Beiträge von Hagazussa

    Hallo,


    das Buch ist sicherlich nicht schlecht, aber einen Grund zum Jubeln fand ich nicht. Es wirkte auf mich doch ziemlich krampfhaft auf Spannung getrimmt.


    Hier noch meine Rezi.



    Etliche Morde, kein Krimi


    Nach dreiunddreißig Jahren kehrt Starregisseurin Rita in ihr spanisches Heimatdorf zurück, um den Nachlass der verstorbenen Tante zu ordnen. Aus der alten Teenagerclique sind fünf daheim geblieben, während es zwei in die weite Welt verschlagen hat. Beim Wiedersehen mit den Fünfen kommen schnell die Erinnerungen hoch an den Sommer 74 – der für alle ein gewaltiger Bruch war. Nicht nur, weil die Schulzeit zu Ende ging. Als Lena die alte Freundin Rita zu einem Essen einläd, geschieht ein Mord. David, Kripobeamter und Ehemann einer der Frauen aus der alten Clique, merkt sehr schnell, dass hier Einiges nicht stimmt. Was geschah damals, Sommer 74 auf Mallorca? Und wie glaubhaft ist das Geständnis einer Frau, die nur noch wenige Tage zu leben hat?
    Barcelo schildert abwechselnd die Geschehnisse des Sommers 74 und die Ereignisse dreiunddreißig Jahre später. Nur häppchenweise kommt ans Tageslicht, welches Trauma alle Frauen auch noch Jahrzehnte später verfolgt, warum deren Leben von heute auf morgen in völlig anderen Bahnen verlief. Die Autorin versteht es dabei meisterhaft, den Leser in vergangene Zeiten und in – zumindest für deutsche Leser – fremde Welten zu entführen. Leider kommt nie die rechte Spannung auf. Die Zeit-, Themen- und Ortswechsel sind zu gekünstelt, es ist zu offensichtlich, dass Zeilen geschunden und das vorhersehbare Ende noch ein wenig hinausgezögert werden soll. Erst zum Schluss kommt wirklich Fahrt in die Handlung. Hundert Seiten weniger Text wären hier hundert Seiten mehr an Spannung gewesen. So wurde „nur“ ein Frauenbuch draus, sonst wäre es ein spannender Thriller geworden.

    Böttcher, Seven: „Prophezeiung“; © 2011, KiWi; ISBN: 978-3-462-04278-8


    Totgeschwiegene Wahrheit


    Wetterforscherin Mavie bekommt den Traumjob ihres Lebens. Fernab von Hamburg, wo alles festgefahren schien, erlebt sie jedoch schon bald eine herbe Überraschung nach der anderen: überzogene Sicherheitsbestimmungen, ein öder Job trotz Spitzenbezahlung, eine Supersoftware, deren Arbeitsresultate im Archiv bleiben. Und als sie versucht, hinter all dem zu kommen, ist der Traumjob futsch. Zusammen mit einem alten Freund macht sie sich ans Recherchieren und gerät bald in eine Sache, die man nur noch als Thriller bezeichnen kann.
    Böttcher, Jahrgang 1964, ist in der Literatenszene kein Unbekannter. Sci-Fi, Thriller und nun ein Buch, das keinem Genre zuzuordnen ist.
    Der Mix bekommt dem Buch gut. Das Werk liest sich gut, trotz der zahlreichen technischen Begriffe. Sprachlich hat sich der Autor den Lesegewohnheiten jüngerer Kunden angepasst. Besonders während der ersten Seiten schielt er auf weibliche Leser, stellenweile denkt man gar an Chick-Lit. Alles in allem handwerklich gut gemachte Standardkost. Wegen der aufwändigen Aufmachung ist das Buch voll tauglich für den Gabentisch.


    Vier von fünf Sternen.

    Roversi, Paolo; Die linke Hand des Teufels; © 2011, List, Berlin; ISBN: 9-783548-609904; 8,95 €



    Leichen, Liebe und die Cops in der Bassa


    Reporter Enrico aus Mailand wird zwecks Katzenhüten von Mama nach Hause in die Bassa beordert. Dort stolpert er in einem seltsamen Krimifall hinein. Zurück in Mailand schaut es nicht besser aus. Sein Freund, Kripomann Loris, hat auch Arbeit für in, zudem ist Schluss mit der Freundin. Und es geht zurück in die Bassa. Neue Leichen, neue Frauen und ein paar einheimische Polizisten, die viel von guten Freunden haben - aber nur wenig von amerikanischen Actionhelden. Man hat für alles Zeit, was wichtig ist im Leben, nicht nur für die Arbeit. Trotzdem schaltet jedermann vom üblichen Schlendrian auf Arbeitsmodus um, als es ernst wird und aus der Bassa-Kommödie eine Tragödie wird.


