Beiträge von claudi-1963

    Zeruya Shalev, 1959 in einem Kibbuz am See Genezareth geboren, studierte Bibelwissenschaften und lebt mit ihrer Familie in Haifa. Ihre vielfach ausgezeichnete Trilogie über die moderne Liebe – «Liebesleben», «Mann und Frau», «Späte Familie» – wurde in über zwanzig Sprachen übertragen. Zeruya Shalev gehört zu den bedeutendsten Erzählerinnen unserer Zeit.

    Lebenslügen und Schicksale verändern das Leben


    "Das Leben kann nur in der Schau nach rückwärts verstanden, aber nur in der Schau nach vorwärts gelebt werden." (Søren Kierkegaard)

    Bei Atara die mit ihrem zweiten Mann Alex verheiratet ist, scheint sich in letzter Zeit eine Ehekrise anzubahnen. In ihrer Verzweiflung sieht sie nur noch das Negative bei Alex, derweil hat sie ihn doch einmal so geliebt und sogar für ihn ihren ersten Mann Doron verlassen. Sorgen macht sie sich auch um ihren Sohn Eden, der sich immer mehr zu Hause vergräbt nach seinem letzten Einsatz als Elitesoldat. Dann erfährt sie am Sterbebett ihres Vaters Meno von seinem großen Geheimnis über seine erste Ehefrau Rachel. Deshalb sucht sie die 90-Jährige auf, um mehr über ihren Vater und ihre Vergangenheit bei der Lechi zu erfahren, wo beide gekämpft haben. Das dann allerdings bei ihr das Schicksal erbarmungslos zuschlägt, ahnt sie hier noch nicht.


    Meine Meinung:
    Auf über 400 Seiten schildert die Autorin die Geschichte der beiden Frauen Rachel und Atara und sie offenbart ihre Verbindung, die zwischen diesen beiden noch völlig unbekannten Frauen steht. Es ist eine Zusammenfassung von familiären Lügen, Geheimnissen, Gewalttaten und Schicksalen, die sich in dieser Geschichte widerspiegelt. Rachel, inzwischen 90 Jahre alt, hat in ihrer Jugend für die Lechi gekämpft. Die Lechi war eine radikal-zionistische paramilitärische Untergrundorganisation in Palästina während des britischen Mandats. Sie führten terroristische Anschläge gegen die britische Besatzungsmacht durch. Dabei kamen auch einige ihrer Kameraden ums Leben, unter anderem Atara Schamir, dessen Tod Meno so zugesetzt hat. Viele Jahre lang dachten sie nur die Briten wären ihre Feinde, derweil gab es noch weitere Feinde in ihrem Land. In dieser Zeit treffen Rachel und Meno aufeinander, sie heiraten und verlieren sich in dieser Zeit wieder. Ihre Erlebnisse werden als großes Geheimnis vor ihren neuen Familien gehütet. Darunter wird Meno zum anerkannten Wissenschaftler, allerdings auch zu einem brutalen, herrschsüchtigen Sadisten, unter dem seine Familie zu leiden hat. Dass es schon mal eine Atara in seinem Leben gab, darüber verliert er kein Wort. Erst kurz vor seinem Tod weiht er seine Tochter ein, dass es schon einmal eine Ehefrau in seinem Leben gab. Zeruya Shalev zeigt hier, wie es Menschen geht, die mit Lebenslügen aufwachsen, verbittert sind über einen Vater, der anscheinend keine Liebe für sie übrig hatte. Kein Wunder, dass Atara Rachel aufsucht, um mehr über ihn aus der Vergangenheit zu erfahren. Bei den Autofahrten zu Rachel macht sie sich Gedanken über ihr eigenes Leben, die Entwicklung ihrer Ehe mit Alex, und dem seit kurzem so verschlossenen gemeinsamen Sohn Eden. Interessant ist dabei zu sehen, wie nicht nur das Schicksal Rachel und Meno auseinanderbrachte, sondern vor allem, wie es bei Atara zuschlägt. Dabei frustriert mich mitunter Ataras Charakter, der oft so voller Wut, Anklage und Negativem ist. Die Autorin veranschaulicht die Ängste von Müttern, die ihre Kinder an die Religion verlieren, um dabei zu lernen, dass man sie loslassen muss. Außerdem veranschaulicht sie, dass man nach einem Schicksalsschlag sein Leben in die eigene Hand nehmen muss. Sie stellt unter anderem ein Israel dar, das früher vor Vision, Mut, Ideale und Kraft strotze und heute eher geprägt ist durch Hektik, Gereiztheit, Enttäuschungen, Missgunst, Desorientierung und Ängste. Bemerkenswert ist dabei, dass Zeruya Shalev die Lechi rehabilitiert, Ehen nicht beschönigt, aufzeigt, wie zwei junge Männer zum Glauben der Väter zurückfinden statt zu zerbrechen. Manche Szenen allerdings haben mich dabei etwas überrascht, aber vor allem entsetzt, deshalb gibt es von mir 8 Eulen.
    :thumbup:


    ASIN/ISBN: 3827011868

    Anne Töpfer ist das Pseudonym der Autorin Andrea Russo. Sie schreibt auch als Anne Barns. Vor einigen Jahren hat sie ihren Beruf als Lehrerin aufgegeben, um sich ganz auf ihre Bücher konzentrieren zu können. Wenn Andrea Russo mal nicht schreibt, findet man sie in der Küche, wo sie an neuen Backrezepten für ihre Bücher arbeitet. Weiteres unter: http://www.andrearusso.de


    Am Ende sind es immer die Freunde die zu einem halten


    "Was man tief in seinem Herzen besitzt, kann man nicht durch den Tod verlieren." (Johann Wolfgang von Goethe)

    Der schmerzliche und unverhoffte Verlust, den Sarahs Mutter nach ihrem Unfall hinterlassen hat, kann sie noch immer nicht begreifen. Nur gut das Sarahs Freundin Doreen, die sie schon aus Kindertagen kennt, ihr in all dem Schmerz behilflich ist. Bei der kreativen Töpferin in der Boddenlandschaft Vorpommerns findet Lehrerin Sarah wieder neue Kraft und Hoffnung, um sich eine neue Zukunft aufzubauen. Bei der Beerdigung lernt Sarah ihre Großtante Rosa kennen, von der sie bisher nichts wusste. Diese bittet Sarah, sie in Nürnberg zu besuchen, da es um einige Familienangelegenheiten ginge. Als Sarah dann erfährt, dass sie ein Haus in Nürnberg geerbt hat, ist sie überrascht. Doch was sich dann in Nürnberg erfährt, damit hätte sie niemals gerechnet.


