Beiträge von epistel

    In älteren Büchern wird es oftmals bei deutschen Übersetzungen von Autotypen lustig. "Sedan" wurde gern als Automarke wie Ford gehandelt ("saß er in einem alten Sedan"), dabei bedeutet der Ausdruck nur so viel wie "Limousine". Kein Mensch konnte jemals ein Auto, das "Sedan" hieß, kaufen.

    Für mich hat das Buch überhaupt nicht funktioniert. Das lag nicht am überbordenden Pessimismus, sondern schlicht an der fehlenden Konsequenz.
    Wenn eine Hauptfigur wie Michel tatsächlich so denken und empfinden würde, wie im Roman dargestellt, gäbe es den Roman gar nicht - der freudlose Michel hätte sich bereits vor dem Buchanfang umgebracht, verständlicherweise.

    Klappentext:
    Paris: drei Männer - drei Wege.
    Verwoben in ein undurchsichtiges Geflecht, sucht jeder seinen eigenen Weg.
    Mathis Durand erhält psychologische Betreuung, um den zu frühen Tod seiner Tochter zu verarbeiten. Emil Legard bastelt daran, sich von seiner Mutter zu lösen, und endlich seine große Liebe zum Essen einzuladen. Capitaine Luc Morel beauftragt bewusst Durand und Legard mit dem Todesfall eines jungen Mädchens, im Alter von Durands Tochter - da kommt es bei einer Befragung zum Eklat ... Ein Spiel zwischen Macht und Ohnmacht beginnt!


    Erster Eindruck:
    Die einzelnen Kapitel, insgesamt sechs an der Zahl, sind relativ lang geraten, die Handlungsstränge und Schauplätze oft wechselnd, was einen ganz eigenen Drive erzeugt und das Gefühl entstehen lässt, mittendrin im Getümmel dabei zu sein. Ich kam problemlos in die Geschichte, durch die total gegensätzlichen Charaktere war immer gleich wieder der Bezug da. Es wird die menschliche und verletzliche Seite von "Amtspersonen" beleuchtet, auch abgebrühte Kommissare im Morddezernat sind eben keine gefühllosen Maschinen. Sie haben ihre heimlichen Sehnsüchte, ihre offensichtlichen Laster und auch - tiefsitzende Ängste. Bislang kann ich es empfehlen, ich habe das ebook.

    Immerhin wäre es tatsächlich ein Fortschritt, wenn alle Gerichte so funktionierten, wie beschrieben. Ich hatte damals mit "Genial kochen mit Jamie Oliver" glatt die gegenteilige Erfahrung gemacht, davon schmeckte kaum etwas richtig gut. Naja, Engländer in der Küche ...


    Für die schnelle Küche nehme ich darum lieber die Vorschläge vom Tim Mälzer ...

    Ich habe das Buch von einer begeisterten Freundin bekommen. Leider kann ich ihre Euphorie darüber überhaupt nicht teilen, denn das einzig gute an dem Buch ist die Idee und das Titelbild. Da liegt jemand ängstlich im dunklen Sarg und kann sich nicht erklären, wie er dahingekommen sein könnte. Uhaaa, voll gruselig, denkt man jetzt.
    Aber es kommt ganz anders. Es kommen viele Personen vor und fast immer, wenn die handelnde Figur wechselt, wechselt man auch in dessen eigene Sichtweise, ist also irgendwie in ihrem Kopf. Spannung kommt so gar keine auf. Dazu kommt, dass alle Gespräche sich ähnlich staksig anhören und keiner der Polizisten oder Verdächtigen seinen eigenen Sprechcharakter hat.
    Mich hat auch die Länge gestört, in der jede unwichtige Kleinigkeit beschrieben wird, als ob man damit verwirrt werden soll. Nach dem ersten Drittel mußte ich mich echt zwingen, weiterzublättern. Gelohnt hat sichs aber nicht.

    Meine (große) Urlaubslektüre ...


    Klappentext:


    Lucia ist eine rebellische Fünfzehnjährige, ein typischer Teenager. Hauptsächlich daran interessiert, ihre Haare zu färben, Einkaufen zu gehen, sich mit ihren Eltern zu streiten und ein wenig für den undurchsichtigen Nachbarssohn Quinn zu schwärmen. Doch ihre Jugend endet jäh, als ihr Vater, ein angesehener Literaturprofessor, bei einem missglückten Raubüberfall vor ihren Augen erschossen wird. Die Tat entfacht ein Inferno der Gewalt, das jeden zu verschlingen droht, der sich ihm in den Weg stellt ...


    Ich bin gespannt - ich liebe nordische Sagen ...

