Beiträge von Luc

    Bislang wirkt der Beginn auf mich tatsächlich wie ein Schreibversuch. Sprich: Helene Hegemann hat auf Seite eins nicht die geringste Ahnung gehabt, was auf Seite zehn stehen wird, ich meine das jetzt vom Handlungsverlauf her. Manchmal schreibt sie einen fesselnden, genialen Satz hin, dann säuft sie in ihrem eigenen Sprachgewitter ab. Sie ist unfähig ihre Gedanken zu untermauern, dafür betreibt sie einen gewaltigen Aufwand ihrem "Roman" Form zu verleihen und durch eine aufgebretzelte Sprache Eindruck zu schinden. Allerdings habe ich auch grossen Respekt vor ihrer Sprachbegabung. :anbet


    Die Drogengeschichten finde ich unglaubwürdig, die Charaktere bleiben blass, vieles ist einfach nur lächerlich, dann wieder eine flotte Parodie auf das Grossbürgertum, da kennt sich Helene Hegemann aus. :grin
    Alles in allem kein gelungener Einstieg.

    Der Anfang funktioniert bei mir überhaupt nicht. Unerträglich misslungenes Geplapper, selten lustig, nie tiefgründig. Die gute Helene versteht nichts von dem Aufbau einer Geschichte. Das hat natürlich auch etwas für sich. Mal was anderes. :lache


    Bislang halte ich lediglich immer nur häppchenweise durch. Sagen wir mal: nach Sieben Seiten brauche ich eine Pause. :grin

    Inhalt:


    Lucy Coulter wird tot auf einer Yacht gefunden. Warum hat die enthaltsame Frau einen so hohen Alkohohlpiegel im Blut? Wozu war sie auf dem Segelschiff? Zurück bleibt ihre verstörte Familie, ihr kriegstraumatisierter Mann Howard, der behinderte Sohn Kipper, Frankie und Ethie, die den meisten Teil der Geschichte aus der "Ich" Perpektive erzählte. Lucy stirbt am gleichen Tag wie Marylin Monroe. Der Roman spielt zu weiten Teilen in den sechziger Jahren, führt aber auch zurück in den zweiten Weltrieg, den Howard als Soldat für die Kanadier in Hongkong verbracht hat, wo er mit seinem besten Freund Gordy in Kriegsgefangenschaft geriet. Die Gründe für Lucys Tod müssen in der vergangenheit liegen. Ethie entdeckte eine seltsame Fremde, der sie mit ihrem behinderten Bruder Kipper folgt.


    Meinung:


    Zu Beginn hatte ich etwas Mühe mit Donna Milners Schreibstil. Howard wirkt noch sehr undurchsichtig in seiner Verschlossenheit und der Beginn seiner Soldatenzeit habe ich in anderen Büchern, mit anderen Protagonisten auch schon packender gelesen. überhaupt kommt die Hongkong Zeit über ein grundsolide nicht hinaus, obwohl sie interessante Ansätze hat. Zweites Manko ist die mangelnde Motivation, die den Geschehnissen auf dem Segelboot vorausgeht. Irgendwie passt da etwas für mich nicht zusamme, wenn ich an das Verhältnis von Lucy zu ihrer Familie denke. Ich möchte dass jetzt nicht näher ausführen, weil ich keine Spannung rauben möchte. Denn obwohl ich Zweifel an dem Ende hege war ich am Schluss restlos begeistert von dem Roman, die letzten hundertfünfzig Seiten habe ich in Rekordtempo gelesen. Donna Milner schafft es ungeheur einfühlsam in das Innenleben der Familie Coulter einzutauchen, die Konfliktlinien sichtbar zu machen. Die Charaktere werden wundervoll klar gezeichnet. Der Roman ist spannend, er heilt Wunden und hallt lange nach. Dafür meinen Respekt.

    Inhalt:


    Gabriel Allon, ein israelischer Mossad Agent und passionierter Kunstrestaurator befindet sich gerade in den Flitterwochen, als ein Mord an einem russischen Journalisten geschieht. Als er sich im Vatikan mit dessen Vorgesetzten treffen will passiert ein zweiter Mord. Wer steckt dahinter? Die Spur führt ins Russland, der Nachwendeaufsteiger und Milliadärproleten, der Scheindemokraten in den Parlamenten, die sich aus alten KGB Seilschaften rekrutieren. Die Spur führt zu Iwan Charkow, einem Waffenhändler, dem Skrupel so fremd sind wie gute Manieren. Über dessen Frau gelangt Gabriel Allon an brisante Informationen im Herzen der Macht.


