Beiträge von fictionmaster

    Eberhofers sechster Fall beginnt bei seinem Freund Rudi, dem eine Krähe einen abgetrennten Frauenfinger aufs Balkongeländer legt. Daraufhin beginnen die zwei zu ermitteln und stoßen in München auf mehrere Frauenleichen – die seltsamerweise alle Dirndl-Kleider tragen. Dadurch wird natürlich all ihr kriminalistischer Spürsinn gefragt. Parallel dazu soll in Niederkaltenkirchen ein Hotel gebaut werden und sorgt für gewaltig Unmut in der Bevölkerung.

    Im „Zwetschgendatschikomplott“ hat Franz zwar wieder jede Menge Polizeiarbeit um die Ohren, ganz so gut wie Band Vier und Fünf fand ich den nächsten Teil allerdings nicht. Es lief einfach irgendwie unpersönlich und larifari ab. Und Franz‘ Verhalten bezüglich Susi war ebenfalls nicht wirklich befriedigend. Da kam die Backpfeife von der Oma am Ende des Buches gerade recht. Bin mal gespannt, wie es im siebenten Teil weitergeht.

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    • MP3 CD
    • Verlag: der Hörverlag; Auflage: Gekürzte Lesung (30. April 2018)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 3844529780
    • ISBN-13: 978-3844529784

    Über den Autor:

    Seinen Durchbruch feierte Frank Schätzing 2004 mit dem Ökothriller „Der Schwarm“, in dem die Menschheit existenziell bedroht ist durch eine hochintelligente Lebensform, die tief unten im Meer lebt. Seither gilt der 1957 geborene Kölner als einer der erfolgreichsten deutschen Autoren. Zuvor war Frank Schätzing in der Werbebranche tätig, außerdem produzierte er Musik. Seit den 1990er-Jahren konzentrierte er sich aber zunehmend auf die Schriftstellerei. Zunächst veröffentlichte er 1995 „Tod und Teufel“, der Roman spielt im Köln des Jahres 1260. Weitere Bücher folgten, der erste Bestseller gelang Schätzing im Jahr 2000 mit dem Politthriller „Lautlos“. 2009 erschien „Limit“, ein weiterer Zukunftsthriller, in dem es diesmal nicht hinab ins Meer, sondern hinauf auf den Mond geht.



    Inhaltsangabe:

    Füllhorn der Wünsche? Oder Büchse der Pandora?
    Kalifornien, County Sierra, Goldgräberprovinz: Sheriff Luther Opoku hat mit Kleindelikten und illegalem Drogenanbau zu kämpfen. 300 Meilen westlich davon, im Silicon Valley, wetteifern IT-Visionäre um die Erschaffung des ersten ultraintelligenten Computers mit dem Ziel, die großen Probleme der Menschheit zu lösen. Als eine Biologin in Sierra unter rätselhaften Umständen ums Leben kommt, muss Luther erkennen, dass sein verschlafenes Naturidyll längst Testgelände eigenwilliger Experimente geworden ist. Bald beginnt er an seinem Verstand zu zweifeln. Tote werden lebendig, die Zeit gerät aus den Fugen ... der Anfang einer Odyssee über die Grenzen des Vorstellbaren hinaus.



    Meine Einschätzung:

    Frank Schätzings neuer Roman sprach mich vom Thema und der Inhaltsangabe durchaus an. Ein verzwicktes Verbrechen, Zeitreisen, alternative Realitäten? Warum nicht.

    Allerdings fand ich bereits den Prolog in Afrika superanstrengend und nervig. Mit unnötig aufgeblähter Sprache und meist passiv geschrieben, völlig uninteressant. Mehrfach überlegte ich, den Roman schon da abzubrechen, aber ich quälte mich durch mit der Hoffnung, dass das Epos danach besser werden würde.

