Beiträge von fictionmaster

    Chirurg Hendrik wird zu einem Notfall in die Klinik gerufen. Als er zurückkehrt, ist das Haus verwaist und seine Verlobte Linda unauffindbar. Da ihre Koffer ebenso fehlen, glaubt die Polizei, dass Linda ihren Freund einfach verlassen hat. Aber Hendrik glaubt nicht daran und stellt eigene Nachforschungen nach. Über einen Aufruf in den sozialen Medien meldet sich eine Frau, deren Ehemann auf genau die gleiche Art und Weise verschwunden ist. Später trifft er auf eine Studentin, die davon überzeugt ist, dass das Verschwinden der Personen mit einem in den Häusern installierten SmartHome-System zusammenhängt. Je mehr Hendrik darüber recherchiert, desto brenzliger wird die Situation für ihn.

    Arno Strobels Thriller „Die App“ ist vom ersten Kapitel an auf Spannung ausgelegt. Wie bei den Romanen von Sebastian Fitzek, hangelt sich die Geschichte von Cliffhanger zu Cliffhanger, dazu gibt es zahlreiche überraschende Wendungen. Im Laufe der Handlung werden allerdings auch einige der üblichen Genre-Klischees aufgegriffen, wie zum Beispiel den geheimnisvollen Super-Hacker, der alles knacken kann und dessen Identität niemand kennt. Das Zufallsprinzip wird meiner Meinung nach ebenfalls arg oft bemüht. Dazu zählt die Auflösung am Schluss, die ich etwas unglaubwürdig und arg konstruiert empfand.

    Die Grundgeschichte erinnert mich ein wenig an die Bücher von Harlan Coben, in denen ein Normalo in eine extreme Situation verwickelt wird. Auch an Sören Preschers Thriller „Raststopp“ fühlte ich mich erinnert, in dem ebenfalls die Freundin des Protagonisten verschwindet und der Held aus Verzweiflung allerlei Dinge unternimmt.

    Lange Zeit denkt der 15-jährige Wolfgang, seine vielen Cello-Übungsstunden wären das Schlimmste, was seine Eltern ihm antun könnten, doch dann tauchen Gerüchte auf, der Teenager könnte der weltweit erste menschliche Klon sein. Von einem Tag auf den anderen verändert sich Wolfgangs komplette Welt und der Junge muss erst einmal versuchen, mit dieser Veränderung klarzukommen.

    Ein Großteil des Buches beschäftigt sich mit genau dieser Frage. Leider entpuppt sich bereits der Romananfang als recht schleppend. Dadurch fiel es mir schwer, in die Geschichte einzutauchen. Zudem ist Klonen kein leichtes Thema, weshalb Eschbach viele Erklärungen in seinen Text eingebaut hat. Die waren zwar interessant, haben die Handlung aber nicht unbedingt spannender gemacht.

    Die 17-jährige Marie glaubt, zuhause eine recht entspannte Zeit zu haben, während ihre Eltern Urlaub in der Karibik machen. Doch dann steht der gleichaltrige Armand vor ihrer Tür und entführt sie buchstäblich in ein atemberaubendes Abenteuer. Armand ist nämlich ein Telekinet, der aus einem französischen Parapsychologie-Institut geflohen ist und von dessen Sicherheitsleuten gejagt wird. Und so bleibt Marie nichts anderes übrig, als mit Armand zu gehen. Auf der Flucht vor ihren Verfolgern kommen sich die zwei Jugendlichen allmählich näher.

    Andreas Eschbachs „Die seltene Gabe" ist ein flott erzählter Jugendroman, der sich nicht lange mit Vorreden aufhält und einem alles Wissenswerte „unterwegs“ erzählt. Er ist deutlich mehr auf den Punkt gebracht als sein jüngster Roman „Eines Menschen Flügel“ und auch deutlich spannender. Zu bemängeln habe ich lediglich, dass das Thema Telekinese lediglich gestreift wird und es sich daher um keinen übernatürlichen Roman im eigentlichen Sinne handelt, sondern eher eine Auf-der-Flucht-Geschichte mit leicht übernatürlichen und ebenso leicht romantischen Untertönen. Alles in allem ist es eine nette Unterhaltung für Zwischendurch.


    • Herausgeber : C. Bertelsmann Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (11. September 2017)
    • Sprache : Deutsch
    • Gebundene Ausgabe : 608 Seiten
    • ISBN-10 : 3570103102
    • ISBN-13 : 978-3570103104
    • Originaltitel : Redemption Road


    ASIN/ISBN: 3570103102



    Über den Autor:

    John Hart, geboren 1965 in North Carolina, arbeitete als Rechtsanwalt, bevor er sich seinen Traum erfüllte und seinen ersten Roman schrieb – »Der König der Lügen«. Es folgten »Der dunkle Fluss« und "Das letzte Kind", die beide mit dem renommierten Edgar-Allan-Poe-Award ausgezeichnet wurden. Zuletzt erschien bei C. Bertelsmann der Bestseller "Das eiserne Haus". John Hart lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Rowan County, North Carolina.