    Was an diesem Buch zuerst sehr negativ auffällt, ist ganz sicher das Cover: Es zeigt vor schmutzig-grünem Hintergrund blasse Rosenbüsche vor einem Fenster, was wohl romantisch wirken soll. Mir fällt dazu aber nur altmodisch, großmütterlich, spießig, total hausbacken ein. :rolleyes
    Dabei besteht der Inhalt aus frisch erzählten Kurzgeschichten über Feinschmecker, Liebe und Leid. Mir hat der Verzicht auf schnelle Gags gut gefallen. Wo es Humor gibt, bleibt für den Leser eher ein nachdenkliches Schmunzeln. Das gilt auch umgekehrt, in den gelegentlich tragischen Momenten. Immer bleiben ein kleiner Rest Hoffnung und ein entferntes "Augenzwinkern" (Klappentext), so dass man sich selbst mit schwerer Krankheit und baldigem Tod versöhnen kann.
    Gogolins Figuren, oftmals durchgeknallte Gourmets und dekadente Weinliebhaber, kämpfen gern bis zum letzten Moment um ein Fünkchen Zuneigung. Hinter der oberflächlichen Fassade gärt es immer, die Menschen sind nie das, was sie zunächst zu sein scheinen. Mir hat die Lektüre Spaß gemacht, auch wenn ich das Titelbild immer noch richtig schrecklich finde.

    Meine (sehr) kleine Urlaubslektüre:


    Klappentext:


    Häufig gespeist und noch öfter getrunken wird in Gogolins Kurzgeschichten, und das so erlesen, als hätte der Autor beim Schreiben sowohl einen Sternekoch als auch einem Sommelier über die Schulter geschaut. So beweist er einen exquisiten Geschmack - aber natürlich geht es nur vordergründig um die optimale Zusammenstellung von Mahlzeiten aus fester und flüssiger Nahrung. Spannender und nicht minder außerordentlich sind die verschiedenen Anlässe, zu denen Gogolin auftischt und die zwischenmenschlichen Verquickungen, innerhalb derer der Autor seine Figuren Tisch, Bett, aber manchmal auch nur die Fantasien teilen lässt. Am Ende serviert der Autor ein nahezu vollständiges „Menü des Lebens” zwischen Zeugung und Tod - manchmal schnoddrig und kauzig, mal liebe- und verständnisvoll porträtiert er seine Figuren und beobachtet mit einer schönen Würze aus Ernsthaftigkeit, Demut und Augenzwinkern die mannigfaltigen Facetten unserer Gefühlswelten.



    Das Cover ist grottig - aber ich bin ein Freund "flüssiger Nahrung": :bier

    Mich hat dieser Band wenig überzeugt. Liest man die ersten zwei Geschichten, denkt man noch "Wow, mal etwas anderes!". Es stellt sich dann aber doch schnell Ermüdung ein, weil man eine Art Muster erkennt und immer ziemlich früh ahnt, wer am Ende warum sterben muss. Eine einzelne Geschichte davon lässt sich aber gut lesen und auch genießen.
    Die Stories sind allesamt nicht nur kurz, sondern sie sind sehr kurz, was eine ausgefeilte Charakterisierung der Handelnden und Sterbenden ausschließt. Das ist oftmals schade, denn wer will schon nur mal eben ein paar Tatsachen um die Ohren gehauen bekommen?


    Ebenso kurz wie die Geschichten sind die Sätze, über weite Strecken finden sich nur Hauptsätze wie in Boulevardblättern, was ich auf Dauer als dermaßen anstrengend empfinde, dass ich nicht in die Stimmung hineinfinde. Insgesamt habe ich mich etwas geärgert, denn eigentlich liebe ich Kurzgeschichten.

    Ich fand dieses "Ende" sehr ansprechend, weil es mich gezwungen hat, über meine eigenen Wertvorstellungen und Taten der Jugend neu nachzudenken. Dass sich die politischen Auffassungen ändern (als Jugendlicher ist man Kommunist und wird mit dem Alter immer konservativer) ist bekannt, diese Idee, auch Gefühle und Wahrnehmungen als im Rahmen der Erinnerung einer krassen Veränderung unterliegend darzustellen, fand ich sehr spannend. Da bleibt die Frage, was Wahrheit eigentlich ist, ob es sie überhaupt gibt und falls ja, wie viele davon.
    Leider weist das Buch in einem zentralen Punkt einen ziemlichen Hänger auf, der einfach deshalb unglaubwürdig wirkt, weil die Verdrängung eines so wesentlichen Moments im Leben schlicht nicht sehr wahrscheinlich ist.
    Keine gute Idee ist auch der Versuch des Autors, unbedingt eine Lösung für die Geschichte anzubieten, die Sache aufzuklären. Mir hätte ein offenes Ende besser gefallen - trotzdem ist dieses Werk für meinen Geschmack eines der besten Bücher der letzten Jahre, unter anderem wegen der eher freien, assoziativen Erzählweise.

    Von Nicholas Evans hätte ich nach dem "Pferdeflüsterer" doch deutlich mehr erwartet. Für mich passten die Zeitsprünge einfach nicht zur ansonsten eher bedächtigen und wenig raffinierten Erzählweise. Davon abgesehen war es mir nicht möglich, mit den Hauptpersonen in irgendeiner Form mitzuleiden oder mitzufiebern, dafür ist die Schilderung einfach eine Nummer zu berichthaft und klischeebeladen ausgefallen.
    Vielleicht hätte mich das umfängliche Buch eher überzeugt, wenn sich der Autor nur einem einzigen oder auch zwei Problemen in aller Tiefe gewidmet hätte, statt derart viele Themen unterzubringen in der Hoffnung, so eine breitere Leserschaft zu finden.
    Merke: Wenn etwas allen schmecken soll, schmeckt es am Ende niemandem mehr.