    Das passierte zwar, unnötig aufgebläht blieb die Sprache aber dennoch (Beispiele dafür sind: "gehen eine schockartige Verbindung ein", "Gelächter bricht sich Bahn" oder "Als die Schwerkraft obsiegt"). Außerdem neigte Frank Schätzing in der Geschichte zu übermäßig vielem Erklären, manchmal im Ton eines Oberlehrers. Sicherlich, es wurden etliche kühne Thesen aus der theoretischen Physik aufgegriffen und einige philosophische Fragen bezüglich der menschlichen Existenz, dem Bewusstsein und künstlicher Intelligenz angesprochen. Stellenweise passte das auch gut, in vielen Fällen war es aber viel zu weitläufig und zu ausschweifend erzählt. Ich brauchte auch keine komplette Biographie eines fiktiven Unternehmens, inklusive Vorstellung scheinbar sämtlicher unterschiedlichen Forschungsabteilungen und deren aktueller Projekte. Kaum zu glauben, dass der Roman in der Druckfassung *nur* rund 730 Seiten hat, genauso gut hätten es auch über tausend sein können. Angenehm und witzig fand ich die zahlreichen Anspielungen auf Filme und Musik zwischendurch, doch auch die konnten nicht viel aufwerten.

    „Die Tyrannei des Schmetterlings“ ist und bleibt eine massiv aufgeblähte Geschichte mit jeder Menge nicht unbedingt notwendiger Informationen. Selbst das Ende wirkte herausgezögert und in die Länge gezogen. Hätte das Lektorat hier und da den Rotstift angesetzt, es hätte der Geschichte sehr gut getan.

    Sehr positiv hervorheben möchte ich allerdings den Sprecher der Hörbuchfassung Sascha Rotermund. Auch seiner durchweg guten Arbeit war es zu verdanken, dass ich die ganzen knapp 24 Stunden Laufzeit am Ball blieb.

    Der Dorf-Gendarm ist einfach zu gut für die Provinz. Da seine Aufklärungsquote zu hoch ist, wird Franz Eberhofer nach München versetzt. Als ihn der Papa und die Oma besuchen kommen, wird deren alter Opel Admiral gestohlen. Tage später findet man ihn in einem Waldstück bei Dachau wieder, allerdings mit einer Leiche im Kofferraum. So kommt Franz an seinen neuesten Fall und darf dabei mal wieder richtig tief ermitteln. Aber auch sein Privatleben hält ihn auf Trab, nachdem er durch einen Nebenbuhler praktisch gezwungen wird, seiner Susi einen Heiratsantrag zu machen.

    Der fünfte Eberhofer-Fall hat mir ganz besonders gefallen. Nicht, weil der Krimiplot besonders ausgefuchst war (ehrlich gesagt ahnte ich relativ früh, worauf es hinauslaufen würde), aber zum ersten Mal in der Serie ging es in einem Roman hauptsächlich um die Ermittlungen. Die privaten Verwicklungen wurden angenehm zurückgeschraubt und auf das Wesentliche reduziert. Das tut der Handlung sehr gut und treibt die Geschichte vorwärts. Witzig bleibt die Story ja trotzdem. Entsprechend groß ist meine Vorfreude auch auf den sechsten Band.

    Wie schon die Vorgänger-Bände wird auch Eberhofers fünfter Fall von Christian Tramitz vorgetragen. Ungekürzt und mit vielen verschiedenen Stimmlagen. Da gibt es nichts zu meckern, im Gegenteil!

    Nach dem doch recht seichten dritten Band „Schweinskopf al dente“ bekommt Franz Eberhofer im vierten Teil endlich wieder richtig was zu tun. Sein fieser Vorgesetzter Barschel von der PI Landshut wurde ermordet und Franz ist der Hauptverdächtige. Kann er natürlich nicht auf sich sitzen lassen und stellt daher zusammen mit Kumpel Rudi eigene Ermittlungen an. Und auch daheim gibt es Veränderungen, als mit Paul plötzlich ein alter Liebhaber von der Oma vor der Tür steht. Die Oma ist hellauf begeistert, während ihr Sohn massiven Frust schiebt. So gibt es einiges zu tun, was der Geschichte definitiv gut tut. Insbesondere weil die Krimi-Handlung diesmal tatsächlich wieder eine tragende Rolle einnimmt. So ist es alles in allem eine feine Unterhaltung, die selbst nach der „Auflösung“ im letzten Drittel nicht abgeschlossen ist, sondern noch einige interessante Sachen hinterherschiebt.

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    • Audio CD
    • Verlag: Random House Audio; Auflage: ungekürzte Lesung (18. März 2013)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 383711970X
    • ISBN-13: 978-3837119701
    • Originaltitel: Calico Joe (Doubleday)


    Über den Autor:

    John Grisham hat 31 Romane, ein Sachbuch, einen Erzählband und sechs Jugendbücher veröffentlicht. Seine Bücher wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Er lebt in Virginia.


