Beiträge von Eskalina

    Mitternacht – Christoph Marzi

    Piper

    ISBN: 978-3492280907

    320 Seiten

    Taschenbuch 15 Euro, Kindle 12,99 Euro


    Über den Autor: Christoph Marzi, Jahrgang 1970, wuchs in Obermending nahe der Eifel auf, studierte in Mainz und lebt heute mit seiner Familie im Saarland. Mit dem sensationellen Erfolg seiner Trilogie um die Uralte Metropole ("Lycidas", "Lilith" und "Lumen") hat er sich einen festen Platz als deutscher Fantasy-Autor erobert.


    Amazon Kurzbeschreibung: Es gibt einen Ort, an dem die Geister leben, eine Welt, die unsere berührt, eine Stadt, in der mit Geschichten und Albträumen Handel getrieben wird. Ein Missgeschick lässt Nicholas James, den alle nur den »gewöhnlichen Jungen« nennen, diese Welt betreten – und alles ändert sich: Peter Chesterton, ein reisender Geist, nimmt sich seiner an. Das Findelgeistmädchen Agatha stiehlt sein Herz. Und etwas, das im Dunkeln lauert, gewinnt an Macht. Die Wege, die Nicholas beschreitet, führen ihn dorthin, wo alle Hoffnungen geboren und alle Träume gestorben sind, an einen Ort, den die Geister voller Ehrfurcht »Mitternacht« nennen. Eine Geschichte von der Macht der Bücher und der Gefahr des Vergessens, in einer Welt der Geister.



    Ich habe bisher alle Bücher von Christoph Marzi gelesen. In der Vergangenheit habe ich ihm oft vorgeworfen, dass seine Anleihen bei anderen Autoren wie z.B. Dickens und Rowling mir etwas zu viel waren. Und trotzdem habe ich ihn gelesen, obwohl ich mich oft ein wenig darüber geärgert habe, aber beherrscht es einfach, das Schreiben und fängt mich mit seiner Sprache immer wieder ein.

    Mit „Mitternacht“ habe ich mich nun etwas länger auseinandergesetzt, denn eigentlich müsste man hier sagen, dass eine Bewertung zu diesem Buch nicht ganz fair wäre, doch der Reihe nach: Es beginnt wie es oftmals beginnt; in London. Und auch dieses London ist sozusagen zweigeteilt. Es gibt das London, das wir alle kennen und es gibt ein London der Geister. Genau das erfährt der junge Autor Nicholas James, der durch Zufall erkennen muss, dass er zwischen beiden Städten hin und her wechseln kann. Es wartet die Liebe auf ihn, aber natürlich gibt es auch hier diverse böse Mächte, die ihn bedrohen und denen er besser aus dem Weg gehen sollte.


    "Alle Bücher träumen von Geschichten" - schon der erste Satz reichte aus, um sofort in die Handlung einzutauchen. Die Erzählstimme hat immer etwas märchenhaftes, abgeklärtes und wirkt so poetisch, als stamme sie aus einer längst vergangenen Epoche. Marzis Handlungsorte wirken atmosphärisch und wunderbar geheimnisvoll. Davon kann ich nicht genug bekommen. Ich verrate nichts von der Handlung, die auch in diesem Buch wieder extrem spannend ist. Doch dann, als ich das Gefühl hatte, die Geschichte sei erst halb erzählt, ergab sich ein Bruch. Im Zeitraffer raste plötzlich alles dem Ende entgegen und es war, als habe der Autor seine Figuren im Stich gelassen. Ich war total enttäuscht und wütend, aber dann las ich das Nachwort, in dem Marzi erklärte, dass er einen schweren Schlaganfall hatte und das Buch danach nur mit Mühe weiterschreiben konnte. Diesen Bruch merkt man sehr deutlich und vielleicht hätte Christoph Marzi sich und dem Buch mehr Zeit geben sollen, und sich erst einmal auf seine Gesundheit konzentrieren sollen, bevor er solch ein abruptes Ende zulässt.



    Insgesamt ist „Mitternacht“, ein opulenter, spannender und atmosphärisch dichter Roman, dem ich ein anderes Ende wünschen würde. Trotzdem ist er sehr lesenswert und vielleicht kommt ja noch eine Fortsetzung, die Christoph Marzi bei hoffentlich wieder besserer Gesundheit und in alter Form schreiben kann.Die Geschichte um Nicholas schreit nach einer Fortsetzung und warum nicht das Buch mit einer zweiten Variante beginnen? Dort, kurz vor dem Bruch, könnte es einfach nochmal neu beginnen. Das darf man sich als Autor der Phantastik ruhig erlauben. Alles Gute, lieber Christoph Marzi!

