Jerry, der Insulaner – Jack London

  • dtv, 174 Seiten


    OT: Jerry of the Islands


    Über den Autor:
    Jack London, geboren in San Francisco wächst in bescheidenen Verhältnissen in Kalifornien auf, musste mit 13 die Schule verlassen und hart arbeiten.1897 wird er Goldsucher in Alaska. Gold findet er nicht, aber viel Material für seine Geschichten. 1903 macht ihn „Der Ruf der Wildnis“ berühmt.
    Weitere berühmte Bücher: Seewolf, Wolfsblut, Lockruf des Goldes, Martin Eden, Alaska Kid


    Mein Eindruck:
    Jack London gilt zu Recht als der beste Autor von Tiergeschichten. Das beweist er mit Jerry, der Insulaner. Ein Roman über einen irischen Terrier in der Südsee. Der Schauplatz ist ungewöhnlich, weil viele seiner berühmtesten Hundegeschichten im eisigen Alaska angesiedelt sind.


    Zwar ist nicht in erster Person geschrieben, aber es wird überwiegend aus Jerrys Perspektive geschildert. Dabei wird der Hund nicht vermenschlicht.


    Jerry ist ein edles Tier, das aber leider von seinem Besitzer als Niggerjäger abgerichtet wurde. Das ist verstörend zu lesen und ein wichtiges Thema im Buch.
    Befremdend, wie oft der Autor das Wort Nigger einbringt, gefühlte Hundert mal.
    Man merkt, dass auch Jack London nicht ganz frei von rassischen Überlegenheitsgefühlen war.


    Als Jerry auf einem Schiff das überfallen wird, in die Hände von Eingeborenen fällt, erlebt er eine neue, ihm fremde Welt voller Riten und Tabus. Ein hartes Leben, das sich für ihn erst besert, als ein alter, blinder Mann ihn aufnimmt und erzieht.
    Also auch hier die These, nur der Starke überlebt.


    Schließlich kommt Jerry wieder zu neuen Herrn, die für ihn wie Götter sind. Ein reiches, weißes Paar findet ihn. Unverkennbar ein Selbstportrait von Jack London und seiner Frau. Erst hier und unter ihrer Leitung lernt Jerry, sich von seinem antrainierten Rassismus zu lösen und wird der treuste Hund. Er begegnet sogar seinem Bruder Michael wieder, den er zuletzt als Welpe sah.


    Mit „Michael, Jerrys Bruder“ gibt es eine Fortsetzung, die ich vor vielen Jahren auch einmal gelesen habe.


    Mit Jerry, der Insulaner ist Jack London in die Vollen gegangen und beschreibt ein ereignisreiches Leben. Dazu nutzte er eine reiche, überschäumende Sprache, die das ganze Buch zum Leuchten bringt.