Ukraine: Russland zeigt sein wahres Gesicht ...

  • http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,329720,00.html


    Die momentane Krise in der Ukraine ist die größte Herausforderung, in der die EU außenpolitisch jemals stand.


    Schon lange war eine Wahlfälschung nicht mehr so offensichtlich, und es gilt als sicher, dass der von den Russen favorisierte Kandidat Janukowitsch mit Hilfe von russischem Geld und russischen Beratern einen Wahlbetrug, besonders im armen Osten (teils über 100 % Wahlbeteiligung) durchführen konnte.


    Doch der größte Teil der ukrainischen Bevölkerung hat diesen Betrug schnell durchschaut, und da sie sehr westlich orientiert und von der europäischen Gemeinschaft/Idee begeistert ist, protestiert sie nun auf den Straßen, ihren Oppositionskandiaten Justschenko unterstützend.


    Das Volk wurde betrogen, teils von den eigenen Staatsmächten, aber auch ganz offensichtlich von Putins Russland, dass immer noch nicht ertragen kann, das sie keine Weltmacht mehr ist, und so einen Strohhalm sucht, nämlich nach der kontrollierten Macht über die Ukraine, ein Land, dass ein irrsinniges Wirtschaftswachstum hat, ein letztes "Bollwerk", noch nicht von der EU und der Nato eingenommen.


    Die Auseinandersetzung hat bisher zu sehr ernsten Verstimmungen zwischen Russland und Europa geführt - nach vielen Jahren herucherlicher Freundschaft zwischen Europa und Putin, der in den letzten Jahren seelenruhig die Demokratie in Russland abbauen konnte, schützen nun auch wirtschaftliche Interessen nicht mehr vor den Tatsachen, dass Putin im Grunde genommen hinter dem Bubengesicht ein höchst gefährlicher, machtbessessener Mann ist.


    Die schockierendstee Meldung, die mich gerade erreicht, und falls sie stimmt, wohl eine sehr ernste Gefahr: Es gibt Gerüchte, dass russische Spezialeinheiten sich bereits schon in der Ukraine befinden, unter dem Deckmantel von ukrainischen Uniformen, genau jene Einheiten, die schon in Tschetschenien Massaker ausgelöst haben.


    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,329695,00.html


    Es könnte also nicht nur ein Bürgerkrieg drohen, sondern sogar ein internationaler Konflikt, der nicht zu unterschätzen ist.


    Hat man Putin die ganze Zeit unterschätzt? War man so sehr mit Bush beschäftigt, dass man die Gefährlichkeit und Nähe von Putin übersehen hat?


    Gruß

  • ....ich sehe Russland , die Ukraine etc. schon sehr lange als nicht zu unterschätzendes Krisengebiet ein. Sicher war die Welt zu sehr mit Mr. Bush und seiner Politik beschäftigt und hat dadurch den Blick in dern Osten vergessen.
    Putin mag als Reformer für sein Land einiges bewirkt haben, meiner Ansicht nach, ist er aber mit der Entwicklung nicht wirklich mitggegangen. Was ich persönlich nicht wirklich nachvollziehen kann, warum werden nicht einfach Neuwahlen gemacht. Der Vorwurf des Wahlbetruges wird immer im Raum stehen bleiben, egal, was die Gerichte sagen werden.


    Ich denke, dass ein Bürgerkrieg schon fast nicht mehr umgehbar ist.....wieder ein Kriegsgebiet mehr auf dieser Welt.....

  • Zitat

    Was ich persönlich nicht wirklich nachvollziehen kann, warum werden nicht einfach Neuwahlen gemacht. Der Vorwurf des Wahlbetruges wird immer im Raum stehen bleiben, egal, was die Gerichte sagen werden.


    Nun, weil die Russen selbst und die wenigen Russland-orientierten Politiker wissen, dass Justschenko dabei sicher einen Erdrutschsieg machen würde.


    Russland geht es vor allem um Öl, Gas, Geld: Die Ukraine ist ein Transitland zwischen Europa, Kaukasus und Russland, also geopolitisch sehr wichtig. Russland will deshalb die Ukraine unbedingt kontrollieren.


    Und was Demokratie Putin in der Tat wert ist, sieht man in Russland: Nichts!


    Fakt ist, wenn die EU nun durchhält, ihren Standpunkt vertritt und der Ukraine hilft, dann zeigt wohl sie wohl allen Menschen, wie wichtig und richtig sie ist.


    Gruß

  • Hi Einhorn,


    vor allem ist es interessant, dass so viele Menschen die Ukraine völlig ignorieren.