    Ich wusste bisher zwar schon ein paar historische Fakten über das Leben der Eleanor Roosevelt, habe aber nach dem Lesen dieses Romans versucht, noch mehr über sie zu erfahren. Das Netz ist voll von interessanten Berichten über sie und da es in dem Buch um die „Geliebte“ der First Lady geht, lässt sich schnell herausfinden, dass sich bis heute Historiker darüber streiten, ob Eleanor Roosevelt und Lorena Hickok tatsächlich eine lesbische Beziehung unterhielten. So viel zu der Beschreibung „Eine wahre Geschichte“. Bekannt ist allerdings, dass sie eine sehr enge und intensive Freundschaft verband.


    Der Roman dürfte die enttäuschen, die nun eine chronologisch erzählte Lebens- und Liebesgeschichte um die beiden Frauen erwarten, denn der Reihe nach geht hier gar nichts. Erzählstimme ist Lorena, die die meiste Zeit gedanklich Monologe an Eleanor richtet. Sie springt in den Zeiten hin und her und setzt beim Leser teilweise ein Wissen voraus, das man sich erst einmal erarbeiten muss. Sie nimmt Bezug auf Zeitungsartikel über Eleanor und sie, berichtet von Partys im Weißen Haus, von Gästen des Präsidenten und seiner Frau und von ihren Reisen mit Eleanor. Lorena beschreibt bestimmte Personen im Umfeld des Präsidentenpaares sehr genau, übernimmt auch den Klatsch und Tratsch, der um diese teilweise berühmten Persönlichkeiten rankt und wird trotzdem selten konkret, wenn es um Eleanor und sie geht.


    Sie erklärt Eleanor immer wieder in Gedanken ihre Gefühle und Eindrücke. Selten geht sie ins Detail, häufig reißt sie bestimmte Szenen nur an , all das scheint eher, als seien die Zeilen nur für Eleanor bestimmt. Als nicht eingeweihte Leserin durfte ich zwar einen Blick in diesen Mikrokosmos der beiden werfen, doch die Art, wie Amy Bloom ihre Erzählerin agieren lässt, gab mir beim Lesen das Gefühl, ich würde in fremden Leben stöbern, intimes Wissen recherchieren, das mich nichts angeht. Das Bild einer Liebesgeschichte zwischen Eleanor und Lorena muss man sich aus den Andeutungen und Ahnungen, einzelnen nur grob skizzierten Szenen selber zusammensetzen und normalerweise ärgere ich mich, wenn mir als Leserin überlassen wird, aus derart unkonkreten Angaben etwas zusammenzureimen.


    Das war anfangs auch hier der Fall, doch dann hat mich der ungewöhnliche Schreibstil am Buch gehalten. Amy hat ihre Lorena mit großer Intelligenz, scharfer Beobachtungsgabe und einem großartigen Sinn für Humor ausgestattet. Zudem sehe ich das Buch im Nachgang als eine einzige Liebeserklärung, deren wunderbare Bilder und kluge Sätze mich über teilweise langatmige Beschreibungen uninteressanter Personen, über unverständliche Zeit- und Gedankensprünge hinwegsehen lassen und mich das Buch in Erinnerung behalten lassen, wie es Lorena – pardon – Amy gemeint haben könnte; als Stimme einer Liebenden, die ihre Liebe niemals öffentlich leben durfte. Mich hat der Stil versöhnt und so beeindruckt, dass ich dem Buch 9 Pünktchen gebe.

    Spricht man heute über die Mondlandung, so hat man automatisch das Bild oder auch die Namen der drei Astronauten vor sich, die damals als erste die lange Reise zum Mond geschafft haben. Ziemlich unbekannt dürfte sein, dass es in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein privat finanziertes Programm namens Mercury 13 gab, in dem Frauen auf ihre Weltraumtauglichkeit getestet wurden.


    Junis Mutter floh vor den Nazis über Köln und Frankreich nach New Orleans und tat alles, um dem Mädchen ein sorgloses Leben in der neuen Heimat zu ermöglichen. Die Teilnahme am Mercury 13 Programm ist alles, was sich die junge Pilotin Juni schon immer gewünscht hat. Ihren Traum vom Fliegen hat sie schon in jungen Jahren wahr gemacht und die Begeisterung für das Fliegen begleitet sie ihr ganzes Leben. Als Juni nun mit einigen anderen Pilotinnen zum Programm eingeladen wird, setzt sie ihre ganze Hoffnung in ein Bestehen der Tests und sieht sich schon im All, doch das Frauenbild zu ihrer Zeit und einige missgünstige Menschen versuchen ihr Steine in den Weg zu legen.


