Hier kann zu den Seiten 162 – Ende (Kapitel 15 – Ende) geschrieben werden.
'Treppe aus Papier' - Seiten 162 - Ende
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Der letzte Abschnitt ist noch mal sehr intensiv. Aber ich konnte nicht aufhören zu lesen. Jetzt muss ich es erst mal wieder schaffen, aus dieser "Häuserwelt" aufzutauchen.
Irma stirbt und hinterlässt Nele Vieles - den Brief, ihre Lebensbeichte, die Commode, die Fundstücke. Es hat mich erschüttert, wie unbedacht die kleine Irma Ruths Versteck verrät. Aber sie war zu dem Zeitpunkt gerade fünf oder sechs und sich der Tragweite des Gesagten nicht bewusst, sondern wollte sich die Anerkennung ihres Vaters verdienen. Und es scheint mir, dass ihr Verrat für die Sternheims wohl genau richtig gewesen ist, denn so konnten sie als Familie fliehen. Wäre Ruths Versteck unentdeckt geblieben, wären die Eltern wohl widerstandslos abgeführt worden, in der Hoffnung, Ruth wäre in Sicherheit.
Die letzten beiden Seiten versöhnen. Auch wenn für viele, viele andere Juden die Realität natürlich eine andere war.
Dass die gefundene Weltkriegsbombe kontrolliert gesprengt werden muss, ist der worst case. Hier im Kölner Raum gibt es ja regelmäßig Bombenfunde, dass wirklich eine Sprengung nötig ist, kommt höchst selten vor. Aber die Zünder verrotten immer mehr und die Entschärfungen werden dadurch schwieriger. Und es kommt ja auch darauf an, "wie" eine solche Bombe gefunden wird, also ob vielleicht auch beim Fund etwas beschädigt wurde. Für "unser" Haus hoffe ich jetzt einfach mal, dass alles gut ausgegangen ist und alle wieder zurückkehren konnten (auch wenn die dänische Firma das vielleicht anders sehen würde).
Insgesamt war es wirklich eine sehr kompakte, dichte, intensive Geschichte, in der viele Facetten angesprochen wurden. Der Einschub mit Balázs erklärt zum Schluss noch, wie Irma an die Gitarrensaite gekommen ist, die in ihrem Fundus der zurückgelassenen Gegenstände erwähnt wird. Seine Geschichte deutet auch eine mögliche Verbindung zum wiederaufkommenden Rechtsextremismus an, so scheint mir.
Die "auf", "unter", "neben" und "über" der Treppe genannten Kapitel fand ich als Zwischentöne/Einschübe insgesamt interessant. Auch wenn sie nicht unbedingt direkt mit den Geschehnissen in den Wohnungen zu tun haben (wobei wir Valentin ja noch mal kurz vor Sternheims Flucht begegnen), so gibt es dennoch eine Verbindung.
Das Buch ist in allem ungewöhnlich. Mir hat es Spaß gemacht, in diese Welt einzutauchen, auch wenn nicht alles erklärt wurde (warum Neles Eltern so schweigsam im Hinblick auf die Vergangenheit sind zum Beispiel). Lesenswert war dieses Buch allemal und ein tolles Spiel mit Sprache (auch wenn ich dem Autoren noch ein paar Reflexivpronomen zu schenken hätte).
Bei einer Leserunde mit Autor hätte ich mir gewünscht, dass sich dieser auch mal zu Wort meldet. Aber vielleicht kommt das ja noch - ich bin gespannt.