Da würde ich auch gerne mitmachen!
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Da würde ich auch gerne mitmachen!
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Inhalt:
Maxwell Sim ist einsam, seine Frau hat ihn verlassen, die Tochter wird langsam flügge, der Vater, ein sonderbarer Verse-schreibender Lyrikkauz, dessen Geheimnisse später gelüftet werden, ist nach dem Tode der Mutter nach Australien gezogen, wo der depressiv, antrieblose Max ihn besucht. Ein ungewöhnliches Unterfangen für ihn, der eigentlich nur noch Facebookbekanntschaften pflegt, nachdem er auch seinen letzten Schulfreund vergrault hat. Nach dem fast sprachlosen Verwandtschaftsbesuch Down-Under ist Max erst einmal richtig zum Plaudern zu Mute und so labert er im Flugzeug ins heimatliche England seinen Sitznachbar zu, der daraufhin leider das Zeitliche segnet.
Daheim angekommen wird Max auf eine Werbekampagne eines Ökozahnbürstenherstellers aufmerksam gemacht. Vier Personen sollen in die entlegensten Regionen des Königreiches fahren, um das Heil biologisch einwandfreien Borstenmaterials zu verkünden. Begleitet wird Max einzig von seinem Navigationsgerät Emma, in das er sich alsbald innig verliebt. Begleitet wird er von der Vergangenheit, die er unterwegs zu klären versucht, so sie ihn denn einholt. So trifft er seine Exfrau Caroline, der es inzwischen gut wie nie geht, seiner Blackberry vertieften Tochter und einem kruden Haufen Einheimischer, unter denen sich Maxwell Sim wie ein Fremdkörper vorkommt. Einzig seine Fast-Exfreundin Alison verspricht ein bisschen Hoffnung für den frustrierten Helden...
Meinung:
Auf den ersten etwa einhundertfünfzig Seiten hat mich das Buch nicht besonders begeistern können. Klar, es ist sauschwer einen derart antriebsschwachen Charakter einzuführen, wie Maxwell Sim, der sich selbst sein Handy einfach widerstandslos wegklauen lässt. Aber auch der etwas hausbackene Schreibstil sorgt für weinig Unterhaltungswert in der Anfangsphase wohl gemerkt, nachher läuft der Roman wesentlich besser, teilweise brilliant. Aufregend über die gesamte Länge, ist vor allem die unglaubliche Ideenvielfalt des Autoren. Es wird nach und nach deutlich, wie die psychische Verfassung von Maxwell Sim zustande gekommen ist und tatsächlich kommt dann eine grosse Wende, die viel mit seinem Vater zu tun hat und der Kreis schliesst sich tatsächlich. Die unendlichen Ideenströme fliessen am Ende zu einem logischen ganzen zusammen. Einem Ende, vor dem der Leser mit einer Mischung aus Faszination und Achtung steht. Maxwells Sims Geschichte ist tragikkomisch, ironisch und erbarmungslos, was seinen Helden angeht. Ich bin zwar nie wirklich mit Max warm geworden, aber was die Story angeht: Hut ab! 7 von 10 Punkten.
Inhalt:
Für Valerie Weymann beginnt am Hamburger Flughafen ein Alptraum. Bei der Passkontrolle wird sie in Zusammenhang mit einem Anschlag in Kopenhagen verhaftet. Zunächst glaubt sie noch an einen irrtum, sie glaubt ihre Kinder, den Ehemann schon bald wiedersehen zu können. Der deutsche Nachrichtendienst dagegen glaubt, die Frau sei die Randfigur einer internationalen Verschwörung, die bald einen weiteren Anschlag in der Hansestadt ausführen wird. Gefahr ist in Verzug, für Valerie, für Deutschland, der amerikanische Geheimdienst schwört darauf und setzt alle Mittel ein, um Valerie zum reden zu bringen.