    Ich habe diesen Roman sehr gerne gelesen. Er bietet einen spannenden Blick in die damalige Zeit. Ihrer fiktiven Hauptfigur Juni hat Maiken Nielsen ein spannendes Leben gegeben. Zuerst die Flucht der Mutter aus Nazi-Deutschland, dann der Start als junge Pilotin in einer von Männern geprägten Gesellschaft, die Teilnahme am Mercury-Programm und nicht zuletzt der Bezug der Raumfahrt zu der umstrittenen Persönlichkeit Wernher von Braun, der indirekt auch mit Junis Geschichte verknüpft ist.


    Der Schreibstil ist sehr flüssig und lässt sich gut lesen, die mitwirkenden Personen sind so gut skizziert, dass es ist, als kenne man sie schon lange Zeit. Es gibt Höhen und Tiefen in Junis Leben und die erlebt man hautnah mit. Man bangt mit ihr und um sie und am Ende hätte ich dem Buch noch wesentlich mehr Seiten gewünscht, nicht zuletzt auch, weil ich mir einige Szenen ausführlicher ausgearbeitet gewünscht hätte. Es bleibt aber trotzdem eine Leseempfehlung für einen Roman, der sich mit einem weitgehend in Vergessenheit geratenem Astronautenprogramm beschäftigt und der mit sympathischen Figuren und einer spannenden Handlung ein interessantes Leseabenteuer bietet.

    Endlich hatte ich genug Lesezeit um das Buch zu beenden. Juni und Martha haben sich wieder versöhnt - ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass das ein wenig zu kurz kam. Genauso die Zeit von Juni im Krankenhaus. Erst bangen alle um sie und dann ist sie wieder gesund und versöhnt mit ihrer Mutter. Gerade wo dieser Bruch zwischen den beiden so heftig war, wäre eine Aussprache zwischen den beiden für mich als Leserin wichtig gewesen. So kam es mir vor, als habe man mir etwas Wichtiges vorenthalten.


    Als Juni und Martha Pläne für die Zukunft geschmiedet haben, wusste ich, dass Martha das nicht mehr erleben würde. Das war mir zu offensichtlich.

    Der letzte Abschnitt wirkt sehr komprimiert, als solle noch schnell so viel wie möglich hineingepackt werden. Das Buch hätte ruhig länger sein können, die Aufmerksamkeit von uns Leserinnen war ja da. ;)

    Insgesamt habe ich das Buch gern gelesen. Die Geschichte um das "Raumfahrtprogramm" für die Frauen hat mir gut gefallen und war sehr interessant. Gern hätte ich mir einige Passagen noch ausführlicher ausgearbeitet gewünscht, wie die Gesundung von Juni und die Versöhnung mit ihrer Mutter.

    Letztlich bleibt Ethel Herbert in diesem Abschnitt ja ein wenig auf der Strecke. Zum Glück, denn wenn sie sich nun auch noch eingemischt hätte, um Juni ihr Glück zu verderben, wäre das zu viel gewesen.


    Die Tests, denen sich die Frauen unterziehen müssen, sind krass. Wie hast du sie recherchiert? Besonders die Bluttests würden mich interessieren, denn ich habe beruflich damit zu tun. Ich hätte gar nicht gedacht, dass man damals schon Antikörper-Tests durchführen konnte.


    Bei dem Schwindeltest haben mir die Kandidatinnen leid getan. Ich musste vor einiger Zeit auch einen durchstehen. Der wurde allerdings mit lauwarmem Wasser gemacht. Das wurde in die Ohren gegossen und dann bekam ich eine riesige Brille auf und die Assistentin zählte, wie oft und wie lange sich meine Augen drehten...<X


    Dass weitere Tests einfach so abgesagt wurden, zeigt, dass die männliche Welt noch nicht dazu bereit war. Dr. Lovelace hat noch nicht mal den Mut, es den Frauen persönlich zu sagen.