    Meine Meinung:
    Das Cover mit den verlockenden Törtchen lässt einem das Wasser im Mund zusammenlaufen. Und so ist es natürlich klar, dass es in Anne Töpfers Buch nicht nur um Trauer, Verlust, Freundschaft und ein Familiengeheimnis geht, sondern ebenso um leckere Kuchen und Rezepte, die man zum Teil am Ende des Buchs wiederfindet. Nach dem Roman "Das Brombeerzimmer" folgt nun das zweite Buch, bei dem es um Verlust und Trauer geht. Doch selbst wenn es um ein dramatisches Schicksal geht, gibt es doch viele humorvolle Akzente und wir treffen auf einige Personen aus dem ersten Buch. Diesmal geht es allerdings auf keine der Inseln der Nord - oder Ostsee, sondern in die Boddenlandschaft Vorpommerns, die besonders durch Fauna und Flora auffällt. So ist es nicht verwunderlich, dass die Autorin mich wieder einmal mit auf eine Reise nimmt und wenn es nur in Papierform ist. Die schönen Beschreibungen des Lokalkolorits machen die Bücher der Autorin immer zu kleinen Urlaubserlebnissen. So kommen bei mir wieder einmal Urlaubsgefühle hoch, die ich regelmäßig bei ihren Büchern erlebe. Die innige Freundschaft von Sarah und Doreen hat mich sofort verzaubert, ich denke über so eine tolle Freundin würde sich jeder freuen. Besonders Doreen mit ihrer herzlichen offenen Art kann Sarah bei ihrem Verlust und der Trauer helfen und das, obwohl sie doch selbst in ihrem Leben so viel Schlechtes erfahren musste. Mit Cafébesitzerin Mandy lernt sie eine weitere sympathische Frau kennen, die außerdem die Gelüste der beiden Freundinnen auf Süßes stillt. Außerdem treffen sie auf Doreens Nachbarn Bernd, einem nörgelnden Stinkstiefel, der sich dann jedoch zu einem herzensguten Kumpel entwickelt und ihren Freundeskreis erweitert. Natürlich darf die Liebe ebenfalls nicht zu kurz kommen, die hier in Form einer kleinen Hundedame namens Daisy eingeläutet wird. Hier allerdings kommt es noch zu kleineren Missverständnissen, die erst von den Freundinnen geklärt werden müssen. Als großer Überraschung gibt es dann noch ein Familiengeheimnis, mit dem ich so gar nicht gerechnet habe. Das sich dabei die nette, sympathische Rosa ins Gegenteil verwandelt, hatte ich ebenfalls so nicht vermutet. Am Ende bin ich über den Ausgang noch nicht recht glücklich, den einiges bleibt offen und ungeklärt. Doch wer Autorin Andrea Russo als Anne Töpfer oder Anne Barns kennt, der weiß, dass sie ihre Romane und Charaktere gerne weiterführt und entwickelt. Von daher erwarte ich natürlich eine Fortsetzung mit den beiden Freundinnen Sarah und Doreen. Am Ende freue ich mich noch über hilfreiche Rezepte, wie die leckeren Traumstücke, den Sharbah und ein Hustensaft, von dem alle im Buch erwähnt wurden. Deshalb gibt es von mir 10 Eulen für diesen leichten sommerlichen Schicksalsroman.
    :thumbup:


    ASIN/ISBN: 3548290655

    Die gebürtige Hamburgerin Anja Marschall lebt seit vielen Jahren mit ihrer Familie im Westen Schleswig-Holsteins, wo sie als Journalistin und Autorin arbeitet. Sie initiierte den ersten Krimipreis für Schleswig-Holstein, ist Mitglied im SYNDIKAT sowie bei den »Mörderischen Schwestern«.


    Glückstadt zwischen Intrigen, Macht und einer Katastrophe


    "Stets sind die Leute bereit, die Schuld ihres Niederganges und ihres Elends anderen zu geben." (Peter Rosegger)

    Glückstadt 1894:

    Nach dem Untergang des Schiffs "Revenge", das Kapitän Hauke Sötje als Einziger überlebt hat, fordert man, das er zu seiner Verantwortung steht. Dies heißt einen ehrenvollen Freitod, den er jedoch nur vollzieht, wenn er sich zuvor am Grab von Frau und Kind verabschieden kann. Allerdings angekommen in Glückstadt wird er erst in eine Schlägerei und später dann in einen Mord verwickelt. Mithilfe des Grafen von Lahn kann er aus der Haft befreit werden, weil dieser seine Hilfe benötigt. Bei einem Brand des Möbelfabrikanten Struwe lernt er seine Tochter Sophie kennen. Als Struwe wenig später sich das Leben nimmt, ist sie Hauke sicher, das hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Irgendwer hat ein Interesse, die neugegründete Heringsfischerei AG zu sabotieren. Hauke Sötje versucht Schlimmeres zu verhindern, indem er sich selbst in Gefahr bringt.


