Beiträge von Luc

    Also, ich bin jetzt auf Seite sechzig. Die Geschichte wird sehr gekonnt aufgebaut. Die Sprache ist prägnant, fast schon ein bisschen zu Detailverliebt, was auf Kosten des Tempos geht. Ein brutaler Mord in Köln. Judith Krieger, unsere Ermittlerin, mitten im Geschehen. Ein amerikanisches Paar findet die Leiche, beim Hinhocken im Gras. Ansonsten ist ein schatzsucher unterwegs, den ich noch nicht einschätzen kann. Der Mörder, -ich nehme an es ist der Mörder- wird durch eine andere Schrift eingeführt. Rätselhaftes Innenleben. Keine Ahnung, worauf das genau hinausläuft. Vom Morden einmal ebgesehen. :lache


    Das Personal wird sauber eingeführt, vor allem der schmierige Journalist, die werden bei der Klönne auch immer jünger, dreister und gieriger. Wie im richtigen Leben. Der Roman entfaltet Spannung, keine Frage. Ich melde später noch einmal.

    Inhalt:


    Katja Rittmer, deutsche Elitesoldatin, gerät mit ihrer Einheit in einen Hinterhalt und überlebt verletzt. Ihren Kamerden ergeht es schlechter. Nichts Ungewöhnliches im staubigen Afghanistan der fundamentalistischen Selbstmordattentäter, der allzeit präsenten Taliban Krieger und marodierenden Stammesfürsten, die gegen Bargeld jeden Fremden, jeden Menschen außerhalb ihrer Familie verkaufen würden, wie ein Stück Vieh.


    Als wären diese fremdländischen Sitten nicht schon schlimm genug, findet Katja Rittmer den Feind im eigenen Land. Die deutsche Rüstungsindustrie und ihr herausragendster Protagonist. Wer sonst sollte den Feind mit derart überlegenen Waffentechnik ausgestattet haben? Eric Mayer, ein inzwischen für den BND arbeitender ehemaliger Mitstreiter der Rittmer, versucht Licht ins Dunkel zu bringen und stößt dabei auf Valerie Weymann. Die Anwältin, bekannt für ihren Gerechtigkeitssinn, beginnt misstrauisch geworden Nachforschungen bei ihrem neuen Auftraggeber anzustellen. Morde geschehen. Schon bald befinden sich Eric und Valerie im Fadenkreuz von Politik und Wirtschaft. Während Katja, von vielen grässlichen Kriegserlebnissen traumatisiert, nur noch eines will: Rache, indem sie den Krieg, der jeden Tag in ihr tobt, in die Heimat trägt.


    Meinung:


    Der Roman „Die Marionette“ hat die Durchschlagskraft eines Stahlmantelgeschosses. Ein sehr handlungsorientiertes Lesevergnügen mit einem erstaunlichem Informationsgehalt, der nachwirkt. Traumatisierte Soldaten, einst von staatlicher Seite losgeschickt, um die Freiheit Deutschlands am Hindukusch zu verteidigen, werden die jungen Männer und Frauen von den verantwortlichen Politikern allein mit Leid und Risiken gelassen. Der Krieg in Afghanistan, inzwischen längst zu einem Treppenwitz in der Geschichte verkommen, weil ungewinnbar und trotz aller Beteuerungen sinnlos, wird bestenfalls in geschäftlicher Hinsicht zu einem Erfolg, dessen Währungen Blut und Gewalt sind. Welche von Marionetten zu erbringen sind, die von Wirtschaftsführern und politisch Verantwortlichen ins Nirwana kaputter Seelen geführt und verbrannt werden.


    Der Roman ist ein blendend herausgearbeiteter Polit-Thriller, sprachlich prägnant, rasant und spannend erzählt, mit fein ausgearbeiteten Figuren, die niemals in ein Gut-Böse Schema gepresst werden, ein wahres Lesevergnügen für Genre Junkies, wobei auch die Liebe nicht zu kurz kommt.


    Hervorzuheben ist die Fähigkeit von Alex Berg gesellschaftliche Probleme im Spannungsfeld von Politik und Wirtschaft in ein Unterhaltungsbuch zu gießen und einen überdurchschnittlichen Pageturner zu kreieren, der Menschen bewegt und zum Nachdenken anregt.


