Wenn die Kraniche nach Süden ziehen - Lisa Ridzén

  • btb, 2026

    384 Seiten


    OT: Tranorna flyger söderut

    Übersetzt von Ulla Ackermann


    Kurzbeschreibung:

    Bo ist 89, und ihm läuft die Zeit davon. Andererseits ist Zeit wenigstens etwas, das er noch zur Genüge hat. Denn seit seine Frau in einem Pflegeheim für Demenzkranke lebt, sind Bos Tage viel zu lang. Sein Kontakt beschränkt sich auf seinen Hund Sixten und die täglichen Besuche vom Pflegedienst. Hans, sein Sohn, kommt dagegen nur selten vorbei und traut ihm vor allem gar nichts mehr zu. Jetzt will er ihm auch noch den Hund wegnehmen. Dabei braucht Bo seinen geliebten Vierbeinigen so dringend wie noch nie. Warum versteht das niemand? Der drohende Verlust seines Hundes bringt Bo dazu, die Schlüsselmomente seines Lebens zu überdenken. Wenn die Kraniche nach Süden ziehen ist ein brillant geschriebener, weltweit gefeierter Roman voller Witz und Wärme über das, was im Leben wichtig ist und uns mit Zuversicht erfüllt.


    Über die Autorin:

    Lisa Ridzén, geboren 1988, ist Doktorandin der Soziologie und erforscht Männlichkeitsnormen in den ländlichen Gemeinden im hohen Norden Schwedens, wo sie selbst aufgewachsen ist. Heute lebt sie mit ihrem Hund in einem kleinen Dorf außerhalb von Östersund. Die Idee zu ihrem Debütroman »Wenn die Kraniche nach Süden ziehen« entstand, als sie ein Heft mit Notizen entdeckte, die das Pflegeteam ihres Großvaters der Familie nach dessen Tod hinterlassen hatte. Während des Schreibens besuchte Lisa Ridzén die Långholmen Writers Academy.


    Mein Eindruck:

    Es ist ein warmherzig erzählter Roman über das Leben im Alter.

    Der 89jährige Protagonist Bo lebt alleine mit seinem geliebten Hund in Schweden.

    Seine Frau ist mit Demenz in einem Pflegeheim. Mit seinen Sohn Hans versteht er sich nicht immer gut.


    Die Autorin schafft den Mittelweg zwischen mitfühlenden Beschreibungen und realistischer Darstellung. Bo wird täglich von einem Pflegeteam versorgt. Manche mag er mehr, manche weniger.

    Sein größtes Problem ist, ob er von seinem Hund getrennt wird, weil er es körperlich nicht mehr schafft, ihn ausreichen zu versorgen. Sein Sohn Hans will den Hund weggeben. Den Hund zu verlieren würde für Bo bedeuten, auch ein Stück eigene Bedeutungshoheit wegzugeben.


    Es gibt auch Erinnerungen von Bo an die Vergangenheit, die die heutige Zeit widerspiegelt. Zum Beispiel sein schwieriges Verhältnis als Junge zum distanzierten Vater und Bo fragt er sich, ob er Hans immer ein guter Vater war.


    Das Buch hat eine Melancholie, manchmal aber auch Witz und es ist nicht depremierend. Nach einem leicht schlleppenden Anfang und einer kleinen Lesepause, konnte ich das Buch dann in einem Fluß gut durchlesen.


    Wir Leser begleiten Bo auf seiner letzten Strecke im Leben und das hat eine Bedeutung.


    Ich gebe dem Buch gute 8 Punkte!



    ASIN/ISBN: 3442762960

  • Abschied


    Die schwedische Schriftstellerin Lisa Ridzén besticht in ihrem Roman, Wenn die Kraniche nach Süden ziehen, mit einem besonders eindrucksvollen Stil.

    Durch die Aufzeichnungen des Pflegepersonals ihres Großvaters ist sie auf die Idee dieses Romans gekommen.

    So lässt sie die Einträge mit den Daten als Überschriften werden.

    Man erfährt von den Eindrücken über den Patienten.

    Wunderbar sind auch die Erinnerungen des neunundzwanzigjährigen Bo.

    Seine Frau ist Dement und seit einiger Zeit in einem Heim.

    Bo bemerkt seine Hinfälligkeit und ist wütend darüber.

    Er denkt an seinen Vater, den Alten, der ziemlich streng war. Aber auch er war streng mit seinem Sohn Hans.

    Mit dem ist er oft unzufrieden.

    Aber dann wird er doch zufriedener.

    Die Geschichte ist humorvoll und traurig im Wechsel.

    Das ist der Autorin wunderbar gelungen.

    Ich war von dem Abschiednehmen gefesselt.