, von denen Kern zwei und drei bei der Ausbildung zum "Shuffler" eingepflanzt wurden. Kern 2, um shuffeln zu können; Kern 3 als persönliche Spielerei des Professors. Und jetzt wird aus irgendwelchen Gründen unumkehrbar Kern 3 aktiviert, das die eigene Welt des Ich-Erzählers (vom Professor "verfeinert" enthält). Und in dieser Welt ist er dann auf ewig gefangen, da Zeit dort keine Rolle mehr spielt. :rolleyes::rolleyes::rolleyes:


    Ehrlich - das ist mir doch etwas zu abgehoben. Ja, es erklärt das Vorhandensein von "Das Ende der Welt" und macht somit Sinn. Aber trotzdem - diese Erläuterung ist schon sehr "technisch". Ich hoffe doch sehr, dass es am Ende eine andere, für mich stimmigere Erklärung gibt. Überhaupt geht es mir ziemlich auf die Nerven, wie überzeugt der Professor von seinen Theorien ist (genauso wie seine Enkeltochter). Es wird mehrfach betont, dass es nur Theorien sind, dennoch stellt der Professor es als absolute Wahrheit und unausweichliches Ereignis dar. Auch die Reaktion des Protagonisten ärgert mich. Da erklärt ihn jemand, er hätte ihn so manipuliert, dass er in einem Tag stirbst bzw. in einer Ewigkeitsschleife seines Gehirns festhängt und mehr als ein Achselzucken und "Ja, wenn man das nicht mehr ändern kann." ist nicht drin? Für mich absolut unglaubwürdig. Oder sehen wir das von der westlichen Welt nur so und für die Japaner ist Zurückhaltung auch in solchen Situationen alles?


    Von daher hat sich meine anfängliche Begeisterung etwas verflogen, wobei auch der Rückweg durch den Tunnel (schon wieder) das übrige dazugetan haben. Die Kapitel vom Ende der Welt dagegen lese ich noch ganz gerne, auch wenn sie immer düsterer und bedrohlicher werden. Ich hoffe sehr, wenigstens hier gibt es ein "gutes" Ende.

    Kannst du japanisch Salonlöwin? Das stelle ich mir ja extrem schwer vor! Danke auf alle Fälle für die sehr interessante Info zu Gegenwart und Vergangenheit bzw. den verwendeten Ich-Formen. Leider geht sowas in der Übersetzung ja immer verloren, wenn man nicht gerade nachrecheriert oder in einer Eulen-Leserunde mitmacht :grin. Da würde ich mir manchmal ein Vor-/Nachwort der ÜbersetzerInnen wünschen, wo eben auf genau solche Eigenheiten eingegangen wird.


    Mich würde mittlerweile auch interessieren, ob Herr Stalph grundsätzlich mit der neuen Rechtschreibung nicht glücklich ist und deswegen seinen Namen nicht genanannt haben will, oder ob es speziell um dieses Buch geht und es da doch merkbare Unterschiede (welcher Art auch immer) im Vergleich neuer/alter Rechtschreibung gibt.


    Ansonsten kann ich gut nachvollziehen, wenn man bei diesem Buch nicht bzw. nur wenig diskutieren will. Irgendwie ist das alles so eigen, dass es erstmal verarbeitet werden will.

    Ich habe gerade auch den zweiten Teil beendet. Du bist also nicht mehr allein ;)

    Sehr schön. :knuddel1 So ganz allein mit Schwärzlingen in der Dunkelheit und andererseits im kalten Winter fühlte ich mich auch nicht ganz wohl. :)

    Zitat

    Aber wie im ersten Teil geschrieben genieße ich es eher, in die Welt einzutauchen, die Sprache und Ideen zu genießen und mir keine großen Gedanken zu machen. Das wird dem Buch sicher nicht gerecht, aber ich kann es später ja nochmal lesen.

    Das ist doch auch in Ordnung! Vielleicht ist ja sogar Sprache und Atmosphäre eines Buches wichtiger als der Inhalt, auf alle Fälle werden diese Faktoren oft unterschätzt und sich zu sehr auf den Inhalt gestürzt. Da muss ich mich leider auch an der eigenen Nase packen.


