Das Messias-Rätsel: Die Geheimsache Jesus

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    Kurzbeschreibung:

    In „Das Messias-Rätsel“ entwickelt Joseph Atwill die These, dass das Neue Testament nicht aus einer rein spirituellen Bewegung hervorgegangen sei, sondern als politisches Projekt der römischen Flavier entstanden sein könnte. Nach dem Jüdischen Krieg und der Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n. Chr. habe Rom ein Interesse daran gehabt, messianische Erwartungen umzudeuten und eine friedliche, romfreundliche Glaubensform zu etablieren.

    Anhand zahlreicher Textvergleiche zwischen den Evangelien und den Schriften des Historikers Flavius Josephus versucht Atwill zu zeigen, dass zentrale Motive der Jesusgeschichte literarische Spiegelungen realer Ereignisse des Krieges darstellen. Das Christentum erscheine in dieser Lesart als strategisch konstruiertes Instrument zur Stabilisierung imperialer Herrschaft.


    Angaben zum Autor:

    Joseph Atwill ist ein US-amerikanischer Autor und unabhängiger Forscher. Sein Werk „Caesar’s Messiah“, in Deutschland unter dem Titel „Das Messias-Rätsel“ erschienen, hat international kontroverse Diskussionen ausgelöst.


    Meine Meinung:

    Dieses Buch ist intellektuell herausfordernd und in seiner Konsequenz radikal. Atwill geht weit über bloße Spekulation hinaus und versucht, seine These systematisch anhand literarischer Parallelen zu untermauern. Besonders eindrucksvoll sind die von ihm herausgearbeiteten Spiegelungen zwischen Szenen der Evangelien und den Berichten des Josephus über den Jüdischen Krieg. Die „Menschenfischer“, die Dämonenlegion im See, der verfluchte Feigenbaum oder die Massenkreuzigungen erscheinen in seiner Lesart nicht zufällig, sondern bewusst komponiert.


    Stark ist vor allem der historische Rahmen, den Atwill zeichnet. Er erinnert daran, wie eng Religion und Staatsmacht im antiken Rom verflochten waren. Der Kaiser war oberster Priester, religiöse Institutionen dienten politischer Stabilisierung. Vor diesem Hintergrund wirkt die Idee einer religiösen Neuschöpfung zur Befriedung eines aufständischen Volkes zumindest denkbar.


    Besonders provozierend ist seine Deutung des Abendmahls und der angeblichen „Prophezeiung“ der Tempelzerstörung. Atwill argumentiert, dass die Evangelien nach 70 n. Chr. verfasst und rückdatiert worden seien, um Jesus als scheinbar prophetische Autorität erscheinen zu lassen. Diese Überlegung ist schlüssig konstruiert, wirft aber zugleich gewichtige Fragen auf.


    Genau hier liegt auch die größte Spannung des Buches. Wenn das Christentum als römisches Befriedungsprojekt gedacht war, warum gewann es kaum Juden, sondern vor allem Heiden? Warum entwickelte sich daraus eine Weltreligion, die später selbst mit Rom in Konflikt geriet? Atwill beantwortet diese Einwände mit der These, das Projekt sei seinen Urhebern entglitten. Das ist möglich, bleibt jedoch der angreifbarste Punkt seiner Argumentation.


    Unabhängig davon zwingt das Buch dazu, vertraute Texte neu zu lesen und über das Verhältnis von Macht, Religion und Geschichtsschreibung nachzudenken. Man muss Atwills Schlussfolgerungen nicht teilen, um den intellektuellen Reiz seiner Analyse anzuerkennen. Für gläubige Christen dürfte die Lektüre verstörend sein, für historisch Interessierte hingegen äußerst anregend.


    „Das Messias-Rätsel“ ist kein Mainstream Sachbuch, sondern ein bewusst provozierender Deutungsversuch mit erheblicher Sprengkraft. Gerade deshalb bleibt es im Gedächtnis.


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