Beiträge von fictionmaster

    Dave Robicheauxs erster Fall „Neonregen“ beginnt so, als hätte es schon etliche Bände davor gegeben. Der Lieutenant besucht einen Mafia-Killer in der Todeszelle, den er selbst dahin gebracht hat. Der Todgeweihte allerdings will nicht seine Unschuld beteuern, sondern warnt den Polizisten, dass jemand hinter ihm her ist. Danach dauert es nicht lang und Robicheaux muss tatsächlich um sein Leben fürchten. Zwangsweise beginnt er deswegen zu ermitteln. Den meisten Teil davon läuft er den Geschehnissen allerdings trotz intensiver Bemühungen nur hinterher – bis es dann am Ende zur Genre-üblichen Auflösung kommt. Die Geschichte um den leidgeplagten Bullen mit der Alkoholiker-Vergangenheit ist düster, dreckig und mit jeder Menge Hardboiled-Charme versetzt. Dazu mischt sich viel Politisches (über Süd- und Lateinamerika) in die Handlung. Vieles davon spielt auf Sachen Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre an und ist heutzutage nur noch bedingt nachvollziehbar. Das fällt zum Glück nicht zu sehr ins Gewicht. Leicht verdaulich ist der schwermütige „Neonregen“ nicht, aber durchaus empfehlenswert.

    51I1NQTGtQL._SX312_BO1,204,203,200_.jpg

    • Broschiert: 192 Seiten
    • Verlag: Plötz & Betzholz; Auflage: 1. (10. Februar 2017)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 3960170025
    • ISBN-13: 978-3960170020



    Über den Autor:

    David Hain betreibt den Youtube-Kanal BeHaind, ist als Videoproduzent für unterschiedlichste Projekte verantwortlich und war sogar schon mal in der Bravo! Damit ist auf der nach oben offenen Karriereskala zwischen ihm, Michael Jackson und dem einen Typen von Boyzone praktisch kein Unterschied mehr auszumachen.

    Bevor er vor die Kamera schritt, arbeitete er rund zehn Jahre lang in einem ehrlich...anderen Berufsfeld: als Journalist. Vier Jahre davon war er unter anderem als Chefredakteur für die Inhalte der legendären Webmarke GIGA.de zuständig. Zuvor testete er DVDs, Videospiele, klaubte Kaugummis von Kinositzen und war sogar mal Schuhverkäufer.

    Hain liebt das große Kino, Currywurst mit Pommes und Biografie-Texte wie diesen hier zu schreiben.


    Inhaltsangabe:

    Klappe, und Action: zu den skurrilsten, lustigsten und überraschendsten Fakten der internationalen Film-Blockbuster und erfolgreichsten Fernsehserien unserer Zeit

    David Hain (YouTube: BeHaind) verrät in "Fakt ab!" nicht nur alles Wissenswerte über die Lieblingsfilme der Deutschen (von A wie Avatar über S wie Sex and the City bis Z wie Zurück in die Zukunft), sondern überrascht ihn zugleich mit einem Feuerwerk an unnützem Wissen über eben diese. Mal als Kurz-Fact, mal anekdotisch nimmt er uns mit auf eine cineastische Zeitreise.

    Wussten Sie zum Beispiel:

    • dass Harrison Fords Vertrag eigentlich vorsah, am Ende von "Das Imperium schlägt zurück" der Star-Wars-Saga zu sterben? Da sein Charakter aber zum absoluten Fanliebling geriet, änderte George Lucas das Drehbuch.
    • dass Jack alias Leonardo Di Caprio in Titanic dem Tod von der Schippe gesprungen wäre, wenn sich Regisseur James Cameron einfach nur an die Regeln des Auftriebs gehalten hätte?
    • dass das Original-Filmplakat von "Arielle" ausgetauscht werden musste, weil einer der darauf zu sehenden Türme des Schlosses die Form eines Penis hatte?
    • dass die Macher des Films "Der König der Löwen" von einem Biologen verklagt wurden, weil seiner Meinung nach darin die Hyänen als hinterlistige Trottel diffamiert würden?

    Ein großer Spaß für alle Film-Liebhaber sowie Fans von Film-Trivia und David Hain!




