Beiträge von fictionmaster

    Als Fan von (Lokal-)Krimis stößt man auf kurz oder lang auf Rita Falks Eberhofer-Krimis. Mittlerweile gibt es neben den Romanen und Hörbüchern sogar mehrere Verfilmungen. Angefangen hat alles mit dem ersten Buch „Winterkartoffelknödel“. Hier erleben wir, wie der zwangsversetzte Polizist Franz Eberhofer mit seiner Arbeit und dem Dorfalltag in Niederkaltenkirchen zu kämpfen hat. Wir lernen die Oma, den Beatles-verrückten Vater, den Flötzinger und all die anderen skurrilen Charaktere kennen. Nebenbei und ganz allmählich schleicht sich auch die Krimi-Handlung mit ein. In der Region neigt die Familie Neuhofer nämlich zu ungewöhnlichen Todesfällen. Die werden zwar alle als Unfälle klariert, kommen Franz aber dennoch merkwürdig vor.

    Also beginnt er entgegen dem Willen des Bürgermeisters zu ermitteln. Allerdings nicht so wie ein normaler, professioneller Polizei. Das ist stellenweise kurios bis klamaukig und lässt dank Rita Falks knapper Schreibweise viel Platz für jede Menge andere Erlebnisse. Das Buch liest sich wie ein Tagebuch, bleibt manchmal oberflächlich und geizt mit Personenbeschreibungen. So weiß ich zum Beispiel bis zum Ende nicht recht, wie Franz und seine Familie überhaupt aussehen. Macht aber nichts. Der „Winterkartoffelknödel“ weiß trotzdem gut zu unterhalten.

    Den Autor Josh Bazell kannte ich vorher nicht, aber schon am Anfang seines Romans „Schneller als der Tod“ lässt er keinen Zweifel daran, dass wir es hier mit einem medizinischen Fachmann zu tun haben. Deshalb spielt seine blutige Mordgeschichte auch in einem Krankenhaus und die Hauptperson Pietro ist ein ehemaliger Mafiakiller, der untergetaucht als Arzt arbeitet. Bis einer seiner alten Rivalen eingeliefert wird.

    Im Klappentext des Romans heißt es, dass es sich um „einen adrenalingeladenen Thriller mit Dialogen, so scharf geschliffen wie ein Skalpell. Josh Bazell schreibt extrem cool und schockierend unterhaltsam – so zynisch und komisch, als hätte Tarantino bei Dr. House Regie geführt.

    Das kann man genauso stehen lassen. Die Geschichte ist amüsant und brutal, die Sprache ziemlich direkt. Trotzdem wurde ich mit der Hauptperson nicht richtig warm. Selbst die vielen Flashbacks in seine Vergangenheit, die vom Werdegang des Protagonisten berichten, änderten nichts ändern. So war es alles in allem wie ein Fastfood-Produkt: Schnell konsumiert, aber nicht lange anhaltend. Etwas unbefriedigend empfand ich das abrupte Ende. Zum Glück ist mit „Einmal durch die Hölle und zurück“ bereits eine Fortsetzung erschienen.

    Die Hörbuchfassung wird von Christoph Maria Herbst gelesen, der hervorragende Arbeit abliefert und durch seine trockene Betonung der Geschichte noch weitere Würze verteilt.

    Akte X: Cold Cases - Die komplette 1. Staffel (Ungekürzte Ausgabe)

    Joe Harris (Autor), Chris Carter (Autor), Dirk Maggs (Autor), Benjamin Völz (Sprecher), Franziska Pigulla (Sprecher), Dieter Memel (Sprecher), Thomas Kästner (Sprecher), Bettina Weiß (Sprecher), Gunter Schoß (Sprecher), Audible Studios (Verlag)