    Meine Meinung:
    Das Cover mit den historischen Schiffen stimmt mich auf den ersten Band der Hauke-Sötje-Reihe ein. Dieses Buch wurde als Neuauflage zur passenden Reihe gedruckt. Es erschein schon 2012 unter einem anderen Verlag als "Fortunas Schatten". Der Schreibstil ist, wie ich ihn bisher von der Autorin kenne, wieder einmal lebhaft, informativ und sehr gut recherchiert. Auffällig sind vor allem die zeitgemäßen Artikel über jedem Kapitel, die sich die Autorin in mühevoller Arbeit aus dem Archiv der Glückstädter Zeitung zusammengesucht hat. Der hier ehemalige Kapitän Hauke Sötje möchte vor seinem Freitod noch einmal das Grab seiner Familie besuchen. Durch eine Schlägerei und einen Mord wird er allerdings schon wieder zum Verdächtigen degradiert. Wie mir scheint, möchte jemand ihm unbedingt was anhängen, um ihn loszuwerden oder ist Hauke Sötje einfach ein Pechvogel? Anderseits scheint er immer zur Stelle zu sein, wenn man ihn braucht. Den ohne ihn würde der Seemann Hinnerk wohl nicht mehr leben und der Brand der Möbelfabrik wäre sicherlich viel verheerender ausgefallen. Mit Einsatz seiner ganzen Kraft versucht er immer sein Bestes zu geben, was sicherlich daran liegt, dass er sowieso nichts mehr zu verlieren hat vor seinem Freitod. Dann allerdings lernt er Sophie Struwe kennen. Eine junge Frau die so ganz anders ist als die Frauen zu dieser Zeit. Sie ist klug, eigenwillig, hat Ziele vor Augen, die ihrem Vater so gar nicht passen. Den dieser möchte für Sophie einen guten Ehemann, der zudem seine Möbelfabrik weiterführt. Allerdings hat Sophie ein Geheimnis und das Schicksal meint es nicht gut mit der Familie Struwe, den nach dem Brand der Fabrik folgt ein Unglück nach dem anderen. Lediglich Hauke hält zu Sophie und ist sich sicher, dass jemand seine Hand im Spiel hat. Dass die weitreichenden Spuren auch zu ihm führen und er es mit Intrigen und Spionage zu tun bekommt, ahnt er da noch nicht. Wieder einmal konnte mich die Autorin mit ihrem interessanten historischen Kriminalfall begeistern. Besonders die authentischen Begebenheiten in Glückstadt, die lebensechte Darstellungen und Hintergründe teils mit realen und fiktiven Personen haben mich wieder einmal beeindruckt. Mitzuerleben, wie die Menschen am Ende des 19. Jahrhunderts gelebt und gehandelt haben, begeistert mich, seit ich diese Reihe verfolge und lese. Dazu ein starker, sympathischer Ermittler und eine freundliche, charmante Frau, die man einfach ins Herz schließen muss und diese Reihe für mich bedeutsam macht. Dass die beiden einen recht großen Altersunterschied haben, war mir nicht bewusst, da 21-jährige Sophie für mich deutlich älter wirkt. So kann man reale Historie verpacken, dass es dem Leser Spaß macht. Dass es dieses Feuer in Glückstadt wirklich gab und noch vieles weitere aus dem Buch, habe ich bei einer Autorenlesung erfahren. Für mich steht Anja Marschall als Garantie für gut recherchierte historische Kriminalfälle und ich hoffe, dass diese Reihe noch viele Überraschungen auf Lager hält. Ich jedenfalls kann die gesamte Reihe weiterempfehlen und gebe für dieses Buch 10 Eulen.
    :thumbup:


    ASIN/ISBN: 3740810165

    Dania Dicken, Jahrgang 1985, schreibt seit der Kindheit. Die in Krefeld lebende Autorin hat Psychologie und Informatik studiert und als Online-Redakteurin gearbeitet. Mit den Grundlagen aus dem Psychologiestudium schreibt sie Psychothriller zum Thema Profiling. Bei Bastei Lübbe hat sie die Profiler-Reihe und "Profiling Murder" veröffentlicht, im Eigenverlag erscheinen "Die Seele des Bösen" und ihre Fantasyromane. Die Thriller-Reihe um die angehende FBI-Profilerin Libby Whitman ist ihr neuestes Projekt. Aktuelle Informationen: http://www.blog-und-stift.de


    Allein die Liebe kann den Schmerz überwinden


    „Die Angst kann die Liebe nicht besiegen, die Liebe jedoch wird die Furcht besiegen; in naher oder ferner Zeit.“ (Sri Chinmoy)

    Nach den heftigen und traumatischen Erlebnissen mit dem Serientäter Vincent Howard Bailey leidet FBI Agentin Libby Whitman noch immer unter den Folgen dieser Ereignisse. Außerdem muss sie warten, was aus ihrer Suspendierung wird. Den ein Ende beim FBI wäre für Libby eine Katastrophe. Natürlich geht an Owen das Ganze ebenfalls nicht spurlos vorüber, doch er unterstützt Libby, wo es geht. In seinem Dienst bekommt er es mit dem Mord an einem jungen Drogenabhängigen zu tun. Als Owen später unverhofft vom Dienst suspendiert, glaubt Libby an ein Versehen. Doch als man ihn wenig später wegen Korruption und Amtsmissbrauch verhaftet, kämpft Libby wie eine Löwin, um seine Unschuld zu beweisen. Dabei entdeckt sie, wer hinter all dem steckt und kann es selbst nicht fassen.