Meinung:
Allein schon für das Romanthema gebührt Alex Berg besonderes Lob. Seit den Ereignissen vom 11. September haben westliche Geheimdienste zur Gefahrenabwehr Befugnisse erhalten, die man bis dahin eher im Mittelalter oder im Südamerika der Nachkriegszeit verortet hätte. Jedes Mittel ist recht. Alex Berg setzt eine norddeutsche Anwältin dem Druck der Kerker aus, der gemeine Bürger glaubt bei gefangenen Arabern ohnehin, es würde schon irgendwie, irgendwann, den richtigen, sprich einen Terroristen treffen. Die Vorstellung jeder von uns könnte in eine solche verquere Lage geraten hat für mich seinen Reiz, sie holt den Horror in die Mitte der Wohlstandsgesellschaft, die auf alles eine Antwort hat. Bei Folteropfern meist ein Schulterzucken. Richtige Zumutungen sind für solch Sesselpupser schlechte Bücher, keine gequälten Menschen. "Machtlos" ist kein schlechtes Buch. Es ist auch kein perfekter Roman. Es ist ein Unterhaltungsbuch, ein Politthriller mit Anspruch, den es einlöst.
Alex Berg schreibt ungeheuer temporeich, sehr handlungsorientiert, wobei es ihr ausgezeichnet gelingt dem Personal Leben einzuhauchen. Ein echter Pageturner, bis kurz vor dem Ende, als dem Roman ein wenig die Puste ausgeht. Alex Berg fügt die Handlungsstränge sauber zusammen. Leider geht für meinen Geschmack dabei ein wenig der Biss verloren. Wie bei Thrillern nicht unüblich wird manchmal die Handlung zurechtgebogen, um die Spannung am köcheln zu halten. Aber, dass Ding unterhält einfach! Mit eingelöstem Anspruch. Bravo!
Mit dem Schlussteil bin ich etwas unzufrieden. ich finde es seltsam, dass der Folterer Martinez sein Opfer freilässt um danach nach Hamburg zu kommen. Müsste er nicht eigentlich Riesenangst vor der Strafverfolgung haben? Dann ist da das Auftauchen von Mayer in den Karpaten. Sein Alleingang finde ich ebenfalls unrealistisch und dass der fiese Ami gleich zweimal mit dem Leben davon kommt ist eigentlich nur damit zu begründen, dass er einfach in Hamburg auftauchen muss. ![]()
Auch verliert die Geschichte für mich deutlich an Tempo nach der Befreiung von Valerie werden die Handlungsstränge zwar allesamt zusammengefügt, was für mich allerdings noch keinen knalligen Schluss ausmacht. ![]()
Egal, insgesamt habe ich mich gut unterhalten. Die Terrorhysterie der letzten zehn Jahre wird fulminant aufs Korn genomen. Das Personal ist glänzend gezeichnet, mit leichten Abstrichen bei Valerie, die am Anfang ein bisschen zu defensiv für eine Anwältin auftritt. Der Schreibstil ist rasant. Die Auflösung, in sich stimmig. Herz, was willst du mehr? Siehe oben! ![]()
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Die Amerikaner betreiben in Rumänien ein Folterlager, in das Valerie geschafft wird. Das Grauen findet einmal nicht an einem Araber statt, bei denen Europäer davon ausgehen, das es es schon irgendwann den richtigen treffen wird, nein, hier wird eine deutsche Anwältin vergewaltigt und gefoltert. Einfach, weil es einem Geheimdienst, beziehungsweise einem frustrierten Geheimdienstmitarbeiter passt.
Die Gewaltdarstellung fand ich angenehm zurückhaltend. Beängstigend, wie verharmlosend die Politik mit den Vorgängen umgeht. Schöne Parallele zur Realität. Wir könnten schon ein bisschen helfen, aber nicht so kurz vor Weihnachten. Das Buch bleibt spannend.