    Inhaltsangabe:

    Die Sekunde, die dein Leben verändert
    Joe Castle ist ein Ausnahmetalent. Bereits in seinen ersten Spielen für die Chicago Cubs schlägt er einen Home Run nach dem anderen. Die Fans sind begeistert, und es dauert nicht lange, bis das ganze Land den jungen Spieler frenetisch feiert. Joes Weg an die Spitze scheint vorgezeichnet zu sein, bis er eines Tages auf dem Spielfeld Warren Tracey gegenübersteht, einem mittelmäßigen Werfer der New Yorker Mets, der Joes Erfolg nicht ertragen kann.
    Es beginnt ganz unspektakulär mit einer Zerrung im Oberschenkel. Der First Baseman der Chicago Cubs stürzt, und die Mannschaft braucht plötzlich einen freien Spieler, der die Position übernehmen kann. Damit kommt Joe Castle ins Spiel, ein einundzwanzigjähriger College-Spieler, der eine vielversprechende Saison hinter sich hat. Es dauert nicht lange, bis Castle seinen ersten Rekord für die Cubs aufstellt: drei Home Runs in einem Spiel. Noch glaubt jeder an Anfängerglück, doch Castle beweist brillant das Gegenteil. Er erzielt einen Home Run nach dem anderen und wird bald im ganzen Land als Jahrhunderttalent umjubelt. Bis er während eines Spiels gegen die New Yorker Mets auf Warren Tracey triff t, der einen Ball wirft, der Joe Castles Leben für immer verändern wird. Dreißig Jahre später macht sich Traceys Sohn auf den Weg, um Joe Castle um Vergebung für seinen Vater zu bitten. Eine schicksalhafte Reise, deren Ausgang ungewiss ist.

    Meine Kritik:

    Paul Tracey erzählt seine Lebensgeschichte: Wie er 1973 als 11-jähriger einen ganz besonderen Sommer erlebte. Nicht wegen seines Vaters Warren Tracey, einem mittelmäßigen Werfer der New Yorker Mets, sondern wegen des Baseball-Ausnahmetalents Joe Castle, dessen kometenhafte Karriere er von Anfang an verfolgt und bei jedem seiner Spiele mitfiebert. Schließlich kommt es zum Aufeinandertreffen der beiden Baseball-Profis und diese Begegnung wird ihrer beider Leben für immer verändern. Dreißig Jahre später bricht Paul Tracey auf, um die damaligen Ereignisse aufzuarbeiten.

    Obwohl ich ein Grisham-Fan bin, hatte ich mit diesem Roman so meine Schwierigkeiten. Es lag nicht daran, dass ich ein Sportmuffel bin (Grishams „Touchdown“ fand ich ebenfalls recht gelungen), sondern dass es in „Home Run“ vor englischen Fachausdrücken nur so wimmelt (zum Beispiel: „Beanball“ oder "Pitcher"). Wenn man sich mit Baseball-Sport nicht auskennt, kann man meist nur mutmaßen, worum es bei vielen Spielbeschreibungen überhaupt handelt. Das ist auf Dauer anstrengend. Hätte ich das Buch in gedruckter Form vor mir gehabt, hätte ich es vermutlich schon frühzeitig abgebrochen. Als Hörbuch ist der „Home Run“ deutlich leichter zu ertragen. Sicherlich auch dank Charles Brauers stets großartiger Arbeit. Nichtdestotrotz spürt man auch bei „Calico Joe“, so der Originaltitel der Geschichte, deutlich, dass sich der Autor im Bereich Baseball hervorragend auskennt und jede Menge Spaß beim Verfassen der Geschichte hatte.