    Ukraine gehört nun einmal zu Europa, und es wäre eben aus den geopolitisch interessanten Gründen sehr erstrebenswert, dieses Land in die EU aufzunehmen, auch deshalb, um Russland Wind aus den Segeln zu nehmen.


    Ukraine wäre eine interessante Perspektive: Großes Wirtschaftswachstum, viele Bödenschätze, westlich orientierte Menschen, Ackerbau ("Ukraine war Kornkammer der Sowjetunion") aber im Osten noch Armut.


    Man soll es eigentlich nicht laut herausposaunen, aber wenn die Ukraine zur Eu kommen würde, würde einer "Weltwirtschaftsmacht" Eu nichts mehr im Wege stehen. ;-)


    Gruß

  • Ein Problem ist hier sicher auch, dass Kiew und die Ukranie in Russland als die Geburtsstätte des russischen Staates betrachtet werden und man daher nicht bereit ist, eine wirkliche Unabhängigkeit der Ukraine hinzunehmen, ungeachtet der Tatsache, dass seit Rjurik und Wladimir dem Heiligen mehr als ein Jahrtausend vergangen ist und die geschichtlichen Ereignisse der darauf folgenden Epochen aus der Kiewer Rus erst die Ukraina, das wild umkämpfte Grenzland zu den Tataren, Türken, Polen und Litauern machte.


    Die westlichen Teile der Ukraine waren Jahrhundertelang nach Warschau ausgerichtet, nicht nach Moskau, auch wenn die orthodoxe Kirche und ein ostslawisches Nationalgefühl eine Polonisierung dieses Gebietes verhinderte. Dafür kamen aber genug westliche Einflüsse ins Land, um der Westukraine neue Ideen und Ansichten zu vermitteln. Nicht umsonst gehörte die Ukraine gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu den Teilen des russischen Reiches, die gewaltsam russifiziert werden sollten.


    Bei allem Verständnis für russische Befindlichkeiten muss man daher sagen, dass der jetzt eingeschlagene Weg des Betruges, der Drohungen und der am Horizont drohenden Gewalt nicht geeignet ist, das ukrainische Volk für seine russischen Brüder zu erwärmen.


    Ein Blick auf die auch jüngere Geschichte lässt mich leider schwarz sehen. Die Lehren aus Afghanistan und Tschetschenien, wie auch Vietnam und Irak, scheinen nicht in gewisse, entscheidende Köpfe eingedrungen zu sein. Doch die müssen es ja auch nicht ausbaden. Das tun immer die armen Hunde, die man an die Front schickt, und jene, die von diesen überfallen werden.


    Es fällt mir bei diesen Aussichten schwer, Liebe Grüße zu schreiben


    Gheron (ohne winken)

  • Ganz so leicht wird es den Herren aber nicht gemacht! Von wegen niemand schaut auf die Ukraine -- ich frag mich grad, wo du in den letzten Tagen deine Augen hattest!

  • Ich verfolge die Lage schon seit längerer Zeit, und kann nicht feststellen, daß die Berichterstattung dünn gewesen sei. Klar wird vieles immer wieder von anderen Schlagzeilen überlagert, aber die erste Seite einer jeden Zeitung bietet nun mal nur begrenzten Platz, und nur eine Schlagzeile kann der Aufreißer sein.


    Ich fürchte, es wäre egal, welche gerade gewählt worden wäre, du würdest poltern, daß ein oder mehrere andere Themen dabei unter den Tisch fielen -- was keineswegs den Tatsachen entspricht. Ich kenne eigentlich auch niemanden, der immer nur die Top-Meldungen liest und den Rest der Zeitung benutzt, um seine Brotzeit einzuwickeln (von meinem Verhältnis zum Sportteil mal abgesehen). Die Leute, die sich aufs Schlagzeilenlesen beschränken, kaufen ohnehin nur Boulevardblättchen.


    Man kann nicht alle Themen gleichzeitig diskutieren, das ist einfach unmöglich! Also hör bitte auf zu unterstellen, daß ständig irgendwelche Themen übersehen würden etc.etc. Es ist schlichtweg nicht wahr.
    Abgesehen davon, daß du damit zwar provozierst, aber deine eigene Glaubwürdigkeit torpedierst.

  • Keine Frage, mit George Doubledepp Bush hat auch Putin gewonnen. Europa kann es sich schwerlich leisten, nach Osten und nach Westen überkritisch zu sein. Hätte sich durch ein anderes Wahlergebnis in den USA das Verhältnis dahin wieder verbessert, hätte sich Putin mehr anstrengen müssen.


    Ich glaube, dass es enorm wichtig ist, dass sich in der Ukraine die Opposition durchsetzt, weil es sonst für lange Zeit östlich von Polen keine Demokratie geben wird.