    Waren echt einige Frauen so euphorisch und haben ihren Job gekündigt? Gerade in dieser Zeit, in der die ja tägloich erleben mussten, wie viel weniger Wert sie in den Augen vieler Männer waren, hätten sie da doch vorsichtiger sein müssen...:gruebel

    Oh ja .... Ich habe den nächsten Teil auch schon hier liegen, hab aber noch nicht angefangen. Vielleicht nächstes Jahr ...

    So geht es mir auch. :wave

    Damals als ich die begeisterte Rezi geschrieben habe, konnte ich es nicht abwarten, den nächsten Band zu lesen, doch als sich die Zeit bis zum Erscheinen immer länger herauszog, habe ich ganz langsam fast das Interesse verloren. Nach so langer Zeit nun einen zweiten und dritten Band zu beginnen, fällt schwer, denn die Erinnerung an den ersten Teil ist ziemlich verblasst...

    Ich habe nun endlich wieder Lesezeit gehabt. Es ist schön, dass sich Juni und Louis wiedersehen konnten und sich sogar ineinander verliebt haben. Wie Juni im Job von den männlichen Kunden behandelt wird, ist ärgerlich und zeigt, wie die Männer damals dachten. Auch die Interview-Fragen an Jerry sind dermaßen frauenverachtend, dass ich beim Lesen richtig wütend wurde. Und manchmal ist auch heute dieses Denken bei der älteren Generation noch vorhanden...:alter


    Ich war erschrocken, wie Juni sich ihrer Mutter gegenüber verhalten hat. Klar, die Mutter hat ihr nicht die Wahrheit über ihre Herkunft gesagt, aber sie hat alles unternommen, damit Juni ein gutes Leben hat und vor allem Juni hat immer ihre Liebe gespürt. Nach dem Geständnis ihrer Mutter zeigt sie keinerlei Mitgefühl mit ihr und ihren Großeltern, sondern denkt nur an sich und ihre verletzten Gefühle. Das ist kindisch und egoistisch. Ich hoffe, die beiden finden wieder zueinander solange Martha noch lebt, denn die Andeutungen, wie blass und schmal sie geworden ist, könnten darauf hindeuten, dass sie schwer krank ist...:gruebel

    Ich bin nur ein winziges Stückchen weiter gekommen, am Wochenende habe ich endlich wieder mehr Lesezeit. Sehr schön fand ich, dass Juni nicht gleich die Siegerin des Flugrennens wurde, das hätte ich irgendwie etwas zu viel gefunden. Ich bin gespannt, wie es weiter geht...

    Ja, eigentlich kann man die Mondlandung nicht so richtig bejubeln, wenn man die Vorgeschichte von Wernher von Braun kennt. Es bleibt der bittere Beigeschmack, dass ihm nicht der Prozess gemacht wurde. Man hat ihn gebraucht und deshalb musste er sich nicht verantworten. Viele andere, die man nicht brauchte, kamen vor Gericht. Dieses mit zweierlei Maß messen finde ich unerträglich ungerecht.

    Wahrscheinlich muss man eher darauf sehen, wie viele andere Menschen beteiligt waren, die sich in der Vergangenheit nicht schuldig gemacht haben und für die ein Lebenstraum in Erfüllung ging.


    Junis Traum vom Fliegen finde ich schön, allerdings kommt mir der Wunsch manchemal etwas zu oft vor. Es reduziert sie ein wenig nur auf diesen Wunsch. Ich war zwischenzeitlich etwas verwirrt als es um den Andenflug ging und erst von Jerry die Rede war und dann unvermittelt der Sprung zu Juni kam, die ebenfalls im Flugzeug unterwegs war.

    Mit Ethel Herbert hast du eine wunderbare Nervensäge erschaffen, die mir gut gefällt. :wave

    So, nun hatte ich endlich auch Zeit, mit dem Buch zu beginnen. :)

    Ich habe den Start und alles, was mit der Apollo-Mission zu tun hatte, als Kind verfolgt. Mein Vater war so begeistert von der Technik (was er mir vererbt hat), dass er uns sogar nachts geweckt hat, damit wir die ersten Schritte auf dem Mond sehen konnten. Er meinte, dass wir das Glück hätten, an einem historischen Ereignis teilzunehmen. Ich war 5 Jahre alt und ich denke heute noch gerne an die Begeisterung der Menschen damals zurück.

    Insofern hat mich ja schon der Buchtitel gereizt und ich habe den ersten Abschnitt sehr gerne gelesen. Ich bin gespannt, wie es weiter geht. Stimmt die Geschichte um Wernher von Braun mit seiner Biografie überein?