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    • Taschenbuch: 272 Seiten
    • Verlag: Penguin Verlag (25. April 2018)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 3328102728
    • ISBN-13: 978-3328102724


    Über das Buch:

    Täglich bekommt Hasnain Kazim hasserfüllte Leserpost. Doch statt die Wutmails einfach wegzuklicken, hat er beschlossen zurückzuschreiben – schlagfertig, witzig und immer wieder überraschend. Dieses ebenso unterhaltsame wie kluge Buch versammelt seine besten Schlagabtäusche mit den Karlheinzen dieser Welt und beweist, warum man den Hass, der im eigenen Postfach landet, nicht unkommentiert lassen sollte. Denn, wie Hasnain Kazim schreibt: »Wenn wir schweigen, beginnen wir, den Hass zu akzeptieren. Also, reden wir!«



    Biografie

    Hasnain Kazim, 1974 als Sohn indisch-pakistanischer Einwanderer in Oldenburg geboren, schreibt seit 2004 für SPIEGEL ONLINE und den SPIEGEL. Seit 2009 lebt er als Korrespondent im Ausland u.a. in Islamabad, Istanbul und derzeit in Wien. Bei allem politischen und religiösen Extremismus, dem er bei seiner Arbeit begegnet, versucht er, auch das Schöne und Alltägliche zu beschreiben. Für seine Berichterstattung wurde er als „Politikjournalist des Jahres“ geehrt und mit dem „CNN Journalist Award“ ausgezeichnet. Zuletzt veröffentlichte er unter dem Titel „Plötzlich Pakistan“ seine Erfahrungen als Auslandskorrespondent (2015).



    Meine Kritik:

    Als Spiegel-Journalist, der viel über die Türkei und Afghanistan berichtet (hat) und dessen Vorfahren selbst aus Indien und Pakistan stammen, steht Hasnain Kazim besonders im Focus von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Anstatt die vielen Hass-Mails, die er für seine normale Berichterstattung erhält, einfach zu löschen, beantwortet er sie und versucht, mit all den verpeilten Persönlichkeiten ins Gespräch zu kommen. Ich war ehrlich erschüttert, wie viele Hassmails da eintrudelten, teilweise mit richtig abstrusem Stuss, wo ich mich schon beim Lesen fremdschämte. Bemerkenswert fand ich aber Hasnain Kazims Antworten: Witzig, schnippisch, manchmal provozierend, oftmals erklärend, viel deeskalierend und immer besonnen. Vereinzelt lässt Kazim in seinem Karlheinz-Buch auch Lob- und Fanpost mit einfließen. Diese Schreiben sind kleine Lichtblicke, die andeuten, dass die Welt doch noch nicht völlig im Eimer ist. Ein tolles Buch, das einen schockiert, amüsiert und imponiert. Und einem zeigt, wie man sich auch mit negativer Kritik konstruktiv auseinandersetzen kann. Gute Arbeit.

    Der Anwalt David Zinc hat keine Lust mehr auf das Hamsterrad in einer Großkanzlei. Also kündigt er von heute auf morgen und beschließt im angetrunkenen Zustand, in einer heruntergekommenen, auf Verkehrsunfälle spezialisierte Vorstand-Kanzlei anzuheuern. Schon bald haben er und seine Kollegen allerdings einen landesweiten Fall an der Hand, der sie alle überfordern könnte.

    Grisham ist besonders gut, wenn er die Jura-Geschichten eines Underdogs erzählt. So auch in „Verteidigung“, wo es um eine chaotische Anwaltskanzlei geht, bei der nahezu alles schief läuft, was schiefgehen kann. Grisham schrieb die Story mit einer Spur schwarzem Humor und wie oft höchst interessante Charakteren. Da bleibt man automatisch am Ball und möchte wissen, wie es weitergeht.

    Daher würde ich mich sehr freuen, wenn David Zinc und das kauzige Anwalts-Duo Finley & Figg noch mal in einer anderen Geschichte wiederkehren würden.

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    • Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
    • Verlag: Heyne Verlag (19. März 2018)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 3453270347
    • ISBN-13: 978-3453270343
    • Originaltitel: The Rooster Bar


    Über den Autor:

    John Grisham hat 31 Romane, ein Sachbuch, einen Erzählband und sechs Jugendbücher veröffentlicht. Seine Bücher wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Er lebt in Virginia.