    Inhaltsangabe:

    Ein Junge wartet mit einer Waffe auf den Mann, der seine Mutter getötet hat. Eine Polizistin, die in Schwierigkeiten steckt, wird nach einer brutalen Schießerei mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Nach dreizehn Jahren, die er im Gefängnis verbracht hat, entdeckt ein Polizist in einer verlassenen Kirche, tief im Wald, die Leiche einer Frau. Dies ist eine Stadt am Abgrund. Ihre Einwohner scheinen alle auf der Straße der Verdammnis unterwegs zu sein.



    Meine Kritik:

    Polizistin Elisabeth wird beschuldigt, zwei Verbrecher kaltblütig ermordet zu haben. Nur ein Mädchen kennt die Wahrheit, doch Elisabeth bittet sie, darüber zu schweigen. Ex-Cop Adrian wird nach dreizehn Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen. Dort saß er für einen Mord an einer Frau, den er nicht begangen hat. Kaum ist er draußen, stirbt wieder eine Frau auf ähnliche Weise. Parallel wartet der junge Gideon darauf, den Mann abzuknallen, der seine Mutter getötet hat.

    In John Harts “Redemption Road” liegen eine Menge Rache und Verzweiflung in der Luft. Das alles gut verpackt mit viel Hardboiled-Charme und etlichen kernigen Sprüche wie „Du brauchst einen langen Löffel, wenn du mit dem Mann Suppe essen willst.“ Soweit die Haben-Seite. Auf der Soll-Seite sind es viele agierende Personen und so viele Baustellen, dass man gar nicht weiß, worauf man sich konzentrieren soll. Dadurch habe ich irgendwann die Übersicht verloren, wer mit wem warum verwickelt ist. Dadurch war die „Straße der Vergeltung“ leider nicht ganz das düster-packende Krimi-Vergnügen, das ich mir darunter vorgestellt habe.

    • Herausgeber : Heyne Verlag (13. Mai 2013)
    • Sprache : Deutsch
    • Taschenbuch : 384 Seiten
    • ISBN-10 : 345343725X
    • ISBN-13 : 978-3453437258


    ASIN/ISBN: 345343725X


    Über den Autor:

    Warren Ellis ist einer der produktivsten, meist gelesenen und innigst geliebten Comicautoren weltweit, sowie Urheber beliebter Serien wie Transmetropolitan und The Authority. Er gewann zahlreiche Preise und wurde für viele weitere nominiert. Ellis hat über 50 Graphic novels, Fernsehdrehbücher und Videospiele geschrieben, außerdem die Romane Gott schütze Amerika und Gun Machine. Mit seiner Frau Niki und der gemeinsamen Tochter Lilith lebt er in Südengland. Er schläft nie.



    Inhaltsangabe:

    Detective Tallow hat einen richtig miesen Tag: Erst muss er mitansehen, wie sein Partner von einem Irren niedergeschossen wird, dann entdeckt er zufällig ein verrammeltes Apartment, das bis zur Decke mit Waffen vollgestopft ist. Zu allem Überfluss stellt sich heraus, dass jede einzelne davon einen Menschen getötet hat – und keiner dieser Morde wurde je aufgeklärt. Hunderte Fälle, die bereits bei den Akten lagen, müssen somit neu aufgerollt werden. Tallow soll sich der Sache annehmen. Doch der geheimnisvolle Killer ist nach wie vor aktiv ...



    Meine Kritik:

    Warren Ellis ist bekannt für seine schwarzhumorigen, brutalen Geschichten, weshalb ich gespannt an seine „Gun Machine“ herangegangen bin. Die Grundidee ist auch wirklich toll: Detective Tallow verliert nicht nur seinen Partner, sondern stößt am Tatort aus Versehen auf eine mysteriöse Wohnung, in der hunderte verschiedene Waffen gelagert sind. Mit jeder von ihnen wurde jemand umgebracht. Die Freude seiner Vorgesetzten hält sich stark in Grenzen, weil es das hoffnungslos überlastete Revier mit haufenweise neuer Arbeit überhäuft. Tallow wird dazu verknackt, allein zu ermitteln und findet lediglich Unterstützung in zwei schrägen Kollegen von der Spurensicherung. Der Plot ist skurril und hätte viel hergegeben. Der Romananfang war auch entsprechend rasant und spannend geschrieben. Ab Seite 50 allerdings schlich sich langsam routinierte Langeweile an, die bis zum Ende nur durch eine Handvoll interessante Zwischenkapitel aufgewertet wurde. So blieb „Gun Machine“ leider bis zum Ende weit hinter meinen Erwartungen zurück.



    • Herausgeber : steinbach sprechende bücher; 1. Edition (23. März 2021)
    • Sprache : Deutsch
    • ISBN-10 : 3869745533
    • ISBN-13 : 978-3869745534


    ASIN/ISBN: 3869745533


    Über den Autor:

    Dean Koontz glaubte an sich, auch als er noch kein erfolgreicher Schriftsteller war. Aber nicht nur er, auch seine Frau Gerda war von seinem Können überzeugt. Daher bot sie ihm an, für fünf Jahre allein den Unterhalt zu verdienen. Binnen dieser Zeit sollte er mit dem Schreiben ausreichende Einnahmen erzielen können – oder aber seinen Kindheitstraum an den Nagel hängen, so die Vereinbarung. Koontz musste diese Frist aber gar nicht ausschöpfen, der Erfolg kam schneller, und bis heute hat er insgesamt sagenhafte 400 Millionen Exemplare seiner Romane verkauft. Geboren wurde Koontz 1945 in Pennsylvania. Er arbeitete zunächst als Englischlehrer und schrieb nur am Wochenende und in den Abendstunden – bis das Angebot seiner Frau kam. Heute leben die beiden in Kalifornien.