    9 von 10 Punkten

    Ich habe fertig! :lache


    Das Ende ist im Prinzip vorhersehbar gewesen, dennoch spannend zu Lesen gewesen. Das allein ist schon einmal ein Kunststück. Katja stirbt. Bender kommt davon. Alles wie im richtigen Leben. :grin


    Fast hätte der Staat seine Soldatin dafür vor den Richter gezogen, weil sie einem verletzten Kameraden das Sterben erleichtert hat. Während die, für die Anschlagshärte verantwortliche Person, sich ein gesellschaftlich anerkanntes Rentnerleben unter Palmen gönnen darf, bemitleidet für sein Entführunsopferschicksal.


    Stark Martinez in seiner Auftragsmördermentalität. Auge um Auge. Zahn um Zahn. Amerika in Reinkultur. Die Entwicklung von Valerie über die zwei Romane hinweg gesehen ist stimmig, eine Heldin zwar, aber nicht im Korsett von Gut und Böse Denken verhaftet. Einfach eine moderne Frau, deren moralische Peilung noch Signale aussendet.


    Mir hat das Buch sehr gut gefallen, einzig die Waffenverkaufsgeschichte am Hindukusch ist etwas undurchsichtig, bis schwammig geblieben. Ansonsten eine gelungene Mischung aus Unterhaltung und Anspruch. Daumen hoch!


    :anbet

    Ein überragender Abschnitt! Katja tickt aus. Sie geht jetzt aufs Ganze. Rache für die getöteten Soldaten. Glaubhaft erzählt, die Gründe für ihre Krankheit. bender wirkt auf mich ebenfalls realistisch, auch in den stressigen Situationen, als Geisel.


    Ehrlich gesagt, hatte ich Zweifel, ob die Geschichte ihre Spannung halten kann. Ich bin eines besseren belehrt worden. Die Protagonisten geraten gehörig unter Druck. Valerie wird von Meisenberg erpresst und muss sich ihrem Mann stellen. Eric jagt der Vergangenheit hinterher, die ein unrühmliches Ereignis in Somalia enthält. Und überall gehen Bomben der Wut hoch, gezündet von einer im Stich gelassenen Kranken, die eigentlich dringend Hilfe benötigt.


    Der Staat ist der Feind, ausgehölt von wirtschaftlichen Interessen, ist er lediglich bemüht in der Öffentlichkeit ein Bild von demokratischer Legitimation und Anständigkeit zu vermitteln, die er in der Realität längst an der Garderobe einer Giergessellschaft abgegeben hat. Einen Krieg machen wollen und keine Verantwortung für seine Soldaten tragen... trauriges Deutschland.

    Nun bin ich mit den ersten zweihundert Seiten durch. Ein dubioser US-Senator wird ermordet. Eric Mayer scheint ins Lager der Bösen gewechselt zu sein. Katja verliert Chris an den Tod. Waffengeschäfte, bei denen über leichen gegangen wird. Das wirkt alle gut recherchiert, wobei Erics Täterschaft, für meinen Geschmack, von den Verantwortlichen etwas zu wenig hinterfragt wird.


    Nach dem Anschnitt stellt sich die Frage, ob ich jetzt schon alles weiss, einschliesslich des Haupttäters oder ob noch jemand im Hintergrund lauert. Die Entwicklung Katjas finde ich spannend. Dieses nicht mehr in der Welt der Normalbürger zurechtkommen können, die Zerrissenheit einer Person, die sich immer im Krieg befindet. Der Tod von Chris legt vielleicht endgültig einen Schalter um. Auch die Eric-Valerie Konstellation hat für mich seinen Reiz. :grin


    Ein besonderes Lob für das Herausgreifen des Themas. Der Bundeswehreinsatz in Afghanistan in all seinen Facetten. Deutsche Politiker schauen da gerne weg, wo sie gerade jemanden hingeschickt haben.

    Zitat

    Original von AlexBerg


    Dass du es wagst, dieses Bild zu übermitteln, während wir hier im Novembernebel sitzen ;-)


    Freut mich, dass dich die Lektüre endlich erreicht und dann auch gleich gepackt hat! :wave


    Hallo Alex,


    das Wetter ist im Gegensatz zu deinem Roman allerdings schwächer geworden. Ich bin auf Warmgetränke umgestiegen und lese, lese, lese. Was schon mal ein gutes Zeichen ist. Zu gerne möchte ich wissen, was es mit dem USB Stick auf sich hat, der Valerie übersendet wurde.


