Beiträge von churchill

    Es ist für mich hochinteressant gewesen, in den letzten Minuten die Beiträge dieses Threads zu lesen. Das gleiche Thema habe ich vor kurzem in einem ganz anderen Forum weit weniger niveauvoll behandelt gesehen.


    Natürlich habe ich als "Berufschrist" meine ganz eigene Meinung zu den aufgeworfenen Fragen.


    Einige Gedankensplitter:


    Ich finde es schon wichtig, die staatliche von der kirchlichen Ehe in der Argumentaion zu unterscheiden. Die Kirche wird sicher in ihrer Interpretation von "Ehe", die sich durch Schrift und Tradition herausgebildet hat, keine 180 Grad - Wende vollziehen. Insofern erstaunt mich die Verwunderung , das Entsetzen, das die Äußerungen des Papstes offenbar erzeugt haben. Hat wirklich jemand geglaubt, dass Benedikt sich inhaltlich anders äußern würde???


    Im staatlichen Bereich ist der Denkansatz sicher ein anderer. Ich persönlich bin zwar der Meinung, dass, solange sich das Grundgesetz auf christliche Werte beruft, der Begriff der Ehe der Verbindung zwischen Mann und Frau zuzuordnen ist. Sollte sich allerdings staatlicherseits eine andere Interpretation durchsetzen, wäre dies eben "Politik".


    Was Pflichten und Rechte angeht, ist es sicher richtig, dass alle der
    Ehe zugeordneten Bereiche sich privatrechtlich vertraglich regeln lassen. Viele Diskussionen (jetzt eine persönliche politische Meinung von mir) würden sich sowieso erübrigen, wenn das unsinnige Ehegattensplitting im Steuerrecht abgeschafft und statt dessen ein Familiensplitting, das von der Existenz von Kindern in der Ehe abhängt, eingeführt würde.


    Die Frage "Sakrament zwischen Rigorismus und Ausverkauf" ist ebenso interessant: Wieviel Service muss eine Kirche leisten, die sich aus Steuermitteln speist ?


    Ehrlich gesagt: Wenn wir Theologen letztendlich nur diejenigen zur Trauung (oder Taufe oder Firmung) zulassen würden, von deren "praktiziertem" Glauben wir überzeugt sind, fänden weit weniger dieser kirchlichen Feste statt. Ein Beigeschmack bleibt, aber oft mit der Hoffnung verbunden, dass im Nachhinein noch eine Entwicklung im Glauben bzw. zum Glauben hin stattfindet....


    Es ist immer wieder schön, wenn wir die Erfahrung machen dürfen, dass einem Brautpaar die ausgewählten Bibeltexte und die liturgische Gestaltung des Gottesdienstes wichtiger sind als die Positionierung der Videokamera, die Dekoration der Kirchentreppe oder die Platzierung so "passender" Musiktitel wie "Titanic" oder "My Way" ...


    Übrigens: Ich habe (privat) als Mitglied einer Gesangsgruppe an der Gestaltung eines protestantischen Segnungsgottesdienstes für ein schwules Paar teilgenommen. Die Pfarrerin hat eine strategische Meisterleistung vollbracht, um den Bedenken desPresbyteriums, den Vorgaben der Kirchenleitung und den Wünschen des zu segnenden Paares gerecht zu werden.


    Dass die beiden Männer unmittelbar zuvor aus der katholischen Kirche ausgetreten und in die evangelische Kirche eingetreten waren, (nur) um diesen einen Gottesdienst dann feiern zu können, erschien mir dann allerdings doch sehr fragwürdig :grin


    Wenn ich noch zu anderen Fragen in diesem Bereich etwas anmerken soll, sagt es ruhig ;-)

    Bin auch durch...


    Innerhalb von einer Woche beide Bücher zu lesen war schon ein intensiver Ausflug ins 15. Jahrhundert :-)


    Ich hatte mich die ganze Zeit gefragt, wie ihr es schafft, das Wiedersehen und die Wiederkehr des Erinnerns glaubhaft "rüberzubringen". Es ist gelungen ! Die allgemeine Ansicht, dass eine Fortsetzung nicht mit einem erfolgreichen ersten Teil mithalten kann, habt ihr meines Erachtens widerlegt.