    Inhaltsangabe:

    Ein hochaktueller Roman um Profitgier, Betrug und Rache – John Grisham ist ein meisterhafter Erzähler

    Sie wollten die Welt verändern, als sie ihr Jurastudium aufnahmen. Doch jetzt stehen Zola, Todd und Mark kurz vor dem Examen und müssen sich eingestehen, dass sie einem Betrug aufgesessen sind. Die private Hochschule, an der sie studieren, bietet eine derart mittelmäßige Ausbildung, dass die drei das Examen nicht schaffen werden. Doch ohne Abschluss wird es schwierig sein, einen gut bezahlten Job zu finden. Und ohne Job werden sie die Schulden, die sich für die Zahlung der horrenden Studiengebühren angehäuft haben, nicht begleichen können. Aber vielleicht gibt es einen Ausweg. Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, nicht nur dem Schuldenberg zu entkommen, sondern auch die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Ein geniales Katz- und Mausspiel nimmt seinen Lauf.



    Meine Kritik:

    Obwohl es in „Forderung“ durchaus um verworrene juristische Sachverhalte geht, ist der Roman in jeder praktisch Hinsicht ein etwas anderer Grisham. Der Kampf gegen die Ungerechtigkeit und einen übermächtigen Gegner gibt es zwar auch hier, aber der „Kampf“ findet eher im Hintergrund statt. Und eindeutig gut sind die drei Jura-Studenten Zola, Todd und Mark ebenfalls nicht. Auch wenn ich nicht jede ihrer Handlungen hundertprozentig nachvollziehen konnte, so verstehe ich zumindest die Beweggründe, wieso die drei kurz vor dem Examen auf einmal keine Lust mehr aufs Weiterstudieren haben. Wie auch, wenn ihnen schon vorher klar ist, dass sie auch mit Abschluss keinen Job als Anwalt bekommen können. Dennoch ist es etwas naiv, zu glauben, einfach ohne Lizenzen und Erfahrungen eine eigene Kanzlei aufmachen zu können. So lässt der Ärger selbstredend nicht lange auf sich warten. Und natürlich machen es die drei bei ihren Versuchen der Schadensbegrenzung nur noch schlimmer. Die Geschichte war nicht immer spannend, aber gefallen hat sie mir trotzdem. So spontan fällt mir auch nicht ein, was ich an der „Forderung“ anders gemacht hätte. Es war einfach – wie eingangs schon erwähnt - ein etwas anderer Grisham. Nicht mehr aber auch nicht weniger.

    Aus Angst vor einem geflohenen Psychopathen, der sich rächen will, flüchtet sich Richter Moratschek zur Familie Eberhofer und sorgt selbstverständlich für einiges an Aufregung. Obendrein hat Franz mit dem Weggang seiner geliebten Susi zu kämpfen. Keinen Zweifel, die Reihe lebt von seinen skurrilen Charakteren. Im dritten Band zeigen sich allerdings erste Ermüdungserscheinungen. Spannend waren auch die zwei vorherigen Krimis nicht, konnten aber dank der Figuren und verrückten Nebengeschichten trotzdem überzeugen. Im dritten (von bisher neun) Büchern war mir das ein bisschen zu wenig. Schon in den vorherigen Bänden hielt sich der Krimi-Anteil in Grenzen. Diesmal wurde das - sehr zu meiner Überraschung, dass das tatsächlich möglich war - noch weiter reduziert und die chaotischen bis absurden Situationen weiter ausgebaut. Noch dazu zog sich die Geschichte auch nach dem eigentlichen Ende (dem Showdown, wenn man es so nennen will) weiter in die Länge. Ich hoffe, im vierten Band geht es wieder mehr und besser zur Sache.

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    • Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
    • Verlag: Heyne Verlag (21. August 2017)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 345327153X
    • ISBN-13: 978-3453271531
    • Originaltitel: Camino Island



    Über den Autor:

    John Grisham hat 31 Romane, ein Sachbuch, einen Erzählband und sechs Jugendbücher veröffentlicht. Seine Bücher wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Er lebt in Virginia.


    Inhaltsangabe:

    Ein Coup, der die Buchwelt erschüttert
    In einer spektakulären Aktion werden die handgeschriebenen Manuskripte von F. Scott Fitzgerald aus der Bibliothek der Universität Princeton gestohlen. Eine Beute von unschätzbarem Wert. Das FBI übernimmt die Ermittlungen, und binnen weniger Tage kommt es zu ersten Festnahmen. Ein Täter aber bleibt wie vom Erdboden verschluckt und mit ihm die wertvollen Schriften. Doch endlich gibt es eine heiße Spur. Sie führt nach Florida, in die Buchhandlung von Bruce Cable, der seine Hände allerdings in Unschuld wäscht. Und so heuert das Ermittlungsteam eine junge Autorin an, die sich gegen eine großzügige Vergütung in das Leben des Buchhändlers einschleichen soll. Doch die Ermittler haben die Rechnung ohne Bruce Cable gemacht, der überaus findig sein ganz eigenes Spiel mit ihnen treibt.