    Inhaltsangabe:

    Eine Mutter, ein Junge und ihr verzweifelter Kampf gegen das Böse. Woody Bookman ist elf Jahre alt. Er hat noch nie ein Wort gesprochen, obwohl seine Mutter Megan alles tut, damit ihr Junge glücklich ist. Aber Woody wird von dunklen Ängsten geplagt. Er glaubt, dass ein monströses Übel hinter dem tödlichen Unfall seines Vaters steckt und nun ihn und seine Mutter bedroht. Es ist ein Mann, mit dem Willen, die Welt zu zerstören. Seine Kräfte werden immer stärker und er ist nicht allein. Doch auch Woody ist nicht allein. Er hat einen ihm unbekannten Verbündeten …



    Meine Kritik:

    In den Achtzigern und Neunzigern war Dean Koontz ein begnadeter Schriftsteller und verfasste zahlreiche bemerkenswerte Thriller. Im neuen Jahrtausend ist die Qualität seiner Bücher sehr wechselhaft geworden. Sein neuster Roman „Devoted - Der Beschützer“ ist da leider ein weiterer Punkt auf der Minus-Seite. Die Handlung des Thrillers ist total absurd. Es geht um einen psychisch kranken Geschäftsmann, der aus einer Laune heraus seinen alten Jugendschwarm "zurückerobern" will und dabei auch nicht vor der (beabsichtigten) Tötung von deren behindertes Kind zurückschreckt. Das Kind selbst (heißt Woody und) ist ein hyperintelligenter Autist, der von seiner reichen Künstlermutter großgezogen wird. Zudem geht es um Haustiere mit geheimer Intelligenz, die es möglich macht, dass sie nachts heimlich Bücher aus der Bibliothek ihrer Herrchen lesen oder vor dem Spiegel das Zähnefletschen zu üben. Einer dieser Hunde ist Kip, der nach dem Tod seines Frauchens aufbricht, um dem weit entfernt lebenden Woody zu helfen. Auf einem Campingplatz trifft er auf den Mann Ben, der den streunenden Vierbeiner selbstverständlich sofort bei sich aufnimmt, dafür seinen Campingurlaub storniert, mit ihm abreist und mit dem Hund in Hotelzimmern übernachtet. Als wenn das alles nicht übel genug wäre, gibt in der Geschichte praktisch nur klischeehafte Alphamännchen – selbst die Weibchen treten allesamt ziemlich breitbeinig aus. Das alles ist trotz einiger gelungener Formulierungen nur schwer zu ertragen. Bis zum Schluss durchgehalten habe ich nur aus alter Verbundenheit zu Dean Koontz und weil die ungekürzte Hörbuchfassung (Laufzeit: 829 min) vom großartigen Michael Schwarzmaier vorgetragen wird. Ansonsten hätte ich schon nach kurzer Zeit das Handtuch geworfen. Das hier war einmal nix.

    Eigentlich führt der 46-jährige Ragle Gumm ein unscheinbares Leben in einer amerikanischen Kleinstadt Ende der 1950er Jahre. Doch nach und nach hat er den Eindruck, dass mit der ihm bekannten Wirklichkeit etwas nicht stimmt. Plötzlich gibt es mehr Treppenstufen als vorher, sämtliche angerufene Telefonnummern in Bridgeland funktionieren auf einmal nicht mehr und angeblich verkehrt seit Jahren eine völlig andere Buslinie in der Gegend. Als ihm die surrealen Ereignisse zu viel werden, versucht Ragle aus dem Ort zu flüchten. Nach einigen Schwierigkeiten gelingt ihm das und er erfährt, dass deutlich mehr hinter der ganzen Angelegenheit steckt, als er angenommen hat. Eine Erkenntnis, die buchstäblich seine ganze Welt ins Wanken bringt.

    Die Grundidee des Romans fand ich höchst interessant und auch die Auflösung am Schluss war sehr gelungen. Da lässt sich leicht nachvollziehen, weshalb das Buch zu Philip K. Dicks großen Klassikern zählt. Allerdings war die Geschichte für meinen Geschmack etwas zu weitläufig und zu lahm erzählt. Hier merkt man dem Roman sein Alter deutlich an (die Erstveröffentlichung erfolgte 1959). Daran ändert auch die deutsche Neuübersetzung von 1995 nichts. Fazit: Interessante Geschichte, vom Schreibstil her aber nicht mehr ganz zeitgemäß.