    Meine Kritik:

    Als Filmfan ist mir beim Kauf einer Blu-Ray oder DVD neben dem Hauptfilm das Bonusmaterial sehr wichtig. Ich mag die gelöschten Szenen und alternativen Enden und sonstigen Infos. Bei Wikipedia lese ich mir zu Filmen gerne die Trivia-Fakten durch. Daher war David Hains „Fakt ab“-Buch genau das Richtige für mich. Auf 190 Seiten gibt es jede Menge kompakt zusammengefasste Hintergrund-Informationen zu vielen bekannten Filmen wie „Zurück in die Zukunft“, „Titanic, „Spider-Man“ oder „Pulp Fiction“. Zugegeben, nicht jede Enthüllung war für mich als Filmfan tatsächlich eine, aber durchgelesen habe ich sie mir trotzdem, weil sie allesamt gut geschrieben waren. Jedes einzelne Filmkapitel ist außerdem in die Rubriken Entstehung, Bedeutung und kurze Kritik unterteilt. Damit bleibt es schön übersichtlich und macht das schnelle Nachschlagen im Bedarfsfall einfacher. Feines Buch, das gerne noch etwas dicker hätte ausfallen können. Aber vielleicht gibt es ja irgendwann ein Sequel.

    51dt0vTox8L.jpg


    • Verlag: Argon Verlag; Auflage: 7 (11. März 2008)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 3866104472
    • ISBN-13: 978-3866104471



    Über den Autor:

    John Katzenbach wurde 1950 in Princeton, New Jersey, als Sohn einer Psychoanalytikerin geboren. Bereits von ihr lernte er eine Menge über die menschliche Psyche, deren Untiefen er später in seinen Thrillern ergründen sollte. Weitere Erkenntnisse gewann er in seiner jahrelangen Tätigkeit als Gerichtsreporter des "Miami Herald" und der "Miami News". Seine Artikel wurden zudem in mehreren Zeitungen und Zeitschriften abgedruckt. Später machte er sich als Autor selbstständig. Zu seinen bekanntesten Werken, die zum Teil bereits verfilmt wurden, zählen "Der Patient" und "Die Rache". Nur eines ist Katzenbach noch wichtiger als das Schreiben: seine Familie. Mit seiner Frau, der Pulitzerpreisträgerin Madeleine Blais, und seinen Kindern lebt er in Amherst, Massachusetts.



    Inhaltsangabe:

    Vor zwanzig Jahren, als junger Mann, ist Francis Petrel gegen seinen Willen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden. Mehrere Jahre hat er dort zugebracht – bis die Anstalt nach einer Mordserie geschlossen wurde. Noch immer hört Francis Stimmen, nimmt Medikamente. Die Erinnerung an die traumatischen Geschehnisse von damals ängstigt ihn, und er beginnt aufzuschreiben, was er erlebt hat – mit Bleistift, auf den Wänden seiner Wohnung.



    Meine Kritik:

    Über die Jahre habe ich viel Gutes über John Katzenbachs Thriller „Die Anstalt“ gehört, das mich neugierig machte. Den ausschlaggebenden Grund für dieses Hörbuch bekam ich allerdings, als ich las, dass Simon Jäger (Synchronstimme von Matt Damon und Josh Hartnett) und der legendäre Thomas Danneberg (Synchronstimme von Terence Hill, John Travolta und Sylvester Stallone) den Text vortragen. Die beiden liefern auch wirklich gute Arbeit ab. Dennoch konnten auch sie nicht verhindern, dass ich die Geschichte lediglich mittelmäßig fand. Es mag daran liegen, dass „Die Anstalt“ bereits vor über zehn Jahren erschienen ist und es seither zig thematisch ähnliche Thriller gab. Trotzdem hatte ich mir von den angeblich so unheimlichen Mordserie in der psychiatrischen Klinik mehr erhofft. Der Anfang ist etwas schleppend und mit einer Menge Hin- und Her. Dazu ist nicht alles plausibel. Später zieht die Spannung zwar an, wird aber auch reißerischer (wie zum Beispiel das Rufen von Apollo in Teil 79). Der Aha-Effekt hielt sich ebenfalls in Grenzen. Das alles führte dazu, dass mich „Die Anstalt“ seltsam kalt ließ; ich fand den Roman weder beklemmend noch packend, sondern einfach nur durchschnittlich.

    71MF1WRA37L.gif

    • Gebundene Ausgabe: 354 Seiten
    • Verlag: Emons, H J (1995)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 3924491615
    • ISBN-13: 978-3924491611

    Inhaltsangabe:

    Der deutsche Film krankt, nicht immer, aber häufig, an der Schwäche seiner Konzepte. Schon seit langem orten Filmförderer und -kritiker den Ursprung dieses beklagenswerten Übels vor allem bei den Autoren. Dort, so hört man immer wieder, dient das gerade in Europa so häufig ins Feld geführte Recht des Dichters auf ungehemmte, künstlerische Selbstverwirklichung immer wieder als Ausflucht, wenn es um die Retuschierung fehlender handwerklicher Kenntnisse geht. David Howard, der sein Buch DREHBUCHHANDWERK auf der Grundlage eines Textes seines verstorbenen Kollegen Edward Mabley und in enger Zusammenarbeit mit dem legendären Script Doctor Frank Daniel entwickelte, läßt in diesem Punkt keinen Zweifel: Bevor der Künstler zum Zuge kommen kann, ist der Handwerker gefragt. Und der muß vor allem eins - die Gesetze seines Handwerks beherrschen! Wie kein anderer Fachautor versteht es Howard, diese nüchterne amerikanische Sichtweise herauszuarbeiten, die Verzahnung der Autorentätigkeit mit den übrigen, für die Herstellung eines Films notwendigen Arbeitsprozessen einleuchtend aufzuzeigen und auch für Laien transparent zu machen. Daß ihm dennoch europäische Traditionen nicht fremd sind, z.B. der Begriff des 'Autorenfilms', daß ihm auch die Grundbegriffe des Theaters vertraut sind, macht sein Buch zu einem Nachschlagewerk, dessen Wert weit über das, was man gewöhnlich von einem Lehrbuch erwarten kann, hinausgeht.



    Meine Kritik:

    Selbst wenn man viele Filme und Serien geschaut hat, hat man nicht automatisch Ahnung vom Handwerk Drehbuchschreiben. Wenn man vorher schon im Literaturbereich Erfahrungen gesammelt hat, ist das zwar schon mal gut, um über Figurenentwicklungen, Antagonisten und Konflikte Bescheid zu wissen, dennoch ist es wichtig, sich vor dem Schreiben eines Drehbuchs mit den Basics vertraut zu machen, da ja zwischen Roman und Film durchaus gewisse Unterschiede bestehen.

    In der Hinsicht hilft dieses Grundlagenbuch hervorragend weiter. Man bekommt erklärt, was es mit Prämissen und Eröffnungen auf sich hat, was genau „Platzieren und Ernten“ sowie „Outline und Step Outline“ sind und weshalb man auf die „dramatische Ironie“ achten sollte. Im zweiten Teil des Buches werden dann 16 berühmte Filme genauestens unter die Lupe genommen. Darunter Film-Meilensteine wie „E.T.“, „Manche mögen’s heiß“, „Citizen Kane“, „Chinatown“, „Der Pate“ und „Einer flog übers Kuckucksnest“.

    Das alles sind wunderbare Dinge, die einem die Kunst des Drehbuchschreibens näherbringen und plausibel erklären. Aber fühlt man sich danach bereit, ein Drehbuch zu schreiben? Leider nicht, denn auf keiner einzigen Buchseite wird erklärt, wie so ein Drehbuch denn auszusehen hat, wie man beschreibt, was man beschreiben will und wie viele Drehbuchseiten man für einen abendfüllenden Spielfilm braucht. Daher kann ich das Sachbuch von David Howard und Edward Mabley zwar loben, jedoch nicht als alleiniges Hilfsmittel empfehlen. Um die offen gebliebenen Fragen zu klären, empfiehlt es sich, im Internet nach einigen Filmdrehbüchern zu suchen. Mit etwas Glück findet man sogar einige deutsch(sprachig)e.

    41AY3-alYbL.jpg


    • Taschenbuch: 180 Seiten
    • Verlag: Fink, Wilhelm; Auflage: 2., erw. Aufl. 2016 (9. Mai 2016)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 3770560698
    • ISBN-13: 978-3770560691

    Inhaltsangabe:

    Sind Tarantinos Filme bloß Zitatcollagen oder besitzen sie eine eigene, charakteristische Ästhetik? Tarantino ist bekannt dafür, Filmstellen und Filmgenres in seinen Filmen zu zitieren. Seine spezielle Komik besteht darin, Genremuster zu bedienen und der Handlung dann eine unerwartete Wendung zu geben. Alltäglichen und scherzhaften Dialogen lässt er dabei viel Raum. Dieses Buch erklärt Tarantinos Filmästhetik und stellt sich auch der Frage nach der Ästhetisierung von Gewalt. Analysiert werden Reservoir Dogs, Pulp Fiction, Jackie Brown, Kill Bill: Vol. 1 und Vol. 2, Death Proof, Inglourious Basterds, Django Unchained und The Hateful Eight. Darüber hinaus werden auch Filme in den Blick genommen, bei denen Tarantino am Drehbuch oder an der Regie beteiligt war wie True Romance, Natural Born Killers, From Dusk till Dawn oder Sin City. Die Interpretationen liefern Informationen zu den Produktions- und Rezeptionshintergründen der Filme sowie eingehende Analysen der Handlung (einschließlich der wesentlichen Referenzen auf Vorläuferfilme) und der audiovisuellen Gestaltung. Jedes Film-Kapitel wird zudem mit einer detaillierten Szenenanalyse abgeschlossen.