    Ich kann Marthas Wunsch nach Rache an ihm gut verstehen. Ein Mensch, der sich so schuldig gemacht hat und dann gleich wieder auf die Füße fällt, während seine Opfer und deren Familien noch jahrelang leiden, zeigt, wie ungerecht es damals nach dem Krieg zuging.

    Es passiert nur noch selten, dass mich ein Cover so sehr anspricht, dass ich neugierig auf ein Buch werde. Bei „Witchmark“ ist das der Fall gewesen, denn das Coverbild hebt sich wohltuend vom üblichen Mainstream ab und auch die Handlung ist erfrischend anders.


    Der Arzt Miles Singer arbeitet in einer Klinik als Psychiater und betreut ehemalige Soldaten, die aus dem Krieg gegen das Nachbarland zurückgekehrt sind. Sie alle berichten davon, einen Mörder in sich zu tragen und Miles, der als Hexer und Heiler sehen kann, was die Menschen, die ihn umgeben, in sich tragen, nimmt eine dunkle Wolke in ihnen wahr, die er näher erforschen möchte. Hexer sind nicht gut angesehen in seiner Heimat und müssen ihre Gabe gut verbergen und so muss Miles seine Heilungen heimlich durchführen. Als er einen sterbenden Hexer untersucht, führt ihn dieser auf einen gefährlichen Weg, von dem er weiß, dass er in großer Gefahr schwebt, wenn er ihn bis zum Ende geht.


    Es hat ein wenig gebraucht, bis ich die Welt in der Miles lebt, halbwegs verstanden habe. Nur nach und nach werden einige Dinge erklärt. Was aber von Anfang an feststeht ist, dass Miles mehr zu verbergen hat. Die Spannung der Haupthandlung baut sich nur langsam auf, die Nebenhandlung nimmt zuerst an Fahrt auf, denn Miles lernt einen Mann kennen und es beginnt gewaltig zwischen ihnen zu knistern. Das Ganze ist gut eingebettet in eine interessante Handlung, die nach und nach immer spannender wird und auf einen großen Showdown hinsteuert.

    Ich will nicht zu viel verraten, außer, dass man mit „Witchmark“ kein üblich gestricktes Werk der Phantastik vor sich hat. Der Plot ist ungewöhnlich, die Hauptfiguren sind es auch und zusammen mit der homoerotischen Lovestory, die zum Glück ohne Kitsch und schlechte Liebesszenen auskommt, ergibt das einen interessanten und lesenswerten Phantastik-Thriller.

    Noras Welten – durch den Nimbus

    Madeleine Puljic

    Piper-Verlag

    ISBN: 978-3492260367

    336 Seiten, 13 Euro


    Wenn wir als Leser sagen, dass wir tief in ein Buch eintauchen konnten, dann hat der Autor es geschafft, seine erdachte Welt, seine Figuren und Geschichten sehr gut und plastisch zu beschreiben. Wenn Nora Winter sagt, dass sie in ein Buch eintauchen kann, so taucht sie körperlich in ein Buch hinein und landet mitten in den eigentlich fiktiven Welten. Je nach Buch kann das natürlich sehr gefährlich werden; schon ihre Großmutter verschwand vor Jahren in einem Buch und wurde nicht mehr gesehen. Denn wie man sich wieder aus einer Geschichte befreit und zurück in die normale Welt gelangt, das weiß Nora nicht. Bisher gelang es ihr nur mit viel Glück zurückzukehren. Nun hat sie genug von dieser „Gabe“ und besucht den Hypnosetherapeuten und Psychologen Ben, der ihr helfen soll, das Lesen zu verlernen, damit sie endlich gefahrlos leben kann, doch Ben fordert einen Beweis für ihre ungewöhnliche Geschichte und plötzlich finden sich beide in dem Buch „Eldinor“ wieder, einer mittelalterlich anmutenden Welt mit Drachen, Rittern, Magiern und einem drohenden Krieg um den Königsthron.


    Nora weiß nur eines, sie dürfen die Geschichte auf gar keinen Fall verändern und müssen versuchen, sie so unauffällig wie nur möglich bis zu ihrem Ende zu erleben, denn nur so besteht die Chance, dass es ihnen gelingt, wieder in das reale Leben zu gelangen. Zu dumm nur, dass sie nur kurze Zeit nach ihrem Eintreffen bereits die Aufmerksamkeit der Hauptfiguren erregen und ins Gefolge des Magiers Keldan „eingeladen“ werden.


