Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)
Der sonnige Mai 1883 wird für die Dresdner zum Schreckensmonat: Aus dem Zoologischen Garten soll ein Tiger ausgebrochen sein und die Stadt unsicher machen. Zeitgleich treibt ein Serienmörder sein Unwesen, der es offenbar auf die Söhne und Töchter reicher Bürger abgesehen hat. Ein äußerst heikler Fall für Kriminalrat Gustav Heller und seinen Assistenten Schrumm. Als ihr Verdacht auf einen Ex-Zuchthäusler fällt, werden sie sofort von dessen ehrgeizigem Anwalt unter Druck gesetzt. Zu Hellers großem Ärger mischt sich auch der vom Zoo wegen des Tigers um Hilfe gebetene Wildtierexperte namens Karl May immer mehr in die Polizeiarbeit ein. Während das Raubtier noch frei herumläuft, geschieht ein weiterer Mord an einer jungen Frau …
Autor (Quelle: Verlagsseite)
Frank Goldammer, geboren 1975, ist Handwerksmeister und Autor. Bekannt wurde er mit seiner historischen Krimi-Bestsellerreihe über Kommissar Max Heller. Goldammer lebt als freier Autor in seiner Heimatstadt Dresden.
Allgemeines
Dritter Band der Reihe um Kriminalrat Gustav Heller
Erschienen am 19. Februar 2026 bei dtv als broschiertes TB mit 368 Seiten
Gliederung: Roman in 27 Kapiteln
Erzählung in der dritten Person aus der Perspektive von Gustav Heller
Handlungsort und -zeit: Dresden, Mai 1883
Inhalt
Im Mai 1883 erhalten Kriminalrat Heller und sein Assistent Schrumm einen ungewöhnlichen Auftrag: Aus dem Dresdner Zoo soll ein Tiger entkommen sein und in der Stadt sein Unwesen treiben. Die Polizei soll das Raubtier in Zusammenarbeit mit Wildtierexperten einfangen. Als Experte gibt sich der Schriftsteller Karl May aus, aber auch er kann nichts Sinnvolles beitragen.
Für Heller und Schrumm ist es viel beunruhigender, dass innerhalb weniger Tage mehrere junge Leute tot aufgefunden werden. Zunächst glauben die Dresdner Bürger, dass der Tiger diese Menschen getötet hat, doch für Heller und den Rechtsmediziner Löbbers ist es ersichtlich, dass die Taten auf das Konto einer menschlichen Bestie gehen.
Weniger ersichtlich ist das Mordmotiv, der gemeinsame Nenner der drei ermordeten jungen Männer und einer getöteten Frau ist die Herkunft aus prominenten und wohlhabenden Familien. Deshalb gerät sofort ein Mann ins Visier der Polizei, der gerade aus dem Zuchthaus entlassen wurde, in dem er eine lange Strafe wegen Raubes und Körperverletzung verbüßt hatte.
Doch Heller denkt etwas weiter als seine Vorgesetzten, er bezweifelt, dass der ehemalige Zuchthäusler die jungen Menschen umgebracht hat, weil er bei ihnen keine Wertgegenstände gefunden hat. Zudem hat der Mann für zwei der Morde ein Alibi. Heller und Schrumm ermitteln intensiv in den Familien und im Freundeskreis der Mordopfer.
Beurteilung
Der Kriminalfall ist in diesem Buch in sich abgeschlossen, dennoch ist es empfehlenswert, die drei Bände wegen der persönlichen Vorgeschichte der Protagonisten in der richtigen Reihenfolge zu lesen.
Die Charakterisierung von Gustav Heller, seinen Familienmitgliedern und auch seinem Assistenten Schrumm wird konsequent fortgesetzt. Heller ist intelligent, engagiert und einfachen Lösungen gegenüber kritisch, aber im sozialen Bereich hat er Defizite. Mit seiner unsensiblen polternden Art kommt er bei Zeugen nicht gut an und verschreckt diese. Auch seinen Assistenten verprellt er immer wieder durch seine taktlose und spöttische Art. Schrumm ist dagegen sehr einfühlsam und deswegen bei Verhören erfolgreicher.
Wie schon in den beiden vorherigen Bänden wird auch hier ein eindrucksvolles Bild der deutschen Gesellschaft im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts gezeichnet. Es gibt nicht nur ein deutliches Gefälle zwischen Arm und Reich, sondern auch zwischen Mann und Frau. Die Wohlhabenden sehen auf das einfache Volk herab und leben in ihrer eigenen Welt. Die Frauen der „besseren“ Gesellschaft führen ein Leben im goldenen Käfig und haben wenig Entscheidungsfreiheit – immer noch müssen sie mit einer arrangierten Ehe rechnen. Diejenigen, die aus diesen Traditionen auszubrechen versuchen, werden geächtet und aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Junge Männer dürfen sich mehr herausnehmen, es herrscht eine abstoßende Doppelmoral.
Jenseits der gesellschaftlichen Verhältnisse gibt der Kriminalroman auch interessante Einblicke in eine Zeit, als Polizisten noch mit Kutschen oder zu Pferd unterwegs sind und eine Fahrt mit der Eisenbahn ein großes Abenteuer ist. Ohne moderne Kriminaltechnik, sogar ohne Verständigung über das Telefon, gestalten sich alle Ermittlungen mühsam und zeitraubend.
Das Auftreten von Karl May trägt nicht viel zur Handlung bei und wäre verzichtbar gewesen.
Fazit
Ein fesselnder Einblick in die deutsche Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts, anschaulich und wendungsreich präsentiert!
9 Punkte
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ASIN/ISBN: 3423264594 |