    Teenager Zack Lightman verbringt einen Großteil seiner Zeit mit dem Virtual-Reality-Spiel „Armada“ und ahnt nicht, dass es sich dabei um ein streng geheimes Regierungsprogramm handelt, um junge Leute für den Drohnenkampf gegen außerirdische Invasoren zu trainieren. Deshalb hält Zack das Auftauchen eines Raumschiffs in seiner Heimatstadt zunächst auch für eine Sinnestäuschung. Er fürchtet, genauso verrückt zu werden, wie es sein verstorbener Vater offenbar wurde. Doch nichts liegt ferner. Schon bald wird Zack von der Regierung abgeholt und zu einer geheimen Raumstation auf der Rückseite des Mondes gebracht. Der Angriff der Außerirdischen steht nämlich unmittelbar bevor ...

    Dem Roman scheint eine einfache Prämisse zugrunde zu liegen: Was wäre, wenn alle Verschwörungstheorien wahr und sämtliche Paranoia gerechtfertigt wäre? Ernst Cline versucht, so viele bizarre Theorien wie möglich unter einen Hut zu kriegen. Selbst die Men in Black kommen darin vor. Dabei werden zwangsweise etliche Klischees aus dem Hut gezaubert, das fängt schon beim Nachnamen Lightman an. Um das Ganze zusätzlich interessant zu machen, gibt es, genau wie in den beiden "Ready Player"-Romanen haufenweise nerdiges Fanwissen, diesmal dem Thema entsprechend hauptsächlich rund um Computerspiele und Science Fiction. Das ist anfangs recht interessant, im Mittelteil folgen allerdings mehrere ermüdende Weltraumschlachten, genau wie die in der Geschichte zitierten Computerspiele. Dazu kommt, dass die eigentliche Romanhandlung letztendlich ziemlich überschaubar ist. Dadurch bleibt „Armada“ leider nur Durchschnittskost.


    • Herausgeber : FISCHER Tor; 1. Edition (24. März 2021)
    • Sprache : Deutsch
    • Broschiert : 464 Seiten
    • ISBN-10 : 3596706548
    • ISBN-13 : 978-3596706549

    ASIN/ISBN: 3596706548


    Über den Autor

    Ernest Christy Cline ist ein amerikanischer Schriftsteller und Drehbuchautor, der vor allem durch die Independent-Film-Komödie Fanboys und seinen Debüt-Roman "Ready Player One" von 2010 bekannt wurde.



    Inhaltsangabe:

    Eine unerwartete Quest. Zwei Welten stehen auf dem Spiel. Are you ready?

    Einige Tage, nachdem er das Easter Egg von James Halliday gefunden und den Wettbewerb um die OASIS für sich entschieden hat, macht Wade Watts eine Entdeckung, die alles verändern könnte. In einem seiner Tresorräume hat Halliday eine Technologie für ihn versteckt, die die OASIS noch wundervoller und suchterzeugender macht, als es sich Wade je hätte träumen lassen.

    Doch gleichzeitig wird er vor ein Rätsel gestellt und muss ein weiteres Abenteuer bestehen. Es gilt ein letztes Easter Egg zu finden, das Halliday in der OASIS versteckt hat.

    Und diesmal hat Wade einen Konkurrenten, der über Leichen geht. Er merkt bald, dass nicht nur sein eigenes Leben auf dem Spiel steht, sondern das von Millionen anderer Menschen, und vielleicht sogar das Schicksal der gesamten Welt.


    Meine Kritik:

    Einige Tage nach dem Ende von „Ready Player One“ findet Wade Watts im Tresor von OASIS-Erfinder James Halliday eine bisher unbekannte Technologie, mit deren Hilfe die User ihren Geist direkt mit der virtuellen Welt verbinden können. Obwohl Artemis dagegen ist, bringen die restlichen Mitglieder des High-Five-Clubs die Erfindung in Form eines ONI-Headsets auf den Markt. Einige Zeit darauf stellen sie allerdings fest, dass James Hallidays Pläne offenbar über das Headset hinausgingen. Obwohl der OASIS-Erschaffer tot ist, taucht plötzlich sein virtueller Avatar auf und nimmt sämtliche OASIS-Nutzer, die das Headset benutzen, als Geisel. Nun ist es an Wade und seinen Freunden, die Welt vor ihrem drohenden Untergang zu bewahren. Um das zu verhindern, müssen sie sich auf eine Odyssee tief in die OASIS begeben. Sie reisen auf virtuelle Fan-Planeten über John Hughes und seine Filme, es geht um Prince, den Paisley Park und ein Duell mit zahlreichen Prince-Inkarnationen sowie das erste Zeitalter von J.R.R. Tolkiens Mittelerde. Es gibt zahlreiche Anspielungen und Nerdwissen zu diesen Themen sowie zig andere Popkultur-Sachen der Achtziger und Neunziger Jahre. Selbst ein ultimatives Nerdtöter–Schwert kommt vor. Nebenbei erfahren wir einiges über den Erfinder der Oasis, was natürlich mit einer Götterdämmerung verbunden ist. Im Laufe der Handlung folgen einige überraschende Wendungen, die die Handlung in neue Richtungen führen und dafür sorgen, dass es nicht bloß ein Ausflug in die Welt verrückter Fans ist.

    Obwohl „Two” nicht gleichen bestechenden Charme wie „One“ besitzt, hat mich das Wiedersehen mit Wade und seinen Freunden gefreut, ebenso seine verrückten Abenteuer.