    Meine Kritik:

    Als Fan von Tarantinos Werk wollte ich mehr über die Hintergründe seiner Filme erfahren und stieß nach kurzem Suchen auf das recht gut bewertete Buch von Susanne Kaul und Jean-Paul Palmer. In der 2013 erschienenen Erstauflage (2017 folgte eine zweite, aktualisierte) werden die ersten acht Filme des Meisters gründlich unter die Lupe genommen, angefangen von seinem Debüt „Reservoir Dogs“ bis hin zu „Django Unchained“. Ein Extrakapitel befasst sich zudem mit seiner TV-Regie-Nebentätigkeit (in „Emergency Room“ und „CSI“), seinen separaten Drehbüchern („True Romance“, „Natural Born Killers“ und „From dusk til dawn“) sowie seinem Beitrag zur Kurzfilmanthologie „Four Rooms“. Hauptaugenmerk liegt natürlich auf den acht großen Kinofilmen. Zu jedem gibt es eine Inhaltszusammenfassung, Infos zur Produktion und Rezeption, eine inhaltliche, eine audiovisuelle und eine Szenen-Analyse.

    Obwohl dadurch eigentlich keine Frage offen bleiben, hätte ich mir dennoch ein paar mehr Hintergrundinfos und etwas Trivia gewünscht. Ein abschließendes Fazit oder dergleichen wäre ebenfalls nicht schlecht gewesen. So bleibt es „nur“ eine nackte Faktenanalyse des Werkes, die auf gerademal 162 Seiten stattfindet. Das Buch würde ich daher eher für Tarantino- und Filmfans empfehlen.

    Wenn ich an Dan Brown denke, denke ich an uralte Symbole, Geheimbünde und Verschwörungen. Nun ja, letzteres gibt es in Robert Langdons neustem Abenteuer durchaus, wenn auch nicht in üblichen Form. Überhaupt sind diesmal keine komplizierten kunstgeschichtlichen Rätsel zu lösen, sondern streng genommen innerhalb einer Nacht bloß eine bestimmte Gedichtzeile zu finden. Klingt wenig spannend und ist es auch. Weshalb Brown seinen Roman dennoch so weit aufgeplustert hat, dass die Buchfassung satte 670 Seiten umfasst, bleibt mir ein Rätsel. Dazu passt allerdings, dass praktisch von Anfang an um den heißen Brei herumgeredet wird. Ständig werden die Dinge aufs Neue herausgezögert und noch einmal durchgekaut, bevor es weitergeht.

    Dazu ist der Plot um die angebliche bahnbrechende Enthüllung eines Zukunftsforschers nicht besonders originell und auch der Handlungsablauf erzählt wenig Neues: Robert Langdon darf mal wieder zusammen mit einer Frau auf eine mehr oder rätselhafte Odyssee gehen, während er und sie von bösen Buben verfolgt werden. Gähn.

    Im Grunde genommen ist „Origin“ nicht mal Roman im herkömmlichen Sinne, sondern eher eine Ansammlung populärwissenschaftlicher Theorien und geschichtlicher Anekdoten, umgeben von einer dünnen Rahmenhandlung.

    Die in der Geschichte vorkommende künstliche Intelligenz Winston fand ich zwar recht sympathisch, allerdings als selbst denkenden Computer lächerlich und viel zu vital, um eine Maschine sein zu können. An mehreren Stellen im letzten Drittel kichert (!) die Maschine sogar. Bei praktisch jeder Szene mit ihm erwartete ich, dass gleich herauskommen würde, dass es sich doch um einen Menschen handelt. Okay, am Ende wird das Ganze etwas relativiert, dennoch bleibt auch dieser Romanbestandteil unglaubwürdig.

    Fazit: Um ein bisschen was über Wissenschaft und Kunstgeschichte zu erfahren, taugt „Origin“ durchaus, als Roman ist dieser Band allerdings mehr als schwach.

