Steidl, 2025
256 Seiten
OT: The End of the World is a Cul de Sac
Aus dem Englischen von Claudia Glenewinkel und Hans-Christian Oeser
Kurzbeschreibung:
Diese Frauen stecken in Schwierigkeiten. Eine wird von ihrem Ehemann sitzengelassen: mittellos, in einer halb verfallenen Siedlung, die er aus dem Boden gestampft hat, und mit einer moralischen Schuld, die niemals zu tilgen sein wird. Eine andere wird von der Erinnerung an einen Fremden verfolgt, den ihr Bruder während der nordirischen Troubles getötet hat. Weil der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht, überredet eine werdende Mutter ihren Mann dazu, für einen Drogenboss zu arbeiten. Eine junge Städterin zieht mit ihrem von Selbstversorgung träumenden Freund aufs Land und erlebt das brutale Ende ihrer romantischen Illusionen. In diesen Geschichten riecht es nicht nur nach Erde und Torffeuer, nach Holz und Heidekraut, sondern auch nach Blut und Tod. Louise Kennedys präzise Momentaufnahmen aus dem Leben irischer Frauen und Männer erzählen von enttäuschten Erwartungen, von Verrat und teuer bezahlter Loyalität, von Sprachlosigkeit und männlicher Dominanz. Sie erzählen aber auch von der Kraft der Mythologie, der unbeirrbaren Schönheit der Natur und dem heldenhaften Durchhaltevermögen von Menschen, denen nichts anderes übrigbleibt, als aus den wenigen Möglichkeiten, die ihnen vergönnt sind, das Beste zu machen.
Über die Autorin:
Louise Kennedy wuchs in der Nähe von Belfast auf. Bevor sie mit dem Schreiben begann, arbeitete sie fast dreißig Jahre lang als Köchin in Irland und Beirut. Ihr 2021 erschienener Band mit Short Stories The End of the World is a Cul de Sac wurde von der Presse enthusiastisch aufgenommen (u.a. war er Sunday Times Book of the Year) und machte die Autorin mit einem Schlag in der englischsprachigen Welt bekannt. Ihr erster Roman Übertretung (»Trespasses«) erschien 2023 bei Steidl.
Mein Eindruck:
Nicht jede Story dieses Erzählungsband hat mich erreicht, aber einige sind brillant.
Ich bin von der literarischen Qualität beeindruckt.
Es sind meistens von Ereignissen erschütterte, still vor sich hin leidende Figuren.
Überwiegend sind es Frauen oder Mädchen, die betroffen sind. Einmal ein Teenagermädchen, dann eine Schwangere, ein anderes Mal eine Frau, die den Krebs überlebt hat und mit ihrer Freundin in den Urlaub fährt, überraschenderweise nach Tunesien.
Ein paar Worte zu meiner Lieblingsgeschichte: Wolf Point: Die Geschichte eines Mannes, deren junge Frau psychische Probleme bekommen und sogar einen Suizidversuch hinter sich hat. Sie kann sich nicht mehr um ihre kleine Tochter kümmern. Doch die kleine Clary und ihr Vater werden ein gutes Team, aber einfach ist es für den Vater nicht, seine Arbeit zu schaffen und sich um Kind und Haushalt zu kümmern, während seine Frau nur im Bett liegt und nichts mehr schafft. Die Situation wird durch die Stimmungen der Figuren transportiert: Die Mutter apathisch, der Vater besorgt, aber das Kind optimistisch und dem Leben zugewandt.
Sehr gut ist auch die Erzählung „Es war einmal ein Auto“, dessen Protagonist Aidan im Gefängnis war, weil er ein 8jähriges Kind überfahren hatte. Nach seiner Entlassung versucht er als Gärtner wieder Fuß zu fassen. Dann trifft er seine ehemalige Freundin.
Die Geschichten sind inhaltlich nicht miteinander verquickt, sehr wohl aber thematisch und motivisch.
Die Stories sind sprachlich kraftvoll und leben von den Figuren. Immer wieder sind auch die Naturbeschreibungen eindrucksvoll.
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ASIN/ISBN: 3969994586 |
