Der Kinderzug, Michaela Küppers

  • Inhaltsangabe: Quelle Droemer-Knaur

    Michaela Küppers aufwühlender Roman über ein Frauen-Schicksal im Dritten Reich vor dem Hintergrund der sogenannten Kinderlandverschickung

    Das Ruhrgebiet im Sommer 1943. Die junge Lehrerin Barbara soll eine Gruppe Mädchen im Rahmen der sogenannten Kinderlandverschickung begleiten. Angst, aber auch gespannte Unruhe beherrschen die Gedanken der Kinder, denn sie wissen nicht, was sie erwartet. Das Heim, das ihr zeitweiliges Zuhause werden soll, erweist sich zunächst als angenehme Überraschung, doch dann muss dieses geräumt werden.

    Es beginnt eine Odyssee, die nicht nur die Kinder, sondern auch Barbara an ihre Grenzen führt, denn mehr und mehr wird sie, die sich bisher aus der Politik herauszuhalten versucht hat, mit den grausamen Methoden und Plänen der Nationalsozialisten konfrontiert – und mit Menschen, die für ihre Ideologie vor nichts zurückschrecken.

    Als schließlich ein Mädchen verschwindet und ein polnischer Zwangsarbeiter verdächtigt wird, kommt für die Lehrerin die Stunde der Entscheidung.

    Ein Roman über die Frage: Wie konnte man, konnte eine Frau unter dem verbrecherischen System des Nationalsozialismus anständig bleiben?


    Meine Meinung zur Autorin und Buch

    Ich muss gestehen es ist mein erster Roman von Michaela Küppers und ich muss sagen ihr ist ein großartiges und Zeitgenössisches Werk gelungen. Die Geschichte um die Kinderlandverschickung hat mich sehr tief beeindruckt und berührt. Sie hat alles so lebendig und Bildhaft geschildert, das man das Gefühl hatte ein Teil der Geschichte zu sein.

    Wie sie es selbst schon schreibt wurde ihr Vater im Ruhrgebiet 1933 geboren, genau wie meine Mutter nur sie 1927, auch ich finde es schade das ich sie nicht mehr als Zeitzeugen dazu befragen kann. Ich weiß nur aus Erzählungen das meine Oma alles dran setzte das meine Mutter nicht verschickt wurde. Ich war damals zu jung um das ganze Ausmaß, das wie und warum zu hinterfragen, was mir jetzt sehr Leid tat, als ich das Buch las. Sie erzählt alles sehr intensiv und mit viel Einfühlungsvermögen, sie schafft es einem in die Geschichte hinein zu katapultieren, das es kein beim Lesen kein entrinnen gab. Man war gefesselt von der ersten bis zur letzten Seite , und fieberte mit Protagonisten mit, weinte, bangte, hoffte und Freute sich. Bekam tiefe Einblicke in das Seelenleben, ihrer Figuren. Sehr schön fand ich das sie die Kinder zu Wort kommen lies, und man das ganze aus ihrer Sicht und erlebte, es taten sich ganz andere Blickwinkel auf. „Mit dieser unvergesslichen Geschichte hat sie diesen Kindern und auch den Betreuern ein Denkmal gesetzt.“


    Ich habe Barbara schon für ihre Aufgabe und Verantwortung bewundert, diese Kinder auf einem Weg in eine ungewisse Zukunft zu begleiten. Eins muss man ja dem Regime des Nazis zu Gute halten, die Kinder aus dem Bombenhagel in Sicherheit zubringen. Auf was für eine Irrfahrt sie sich da einlassen wusste niemand am Anfang. Sie trafen es ja auch in Usedom gut an, im Hause Margarete, es war ein nettes Hotel, schöne Zimmer und vor allem gutes Essen. Barbara ist aber auch eine sehr gute Pädagogin, die sich in die Kinder hinein versetzen kann, und ihre Ängste versteht. Sie verbiegt die Kinder nicht im Sinne der Nazis, sie bleibt einfach anständig und hinterfragt die Methoden der Nationalsozialisten. Ganz anders dagegen in dem Haus wo die Jungens untergebracht waren, die wurden ganz im Sinnes ihres Führen gedrillt. Die hatten so richtige Schleifer und überzeugte Hitler Anhänger, für die war der Führer das größte. Als alles im schönsten Einklang ist, die Kinder sich langsam erholt und eingelebt haben, holt sie der Krieg, doch noch auf Usedom ein, eine Irrfahrt und Odyssee in Richtung Schlesien beginnt, von dort aus müssen sie auch wieder weiter als der Russe, vor der Tür steht, und als dann auch noch ihr kleiner Schützling Edith, die Schwester von Gisela verschwindet, ist Barbara gefordert und muss Entscheidungen treffen, auch sie gerät in große Gefahr. Ich hätte so gerne die Kinder in die Arme genommen und getröstet, aber auch Barbara, die ich um ihr Schicksal nicht beneidete. Da wird einem bewusst, wie gut es uns geht und ich bin überglücklich ohne Krieg, Vertreibung oder Flucht, in einem freien Lang groß geworden zu sein.

    "Eine Geschichte die unter die Haut geht..... Voller Leidenschaft und sensibel erzählt. "

  • Ab und zu hat man manchmal so ein Buch, das einen WOW Effekt auslöst. Um genau so ein Buch handelt es sich bei „Der Kinderzug“ von der Autorin Michaela Küpper, das mich tief bewegt und sehr aufgewühlt zurückgelassen hat. Sie beschreibt aus der Sichtweise verschiedener Protagonisten was Kinderlandverschickung ist und was sie, besonders für die Betroffenen, für eine Bedeutung gehabt haben muss. Basierend auf wahren Tatsachen haben wir es hier mit einer Konstellation zu tun, in der keiner der Charaktere glücklich mit der Situation ist. Was zunächst als dreimonatige „Erholungsreise“ geplant ist, entpuppt sich schnell als Odyssee mit ungewissem Ausgang. Die junge Lehrerin Barbara Salzmann, die von Anfang an leicht überfordert mit ihren Aufgaben ist, stößt recht schnell an ihre Grenzen. Als sich die Lage schließlich kriegsbedingt zuspitzt, scheint das Unterfangen dem Untergang geweiht …

    Bis heute war mir nie richtig bewusst, was sich hinter diesen Verschickungen verbarg. Auch die zwei alteren Geschwister meiner Mutter mussten sich auf eine solche Reise mit unbekanntem Ausgang begeben und nun schaudert mich bei dem Gedanken daran, was sie wohl so erleiden mussten in der Fremde und welche Sorgen meine Großmutter ausgestanden haben muss.

    Ich bewundere die Recherchearbeit der Autorin und auch den Schreibstil, mit dem sie uns Lesern das Erfahrene übermittelt hat. Ich klebte förmlich an den Seiten und musste immer wieder schockiert lesen, welche Qual viele Kinder und Jugendliche erleiden mussten. Eine gehörige Portion Gehirnwäsche half hier wahrscheinlich, diese zu ertragen!

    Wer sich selbst ein Bild zu diesem Thema machen möchte, dem möchte ich dieses Buch ans Herz legen. Es ist keine leichte Lektüre doch bei mir hat es eine viel zu lange offen gewesene Wissenslücke geschlossen. „Nie wieder Krieg!“ kann auf diesen Roman die einzig richtige Aussage sein.