    Gerade auch die humorvollen Aspekte (bei meinem nächsten Bier werde ich höllisch aufpassen :grin) finde ich gelungen. Ebenso ist es schön, dass Michi noch eine verantwortungsvolle Rolle bekommen hat: als Bote und wichtiges Bindeglied im Wiedersehensgeschehen. Eine direkte Konfrontation von Michel und Marie wäre lange nicht so spannend gewesen wie die Idee, Michi beide entdecken und gleichsam zusammenführen zu lassen.


    Ein leichtes Unbehagen hatte ich beim Kampf gegen Falko... Der Romantiker in mir wünschte sich natürlich das eingetretene Happy End... Der Hobbyschreiber in mir hätte wahrscheinlich einen Kontrapunkt gesetzt...


    Alles in allem eine mehr als lohnende Freizeitbeschäftigung in den letzten Tagen :-)

    Es stimmt, dass wohl die wenigsten Menschen alle Parteiprogramme gelesen haben.


    Wenn man sich dann, wie du schreibst, vallenton, für einzelne Punkte des Parteiprogramms entscheidet, so handelt es sich meist um diejenigen, die am stärksten durch Medien aller Art transportiert werden.


    Für mich ist dabei immer auch wichtig, in welcher Art und Weise diese Punkte ins Spiel gebracht werden. Und da muss ich deutlich sagen, solange sich die Parteien vom rechten Rand nicht von Gewalttätern und Volksverhetzern in ihren Reihen deutlich distanzieren, sind sie für mich von vornherein nicht wählbar.


    Zu den Inhalten: Es würde mich schon interessieren, welche Punkte des Parteiprogramms von Reps oder NPD du so bewerten würdest, dass daraus die Option, die Partei zu wählen, erwächst. Ich habe zumindest bislang in dieser Hinsicht noch nichts gehört, das mich überzeugen könnte.


    Zum Thema Vaterland:
    Ich kann eine Verbundenheit fühlen zu einem Land, in dem ich geboren wurde, aufwuchs und lebe. Stolz kann ich da nicht erkennen, weil der immer im weitesten Sinne mit Leistung zu tun hat und nicht mit der Tatsache, irgendeiner Struktur anzugehören.

    Angelcurse, ich glaube, ich verstehe genau, was du mit "etwas doof" meinst.


    Hier allerdings pfeife ich auf Realismus: Vielleicht liegt das daran, dass ich mir (der ich seit 13 Jahren verheiratet bin) so etwas einfach vorstellen möchte - eine Verbindung, die eine Liebe über große Entfernungen und gefährliche Situationen aufrecht erhält...und sei es eben durch Träume ;-)

    Jaja, die Verwandtschaftsgrade :grin


    Durch eure detaillierte Beschreibung der Personen und Situationen schafft ihr es durchgehend, dass man sich spielend ins Mittelalter hineinversetzt fühlt.


    Ich musste das Buch fast zwei Tage liegen lassen und war trotzdem innerhalb von Sekunden wieder mitten im Geschehen.


    Im dritten Kapitel fühlt sich der begeisterte Leser der "Wanderhure" wieder auf vertrautem Terrain... Das mutige und unkonventionelle Verhalten Maries, die sich eben nicht mit den Automatismen ihrer Zeit abfinden will, nimmt mich mit und lässt mich sozusagen auf dem Ochsenwagen ins Ungewisse mitreisen.


    Dabei ist es beeindruckend, wie die gleichzeitig die seit der "Wanderhure" vergangenen 11 Jahre einbezogen werden. Die Entwicklung der stürmischen, von Rachegedanken beherrschten jungen Marie zu der selbstbewussten Frau, die dennoch immer wieder dazulernt: Sehr glaubhaft !


    Eine tolle Idee, Marie im Junker Heribert einen männlichen Spiegel vorzuhalten: Schau hin , Marie , so warst du damals auch, als die Rache allein deine Triebfeder war...