So nun habe ich den zweiten Abschnitt durch. Es geschieht ein Anschlag in Hamburg. Es wird klar, dass Valerie nicht die volle Warheit gesagt hat. Sie gerät dadurch noch stärker ins Fadenkreuz der Ermittler. Auch weil der angebliche Täter des Terroranschlags ein alter Bekannter von ihr ist. In diesem Abschnitt wird die Geschichte sehr geschickt zugespitzt. Durch den Tod Safwans, die mich zunächst einmal konsterniert hat, gerät die Situation ausser Kontrolle.
Ein was, wäre, wenn, Buch. Gefällt mir ausgesprochen gut. Der amerikanische Wüterich wird von der Leine gelassen, wie ein Klon von G. Bush, halsstarrig, ohne Selbstzweifel und Skrupel werden Gesetze zum angeblichen Guten aller verbogen und gebrochen. Da wird der Finger in die Wunde gelegt, ob alles nach unseren Vorstellungen abläuft ist nicht die Frage. Alle ist vorstellbar. Die Realität ist oft noch schlimmer.
Das Buch ist gestern bei mir eingetroffen. Keine Ahnung, ob die Post zwischen Deutschland und Frankreich inzwischen wieder auf Kutschen und Pferde setzt, um die Umwelt zu schützen.
Nun denn. Eigentlich wollte ich nur ein bisschen in das Buch hineinschnuppern, bin dann aber wie gebannt sitzen geblieben, weil "Machtlos" eine Sogwirkung entfaltet, die seinesgleichen sucht.
Die gute Valerie wird am Hamburger Flughafen verhaftet, in Kopenhagen hat es einen Anschlag gegeben, in den Valerie, eine Anwältin, irgendwie verwickelt ist. Nun sitzt sie da in der Zelle, die Kinder traurig und verlassen Daheim, der Mann ahnungslos und erwehrt sich den Vorwürfen des amerikanischen Geheimdienstes, unterstützt vom BKA. Mir gefällt der Schreibstil der Autorin ausnehmend gut. Mir gefällt die rasche Einführung der handelnden Figuren, die Geheimnisse, die sich abzeichnen, ganz koscher ist die Valerie nicht. Sollte sie am Ende sogar eine Böse Valerie sein? ![]()
Ein Weihnachtsgeschenk? Da würde ich gerne mitlesen.
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Inhalt:
Es ist der zweite Wiesn Sonntag in München, als Oleg Blochin, skrupelloser Kommandeur einer russischen Elite Einheit, seinen Männern den Befehl gibt ein Betäubungsgas im ersten Festzelt freizusetzen. 70 000 Menschen werden zu Geiseln. Ihr Ziel: zwei Milliarden Euro. Ihr Gegner: Wolfgang Härter, verdeckter Ermittler beim militärischen Abschirmdienst. Die Zeit ist knapp, die Geiselgangster gehen mit grosser Brutalität zu Werke und arbeiten scheinbar fehlerlos ihren Plan ab.
Meinung:
Christoph Scholders Roman "Oktoberfest" ist gute Spannungsliteratur. Auf den ersten Hundert Seiten rollt der Autor die Vergangenheit einer verschworenen russischen Eliteeinheit, in den Wirren verschiedener Kriege auf. Durch Zeitsprünge wird die Beschaffung schweren Kriegsgerätes dargestellt, packend erzählt. Die Handlungsstränge, die am Anfang in Deutschland spielen wirken dagegen ziemlich farblos, einfach weil Karl Romberg und Werner Vogel alles andere als schillernde Persönlichkeiten sind und hausbacken herüberkommen. Danach, wenn es auf die Wiesn geht hat der Roman seine stärkste Phase und mit dem Auftauchen von Wolfgang Härter bekommt Oleg Blochin einen gleichwertigen Gegenpart. Blochin ist böse und clever. Härter ist gut und klug. Mehr Eigenschaften spendiert Christoph Scholder seinem Personal nicht. Die Figuren bleiben durch die Bank blass und platt. Hauptsache Spannung erzielen und das kann der Mann!