    Meine Meinung:
    Dieses dunkle Cover zeigt eine Art verschlossene Wunde, die heilen muss und passt daher sehr gut zu Libbys derzeitigem Zustand. Den sie wurde in der letzten Folge nicht nur extrem physisch, sondern vor allem psychisch verletzt. Dass sie primär mit den psychischen Verletzungen nicht alleine klarkommt, wird ihr spätestens bewusst, als sie von Kalifornien zurück nach Hause fliegen. Den jetzt wird ihr so richtig klar, dass sie dahin zurückgehen, wo alle Erinnerungen wieder hochkommen. Kein Wunder also, das die beiden dringend ein neues Zuhause brauchen. Täglich wird sie außerdem an Bailey erinnert, schon alleine, wen sie sich im Spiegel betrachtet. Wie soll sie da erst mit Owen über alles reden, wenn sie selbst noch nicht mal weiß, wie sie mit all dem fertig werden soll? Deshalb geht sie auf die Suche nach einem Therapeuten schon alleine, weil sie von ihren starken Tabletten wegkommen möchte, die sie gegen die ihre Ängste und Albträume nimmt. Dass allerdings Owen dann wegen Korruptionsverdacht verhaftet wird, setzt Libby erneut zu. Zum Glück unterstützt sie Owens Partner Benny, der ebenfalls an seine Unschuld glaubt. Mit dem achten Band hat die Autorin hier eine ganz andere Art Thriller geschrieben. Hier ist es besonders wichtig, dass man die Folgen davor kennt, um Libbys Ängste und Schmerzen besser nachvollziehen zu können. Den diese hat sie den Ereignissen der letzten drei Bände und besonders von Band sieben zu verdanken. In den Fängen eines brutalen Sadisten musste sie selbst erleben, was die gefolterten Frauen mit dem Täter mitgemacht haben. Das so etwas nicht spurlos an einem vorübergeht und man zur Tagesordnung schreitet, das zeigt uns die Autorin in diesem Buch. Bei Therapiesitzungen zeigt sie und wieder einmal ihre ganzen Kenntnisse in Sachen Psychologie. Gerade deshalb ist diese Folge vielleicht nicht ganz so fesselnd wie sonst, jedoch genauso interessant. Hart wird es erst für sie als sie einige Tage später auf den inhaftierten Owen verzichten muss, gerade wo sie ihn doch so dringend braucht. Halt und Verständnis findet sie zum Glück bei Owens Kollege Benny und bei Nick. Außerdem kommt mit Therapeut Michael eine Vertrauensperson dazu bei der Libby lernt, mit den Folgen der Folter umzugehen. Um Owens Unschuld zu beweisen, läuft Libby zur alten Form auf und kämpft wie eine Löwin. Selbst wenn die Konzentration hier auf Libbys Traumabewältigung liegt, konnte mich dieses Buch überzeugen. Weil es dem Leser zeigt, dass Polizisten nicht nur Helden sind, sondern sie genauso Menschen sind, die unter den Folgen von Verbrechen zu kämpfen haben. Und selbst in Owens Fall, der hier nur einen kleinen Part einnimmt, spielt Libbys Traumabewältigung eine Rolle. Trotz ihrer Verletzlichkeit kann sie hier wieder ihr ganzes Können zeigen. Für mich ein Buch, das überrascht, jedoch durchaus wichtig ist. Es zeigt mir, dass man alles schafft, wenn man nur die Kraft und den Mut hat, es anzupacken. Deshalb von mir 9 Eulen.
    :thumbup:


    ASIN/ISBN: B08XXVWY1Y

    Martin Cruz Smith, 1942 in Philadelphia geboren, gelang mit dem Thriller »Gorki Park« ein Weltbestseller, der auch in der Verfilmung mit William Hurt und Lee Marvin ein Millionenpublikum begeisterte. Seither hat der russische Ermittler Arkadi Renko eine große Fan-Gemeinde. »Die Spur des Bären« ist der 9. Roman in der erfolgreichen Thriller-Reihe.


    Russischer Ermittler auf Bärenjagd


    "Gib einem Bär Honig, und du wirst deinen Arm einbüßen, wenn das Vieh Hunger hat!" (Bertolt Brecht)

    Moskaus bester Ermittler Arkadi Renko macht sich Sorgen um seine ehemalige Geliebte Tatjana Petrowna, die nicht in dem Zug war, den sie angekündigt hatte. Als Journalistin ist sie hinter einer großen Story her und deshalb nach Sibirien gereist, um den Opponenten Michail Kusnezow zu interviewen. Dieser gilt als skrupelloser Mensch und größter Gegenspieler Putins. Rasend vor Eifersucht und Angst begibt sich Renko auf die Reise in das eisige Sibirien. Auf dem Flug lernt er Rintschin Bolot kennen, seines Zeichens Faktotum, der Renko seine Dienste in Sibirien anbietet. Gefährlich wird es, als er auf den Unternehmer Boris Benz trifft und sie zusammen mit Bolot und Tatjana auf Bärenjagd gehen, bei der er sich wichtige Informationen erhofft hat.


    Meine Meinung:
    Der neunte Thriller von Ermittler Arkadi Renko war für mich das erste Buch von Autor Martin Cruz Smith, der 1981 durch "Gorki Park" populär wurde. Hätte ich geahnt, dass mich dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite nur langweilt, hätte ich die Finger davon gelassen. Wieder einmal hat mich der Klappentext fasziniert, doch leider wurde ich enttäuscht, weil dieser mehr versprach, als er halten konnte. Der Schreibstil selbst ist langweilig, die Handlung unglaubwürdig und das Ende einfach nur eine Beleidigung für den Leser. Dazu noch die vielen Leerstellen zwischen den Kapiteln, bei dem man das Buch unnötig verlängert hat. So besteht das Buch im Grunde selbst eigentlich nur aus 200 Seiten. Die erwähnte Bärenjagd war so schnell abgehandelt und nahm nicht einmal 30 Seiten Raum ein. Alles andere empfand ich eher verwirrend und als großes Durcheinander. Am Schluss könnte ich nicht einmal mehr wiedergeben, was der Autor mir hier erzählen wollte. Ungewöhnlich und irritierend ist für mich außerdem das Faktotum Bolot, der einfach mal so dem Ermittler seine Dienste anbietet. Wer bitte tut das jemand Fremden, den man gerade erst im Flugzeug kennenlernt, seine unentgeltlichen Dienste anbieten? Der Ausdruck Faktotum wird in dem Zusammenhang dann noch viele Male im Buch erwähnt, sodass mich dieses Wort am Ende nur noch genervt hat. Der Bär, mit dem sie es bei der Jagd aufnehmen müssen, soll eine Länge von neun Meter haben. Schon alleine dies erstaunte mich doch sehr und fand ich total übertrieben. Noch nie habe ich von so einem monströsen Bären gehört. Leider fehlte mir beim Plot selbst der rote Faden und vieles empfand ich eher nichtssagend und kompliziert. Dagegen wird das Nebensächliches oft zu ausführlich behandelt und aufgebauscht. Als sich sein Faktotum Bolot später dann noch als Schamane herausstellt, fand ich das einfach nur noch unpassend und lächerlich. Die Protagonisten selbst blieben allesamt für mich blass und unscheinbar.
    Arkadi Renko selbst verwandelt sich in eine Art russischer James Bond mit unglaubwürdigem Wagemut dadurch man bekommt den Eindruck, das er alles überlebt und unsterblich ist. Ich weiß ehrlich nicht, was die Fans an dieser Reihe Lieben. Vielleicht liegt es daran, dass der inzwischen 78-jährige Autor seit 1995 an Parkinson erkrankt ist und seine Bücher gar nicht mehr selbst schreibt, sondern sie seiner Frau diktiert. Da kann es schon mal passieren, dass ein verwirrter Kopf vielleicht nicht alles wiedergeben kann oder Szenen einfach schnell abgehandelt werden. Vielleicht wäre es besser, man würde diese Reihe nach dem Buch einfach beenden, bevor es noch schlechter wird. Mich jedenfalls konnte es nicht fesseln, für mich war der Reinfall des Jahres. Ich hätte es am liebsten abgebrochen, wenn es nicht eine Leserunde gewesen wäre. Deshalb werde ich es auch nicht weiterempfehlen und bekommt nur 2 Eulen von mir. :thumbdown::sleeping:


    ASIN/ISBN: 3570104184

    Liv Morus lebt als freie Autorin in der Nähe von München, wo auch ihre Krimireihe um Journalistin Elisa Gerlach und Kriminalhauptkommissar Henri Wieland spielt. Zur Krimireihe sind einige Spinoffs in Form von Kurzgeschichten erhältlich. "25 Knoten" und "Verloren - Memento mori" sind eigenständige, in sich abgeschlossene Spannungsromane.


    In Not und Unglück entdeckt man seine wahren Freunde


    "Verstehen kann man das Leben nur rückwärts. Leben muss man es vorwärts." (Søren Kierkegaard)

    Sechzehn Jahre ist es her, das eine Gruppe Studenten Urlaub in Frankreich macht und es zu einem tragischen Unfall kam. Nun kommt ein Teil der alten Freunde das erste Mal seit Langem in einem ehemaligen Bauernhof zusammen. Alle freuen sich, endlich mal wiederzusehen und auszutauschen, wie es ihnen ergangen ist. Doch nach und nach kippt die Stimmung und es kommt zu kleineren Streitigkeiten. Als dann einer der Freunde tot im Wasser gefunden wird, bekommt der Unfall von damals eine neue Dimension. Vor allem macht sich Rebekka Gedanken, ob Leos Tod damals wirklich ein Unfall war oder ob jemand nachgeholfen hat?

    Meine Meinung: Das beeindruckende Cover mit der unheimlichen Hand im trüben Wasser hat mich sofort begeistert und natürlich der Klappentext dazu. Wie schon in ihrem letzten Buch bringt die Autorin zu Beginn dem Leser jede einzelne Person nahe. Diesmal empfand ich diesen Einstieg fast ein bisschen zu lang den, ehe es so richtig losgeht und spannend wird, war schon bald die Hälfte um. Für mich ist diese Geschichte allerdings auch kein Thriller oder Krimi, sondern eher ein Spannungsroman. In dieser Geschichte geht es insbesondere um Freundschaft und darum, ob man seine Freunde wirklich kennt. Den zu unterschiedlich sind hier ihre Charaktere. Da ist zum einen Rebekka mit Tochter Sophie. Sie ist eine liebenswerte, sympathische Frau, die fest im Leben steht, da sie vieles alleine meistern musste. Ähnlich wie sie ist Viola, allerdings hat sie weniger Selbstwertgefühl und lässt sich schneller aus der Ruhe bringen. Außerdem steht bei ihr gerade eine Veränderung an. Nicole und Jackie dagegen sind eher Frauen, die meinen sie wären was Besseres. Nicole hat sich mit der Ehe von Ben und dem Reichtum arrangiert, obwohl sie nicht glücklich ist. Jackie dagegen lebt lieber alleine und geht ganz in ihrem Beruf auf. Ben ist ebenfalls ein Workaholiker , vielleicht weil er dadurch aus seiner Ehe flüchtet, die nicht so gut zu sein wie alle vermuten. Christoph und Michi sind Bens langjährige Freunde. Christoph muss gerade mit seiner Scheidung zurechtkommen. Ihn empfinde ich als recht eigen, aber angenehm. Michi dagegen eckt schon alleine durch seine oft dummen Sprüche an, deshalb wirkt er oft plump, unsensibel und unerträglich. Dann ist da Rufus, der Besitzer des Bauernhofs, der dort seine Arztpraxis hat und der auf mich recht freundlich wirkt. In diesen einzelnen Personen spüre ich, wie viel Energie und Liebe die Autorin in diese Geschichte investiert hat, damit diese stimmig ist, wir jeden einzelnen besser einschätzen können und der Tod der Freunde hier viele Rätsel aufgibt. Dadurch verändern sich natürlich alle, je länger der Verdacht besteht, dass der Unfall von Bens Bruder Leo damals vielleicht kein Unfall war. Hat jemand dem Asthmatiker sein Spray mit Absicht weggenommen, als er im Pool war? Immer mehr Verdächtigungen werden ausgesprochen. Bei einigen kippt sogar die Freundschaft und es kommt zu weiteren Anschlägen. Kann es sein, dass jemand den Tod Leos rächen möchte oder hat der Täter von damals Angst, dass ihm jemand auf die Schliche kommt? Nachdem ich den Anfang als etwas anstrengend empfunden hatte, hat mich die weitere Geschichte und das Rätsel raten, um den Tod der beiden Freunde dann doch immer mehr begeistert. Wieder einmal spürt man, wie gewissenhaft und mit wie viel Herzblut die Autorin dieses Buch geschrieben und nichts dem Zufall überlassen hat. Dabei haben mir im Besonderen die kursiv geschriebenen Rückblenden durch Rebekkas Tagebuch gefallen. Und so ist die Überraschung am Ende groß, als ich dann die ganze Wahrheit erfuhr. Deshalb gibt es für dieses Buch 9 Eulen von mir. :thumbup:


    ASIN/ISBN: B094XZW1SX

    Michael Thode, 1974 in Heide/Holstein geboren, studierte Jura und Fachjournalismus in Bayreuth, Göttingen, Kiel und Berlin. Heute lebt und schreibt er in der Lüneburger Heide. Michael Thode veröffentlichte zahlreiche Kurzkrimis, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde. Schuld! seid! ihr! ist nach DAS STUMME KIND sein zweiter Roman.