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    Inhaltsangabe:
    Viele Jahre lang waren die FBI-Agenten Fox Mulder und Dana Scully in der X-Akten-Einheit tätig, einer kleinen Abteilung des Bureaus, die sich mit scheinbar unerklärlichen oder übernatürlichen Phänomenen beschäftigte. Und jetzt sind sie zurück...
    14 Jahre nachdem Mulder und Scully ihren gemeinsamen Sohn William zur Adoption freigeben mussten, infiltrieren unbekannte Hacker die Datenbanken des FBI - und stehlen dabei nicht nur Informationen über alte, ungelöste Fälle der beiden, sondern finden auch ihre geheime Identität heraus.
    Director Skinner, immer noch beim FBI, ist alarmiert. Als ehemaliger Chef von Mulder und Scully beschließt er, die beiden zu warnen - und macht sie dabei kurzerhand wieder zu Agenten. Sie sollen herausfinden, wer und was tatsächlich hinter dem Hackerangriff steckt, und wie es sein kann, dass plötzlich immer mehr alte Feinde der X-Akten auftauchen, die allesamt längst tot waren.
    Schon bald wird klar, dass Mulder und Scully einer Verschwörung auf der Spur sind, die nicht nur die US Regierung und das berühmte Syndikat umfasst, sondern auch Kräfte, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen...



    Meine Einschätzung:

    Ich dachte ja, die vor kurzem erschienene Kurzgeschichtensammlung „Akte X: Vertrauen Sie niemandem“ (Herausgeber Jonathan Maberry) wäre gut, aber Joe Harris‘ „Cold Cases“ legen da mühelos noch einige Tacken drauf. Die neuen Fälle sind durch die Bank durch spannend, interessant und unterhaltsam. Dadurch, dass sie von den Themen her sehr abwechslungsreich sind (neben Alienverschwörungen bekommen wir einige sehr bemerkenswerte Stand-Alone-Folgen), gibt es in den gesamten 7h 45 min keinerlei Leerlauf. Dazu finden sich viele Anspielungen und Querverweise auf frühere Episoden (und sogar auf „Millennium“), die jedes Fanherz höherschlagen lassen.

    Das größte Highlight ist meiner Meinung nach allerdings, dass es keine Hörbuchlesungen, sondern hervorragend gemachte Hörspiele mit praktisch sämtlichen Original-Synchronsprechern sind. Nicht nur Mulders Original-Stimme Benjamin Völz ist mit von der Partei, sondern selbst längst tot geglaubte Figuren wie Mr. X oder Alex Kryczek klingten so wie früher.

    Fazit: Bei den „Cold Cases" stimmt alles. Die Hörspiele sind sogar besser als die aktuell letzte (elfte) TV-Staffel der Serie. Hoffentlich ist eine Fortsetzung bereits in der Mache.

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    • Taschenbuch: 336 Seiten
    • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1. (12. Februar 2016)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 3746631750
    • ISBN-13: 978-3746631752



    Über die Autorin:

    Joan Weng (*1984) studierte in Stuttgart und Tübingen und promoviert aktuell über die Literatur der Weimarer Republik. Für ihre literarische Arbeit wurde sie mehrfach mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Sie ist Mitglied der Gedok und der 42er Autoren, deren Blog http://www.zweiundvierziger.de sie leitet. Im Aufbau Taschenbuch sind ihre in der Weimarer Republik spielenden Kriminalromane "Feine Leute" und "Noble Gesellschaft" sowie die historische Liebesgeschichte „Das Café unter den Linden“ lieferbar.



    Inhaltsangabe:

    Berlin im Sommer 1925: Dass Bernice ihren schwerreichen Gatten von ihrem Liebhaber hat umbringen lassen, ist eine Tatsache – zumindest für die feine Gesellschaft. Kriminalkommissar Paul Genzer ist davon jedoch nicht überzeugt, insbesondere nachdem die Witwe plötzlich an einer Überdosis Morphium gestorben ist. Während der Tod der Witwe neue Fragen aufwirft, folgen weitere Bluttaten, und so ist der proletarische Kommissar bald froh, bei seinen Ermittlungen durch den hochadligen Filmstar Carl von Bäumer ungewöhnliche Unterstützung zu bekommen. Der Leinwanddetektiv mit der Leidenschaft für Kokain kennt sich zwar bestens aus in der Welt der Reichen und Schönen, er verfolgt jedoch ganz eigene Motive. Ein Kriminalfall vor besonderer Kulisse: die Goldenen Zwanziger Jahre und ihre feine Gesellschaft.