    Der Aufbau des Buches ist absolut gelungen, ich finde da nichts zu meckern. Bin schon gespannt auf die zu erwartenden Verwicklungen im Mittelteil.


    :wave

    Bei mir ist der Roman erste heute Mittag angekommen, bis ans Mittelmeer dauert die Lieferung immer etwas länger! :cry


    ich habe inzwischen dreissig Seiten gelesen und bin sehr angetan von dem prägnanten Schreibstil, der Sogwirkung, des Buches und dem Inhalt. Der Anfang ist Action pur. Ein Einsatz am Hindukusch. Soldaten geraten in einen Hinterhalt. Katja überlebt verletzt unter sonderbaren Vorzeichen. Eric Mayer, den ich bereits aus Machtlos kenne, übernimmt die Nachforschungen, welche nach Hamburg führen. Der Anfang ist sehr Handlungsorientiert und Spannungsgeladen geschrieben. Alles wirkt auf mich glaubhaft und lebendig erzählt.
    Dann noch dieses brandaktuelle Thema, den Bundeswehreinsatz im Ausland....


    Später mehr. Muss mit dem Merlot vor die Tür. :grin

    Inhalt:


    Die Polizei findet in einem leer stehenden Berliner Hochhaus einen sonderbar hergerichteten Frauentorso. Hauptkommissar Zollanger, der noch in der ehemaligen DDR die Verbrecherjagd lernte, ermittelt. Zollanger ist frustriert von der ausufernden Kriminalität und wachsenden Dekadenz der Hauptstadt. Eine zweite Leiche wird gefunden. Der ewige Ossi gerät unter Zeitdruck. Welch perverses Hirn denkt sich eine derart makabere Inszenierung des Todes aus? Oder geht es gar nicht um den Tod, den der Täter inszenieren will? Langsam versteht er die Denkweise des Bösen, enträtselt die ihm präsentierten Bilder und entdeckt die überraschenden Zusammenhänge.


    Ihm begegnet Elin, eine junge Idealistin, die es ablehnt Autos zu benutzten und versucht sich der Konsumwelt zu entziehen. Die Vegetarierin und Außenseiterin benötigt Zollangers Hilfe. Elin glaubt nicht an den Selbstmord ihre Bruders. Schon bald befinden sich die beiden ungleichen Helden im Kreuzfeuer politischer Machenschaften. Ein Abgrund an Gier und Verrat tut sich auf.


    Meinung:


    Das Wichtigste vorweg: der Roman ist spannend erzählt, ein echter Pageturner mit interessanten Charakteren und einer sattelfesten Konstruktion versehen. Wolfram Fleischhauer wirft gleich Dutzendweise Ingredienzien einer kranken Gesellschaft in den Topf und kocht einen starken Thriller auf. Da wären unter anderem Stasi-Seilschaften, das Berliner Nachtleben in seinen buntesten Sexfacetten, die marodierende Finanzindustrie, Gesellschaftskritik, eine allgegenwärtige Korruption, das Thema Computersicherheit, Kunst und Kirche zu nennen.


    Großartig die Darstellung von Finanzdienstleister Zieten, der bestens verzahnt ist mit Staatsanwaltschaft, Politik und der Hochfinanz, die mit ihren weltweiten Geldströmen längst das Ruder im Staate übernommen hat. Fein auch, die ums Recht kämpfende Elin, die sich dem Wahnsinn der Welt entgegenstellt und mehrfach von den Ereignissen überrollt wird. Sie wird in all ihrer Schwäche zu Zietens stärksten Gegenspielerin. Logisch, dass er Elin zu einem asozialen Element erklärt, dessen Leben keinen Pfifferling wert ist, während der Bankster gerade dabei ist den Berliner Haushalt für die nächsten zwei bis drei Generationen zum Schornstein seiner Villa herauszublasen.


    Dieses Duo im Roman aufzubauen ist ein interessanter Schachzug von Wolfram Fleischhauer, zeigt er doch auf durch welche Methode, der Finanzwelt am leichtesten entgegenzutreten wäre, nämlich durch Bescheidenheit und ein gesundes Wertegerüst des Einzelnen.