    Mit dem Typus des "gescheiterten" oder zumindest sehr einsamen Protagonisten hast du recht. Ich frage mich aber, ob er damals, als das Buch geschrieben wurde (1985) auch schon so war oder ob es für die damalige Zeit etwas "neues" war. Heute haben wir solche Charaktere mehr als genug.

    Die Ousters haben einen einzigen Planeten angegriffen, das war der bei dem die Schlacht ausführlicher beschrieben worden ist. Hatte da nicht sogar Kassad den Befehl geführt?

    Du meinst Bressia, oder? Das war in der Vergangenheit. Im zweiten Teil greifen die Ousters Hyperion an, alle anderen Planeten der Hegemonie aber nicht, das ist der Core, aus den genannten Gründen.

    Oh, bin ich die erste der "neuen" Runde! Das bin ich ja gar nicht gewohnt, lese ich doch eher langsam! Aber egal, ihr kommt ja (hoffentlich) noch nach und weder die Schwärzlinge noch die Gefahren des Winters halten euch davon ab. :grin Ich habe mich jetzt auch entschieden, die "alten" Beiträge nicht zu lesen, ich fürchte, die verraten zuviel (und ich möchte doch lieber mit euch rumrätseln).


    Überraschenderweise hat sich momentan bei mir der Teil "Das Ende der Welt" als "Lieblingsstrang" durchgesetzt. Das wundert mich deswegen, weil ich anfangs mit dieser abgeschotteten, mysteriösen Welt nicht ganz soviel anfangen konnte. Aber jetzt folge ich den Erkundungen des Ich-Erzählers mit großem Interesse und hoffe sehr, dass er oder vielmehr sein Schatten rechtzeitig einen Ausweg finden.


    Außerdem finde ich da immer wieder wunderschöne Sätze oder Stichwörter, die mir einiges zum Nachdenken geben. In erster Line rund um die Seele. Ein sehr abstrakter Begriff, der zumindest in meinem Alltagsleben wenig vorkommt. Da stelle ich mir die Frage, was die Seele denn eigentlich ist und ob man die Seele mit der Psyche gleichsetzen kann. :/Und dann - wie der Ich-Erzähler im Buch - welche Kraft die Seele hat und was wir eigentlich tun, damit es ihr gutgeht.


    Eine schöne Stelle möchte ich aber auch noch erwähnen: am Ende von Kapitel 18 redet der Ich-Erzähler mit der Bibliothekarin über seine Seele. Er erwähnt dabei, dass die Seele Spuren hinterlässt, wie Fußabdrücke im Schnee, denen wir folgen können um zu uns selbst zu gelangen. Dieses Bild hat mir sehr gut gefallen. Für mich sehr interessante Gedanken, die Murakami hier aufwirft, auf die ich aber noch keine Antworten gefunden habe.


    Diese sehr abenteuerliche Flucht in "hard-boiled wonderland" ist zwar spannend, liest sich für mich aber übertrieben. Ich frage mich auch die ganze Zeit, ob das überhaupt eine echte Flucht ist, oder ob der Ich-Erzähler hier nur auf die Probe gestellt werden soll und ihm die ganze Zeit nur etwas vorgespielt wird. So ähnlich: er ist der Hauptdarsteller in einer Art Film, ohne es zu wissen und irgendjemand (der Professor) sieht zu und lacht sich eins. Auch das Mädchen kommt mir sehr seltsam vor. Zwar gibt sie vor, auch noch nie dort in diesem Höhlensystem gewesen zu sein, weiß dann aber immer ganz genau Bescheid, wo welche Gefahren lauern. Und zufällig hängt da auch noch ein Seil, das sie in Sicherheit bringt. Und dann die extreme Fixierung auf den "Großvater", genauso wie das geheimnisvolle Überfallskommando. Für mich ist das alles zu "gestellt", nur bleibt unserem armen Protagonisten gar keine Zeit und Gelegenheit, mal kurz über seine Situation nachzudenken.


    Was die beiden Geschichten miteinander zu tun haben, dazu hab ich momentan überhaupt keine Idee. Auch die Episode mit dem Schatten, den unserer Codierer auf der Kinoleinwand in Kapitel 23 gesehen haben will, hat mich da mehr verwirrt, als irgendwas zur Lösung beigetragen. Ich bin auf alle Fälle sehr gespannt, auf was diese beiden Stränge hinauslaufen! Schreibt Murukami eigentlich immer so rätselhaft? Für mich ist es nämlich das erste Buch dieses Autors.

