Péter Gárdos – Der Retter der Mütter / Semmelweis Ignác rövid boldogsága

  • Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Ignaz Semmelweis revolutionierte die Medizin. Der junge ungarische Arzt entdeckte im 19. Jahrhundert die Grundlagen der Hygiene, womit er unzähligen Frauen in den Geburtskliniken das Leben rettete. Péter Gárdos wollte einen Film über diesen faszinierenden Mann drehen, doch dieses Unterfangen wurde ihm in seiner Heimat Ungarn untersagt. So schrieb Gárdos diesen Roman, der erstmals die faszinierende Lebensgeschichte eines genialen Mannes erzählt, der zahllosen Müttern das Leben rettete und dabei selbst wie ein Teufel bekämpft wurde. […]


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Péter Gárdos, 1948 in Budapest geboren, ist ein vielfach ausgezeichneter Film- und Theaterregisseur. »Fieber am Morgen« war sein erster Roman, den er selbst verfilmt hat. Der Roman war ein weltweiter Erfolg und erschien in neunundzwanzig Ländern. »Der Retter der Mütter« ist sein zweiter Roman und hat in Ungarn kontroverse Diskussionen über die historische Person Ignaz Semmelweis ausgelöst.


    Allgemeines

    Titel der Originalausgabe: „Semmelweis Ignác rövid boldogsága“, ins Deutsche übersetzt von Eszter Toldi

    Erschienen am 8. Januar 2026 bei Hoffman und Campe als HC mit 352 Seiten

    Gliederung: Prolog – Roman in 20 Kapiteln – Epilog – Zitate

    Erzählung in der dritten Person, größtenteils aus der Perspektive von Ignaz Semmelweis

    Handlungsorte und -zeit: Wien und Pest, 1839 - 1865, Epilog 1906


    Inhalt

    Der biografische Roman beschreibt das Leben und Wirken des ungarischen Arztes Ignaz Philipp Semmelweis (1818 – 1865), der die Ursache des Kindbettfiebers entdeckte und posthum als „Retter der Mütter“ bekannt wurde.

    Nach seinem Medizinstudium in Pest und Wien wird Semmelweis 1846 Assistenzarzt unter Johann Klein in der I. Geburtshilflichen Abteilung des Allgemeinen Krankenhauses in Wien. Dort wütet zu dieser Zeit das Kindbettfieber und tötet viele frisch entbundene Mütter. In der II. Abteilung, die von Hebammen betrieben wird, ist die Todesrate wesentlich niedriger. Verzweifelt versucht Semmelweis, den Ursachen der Krankheit auf die Spur zu kommen und arbeitet bis zur Erschöpfung im Sektionssaal. Doch die Todesraten steigen sogar noch an. Erst als ein Kollege, der sich bei einer Sektion verletzt hat, an Blutvergiftung stirbt, erkennt er, dass dessen Sektionsprotokoll den Protokollen der verstorbenen Frauen gleicht. Er nimmt als Ursache der tödlichen Krankheit die „Infektion mit Leichengift“ an – Bakterien sind noch nicht bekannt – und führt auf seiner Station die Säuberung der Hände mit Chlorkalklösung ein. Trotz unbestreitbarer Erfolge weigern sich Kollegen und Krankenschwestern, seine Maßnahmen umzusetzen, teils aus Bequemlichkeit, teils aus Verbohrtheit sowie persönlicher Feindseligkeit und Neid, und setzen so mutwillig das Leben der Patientinnen aufs Spiel.


    Beurteilung

    Der gründlich recherchierte Roman schildert den einsamen Kampf eines Arztes, dessen große und lebensrettende Entdeckung erst nach seinem frühen Tod gewürdigt wird, ein frustrierender Kampf, der Semmelweis letztlich in eine psychische Krankheit und den frühen Tod treibt. Der Autor arbeitet die Persönlichkeit des Protagonisten gründlich heraus, Semmelweis ist ein intelligenter und hartnäckiger Mann, aber er kann sich nicht gut „verkaufen“: Sein Auftreten ist eher schüchtern und wenig beeindruckend, es liegt ihm nicht, Reden zu halten oder wissenschaftliche Texte zu schreiben.

    Neben vielen historischen Persönlichkeiten der Zeit hat der Autor Semmelweis einen fiktiven Freund, der zum erbittertsten Feind wird, an die Seite gestellt. Dieser Feind steht offenbar exemplarisch für Neid und Eifersucht, während ein Großteil der historischen Figuren – wie etwa der Leiter der Gebärklinik, Johann Klein, für die Unwilligkeit steht, sich neuen Ideen und einer evidenzbasierten Medizin zu öffnen.

    Der Tod von Semmelweis wird hier auf eine Weise dargestellt, die früheren Darstellungen widerspricht, aber aufgrund neuerer Erkenntnisse (Exhumierung 1963) eine nicht unwahrscheinliche Hypothese ist.

    Hierzu und auch zu fiktiven Romanfiguren hätte man sich ein Autorennachwort gewünscht, das bei einem solchen biografischen Roman eigentlich unverzichtbar ist.

    Der Erzählstil ist äußerst lebendig und anschaulich, es gibt allerdings immer wieder Szenenwechsel mitten im Text, hier wäre ein Absatz oder eine andere Art der Kenntlichmachung hilfreich gewesen und hätte die Orientierung erleichtert.


    Fazit

    Eine ebenso fesselnde wie erschütternde Schilderung aus der Medizingeschichte des 19. Jahrhunderts!

    8 Punkte


    ASIN/ISBN: 3455020283