    Roversi, Jahrgang 1975, lebt in der Lombardei, arbeitet als Journalist in Mailand. Man merkt dem Buch an, dass sein Autor weiß, worüber und über wen er schreibt. Von Stil und Sprache will ich nicht reden, sondern von einer herzerfrischenden Schreibe. Man kann schmunzeln über die Figuren, die er sowohl in der Bassa als auch in Mailand auftreten lässt. Eigentlich nur Klischees, versteht Roversi es trotzdem, diesen Protagonisten die Prise italienischen Charme zu verpassen, die nötig ist, sie dennoch zu lieben.
    Einziger echter Makel: Klappentext und Titel versprechen mehr Action und Spannung, als das Buch hält. Hier hätte man mehr mit dem feinen Humor wuchern sollen, den das Buch bietet.


    Vier von fünf Sternen.

    Hallo,


    feiertagsbedingt (Haus voller Verwandtschaft) bin ich erst jetzt mit dem Buch fertig geworden. Hier noch mein Senf.



    Frühling auf der Insel und jede Menge Leichen im Keller

    Ein Mann wird auf brutale Weise ermordert. Eine Generation später taucht ein Nachfahre gleichen Namens auf der Insel auf. Auch andere Personen, jeder mit Narben auf der Seele, kommen auf die Insel: ein alter Mann, ein kranker Pornofilmer, dessen Sohn und Enkelkinder, Vendela auf der Suche nach Einhörnern … Es liegt bei jedem eine Leiche im Keller, und statt Frühlingserwachen und Neubeginn muss sich so Mancher seiner Vergangenheit stellen – ohne Aussicht auf eine bessere Zukunft.
    Was hart und actionreich begann, driftet sehr schnell in lange Rückblenden ab und in die Befindlichkeiten der Protagonisten. Besonders Vendelas Kindheitserinnerungen stellen all die Leser, die auf einen actionreichen Krimi gehofft haben, auf eine harte Geduldsprobe. Psychologisch sicherlich sehr interessant, jedoch ist der Leser gezwungen, sehr aufmerksam zu lesen und viele Details im Kopf zu behalten. Nichts für eine Bahnfahrt oder zum Schmökern nach Feierab end.

    Hallo,


    als man mir das Buch leihweise nahezu aufnötigte, wollte ich erst gar nicht. Dann war ich aber angenehm überrascht. Jenseits der üblichen Werwolfgeschichten ein Quantum Trost und die Aufmunterung, nach dem Licht am Ende des Tunnels wenigstens zu suchen, wenn man es schon nicht gleich sieht.


    Hier noch meine Rezi:


    Ein Quantum Trost und ein Sack voll Abenteuer


    Luisa und ihre Familie leben in Hamburg. Als der kleine Bruder an Krebs stirbt, verlässt die Familie fluchtartig die Stadt, siedelt nach Berlin über, um mit allem besser fertig zu werden. Dies scheitert gründlich. Luisa wird so depressiv, dass sie an Selbstmord denkt und auch versucht, sich in den Tod zu stürzen. Retter in letzter Sekunde ist Thursen. Diesen jungen Mann umgibt ein düsteres Geheimnis: Er ist ein Werwolf, kurz vor der endgültigen Verwandlung. Luisa gewinnt das Vertrauen seines Rudels, freundet sich mit einigen aus der Gruppe an. Zeitgleich findet sie im Nachbarstöchterchen einen Ersatz für den Bruder. Aber noch immer bestimmt die Trauer um den toten Bruder ihre Gefühle und damit ihr Leben. Erst als der Vater die Familie verlässt, Mitglieder des Werwolfrudels Jägern zum Opfer fallen, erwacht sie aus ihrer Lethargie, wird aktiv.