    Irgendwie ist mir Follett auch in den Hinterkopf gestiegen, aber dann habe ich doch nichts geschrieben oder recherchiert, welches Buch gemeint sein könnte. :( Nun gut - auf ein neues, nur leider fällt meinem Hinterkopf dazu spontan noch nichts ein.

    Aufgefallen ist mir auf jeden Fall, dass die Handlung im "hard-boiled Wonderland" in der Vergangenheitsform geschrieben ist und die Handlung im "Ende der Welt" in der Gegenwartsform. Ob das was zu bedeuten hat?

    Auf sowas achte ich leider überhaupt nicht. Aber jetzt, wo du es sagst ... ;) Bestimmt hat es etwas zu bedeuten - ich habe das Gefühl, alles in dem Buch hat was zu bedeuten. Die Frage ist nur, was? Am naheligensten wäre natürlich, "hard-boiled wonderland" ist die Vorgeschichte und jetzt ist unser Protagoinst im "Ende der Welt". Aber naheligende Möglichkeiten sind nicht unbedingt die "richtigen". :/ Ich habe ja nach wie vor das Gefühl, die beiden Welten laufen parallel ab (wohl auch, weil wir es so lesen). Dann können aber die beiden Ich-Erzähler nicht die gleiche Person sein. Auf alle Fälle hat Murakmai ein sehr geheimnissvolles Setting entwickelt.

    Ich habe auch mit großem Interesse deine challenge verfolgt und finde deine Einstellung sehr schön, Dinge einfach mal auszuprobieren. :thumbup:


    Solche eine challenge fängt man ja nur dann an, wenn man voraussichtlich Zeit hat, sie auch zu erfüllen. Und den Wunsch, dieses oder jenes Buch zu lesen. Dass es dann ganz anders kommen kann, gehört halt auch dazu. Entweder es finden sich dann Lösungen, oder die challenge klappt nicht. Wobei das ja auch nichts Schlimmes ist, dann ist man halt eine Erfahrung reicher. :lache Genauso, wie ich Bücher ausprobiere, die auf den ersten Blick für mich schwierig sind - von denen ich nicht weiß, ob sie mir am Ende gefallen. Aber gerade durch das Ausprobieren von Neuem kommt man selber doch einen Schritt weiter - egal, was dabei herauskommt. Klar kann und darf jede(r) in seiner Komfortzone bleiben, aber das (Lese-)Leben ist doch viel zu vielseitig, um nicht auch mal was anderes, neues auszuprobieren. :)


    Eine Anregung hätte ich noch an für dich Murmelito : vielleicht magst du deine Eindrücke zu den jeweiligen Büchern auch in die entsprechenden Bücherthreads kopieren bzw. wenn diese noch nicht vorhanden sind, neu anlegen. Jemand, der gezielt nach Meinungen zu einem Buch sucht, findet sie hier wohl nicht oder nur sehr schwer. :wave

    Ich habe das Buch gestern beendet und bin froh, dass ich durch bin, weil ich mich auf den letzten Seiten schon fast zum Lesen zwingen musste. Es ist grandios, spannend, interessant, aber es ist nicht meins. Endymion werde ich nicht lesen. Die Personen waren alle interessant, aber sie gingen mir nicht nahe. Es war für mich mehr wie ein Geschichtsbuch, bei dem man etwas über die Menschen lernt, aber nicht wirklich mit ihnen mitfiebert.

    Schade, dass du dem Buch nicht soviel abgewinnen konntest, aber ich kann deine Einwände nachvollziehen. Durch die Vielzahl der Geschehnisse und Personen bleiben die einzelnen Charaktere, mit denen man die Geschichte erleben kann, etwas auf der Strecke. Jeder trägt zwar einen kleinen Teil zur Gesamtgeschichte bei, aber mit einem ganz bestimmten Protagonisten mitfiebern geht hier wirklich nur sehr schwer, dazu kommt jeder zu selten vor (außer vielleicht Gladstone, aber sie eignet sich auch nicht wirklich zum "mitfiebern").


