Bullenbeisser - Rolf Redlin

  • Lars Brentrop ist Streifenpolizist bei der Polizei in Düsseldorf. In seiner Freizeit betreibt Lars Kampfsport und er geht mehrmals die Woche zum Krafttraining ins Fitnessstudio, dort hatte er vor einigen Jahren Gerd kennengelernt, mit dem er regelmäßig trainiert. Gerd hatte ihm einen Umschlag in die Hand gedrückt, er würde etwas Unvernünftiges tun, und falls er nicht zurückkommen würde, sollte Lars den Umschlag öffnen. Gerd bleibt tatsächlich verschwunden und in dem Umschlag sind Ziffernfolgen, wie sich herausstellt sind dies UTM-Koordinaten für ein Navigationsgerät. Lars tauscht kurzfristig mit einem Kollegen den Dienst und fährt mit seinem Motorrad nach Hamburg. In dem durch die Koordinaten bezeichneten Waldstück in der Nähe von Hamburg findet er polizeiliches Absperrband vor und trifft auf einen Kommissar der Mordkommission. Gerd ist an dieser Stelle erwürgt worden und er war schon das vierte Opfer nach gleichem Muster. Lars folgt Kommissar Torsten Hamann zum Hamburger Polizeipräsidium und nach Überprüfung seiner Personalien ist klar, das Lars zur Tatzeit in Düsseldorf im Dienst war und als Verdächtiger nicht in Frage kommt.


    Als Kommissar Hamann im Zuge der Ermittlung für einen Tag nach Düsseldorf kommt, "darf" Streifenpolizist Lars ihn vom Bahnhof abholen und in Düsseldorf chauffieren. Erst nach Gerds Tod erfährt Lars, dass dieser schwul war. Gerd hatte sich zu einem "Blind Date" in dem Waldstück bei Hamburg verabredet zu einem durchaus ernstgemeinten Kampf, "Waffe" ist nur der Körper, und es sollte ein erotisches Nachspiel geben.


    Lars und Gerd waren nicht wirklich befreundet, bis zu seinem Tod kannte Lars noch nicht mal Gerds Nachnamen, aber nachdem Lars' Freundin ihn verlassen hatte, war Gerd ein guter Zuhörer und sie waren beim Training gute Kumpels. Lars beginnt, eigene Ermittlungen anzustellen. Über das Internet findet er heraus, dass "erotisches Ringen" in der schwulen Szene durchaus einige Anhänger hat. Nachdem die Mordkommission in ihren Ermittlungen noch nicht wirklich weitergekommen ist und Lars inzwischen schon einige Leute aus der "Szene" kennengelernt hat und er sich ja trotz der Gefahr von seinen Privatermittlungen auch nicht abhalten lassen will, den Mörder von Gerd zu finden, soll Lars auch offiziell undercover für die Hamburger Polizei arbeiten.


    Lars ist maskulin, selbstbewusst und sympathisch, eben "ein ganzer Kerl". Dazu gehört neben Krafttraining und Motorradfahren wohl auch, dass die wichtigsten Utensilien in seiner Küche die Mikrowelle und - für das Bier - der Kühlschrank sind. Er wirkt auf blonde Studentinnen, die im Fitnessstudio arbeiten und neue Nachbarinnen genauso attraktiv wie auf viele Schwule, die er bei seinen Ermittlungen über das Internet kennenlernt und daraufhin teilweise auch persönlich trifft. Ein Problem gibt es dabei aber: da Lars sich ja angeblich auch mit ihnen wegen erotischer Aktivitäten verabredet und einige seiner neuen Bekannten sich auch untereinander gut kennen, kann er, um in seiner "Rolle" glaubwürdig zu sein, nicht dauernd "nein" sagen. Sich von einem Kerl einen blasen zu lassen findet er auch okay, die geben sich immerhin mehr Mühe als seine Ex. Aber einen Typen küssen oder kuscheln - nee, das geht ja wohl gar nicht.


    Wird Lars den Killer finden? Und wird Lars doch irgendwann einen Mann küssen? Fragen über Fragen. Die wichtigste Frage jetzt für mich, treffen wir Lars in einem neuen Fall bald wieder?


    Die Charaktere wirken echt, auch der Erzählstil wirkt realistisch. Die Geschichte wird in der ersten Person, durch Lars, erzählt. In zur Geschichte passender klarer Sprache wird auch gesagt, dass Sex stattfindet, es ist aber nie explizit oder pornographisch. "Bullenbeisser" wird sicher keine Literaturpreise gewinnen, der Kriminalfall hätte vielleicht noch ein bisschen komplexer sein können, aber ich habe an dem Buch nichts auszusetzen. Gute Charaktere, guter und spannender Plot und auch Humor. Gute Unterhaltung! Und neben den Blondinen und den Schwulen fand auch ich Lars ziemlich sexy.




    Der Autor
    Rolf Redlin wurde 1958 als Sohn eines Hafenarbeiters geboren. Er lebt in Hamburg und ist in der Medizintechnik tätig. Nach mehreren Sachbüchern zu populären technischen Themen - unter anderem fünf Motorradbüchern - erschien 2009 sein erster Roman "Bodycheck".



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  • Erstmal herzlichen Dank für die freundliche Rezension. Es freut mich, dass gerade Leserinnen Interesse an meinem Roman finden und er nicht nur als reiner Männerroman wahrgenommen wird. Diese Rückkopplung hatte ich auch schon von einer anderen Leserin, die grad die erotische Ambivalenz des Protagonisten Lars reizvoll fand. Der ist ja sonst ein ziemlicher Macho.
    Was die Erotik angeht: Manche Rezensent wollten mehr, andere weniger. Das ist als Autor nicht immer einfach, man will ja keine Pornografie abliefern.


    Und soviel kann ich zu Lars’ neuem Fall verraten: Lars hat Düsseldorf verlassen, um in Hamburg an der Hochschule der Polizei zu studieren. Was sonst noch geschieht, entwickelt sich grad in meinem Kopf.

  • Vielen Dank Uta für die interessante Rezi, die ich offensichtlich übersehen habe. :-] Das Buch ist auf meiner Liste gelandet, da es sich sehr außergewöhnlich anhört. :wave