    Wer auf Rache aus ist, der schaufelt sich meist sein eigenes Grab


    "Solange Du glaubst, dass an allem immer nur die anderen Schuld sind, wirst Du viel leiden." (Dalai Lama)

    In der Lüneburger Heide werden kurz nacheinander ein Obdachlose Martin Selter und der ehemalige Kommissar Jürgen Grossmann qualvoll mit Strychnin getötet. Leider wird erst zu spät entdeckt, dass es zwischen den Opfern eine Verbindung gibt und das Grossmann nicht an einem Herzinfarkt gestorben ist. Unter mühsamer Arbeit sucht das Team unter Kommissar Rolf Degenhardt nach den Hintergründen zur Tat. Auffällig ist, dass man bei jedem Opfer die gleiche Tarotkarte "Der Gehängten" findet. Wo ist die Verbindung der Opfer und was haben sie dem Täter getan, das er sie so qualvoll hat sterben lassen?


    Meine Meinung:

    Leseprobe und der Klappentext habe mich neugierig auf dieses Buch gemacht, das als Leserunde unter "Neuer blutiger Stern am deutschen Spannungshimmel" angepriesen wurde. Daher wusste ich nicht, dass dies der zweite Band einer Reihe war. Zwar sind die Fälle ineinander abgeschlossen, doch was das Privatleben der Ermittler betrifft, da merkte ich sehr wohl, dass mir Wissen fehlte. In diesem Buch geht es um Schuld, eine verlorene Liebe und um Rache. Als Zeichen hinterlegt der Täter jedes Mal die Tarotkarte "Der Gehängte", die ja eigentlich eher für Orientierungskrise, Verwirrung, Stillstand, Hilflosigkeit, Opfer erbringen, Überdenken und neue Perspektiven steht. Doch hier steht es für ihn, der sich ebenfalls als Gehängter tituliert wird. Der Autor nimmt mich mit in verschiedene Handlungsstränge, die aus Ermittlungen, dem Privatleben des Kommissars und dem Gehängten besteht. Leider verfängt er sich dabei mitunter in Nichtigkeiten, die mir im Buch viel zu ausführlich dargestellt werden. Während dagegen die Ermittlungen und Hintergründe der Tat darunter leiden. So werden die ersten beiden Tathergänge noch recht ausführlich beschrieben, doch danach geht mir alles viel zu schnell. Was den Spannungsbogen anbelangt, bleibt dieser kontinuierlich gleich und das Erpressen seiner Opfer wirkt für mich zusehends zur Farce und dadurch unglaubwürdig. In der Mitte des Buchs werden die Handlung und die Ermittlungen dann immer offensichtlicher und oberflächlicher, was sehr schade finde. Dadurch fehlt auch am Schluss ein opulenter Showdown, was hier sehr gut gepasst hätte. Mich ärgerte außerdem, dass manche Handlungen nicht mehr zu Ende geführt werden. Zum Beispiel verspricht er einem Jungen seinen Rucksack zu bringen, was dann jedoch nicht weitergeführt wird. Ich finde, wenn man solche Nebensächlichkeiten einbringt, dann sollte man sie auch beenden. Selbst am Schluss blieben bei mir noch einige Fragen offen. Leider ist das Setting der Lüneburger Heide hier ebenfalls nicht groß vertreten und so könnte dieses Verbrechen eigentlich überall spielen. Lediglich einmal ist eine Passage mit Plattdeutsch, dessen Dialekt für Leser nicht gerade einfach ist. Hier wäre eine Übersetzung am Ende des Buchs von Vorteil gewesen. Selbst die neue eingeführte Kollegin Jana Liebisch ging unter, obwohl sie meistens die entscheidenden Hinweise geliefert hat. Vielleicht sollte beim nächsten Buch der Plot nicht ganz so flach ausfallen, sondern lieber etwas intensiver. Trotz allem ließen mich die kurzen Kapitel und der interessante Plot nur so durch das Buch fliegen. Dennoch bleibt er mir für ein Thriller zu flach und zu oberflächlich. Wer jedoch gerne vorhersehbare Krimis liebt, für den ist das Buch sicher richtig. Trotzdem habe ich mich gut unterhalten und glaube, dass der Autor durchaus Potenzial hat. Vielleicht sollte er sich noch mehr Rat bei erfahrenen Ermittlern suchen? Von mir jedenfalls gibt es 7 Eulen mit Tendenz nach oben.


    ASIN/ISBN: 3404184165

    Mein Name ist Udo Carll und das schon seit über einem halben Jahrhundert. Ich bin stolzer Vater zweier erwachsenen Kinder und mache mir die Welt, wie sie mir gefällt. Im normalen Leben gehe ich einer handwerklichen Tätigkeit nach, bei der Erotik und Sex nur sehr wenig Platz haben.


    Erotische Verfolgungsjagd durch Deutschland


    "Meine Hände wollen immer diesen Körper sanft berühren, ich könnte ewig streicheln, diesen Traum von einer Frau" (Buchauszug)

    Prostituierte Candy hat sich aus dem Hamburger Rotlichtmilieu abgesetzt und ist zu ihrem Onkel in den Thüringer Wald geflüchtet. Dort in der Einsamkeit arbeitet sie nun in einem Kiosk und hofft, dass ihr Boss sie niemals finden wird. Den sonst würde es ihr schlecht ergehen, da sie einige seiner Papiere und Geld unterschlagen hat. Dadurch kommt der Boss nun immer mehr in Bedrängnis den, wenn er Candy und die Papiere nicht findet, geht es ihm an den Kragen. So engagiert er Ricky und seine Rockergruppe, um Candy zu suchen. Candy dagegen lernt während der Arbeit im Kiosk den heißen gut aussehenden Motorradfahrer Clark kennen. Dieser ist auf dem Weg zum Motorradtreffen ganz in der Nähe, wo sie demnächst arbeiten wird. Als Clark bei diesem Treffen mitbekommt, das Candy in Gefahr ist, flieht er kurzerhand mit ihr. Bei leidenschaftlichen, erotischen Nächten kommen sich die beiden immer näher. Allerdings bleibt die Rockergang ihnen weiter auf den Fersen.