    Im siebenten Band sieht es für Franz Eberhofer recht übel aus. Seine Susi ist zwar zurück, will aber nichts von ihm wissen. Das Haus der Mooshammerin ist niedergebrannt, weshalb die nervige Klatschbase mit den Eberhofers unter einem Dach wohnt. Die Hotelbaupläne in Niederkaltenkirchen sind ebenfalls nicht vom Tisch und sorgen für gewaltigen Unmut im Ort. Und dann sind die Cholesterinwerte vom Franz so hoch, dass ihn der Arzt auf Diät setzt. Es passiert also mächtig viel im „Leberkäsjunkie“-Roman. Vielleicht zu viel. Die Kapitel fallen deutlich längere als früher aus und sind dazu auch irgendwie ernsthafter. Die skurrilen Charaktere und Situationen sind zwar immer noch vorhanden, treten aber allmählich in den Hintergrund. Kurioserweise wirkt die Geschichte dadurch trotzdem nicht unbedingt viel tiefgründiger. Was auf die Fallermittlungen ebenfalls zutrifft. Franz und Rudi gehen zwar einigen Spuren nach, doch dies alles wirkt relativ halbherzig.

    Aber das passt zum ganzen Buch. Ich hatte das Gefühl, dass Franz Eberhofer nicht nur in der Geschichte, sondern generell langsam die Luft auszugehen schien. Was auch verständlich ist, da irgendwann eben alle Gags und witzigen Szenarien mal durchgespielt sind. Daher bin ich gespannt, ob Rita Falk das Ruder im nächsten Mal noch einmal herumreißen kann oder es weiter abwärts geht …

    Auch nach 15 Jahren hat Detective Nap Dumas das Trauma über den Tod seines Zwillingsbruders Leo und dessen Freundin Diana nicht überwunden. Zumal kurz nach der Tragödie Naps Freundin Maura auf mysteriöse Weise untertauchte und seither nicht mehr gesehen wurde. Als sein früherer Klassenkamerad Rex ermordet wird und man am Tatort Mauras Fingerabdrücke findet, rollt Nap den damaligen Fall noch einmal auf. Alles scheint mit einer alten Militärbasis zusammenzuhängen, auf der offenbar geheime Experimente stattfanden ...

    „In deinem Namen“ enthält ein recht typisches Coben-Szenario: Jemand wird von seiner Vergangenheit eingeholt und muss sich den damals ungeklärten Fragen stellen. Diesmal allerdings hat der Meister das Ganze mit Verschwörungstheorien und urbanen Legenden gewürzt. Stellenweise erinnert die Geschichte daher ein wenig an frühere Folgen von „Akte X“. Zwar ohne den Mystery-Anteil, aber mit dem ganzen Rest über geheime Militärbasen, Nacht-und-Nebel-Aktionen, geheimnisvollen Männer in schwarzen Anzügen und ungeklärten Todesfälle. Ich für meinen Teil erwartete fast, dass gleich Mulder & Scully um die Ecke kommen würden.

    Das passierte zwar nicht, dafür aber hatten Ex-Sportler Myron Bolitar und Staatsanwältin Loren Muse kurze Gastauftritte. Beide sind Coben-Fans aus zahlreichen anderen Romanen bekannt.

    Gefallen hat mir „In deinem Namen“ zweifelsohne. Die Handlung war packend, mysteriös, verwirrend und abwechslungsreich. Bloß bei der Auflösung am Ende kam mir manches etwas arg konstruiert vor.

    Eberhofers sechster Fall beginnt bei seinem Freund Rudi, dem eine Krähe einen abgetrennten Frauenfinger aufs Balkongeländer legt. Daraufhin beginnen die zwei zu ermitteln und stoßen in München auf mehrere Frauenleichen – die seltsamerweise alle Dirndl-Kleider tragen. Dadurch wird natürlich all ihr kriminalistischer Spürsinn gefragt. Parallel dazu soll in Niederkaltenkirchen ein Hotel gebaut werden und sorgt für gewaltig Unmut in der Bevölkerung.

    Im „Zwetschgendatschikomplott“ hat Franz zwar wieder jede Menge Polizeiarbeit um die Ohren, ganz so gut wie Band Vier und Fünf fand ich den nächsten Teil allerdings nicht. Es lief einfach irgendwie unpersönlich und larifari ab. Und Franz‘ Verhalten bezüglich Susi war ebenfalls nicht wirklich befriedigend. Da kam die Backpfeife von der Oma am Ende des Buches gerade recht. Bin mal gespannt, wie es im siebenten Teil weitergeht.