    Teenager Wade Watts verbringt einen Großteil seines Leben in der Online-Welt OASIS. Anders ist das trostlose Leben für viele Menschen im Jahr 2044 auch gar nicht zu ertragen. Als der Erfinder der digitalen Welt stirbt, beginnt eine Online-Schatzsuche. Irgendwo in seinem virtuellen Universum hat er drei Schlüssel versteckt und derjenige, der sie zuerst findet, wird nicht nur Herrscher über die OASIS, sondern erbt auch das milliardenschwere Vermögen. Wie tausende andere auch begibt sich Wade auf die Suche. Er hat allerdings einen kleinen Vorteil: So wie der Erfinder der Online-Welt ist Wade ein großer Fan der Achtziger Jahre und hat es dadurch eine Spur leichter, die versteckten Rätsel und Hinweise zu entschlüsseln. Doch die Konkurrenz bleibt ihm dicht auf den Fersen.

    Nachdem ich bereits Steven Spielbergs Verfilmung kenne, bin ich mit keinen großen Erwartungen an den Roman herangegangen. Aber die Buchvorlage ist um einiges nerdiger, spannender und abwechslungsreicher. Trotz oder gerade wegen der vielen Anspielungen auf die Popkultur der 80er-Jahre macht die Geschichte sehr viel Spaß. Man fiebert und leidet mit Wade und freut sich darauf, ihn bei seiner Schnitzeljagd zu begleiten. Wer mag, kann in dem ganzen virtuellen Treiben sogar den einen oder anderen philosophischen Ansatz erkennen. Tolle Geschichte. Ich freue mich schon auf die vor kurzem erschienene Fortsetzung, die folgerichtig „Ready Player Two“ heißt.

    Trickbetrüger Eddy bringt aus Versehen den Berliner Spekulanten König um und hat danach einiges damit zu tun, die daraus entstehenden Folgen in Zaum zu halten. Die zahlreichen Verwicklungen und Verwechslungen sind stellenweise komisch, manchmal aberwitzig oder ausufernd. „Der heilige Eddy“ ist daher kein Krimi im eigentlichen Sinne, sondern eher eine Gesellschaftssatire bzw. ein Schelmenroman. Aufgrund der ellenlangen Dialoge mutet er zeitweise fast wie in Theaterstück an. Spannungsmomente gibt es wenig, sondern ist eher eine leichte Unterhaltung für zwischendurch.

    • Herausgeber : KiWi-Paperback; 1. Edition (4. März 2021)
    • Sprache : Deutsch
    • Broschiert : 448 Seiten
    • ISBN-10 : 3462001574
    • ISBN-13 : 978-3462001570


    ASIN/ISBN: 3462001574



    Biografie:

    Tom Hillenbrand studierte Europapolitik und war Ressortleiter bei Spiegel Online. Seine Krimis um den Luxemburger Koch Xavier Kieffer ("Teufelsfrucht", "Rotes Gold", "Letzte Ernte", "Tödliche Oliven", "Gefährliche Empfehlungen", "Bittere Schokolade") sind Bestseller.

    Für seine Scifi-Thriller "Drohnenland" und "Hologrammatica" wurde Hillenbrand mit dem Friedrich-Glauser-Preis, dem Kurd-Laßwitz-Preis, dem Bremer Krimipreis sowie dem Deutschen Science-Fiction-Preis ausgezeichnet. Er lebt in München. Mehr Infos unter tomhillenbrand.de



    Inhaltsangabe:

    Wer das Geld hat, hat die Macht.
    Sein Geld hat der spleenige Start-up-Unternehmer Gregory Hollister größtenteils in der Kryptowährung Bitcoin angelegt. Als er bei einem Unfall ums Leben kommt, beginnt die Suche nach seinem Privatvermögen. Das hat der paranoide Kalifornier gut versteckt. Wo befindet sich der digitale Schatz, den die Medien bereits Montecrypto nennen? Hollisters Schwester beauftragt den Privatdetektiv Ed Dante, das verschwundene Geld aufzuspüren. Dante recherchiert und stellt bald fest, dass etliche Personen hinter Montecrypto her sind. Das ist angesichts der kolportierten Summe von mehreren Milliarden Dollar nicht weiter verwunderlich – aber die anderen Interessenten sind keine gewöhnlichen Schatzsucher. Warum interessieren sich ausländische Geheimdienste, das FBI und die Mafia für den Schatz? Dante erkennt, dass Hollisters Vermächtnis aus mehr besteht als aus einem Haufen digitaler Münzen. Möglicherweise ist Montecrypto der Schlüssel zu einem immensen Finanzskandal, der die gesamte Weltwirtschaft in den Abgrund reißen könnte. Wird es Dante gelingen, das Geheimnis von Montecrypto zu lüften, bevor der digitale Schatz in die falschen Hände gerät? Eine weltweite Suche beginnt, die von Los Angeles über New York und Frankfurt bis nach Zug führt, ins sogenannte »Crypto Valley« der Schweiz.