Mit einem stakkatoartigen Schreibstil jagt er durch die Geschichte. Ich kann nicht behaupten mich gelangweilt zu haben. Die pomadig erzählte Rückblende zu Beginn einmal ausgenommen. Manchmal fand ich sprachliche Skurillitäten und Übertreibungen, die in kein Buch gehören. Manchmal aber auch bissige Kommentare zu Politikern und Zeitgeist, in feinen Szenen verpackt.
Man könnte meinen der Autor habe das Buch vor allem als Vorlage für ein späteres Drehbuch geschrieben, so scheint manches aus nicht immer guten Action Filmen entlehnt. überzeugend die Ideenfülle, die saubere Auflösung, obwohl da vieles wie hingebogen scheint, konnte ich die Geschehnisse doch irgendwie nachvollziehen. Härter auf dem Oktoberfest. Ein klassischer James Bond Klon. Sicher eine Bestseller
7 von 10 Punkten
Am Ende laufen alle Fäden zusammen. Amelie ist mit dem fiesen Russen auf Sylt. Die Auflösung, warum Iljuschin so scharf auf die Schnalle ist, wirkt lau auf mich. Der Schlussteil ist eine Orgie an Zufällen, zusammengeschustert, hingebogen. Hauptsache es kann irgendwie so passiert sein.
So trifft Meier seinen Kumpel Vogel in der Kneipe und plaudert entgegen jeglicher Vernunft und Abmachung, den Aufenthaltsort von Amelie brühwarm aus. Vogel, ein Informant der Russen, hat glücklicherweise gleich eine passende Waffe dabei -erhat sie von den Russen- um auf die Nordseeinsel zu reisen. Seine Motivation kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Ihm muss doch klar sein, dass die Polizei längst im Anmarsch ist.
Der gesamte Roman baut unheimlich stark auf maximal durchgezogenen Effekten und dramatischen Momenten auf. Dabei leidet die Nachvollziehbarkeit. Natürlich muss die Fregatte am Ende die Feriensiedlung ausradieren. ![]()
Noch eines ist mir aufgefallen: ich verstehe auch nicht, wieso sich Blochin im Flieger, der Amelie Frau zu erkennen gibt, wenn er später doch in die Rolle seine Bruders schlüpfen will. ![]()
Den Bruderzwist, auf dem der Roman aufgebaut ist, finde ich generell eine gute Idee. Überhaupt mag ich, wenn ein Autor dicke Bretter bohrt. ![]()
Aber es gibt leider manches an diesem Buch, dass ich mager finde. Dazu später mehr...
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Der amerikanische Soldat kugelt Blochin den Arm aus. Schön, verdient hat der Russe es.
Amelie willigt ein, als Geisel auf die Wies'n zu kommen. Nun ja. Sie ist Journalistin, glauben wir einmal was uns der Autor da auftischt. Mich würde da der mut verlassen.
Iljuschin ist schon ganz verrückt darauf Amelie in Empfang zu nehmen. Einen richtigen Narren hat er an der Kleinen gefressen. Was das wohl zu bedeuten hat?
Die Russen auf der Flucht, es kommt zum Konflikt Blochin-Iljuschin. Afrika- ein Höhepunkt in dem Roman, der gedrungene Mörder rutscht aus und bricht sich die Halswirbel.
Mehr davon! Amelie erkennt in Oleg Blochin einen alten Bekannten. Komisch, warum er sich zu erkennen gibt. Meier findet heraus wo sich Amelie befindet.