    Meine Kritik:

    Über das Berlin der 1920er Jahren ranken sich ja einige Mythen und Legenden. Es war die gute alte Zeit, bevor in den 30er Jahren alles den Bach herunterging. Viele Geschichten sind bereits darüber erzählt worden und Joan Weng fügt mit ihren „Feinen Leuten“ eine weitere feine hinzu. Der schwule Kommissar Paul Genzer untersucht einen rätselhaften Mordfall und nutzt die Gelegenheit, im Zuge der Ermittlungen wieder die Nähe zu seinem Ex, Carl von Bäumer, „dem schönsten Mann der UFA“ zu suchen. Dieser ist ebenfalls alles andere als abgeneigt und unterstützt seinen Lover so gut er kann.

    Was bei der Geschichte zu allererst heraussticht, ist die Atmosphäre. Joan Weng schafft es mühelos, einen in die dekadente Welt der 20er Jahre eintauchen zu lassen. Sie lässt ihre Charaktere wie die Leute der damaligen Zeit reden und denken, und verwendet auch sonst jede Menge Begriffe und Subtext, die einen authentisch in die damalige Zeit zurückversetzen. Stellenweise war es mir fast ein wenig zu viel Flair, weil dadurch der eigentliche Kriminalfall etwas in den Hintergrund rückte. Aber dafür kriegt man eine tolle Geschichte erzählt und darf gespannt sein, wohin einen Paul Genzers Ermittlungen noch führen.

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    • Audio CD
    • Verlag: Argon Verlag GmbH; Auflage: 1., Aufl. (Oktober 2008)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 3866105371
    • ISBN-13: 978-3866105379


    Über den Autor

    Mickey Spillane, geboren 1918, ist der legendäre Schöpfer von Mike Hammer. Seine Bücher haben sich weltweit über 140 Millionen Mal verkauft. Der König des Pulp starb 2006.



    Inhaltsangabe:

    Für diese Frau würden Männer töten...

    20 Jahre lebt der New Yorker Ex-Cop Jack Stang mit der Erinnerung an den Tod seiner Freundin. Sie kam bei einer versuchten Entführung ums Leben. Doch was, wenn sie in Wahrheit gar nicht tot ist? Wenn sie überlebt, aber ihr Gedächtnis und alles andere, was sie besaß, verloren hat? Alles - bis auf ihre Feinde?


    Meine Kritik:

    Ab und an muss es mal ein schöner Hard-boiled-Krimi sein. Diesmal habe ich mich für den Mike-Hammer-Erfinder Mickey Spillane und sein „Ende der Straße“ entschieden. Darin geht es um den New Yorker Ex-Cop Jack Stang, der zwanzig Jahre lang dachte, seine große Liebe wäre bei einem Autounfall gestorben. Dann erfährt er, dass die Frau noch lebt und unter anderem Namen in einem Rentnerparadies in Florida lebt. Dummerweise hat sie bei dem damaligen Unfall ihr Gedächtnis verloren. Dennoch zögert Jack nicht lang, in ihre Nähe zu ziehen. Zumal seinerzeit einige zwielichtige Mafiagestalten hinter der Frau her waren und vermutlich auch jetzt noch keine Ruhe geben. Kaum ist er vor Ort, lassen die üblen Verwicklungen nicht lang auf sich warten.

    Die Geschichte ist von der ersten Seite an spannend erzählt. Es gibt keine Schnörkeleien oder Beschönigungen. Stattdessen nur nüchtern-trockene, stellenweise sehr sarkastische Schilderungen in bester 40er-Jahre-Krimi-Manier. Nur, dass diese Geschichte im neuen Jahrtausend spielt. Den atomaren Subplot fand ich zwar etwas übertrieben, aber davon abgesehen war es eine hervorragende Unterhaltungen mit viel Mord, Verrat und Polizeiromantik, die zu keiner Zeit langweilig war. An diesem Spätwerk von Mickey Spillane merkt man deutlich, dass der Autor schon lange im Geschäft war und genau wusste, was er tat. Das i-Tüpfelchen folgte beim Hörbuch dann noch in Form von Reiner Schöne, jenem raustimmigen Sprecher, der normalerweise Sam Elliot, Willem Dafoe oder Harvey Keitel synchronisiert. Er passte hier buchstäblich wie die Faust aufs Auge und liefert noch dazu eine Bestleistung ab. So geht Krimi.

