Anne Krüger: Allee der Kosmonauten

  • Auch ich durfte das Buch in der Leserunde lesen. Vielen Dank dafür!


    Leider hatte ich eine andere Vorstellung vom Buch, die es nicht halten konnte.


    Ich kam nicht an Mathilda heran, sie war mir nicht wirklich sympathisch und ich habe nicht mit ihr mitgefiebert. Stellenweise hatte ich vom Plot her das Gefühl, dass Belanglosigkeit an Belanglosigkeit gereiht wird, aber es gab natürlich auch einige unterhaltsame Stellen zu lesen.


    Ich denke, dass es einfach an meinem persönlichen Geschmack liegt, dass mir der Roman nicht gefällt.


    Gut geschrieben ist es vom sprachlichen Stil her durchaus. Allerdings hätte auch ich auf die ständige Raucherei verzichten können. Ich hoffe sehr, dass das nicht ein neuer Trend wird, da mir das gerade in einer anderen Leserunde auch aufgefallen und auf den Wecker gegangen ist.


    Auch die Nebenfiguren sind für mich blass geblieben. Die Bezeichnugn Hase und Häsin hat mich schon ein wenig gestört. Ich denke, dass gerade mit Nina einiges mehr an Dynamik möglich gewesen wäre.


    Alles in allem leider nicht meins.

  • Mathilda ist Ende 20 und lebt in Berlin. Die junge Frau hat ihr Studium vor Jahren abgebrochen und arbeitet seitdem als Supermarktkassiererin, aber ihr Job macht sie nicht glücklich. Auch ihr Privatleben ist eher trostlos. Ihr Freund trennt sich von ihr, sie klammert ihm zu sehr, er will nicht zusammenziehen und sich zu sehr binden.


    Mathilda ist auf der Suche, doch wonach scheint sie selbst nicht so recht zu wissen. Immer wieder verliert sie sich in Tagträumen, schwärmt für die Raumfahrthelden der früheren Sowjetunion und wäre selbst gerne Kosmonautin geworden, was aber ein hoffnungsloser Tagtraum geblieben ist.


    Ihre Freunde machen einen ähnlich desorientierten und planlosen Eindruck, bis auf ein befreundetes Pärchen, die bereits Eltern geworden sind und deren Leben immer bürgerlicher wird, wodurch sich eine immer größere Kluft zu Mathilda und den anderen auftut. Diese Veränderung in Cliquen in dem Alter fand ich gut dargestellt. Die ersten werden "sesshaft", gründen eigene Familien und man lebt sich teilweise auseinander. Die Freunde mit Kindern reden nur noch über Windeln, Babykrankheiten und ähnliches, die Singles sind noch auf der Suche, wollen weggehen und Spaß haben und irgendwie passt das alles nicht mehr zusammen.


    Mathilda konnte ich leider überhaupt nichts abgewinnen, sie ist unzufrieden, hat aber keine Idee und anscheinend null Motivation, etwas in ihrem Leben zu ändern. Sie bewirbt sich völlig planlos auf andere Stellen und es ist reiner Zufall, dass sie etwas findet, was ihr mehr zusagt als die Arbeit im Supermarkt. Genauso ist es in ihrem Privatleben, erst passiert lange nichts, dann gibt es auf einmal eine große Wende.


    Neben der eigentlichen Geschichte um Mathilda heute gibt es immer wieder Einschübe, in denen es um die Raumfahrt und Kosmonauten geht. Diese fand ich ziemlich verwirrend und habe sie irgendwann nur noch quergelesen.


    Außerdem gibt es immer wieder Rückblenden in Mathildas Kindheit, diese fand ich ganz interessant, aber auch sie erklärten für mich nicht wirklich, wie Mathilda zu dem Menschen geworden ist, der sie heute ist.


    Mir was das alles einerseits zu wenig, andererseits auch wieder zu viel, was parallel in die Geschichte eingeschoben wird, so z.B. noch der Laden der verlorenen Dinge, der in Mathildas Straße aufmacht und mit dessen Besitzer sie sich anfreundet oder die psychischen Probleme einer ihrer Freundinnen.


    Viele gute Ideen, aber für mich nicht passend zusammengesetzt und so plätscherte die Geschichte vor sich hin und daher konnte mich das Buch leider weder fesseln noch begeistern.

  • In ihrer Kindheit wollte Mathilda nichts sehnlicher als Kosmonautin werden, dieser Plan platzt leider als sie merkt, dass sie nicht schwindelfrei ist. Dennoch begleitet sie die Begeisterung für Juri Gagarin und den Weltraum ihr Leben lang. Zunächst studiert Mathilda recht erfolgreich, doch als ihr Vater stirbt, fehlt ihr der Antrieb das Studium zu beenden; Mathilda, mittlerweile 29 Jahre alt, jobbt an der Kasse eines Supermarktes. Doch diese Arbeit erfüllt die junge Frau nicht annähernd, und so macht sie sich auf die Suche nach dem Sinn des Lebens, was für sie auch das Finden ihres Mr. Rights beinhaltet.
    Die Geschichte beginnt damit, dass sich Mathildas Freund, mit dem sie alt werden und Kinder bekommen wollte, von ihr trennt.Sie arbeitet als Kassiererin im Supermarkt. Dieser Job bereitet ihr keine Freude. Als Magnus, besagter Freund, nichts mehr von ihr wissen will, beschließt Mathilda, dass es an der Zeit ist, ihr Leben zu ändern. Sie macht sich auf die Suche nach der für sie passenden Arbeit und nach dem Mann, der sie so liebt, wie sie ist.