    Die Sache mit dem Gedächtnisverlust ist natürlich eine elegante Plattform:


    Da es ja viele Möglichkeiten gibt, das Gedächtnis wiederkehren zu lassen, haben die Autoren alle Freiheit, die Sache so lange hinauszuzögern, bis der Spannungsbogen den Höhepunkt erreicht hat ;-)


    Trotzdem stellen sich mir dabei einige Fragen: Ist es realistisch, dass Michel wirklich gar nichts mehr von seinem früheren Leben weiß, gleichzeitig aber alle sprachlichen und motorischen Fähigkeiten und Eigenarten beibehält?


    Außerdem wundert mich etwas die Gelassenheit, mit der er auf sein "sich-nicht-erinnern-können" reagiert. Ich würde durchdrehen, wenn ich nicht wüsste, wie mein bisheriges Leben ausgesehen hat (Urfrage des Menschen: Woher komme ich...?)


    Schön die Idee, die enge Verbindung von Marie und Michel über die Traumschiene aufrecht zu erhalten. Dadurch wird die ständige Verknüpfung zweier sonst unabhängiger Handlungsstränge erreicht. Die Schilderung der Geburt aus zwei Perspektiven ist beeindruckend.

    Besserwisserisch, wie es meinem Avatar entspricht, kann ich es nicht unterlassen, dem Autor mitzuteilen, dass die Beschließerin Marga und nicht Magda heißt ;-)


    Zum 1. Teil, den ich soeben gelesen habe:


    Nachdem ich nahtlos von der "Wanderhure" zur "Kastellanin" übergegangen bin, hat es mich gefreut, festzustellen, atmosphärisch sofort wieder "mittendrin" zu sein. Interessant und auch clever der Ansatz, 10 Jahre nach dem Konstanzer Geschehen anzuknüpfen. Dadurch ersparen sich die Autoren, den Wandel von der Ehe aus Vernunft zur wahren Liebesehe erklären zu müssen.


    Dass sich Liebe im Laufe der Ehe entwickelte, gerade in einer Zeit, in der Eheschließungen oft nicht dem eigenen Wollen entsprangen sondern von außen und aus "Be-rechnung" vorgenommen wurden, war wohl nichts absolut Ungewöhnliches. Nach der "Wanderhure" freut es mich (ich weiß, jetzt kommt der männliche Ansatz :grin), dass es Marie im Laufe dieser Zeit zudem offenbar noch gelungen ist, Sex auch als Vergnügen zu entdecken. Von "Begehren" war, wenn ich mich recht erinnere, bei der "Wanderhure" naturgemäß keine Rede gewesen. Irgendwann im Laufe der Jahre scheint Marie es erfahren zu haben.


    Durch die Kriegsszene und genaue Beschreibung der Kampfhandlungen musste ich mich etwas durch"kämpfen" ( :grin).


    Bei den Charakteren bin ich auf die Entwicklung (falls es eine geben wird) des Godewin gespannt, der vielschichtiger angelegt zu sein scheint als Falko. Marga wird vermutlich noch für einige negativen Stimmungen sorgen...eine wahrhaft unsympathische Person X(


    Dass Michel nicht tot ist, dürfte klar sein ;-)


    (Eine Frage noch an die Frauen - also an alle außer Gheron :lache: - Ist es denkbar, dass eine ehemalige Wanderhure wie Marie, die so viel von Hiltrud gelernt hat, die Anzeichen einer Schwangerschaft nicht deutet? Ich denke doch, dass gerade bei solch einem langersehnten Kinderwunsch jedes ach so kleine Signal wahrgenommen wird...)


    So...heute les ich glaub ich noch nicht weiter ...

    Möchte mich bei euch beiden bedanken !


    Ich habe vorgestern die "Wanderhure" zu lesen begonnen und sie heute mittag beendet. Dienstliche Termine und familiäre Aufgaben unterbrachen die Lektüre immer wieder unverschämterweise ;-). Allerdings wollte ich das Buch unbedingt gelesen haben, um die Ausgangsposition zu kennen. Nun fange ich mit der "Kastellanin" an.


    Meine Frage: Hört ihr eher von Leser/innen, die ebenso das Buch "verschlingen" oder doch mehr Rückmeldungen von langsamen analytischer agierenden?


    p.s.
    Es stört euch hoffentlich nicht, dass ich als Mann in die Runde einsteige ? :grin