Die Island-Krimi-Trilogie von Lilja Sigurdardóttir – bestehend aus Höllenkalt, Blutrot und Schneeweiß – sollte zwingend als zusammenhängendes Werk gelesen werden, idealerweise in der vorliegenden Dreier-E-Book-Ausgabe. Es handelt sich nicht um drei lose verbundene Kriminalfälle, sondern um eine fortlaufende Erzählung, die sich strukturell und inhaltlich klar aufeinander aufbaut.
Im Zentrum steht Arora, eine ungewöhnliche Ermittlerin: spezialisiert auf Wirtschaftskriminalität, mit dem Fokus auf das Aufspüren von Schwarzgeld. Diese professionelle Ausrichtung verleiht der Figur eine eigene Schärfe und hebt sie wohltuend von klassischen Ermittlerfiguren ab. Zugleich trägt die persönliche Suche nach ihrer verschwundenen Schwester die gesamte Trilogie und fungiert als emotionaler roter Faden, der die einzelnen Handlungsstränge zusammenhält.
„Höllenkalt“ bildet den Auftakt und verknüpft die private Suche mit den Themen häuslicher Gewalt und illegaler Einwanderung. Der Roman wirkt insgesamt solide, lebt jedoch stärker von seinen Figuren als von einer komplexen Krimihandlung. Besonders auffällig ist das abrupte Ende, das isoliert betrachtet unbefriedigend erscheint, im Kontext der Trilogie jedoch als bewusste erzählerische Setzung nachvollziehbar wird.
„Blutrot“ verschiebt den Fokus auf einen Entführungsfall mit Lösegelderpressung. Die Handlung weist spürbare Längen auf, gewinnt aber durch ihre fast kammerspielartige Anlage an Eigenständigkeit. Große Teile der Geschichte spielen im Haus des Opfers, wodurch Dialoge und psychologische Spannungen stärker in den Vordergrund rücken als klassische Actionelemente. Diese Reduktion ist nicht durchgehend packend, aber erzählerisch interessant.
Mit „Schneeweiß“ erreicht die Trilogie ihren überzeugendsten Abschluss. Der Roman greift das Thema Menschenhandel auf und verbindet es mit einer deutlich dichteren Spannungskurve. Hier greifen die zuvor entwickelten Figurenkonstellationen und Handlungsfäden am stärksten ineinander, sodass die Geschichte erzählerisch geschlossen und konsequent wirkt.
Insgesamt bietet die Trilogie gute, verlässliche Unterhaltung. Ihre Stärke liegt weniger in spektakulären Plots oder durchgehender Hochspannung, sondern in den facettenreichen, teils sperrigen Figuren und deren inneren Konflikten. Wer eine durchgehend „atemberaubende“ Spannung erwartet, wie es die Vermarktung suggeriert, dürfte eher Ernüchterung empfinden. Leser jedoch, die Wert auf charaktergetriebene Krimis mit ungewöhnlichen Perspektiven legen, werden an dieser Trilogie deutlich mehr Gefallen finden.
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ASIN/ISBN: B0FNQ7QQPV |