    Meine Kritik:

    Abgesehen von seinen (wenigen) Sportromanen ist John Grisham eigentlich bekannt für verzwickte Justizthriller, in denen man mit den Protagonisten mitleidet und gespannt ist, welche juristische Kniffe sie letzten Endes nutzen werden, um ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

    Bei „Das Original“ gibt es ebenfalls eine sympathische Hauptperson – die Studentin Mercer Mann – und auch der Plot von den entwendeten Originalmanuskripten von F. Scott Fitzgerald beginnt interessant. Mercers Undercovermission auf Camino Island, vor der Küste Floridas, nehmen allerdings ziemlich schnell das Tempo aus der Geschichte. Ihre Besuche in der Buchhandlung von Bruce Kable und wie sie sich langsam mit dem vermutlichen Hehler und dessen Entourage anfreundet, sind zwar ein Fest für jeden Literaturfan, jedoch nicht wirklich spannend. Erst im letzten Drittel zieht die Geschwindigkeit etwas an. Das Ende kommt etwas abrupt daher und lässt einen unbefriedigend zurück.

    Gut fand ich, dass es in den vielen Gesprächen fast ausschließlich um tatsächlich existierende Romane und Autoren (z.B. J.D. Salinger, Cormac McCarthy und Ernest Hemingway) ging. Außerdem erhält man einige Seitenhiebe und Insider-Infos über Autoren, das Bücherschreiben und die ganze Literaturwelt. Zweifellos sind es diese Dinge, die einen bei „Das Original“ am Ball bleiben lassen. In Ansätzen erinnert Grishams Geschichte an Stephen Kings „Finderlohn“, allerdings geht es dort weitaus actionreicher und spannender zu.

    Ein Schmankerl ist die kurze Erwähnung der größten (fiktiven) Anwaltskanzlei Scully & Pershing, die Grisham-Fans bereits aus „Der Anwalt“ kennen.

    Ein knappes Jahr nach dem „Winterkartoffelknödel“-Fall ist längst wieder Ruhe in Niederkaltenkirchen eingekehrt. Entsprechend neugierig stürzt sich Franz Eberhofer auch auf die Vermisstenmeldung des nicht sonderlich beliebten Realschuldirektor Höpfl. Zwar taucht dieser auf einmal wieder auf, nur aber um kurz darauf auf den Bahnschienen zu sterben. Obwohl das ein merkwürdiger Zufall ist, findet der Dorfpolizist zunächst keine Indizien für einen Mord. Da passt es recht gut, dass er auch privat jede Menge um die Ohren hat. Seine Dauerfreundin Susi will ohne ihn nach Italien und sein Bruder lädt ständig sein frisch geborenes Baby bei ihm ab.

    Wie schon beim Vorgängerband ist die Handlung nicht unbedingt spannend, aber dank der schrulligen Charaktere und kuriosen Erlebnisse dennoch sehr interessant. Leider bleibt die Krimihandlung dabei stellenweise fast auf der Strecke. Eine gute Unterhaltung ist es trotzdem, sodass ich mich schon auf den dritten Band „Schweinskopf al dente“ freue.

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    • Taschenbuch: 528 Seiten
    • Verlag: Heyne Verlag (11. Juli 2016)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 3453438426
    • ISBN-13: 978-3453438422
    • Originaltitel: Gray Mountain



    Über den Autor:

    John Grisham hat 31 Romane, ein Sachbuch, einen Erzählband und sechs Jugendbücher veröffentlicht. Seine Bücher wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Er lebt in Virginia.



    Inhaltsangabe:

    Jedes Unrecht hat seinen Preis
    Als New Yorker Anwältin hat es Samantha Kofer binnen weniger Jahre zu Erfolg gebracht. Mit der Finanzkrise ändert sich alles. Samantha wird gefeuert. Doch für ein Jahr Pro-Bono-Engagement bekommt sie ihren Job zurück. Samantha geht nach Brady, Virginia, einem 2000-Seelen-Ort, der sie vor große Herausforderungen stellt. Denn anders als ihre New Yorker Klienten, denen es um Macht und Geld ging, kämpfen die Einwohner Bradys um ihr Leben. Ein Kampf, den Samantha bald zu ihrem eigenen macht und der sie das Leben kosten könnte.