    Der Einstieg in das Buch fiel mir sehr leicht, ich lernte Mathilda, ihr Leben, ihre Freunde und ihre Familie kennen. Ich konnte die Traurigkeit, die ein täglicher Begleiter Mathildas ist, spüren. Ich beleuchtete gemeinsam mit Mathilda die unterschiedlichen Aspekte ihres Lebens, nahm ihre Freundschaften unter die Lupe und bekam viele Einblicke in ihre Jugend und die nicht immer einfache Beziehung zu ihrer Mutter.
    "Allee der Kosmonauten" ließ mich selbst auch des öfteren nachdenken, über die Menschen, die in meinem Leben eine große Rolle spielen und über das Leben im Allgemeinen. Ich mochte Mathilda sehr gern und konnte auch viele ihrer Gedanken nachempfinden. Es hat mir gefallen, wie Mathilda trotz einiger Tiefschläge ihr Leben in die Hand nimmt, und wie sie für ihre Träume und Ziele kämpft.
    Anne Krügers angenehmer Schreibstil und ihre Art zu erzählen bereiteten mir schöne und nachdenkliche Lesestunden.

    Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne. (Jean Paul)



  • Mathilda ist Ende Zwanzig und weiß noch immer nicht was sie mit ihrem Leben anfangen soll. Sie weiß nur, dass sie nicht mehr als Kassiererin im Supermarkt arbeiten will und dass sie einen Mann in ihrem Leben braucht. Sie hat einen sehr schwachen Charakter und ist von einem Mann abhängig, zumindest ist das für mich so rübergekommen, daher konnte ich mich überhaupt nicht mir der Hauptfigur identifizieren. Und dieses ständige Rauchen und Trinken ist mir auch auf die Nerven gegangen.


    Der Schreibstil ist zwar super, aber irgendwie passiert in den ersten zwei Drittel des Buches rein gar nichts... Erst als Daniel auftaucht nimmt die Geschichte ihren Lauf und Mathilda nimmt auch endlich ihr Leben in die Hand. Ich glaube, dass der Laden für verlorene Dinge und sein Besitzer ihr den Anstoß gegeben haben. Ich habe mich richtig für sie gefreut, dass sie endlich was gefunden hat, was sie glücklich macht.


    Alles in allem eine nette Geschichte, aber kein Buch, dass ich zu Ende gelesen hätte, hätte ich es nicht in Rahmen einer Leserunde gelesen.

    :lesend Evermore: Das Schattenland - Alyson Noel
    :lesend Tintenblut - Cornelia Funke (Langzeitprojekt)



    SUB: 265 (per 09.02.2015)

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  • Den Humor habe ich auch vergeblich gesucht in diesem Buch, was hier aber kein großes Problem war.


    Im Gegensatz zu vielen, mochte ich die Protagonistin Mathilda auf eine gewisse Art und Weise.


    Für mich war es eher eine Art Selbstfindungsprozeß einer jungen Frau, die sich kurz vor ihrem 30. Geburtstag befindet.
    Aufgewachsen im Berlin der DDR, nach der Wende im Berlin des vereinigten Deutschlands.


    Man merkt sehr deutlich, daß sie mit ihrem bisherigen Leben sehr unzufrieden ist, auf der Suche nach dem, was sie eigentlich wirklich möchte.
    Dabei anfangs aber sehr phlegmatisch in ihrem Bemühen wirkt.
    Dies Phlegmatische wirkt am Anfang doch sehr depressiv auf mich, als könne Mathilda nicht anders, wolle keine Veränderung, obwohl sie sie doch will.
    (Klingt paraodox, ist es aber nicht, denke ich)


    Da es sehr viele Menschn gibt, die eigentlich eine Veränderung möchten, aber es nicht leicht hinbekommen und somit lieber im alten Zustand verharren.
    - teilweise aus Angst vor der Veränderung, so daß der alte ungeliebte Zustand sie davor bewahrt, etwas neues zu riskieren.
    - teilweise aus fehlendem Selbstvertrauen, das Gewohnte gegen etwas völlig unbekanntes einzutauschen.


    Nicht jedem fällt es leicht, ein Risiko einzugehen und die Veränderung ist immer ein Risiko.


    In der Hinsicht empfand ich Mathilda als sehr realistisch beschrieben.
    Gerade an ihr wird genau dieses Zögern, der Zweifel sehr deutlich.
    Meiner Meinung nach hat die Autorin dort sehr gut versucht zu beschreiben, wie es innerlich in Mathilda zugeht, dieses Paradoxon, etwas ändern zu wollen und doch davor zurückzuschrecken.


    Vom Schreibstil her sehe ich es als zwar schnell zu lesen, aber weniger flüssig, trotzdem gut zu verstehen, an.


    Von den Charkteren her ist es zwar nicht so nahegehend, es baut sich keine absolute innere Verbundenheit zu den Figuren auf, aber genau das, finde ich, ist hier passend.


    Ich würde es eher so beschreiben, daß ich nicht mit den Figuren gelebt, gelitten, gefühlt habe, sonder eher, daß ich sie beobachtet habe. ( Kann ich grad nicht besser ausdrücken)


    Daß ständige trinken und rauchen sehe ich jetzt nicht so dramatisch, da ich wohl noch in einer Zeit aufgewachsen bin, wo das nicht in dem Maße thematisiert wurde, sondern als gegeben galt.
    Auch denke ich, daß auch die heutigen Jugendlichen noch so handeln, wenn auch verdeckter, da es verpönter scheint, als vor 30 Jahren.



    Fazit
    Ein ruhiger, nachdenklicher Roman, der die Gedanken und das Handeln der fast 30 jährigen Mathilda behandelt, die mit ihrem Leben noch im unreinen ist.
    Die eine Veränderung wünscht, sich aber sehr schwer damit tut, diese auch umzusetzen und zu entdecken, was sie eigentlich vom Leben erwartete.