    »Montecrypto« ist ein raffinierter literarischer Thriller über die neue internationale Finanzwirtschaft. Wer hat in Zukunft das Geld? Und wer die Macht? Hochspannend und aktuell: Tom Hillenbrand erweist sich mit diesem Buch als Meister des politischen Spannungsromans.


    Meine Kritik:

    Privatdetektiv Ed Dante erhält den Auftrag, das versteckte Vermögen des verstorbenen Bitcoin-Millionärs Gregory Hollister aufzuspüren. Doch kaum hat er mit den Nachforschungen begonnen, meldet sich Hollister mit vor seinem Tod aufgezeichneten Videobotschaften und stachelt die ganze Welt zu einer Schnitzeljagd rund um den Globus an. Wer seine Rätselbotschaften knacken kann, dem winkt ein sagenumworbener Bitcoin-Schatz. Auf einmal kann sich Dante vor Konkurrenten kaum retten und hat alle Hände voll zu tun, mit den anderen Schatzsuchern Schritt zu halten.

    Anfangs dachte ich, bei „Montecryto“ würde es sich um den dritten Teil der „Hologrammatica“-Reihe handeln. Doch trotz des futuristischen Themas spielt Tom Hillenbrands neuster Thriller im Hier und Jetzt und zeigt deutlich aus, wie futuristisch es auch heutzutage bereits zugeht. Mehr noch: sein „Montecrypto“ ist ein nahezu perfekter Roman mit spannender Handlung und einer Spur Humor. Die gängigen Klischees hat er dabei nahezu komplett umschifft. Selbst die vielen theoretischen Erklärungen über zum Beispiel Cryptomining werden interessant verpackt. Es macht Spaß, der Geschichte zu folgen und in sie einzutauchen. Hier stimmt einfach alles.

    Alex Woods führt von jeher ein ungewöhnliches Leben. Mit zehn Jahre alt fällt ein Meteorit auf das Haus, das er zusammen mit seiner hellseherisch begabten Mutter bewohnt, und trifft ihn am Kopf. Danach hat er mit Epilepsie zu kämpfen und kann ein Jahr lang nicht in die Schule gehen. Dadurch ist er dort später noch mehr der Außenseiter, der er ohnehin schon war. Sein einziger Freund in der Stadt ist der verbitterter Vietnamveteran Isaac, mit dem er die Leidenschaft für die Bücher von Kurt Vonnegut teilt. Als Isaac krank wird, beschließt der mittlerweile zum Teenager gereifte Alex, ihm zu helfen.

    Die Grundidee des Romans ist ungewöhnlich, die Charaktere sind schrullig und wachsen einem schnell ans Herz. Neben der eigentlichen Handlung erfährt man viel über das Seelenleben von Alex und auch manche philosophische Frage wird erörtert. Durch manche kuriose Ereignisse erinnert die Geschichte fast ein wenig an Winston Grooms „Forrest Gump“, allerdings trifft Alex keine historischen Persönlichkeiten und auch der Grundtenor des Buches ist letztendlich ein gänzlich anderer. Obwohl Charaktere und Handlung durchaus interessant sind, wird die Geschichte durch die schleppende Erzählweise und die vielen Reflektionen immer wieder ausgebremst. Einige Kürzungen wären nicht schlecht gewesen. Es handelt sich auch definitiv um kein Gute-Laune-Buch, sondern eine Geschichte zum Nachdenken und auf sich Einwirken zu lassen.


    • Herausgeber : Eins-A-Medien (1. Januar 2014)
    • Sprache : Deutsch
    • ISBN-10 : 3943393933
    • ISBN-13 : 978-3943393934


    ASIN/ISBN: 3943393933



    Biografie:

    Wolfgang Hohlbein, am 15. August 1953 in Weimar geboren, lebt mit seiner Frau Heike und seinen sechs Kindern, umgeben von einer Schar Katzen, Hunde und anderer Haustiere, in der Nähe von Neuss. Mitte der fünfziger Jahre kam Hohlbeins Familie in den Westen und schlug ihr Domizil in Krefeld auf. In Krefeld absolvierte Wolfgang Hohlbein seine Schule und später eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Zeitweise hielt er sich durch Nebenjobs, wie etwa als Nachtwächter, über Wasser.Wolfgang Hohlbein ist ein Erzähler, es reizt ihn nicht nur die Lust am Fabulieren, sondern auch das freie Spiel mit ungewöhnlichen Ideen und fantastischen Einfällen.

    Er ist ein Workaholic, der in der Zeit von Mitternacht bis in die frühen Morgenstunden arbeitet. Sieben Tage in der Woche legt er selbst in seinen seltenen Urlauben kaum den Stift aus der Hand. "So ist das eben, wenn man das große Glück hat, aus seinem Hobby einen Beruf machen zu können", bemerkt er selbst dazu.

    Laut einer Aufstellung in Focus (Nr. 40, November 2006) liegt die Gesamtauflage von Wolfgang Hohlbein bei 35 Millionen Exemplaren. Er ist damit "einer der erfolgreichsten deutschen Autoren der Gegenwart". Der Wegbereiter neuer deutscher Phantastik und Fantasy wurde bislang in 34 Sprachen übersetzt. Er hat bereits 160 Romane verfasst, den überwiegenden Teil alleine, etliche Kinder- und Jugendbücher gemeinsam mit seiner Frau Heike und einige wenige Erwachsenenromane mit Co-Autoren.