Schön, die Gesangseinlage zum Schluss. Alles filmreif erzählt. Man hat ohnehin den Eindruck ein verdichtetes Drehbuch in der Hand zu halten. Tatsächlich wundert mich auch, dass ein Mann der Psychologie studiert hat so wenig für Figurentiefe übrig hat. Vermutlich war der Roman eine Therapie für den Mann
Ich finde den Stoff wirklich toll erdacht. Mal sehen, wie das endet.... ![]()
Mir ging es bei den Gewaltszenen übrigens auch so, dass sie mich wenig berührten. Dazu ist das Personal viel zu schablonenhaft, reinkonstruirt und blass, bei mir weckt da kaum jemand Emotionen. ![]()
Aber die Spannung bleibt. Das Prolog Geheimnis wird gelüftet. Samuel Stern ist der Tote. Der Mann wusste zuviel. Endlich wird klar woher Blochin seine Deutschkenntnisse hat, obwohl da vermutlich noch mehr im verborgenen lauert. ![]()
Wie Dr. Frühe zu Tode kommt finde ich total bescheuert, unglaubwürdig um genau zu sein. Die Verhaltensweisen der Person werden nicht stringent durchgehalten. Auch die Urs Röhli Passage finde ich ziemlich an Haaren herbei gezogen.
Der Bundeskanzler wirkt in dem Dialog mit Härter einfach unecht, sehr schwache Stelle, hätte nur noch gefehlt das Härter dem Mann erzählt, was des Morgens aufs Butterbrot kommt. Der Bundeskanzler ist viel zu defensiv gezeichnet. Das ist ein Machtmensch, verdammt noch mal. ![]()
Das die Bundeswehr das Zepter in die Hand nimmt mag man aufgrund der Vorkommnisse in München noch durchgehen lassen. Es wirkt auf mich in der vorliegenden Form Effektheischerisch, weil die angeblichen Plünderungen etc. nicht spürbar werden.
Dennoch liest sich das Teil weiter gut. ![]()
Also Hârter geht es nimmer. Die Russenbande setzt Minen in der Kanalisation ein. Held Härter mitten drinne im Gefecht. Der Mann gefällt mir. Er ist sachlich und geradlinig. Die Handlung überzeugt, die Spannung nimmt ständig zu, irgendwo im Hintergrund versteckt sich die Romberg geschichte. Bin schon gespannt, was es damit auf sich hat. Von kleinen Nörgeleien, die ich ablassen könnte einmal abgesehen, nimmt mich das Buch nun wirklich gefangen. Hut ab, die Konstruktion dieses Buches finde ich imposant. Mal sehen, wie die Fäden zusammen laufen. Das Buch wird immer stärker...
Super Wolke!
Freue mich schon!
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So jetzt geht es endlich richtig auf das Oktoberfest.
Der Roman legt deutlich an Tempo zu. Die Brutalität der Russen wird durch den Raketenangriff und den Einsatz von Giftgas hinreichend dargestellt. Mir gefällt diese Phase schon besser, auch weil Romberg und Vogel etwas in den Hintergrund rücken.
Irritationen löst bei mir die laue Reaktion der Festzeltbesucher aus. Da hätte ich eine Panik erwartet und das sie nun mit Bier verköstigt werden, verwundert mich. Die Politiker verhalten sich natürlich dämlich, vorschnell und unüberlegt, klar. Bald wird harter Fels auf blaues Feuer treffen. Dieses Gut-Böse Schema aus Karl May Tagen hält der Autor stramm durch. Der Schreibstil erinnert mich an ein bisschen an James Ellroy, dieses abgehackte Satzgewitter. Nur haben Ellroys Figuren viel mehr Substanz. Dennoch überzeugt mich der Roman langsam. Solide Spannungslektüre.
Die blutrote Covergestaltung fand ich gut, den Prolog auch, eine solide Thriller Einführung, von Blutgerinnung habe ich eh keine Ahnung! ![]()
Dann nimmt der Autor allerdings gleich das Tempo heraus. Noch kann ich keinen erkennbaren Grund dafür finden, warum ich derart viel aus der Vergangenheit von Vogel und Romberg erfahre. Zudem wird langweilig erzählt. Leider finde ich die beiden Charaktere blass und fade gezeichnet, obwohl in Romberg wohl ein Geheimnis schlummert. Schaun mer mal.