    Meinung:


    Ich habe den Moskau Komplott wirklich gerne gelesen. Daniel Silva baut seinen Roman sehr gekonnt auf, wenn er sich auch etwas langsam entwickelt, ziehen die sprachlichen Fähigkeiten des Autors einen dennoch mit. Leider konnte mich die Hauptfigur, Gabriel Allon nicht gänzlich überzeugen. Er wirkt mir zu statisch, zu vorhersehbar. Ein James Bond Typ, dem alles gelingt, der alles weiss, der alles kann. Muss das heute noch sein? Zudem verliert sich der Autor zu Beginn generell in Schwarz Weiss malerei. Die Russen sind böse. Die israelis packen beherzt zu und wissen sich zu wehren. Die Amerikaner sind gut, sie sind richtig klasse, weil sie auf Seiten der Israelis sind. Die Engländer sind kauzig, die Franzosen schräg, wollen nur mit den lorbeeren der anderen prahlen. Der Rest der Europäer sieht die Welt aus den Augen von Weicheiern, schön, dass es Männer wie Gabriel Allon gibt, die die Welt im Lot halten. Irgendwie muss ich die Geschehnisse der letzten zehn Jahre falsch verstanden haben.


    Von Seite 120 nimmt die Rasanz des Romans enorm zu. Die Hintergründe über Russland sind extrem glaubhaft und nachvollziehbar geschrieben. Das Ende ist absehbar und deshalb ein kleines Ärgernis. Zwar führt der Autor alle Fäden wieder zueinander, aber die Auflösung ist mir insgesamt zu simpel. Was mir ausserordentlich gut gefallen hat, sind die politischen Hintergründe, die vor allem auf den letzten Hundert Seiten auch einen internationalen Rundumschlag erfahren. Selten besseres über die heutige Situation in Russland gelesen. Jedenfalls in einem Thriller. Ganz hervorragend auch die Einblicke in die Geheimdienstarbeit. Insgesamt ein gutes Buch, mit einem etwas pfiffigeren Schluss, wäre ich total zufrieden gewesen, über die Schwarz weiss Malerei kann man hinweg sehen. Jeder nach seiner Facon. :grin

    "Glückliche Ehe" ist die Geschichte einer fast dreissigjährigen Ehe, von ihren Anfängen bis zu ihrem durch Krankheit und Tod erzwungenen Ende. Es ist die Geschichte von Enrique und Margaret, die sich zu Beginn der siebziger Jahren in den Häuserschluchten New Yorks begegnen, er ein aufstrebender junger Schriftsteller, den Potenzprobleme plagen, sie eine gutsituirte pragmatische junge Frau, deren Lebensweg vorbestimmt scheint, alle Türen der Karriere stehen ihr offen. Als das literarische Wunderkind Enrique, der eigenbrötlerischer Schulabrecher Margaret begegnet ist er ein unsicherer Mann, allein sein Lebensweg macht Margaret Glauben sie hätte es mit einem durchsetzungsstarken Typen zu tun, der sich nimmt was er braucht und weiss war er will. Bald schon übernimmt sie das Kommando in der Beziehung. Er hat eine kurze Affäre, bleibt aber dennoch mit ihr zusammen, der Kinder wegen. Das Buch hat zwei Handlungsstränge einmal wird die Endphase Margarets Todeskampf geschildert, in dem sie ihn bittet ihm für die letzte Reise Hilfestellung zu leisten. Der zweite Handlungsstrang zeigt den Beginn ihrer Beziehung, die wichtigsten Konflikte, das aneinander reifen.


    Meinung:


    Auf Seite 391 steht ein wunderschöner Satz, der die Geschichte im Kern zusammenfasst: Das Leben hatte ihm Margaret geschenkt, um ihn zu heilen. Dabei ist "Glückliche Ehe" bei weitem keine romantische Schmonzette. Ganz im Gegenteil, das Leiden von Margaret wird in voller schärfe gezeigt. Rafael Yglesias taucht knietief in die Seelenlandschaft seines Protagonisten ein, als wäre er selbt einer der Beteiligten. Eine unglaublich gute stimmig erzählte Geschichte, sprachlich auf hohem Niveau. Ich war beim Lesen von den Socken, weil ich von dem Autoren nie etwas gehört, bzw. gelesen hatte. Sehr realitätsnahe Schilderungen des Ehealltags, eine packende Schlusssequenz, obwohl das Ende unvermeidbar ist. Die Spannung bezieht der Roman aus der Frage: gehen die beiden in Frieden auseinander? Was ist eigentlich eine glückliche Ehe? Ist das wirklich der Hollywoodkitsch, der dem Publikum via Leinwand präsentiert wird? Yglesias erzählt das vollkommen lakonisch, einfühlsam und prägnant. Wer heiraten will sollte sich dieses Buch als Warnung kaufen, aber auch als Ziel. Ein Klasse Buch!