    Natürlich liegt hier auch eine Schwäche des Romans, das schwarz, weiß denken, beim Thrillergenre allerdings nicht unüblich. Und die liebe Moral, die ich nicht zu dick aufgetragen fand.


    Insgesamt ein gelungener Roman. 8 von 10 Punkten.


    :wave

    So jetzt bin ich am Ende angelangt. Ich fühle mich gut unterhalten. Die Geschichte hat ihre logische Auflösung erhalten. Schön fand ich, wie Elin, die eine sehr soziale Lebenshaltung vertritt, von Zieten und Konsorten zur "Asozialen" abgestempelt wird, während der Bankster gerade dabei ist den Finanzhaushalt, der Stadt Berlin zu sprengen. :grin



    Rezi folgt!

    Puh! das ist wirklich aufregend. Mit Zollangers Tod erreicht die Geschichte einen Höhepunkt, der nun irgendwie getoppt werden muss. Der Roman ist schliesslich noch nicht zu Ende. Momentan lese ich solche Bankster Geschichten schon gerne muss ich sagen. Das hat doch was. Zollangers Tod hat mich auf dem falschen Fuss erwischt. Ich suche nach einem neuen Bösewicht und bin auf eine mögliche Lösung verfallen, die ich erst einmal auf Stichhaltigkeit überprüfen muss.

    Ich rase nur so durch den Roman, liest sich spannend, obwohl es so wirkt, als wären die Hintergründe bereits klar. Also, ein einsamer Rächer bestraft die Dekadenz der Mächtigen und Zollanger ist in irgendeiner Form mittendrin. Der eigentliche Täter kann er nicht sein, da passen einige Details nicht, ausserdem wäre die Spannung endgültig dahin, wenn sich fortan alles nur um ihn kreisen würde.


    Elin macht einen entschiedenden Computerfehler und gerät ins Fadenkreuz, der bösen Buben. Deren herausragender Protagonist bislang Zieten ist, der lieber seine Tochter über die Wupper gehen lässt, als seine Schuld einzugestehen. Gelungen finde ich dieses Rätsel raten um die Bilder, im Zusammenhang mit den Morden.

    Durch Zollangers Kuttengeschichte wirkt der Mann natürlich dubios. Ist er das wirklich oder wird hier eine falsche Fährte gelegt. Insgesamt finde ich den Roman immer noch spannend. Elin, die tapfere treibt die Handlung voran. Zieten finde ich gut dargestellt, gerade wenn man an die aktuellen Ereignisse in der Bankenwelt denkt. Schöne Einblicke in das Leben von Absahnern und Profiteuren und ihrem Verhältnis zu Politikern. :grin


    Dafür Daumen hoch, auch wenn es ein bisschen sehr plakativ daher kommt. Der Schreibstil gefällt mir immer besser. Der Autor punktet mit treffenden Vergleichen und feinen Bildern. Ich hoffe der Roman Hat noch einige Überraschungen zu bieten.

    Der Anfang ist gemacht. Kommissar Martin Zollanger jagt einen offensichtlich geistesgestörten Mörder mit sonderbaren Zerstückelungsritualen. Ich finde Zollanger bislang interessant, ein frustrierter Ossi Bulle. frustriert, weil der Westen den Kampf gegen das Verbrechen aufgegeben hat oder das Feld studierten Psychologen überlässt, die Strafe für sträflich halten.


    Ganz fein, die kluge Elin. Ihr Bruder soll sich erhängt haben. Elin glaubt an einen Mord und versucht einen Gesprächstermin mit Zollanger zu bekommen. Elin ist eine starke Frauenfigur, voller Idealismus, unbeugsam und misstrauisch, was voreilige Schlussfolgerungen anbelangt. Fleisch kommt ihr nicht auf den Teller. Das Fahrrad ist für sie das einzig wahre Verkehrsmittel. Vorbildlich Elin! :grin


    Bis jetzt ein grundsolide geschriebener Roman mit eingestreuter gesellschaftspolitischer Kritik, spannend zu lesen. Am Anfang fand ich die vielen eingeführten Figuren etwas nervend. Ansonsten bin ich zufrieden mit dem Anfang, der sprachlich auf ansprechendem Niveau daherkommt.