    Die Autorin beschreibt aus der Perspektive einer Siebzehnjährigen die Abenteuer einer langsam erwachsen werdenden jungen Frau, die sich von heute auf morgen in einer Welt zurechtfinden muss, die nur noch geografisch mit der normalen zu tun hat. Es ist ein Fantasyroman, der zwar den üblichen Mustern folgt, auf die üblichen Klischees weitgehend verzichtet. Die Handlung ist nachvollziehbar, die Figuren überzeugen. Melling schreibt zwar über das Leben von Teenagern, verzichtet aber darauf, in Jugendsprache oder gar in Berlin-Kanakisch zu fallen. Wenn das Buch auch für weibliche Jugendliche geschrieben wurde, so kann man es doch vielen anderen empfehlen, die gerade dabei sind, sich am eigenen Haarschopf aus dem Sumpf zu ziehen – oder dies tun sollten.

    Dolan, Harry: Böse Dinge geschehen; © November 2010, DTV München; ISBN: 9783423248129


    Wenn der Krimiautor einen Krimiautor erfindet


    Der wiederum damit beschäftigt ist, die Leiche eines Krimiautors verschwinden zu lassen – dann ist die Polizei nicht weit. Loogan zieht nach Ann Arbor und mietet sich dort ein hübsches Haus. Schnell bekommt er Kontakt zur örtlichen Literaturszene, schreibt ein Buch, arbeitet in einem Verlag, befreundet sich mit dem Verleger – und fängt ein Verhältnis mit dessen Frau an. Als er eines Tages von seinem Verlegerfreund Tom Kristoll gebeten wird, die Leiche eines Mannes verschwinden zu lassen, wird aus der Theorie schnell die Praxis.


    Es bleibt nicht bei einer Leiche, und schnell muss Loogan beweisen, dass Morde nicht nur in der Theorie sein Metier sind. Jeder erzählt plausible Geschichten, die sich nur zu schnell als perfekte Lüge entpuppen. Mit Kripofrau Elisabeth liefert er sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, bis beide es schaffen, das immer verwirrender werdende Rätsel zu lösen.


    Dolan siedelt seinen Krimi in der Literatenszene an. Damit tut er des Guten m. E. zuviel. Jede seiner Figuren – soweit sie Schriftsteller sind - erzählt perfekte Geschichten, der Hauptdarsteller agiert so souverän, dass er die Grenzen der Glaubwürdigkeit überschreitet. Bei einigen Nebenfiguren jedoch, da patzt Dolan. Eine Nachbarin, die einem x-beliebigen Mann Vertraulichkeiten auf die Nase bindet, einen wichtigen Schlüssel aus der Hand gibt, und ein Lagerarbeiter, der vor Dummheit kaum noch laufen kann, taugen zwar als Stichwortgeber – aber zu sonst nichts.


    Der Autor ist über sein Ziel eindeutig hinausgeschossen. Das tut dem Werk nicht gut. Die Spannung leidet unter den endlosen Dialogen, die Überperfektion macht alles steril. Man kann sich einen Elfenbeinturm-Gelehrten vorstellen, der am Kamin dieses Buch liest, aber nicht Otto Normalverbraucher in Bett oder U-Bahn beim ganz normalen Schmökern.

    Guten Morgen Felizitas,


    also bei mir haben gerade die Unterseiten nicht gewollt. Noch nicht fertig verlinkt - oder spinnt meine Kiste?


    Ansonsten schaut alles sehr liebevoll aus. Die Kids werden ihre Freude daran haben.


    Liebe Grüße
    Hagazussa

    Hallo ihr Lieben,


    gestern Abend war es soweit. Ein seltsam-schönes Gefühl, die eigene Stimme im Radio zu hören. Die Moderatorin hatte passende Musik herausgesucht, die zwischen den einzelnen Hörproben gesendet wurde. Dabei wurde sogar ein bisschen Musik hinterlegt, so fein und leise im Hintergrund. Es wurde auch mehrfach auf meine Homepage hingewiesen.


    Also, wenn die alle Autoren so bedienen ... Inzwischen ist auch das versprochene Autorenportrait online.


    http://www.radionds.eu/buch-marlene-geselle/


    So, und jetzt heißt es für mich, gleich eine Dankesmail rausschicken und abwarten, wie die Hörer reagieren.


    Liebe Grüße
    Marlene

    Hallo,


    ich habe auch einen Kutscher bekommen. Mein erster. Ich war angenehm überrascht, wieviel Arbeit der Autor in seine Protagonisten gesteckt hat.


