Julia – Otto de Kat

  • Gebundene Ausgabe: 168 Seiten
    2010


    Kurzbeschreibung:
    An einem Sommernachmittag 1981 findet der Chauffeur van Dijk seinen Chef Chistiaan Dudok tot in dessen Arbeitszimmer – der Inhaber einer Maschinenfabrik hat sich das Leben genommen. Ein Abschiedsbrief fehlt, doch auf seinem Schreibtisch liegt eine vergilbte deutsche Zeitung vom 2. April 1942. Auf der Titelseite wird über den verheerenden Luftangriff auf Lübeck berichtet, eine Liste verzeichnet die Todesopfer dieser Bombennacht: Der Name Julia Bender ist mit einer Markierung versehen. Julia – mit ihrem Mut und ihrer entschiedenen Ablehnung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft hat die junge Deutsche den Holländer Christiaan einst unwiderstehlich in ihren Bann gezogen, als er 1938 ein Praktikum in Lübeck absolvierte. Doch noch im selben Jahr verläßt er fluchtartig Deutschland und die Frau, die er liebt, obwohl er ahnt, daß er einen nicht wiedergutzumachenden Fehler begeht. In seinem neuen Roman erzählt Otto de Kat die Geschichte eines Lebens im falschen; und er erzählt von einer Liebe, die so groß ist, daß sie die Jahrzehnte überdauert, und die dennoch scheitert: an Lebensangst und fehlender Zivilcourage, an Haß und menschenverachtendem Fanatismus in Deutschland während der Nazi-Zeit.


    Über den Autor:
    Otto de Kat, 1946 geboren, studierte niederländische Literatur an der Universität Leiden. 1986 gründete er mit Uitgeverij Balans seinen eigenen Verlag; seither lebt er als Verleger und Autor in Amsterdam. Sein Roman Sehnsucht nach Kapstadt war nominiert für den größten belgischen Literaturpreis für Niederländisch schreibende Autoren, De Golden Owl 2005, und wurde ausgezeichnet mit dem niederländischen Halewijn-Literaturpreis.


    Mein Eindruck:
    Otto de Kat schreibt in „Julia“ nicht mehr ganz so verknappt wie in seinem beeindruckenden Roman Sehnsucht nach Kapstadt. Mit nur relativ wenigen Seiten und großer Schrift handelt es sich um einen kurzen Text, der sich hauptsächlich aus Emotionen und Atmosphäre zusammensetzt. Ausgehend von dem Selbstmord eines alten Mannes wird die Liebesgeschichte eines Holländers (Chris Dudok) und einer Ingenieurin (Julia) erzählt. Julia wird in den vierziger Jahren in Deutschland als Kommunistin diffamiert, da sie sich für verfolgte Juden einsetzte. Es kommt darauf zur Trennung, da sie Chris drängt, aus Sicherheitsgründen wegzugehen, 1942 stirbt sie bei einem Bombenangriff.
    War ich zuerst ratlos von dem Text, denke ich, dass Otto de Kat erzählen wollte, wie die Ereignisse aus dieser Zeit Auswirkungen auch noch Jahrzehnte danach haben und dass es auch nicht ganz so offensichtliche Opfer gab. Chris Dudok konnte den Verlust von Julia nie verwinden.


    Weiterhin empfinde ich de Kats Stil als so interessant, dass ich weitere Bücher von ihm sicherlich noch lesen werde.


    ASIN/ISBN: ‎3458358013

  • Meine Meinung:
    Menschen treffen in ihrem Leben unzählige Entscheidungen. Manche davon leichthin, manche schweren Herzens. Jede einzelne von ihnen beeinflusst das weitere Leben - nicht nur der Person, die diese Entscheidung trifft, sondern auch ihrer Umgebung. Wie schwer diese Erkenntnis wiegt und wie groß die Zweifel und Schuldgefühle sein können, die sich aus einer falschen Entscheidung erheben, zeigt Otto de Kat in seinem Roman "Julia". Sein Protagonist erkennt zu spät, dass er einen Fehler gemacht hat und es gelingt ihm nicht, sich diesen Fehler zu verzeihen. Auf wenigen Seiten beschreibt de Kat das Innenleben seines Protagonisten wie ein Maler mit wenigen Pinselstrichen. Anhand von wenigen Episoden, Gedanken und Erinnerungen zeichnet er die Leere, Trauer und Hoffnungslosigkeit, die für seinen Protagonisten nur einen Ausweg zulässt und die es dem Leser nicht leicht macht, irgendwo einen kleinen Hoffnungsschimmer zu entdecken. Vergeblich, denn in dieser Geschichte gibt es keinen. Das mag für einige Menschen zutreffen oder nachvollziehbar sein, ich persönlich bevorzuge den Hoffnungsschimmer. Und sei er noch so klein.


    Von mir 7 Punkte.