Ein wirklicher Garten – Helene Cixous

  • ISBN: 9783936905625

    34 Seiten. November 2016.

    Mit einer Illustration von Iris Antonia Rauner.

    Originaltitel: Un vrai jardin. 1971


    Kurzbeschreibung:

    Hélène Cixous (*1937 Oran/Algerien) hat 1971 einen einzigartigen Text über den Ursprungsort ihres Schreibens und Lebens verfasst. Die poetische Novelle „Ein wirklicher Garten“ ist der buchstäblich mythische Anfang von Cixous’ unauslotbarem Werk und die Keimzelle ihres literarischen Schaffens. Geschildert wird die Initialszene ihrer Kindheit, deren Schauplatz und Erlebnishorizont unwillkürlich zur Höllenvision gerät. Paradiesgarten und Inferno in einem bildet der „Cercle Militaire“ in Oran zugleich die Szenerie für Cixous’ Kindheitserleben und für die Ätiologie ihrer Schrift.

    Der „Cercle Militaire“ war ein für die Angehörigen der französischen Garnison vorbehaltener Stadtgarten in Oran und geriet für die Tochter eines französischen Arztes (Georges Cixous) und einer deutsch-russischen Mutter (Ève Klein) zum Ort ihrer ersten Vertreibung. Obwohl Hélène Cixous’ Vater französischer Offizier im Sanitätsdienst war, wurde sie als Jüdin aus diesem Garten vertrieben. Der erträumte wandelt sich zum traumatischen Ort. Einziges Mittel gegen diese Vertreibung vermag die immer neu verwandelnde und Heimat bietende Sprache zu sein.


    Über die Autorin:

    Schriftstellerin, Philosophin, Universitätsprofessorin (Anglistik); lebt und arbeitet in Paris und Arcachon als Literaturwissenschaftlerin und Philosophin, vor allem aber als Roman- und Theaterautorin hat Hélène Cixous seit 1967 etwa 75 Bücher veröffentlicht.


    Mein Eindruck:

    Eine abstrakte Novelle, sprachlich ausdrucksvoll und fantasiereich mit der Vorstellungskraft eines Kindes erzählt. Im Garten, der eigentlich ein Ort des Friedens sein soll, erlebt die Erzählerin offensichtlich antisemitische Anfeindungen. Es sind alltägliche, verbale Angriffe, begangen von Dienstmädchen und Aufpassern im Garten, der eine abgeschlossene Welt bietet.

    Daher ist die Erzählung bei allem sprachlichen Reichtum beklemmend zu lesen.


    Es ist nachvollziehbar, dass eine solche Demütigung nicht vergessen werden kann. Es ist selten, dass ein solcher Vorgang literarisch beschrieben und dadurch verarbeitbar wird. Eine hohe Kunst der Autorin.


    Obwohl das Büchlein einen so geringen Umfang besitzt, ist es schön aufgemacht. Man muss unabhängigen Verlagen für ihr Engagement dankbar sein, denn eigentlich ist es fast ein Wunder, dass diese Erzählung in Deutscher Übersetzung erschienen ist.


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