    Kommissar Jennerwein ist kein Freund von Klassentreffen. Als allerdings seine ehemaligen Klassenkameraden bei einer Bergwanderung als Geiseln genommen werden, wird der Mittfünfziger schnell aktiv. Zusammen mit einem Sondereinsatzkommando versucht er, die Situation unter Kontrolle zu bekommen, doch selbst nachdem das geschehen ist, ist nicht alles im grünen Bereich. Viele Fragen bleiben offen. Also forscht der wackere Kommissar nach und deckt Verwicklungen auf, die sogar die bayrische Staatsregierung in Bedrängnis bringen könnten.

    Die Handlungszusammenfassung klingt fast nach einem Politthriller, ist aber trotzdem bloß die Kulisse für einen gemütlichen bayrischen Regionalkrimi mit den üblichen humorig-seichten Krimizutaten. Im ARD-Vorabendprogamm wäre diese Ü50-Unterhaltung ebenfalls gut aufgehoben gewesen. Da die polizeilichen Ermittlungen recht dünn ausfallen, müssen auch gleich zwei Nebenplots her: Zum einen das schrullige Ehepaar Ignaz und Ursel, das sich in den Kopf gesetzt hat, gemeinsam Bürgermeister zu werden. Zum anderen ein Ausflug ins Mittelalter von Graf Volkhard und seinem treuen Diener Odilo. Ich weiß nicht, wen davon ich nerviger fand, vermutlich lag das Ehepaar knapp vorne.

    Die X-Akten wurden wieder geöffnet. In den letzten Jahren gab es nicht nur zwei neue Staffeln der TV-Kultserie, auch in Comics und Buchform dürfen Mulder und Scully seither wieder ermitteln. In „Akte X - Vertrauen Sie niemandem“ hat Herausgeber Jonathan Maberry eine bunte Mischung verschiedener neuer Fälle zusammengetragen, geschrieben von XF-Veteranen wie Kevin J. Anderson und Phantastikgrößen wie Brian Keene, Tim Lebbon und Max Allan Collins. Sie alle kennen die X-Akten wie ihre Westentasche und scheuen sich nicht, Insider-Jokes, Querverweise und Gastauftritte weniger bekannter Figuren anzubauen. So gibt es gleich in der ersten Geschichte ein Wiedersehen mit Alex Kryczek, in anderen Geschichten werden Randfiguren wie Michael Kritschgau, Duane Barry, Mister X, Arthur Dales oder der Krebskandidaten erwähnt. Auch die Bandbreite der Storys ist beeindruckt: Es geht um gefangen gehaltene Aliens, einen verzweifelte Vampir-Roman-Autoren, dessen Erfolgsfigur zum Leben erwacht zu sein scheint: eine Alleinermittlung von Skinner und zwei von Scully sowie jede Menge andere mysteriöse Fälle. Abgesehen von der schwächeren Episode in Saudi Arabien und der dubiosen mit dem Zeitwirbel fand ich alle Geschichten sehr gelungen. Es sind typische X-Akten-Fälle, die auch Folgen der neuen TV-Staffeln hätten sein können. Gute Arbeit. Gerne mehr davon.

    Drei Jahre nach „Kühn hat zu tun“ beschenkt uns Jan Weiler mit einem zweiten Roman über den lakonischen und leicht neben der Spur laufenden Hauptkommissar Kühn. Die neue Geschichte setzt zwar einige Monate nach Band Eins an, greift aber trotzdem sämtliche vorherigen Handlungsfäden wieder auf. Sämtliche Sorgen und Nöte werden fortgeführt bzw. gehen in die nächste Runde. Lediglich der Kriminalfall ist ein ganz neuer. Diesmal wurde der Jugendliche Amir ermordet, der polizeilich weiß Gott kein unbeschriebenes Blatt ist, sich in den letzten Monaten jedoch um 180 Grad gedreht hat. Außerdem geht es am Rande um einen Giftmischer, der einen Supermarkt auf der Weberhöhe mit einem präparierten Joghurt erpressen möchte.