    Zahlreiche Preise und Auszeichnungen hat Wolfgang Hohlbein erhalten. Vom "Preis der Leseratten" 1983 bis zum "Bester Autor National" Deutscher Phantastik-Preis 2004, dem "Sondermann-Preis" auf der Buchmesse 2005 und dem "Nyctalus" im November 2005.

    Inzwischen fördert Hohlbein auf verschiedene Weise selbst Nachwuchstalente. Die Nachwuchsförderung liegt ihm besonders am Herzen. "Wer in seiner schreiberischen Karriere am Anfang steht, tut sich oft sehr schwer, einen Verlag zu finden", weiß Hohlbein aus eigener Erfahrung.



    Inhaltsangabe:

    Teil 1 - Hacker in Berlin: Berlin im Jahr 2036: Gabriel Richter ist Bibliothekar - und arbeitet gelegentlich als Drogenkurier im "Netz", einem intelligenten, digitalen Raum, in dem die Grenze zwischen Realität und Cyberspace verschwimmt. Als ihm eines Tages die Netzpolizei auf die Schliche kommt, beginnt eine gefährliche Reise durch das Netz …
    Teil 2 - Abgetaucht in Königs Wu: Verfolgt von NAD und StaPo fliehen Gabriel und Laura in den Untergrund. Die alten Schächte führen in die Vorstädte. Hier leben die Nobods, Menschen ohne Netzzugang und Bürgerrechte. Auf der Suche nach Verbündeten treffen sie den Hacker Jens und dessen Mentor William N. Bates. Aber kann Gabriel ihnen wirklich trauen?
    Teil 3 - Cyberattack: Berlin versinkt im realen und virtuellen Chaos. Laura und Jens suchen einen Weg ins NAD-Headquarter, um ihre Freunde zu befreien. Für den großen Showdown müssen sie zugleich tief in die virtuelle Welt eintauchen. Doch die militärischen Wurzeln des Netzes sind stark.



    Meine Kritik:

    Im Berlin des Jahres 2036 findet das Leben hauptsächlich digital statt. Der Bibliothekar und Gelegenheits-Drogenkurier Gabriel Richter führt ein unscheinbares Leben, bis ihm die Netzpolizei auf die Schliche kommt. Zusammen mit der Undercover-Frau Laura versucht er zu flüchten und stellt dabei fest, dass die Welt um sie herum immer mehr im Chaos versinkt. Offenbar ist das (weltweite) Netz instabil geworden, und dies hat Auswirkungen auf alles und jeden. Was folgt, ist eine verrückte Odyssee durch die reale und die virtuelle Welt. Unterwegs treffen sie unter anderem auf den Hacker Jens, den amerikanischen Netz-Architekten William Bates und surreale digitale Figuren wie den weißen Raben. Trotz all dieser bunten Einfälle, ist die Handlung die meiste Zeit über langweilig. Hätte ich nicht die Hörbuchfassung vorliegen gehabt und hätte ich mich nicht gerade wieder mehr mit Wolfgang Hohlbeins Werk befasst, hätte ich den Roman vermutlich nicht beendet. Dafür konnte mich die Geschichte einfach nicht genug packen. Da gibt es weitaus interessante deutsche Sci-Fi-Digitalthriller, wie zum Beispiel Tom Hillenbrands „Hologrammatica“-Reihe. Zumindest als Einstimmung darauf passt „Das Netz“ ganz gut – was auch in etwa mein Hintergedanke war, da ich mir als nächstes Hillenbrands Technothriller „Montecrypto“ vorgenommen habe.

    Das dreiteilige „Netz“-Hörbuch von Hohlbeins und Winklers Zukunftsroman zieht sich über reichlich 16 Stunden und wird von Claus Vester vorgelesen.

    Übrigens hat der 2014er Roman meines Wissens nach nichts mit dem gleichnamigen Buch der beiden Autoren von 1996 zu tun. Es gibt zwar einige Parallelen (z.B. den Namen der Hauptperson), dennoch scheint die neue Geschichte deutlich mehr als ein Update der alten Story zu sein.

    Bei einem Flugzeugabsturz strandet Teenager Anders auf einer geheimnisvollen Insel, auf der Monsterinsekten, ein Minotaurus, Trolle, Tiermenschen und Drachen leben. Nach anfänglicher Verwirrung findet sich der Millionärssohn recht schnell in der neuen Welt zurück und erlebt etliche belanglose Abenteuer, die alle nur lose miteinander zu tun haben, so als hätten sie sich die Hohlbeins beim Schreiben spontan überlegt. Zahlreiche Figuren tauchen auf, spielen eine kurz Rolle und verschwinden dann wieder. Die Handlung plätschert die meiste Zeit dahin, selbst als Anders im dritten Band in den Krieg der Fabelwesen verwickelt wird. Interessant fand ich, dass die meisten Charaktere die Hohlbein-typischen Eigenschaften besitzen, auch die Floskeln und Dialoge sind genauso, wie wir sie aus zig anderen Hohlbein-Geschichten kennen.

