Beiträge von HeikeK

    Ich danke dir, liebe Schubi , dass du dieses Buch gelesen hast. Wir kennen uns ja schon sehr lange und ich freue mich immer, wenn du bei den Leserunden dabei bist. Man hat dir auch wirklich angemerkt, wie intensiv es für dich war, vor allem wegen Paul. Und ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass sich das mit deinem Sohn wieder einrenkt.


    Für mich war das Schreiben dieses Buches selbst etwas ganz Besonderes und Intensives, was wohl daran lag, dass ich mir ja normalerweise die Figuren frei ausdenke. Dieses Mal ging es also um das reale Leben von Personen, die vor gar nicht so langer Zeit gelebt haben. Man taucht da doch ganz schön ein und empfindet Dinge nach, die man als Schriftstellerin und Mensch gerne ändern würde. Beim zweiten Band war das nicht anders.


    Für eine Leserunde zum zweiten Teil stehe ich gerne wieder bereit.

    Die Frauen kommen mir ein wenig zu kurz, was machen die eigentlich die ganze Zeit???

    Ja, das habe ich mich auch manchmal gefragt. :wave Aus Ottos Aufzeichnungen wird ersichtlich, dass die beiden Schwestern Tilla und Lisbeth den Eltern den Haushalt machten. Dafür sind sie gut versorgt.

    Frauen hatten damals einfach keine besonders aktive Rolle. Natürlich gab es Ausnahmen. So, wie Nellie Bly, die ich als Vorbild für Fräulein Bosse genommen habe. Aber das war schon sehr ungewöhnlich. Immerhin bildet Theresia sich weiter, aber das ist – weil von ihr nur wenig überliefert ist – auch weitgehend Fiktion.


    Otto ist natürlich sehr auf die Firma und seine Geschäfte fokussiert.

    Auch nicht gerade der Traummann. ;-)

    Für die damalige Zeit war es ein absoluter Traummann, weil er sich um das Wohlbefinden der gesamten Familie sorgte. Männer, die viel arbeiteten und sich auch bei Schwierigkeiten nicht unterkriegen lassen, waren sehr gefragt. Stabilität und Sicherheit standen hoch im Kurs. Höher als die Präsenz und der geistige und emotionale Austausch.

    Zum Glück sind wir da heute weiter ... :lache

    Es hat sehr authentische Charaktere was ich ausgesprochen gut finde, auch wenn ich nicht mit allem einverstanden bin, was diese so von sich geben und machen.

    Aber dies muss ja auch nicht sein, denn wir wollen ja die wahre Geschichte lesen.


    Mir ging es beim Schreiben ganz ähnlich. Bei einem fiktiven Roman wären die handelnden Personen vielleicht versöhnlicher gewesen und mit Sicherheit hätte die Liebe von Otto und Theresia ein Happy End gehabt. Aber es war eine interessante Erfahrung, die Figuren so zu zeichnen, wie sie den Erzählungen und Dokumenten nach offenbar gewesen waren.

    Und es ist so traurig, dass es für Theresia und Otto nur eine kurze gemeinsame Zeit gab. :-(

    Fotos gibt es von Theresia wohl nicht viele?

    Das Foto auf dem Cover ist das einzige, das von ihr erhalten ist. Es stammt aus dem Vermächtnis ihrer gemeinsamen Tochter Thea.


    Vielen Dank für die Begleitung der LR HeikeK  :blume:knuddel1:wave

    Gerne. Vielen lieben Dank für‘s Mitlesen und Kommentieren. :knuddel1

    Also mich hat dieser Abschnitt doch sehr zwiegespalten und emotional zurückgelassen. Ich musste echt ein paar Tage drüber nachdenken, was ich dazu schreibe, und vor allem, damit ich dann auch weiterlesen kann.


    Natürlich geht es um Paul. Es ist ein hin und her bei mir. Im Moment pendelt es sich aber leider zum Negativen ein , wobei ich mir dann auch wieder sage, warum sind sie nach den zwei Jahren nicht wieder zurückgefahren? So wie sie es sich vorgenommen haben? Dann wäre sie in Obhut ihrer Familie gewesen und er hätte auch wieder zur See reisen können.


    Für Paul ist eine Rückkehr nicht so einfach. Dazu ist er viel zu stolz. Das wird auch an einer Stelle thematisiert. Er hat in Amerika nichts so richtig auf die Reihe bekommen. Und dann geht auch noch das Geld vom Schwiegervater verloren. Der Weg zurück ist versperrt, denn in der Heimat wäre er nur wieder das schwarze Schaf.


    Bei allem Freiheitsdrang ist Paul ja auch jemand, der sich immer wieder dem Willen der Familie beugt. Erst für seinen Vater, dann für Gertrud. Ich kann verstehen, dass da zwei Herzen in seiner Brust schlagen. Und auch, dass er die ganze Zeit mit sich und der Welt hadert. Denn niemand nimmt auch nur einen Deut Rücksicht auf ihn.


    Aber du hast natürlich recht. So, wie er reagiert, kann ja keine Lösung zustande kommen. Im Kopf war er schon lange fort.

    Dass ihr nichts zu Paul und Gertrud findet, liegt daran, dass in diesem Buch exklusiv etwas über die Familie enthüllt wird, das so noch nicht bekannt war. 8)


    Ja, die Beziehung hat es wirklich gegeben und die im Buch beschriebenen Vorkommnisse sind in der Familie überliefert. Begleitend dazu bekam ich Fotos und Dokumente, wie beispielsweise Heirats- und Geburtsurkunden zur Einsicht.

    Da ich wie immer sehr akribisch recherchiere, habe ich alle Fakten zusätzlich mit Blick in Passagierlisten, amerikanische Archive und historische Zeitungsberichte abgesichert. Was von mir erdacht ist, steht dann im Anhang.