    Am 24.02. 1964 wird in Los Angeles ein Geldtransporter überfallen. Vier tote Sicherheitsleute, drei tote Räuber bleiben am Tatort zurück. Die Tat bleibt unaufgeklärt, die Beute ist verschwunden. 1968 setzt die eigentliche Handlung ein, sie spritzt förmlich in alle Richtungen auseinander. Ellroy streift die Morde an John F. Kennedy und Martin Luther King. Howard Hughes will seine Geschäfte auf die Dominikanische Republik ausweiten. E. Hoover, Chef des Geheimdienstes lässt die Schwarzen Panther auskundschaften. Er lässt überhaupt alles auskundschaften. Nixon wird Präsident, auf anrüchige Weise. Auf den ersten Siebzig Seiten wird viel vergangenes abgehandelt, weil das Buch das Ende einer Trilogie darstellte. Das macht das Lesen nicht gerade leicht, zudem tauchen etliche Details und Personen aus den sechziger Jahren auf, die manchem Heute vielleicht unbekannt sind, wie Sonny Liston, dem Boxer oder Sam Giancana, einem Mafiapaten.


    Der Roman nimmt dann aber rasant an Fahrt auf und führt schließlich in die Eingeweide Amerikas, wo Rassismus eine Selbstverständlichkeit und Schwulenhass zum guten Ton gehört. Ein Kampf der niederen Instinkte, gegen die menschlichen Werte. Auf der einen Seite, die Idealisten, die Roten, auf der anderen Seite eine Traube von Hardlinern, denen die Zeit wegläuft. Es gibt keine richtigen Helden in diesem Roman, dafür einen Haufen pathologischer Fälle, wie Crutch den Voyeur, einen Schnüffler par excellence, ein Getriebener, wie der Autor. Oder Wayne, der zum Vatermörder wird.


    Meinung:


    James Ellroy schreibt, als feuere er Maschinengewehrsalven auf seine Leser ab. Ein wahres Stakkatogewitter an knackig kurzen Sätzen prasselt hernieder. Nach Hundert Seiten konnte ich das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Alles ist Gewalt in diesem Buch, die Sprache, das Innenleben der Figuren, ihre äußeren Handlungen. Wer nur einen Hoffnungsfunken hat, muss brennen. Kaum eine Seite, ohne Drogenmissbrauch, Sex und Hass. Fabelhaft, die Charaktere, das Schicksal zerteilt die Persönlichkeiten, wie eine Guillotine. Joan, eine ungewöhnlich stark gezeichnete Frau, deren Härte E. Hoover, wie einen Waschlappen erscheinen lässt. Das Verrückte ist, dass James Ellroy diese ganzen Handlungsfäden am Schluss nahtlos zusammenfügt. Alles geht auf. Alles geht unter. Außer… Ein tolles Buch!

    "Das ist das Problem mit der grossen Liebe- sie versaut einen für die kleinen"


    so steht es bei Michel Birbaek geschrieben. Der Mann kann ich einem kurzen Satz mehr Emotionen rüberbringen, wie manch bekannter Kollege auf dreihundert Buchseiten!


    Der Satz ist übrigens aus Nele und Paul

    Aufreger Literatur. Immerhin. Jean Louis Fournier schreibt über das Leben mit seinen beiden behinderten Kindern. So einfach kann man den Roman inhaltlich zusammenfassen. Was zu Anfang noch recht warmherzig klingt, in angenehm reduzierter Sprache rübergebracht wird, entwickelt sich schnell zu einem vor selbstmitleidtriefenden Anklageschrift, die sich vor allem gegen die Existenz seiner Kinder richtet. Das wird wohl auch von vielen Lesern, als der eigentliche Skandal begriffen und alle kaufen fröhlich.



