Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen - Kikuko Tsumura

  • Eichborn, 2025

    304 Seiten


    Kurzbeschreibung:

    Die Erzählerin in diesem Roman ist müde - von der Arbeitswelt, ihren absurden Ritualen und entfremdenden Herausforderungen. Gebeutelt von den nie enden wollenden Anforderungen des, na ja: Kapitalismus, wünscht sie sich einen Job, bei dem sie möglichst wenig investieren muss, also am liebsten sehr wenig denken. Allerdings entwickeln auch die abseitigsten Anstellungen ihre Tücken - von Läden, die wie von Zauberhand vom Erdboden verschwinden, über mysteriösen Sekten, zu einem Landschaftspark, der von einem Geist heimgesucht scheint. Fast könnte man meinen, das System ist das Problem ...

    Ein abgründiger Roman über die Tücken des modernen Alltags - lustig, surreal, hellsichtig und manchmal ganz schön beunruhigend.


    Über die Autorin:

    Kikuko Tsumura stammt aus Osaka in Japan. Sie gewann den PEN/ROBERT J. DAU SHORT STORY PRIZE und wurde mit diversen japanischen Literaturpreisen ausgezeichnet, u.a. mit dem AKUTAGAWA PRIZE, dem NOMA LITERARY PRIZE, dem DAZAI OSAMU PRIZE und dem NEW ARTIST AWARD der japanischen Regierung.


    Über die Übersetzerin:

    Katja Busson, geboren 1970, studierte Japanologie und Anglistik in Trier und Tokio. Sie übersetzte unter anderem Mieko Kawakami und Ko Machida.


    Mein Eindruck:

    Ein ungewöhnlicher Roman einer japanischen Schriftstellerin. Es geht um eine 36jährige Frau, die ihren Beruf wegen Burnout aufgibt und sich neue Jobs vermitteln lässt, die möglichst keine hohen Anforderungen an sie stellen sollen. Sie observiert zunächst, dann schreibt sie Werbesprüche, hängt Plakate auf. Einen Job nach dem anderen probiert sie und kündigt schließlich nach kurzer Zeit.

    Jeder neue Job bringt auch kurioses mit sich. Einen einfachen Job gibt es eigentlich nicht. Der letzte Abschnitt ist der längste und handlungsreichste. In einem großen Landschaftspark arbeitet sie in einer Hütte und es geschehen rätselhafte Dinge.

    Erst am Ende erfährt man, was ihr früherer Beruf war.


    Das Buch arbeitet viel mit der Innenschau der Protagonistin, was wertendes über die Gesellschaft in der Arbeitswelt reflektiert.


    Mir hat das Buch gefallen, aber oft wurden mir die Passagen zu absurd, fast schon surreal. Daher ist meine Punktewertung 7 von 10.


    ASIN/ISBN: 3847902245

  • Darf ich mich zum Titel äußern? Eigentlich interessiert mich so ziemlich alles, was aus dem Japanischen ins Deutsche übersetzt wird, doch der Titel "Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen" ist meines Erachtens nicht besonders gut gewählt und irreführend, passt offensichtlich jedoch hervorragend in die Schiene "Das kleine Café...", "Die Buchhandlung..." bzw. erinnert stark an Baek Sehees Buch "Ich will sterben, aber Tteobokki essen will ich auch".

    Würde man den Titel wortnah übersetzen, würde er "In dieser Welt gibt es keine mühelose Arbeit" lauten. Jetzt stellt sich mir die Frage, welche Zielgruppe für diesen Roman in Frage kommt, a) die derjenigen, die auf Wohlfühlatmosphäre setzen und abschalten wollen oder b) die derjenigen, die einen Einblick in die problematische Arbeitswelt Japans erlangen möchten und ein etwas anspruchsvolleres Stück Literatur erwarten.

    Beim jetzigen Titel weiß ich, dass ich nicht zugreifen werde; bei meiner Übersetzung würde ich einen Blick riskieren, auch wenn mich der Titel nicht vom Hocker reißen würde.

  • Das musst Du mir sagen ;). Gibt es im Buch Anspielungen? Oder hat die Figur den Kopf mit allem möglichen voll und hängt einer (Traum-)Welt nach?

    Vielleicht ist die Farbe Rosa einfach nur vom japanischen Cover übernommen worden.

    Ich habe gerade das Original herausgesucht, damit wir einen Eindruck bekommen können.

    Dort hat der Verlag eine Tabelle herausgesucht und schwach abgebildet. Als wenig gelungen empfinde ich die neonfarbene Schrift, was eigentlich gegen eine gewisse Ästhetik spricht.

    Da der Titel jedoch für ein jüngeres Marktsegment in Frage kam, sind Designüberlegungen wohl in den Hintergrund gestellt worden. Zudem ist es in Japan üblich, sein Buch aus dem Buchhandel eingeschlagen mitzunehmen (sog. Tsutsumu), damit nicht jeder sieht, was man in der Öffentlichkeit liest. Mit diesem Wissen wird die Covergestaltung mutmaßlich noch unwichtiger.


    https://www.amazon.co.jp/-/en/…c7c&qid=1763906950&sr=8-1

    Im Link bitte unter dem Cover das dritte Bild ansehen, da in Japan von hinten nach vorne gelesen wird.

  • Gibt es im Buch Anspielungen? Oder hat die Figur den Kopf mit allem möglichen voll und hängt einer (Traum-)Welt nach?


    Überhaupt nicht. Sie ist angeschlagen wegen dem Burnout, aber Realistin.

    Sie ist auch nicht unbedingt likeable, meckert viel rum.


    Ein Clou des Buches ist, das man erst am Schluß erfährt, welchen gelernten Beruf sie aufgegeben hatte und es stellt sich die Frage, ob sie zurückkehren wird.