Hier kann zu den Seiten 305 - Ende (Kapitel 19 - 23) geschrieben werden.
'Samstagabend im Lakeside Supper Club' - Seiten 305 - Ende
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Mariels Dad Gustav starb bereits, als sie auf dem College war. Seit sie und Ned sich Anfang der 90er Jahre entschieden, wieder schwanger werden zu wollen, stand auch fest, dass dieses Kind seine Großmutter nie kennenlernen würde. Ich finde es trotz allem, was passiert ist, schwierig, selbst nach über 10 Jahren noch keinerlei Vergebung zuzulassen.
Nach über zwei Monaten holt Mariel ihre Mutter endlich an der Kirche ab
, dazwischen
hat dies ja für ordentlich Aufruhr gesorgt. Eine richtige Aussprache
findet in meinen Augen zwar nicht statt, dennoch spürt man, dass sie
ihrer Mutter zögerlich verzeiht. Schön fand ich die Szene, in der
Florence weint, als sie die kleine Julia zum ersten Mal im Arm halten
darf. Und inzwischen – nach wohl 15 Jahren – kann auch Mariel
endlich wieder über Gus sprechen.Mit Julia kommt meines Erachtens ein völlig neuer Ton in die Geschichte: für alle Generationen vor ihr war das Lakeside der beherrschende Ort ihrer Leben: erst wurde es aufgebaut, dann zu einer florierenden Gastwirtschaft gemacht und später zu einem Ort, den man an die nächste Generation weitergeben kann.
Doch Julia weiß schon früh, dass sie das Lokal nicht will. Und sie hadert damit, da sie weiß, dass ihre Mutter Mariel, die viel zu früh an Lungenkrebs stirbt, als sie noch keine 5 Jahre alt ist, sich nichts mehr gewünscht hat, als dass ihre Tochter das Lakeside ebensosehr liebt wie sie selbst. Eine schwierige Entscheidung, aber letztlich muss Julia ihr eigenes Leben leben und nicht den Traum ihrer Mutter weiterleben.
Schön fand ich hier auch, dass wir auch „Drumherum“ erfahren, wie die Zeit verstreicht und das Leben weitergeht: Kyle, der seine koreanischen Wurzeln entdeckt und später mit einem Mann verheiratet sein wird. Brenda, die Krankenpflegerin lernt und später Florence betreut. Ich konnte mir die Szenen lebhaft vorstellen, wenn die beiden zusammen unterwegs sind und irgendwo einen schlechten Service erhalten...

Schön fand ich die Szene mit dem Foto von den beiden alten Männern im Kanu. Sind Archie und Floyd also letztlich doch wieder ein Paar geworden. Ich hatte das Gefühl, dass Florence das nun nach all den Jahren auch versöhnlich finden kann.
Auch den Geschenkkorb, den Ned Julia zum Abschied ins Haus stellt – diese Szene hat mich auch berührt. Er ist ja gegen ihre Pläne, unterstützt sie aber dennoch in allem, was sie tut. Hier hat mich Florence sehr mit ihrem „Willst Du etwa die Träume erfüllen, die Deine Mom für Dich hatte? Mach, dass Du weg kommst“ überrascht. Auf ihre alten Tage ist Florence doch noch zu einem einigermassen liebenswerten Mensch geworden. Ich habe mich im letzten Abschnitt halbwegs mit ihr ausgesöhnt.
Julias frühere Äußerung „ich werde das Lokal abreissen und ein paar Bäume darauf pflanzen“ hatte mich erst schockiert. Das Lakeside ist schließlich ein Ort mit Geschichte, in dem beinahe 100 Jahre lang Mitglieder der Familie ihr Leben verbracht haben und ebenso lange auch viele Einwohner von Bear Jaw. Sowas planiert man doch nicht einfach. Dass Julia das Lakeside sofort zum Verkauf anbietet, fand ich dennoch nicht gut. Auch wenn einige der langjährigen Mitarbeiter schon in Rente sind, ihr eigener Vater z.B. ist es noch nicht. Da hat man doch noch Verantwortung. Sie hätte es ja auch noch ein paar Jahre weiterlaufen lassen können, bis auch er sich zur Ruhe setzt. Dennoch fand ich es sehr schön, dass sie es letztlich an Mary Sands verkauft, die ihr indigenes Lokal „Three Sisters“ daraus macht. Hier hat man ja auch noch mal von Carla gehört, zu der all die Jahre kein Kontakt mehr besteht.
Ned empfand ich anfangs ja als langweiligen Schluffi – aber ich denke mir, letztlich konnte ihm nichts Besseres passieren, als von seiner Familie weg zu kommen und ein eigenes Leben im Lakeside zu führen. Dort machte er auf mich nicht mehr so einen nutzlosen Eindruck wie zuvor. Es tat ihm sicher gut, endlich einen Platz zu habe, an dem man nicht nur "Sohn von..." ist, sondern wirklich gebraucht wird. Ein Platz mit echten Menschen und nicht nur karrieregeilen Speichelleckern.
Ein bißchen irritiert haben mich erst etliche Szenen, in denen Julia ihre Mutter nicht fühlt, sie scheint sie nicht mehr zu „spüren“. Ich dachte mir, warum sollte sie das hier und da auch? Aber letztlich macht es einen Sinn, dass sie endlich, als sie sich in den Wäldern und mit ihrem Hund selbst gefunden hat, auch den Geist ihrer Mutter wieder spüren kann. Ein versöhnliches Ende, finde ich.