    Drei Männer und drei Frauen werden vom exzentrische Multimillionär von Thum auf die Burg Crailsfelden eingeladen. Wenn zwei ihnen einen Nachkommen zeugen, erhalten sie ein Millionenerbe. Doch so einfach kann keiner von ihnen das Angebot annehmen. Auf Craisfelden geschehen unheimliche Dinge und selbst das Verlassen der Burg entpuppt sich unmöglich. Dazu werden alle Anwesenden von rätselhaften, ähnlichen Albträumen folgen. Als wäre das nicht gruselig genug, kommt von den Besuchern einer nach dem anderen unter mysteriösen Umständen ums Leben. Um zu überleben, müssen die anderen versuchen, hinter das Geheimnis der alten Burg zu kommen. Dabei finden sie Hinweise auf ein schauriges altes Nazi-Projekt namens Lebensborn, das unter anderem hier auf der Burg durchgeführt worden zu sein schien.

    Die Geschichte ist in sechs Teile aufgeteilt, die alle innerhalb einer Nacht spielen und die Zeit bis zum Morgengrauen abdecken, und wird aus der Ich-Perspektive der Hauptperson Frank Gorisberg erzählt. Anfangs wirkt „Nemesis“ dadurch wie ein Noir-Krimi, doch durch die immer wieder leicht eingreifenden, leicht übernatürliche Einflüsse verschwindet auch der Eindruck schnell. Ein wenig erinnert die Handlung an die alten Agatha-Christie-Krimis, ohne jedoch deren Cosy-Crime-Charme zu erreichen. Schon ab dem zweiten Teil scheint in der Geschichte irgendwie die Luft raus zu sein, ab dem vierten Teil wird es schlimmer. Die Figuren geraten in eine waghalsige Cliffhanger-Situation nach der nächsten und schon früh ahnt man, dass bis zum Ende der Geschichte wohl kaum mehr jemand übrig sein wird. Etwas nervig ist auch, wie oft Frank in Ohnmacht fällt, um dann wieder mysteriös zu träumen und in einer neuen Extrem-Situation zu erwachen. Dafür wird zwar am Ende eine Erklärung geliefert, dennoch ist es eine ständige Effekthascherei, die ich sonst nur aus Sebastian Fitzeks Romane kenne. Auch das große Finale ist recht Fitzek-haft: Mit überraschenden und nicht immer logischen Wendungen. Etwas untypisch fand ich, dass es in Teil Vier sogar eine Sex-Szene gibt – so was kommt in Hohlbein-Romanen normalerweise eher selten vor.

    Im Herbst 1888 trifft die geheimnisvolle Bast in London ein. Auf der Suche nach ihrer Schwester Isis taucht die Nubierin ab in die Abgründe der Stadt, die gerade von Jack The Ripper heimgesucht wird. Dabei trifft sie nicht nur auf den berühmten Inspektor Abberline, sondern ebenso auf Horus, den Namensgeber des Romans, mit dem sie noch eine Rechnung offen hat. Und so streift Bast durch die Straßen der Metropole und versucht zu verstehen, wieso um sie herum auf einmal so viele Menschen sterben.

    Der zweite Band der Anubis-Reihe ist deutlich besser als sein Vorgänger „Anubis“, mit dem er inhaltlich (fast) nichts zu tun hat. Für „Horus“ dürfte sich Wolfgang Hohlbein die Ripper-Morde als Vorlage genommen und überlegt haben, welche alternative Handlung er drumherum erzählen kann. Stellenweise erinnerte mich seine Geschichte an Dan Simmons' "Drood", das ebenfalls im viktorianischen London spielt. Obgleich „Drood“ deutlich stimmiger umgesetzt ist, weiß auch „Horus“ zu unterhalten, auch wenn der Roman nach den typischen Hohlbein-Mechanismen aufgebaut ist und funktioniert.

    Es beginnt mit einer recht interessanten Ausgangsbasis: Bei Ausgrabungen in Kalifornien wurde eine Jahrtausende alte Steinpyramide entdeckt. Archäologie-Professor Mogens VanAndt reist zur Fundstelle und versucht zusammen mit seinem Kollegen Tom, hinter das Geheimnis des uralten Bauwerks zu kommen. Auf einmal gibt es geheimnisvolle Erdbeben und die unheimlichen Ereignisse häufen sich. Allerdings spielt die Handlung fast komplett an der Ausgrabungsstätte und aufgrund dieser limitierten Möglichkeiten dreht sich die Geschichte ständig im Kreis: Die Wissenschaftler forschen nach, etwas Mysteriöses geschieht und die Wissenschaftler versuchen, eine Erklärung dafür zu finden, bis schließlich alles auf sein unvermeidliches und wenig überraschendes Ende hinausläuft. Einige umständliche Formulierungen (wie zum Beispiel „eine unschickliche Frage“) bremsen den Text zusätzlich aus.

    Etwas irritierend empfand ich den Titel „Anubis“, da es in der Geschichte fast überhaupt nicht um die ägyptische Mythologie, sondern um uralte Götter (zahlreiche Andeutungen auf die Großen Alten) und Ghule geht.