    Ich kann das Buch aus zweierlei Gründen nicht empfehlen. Zum Einen gehen mir nach kürzester Zeit diese Abhackkapitel auf die Nerven, die nie länger als eine Seite sind, die geschickt auf zwei Seiten aufgegliedert werden, um den Roman aufzublasen. Zur Erklärung das Buch ist lediglich 155 Seiten lang, wenn man die vielen Leerstellen mitzählt handelt es sich um nicht mehr als Hundert Seiten Literatur. Der zweite Aspekt, der viel tiefgreifender ist: Mir ist selten ein Buch in die Quere gekommen, bei dem ich mehr Ekel vor dem Ich-Erzähler gefühlt habe. Es trieft nur so von hedonistischem Selbstmitleid und selbstherrlicher Arroganz. Durch die Behinderungen seiner Kinder hat Fourniers Selbstbild offensichtlich ernsthaft Schaden genommen. Jammerlappen Literatur vom Schlimmsten! Er wünscht sich förmlich den Tod der Kinder herbei, weil sie nicht in seine Norm passen, weil sie Arbeit machen. Geld kosten, nicht vorzeigbar sind. Seinen Status nicht erhöhen, sogar ankratzen. Schliesslich arbeitet Fournier beim Fernsehen, wie er mehrfach betont, um sich ins rechte Licht zu setzen. Das Buch hat Null Humor. Selbst die eigentlich Hundert Buchseiten fand ich zu viel für diese Art der Vergangenheitsbewältigung, in der vor allem die Schwächsten die Schuld tragen. Fournier, der noch ein drittes Kind gezeugt hat, obwohl die Risikofaktoren ihm da ja nun hinlänglich bekannt waren ist der Types eines modernen Menschen gelungen, dem jede ausserberufliche Anstrengung zu viel ist. Bei dem nur der Schein zählt. Ein selbstverliebter Zyniker, der jeden lieber Tod wissen möchte, der seinem Blick nicht Stand hält. Nichts für mich.

    Inhalt :


    Am Rheinufer wird ein Leichnam gefunden. Die Mordkommission Köln ermittelt. Schon bald findet Jerry Crinnelli heraus, dass die Leiche ihm nicht zufällig ähnlich sieht, zudem Opfer einer Mordserie ist. Die Spur führt direkt ins Herz der Mafia, nach Kalabrien, dem Land der Omerta, des tödlichen Schweigens, dem Land seines Vaters und dessen krimineller Sippschaft. Crinelli sieht sich mit seiner Vergangenheit und einem Mörder konfrontiert, der immer einen Schritt voraus ist und keine Skrupel kennt.


    Meinung :


    Werner Köhler hat mit seinem Helden Jerry Crinelli einen notorisch aufsässigen, zupackenden Charakter erschaffen, der seinesgleichen in der deutschen Krimiszene sucht. Sein Held mag von Italienern abstammen, verbinden tut ihn nichts mit dem Herkunftsland seiner Eltern. Er hat weder die Sprache gelernt, noch würde er jemals seinen Urlaub im Stiefel verbringen wollen.


    Die Geschichte ist spannend aufgebaut, perfekt durchkomponiert und liefert Hintergrundinformationen über die Vorgehensweise der Mafia in Deutschland, ohne jemals den Dampf vom Kessel zu nehmen, sprich langatmig zu werden. Denn Köhler schreibt Temporeich, konsequent Handlungsorientiert und trotz emotionaler Wirrungen des Protagonisten, in sich schlüssig.


    Das Ende war für mich nie vorhersehbar, absolut glaubhaft, von genialer Einfachheit, es liess mich mit einem kleinen Schmunzeln zurück. Dazu punktet der Roman mit formidabler Recherche, feinem Schreibstil und stimmigen Charakteren. Manchmal hätte ich mir etwas stärkere Figurenzeichnung, mehr Tiefe gewünscht, es sei dem Genre geschuldet.


    Bravo!


    :anbet

    Hallo Werner,


    danke für deine rasche Antwort. Ich warte dann nur noch auf die Verfilmung des Stoffes. Keine Ahnung, wer da die Hauptrolle des Crinelli spielen könnte :grin


    liebe Grüsse


    Luc

    Hallo Werner,


    Gratulation zu dem gelungenen Buch. Chapeau! Bislang kannte ich Crinelli noch gar nicht und bin ziemlich von den Socken.
    "Werner Köhler schreibt spannender als John Grisham" möchte ich formulieren. Das ist kein Geschleime, gefällt mir wirklich besser, was du schreibst.


    Meine Fragen:


    Seit wann schreibst du? Wie entstand der Kontakt zu Kiwi? Hat deine Leidenschaft zu gutem Essen dein Leben französischer werden lassen? Und wenn wir gerade dabei sind: auf welchen Gemüsemarkt gehst du am Liebsten einkaufen? Und damit verbunden: Hast du in Kalabrien persönlich recherchiert? Quasi Trüffel gesucht und Mafia gefunden.


    Noch eine Anregung. Ich wäre auch an deinen "nicht" Krimis interessiert. Finde aber keine Leseprobe bei Kiwi. Können die daran nicht mal was ändern?


    Liebe Grüsse aus dem Süden Frankreichs


    Luc