    Hier noch meine Rezi:




    Sag mir wo die Guten sind



    Kutscher, Volker: Goldstein; © 9/2010 KiWi, Köln; ISBN 978-3-462-02438-2; Preis: 19,95 €



    Im Berlin des Jahres 1931 bekommt Kommissar Gereon Rath einen merkwürdigen Auftrag. Auf Bitten der New Yorker Kollegen soll er Abe Goldstein beschatten, einen Mann der als Mafiakiller gilt. Während Rath sich noch im Luxushotel bei der Beschattung langweilt, bekommt seine Dauerfreundin Charly Ritter Ärger mit einer Herumtreiberin namens Alex. Schon bald soll es drunter und drüber gehen. Kriminelle werden ermordet, ebenso Polizisten. Auf den Straßen wüten abwechselnd der rote und der braune Mob. Und schon bald stellt sich die Frage, was man diversen Ehrenmännern außer dem üblichen Maß an Korruption noch vorwerfen muss. Gereon und Charly müssen erkennen, dass sie nahezu alleine sind im Kampf gegen den allmächtigen Sumpf in der Hauptstadt.


    Der Autor entführt seine Leser in das Berlin der ganz frühen 30er-Jahre. Die Nazis beherrschen schon nahezu alles, während die Stadt an sich selber krankt. Es gibt bestenfalls ein paar Antihelden, einige Halbgute, aber einen wirklich Guten suchte ich vergebens. Aber das tut dem Buch keinen Abbruch. Im Gegenteil: Kutscher verfällt nicht in Klischees – sieht man von der Hundedame Kirie einmal ab – sondern zeigt die Figuren in all der menschlichen Vielschichtigkeit, die gut gemachte Protagonisten auszeichnet. Mehr als nur ein Krimi, ein Sittengemälde aus einer Zeit, die nichts mehr gemein hat mit den Goldenen Zwanzigern.

    Von Hakenkreuzen und gehakeltem Hering


    Georg Wertheim und seine Geschwister wachsen im Stralsund der Kaiserzeit unter den denkbar schlechtesten Bedingungen auf: arm und jüdisch. Tadde Abraham ist zwar das offizielle Oberhaupt der Familie, aber Mutter Ida muss den Laden schmeißen. Das tut sie so gut sie kann – will heißen: mehr schlecht als recht. Gehakelter Hering liegt öfter auf dem Teller, als allen lieb ist. Besser wird es für Georg und Bruder Hugo erst, als sie bei Onkel Wolf in Berlin in die Lehre gehen können. Dort zeigt sich schon bald, was in den jungen Männern steckt. Zurück in Stralsund machen sie von ihren Fähigkeiten Gebrauch und legen den Grundstock für das, was einmal der Wertheim-Konzern werden soll. Auch die jüngeren Geschwister werden früh ins Familiengeschäft einbezogen.


    Richtig los geht es aber erst, als die Familie nach Berlin umsiedelt. Hier mischt auch Mutter Ida kräftig mit. Aber es gibt auch familiäre Sorgen, an denen Georg beinahe zu zerbrechen droht. Immer wieder sind es die Frauen in Georg Wertheims Leben, die alles einrenken. Hanna Berger wird nicht nur die Liebe seines Lebens und tüchtige Büroleiterin im Hause Wertheim. Aber das Paar kann nicht heiraten, weil es ein dunkles Geheimnis zu hüten gilt. Mama Ida sorgt für eine standesgemäße christliche Ehefrau, und damit für den gesellschaftlichen Aufstieg der Familie. Selbst die verrucht daherkommende Schwägerin Gertrud Pinkus macht sich nützlich. Sie hält Georg und Hanna die Klatschpresse vom Leib. In den Hungerjahren ist es Ehefrau Ursula, die vom Familiengut aus fürs tägliche Brot sorgt – auch bei den ärmeren Schichten Berlins, die bei Wertheim billiges und gutes Essen kaufen können. Gehakelter Fisch kommt zwar immer noch gelegentlich auf den Tisch des Hauses Wertheim, aber nun essen ihn alle aus lieber Gewohnheit.


    Mit der Weimarer Republik kommt ein kurzer Aufschwung. Aber es lässt sich nur schwer leugnen, dass hinter dem Glanz so langsam aber sicher der Verfall einsetzt. Georg wird langsam alt, Hanna muss immer öfter das Ruder übernehmen. Jetzt macht sich schmerzlich bemerkbar, dass Eigenbrötler Georg es unterlassen hat, eine politische Hausmacht aufzubauen. Und als die Hakenkreuze überall wehen, ist der „Große Wertheim“ darauf angewiesen, von Ziehsohn Willi Carow und seinem einzigen Freund, dem Deutschbanker von Stauß, vor dem Schlimmsten bewahrt zu werden.


