Quendel 03: Über die Schattengrenze – Caroline Ronnefeldt
Verlag: Ueberreuther
Seiten: 511 (in kleiner Schrift)
Format: Gebunden
- ACHTUNG! SPOILER ZU VORANGEGANGENEN BÄNDEN! -
Rückentext:
Ein eisiger, lichtloser Winter hat im Hügelland Einzug gehalten. Landauf, landab stecken die verängstigen Quendel in fest verriegelten Stuben die Köpfe zusammen und raunen einander von dem Unfassbaren zu, das über sie hereingebrochen ist: Wölfe, die über den nächtlichen Himmel jagen; Nachbarn, die von einem Tag auf den anderen verschwinden, denn die Grenzen zur Anderswelt sind durchlässig geworden. Doch, bei allen heiligen Pilzringen der guten Wälder, eine kleine Schar will sich nicht wehrlos dem Schicksal ergeben. Geleitet von einer Karte aus uralten Zeiten, gerüstet mit dem Mut der Verwegenen wagen diese Quendel sich auf die ungewisse Reise über die Schattengrenzen, um die Vermissten aus dem Reich der Toten zu befreien.
Über die Autorin:
Caroline Ronnefeldt, in Essen geboren, studierte in München Kunstgeschichte und anschließend Illustrationen in Hamburg. Weil sie es schon immer schwierig fand, sich zwischen Zeichnen und Schreiben zu entscheiden, hat sie in ihren Büchern beides miteinander verbunden. Heute lebt und arbeitet sie als Illustratorin und Autorin in der Hansestadt.
Mit „Quendel“ erschien 2018 ihr erster Roman. Die epische Saga um Bullrich Schattenbart und seine Gefährten ist über Jahre entstanden und entwickelt sich immer weiter. Die Inspiration dazu findet sie auf dem Land, in dem verwunschenen Garten ihrer Familie, und in der beeindruckenden Landschaft des Dartmoors in Südengland.
Meine Meinung:
Nach dem für alle Quendel schockierenden Ausgang des Bäumelburger Maskenfestes, lebt das gesamte Hügelland in Angst und Schrecken. Kaum einer traut sich noch vor die Haustür, wenn dann nur kurz, um sofort alles wieder hinter sich zu verbarrikadieren. Die Nebelgrenze wird zusehends dünner, je näher das Jahr sich dem Ende neigt und die Raunächte bevorstehen. Grausige Schatten und Schemen stapfen durch den Nebel, Nachbarn verschwinden.
Odilio Pfiffer, Bullrich und Karlmann Schattenbart und ihre treuen Gefährten sind sich einig, dass sie nicht einfach nur die Hände in den Schoß legen und auf das Ende warten können. Sie müssen etwas unternehmen. Quendel aus anderen Teilen des Hügellandes schließen sich ihnen an und man begibt sich auf eine schier aussichtslose Mission: Die entführten Quendel aus der Anderswelt zu retten, falls sie noch am Leben sind, und vielleicht den Plan des Wilden Jägers zu vereiteln, vollends und ungehindert mit seinen Kreaturen in ihrer lichten Welt zu erscheinen und alles zu übernehmen.
Das Ende des zweiten Bandes war ein wirklicher Schocker. Man wurde zwar vom Buch darauf vorbereitet, dass dort vermutlich etwas Schlimmes passieren wird, aber die Ausmaße haben zumindest meine Erwartung deutlich übertroffen. Der Anfang von Band 3 spielt nur ca. 2 Wochen später, d.h. zu einer Zeit, als alle immer noch dabei sind sich zu sammeln, die Verlorenen zu betrauern und ihre Wunden zu pflegen. Dafür bleibt ihnen allerdings nicht viel Zeit. Nach kurzen Zeitsprüngen setzt die richtige Handlung mit Beginn der Wintersonnenwende ein und spielt sich hauptsächlich in der Anderswelt während der Raunächte ab.
Diese und die wilden Gesellen, die man aus Sagen und Mythen kennt, spielen gerade in diesem Band der Trilogie eine wichtige Rolle, man begegnet auch weiteren Figuren aus Märchen und Legenden, sieht sie in für den Leser möglicherweise neuem Licht bzw. in uralten Interpretationen der Figuren.
Es war einfach schön, sich in diesen „heimatlichen“ Mythen-Stoffen zu bewegen und die Gruppe zu begleiten. Wie auch schon in den anderen beiden Bänden webt Caroline Ronnefeldt hier eine dichte, passende Atmosphäre, bedrohlich und düster weitestgehend in der fremden Anderswelt. Wer den Film „Legende“ mit Tom Cruise und Tim Curry kennt, so ähnlich fühlte sich diese erschaffene Welt immer wieder für mich an.