    81Y4XMr6nmL.jpg


    • MP3 CD
    • Verlag: der Hörverlag; Auflage: Gekürzte Lesung (30. April 2018)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 3844529780
    • ISBN-13: 978-3844529784

    Über den Autor:

    Seinen Durchbruch feierte Frank Schätzing 2004 mit dem Ökothriller „Der Schwarm“, in dem die Menschheit existenziell bedroht ist durch eine hochintelligente Lebensform, die tief unten im Meer lebt. Seither gilt der 1957 geborene Kölner als einer der erfolgreichsten deutschen Autoren. Zuvor war Frank Schätzing in der Werbebranche tätig, außerdem produzierte er Musik. Seit den 1990er-Jahren konzentrierte er sich aber zunehmend auf die Schriftstellerei. Zunächst veröffentlichte er 1995 „Tod und Teufel“, der Roman spielt im Köln des Jahres 1260. Weitere Bücher folgten, der erste Bestseller gelang Schätzing im Jahr 2000 mit dem Politthriller „Lautlos“. 2009 erschien „Limit“, ein weiterer Zukunftsthriller, in dem es diesmal nicht hinab ins Meer, sondern hinauf auf den Mond geht.



    Inhaltsangabe:

    Füllhorn der Wünsche? Oder Büchse der Pandora?
    Kalifornien, County Sierra, Goldgräberprovinz: Sheriff Luther Opoku hat mit Kleindelikten und illegalem Drogenanbau zu kämpfen. 300 Meilen westlich davon, im Silicon Valley, wetteifern IT-Visionäre um die Erschaffung des ersten ultraintelligenten Computers mit dem Ziel, die großen Probleme der Menschheit zu lösen. Als eine Biologin in Sierra unter rätselhaften Umständen ums Leben kommt, muss Luther erkennen, dass sein verschlafenes Naturidyll längst Testgelände eigenwilliger Experimente geworden ist. Bald beginnt er an seinem Verstand zu zweifeln. Tote werden lebendig, die Zeit gerät aus den Fugen ... der Anfang einer Odyssee über die Grenzen des Vorstellbaren hinaus.



    Meine Einschätzung:

    Frank Schätzings neuer Roman sprach mich vom Thema und der Inhaltsangabe durchaus an. Ein verzwicktes Verbrechen, Zeitreisen, alternative Realitäten? Warum nicht.

    Allerdings fand ich bereits den Prolog in Afrika superanstrengend und nervig. Mit unnötig aufgeblähter Sprache und meist passiv geschrieben, völlig uninteressant. Mehrfach überlegte ich, den Roman schon da abzubrechen, aber ich quälte mich durch mit der Hoffnung, dass das Epos danach besser werden würde.

    Das passierte zwar, unnötig aufgebläht blieb die Sprache aber dennoch (Beispiele dafür sind: "gehen eine schockartige Verbindung ein", "Gelächter bricht sich Bahn" oder "Als die Schwerkraft obsiegt"). Außerdem neigte Frank Schätzing in der Geschichte zu übermäßig vielem Erklären, manchmal im Ton eines Oberlehrers. Sicherlich, es wurden etliche kühne Thesen aus der theoretischen Physik aufgegriffen und einige philosophische Fragen bezüglich der menschlichen Existenz, dem Bewusstsein und künstlicher Intelligenz angesprochen. Stellenweise passte das auch gut, in vielen Fällen war es aber viel zu weitläufig und zu ausschweifend erzählt. Ich brauchte auch keine komplette Biographie eines fiktiven Unternehmens, inklusive Vorstellung scheinbar sämtlicher unterschiedlichen Forschungsabteilungen und deren aktueller Projekte. Kaum zu glauben, dass der Roman in der Druckfassung *nur* rund 730 Seiten hat, genauso gut hätten es auch über tausend sein können. Angenehm und witzig fand ich die zahlreichen Anspielungen auf Filme und Musik zwischendurch, doch auch die konnten nicht viel aufwerten.

    „Die Tyrannei des Schmetterlings“ ist und bleibt eine massiv aufgeblähte Geschichte mit jeder Menge nicht unbedingt notwendiger Informationen. Selbst das Ende wirkte herausgezögert und in die Länge gezogen. Hätte das Lektorat hier und da den Rotstift angesetzt, es hätte der Geschichte sehr gut getan.

    Sehr positiv hervorheben möchte ich allerdings den Sprecher der Hörbuchfassung Sascha Rotermund. Auch seiner durchweg guten Arbeit war es zu verdanken, dass ich die ganzen knapp 24 Stunden Laufzeit am Ball blieb.

    Der Dorf-Gendarm ist einfach zu gut für die Provinz. Da seine Aufklärungsquote zu hoch ist, wird Franz Eberhofer nach München versetzt. Als ihn der Papa und die Oma besuchen kommen, wird deren alter Opel Admiral gestohlen. Tage später findet man ihn in einem Waldstück bei Dachau wieder, allerdings mit einer Leiche im Kofferraum. So kommt Franz an seinen neuesten Fall und darf dabei mal wieder richtig tief ermitteln. Aber auch sein Privatleben hält ihn auf Trab, nachdem er durch einen Nebenbuhler praktisch gezwungen wird, seiner Susi einen Heiratsantrag zu machen.