    Fazit: Pfaue und seine beiden Mitarbeiter haben das Buch nicht als offizielle Biografie angelegt sondern als einen Roman. Der Leser erfährt viel über das Berlin der Kaiserzeit und der Weimarer Republik, einiges über den Wertheim-Konzern. Aber trotzdem bleibt Georg Wertheim blass. Man muss sich mit den anderen Figuren des Buches genauer auseinandersetzen, um etwas über den Mann zu erfahren, der eigentlich die Hauptperson ist. Hier hätte ich mir mehr die Feder des Romanschreibers gewünscht als die Schreibmaschine des Journalisten. So hängt das Buch irgendwie zwischen Fisch und Fleisch. Alles in allem ein netter Lesespaß, aber die Leihbücherei halte ich für ausreichend.


    Vier Sterne.

    Klappentext:
    Roger Brown gilt als Top-Headhunter. Wenn er anruft, gehorchen die Bosse aufs Wort. Was niemand weiß: Brwon spielt ein falsches Spiel. Doch dann geht einer seiner Coups grandios daneben, und plötzlich wird er zum Gejagden.



    Über den Autor:
    1960 geboren, Schriftsteller, Musiker und Ökonom. Nesbo lebt in Oslo, wurde bekannt durch seine Krimiserie um den Ermittler Harry Hole.




    Kopfjagd andersrum


    Roger Brown ist als Headhunter einer der besten seines Faches und in der Regel damit beauftragt, den Besten für seinen jeweiligen Auftraggeber zu akquirieren. Clas Grewe ist einer seiner Wunschkandidaten. Was niemand ahnt, Brown ist nebenher auch als Kunstdieb unterwegs, während auch Grewe ein falsches Spiel treibt.
    Und noch ehe sich der Leser versieht, findet er sich in einem Irrsinn wieder, in dem jeder jeden jagt. Nur, dass die entsprechenden Köpfe nicht für Silbertabletts bestimmt sind. Eine untreue Ehefrau ist mit von der Partie, ein unzurechnungsfähiger Komplize mischt mit. Irgendwann taucht auch die Polizei in Gestalt eines sündschönen und bisexuellen Ermittlers auf. Die übrigen Gesetzeshüter können da nicht mithalten. Grottendumme Landpolizisten und Gerichtsmediziner, die weder den ungefähren Todeszeitpunkt ermitteln können noch merken, dass einer ihrer Kunden bereits aufgeschlitzt ist. So überlebt Brown mehr durch Zufall als durch irgendjemandes Geschick.


    Fazit: Nesbo lässt seinen Antihelden selbst erzählen, was dem Buch während der ersten drei Viertel seinen ganz besonderen Charme gibt. Man wartet förmlich darauf, dass Brown endlich eines aufs Großmaul bekommt, freut sich entsprechend. Leider lässt der Autor im letzten Viertel so stark nach, dass man bedauert, dass sein Headhunter am Schluss doch noch den Kopf auf seinen Schultern hat. Und der Prolog ist völlig überflüssig, nur der übliche Adrenalinhochschubser.

    Hallo Carina,


    für mich geht es konkret darum, das Buch einer Freundin zu schenken, die öfter mal mit Allergien zu kämpfen hat. Aber wenn auch bei Dir das Gold runterging, ist es wohl besser, ich schenke ihr ein anderes Buch.


    Danke für Deine Info.
    Hagazussa

    Hallo Carina2100,


    ich hatte das Buch ja auch über vorablesen bekommen.


    Eine Frage: Ging bei Dir der Golddruck auch gleich runter? Darüber hatte ich mich bei meinem Exemplar ein wenig geärgert, sieht das Buch so doch schon nach dem ersten Lesen schäbig aus.


    Liebe Grüße
    Hagazussa

    Hallo Connor,


    wie unglaubwürdig das Tempo ist, mit dem sich im Buch das Chaos ausbreitet, kann von uns glücklicherweise niemand sagen. Ist ja auch keiner wirklich scharf drauf.


    Was ich bis jetzt vermisse ist, dass die Figuren praktisch keine Versuche machen, mit der Außenwelt - und sei es auch nur mit der nächstgelegenen Kreisstadt - wieder in Kontakt zu treten. Zudem macht keiner den Versuch, nach Arbeitskollegen, oder schlicht auch nur nach der Arbeitsstelle als solche zu gucken. Gerade die Dörfler müssen doch in die Nachbarorte, nicht nur zum Einkaufen.


    Ich bin jetzt bei Seite 300, Evas Mann in Skandinavien taucht endlich wieder auf.