Die Zeitsprünge habe ich nicht als störend empfunden. Nur mit Romberg und Vogel werde ich einfach nicht warm. ![]()
Wesentlich besser finde ich die Speznas Einheit und ihre Anführer gelungen. Sie machen im Krieg auch vor Kindestötung kein Halt, sind stramm durchorganisiert, eine verschworene Gemeinschaft, von denen ich übles erwarte. Eine Stelle fand ich lächerlich: Glaubt jemand tatsächlich, dass es Männer gibt die ihr Vaterland mehr lieben, als Sex und Frauen?
Das ist verlogenes konstruirtes Gelaber vom Schlimmsten. Figurentiefe tendiert da wieder gegen Null, was bei einem Thriller mitunter zu verschmerzen ist. Härter ist am Ende vermutlich einfach nur härter. ![]()
Grundsätzlich finde ich den Spannungsaufbau durchaus gelungen. Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig. Manchmal verwendet der Autor solch seltsame Kurzsatzkombinationen, die ich bisweilen nervig und lästig, selten gelungen finde. Alles wird gut...
Magdalena ist Begleiterin einer deutschen Reisegruppe auf Elba. Eigentlich sucht sie dort ihren Vater. Ausgerechnet ein Italiener, hat Opa Rudi vor Jahren einmal zu seiner Frau gesagt. Opa Rudi bei dem Magdalena aufgewachsen ist, weil ihre Mutter Heidi früh verstarb. Das einzige, was Magdalena von ihrem Vater hat ist ein Foto mit der Mutti drauf. Offensichtlich in einem Lokal aufgenommen worden. Wie der Zufall so will findet Magdalena das Lokal auf Elba. Sie muss ihren Vater finden. Nach einem Verkehrsunfall kommt sie bei Nina und Matteo unter. Sie, eine fast krankhaft hilfsbereite Person, geheimnisvoll, schön und eigentlich zu klug, um in einem Club, am Tresen zu arbeiten. Er, der Nina jedes Mal genervt hilft mit den Hilfsbedürftigen und Beladenen, die sie dauernd aufnimmt. Magdalena nistet sich bei den Beiden ein. Bald will sie gar nicht wieder zurück nach Deutschland, wegen dem Papi, vielleit aber auch weil Daheim eine unglückliche Dreiecksliebesbeziehung wartet, ein strunzlangweiliger Job und ein Nest mit Namen Osterkappeln, was sicherlich für jeden Menschen ein Grund aum Auswandern wäre. Und so wird aus dem angedeuteten Spannungsroman, nach und nach, eine Entwicklungsgeschichte. Magdalena nimmt ihr Leben in die Hand, nebenbei bringt ihr ein argentinischer Gaucho das Scheibenschiessen bei, sie nimmt einen Job in der Gastronomie an. Was würde Opa Rudi von seiner Magdalena halten, wenn er von den Champagnerkelchen erfahren würde, die sich seine Enkelin vor dem Einschlafen runterkippt, als begösse sie ein trockenes Tulpenbeet mit Quellwasser.