    Bei der Frage nach der Flotte des Core: zunächst habe ich mir ja gedacht, sie wäre rein virtueller Natur. Als sich das nach den ersten Angriffen als Irrtum erwies, habe ich ihr Vorhandensein aber auch nicht mehr in Frage gestellt. Natürlich ist es ein riesiger Aufwand und es stellt sich die Frage, wie eine KI zu einer reallen Flotte kommt (das hätten einige verschwundene Schlachtschiffe glaubhafter gemacht), andererseits ist es auch die beste Möglichkeit, einen nicht mehr zu überbrückenden Keil zwischen die Hegemonie und die Ousters zu treiben und auch noch Hyperion als unbekannte Variable auszuschalten. Sicher hätte es aber auch andere Möglichkeiten gegeben. Für mich hat es sich nahtlos in die Geschichte eingefügt und so habe ich das auch nicht hinterfragt.


    Schön, dass du es trotzdem zu Ende gelesen hast. :wave Zumindest bist du um eine Erfahrung reicher. :)


    In einer Welt eingesperrt zu sein, und mag sie auch noch so schön sein, finde ich eine Horrorvorstellung. Es gibt kein Entrinnen durch die perfekt gebauten Mauern.

    Überhaupt hat das Buch immer wieder beengende Szenen. Schon ganz am Anfang in diesem seltsamen Aufzug. Ohne Möglichkeit, mit jemanden in Kontakt treten zu können oder irgendwie auf den Aufzug einzuwirken (durch Bedinungsknöpfe usw). Das fand ich auch sehr beängstigend, dagegen ist die Stadt dann noch einigermaßen weitläufig. Auch wenn es natürlich ein Gefängnis ist.


    Habt ihr die Anmerkungen der alten Leserunde gelesen? Das ist ja Wahnsinn! :anbet Auf diese Interpretationen wäre ich ja nie im Leben gekommen - für mich klingen sie aber sehr durchdacht und schlüssig. Allerdings bin ich jetzt am überlegen, ob ich momentan soviel überhaupt wissen will oder das Buch lieber unbedarft lesen soll. :/ Aber bis zum Ende des 2. Abschnittes habe ich ja noch Zeit.


    Was mir zu dieser doch äußerst ungewöhnliche Codiermethode (geht natürlich so nicht - zumindest nicht nach heutigem Kentnissstand) nicht aus dem Kopf geht: so wie es beschrieben wird, kann doch nur der-/diejenige, der/die es verschlüsselt hat, wieder entschlüsseln. Weil nur er/sie die passenden Gehirnhälften dazu hat und diese sind ja einzigartig. Aber was macht man, wenn der/die CodiererIn weg sind, sich zur Ruhe gesetzt, keine Lust mehr haben ...???

    Diesen Abschnitt habe ich heute beendet. Ich bin sehr beeindruckt von den beiden Welten, die dort entworfen werden. Gespannt bin ich auf die Eindrücken der damaligen Leserunde.

    So geht es mir auch. :) Surreal und phantastisch - aber durch die bildhafte und detaillierte Sprache sehr gut vorstellbar! Ich war überhaupt sehr positiv überrascht, dass sich das Buch so leicht lesen lässt. Vor einem japanischen preisgekrönten „Starautor“ habe ich durchaus Respekt - Vorurteile eben;). Mir gefällt auch der unmittelbare Einstieg ins Buch - man ist sofort ohne lange Erklärungen mittendrin in der Geschichte. Ich mag Bücher, die so beginnen und die uns LeserInnen die Welt um den Text herum entdecken lassen, immer mehr.


    Auf die Eindrücke der damaligen Leserunde bin ich auch noch gespannt - ich habe sie noch nicht gelesen und freue mich im Anschluss darauf.


    Anders als baro habe ich noch keine Vorlieben, welcher Teil oder welcher Charakter mir besser gefallen könnte. Die Welten sind ja grundverschieden, wobei sich aber natürlich Parallelen aufdrängen. Mir sind da vor allem die Einhörner, die Schädel, die überall drapierten Büroklammern, die Bezeichnung „Das Ende der Welt“ und die Eigenart, die Personen mit der Tätigkeit zu benennen, aufgefallen. Ich bin gespannt, was das zu bedeuten hat - ob die beiden so eine Art Parallelwelten sind?