Die Handlung blieb auch spannend und fesselnd. Wem oder was wird man als nächstem begegnen? Freund oder Feind? Und woran lassen diese sich an diesem feindlichen Ort überhaupt unterscheiden?
Wer kein Freund von ausführlichen Beschreibungen ist, wird hier vielleicht wieder die eine oder andere Länge finden, für mich hat es zum Tempo der Handlung und des Weges sehr gut gepasst.
Einige Handlungsschauplätze, Figuren und Ereignisse haben sich mir ganz besonders eingeprägt und für mich tatsächlich das berühmte Kopfkino in Gang gesetzt, zum Teil hat das Gehirn sogar noch einen Soundtrack dazu fabriziert.
Wer mir in diesem Band teilweise aber leider ziemlich auf den Keks ging war Hortensia. Skepsis und Vorsicht in einem feindlichen Land sind sinnvoll, allerdings gab es mehrere Stellen wo dies (und leider auch ihre Gewohnheit alles Misstrauen sofort auszusprechen), das Potential zu großen Schwierigkeiten für die Gruppe hatte. Und sie hat leider auch nicht dazugelernt. In den beiden vorherigen Teilen wirkte sie auf mich eigentlich wie jemand, der sich da besser unter Kontrolle hat und weiß, wann man den Mund aufmacht und wann vielleicht lieber nicht.
Zum Finale der Saga kann ich nur sagen, dass es für mich passend war zu dem, was man im Lauf der drei Bände über die Quendel lernt.
Eine große epische Schlacht habe ich von Anfang an nicht erwartet.
Mein einziger Kritikpunkt daran ist, im Vergleich zum Rest der Geschichte, spielt es sich recht rasch über den Verlauf weniger Seiten ab und ich musste es auch zweimal lesen, weil ich erst dachte etwas überlesen zu haben.
Es war wieder eine aufregende Unternehmung mit den tapferen Quendeln und auch wenn dies das Ende der Trilogie ist, hege ich doch eine vorsichtige Hoffnung, dass es vielleicht irgendwann doch noch ein Wiedersehen geben könnte. Ich könnte mir z.B. auch eine Vorgeschichte vorstellen, in der man mehr über den alten Pfiffer erfährt. Es gibt da noch einiges an Dingen, auf die man näher eingehen könnte.
Zur Gestaltung:
Wie in den vorherigen Bänden gibt es wieder eine Karte des Hügellandes in einer Klappeninnenseite, diesmal allerdings zusätzlich auch noch eine Karte der Anderswelt, die ich allerdings erst im späteren Verlauf der Geschichte wirklich angesehen habe, da dort der Weg der Quendel komplett eingezeichnet ist. Vor jedem Kapitel gibt es wieder einen kurzen Gedichtsausschnitt der den Leser auf das Kapitel einstimmen soll.
Die Schriftart des dritten Bandes ist kleiner als bei den ersten beiden Bänden, ich habe dazu auch schon in anderen Rezis gelesen, dass es für manche zu klein war und sie sich zusätzlich das eBook kaufen mussten, um es lesen zu können. Möglicherweise gab es hier eine Vorgabe bezüglich der maximalen Seitenzahl, die nicht überschritten werden durfte? Für mich war der Text eben so gerade noch angenehm lesbar, aber kleiner hätte es wirklich nicht mehr sein dürfen.
Die Covergestaltung der Autorin ist wieder passend und wunderschön, es zeigt eine Szene, die man im Buch wiederfindet. Was mich insgesamt über alle Bände hinweg fasziniert hat, ist die Veränderung des Rahmens, der das Bild umgibt, von Band eins bis Band drei, jeweils zum Fortlauf der Geschichte.
In Band drei gibt es kein Personenverzeichnis, hier müsste man also auf den zweiten Band zurückgreifen, wenn einem einige der nicht so häufig vorkommenden Namen nichts mehr sagen.
Fazit: 9 von 10 Eulenpunkten. Eine schöne Fantasy-Reihe, wie ich sie lange nicht mehr gelesen habe. Gestalten aus uralten Mythen und Sagen wurden zum Leben erweckt. Eine interessante Mischung aus heimeligen und zuweilen sehr grausamen Elementen. Und es bleibt der Wunsch, wieder in diese Welt eintauchen und mit den Quendeln, diesen kleinen widerstandfähigen Gesellen, ein weiteres Abenteuer erleben zu dürfen.
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ASIN/ISBN: 3764171111 |