    Kühns Ermittlungen dazu sind interessant, clever und humorvoll, sodass man den Hauptkommissar bereitwillig überall hinbegleitet. Ich fühlte mich von Anfang bis Ende bestens unterhalten. Lediglich den Schluss fand ich etwas unbefriedigend. Ich hoffe, es dauert nicht allzu lang, bevor der Autor den dritten Kühn-Band veröffentlicht.

    „Ich bin der eselhafteste Mensch, den ich je gekannt habe“ - Neue Geheimnisse meiner Autobiographie


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    Über den Autor:

    Mark Twain wurde am 30.11.1835 in Florida (Missouri) geboren. Sein eigentlicher Name ist Samuel Langhorne Clemens. Der Vater starb 1847, und Twain musste im Alter von zwölf Jahren die Schule abbrechen und begann eine Lehre als Schriftsetzer. Mit 17 Jahren ging er nach New York, dann nach Philadelphia, wo er die ersten Reiseskizzen schrieb.Von 1857 bis 1860 war er Lotse auf dem Mississippi, nahm am Sezessionskrieg auf der Seite der Konföderierten teil und war 1861 Silbersucher in Nevada. 1864 lebte er in San Francisco, 1866 als Reporter auf Hawaii und 1867 als Reisender in Europa und Palästina. Er gründete einen Verlag, musste aber 1894 Konkurs anmelden und ging auf Weltreise, um mit Vorträgen seine Schulden abzutragen. Mark Twain starb am 21.4.1910 in Redding (Connecticut).



    Inhaltsangabe:
    Sie denken, Sie kennen Mark Twain? Weit gefehlt!
    Twain in Höchstform: Amerikas größter Humorist offenbart Geheimnisse und Abenteuer seiner Autobiographie – noch vertraulicher und persönlicher,mit einer Fülle bislang unveröffentlichter Texte.
    Nach dem furiosen Auftakt geht es endlich weiter – humorvoll, verspielt und bissig, wie wir Twain lieben, zugleich aber unverstellt, empfindsam und privat wie selten zuvor. Als wütender Zeitkritiker und melancholischer Einsiedler, liebender Familienmensch und bedingungsloser Tierfreund, geselliger Entertainer und sportliche Niete spricht er über alles, was ihn und uns bewegt: geschätzte Schriftstellerkollegen und Champagnertränen lachende Politiker, die Wesensart von Gott, geschmacklose Männerkleidung, sein Faible für College-Mädchen. Über Einsamkeit und die ganz große Liebe, seine drei Babykatzen und deren Ähnlichkeiten mit den Menschen. Laute Lacher und tiefgründige Gedankengänge sind garantiert.



    Meine Kritik:

    Mark Twain hat mich schon immer begeistert. Ganz speziell die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Warum also nicht ein bisschen mehr über das Leben des Autors erfahren? Um seine zwei berühmtesten Romanhelden geht es in seiner Autobiographie allerdings nicht. Stattdessen finde ich interessante und teilweise recht amüsante Anekdoten aus Twains ereignisreichem Leben. Es geht um gescheiterte Erfindungen, Abenteuer im Wettbewerb um spontan improvisierte freie Reden, dem Kampf gegen die Stubenfliege, eine rare, signierte Shakespeare-Ausgabe und seine Versuche, das internationale Urheberrecht zu ändern. Dazu gibt es eine Kurzgeschichte über eine an Typhus erkrankte Mutter und ihre bibeltreuen Tanten. Manche der Texte sind recht scharfzüngig, andere ironisch. Und der Autor scheut sich nicht, Namen zu nennen. Vermutlich wollte er deswegen, dass die Memoiren erst hundert Jahre später veröffentlicht werden. Für mich waren es interessante Hintergrundinfos über den berühmten Schriftsteller. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

    Es geht um einen Wachkoma-Patienten, der nach Jahren erwacht und überzeugt davon ist, ein Außerirdischer zu sein. Diese Ausgangsbasis bietet eine Menge faszinierender Möglichkeiten und Andreas Eschbach lotet viele davon aus. Wie oft bei ihm mischen sich zur normalen Romanhandlung auch etliche wissenschaftliche Ansätze und Fakten, die das Lesen noch interessanter machen.