    Was mich auch zu der Frage bringt, ob denn die beiden Protagonisten überhaupt zwei verschiedene Personen sind. Könnten es nicht auch die gleichen sein - entweder zeitlich oder räumlich auf anderen „Ebenen“? Mir ist auch aufgefallen, dass der Ich-Erzähler und die Bibliothekarin in beiden Geschichten wechselseitig der Meinung sind, sie würden sich von irgendwoher kennen. Das kann doch kein Zufall sein!


    „Das Ende der Welt“ habe ich zunächst als Zeitangabe betrachtet und geglaubt, die seltsame Stadt sei eine Art Endzeitszenario. Aber es kann ja auch eine räumliche Angabe sein: irgendwo am Ende der Welt, an dem es nicht mehr weitergeht, liegt diese Stadt. Was aber natürlich nicht das seltsame Gebären dort erklärt.


    Ich bin auf alle Fälle mitten drin im Buch und freue mich jetzt erstmal auf die Anmerkungen der „ersten“ Leserunde und dann aufs Weiterlesen. :grin

    Meine Ahnung hat sich bestätigt: Übersetzer der Erstausgabe sind Annelie Ortmanns-Suzuki und Jürgen Stalph. Letzteren habe ich übrigens bei einer Lesung schon live erlebt.

    Ich lese die gleiche Ausgabe wie baro und war erst unschlüssig, ob es für die Neuausgabe etwa neu übersetzt worden ist. Aber nachdem die Übersetzerin von „Das Ende der Welt“ gleich ist UND das Copyright für die deutsche Übersetzung von 1995 ist (Datum der Erstveröffentlichung) wird wohl Jürgen Stalph der Übersetzer von „Hard-Boiled Wonderland“ sein. Wahrscheinlich stammt seine Weigerung, sich als Übersetzer zu outen auch aus damaliger Zeit, heute ist die neue Rechtschreibung doch kein Thema mehr. Salonlöwin stehen bei dir beide Übersetzer drinnen?


    In dieser Art habe ich das noch nicht gesehen, allerdings habe ich irgendwann ein Buch gelesen, in dem stand, der Autor ist gegen die Veröffentlichung nach den neuen Rechtschreibregeln (wurde aber trotzdem gemacht). Leider habe ich keine Idee mehr, welches Buch das gewesen sein könnte. Seit einiger Zeit lese ich mir diese Angaben ganz gerne durch: aus welcher Sprache wurde übersetzt, wie ist der Titel des Originals und wann war die Erstveröffentlichung? Gehört für mich mittlerweile zum Buch. :lache

    Murmelito : Ohne belladonnas Kinder zu kennen: vergiss es :lache. Kinder wollen ihre Eltern immer sofort und unverzüglich. Aber zum Glück werden ja alle Kinder früher oder später älter und freuen sich dann, wenn SIE ihre Ruhe haben. :-]


    Dir wünsche ich viel Spaß bei deiner challenge, das hört sich sehr interessant an! Früher möchte ich keine dünnen Bücher, weil ich irrtümlich dachte, es wäre dann keine komplexe Geschichte. Mittlerweile habe ich (auch durch den Lesekreis, in dem wir verstärkt dünne Bücher lesen) gemerkt, dass eine gute kurze Geschichte verdichtet und dadurch sehr intensiv ist. Und manchmal auf 100 Seiten viel mehr steht als auf 700. Lass doch bitte hören, wie dir die Bücher gefallen.

    Ich sehe es ähnlich wie Eskalina : interessante Idee, aber die Umsetzung ...


    Angepriesen wird Paradise City als Zukunfts-Thriller in Deutschland, was mich sehr angesprochen hat. Es wird dabei ein realistisches und vorstellbares nahes Zukunftsszenario entworfen – überschwemmte Küste, riesige Megacitys, verödetes Hinterland und Smartcases als unentbehrliches Kommunikations- und Hilfsmittel bei allen Fragen des Lebens. Dabei wirft das Buch richtige und wichtige Fragen auf: Was sind wir bereit für unsere Gesundheit zu tun, welche Einschränkungen nehmen wir dabei hin? Was ist uns überhaupt unsere Freiheit wert? Wo beginnt menschenwertes Leben und wer entscheidet darüber? …


    Durch die Corona-Krise und die damit verbundenen Einschränkungen haben diese Fragestellungen ungewollt einen sehr aktuellen Bezug bekommen, der über viele dieser Fragen nochmal ganz anders und viel intensiver nachdenken lässt.