    Da ich eh gerade nichts anderes zu lesen habe ...


    Bis demnächst
    Hagazussa

    Guten Tag,


    ich habe das Buch auch von vorablesen bekommen, und bin jetzt ca. ein Drittel durch.


    Mein Zwischenergebnis: Etliche Längen, interessanter Plot, die meisten Figuren glaubwürdig, einige (der Pfarrer, die Schweitzer Künstlerin, der Anwalt als Kommunalpolitiker) holzschnittartig.


    Besser als der Durchschnitt, wenn auch nicht spitze.


    Mehr, wenn ich die 800 Seiten durch habe.


    Schönen Tag noch.
    Hagazussa

    Hallo,


    also ich bekomme viele meiner Ideen aus alltäglichen Situationen heraus. Brennholz poltert mit Getöse auf den Rasen - und ich stelle ich schon vor, wie wohl ein missliebiger Zeitgenosse so zu Tode kommen könnte. :licht


    Schönen Tag noch
    Hagazussa

    Guten Morgen,


    ich fands ja im Prinzip nicht schlecht. Aber bei Kampfszenen und Schlachtgetümmel gilt bei mir die Regel: In der Kürze liegt die Würze. Es las sich doch sehr nach einem gezielten In-die-Länge-ziehen, um eine bestimmte Seitenzahl zu erreichen.


    Da ich eh gerade fertig bin, hier meine Rezi druntergesetzt, die ich auch bei amazon reingesetzt habe.




    Von Kollateralschäden, Helden und einem Mythos


    Die Mitglieder der Delta-Einheit sind hart, sehr hart. Schließlich werden sie dann eingesetzt, wenn man für grobe Klötze äußerst grobe Keile benötigt. Als George Pierce, Freund des Delta-Chefs King um Hilfe bittet, lässt dieser sich nicht lange bitten und trommelt das Team zusammen. In der Nazca-Wüste werden alle schlimmen Erwartungen übertroffen. Die Hydra, welche bis dahin nur als Legende galt, wurde gefunden und gleich darauf gestohlen. Die Bösen sind schnell ausgemacht im Konzern des Tycoons Ridley und des Forschers Maddox.
    Ein Wettlauf gegen die Zeit und um den Globus beginnt: Peru, die Vulkaninsel Tristan da Cunha und das ansonsten beschauliche New Hampshire sind die Stationen eines kriegsähnlichen Wettkampfs, bei dem es extrem brutal hergeht. Hält man sich an die Sachschäden und Toten, so ist nicht auszumachen, wer die Guten sind und wer die Bösen. Es wird geballert aus vollen Rohren! Geheimnisvolle Helfer treten auf und verschaffen den Mitgliedern des Delta-Teams das Mittel, mit dem die Hydra doch noch besiegt werden kann. Auch Amor lässt sich ab und an blicken und schafft es in den Feuerpausen, auch noch den einen oder anderen Pfeil abzuschießen. Aber ob am Ende die Guten wirklich endgültig siegen??


    Robinson verlässt sich auf die üblichen Figuren des Genres, haucht diesen jedoch mehr Leben ein, als dies sonst üblich ist. Selbst die Bösen bekommen einige wenige liebenswerte Züge, während die Guten sich damit schwer tun, mehr zu sein als reine Kampfmaschinen. Ansonsten folgt die Handlung dem üblichen Schema und bietet nur wenige Überraschungen. Leider versucht der Autor, die Handlung durch endlose Schießerei-Szenen in die Länge zu ziehen und künstliche Spannung zu erzeugen. Dabei bekommt auch die Logik den einen oder anderen Treffer ab. Ein Flottenverband wird innerhalb weniger Stunden umdirigiert, um dann innerhalb weniger Minuten im Atlantik versenkt zu werden. Getötete Menschen kühlen binnen weniger Sekunden so stark aus, dass sie von den Infrarotgeräten nicht mehr erfasst werden können. Mit einem 25x59-mm-Geschoss wird der Kopf eines Gegners aus größerer Entfernung weggepustet, ohne dass Lärm entsteht. Hätte der Autor auf etliche dieser Szenen verzichtet, wäre das Buch besser gewesen.


    Fazit: Für die Liebhaber von Kampfszenen und Waffennarren ein absolutes Muss. Ansonsten ein etwas langatmiger Fantasy-Thriller, den man sich durchaus an einem verregneten Wochenende gönnen kann. Leihbücherei reicht völlig.