    Ursprünglich erschien der Roman als Fortsetzungsgeschichte in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Woraus der Autor keinen Hehl macht und was man der Handlung deutlich anmerkt. Jedes der ungefähr gleich langen Kapitel endet mit einem Cliffhanger, der einen förmlich zwingt, am Ball zu bleiben. Bedauerlich ist nur, als nach gut dreißig Kapiteln auf einmal überhastet das Ende eingeleitet wird. Eschbach versucht zwar, alle offenen Handlungsfäden zusammenzuführen, dennoch wirkt der Abschluss überhastet und lässt einen etwas unbefriedigt zurück.

    Umso froher war ich, dass nach dem eigentlichen Romanteil noch ein umfangreiches Nachwort folgte, in dem der Autor viel über die Hintergründe, Umstände und das ganze Drumherum erklärt. Das versöhnte mich wieder mit dem heruntergebrochenen Ende.

    Es freut mich, den neuesten Krimi-Streich von Silke Porath und mir vorzustellen:


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    Silke Porath, Sören Prescher
    Mord mit Seeblick
    Weltbild, April 2018
    ISBN-13: 9783959736480
    400 Seiten
    Taschenbuch, 9,90 €

    Der erste Fall für Herrchen Schrödinger und Boxer Horst


    Sommer, Sonne, Strandvergnügen – etwa so haben sich Schrödinger und sein treuer Boxer Horst den Urlaub am Bodensee vorgestellt. Doch kaum haben sich die beiden in ihrem Wohnwagen eingerichtet, wird der Campingplatz zum Schauplatz eines Mordes. Ein langjähriger Stammgast wird tot am Seeufer aufgefunden. Was steckt dahinter? War der Tote in dubiose Geschäfte mit Antiquitäten verwickelt? Nicht ohne Grund ist Horst nach dem legendären Tatort-Kommissar Horst Schimanski benannt. Herr und Hund setzen sich auf die Spur des Täters.

    Diesen Krimi gibt es exklusiv bei Weltbild. Hier geht es zur Verlagsseite.
    Im Vereinsblog der 42erAutoren wurde das Buch ebenfalls vorgestellt. :)

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    • Gebundene Ausgabe: 616 Seiten
    • Verlag: Tropen; Auflage: 2., Druckaufl. (16. September 2016)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 360850124X
    • ISBN-13: 978-3608501247
    • Originaltitel: The Periphal Putnam


    Über den Autor:

    William Gibson, geboren 1948 in South Carolina, verlor früh seinen Vater und wanderte mit neunzehn nach Kanada aus, um seiner Einberufung zum Vietnamkrieg zu entgehen. 1972 ließ er sich in Vancouver nieder, wo er noch heute mit seiner Frau und zwei Kindern lebt. Berühmt wurde er 1984 mit seinem Roman »Neuromancer«, für den er alle wichtigen Science-Fiction-Preise erhielt.


    Inhaltsangabe:

    Flynne und Wilf leben auf zwei Seiten des »Jackpots«, der Apokalypse, die gegen Ende des 21. Jahrhunderts große Teile der Menschheit hinweggerafft hat. Jahrzehnte liegen zwischen ihnen, doch als ein Mord geschieht, nimmt Wilf Kontakt zu Flynne auf …