    Die Umsetzung dieser interessanten und wichtigen Fragen hat mir allerdings größtenteils nicht gefallen. Die Handlung ist mir zu unstrukturiert, sie springt hin und her, so dass ich den roten Faden einige Male verloren habe. Zunächst passiert lange nichts bzw. wenig, bevor im zweiten Teil die notwendigen Puzzlestücke im Eiltempo gefunden werden. Dabei spielt der Zufall eine viel zu große Rolle, da war für mich vieles nicht nachvollziehbar oder unglaubwürdig. Überhaupt der Zufall – ich fand die mehreren, unterschiedlichen Ebenen, in denen Hauptperson Liina in den Fall verstrickt ist, zu dick aufgetragen. Spannung kam bei mir fast keine auf. Anfangs wurde die Handlung ständig durch Rückblenden auf Liinas Leben unterbrochen, später wurde jede Situation, bei der es spannend hätte werden können, viel zu schnell abgehandelt.


    Diese Fokussierung auf Liina hat mich sowieso genervt. Sie ist zwar als Reporterin auf der Wahrheitssuche die Hauptperson des Buches, aber bei einem Thriller erwarte ich Handlung und keine Familiengeschichte. Weder sie noch die anderen Personen konnten mich überzeugen, sie waren für mich zu steril und zu oberflächlich dargestellt.


    Positiv erwähnen möchte ich aber die genderneutrale Darstellung der Charaktere. Zwar wurde noch viel zu viel zu der auftauchenden geschlechtsneutralen Person erklärt und ausschließlich weibliche Ärztinnen mit männlichen Helfern sind zu überzogen, um natürlich zu wirken, aber es geht eindeutig in die richtige Richtung. Er wäre wünschenswert, wenn die Vielfalt von Menschen irgendwann ganz selbstverständlich in Büchern wird, wie hier die Homosexualität einer Protagonistin.


    Fazit: Interessante Grundidee, aber die Umsetzung konnte mich nicht überzeugen. Da wirkte vieles zu bemüht und zu konstruiert, außerdem fehlte mir die Spannung. Weil es gut und flüssig zu lesen war, habe ich mich für immerhin fünf von zehn Eulenpunkten entschieden.

    Der Titel für dieses Buch ist perfekt gewählt. Die stetigen Ostseewellen sind nicht nur während der gesamten Geschichte präsent, auch Hauptperson Doralice wird von den Wellen des Lebens hin- und hergerissen. Lange plätschert das Buch sanft dahin wie die Wellen an den beschriebenen langen und heißen Sommertagen an der Ostsee, bis aufkommender Wind und schließlich auch Sturm die Geschehnisse im Buch kräftig durcheinanderwirbeln.


    Die Begeisterung vieler meiner Vorredner kann ich aber leider nicht teilen. Zu lange ist für mich nichts passiert und auch wenn diese Zeit sicher gut investiert wurde, um die Charaktere einzuführen, war mir das zu träge. Dazu kamen die zu gestelzten Dialoge, mit denen ich wenig anfangen konnte. Als der aufkommende Wind das Buch belebt, hat es mir weitaus besser gefallen – nicht nur die Handlung schreitet voran, auch die Emotionen der Figuren wurden greifbarer.


    Gerade am Anfang habe ich es mehr gelesen, um in die Atmosphäre der gehobenen Gesellschaft in der Sommerfrische zu Beginn des 20. Jhd. eintauchen zu können und aus Interesse an Literatur der Vergangenheit, als aus Vergnügen am Buch. Das kam erst, wie gesagt, im hinteren Teil der Geschichte. Interessant war es allemal.


    Fazit: Für mich ein lehrreiches Eintauchen in die Gesellschaft und Literatur vergangener Zeiten. Kein Lesehighlight, aber aufschlussreich. Dafür gute 7 von 10 Eulenpunkten.