Inhalt:
Die Polizei findet in einem leer stehenden Berliner Hochhaus einen sonderbar hergerichteten Frauentorso. Hauptkommissar Zollanger, der noch in der ehemaligen DDR die Verbrecherjagd lernte, ermittelt. Zollanger ist frustriert von der ausufernden Kriminalität und wachsenden Dekadenz der Hauptstadt. Eine zweite Leiche wird gefunden. Der ewige Ossi gerät unter Zeitdruck. Welch perverses Hirn denkt sich eine derart makabere Inszenierung des Todes aus? Oder geht es gar nicht um den Tod, den der Täter inszenieren will? Langsam versteht er die Denkweise des Bösen, enträtselt die ihm präsentierten Bilder und entdeckt die überraschenden Zusammenhänge.
Ihm begegnet Elin, eine junge Idealistin, die es ablehnt Autos zu benutzten und versucht sich der Konsumwelt zu entziehen. Die Vegetarierin und Außenseiterin benötigt Zollangers Hilfe. Elin glaubt nicht an den Selbstmord ihre Bruders. Schon bald befinden sich die beiden ungleichen Helden im Kreuzfeuer politischer Machenschaften. Ein Abgrund an Gier und Verrat tut sich auf.
Meinung:
Das Wichtigste vorweg: der Roman ist spannend erzählt, ein echter Pageturner mit interessanten Charakteren und einer sattelfesten Konstruktion versehen. Wolfram Fleischhauer wirft gleich Dutzendweise Ingredienzien einer kranken Gesellschaft in den Topf und kocht einen starken Thriller auf. Da wären unter anderem Stasi-Seilschaften, das Berliner Nachtleben in seinen buntesten Sexfacetten, die marodierende Finanzindustrie, Gesellschaftskritik, eine allgegenwärtige Korruption, das Thema Computersicherheit, Kunst und Kirche zu nennen.
Großartig die Darstellung von Finanzdienstleister Zieten, der bestens verzahnt ist mit Staatsanwaltschaft, Politik und der Hochfinanz, die mit ihren weltweiten Geldströmen längst das Ruder im Staate übernommen hat. Fein auch, die ums Recht kämpfende Elin, die sich dem Wahnsinn der Welt entgegenstellt und mehrfach von den Ereignissen überrollt wird. Sie wird in all ihrer Schwäche zu Zietens stärksten Gegenspielerin. Logisch, dass er Elin zu einem asozialen Element erklärt, dessen Leben keinen Pfifferling wert ist, während der Bankster gerade dabei ist den Berliner Haushalt für die nächsten zwei bis drei Generationen zum Schornstein seiner Villa herauszublasen.
Dieses Duo im Roman aufzubauen ist ein interessanter Schachzug von Wolfram Fleischhauer, zeigt er doch auf durch welche Methode, der Finanzwelt am leichtesten entgegenzutreten wäre, nämlich durch Bescheidenheit und ein gesundes Wertegerüst des Einzelnen.
Natürlich liegt hier auch eine Schwäche des Romans, das schwarz, weiß denken, beim Thrillergenre allerdings nicht unüblich. Und die liebe Moral, die ich nicht zu dick aufgetragen fand.
Insgesamt ein gelungener Roman. 8 von 10 Punkten.