    Flynnes Heimatdorf liegt an der amerikanischen Ostküste, wo sie ihr Geld in einem 3D-Kopierladen verdient. Dort lebt auch ihr Bruder Burton, der heimlich Computerspiele testet, um seine spärliche Veteranenrente aufzubessern. Flynne springt eines Tages für ihn ein und findet sich in einer virtuellen, dunkelfremden Welt wieder, die an London erinnert. Sie ahnt nicht, dass diese Welt die Zukunft ist, in der Wilf lebt, ein PR-Mann, der Promis betreut und ein Problem hat, als eine seiner Kundinnen ermordet wird. Flynne ist die einzige Zeugin des grausamen Verbrechens – und wird von Wilf mithilfe eines Peripherals über den Zeitsprung hinweg kontaktiert. Dadurch wird sich Flynnes Welt ein für alle Mal ändern, während Wilf erfahren muss, dass die Vergangenheit einen langen Schatten hat und die Zukunft kein Spiel ist.



    Meine Kritik:

    Ich bin froh, dass ich mit William Gibsons „Pheripherie“ fertig bin. Dessen Schreibe fand ich allein sprachlich schon ziemlich anstrengend: Haufenweise Fremdwörter und Abkürzungen über futuristische Geräte, die noch nicht mal erfunden sind. Dazu jede Menge Anglizismen. Auch die machen es nicht gerade leicht, mit der Geschichte warm zu werden. Geschweige denn ihr zu folgen. Gleiches traf auf die Figuren zu, mit denen ich die ganze Zeit über nicht richtig warm wurde. Streng genommen habe ich das Buch nur bis zum Ende durchgehalten, weil ich den Ehrgeiz hatte, endlich mal einen Gibson-Roman zu beenden. Die vorherigen hatte ich ja alle frühzeitig abgebrochen.Wieso das Buch bei anderen so euphorisch aufgenommen wurde, kann ich nicht nachvollziehen. Da fand ich Tom Hillenbrands ebenfalls vor kurzem erschienen SF-Roman „Hologrammatica“ um Welten besser.

    „Kein Lebenszeichen“ beginnt wie ein normaler Harlan-Coben-Roman. Etwas Ungewöhnliches passiert und jemand wird von seiner Vergangenheit eingeholt. In dem Fall ist es der Mittdreißiger Will, der erfährt, dass sein unter Mordverdacht stehender und seit elf Jahren als tot geltender Bruder Ken vielleicht doch noch am Leben sein könnte. Richtig kurios wird es, als Wills Freundin mitten in der Nacht einen Anruf bekommt und danach plötzlich abtaucht. Selbstredend, dass Will da einige Nachforschungen anstellt. Was danach folgt, ist ein ständiges Hin und Her. Immer wieder kommen neue Enthüllungen ans Licht, die die vorherigen Erkenntnisse auf den Kopf stellen. Genau das macht die verzwickte Geschichte spannend und hält sie am Laufen. Mehrmals habe ich mich bewundernd gefragt, wie man auf einen solchen Plot kommt. Als sich am Ende alles aufklärt, wirkt das zwar stellenweise ernüchternd, jedoch ebenso plausibel. Auf jeden Fall ist es ein abwechslungsreicher Thriller, der nie langweilig wird und einen bestens unterhält. Der Gastauftritt von Hester Grimstein und die Anspielungen auf Bruce Springsteen waren für mich als Fan (von Coben und Springsteen) weitere Pluspunkte.

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    • Broschiert: 432 Seiten
    • Verlag: Heyne Verlag (5. März 2018)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 345327167X
    • ISBN-13: 978-3453271678
    • Originaltitel: Artemis




    Über den Autor:

    Andy Weir war schon im Alter von fünfzehn Jahren als Programmierer und später als Softwareentwickler für diverse Computerfirmen tätig, bevor er mir seinem Roman "Der Marsianer" einen internationalen Megabestseller landete. Seither widmet er sich ganz dem Schreiben und beschäftigt sich in seiner Freizeit mit Physik, Mechanik und die Geschichte der bemannten Raumfahrt – Themen, die sich auch immer wieder in seinen Romanen finden. Sein Debüt "Der Marsianer" wurde von Starregisseur Ridley Scott brillant verfilmt.