Stefanie Gerstenberger zeichnet ihre Schauplätze ausserordentlich präzise. Zu Beginn hat mich der Schreibstil manchmal genervt, weil in Romanen nun wirklich nicht jede Badfliese beschrieben werden muss. Schieben wir es nach Sprachmacht der Gerstenberger zu, dass sie manchmal über das Ziel hinaus schiesst. Ihre Beobachtungsgabe ist enorm. Der leicht zähe Anfang gibt sich allerdings rasch und dann ist der Roman sehr unterhaltsam und richtig gut. Die Personen wirken so plastisch, als stünden sie neben einem im Raum, sie sind nie überzogen, ausgesprochen glaubhaft und haben Tiefenschärfe. Ob Nina, Magdalena oder Matteo alle haben ihre Laster, ihre starken und schlechten Seiten. Das Leben auf Elba wird in vielen Facetten liebevoll und prägnant geschildert. Aufgefallen ist mir neben dem ausgezeichneten Cover noch die gelungene Konstruktion des Romanes. Da läuft alles in der richtigen Spur, alles hat seinen Sinn, alles läuft auf einen überraschenden Ausgang hinaus. Mich hat das Buch wirklich positiv überrascht. Klasse!
Inhalt:
Laura Paddingtin trifft in England auf den Künstler Harry Winter. Der Maler verlässt seine Muse Florence, wie er jede seiner Liebschaften rücksichtslos beendet. Dieses Mal, um sich in Enthaltsamkeit zu üben. Laura begleitet ihn, ins Paris der Vorkriegszeit.Hitler wirft seinen Schatten vorraus. Harrys Künstlerclique spielt Wahrheitsspiele und lässt Partys steigen, die sie subversiv finden. Die schwangere Florence muss Harrys Kind abtreiben. Die Kunst ist wichtiger. Die Freiheit ist wichtiger. Laura ist wichtiger, die er dann aber mit Florence ein letztes Mal betrügt. Er und Laura ziehen in ein kleines Dorf nach Südfrankreich, wo sie bis zum Einmarsch der deutschen Truppen glücklich leben. Sie, seine Windsbraut, Er, der grosse Zauberer und Dada. Gemeinsam schaffen sie ein Kunstwerk, dass seinesgleichen sucht. Sie können es nicht gemeinsam fertigstellen. Harry wird von den Franzosen interniert. Laura verfällt dem Wahnsinn. In San Sebastian beginnt die Therapie. Harry gelingt die Flucht in die USA, wo er alsbald mit einer amerikanischen Gönnerin zusammenlebt. Laura und Harry treffen sich in den USA wieder. Sie hat inzwischen Roberto geheiratet. Gibt es ein zurück für die Beiden?
Meinung:
Ich habe einige Zeit gebraucht, um mich an Peter Pranges Schreibstil zu gewöhnen. Manchmal schrammt er hart am Kitsch vorbei, manchmal huscht er über er über die Gefûhlswelt seiner Protagonisten eilfertig hinweg. Beispielsweise, an der Stelle, wo Harry dafür Sorge trägt, dass Florence abtreiben muss. Mich hätte hier interessiert, welche Konflikte in den Figuren aufbrechen. Stattdessen stellt der Autor seinen Helden auf ein Podest und lässt ihn auf Florence herunter blicken. Laura lässt er dabei ganz aussen vor. Harry wird insgesamt gut getroffen, ganz wie so ein Künstler halt sein muss. Beliebt bei den Frauen, von der Realität gelangweilt, keine Grenzen akzeptierend. Im Kern egoistisch. Getrieben von der Kunst. Süchtig nach Geld und Ruhm.
Richtig warm bin ich mit dem Mann nie geworden. Mit zunehmender Dauer hat mir der Roman immer besser gefallen. Vorsicht Sogwirkung! Die geschichtlichen Hintergründe sind wunderbar eingearbeitet. Südfrankreich. Cornwall, New York, Paris, Lissabon, Spanien. Peter Prange lässt keinen reizvollen Spielort aus. Sprachlich ein sehr interessantes Buch, die Phase zwischen Realität und Wahnvorstellungen fand ich richtig gut. Das Ende mit Pawel fragwürdig. Ein gelungener Unterhaltungsroman, vor ernstem Hintergrund. 8 von 10 Punkten.
Mein Buch ist da. Vielen Dank an die Büchereulen. Bin schon gespannt auf die Leserunde.
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Da möchte ich gerne mitlesen!
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