    Meine Kritik:

    Nachdem Samantha Kofer ihren öden Job als Vertragsanwältin in New York verloren hat, bewirbt sie sich für ein Praktikum in einer Law Clinic im Hinterland von West Virginia. Dort wird sie schnell mit jeder Menge deutlich bodenständigeren Problemen konfrontiert. Die scheinbar allmächtige Kohleindustrie beutet die Region aus und behandelt Angestellte wie Sklaven. So etwas wie Recht gibt es praktisch nicht. Viele Bürger haben mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen und/oder kommen so kaum über die Runden. Bevor Samantha sich versieht, ist sie bereits in mehrere Fälle verwickelt. Es dauert auch nicht lang, dann gibt es den ersten Toten. Und es ist jemand in ihrem Umfeld ...

    „Anklage“ ist eine dieser Geschichten, die gerne ewig hätten weitergehen können. Es war schön, Samantha, ihre Chefin Mattie Wyatte und die Gray – Brüder bei ihrer Arbeit zu begleiten. Daher hätte ich kein Problem damit, weitere Fälle mit Samantha "durchzugehen" – oder weiter an den bisherigen zu arbeiten. Potential für eine Fortsetzung gäbe es durchaus (zumal am Ende eh nicht restlos alle offenen Fragen geklärt wurden).

    Obendrein erhält man in der Geschichte jede Menge interessante Einblicke in die Welt des Kohlebergbaus und was für Schwierigkeiten damit zusammenhängen. Die stellenweise wirklich erschütternd sind.

    Zu bemängeln habe ich lediglich, dass es um die im deutschen Titel erwähnte "Anklage" gar nicht geht. Aber dafür können weder der Autor noch die Geschichte was. Der Originaltitel „Gray Mountain“ wäre jedenfalls deutlich besser passender gewesen.

    Als Fan von (Lokal-)Krimis stößt man auf kurz oder lang auf Rita Falks Eberhofer-Krimis. Mittlerweile gibt es neben den Romanen und Hörbüchern sogar mehrere Verfilmungen. Angefangen hat alles mit dem ersten Buch „Winterkartoffelknödel“. Hier erleben wir, wie der zwangsversetzte Polizist Franz Eberhofer mit seiner Arbeit und dem Dorfalltag in Niederkaltenkirchen zu kämpfen hat. Wir lernen die Oma, den Beatles-verrückten Vater, den Flötzinger und all die anderen skurrilen Charaktere kennen. Nebenbei und ganz allmählich schleicht sich auch die Krimi-Handlung mit ein. In der Region neigt die Familie Neuhofer nämlich zu ungewöhnlichen Todesfällen. Die werden zwar alle als Unfälle klariert, kommen Franz aber dennoch merkwürdig vor.

    Also beginnt er entgegen dem Willen des Bürgermeisters zu ermitteln. Allerdings nicht so wie ein normaler, professioneller Polizei. Das ist stellenweise kurios bis klamaukig und lässt dank Rita Falks knapper Schreibweise viel Platz für jede Menge andere Erlebnisse. Das Buch liest sich wie ein Tagebuch, bleibt manchmal oberflächlich und geizt mit Personenbeschreibungen. So weiß ich zum Beispiel bis zum Ende nicht recht, wie Franz und seine Familie überhaupt aussehen. Macht aber nichts. Der „Winterkartoffelknödel“ weiß trotzdem gut zu unterhalten.

    Den Autor Josh Bazell kannte ich vorher nicht, aber schon am Anfang seines Romans „Schneller als der Tod“ lässt er keinen Zweifel daran, dass wir es hier mit einem medizinischen Fachmann zu tun haben. Deshalb spielt seine blutige Mordgeschichte auch in einem Krankenhaus und die Hauptperson Pietro ist ein ehemaliger Mafiakiller, der untergetaucht als Arzt arbeitet. Bis einer seiner alten Rivalen eingeliefert wird.

