Die große Nacht - Chris Adrian

  • Vorab: Das Buch könnte genauso gut unter "Fantasy" stehen, da es aber bei amazon auch unter Belletristik gelistet wird, habe ich mich für diese Rubrik entschieden.


    OT: The Great Night


    Kurzbeschreibung:
    Auf ihrem Weg zu einer glamourösen Party treffen drei Menschen auf eine Festgesellschaft der anderen Art: Titanias Gefolge ist angetreten, um den Mittsommer nach altem Brauch zu feiern. Doch diesmal geraten die Dinge aus der Bahn. Titania ist außer sich vor Trauer über den Leukämietod eines Menschenkinds, das ihr Mann ihr einst zum Geschenk machte. Aus Zorn bricht sie den Tausend Jahre alten Zauber, der den Dämon Puck in Bann gehalten hat. Die Folgen sind dramatisch, in dieser wie in jener Welt. Die große Nacht ist angebrochen.


    Über den Autor:
    Chris Adrian, geboren 1970 in Washington, D. C., studierte Theologie in Harvard und ist Doktor der Medizin. Er zählt zu den originellsten Stimmen der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Für sein drei Romane und einen Erzählband umfassendes Werk wurde er vielfach ausgezeichnet. The New Yorker wählte ihn unlängst zu den «20 under 40», den wichtigsten jungen amerikanischen Autoren dieser Tage.


    Meine Meinung:
    Es ist ein betörend-verstörende Geschichte, zu der sich Chris Adrian von Shakespeares Sommernachtstraum inspirieren ließ. In einer einzigen Nacht prallen im wahrsten Sinne des Wortes zwei Welten und auch die beiden entsprechenden Erzählstränge aufeinander: die der Menschen und die der Elfen. Bis dahin verlaufen sie jedoch völlig unabhängig voneinander und die Suche nach dem verbindenden Element, dem Zusammenhang der Erzählstränge fordert dem Leser einige Geduld ab. Er lernt die drei Menschen, die in der "Großen Nacht" durch den verzauberten Park laufen, durch mehrere Rückblenden kennen und versteht nach und nach, wie sie so werden konnten, wie sie sind. Die ohne Umschweife beschriebenen und von vielen Rezensenten kritisierten Sex-Szenen habe ich weder zu obszön noch als störend oder überflüssig empfunden, unterstreichen sie doch die elektrisierend aufgeladene Atmosphäre, die aus Lust und Leid besteht und wenig Platz für Liebe oder Romantik bietet. Und das, obwohl doch nahezu alle Figuren in diesem Roman, Menschen wie Elfen, genau danach streben und - so viel darf verraten werden - in der Vergangenheit auf unterschiedliche Weise daran gescheitert sind. Die Zusammenführung der Erzählstränge am Ende ist durchaus gelungen, auch wenn das Finale ruhig etwas mehr Zeit/Raum hätte einnehmen dürfen. Im Vergleich zu den anderen Teilen des Romans wirkt es sehr kurz und beantwortet längst nicht alle Fragen, die sich im Laufe des Romans ergeben haben. Sicher ein Roman, der polarisiert, aber durch seine Sprachgewalt und die teilweise fast schon bizarre Kombination aus phantastischen Wesen und normalen Menschen in Erinnerung bleiben wird.


    7 Punkte von mir.