    Inhaltsangabe:

    Der neue Roman vom Autor des Weltbestsellers Der Marsianer

    Jazz Bashara ist kriminell. Zumindest ein bisschen. Schließlich ist das Leben in Artemis, der ersten und einzigen Stadt auf dem Mond, verdammt teuer und, wenn man kein Millionär ist, verdammt ungemütlich. Also tut Jazz, was getan werden muss: Sie schmuggelt Zigaretten und andere auf dem Mond verbotene Luxusgüter für ihre reiche Kundschaft. Als sich ihr eines Tages die Chance auf einen ebenso lukrativen wie illegalen Auftrag bietet, greift Jazz zu. Doch die Sache geht schief, plötzlich steckt Jazz mitten drin in einer tödlichen Verschwörung, in der nichts Geringeres auf dem Spiel steht, als das Schicksal von Artemis selbst.


    Meine Kritik:

    In der nicht allzu fernen Zukunft haben die Menschen auf dem Mond eine kleine Stadt namens Artemis errichtet. Die 26-jährige Schmugglerin Jazz Bashara ist eine der Bewohnerinnen. Als ihr der Milliardär Trond Landvik einen gut bezahlten, illegalen Auftrag anbietet, zögert sie nicht lang. Allerdings geht der ausgeheckte Plan nicht auf, Landvik wird getötet und der Mord Jazz in die Schuhe geschoben...

    Obwohl die Geschichte rasant und abwechslungsreich ist, brauchte es eine Weile, bis ich mit ihr warm wurde. Vielleicht lag es an der locker-flapsigen, stellenweise fast an Douglas Adams erinnernde Erzählweise. Oder dass alle Figuren etwas überzeichnet, beinahe klamaukig und klischeehaft sind. An den nerdigen Anspielungen auf Star Wars, Star Trek und dergleichen scheiterte es jedenfalls nicht.

    Alles in allem ist es ein Sci-Fi-Thriller, der sich selbst nicht so ganz ernst nimmt, einem aber eine recht solide Unterhaltung bietet. Im Vergleich zum ebenfalls vor kurzem erschienenen, deutlich komplexeren Sci-Fi-Thriller „Hologrammatica“ von Tom Hillenbrand unterliegt „Artemis“ allerdings.

    In Tom Hillenbrands "Hologrammatica" geht es um den Londoner Vermisstensucher Galahad Singh, der Ende des 21. Jahrhunderts versucht, eine verschwundene Computerexpertin wiederzufinden. Die Welt zu der Zeit hat sich allerdings sehr verändert: Der Klimawandel hat eine Völkerwanderung ausgelöst (viele Länder in Europa sind nur noch spärlich bewohnt, Sibirien ist inzwischen das angesagte Trend-Land), neuartige Techniken wie Holonet und Mind Uploading (digitale Gehirne, mithilfe derer man sich in andere Körper hochladen kann) ermöglichen es, die eigene Identität wie ein paar Schuhe zu wechseln. Sämtliche der Zukunftstechniken sind gut durchdacht, vieles davon sogar logische Folgen von Sachen, die wir heutzutage kennen.

    Die Geschichte in bester "Blade Runner" - Manier ist angenehm vielschichtig, kompakt und abwechslungsreich. Eine Sci-Fi-Story mit Elementen der Hardboiled-Krimis der 1940er Jahre. Bis zum Ende hin weiß man nie, was einen gleich als nächstes erwartet. Es geht auf verschiedene Kontinente und Bevölkerungsschichten, es geht um Verbrechen, Sex und Cyber-Kriminalität. Innerhalb der gerademal 560 Seiten erschafft der Autor quasi ein ganz eigenes lebendiges Universum. Hier muss ich nicht ganz ohne Neid zugeben, dass Tom Hillenbrand den SF-Roman geschrieben hat, den ich immer schreiben wollte. Ich bin tief beeindruckt.


    Für alle „Hologrammatica“-Fans, die nicht genug vom Roman bekommen, hat der Autor auch noch die Kurzgeschichte (bzw. Road Novella) „Crasher“ verfasst. Darin geht es um einen den PS-Verliebten Coupe, der von illegalen Rennen mit noch manuell gesteuerten Auto erfährt und unbedingt daran teilnehmen möchte.