    Noras Welten ist nichts für Hardcore-Fantasy-Fans. Ich würde es als Cosy-Fantasy bezeichnen. Das sollte man wissen, wenn man zu dem Buch greift (und eventuell in Gefahr gerät, sich in Eldinor zu verlieren). Und auch die Information, dass es sich nicht um eine abgeschlossene Geschichte handelt, könnte interessant sein. Der nächste Band wird im März 2020 erwartet.


    Tatsächlich war ich als Leserin sofort in der Handlung drin. Der Stil ist humorvoll, manchmal ein wenig flapsig und lässt sich flüssig lesen. Die Idee für Noras „Gabe“ gefällt mir sehr gut. Gerne hätte die Autorin noch etwas weiter ausholen können, denn Nora hätte ja theoretisch schon Augenzeugin in vielen großen Romanen sein können. Man stelle sich vor, mitten im Auenland zu erscheinen oder mit Harry Potter am reich gedeckten Tisch in Hogwarts zu sitzen. Was für ein Potential! Leider beschränkt sich Madeleine Puljic sehr auf die aktuelle Handlung, aber auch die hat es in sich, denn natürlich verändern Ben und Nora die Geschichte, in die sie geraten und man fragt sich, zusammen mit Nora und Ben, ob und vor allem wie sie jemals wieder heraus gelangen können. Das Buch ist leichte Kost aber es hat mir gut gefallen, es hat alles, was man sich von einer guten Geschichte wünscht; Ritter, Drachen, Bösewichte, Magie, Intrigen und nicht zuletzt die Liebe – alles zusammen ergibt ein spannendes und humorvolles Leseabenteuer, das von mir die volle Punktzahl bekommt.

    „Gelobtes Land - Gloov“ ist der zweite Teil einer dreiteiligen Serie von Christine Heimannsberg. Nicht nur, weil es sich absolut lohnt, den ersten Teil gelesen zu haben, sondern auch um die Vorgänge in diesem Buch zu verstehen, ist es wichtig, „Gelobtes Land – Hoov“ zu kennen.


    Die abenteuerliche Flucht von Lore, ihrem Bruder Jame, ihrem Freund Jul und Sim endete tatsächlich im Gelobten Land, dem Land, von dem niemand genau wusste, ob es existierte. Nun sind sie angekommen und anfangs erschlagen von dem Überfluss, den sie erleben. Die Menschen wirken glücklich, sind freundlich, alle tragen helle und luftige Kleidung, leben ökologisch nachhaltig, und verehren ihren charismatischen Anführer. Frauen sind hier keine Menschen zweiter Klasse mehr und das ist es, was Lore sofort begeistert.


    Um das ganze System kennenzulernen und dazu zu gehören, wird von ihnen verlangt, dass sie verschiedene Kurse besuchen und ihre Vergangenheit mit Psychologen „aufarbeiten“. Lore ist absolut überzeugt von der Gesellschaftsordnung und setzt alles daran, ein Muster-Flüchtling zu sein, um so schnell wie möglich komplett integriert zu werden, doch ihre Begleiter sehen die neue Welt nicht unkritisch und ihnen fällt auf, dass an dem so freundlich und friedlich präsentierten System etwas ganz und gar nicht stimmt…


    Mir hat das erste Buch schon sehr gefallen, ich habe neugierig auf die Fortsetzung gewartet und ich bin nicht enttäuscht worden. Christine Heimannsberg lässt ihre Figuren nun die neue Welt kennenlernen, die alle ihre Entbehrungen auf der Flucht vergessen machen könnte und doch bemerkt man beim Lesen, dass da etwas nicht stimmt. Anfangs sind es nur winzige Andeutungen, kleine Ahnungen, was nicht in Ordnung sein könnte und man überlegt gespannt, was da schiefläuft. Es ist wieder einmal sehr spannend und so toll geschrieben, dass ich nicht aufhören wollte. Auch wenn das Ganze in einer düsteren dystopischen Welt spielt, so spielt das Thema Flucht eine wichtige Rolle und zeigt auf, was es bedeutet, seine Heimat (egal wie schlecht die Verhältnisse dort sind) zu verlassen und sich auf ein „gelobtes Land“ einzulassen. Diese Mischung aus Fiktion und aktuellem Kontext hat mir sehr gut gefallen. Das Buch ist sehr spannend, die Story toll und die Figuren kommen so authentisch rüber, dass man mit ihnen lacht, weint und um sie bangt. Genau das macht für mich einen guten Roman aus. Ich warte gespannt und ungeduldig auf den dritten Teil…