Horst Eckert - Sprengkraft

  • Klappentext:


    Es beginnt mit einem alten Fall: Martin Zander und Anna Winkler sollen sich noch mal die Akte Noureddine Diouris vornehmen. Der Dealer marokkanischer Herkunft ist vor gut eineinhalb Jahren auf offener Straße erschossen worden, der Täter konnte nicht gefasst werden - vermutlich weil ein "Maulwurf" die Ermittlungen torpediert hat.
    Was niemand wissen kann: Noureddines jüngerer Bruder Rafi hat sich inzwischen religiösen Fanatikern angeschlossen; der Junge ist eine tickende Zeitbombe. Als die Bombe tatsächlich zündet, spielt das vor allem der Partei "Die Freiheitlichen" in die Karten. PR-Profi Moritz Lemke und die erst jüngst gewählte Vorsitzende Carola Ott-Petersen hatten bislang Mühe, die braune Vergangenheit der Partei vergessen zu machen. Nun haben sie handfeste Argumente, zu viel Toleranz Moslems gegenüber an den Pranger zu stellen: Verse des Korans dienen der Rechtfertigung von Verbrechen an der westlichen Welt. Die Bedrohung ist real - auch in Deutschland. Während aber Moritz mehr und mehr selbst an das glaubt, was er erzählt, kommen Carola Zweifel: Wer lenkt in Wahrheit die Partei?


    Autor (lt. Klappentext):


    Horst Eckert wurde 1959 in Weiden/Oberpfalz geboren. (…) Studium in erlangen und Berlin (Diplompolitologe). Er lebt als Autor in Düsseldorf. Seine Kriminalromane wurden mehrfach ausgezeichnet und ins Tschechische, Französische, und Niederländische übersetzt.


    Meine Meinung:


    Mehrere Handlungsstränge laufen hier gleichzeitig ab:


    Damit der Fall nicht als ungeklärt in die Statistik eingeht, sollen sich Anna Winkler und der in diese Abteilung strafversetzte Martin Zander den Fall Nourredine noch einmal vornehmen. Wer hat ihn vor knapp 1,5 Jahren getötet? Waren es die Kurden, mit denen er zusammen Drogengeschäfte gemacht hat? Oder war es wegen einer Frauengeschichte, wie es auf der Straße gemunkelt wird? Gleichzeitig wird Zander von einem Vorgesetzten unter Druck gesetzt, den mutmaßlichen Maulwurf von damals aufzuspüren.


    Im Zuge dieser Ermittlungen, stoßen beide auf Rafi, den jüngeren Bruder von Nourredine und werden Zeuge einer Bombenexplosion, Rafi überlebt diesen nur knapp. Sofort schalten sich auch LKA und Verfassungsschutz ein, die leider mehr schlecht als recht zusammenarbeiten.


    Gleichzeitig nimmt Moritz Lemke aus Geldmangel den Job als Pressesprecher der Splitterpartei „Die Freiheitlichen“ an. Nur bis zur Landtagswahl in NRW, sagt er sich. Denn wenn seine Ex-Frau von diesem Job erfährt, ist jede Chance auf eine Fortführung der Beziehung zerstört. Er und die neue Vorsitzende schaffen es, die Partei mehr zur Mitte zu führen. Sie gelten als gutes Team, bis Carola langsam Zweifel kommen…


    In dieser Geschichte ist alles vorhanden: Politik und wie sie gemacht wird, ein Kriminalfall, eine Liebesgeschichte und ein spannendes, ja überraschendes Ende.
    Außerdem geht es um den Umgang mit und den Respekt vor anderen Kulturen: Wie weit können Einwanderer sich integrieren, ohne ihren Glauben und ihre Werte zu verraten? Inwiefern lassen wir eine solche Integration zu oder stempeln erst einmal alle Ausländer als mutmaßliche Terroristen ab? Welche politischen Forderungen sind angebracht, welche schon eindeutig rechts? Diese Gedanken kann sich der Leser selbst machen, denn das beantwortet auch Horst Eckert nicht.


    Es geht darum, dass Rafis Vater stolz ist, auf jeden Deutschen Kunden in seinem Fischladen, denn das bedeutet es ihm, integriert zu sein. Es geht auch darum, dass Martin Zander lernt, aus Respekt seine Schuhe auszuziehen, bevor er eine muslimische Wohnung betritt.


    Wie sagt Paul Veller einmal im Buch einmal so schön: Immer wenn er anfängt, in jedem Bärtigen eine Terroristen zu sehen, geht er beim Türken essen, um wieder runterzukommen.


    Fazit: Sehr spannend, sehr interessant, und es klingt lange nach. Leseempfehlung!


    Vielleicht vergleichbar mit „Feuertaufe“ von Markus Stromiedel, obwohl ich letzteres bedrückender fand.



    PS: Ich packe es mal hier hinein, obwohl es auch gut in das Forum "Zeitgenössiches" passen würde... :gruebel

    "Leben, lesen - lesen, leben - was ist der Unterschied? (...) Eigentlich doch nur ein kleiner Buchstabe, oder?"


    Walter Moers - Die Stadt der träumenden Bücher