    Der fünfte Eberhofer-Fall hat mir ganz besonders gefallen. Nicht, weil der Krimiplot besonders ausgefuchst war (ehrlich gesagt ahnte ich relativ früh, worauf es hinauslaufen würde), aber zum ersten Mal in der Serie ging es in einem Roman hauptsächlich um die Ermittlungen. Die privaten Verwicklungen wurden angenehm zurückgeschraubt und auf das Wesentliche reduziert. Das tut der Handlung sehr gut und treibt die Geschichte vorwärts. Witzig bleibt die Story ja trotzdem. Entsprechend groß ist meine Vorfreude auch auf den sechsten Band.

    Wie schon die Vorgänger-Bände wird auch Eberhofers fünfter Fall von Christian Tramitz vorgetragen. Ungekürzt und mit vielen verschiedenen Stimmlagen. Da gibt es nichts zu meckern, im Gegenteil!

    Nach dem doch recht seichten dritten Band „Schweinskopf al dente“ bekommt Franz Eberhofer im vierten Teil endlich wieder richtig was zu tun. Sein fieser Vorgesetzter Barschel von der PI Landshut wurde ermordet und Franz ist der Hauptverdächtige. Kann er natürlich nicht auf sich sitzen lassen und stellt daher zusammen mit Kumpel Rudi eigene Ermittlungen an. Und auch daheim gibt es Veränderungen, als mit Paul plötzlich ein alter Liebhaber von der Oma vor der Tür steht. Die Oma ist hellauf begeistert, während ihr Sohn massiven Frust schiebt. So gibt es einiges zu tun, was der Geschichte definitiv gut tut. Insbesondere weil die Krimi-Handlung diesmal tatsächlich wieder eine tragende Rolle einnimmt. So ist es alles in allem eine feine Unterhaltung, die selbst nach der „Auflösung“ im letzten Drittel nicht abgeschlossen ist, sondern noch einige interessante Sachen hinterherschiebt.

    612uqily6AL._SY448_BO1,204,203,200_.jpg

    • Audio CD
    • Verlag: Random House Audio; Auflage: ungekürzte Lesung (18. März 2013)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 383711970X
    • ISBN-13: 978-3837119701
    • Originaltitel: Calico Joe (Doubleday)


    Über den Autor:

    John Grisham hat 31 Romane, ein Sachbuch, einen Erzählband und sechs Jugendbücher veröffentlicht. Seine Bücher wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Er lebt in Virginia.


    Inhaltsangabe:

    Die Sekunde, die dein Leben verändert
    Joe Castle ist ein Ausnahmetalent. Bereits in seinen ersten Spielen für die Chicago Cubs schlägt er einen Home Run nach dem anderen. Die Fans sind begeistert, und es dauert nicht lange, bis das ganze Land den jungen Spieler frenetisch feiert. Joes Weg an die Spitze scheint vorgezeichnet zu sein, bis er eines Tages auf dem Spielfeld Warren Tracey gegenübersteht, einem mittelmäßigen Werfer der New Yorker Mets, der Joes Erfolg nicht ertragen kann.
    Es beginnt ganz unspektakulär mit einer Zerrung im Oberschenkel. Der First Baseman der Chicago Cubs stürzt, und die Mannschaft braucht plötzlich einen freien Spieler, der die Position übernehmen kann. Damit kommt Joe Castle ins Spiel, ein einundzwanzigjähriger College-Spieler, der eine vielversprechende Saison hinter sich hat. Es dauert nicht lange, bis Castle seinen ersten Rekord für die Cubs aufstellt: drei Home Runs in einem Spiel. Noch glaubt jeder an Anfängerglück, doch Castle beweist brillant das Gegenteil. Er erzielt einen Home Run nach dem anderen und wird bald im ganzen Land als Jahrhunderttalent umjubelt. Bis er während eines Spiels gegen die New Yorker Mets auf Warren Tracey triff t, der einen Ball wirft, der Joe Castles Leben für immer verändern wird. Dreißig Jahre später macht sich Traceys Sohn auf den Weg, um Joe Castle um Vergebung für seinen Vater zu bitten. Eine schicksalhafte Reise, deren Ausgang ungewiss ist.

