Seelenfeindin - Sabine Trinkaus

  • Kurzbeschreibung (gem. Amazon)
    Nadja Schönberg ist eine erfolgreiche Psychiaterin in einer Privatklinik, doch eine Patientin gibt ihr Rätsel auf: Sie scheint unter Verfolgungswahn zu leiden, wirk aber psychisch völlig gesund. Was, wenn ihr Wahn Wirklichkeit ist. Immer tiefer gerät Nadja in ein verstörendes Spiel um Lüge und Wahrheit – in dessen Mittelpunkt sie selbst zu stehen scheint ...


    über die Autorin (gem. Amazon)
    Sabine Trinkaus lebt in Alfter bei Bonn. Sie schreibt seit 2011 Kriminalromane und Kurzgeschichten. »Seelenfeindin« ist ihr fünfter Roman und ihr erster Psychothriller.


    meine Meinung
    Dr. Nadja Schönberg ist nach einer Auszeit wieder in ihrem Job als Psychiaterin tätig. Da wendet sich die bekannte Journalistin Konstanze Friedrichs an sie. Konstanze leidet nach eigener Aussage an Verfolgungswahn. Doch Dr. Schönberg kann nichts feststellen. Je länger die Therapie dauert, desto mehr verschwimmen die Grenzen. Was ist Wahrheit? Was ist Wahn?


    "Seelenfeindin" war mein erster Thriller von Sabine Trinkaus und ich fand ihn sehr gut. Die Autorin nimmt ihre Leser mit in eine psychiatrische Klinik und spielt mit den Sichtweisen von behandelnder Ärztin, Patientin und Umfeld. Das hat mir super gefallen.


    Die Geschichte wird von Nadja Schönberg selbst erzählt. Die Psychiaterin war selbst zu einer Zwangspause verdonnert worden und steigt nun mit einem spektakulären Fall wieder ins Berufsleben ein. Ihre Patientin Konstanze Friedrichs ist fest davon überzeugt, dass sie krank ist. Nur kann die Therapeutin zunächst nichts finden, was diese These untermauert. Doch Nadja lässt sich nicht entmutigen und verbeißt sich in die Therapie. So sehr, dass sie selbst nicht mehr merkt, was wirklich ist und was der Fantasie ihrer Patientin entspringt. Neben Nadjas Beschreibungen erfährt man durch kleine Episoden, die kapitelweise auftreten, wie es im Inneren einer Person aussieht, die sich für psychisch krank hält. Diese Mischung hat mich in ihren Bann geschlagen.


    Dabei sind Nadja Schönberg, Konstanze Friedrichs und die anderen agierenden Personen beileibe keine Sympathieträger. Zwar konnte ich die einzelnen Standpunkte nachvollziehen, doch ans Herz gewachsen ist mir keine. Das ist bei diesem Thriller überhaupt nicht dramatisch, im Gegenteil. Alle Charaktere bergen soviel Potenzial für Zweifel und kritische Nachfragen, dass ich aus dem Misstrauen gar nicht mehr rauskam. Gerade als ich dachte, dass ich nun weiß, wer wie mit wem zusammenhängt, gibt es wieder eine neue Erkenntnis. Oder eben auch nicht, denn was ist schon wahr und was ist Wahn?


    Die Story an sich geht ruhig und unaufgeregt von statten. Das passt sehr gut zur Therapie in einer psychiatrischen Klinik. Durch die Wechsel zwischen Sitzungen mit der Patientin und Nadjas Privatleben konnte ich mich das Vorgehen der Therapeutin nachvollziehen. Mit jedem Kapitel versank ich mehr in der Welt aus Paranoia, sachlichen Argumenten und durcheinander gewürfelten Emotionen. Großartig!


    Das Finale ist konsequent herbeigeführt und passt perfekt zum gesamten Werk. Zwar hat es mich nicht durchgängig überrascht, aber dennoch hatte ich einen OHA-Moment. Klasse!


    Der Stil von Sabine Trinkaus ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist nüchtern, distanziert, aber dennoch mitreißend. Sehr toll!


    Fazit: Willkommen in der Therapie. Nimm Platz. Eine klare Leseempfehlung.

  • Meine Meinung
    Den Titel "Seelenfeindin", finde ich sehr passend für diese Geschichte, denn Ärztin und Patientin haben einiges gemeinsam. Hier werden diese parallelen Linien im Inneren gezogen, in der Seele und der Psyche. Nach Außen hin könnten die beiden Frauen unterschiedlicher nicht sein. Gerade das hat es für mich so interessant beim Lesen gemacht. Auf der einen Seite diese "gespielte" Gleichheit, auf der anderen Seite diese extreme "echte" Ungleichheit.
    Im Grunde erfährt man von den teilnehmenden Personen sehr viel, wie ihren Gemütszustand, die innere Verletzlichkeit und die Angst das jemand einem etwas antun will, aber andererseits bleibt man beim Lesen auch etwas außen vor. Eine gewissen Distanz blieb von Beginn des Buches bis zum Ende.
    Den Schreibstil fand ich ganz gut zu lesen, aber oftmals wusste ich gar nicht, von welcher Person ich gerade etwas lese, da hätte ich mir vielleicht einen kleinen Hinweis, oder eine Überschrift gewünscht. Manchmal erst nach 4-5 Sätzen habe ich gewusst wer hier nun was zu sagen hat. Viele Kapitel sind "gedanklich" verfasst, aber dadurch, finde ich, kommt man den Protagonisten noch viel näher.
    Viele LeserInnen haben ja geschrieben, das sie schon ziemlich schnell wussten, wie die Geschichte enden wird, ich muss gestehen, ich habe das nicht so empfunden. Ich ahnte zwar, das es keine normale Aufklärung geben wird, aber dieses Ende fand ich dann doch sehr überraschend.
    Durch das Auftauchen von anderen Personen, die wieder eine ganz andere Sichtweise auf das Geschehen warfen, hat die Autorin meine feste Meinung, wer nun lügt und wer die Wahrheit sagt, sehr oft wieder auf den Prüfstand gestellt. Das hat mir gut gefallen.
    Alles in allem ein guter (Psycho)Thriller, der mich von Beginn an mit seinem Geschehen gefangen genommen und gut unterhalten hat.