    Im Klappentext des Romans heißt es, dass es sich um „einen adrenalingeladenen Thriller mit Dialogen, so scharf geschliffen wie ein Skalpell. Josh Bazell schreibt extrem cool und schockierend unterhaltsam – so zynisch und komisch, als hätte Tarantino bei Dr. House Regie geführt.

    Das kann man genauso stehen lassen. Die Geschichte ist amüsant und brutal, die Sprache ziemlich direkt. Trotzdem wurde ich mit der Hauptperson nicht richtig warm. Selbst die vielen Flashbacks in seine Vergangenheit, die vom Werdegang des Protagonisten berichten, änderten nichts ändern. So war es alles in allem wie ein Fastfood-Produkt: Schnell konsumiert, aber nicht lange anhaltend. Etwas unbefriedigend empfand ich das abrupte Ende. Zum Glück ist mit „Einmal durch die Hölle und zurück“ bereits eine Fortsetzung erschienen.

    Die Hörbuchfassung wird von Christoph Maria Herbst gelesen, der hervorragende Arbeit abliefert und durch seine trockene Betonung der Geschichte noch weitere Würze verteilt.

    Akte X: Cold Cases - Die komplette 1. Staffel (Ungekürzte Ausgabe)

    Joe Harris (Autor), Chris Carter (Autor), Dirk Maggs (Autor), Benjamin Völz (Sprecher), Franziska Pigulla (Sprecher), Dieter Memel (Sprecher), Thomas Kästner (Sprecher), Bettina Weiß (Sprecher), Gunter Schoß (Sprecher), Audible Studios (Verlag)


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    Inhaltsangabe:
    Viele Jahre lang waren die FBI-Agenten Fox Mulder und Dana Scully in der X-Akten-Einheit tätig, einer kleinen Abteilung des Bureaus, die sich mit scheinbar unerklärlichen oder übernatürlichen Phänomenen beschäftigte. Und jetzt sind sie zurück...
    14 Jahre nachdem Mulder und Scully ihren gemeinsamen Sohn William zur Adoption freigeben mussten, infiltrieren unbekannte Hacker die Datenbanken des FBI - und stehlen dabei nicht nur Informationen über alte, ungelöste Fälle der beiden, sondern finden auch ihre geheime Identität heraus.
    Director Skinner, immer noch beim FBI, ist alarmiert. Als ehemaliger Chef von Mulder und Scully beschließt er, die beiden zu warnen - und macht sie dabei kurzerhand wieder zu Agenten. Sie sollen herausfinden, wer und was tatsächlich hinter dem Hackerangriff steckt, und wie es sein kann, dass plötzlich immer mehr alte Feinde der X-Akten auftauchen, die allesamt längst tot waren.
    Schon bald wird klar, dass Mulder und Scully einer Verschwörung auf der Spur sind, die nicht nur die US Regierung und das berühmte Syndikat umfasst, sondern auch Kräfte, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen...



    Meine Einschätzung:

    Ich dachte ja, die vor kurzem erschienene Kurzgeschichtensammlung „Akte X: Vertrauen Sie niemandem“ (Herausgeber Jonathan Maberry) wäre gut, aber Joe Harris‘ „Cold Cases“ legen da mühelos noch einige Tacken drauf. Die neuen Fälle sind durch die Bank durch spannend, interessant und unterhaltsam. Dadurch, dass sie von den Themen her sehr abwechslungsreich sind (neben Alienverschwörungen bekommen wir einige sehr bemerkenswerte Stand-Alone-Folgen), gibt es in den gesamten 7h 45 min keinerlei Leerlauf. Dazu finden sich viele Anspielungen und Querverweise auf frühere Episoden (und sogar auf „Millennium“), die jedes Fanherz höherschlagen lassen.

    Das größte Highlight ist meiner Meinung nach allerdings, dass es keine Hörbuchlesungen, sondern hervorragend gemachte Hörspiele mit praktisch sämtlichen Original-Synchronsprechern sind. Nicht nur Mulders Original-Stimme Benjamin Völz ist mit von der Partei, sondern selbst längst tot geglaubte Figuren wie Mr. X oder Alex Kryczek klingten so wie früher.

    Fazit: Bei den „Cold Cases" stimmt alles. Die Hörspiele sind sogar besser als die aktuell letzte (elfte) TV-Staffel der Serie. Hoffentlich ist eine Fortsetzung bereits in der Mache.