    Meine Kritik:

    Paul Tracey erzählt seine Lebensgeschichte: Wie er 1973 als 11-jähriger einen ganz besonderen Sommer erlebte. Nicht wegen seines Vaters Warren Tracey, einem mittelmäßigen Werfer der New Yorker Mets, sondern wegen des Baseball-Ausnahmetalents Joe Castle, dessen kometenhafte Karriere er von Anfang an verfolgt und bei jedem seiner Spiele mitfiebert. Schließlich kommt es zum Aufeinandertreffen der beiden Baseball-Profis und diese Begegnung wird ihrer beider Leben für immer verändern. Dreißig Jahre später bricht Paul Tracey auf, um die damaligen Ereignisse aufzuarbeiten.

    Obwohl ich ein Grisham-Fan bin, hatte ich mit diesem Roman so meine Schwierigkeiten. Es lag nicht daran, dass ich ein Sportmuffel bin (Grishams „Touchdown“ fand ich ebenfalls recht gelungen), sondern dass es in „Home Run“ vor englischen Fachausdrücken nur so wimmelt (zum Beispiel: „Beanball“ oder "Pitcher"). Wenn man sich mit Baseball-Sport nicht auskennt, kann man meist nur mutmaßen, worum es bei vielen Spielbeschreibungen überhaupt handelt. Das ist auf Dauer anstrengend. Hätte ich das Buch in gedruckter Form vor mir gehabt, hätte ich es vermutlich schon frühzeitig abgebrochen. Als Hörbuch ist der „Home Run“ deutlich leichter zu ertragen. Sicherlich auch dank Charles Brauers stets großartiger Arbeit. Nichtdestotrotz spürt man auch bei „Calico Joe“, so der Originaltitel der Geschichte, deutlich, dass sich der Autor im Bereich Baseball hervorragend auskennt und jede Menge Spaß beim Verfassen der Geschichte hatte.

    41iygp5D0zL._SX313_BO1,204,203,200_.jpg

    • Taschenbuch: 272 Seiten
    • Verlag: Penguin Verlag (25. April 2018)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 3328102728
    • ISBN-13: 978-3328102724


    Über das Buch:

    Täglich bekommt Hasnain Kazim hasserfüllte Leserpost. Doch statt die Wutmails einfach wegzuklicken, hat er beschlossen zurückzuschreiben – schlagfertig, witzig und immer wieder überraschend. Dieses ebenso unterhaltsame wie kluge Buch versammelt seine besten Schlagabtäusche mit den Karlheinzen dieser Welt und beweist, warum man den Hass, der im eigenen Postfach landet, nicht unkommentiert lassen sollte. Denn, wie Hasnain Kazim schreibt: »Wenn wir schweigen, beginnen wir, den Hass zu akzeptieren. Also, reden wir!«



    Biografie

    Hasnain Kazim, 1974 als Sohn indisch-pakistanischer Einwanderer in Oldenburg geboren, schreibt seit 2004 für SPIEGEL ONLINE und den SPIEGEL. Seit 2009 lebt er als Korrespondent im Ausland u.a. in Islamabad, Istanbul und derzeit in Wien. Bei allem politischen und religiösen Extremismus, dem er bei seiner Arbeit begegnet, versucht er, auch das Schöne und Alltägliche zu beschreiben. Für seine Berichterstattung wurde er als „Politikjournalist des Jahres“ geehrt und mit dem „CNN Journalist Award“ ausgezeichnet. Zuletzt veröffentlichte er unter dem Titel „Plötzlich Pakistan“ seine Erfahrungen als Auslandskorrespondent (2015).



    Meine Kritik:

    Als Spiegel-Journalist, der viel über die Türkei und Afghanistan berichtet (hat) und dessen Vorfahren selbst aus Indien und Pakistan stammen, steht Hasnain Kazim besonders im Focus von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Anstatt die vielen Hass-Mails, die er für seine normale Berichterstattung erhält, einfach zu löschen, beantwortet er sie und versucht, mit all den verpeilten Persönlichkeiten ins Gespräch zu kommen. Ich war ehrlich erschüttert, wie viele Hassmails da eintrudelten, teilweise mit richtig abstrusem Stuss, wo ich mich schon beim Lesen fremdschämte. Bemerkenswert fand ich aber Hasnain Kazims Antworten: Witzig, schnippisch, manchmal provozierend, oftmals erklärend, viel deeskalierend und immer besonnen. Vereinzelt lässt Kazim in seinem Karlheinz-Buch auch Lob- und Fanpost mit einfließen. Diese Schreiben sind kleine Lichtblicke, die andeuten, dass die Welt doch noch nicht völlig im Eimer ist. Ein tolles Buch, das einen schockiert, amüsiert und imponiert. Und einem zeigt, wie man sich auch mit negativer Kritik konstruktiv auseinandersetzen kann. Gute Arbeit.