    Mit was ich mich auch immer schwer tue in Romanen: mit den "Beim-ersten-Mal-Schwangerschaften". ;-)

    Gibt es ganz sicher und auch nicht wenige.

    Aber so oft wie in Romanen? ;)


    Deshalb auch meine Frage ob das belegt ist.


    Ob Paul nicht schon vorher bei Gertrud landen konnte und dies vielleicht das dritte oder vierte Mal war, das kann ich natürlich nicht sagen. :lache

    Fakt ist aber, dass Paul direkt nach der Zeugung nach Durban gefahren. Ich habe es also so interpretiert, dass Gertrud sich im Anblick der anstehenden langen Trennung endlich hingegeben hat.


    Ob sie damit rechnen konnten, dass doch etwas passiert? Zu der Zeit haben Eltern nicht mit ihren Kindern über Sexualität gesprochen, das war zu schambehaftet. Und in der Schule wurde das auch nicht thematisiert. Alles, was man wissen sollte, war, dass gewisse Handlungen erst nach der Ehe stattzufinden hatten. Das meiste wusste man durch "Hörensagen" und da wurde jede Menge Unsinn verbreitet. Gut möglich also, dass sie sich auf eine angeblich sichere Verhütungsmethode verlassen hatten.


    Durch die Familie weiß ich, wie sehr Gertrud sich ihren Paul zurechtbiegen wollte. Daher vermute ich, dass sie das als Druckmittel genommen hatte, damit er sie endlich heiratet.

    Dass Paul sich dafür entscheidet, das Kind anzuerkennen und dafür seinen Beruf aufgibt, war nicht selbstverständlich. Für damalige Verhältnisse war es die Tat eines wahren Kavaliers. :wave

    Mein Sohn ist im Moment ähnlich. Auf einem Selbstfindungstripp nach seinem beendeten Studium und überall und nirgends unterwegs. Eltern und Geschwister in dieser Phase nicht von Interesse. Ich weiß auch nicht, wo er im Moment ist. Daher interessiert mich gerade Pauls Werdegang.

    Das ist bestimmt keine leichte Zeit für dich. Ich drücke die Daumen, dass dein Sohn sich bald wieder meldet.


    Die bildlichen Beschreibungen nicht nur des Erdbebens, sondern generell von Land und Leuten gefallen mir wieder einmal sehr gut. Heike hat das wirklich ein Händchen für.

    Dankeschön :knuddel1

    Es ist wirklich sehr spannend, eure Überlegungen zu Paul zu lesen. Tatsächlich gibt es an dieser Stelle immer Leserinnen und Leser, die sich auf seine Seite schlagen, weil er am allerwenigsten seinen Weg gehen darf und andere, die seine Rebellion so gar nicht verstehen. Ich denke, es kommt darauf an, wie groß der eigene Freiheitsdrang ist.


    Damals war es ja nicht so einfach, sich gegen den Wunsch des Vaters bzw. der Familie durchzusetzen. Ein strenges Familienoberhaut wie Gertruds Großvater hatte oft die gesamte Familie unter seiner Knute. Gertruds Eltern hatten sich ja selbst nicht getraut, von der unehelich gezeugten Tochter zu erzählen. Ottos Vater hingegen ist für die Zeit recht lieb und harmlos. Immerhin lehnt er körperliche Züchtigung ab.


    Wir sind da zum Glück freier und auch reflektierter und wir haben keine Scheu, uns über unsere Wünsche und Sehnsüchte auszutauschen. Damals war es nicht üblich, über seine Gefühle zu reden. Das galt als ein Übertreten der Schamgrenze. So gab es auch viele unausgesprochene Erwartungshaltungen.

    Schön, dass dir Ottos Reisen um die Welt gefallen haben! :wave


    Was mich ein wenig irritiert hat, war die Erwähnung von Ebbe. Ich habe ein wenig gebraucht um zu erkennen, dass es sich dabei wohl um seine zweite Frau handelt (die ja auch im Klappentext zu Band zwei erwähnt wird).

    Hätte ich den Wikipedia Eintrag zu Otto und den Klappentext zu Band 2 gelesen, hätte ich das nicht so richtig nachvollziehen können. Wohl auch, weil ich den Kurznamen Ebbe für Elisabeth nicht kenne....

    Ottos zweite Frau wird im ersten Kapitel eingeführt, auf Seite 18 auch mit Erwähnung der Abkürzung. Aber dazwischen lagen ja auch etliche Kapitel ... ;)



    Ich fand es auch erstaunlich, wie Joseph es dann schafft, Otto davon abzuhalten nach Hause zu eilen. Da sieht man mal, dass es dann doch geht auf die Wünsche einzelner Rücksicht zu nehmen, nur bei Paul klappt das irgendwie nicht.

    Das ist ein Teil der damaligen Erziehung, die letztlich auch Otto und Joseph geprägt hat. Fordern und Fördern. Wer fleißig ist, wird belohnt. Die widerständigen Kinder aber, so wie Paul, werden mit Strenge bedacht, bis sie sich anpassen.


    Paul hatte mich während der Recherche am meisten überrascht. Es steckte so viel mehr in ihm, als in der Familie bekannt war.

    Gleich auf Seite 9 bin ich aber stecken geblieben, weil ich den Satz -ein Auszug daraus- ... als er das Schreiben der Friedhofskommission Nienstedten erkannte, das(s) er - entgegen seinen Gewohnheiten - ungeöffnet beiseite gelegt hatte,.... ist da nicht ein s zuviel?

    So was ... Da lese ich mit zig Korrektoren die Druckfahnen durch und es bleibt trotzdem ein Fehler hängen. Das ist wirklich ein Phänomen! Danke für den Hinweis.