    Meine Meinung:

    Die leichtbekleidete erotische Frau an einem Motorrad lehnend passt sehr gut zum Inhalt dieses Buches. Leider konnte mich auch das zweite Buch des Autors nicht ganz überzeugen. Was mir im ersten Band an Hintergrundgeschichte fehlte, war mir in diesem Buch fast zu viel gewesen. Eigentlich hatte ich ein erotisches Buch erwartet, stattdessen bekam ich eine Abenteuergeschichte mit erotischen Anteilen. Dazu noch die vielen Gedichte, die so gar nicht mein Geschmack waren und die ich im fortlaufenden Buch immer mehr als lästig empfand. Ich finde, so was passt einfach nicht zu erotisches Buch und schon gar nicht, wenn es um harte Rocker und Motorradgangs geht. Und besonders nicht in dem Ausmaße an Gedichten, wie es hier der Fall war. Das war einfach zu viel des Guten und ich habe sie dann einfach nur noch überflogen, was ja nicht der Sinn der Sache sein sollte. Ein Buch mit so wenig erotischen Anteilen kenne ich sonst aus diesem Verlag eigentlich gar nicht. Gerade die erotischen Szenen waren mir meist zu kurz und einseitig, sodass mich diese nicht überzeugen konnten. Ich hätte da wesentlich mehr Abwechslung und Variationen erwartet. Also für mich hat der Autor noch nicht die richtige Balance zwischen Hintergrundgeschichte und Erotik gefunden. Vermutlich werden einige Leser, die einen erotischen Roman erwartet haben, enttäuscht sein. Besonders bei den langen Abständen zwischen den erotischen Szenen empfand ich diese als viel zu kurz und recht einfallslos. Schade dabei hatte ich so gehofft, dass ein Mann endlich mal in die doch eher frauendominierende erotische Bücherwelt etwas neuen Wind reinbringt, doch bisher war das leider für mich nicht der Fall. Zudem verstehe ich nicht, warum er viele Nebensächlichkeiten wie den Gesundheitszustand von Candys Onkel, das Motorradtreffen hier viel zu ausführlich darstellt, während dagegen die Sexszenen zu einfach abhandelt werden. Eine Lehrerin würde bei dieser Geschichte sagen Thema verfehlt Note sechs von mir dagegen bekommt das Buch immerhin noch 5 Eulen.


    ASIN/ISBN: 3966410974

    Penelope J. Stokes hat Literaturwissenschaft studiert und viele Jahre Kreatives Schreiben unterrichtet. Sie hat zahlreiche Bücher veröffentlicht; zentral darin ist immer wieder das Thema Freundschaft und wie wichtig Beziehungen im Leben sind. Penelope J. Stokes lebt in North Carolina.


    Lüge und Wahrheit liegen oft nahe beisammen


    "Immer die Wahrheit sagen bringt einem wahrscheinlich nicht viele Freunde, aber dafür die Richtigen." (John Lennon)

    Vor 30 Jahren haben sich die College-Freundinnen Amanda (Lovely), Grace, Liz und Tess, die damals eine verschworene Gemeinschaft waren, ewige Treue geschworen. Nach ihrem Abschluss wird auf die Zukunft angestoßen und mit einem Art-Wandertagebuch wollen sie weiter in Verbindung bleiben. 30 Jahren später treffen sie sich alle das erste Mal seit Langem gemeinsam wieder. Der Grund dafür ist Grace, die kürzlich erfahren hat, dass sie bald sterben wird. Doch vorher möchte sie ihren Freundinnen die ganze Wahrheit sagen, die sie bisher im Tagebuch immer verheimlicht hat. Was ist wirklich aus den vier Frauen geworden, von denen jeder Einzelne damals so große Pläne hatte? Liz wollte schon damals die ganze Welt verändern, in Tess sahen sie die zukünftige Nobelpreisträgerin, Lovey war schon immer die Schönste von den Freundinnen und Grace die Moralische unter ihnen hatte immer einen Ratschlag parat. Sind ihre Träume in Erfüllung gegangen oder was hat ihnen das Leben wirklich beschert?


    Meine Meinung:

    Der Klappentext hat mich neugierig auf diese Geschichte gemacht, den welche Freundschaft hält schon 30 Jahre lang nur anhand eines Wandertagebuchs? Und vor allem würde wirklich jeder alles in das Tagebuch schreiben oder doch etwas verheimlichen? Die Geschichte zeigt das 30 Jahre eine lange Zeit sind und das man auf Papier seinen Freunden vielleicht manches im Leben schöner redet, als es in Wirklichkeit ist. Besonders wenn man die Freundinnen 30 Jahre lang gar nicht zu Gesicht bekommt. Dies sieht Grace nämlich inzwischen ein, als sie vom Arzt die Diagnose Krebs bekommt und nun noch einmal ihr Leben Revue passieren lässt. Sie bekommt ein schlechtes Gewissen gegenüber ihren Freundinnen, plant ein Treffen und möchte ihnen dort ein für alle Mal die Wahrheit ihres verkorksten Lebens berichten. Den mit dieser Unwahrheit möchte sie nicht sterben. Jedoch musste ich in dieser Geschichte feststellen, dass in all dieser Zeit jeder einzelne der Freundinnen sein Leben anders gelebt hat, als sie es den anderen im Tagebuch geschrieben hat. Kein Wunder also, das die Freundinnen allesamt vom schlechten Gewissen geplagt werden und nicht so recht wissen, ob sie wirklich zu dem Treffen gehen sollen. Allerdings ist es ja oft so, wenn einer erst mal den Anfang gemacht hat, seine Maske fallen zu lassen beziehungsweise das Kartenhaus seines Lebens einstürzen lässt, dann folgen die anderen nach und nach. Schön fand ich zu sehen, wie jeder Einzelne der Frauen sein Leben aufarbeitet bei diesem Treffen und sie sich danach dennoch in die Augen sehen könnten. Was sicherlich daran liegt, dass jeder etwas geschwindelt hat. Ebenso beeindruckend hat mich, dass sie alle für Grace da sein wollten, als sie von ihrer Erkrankung und ihrem baldigen Tod hören und man wieder ihre innige Freundschaft spürt. Man merkt jedoch ebenso, das Papier geduldig ist und eine Lüge schneller passiert oder man etwas verschönert, wenn man keinen intensiven Kontakt mit seinen Freundinnen pflegt. Allerdings durch die Größe der USA hat es eben die vier Frauen in alle Winde verstreut, sodass man eben nie kontrollieren konnte, ob derjenige wirklich die Wahrheit berichtet. Außer den Themen Freundschaft, Lüge, Enttäuschung, Ängste, Hoffnungen,Trauer, Verlust nimmt noch der christliche Glaube Raum in dem Buch ein. Das dieses Treffen für alle zu einer Reinigung wird, fand ich interessant. Schade nur, dass am Ende ein harter Schicksalsschlag alles verändert. Dass jedoch die Freundinnen durch die Wahrheit alle verändert und glücklicher wurden, hat mich mehr als beeindruckt, deshalb von mir 510 Eulen für diese Geschichte. :thumbup:


    ASIN/ISBN: B08QN91XCX

    Hier vergibt man Eulen 10 Eulen sind das beste. :)

    Jochen Bender forschte als Psychologe bei den Kriminalisten, arbeitete im Knast und unterstützte die Polizei bei Amok-Übungen. Mittlerweile sind von dem erfolgreichen Autor acht Krimis und zahlreiche Kurzkrimis veröffentlicht. Schreiben ist sein Weg, sich kreativ mit der Welt auseinander zu setzen. Seine Markenzeichen sind spannende Unterhaltung, ein flüssiger Schreibstil und kunstvoll ineinander verflochtene Erzählstränge.


    Mord, Entführung und Mittelalter wie hängen sie zusammen


    "Das Volk im Mittelalter hat immer, wenn es irgendwo große Geistesmacht sah, dergleichen einem Teufelsbündnis zugeschrieben ..." (Heinrich Heine)

    Vor den Steilhängen des Weinbergs Cannstatter Zuckerle an einem Weinberghäusle wird eine unbekannte Leiche gefunden. Kommissar Jens Hurlebaus und Bianca Walter von der Kripo Stuttgart ermitteln in diesem Fall. Kurze Zeit später die 13-jährige Schülerin Kiara als vermisst gemeldet. Keiner weiß, ob sie es mit einer Entführung von Kinderschändern zu tun haben oder ob sie einfach weggelaufen ist. Doch als sie später erfahren, dass der Tote ein Lehrer der Naturis Schule in Feuerbach ist und Kiara ihn kannte, werden die Kommissare hellhörig. Hat Kiaras Entführung etwas mit dem Tod von Stephen Siegel zu tun? In viele Richtungen wird ermittelt, doch vom Täter fehlt jede Spur. Erst ein Hinweis auf eine Gruppe von Mittelalter-Freaks, die an Wiedergeburt glauben und mystische Lagerfeuerbeschwörungen abhalten, bringt weitere Erkenntnisse. Auf der Suche nach Kiara und dem Täter tauchen Hurlebaus und Walter in eine sonderbare Welt voller eigenartiger Mythen und Rituale ein.


    Meine Meinung:
    Mein erster Kriminalfall von Jochen Bender führt mich vor die Tore meiner Heimat Cannstatt. Mit viel psychologischer Raffinesse wird dieser Kriminalfall begleitet von Fans aus dem Mittelalter, die wirklich eigenwillige Rituale abhalten. Doch haben sie wirklich etwas mit dem Tod des Lehrers und dem Verschwinden der 13-jährigen Kiara zu tun? Der Schreibstil ist sehr anspruchsvoll, da der Autor immer wieder abwechselt mit seinen verschiedenen Handlungssträngen. Dabei merkt man natürlich Benders Hintergrund als Psychologe bei der Kripo und seine Erfahrung als Autor. Dadurch hat diese Geschichte immer wieder eine andere Richtung bekommen, was mir überaus gut gefallen hat. Allerdings ist dadurch der Spannungsbogen relativ flach gehalten worden und erst gegen Ende wurde es so richtig interessant. Doch realistisch gesehen, glaube ich nicht, dass jeder Mord immer so spannend ist, wie oft in den Krimis beschrieben wird. Von daher scheinen mir Benders Krimis doch sehr wahrheitsgemäß zu sein. Viel Spaß haben mit auf jeden Fall die Ermittlungen und das Mitraten gefallen. Ebenso die Ermittler Hurlebaus und Walter, die beide ihre Ecken und Kanten haben und hier mit ihren Vorlieben, was besonders Hurlebaus anbelangt, aufwarten. Wobei Walter hier schon ein bisschen wenig Raum einnahm und meiner Ansicht nach fast ein wenig zu kurz kam. Gut gefallen hat mir außerdem der schwäbische Dialekt, den er hier hat einfließen lassen und der meiner Ansicht nach gerne hätte etwas mehr sein können. Seine vielen Wirrungen und Wendungen, die er mit eingebaut hat und natürlich das Lokalkolorit rund um Stuttgart. Ich finde, das gehört einfach zu einem Regionalkrimi dazu, das man den Dialekt in den Plot integriert. Das Cannstatter Zuckerle kannte ich bisher nur als leckeren Wein, dass die Hanglage des Weinbergs allerdings ebenso heißt wusste ich bisher noch nicht. Viel erfuhr ich dabei nicht nur über Wein, Weinberge, sondern ebenso über Mittelalter und ihre eigenartigen Mythen und Rituale. Schön, dass er zum besseren Verständnis diese Handlungsstränge hier in kursiver Schriftform dargestellt hat. Gefreut hat mich, dass er sogar das Waiblinger Staufer Spektakel erwähnt hat, ein Mittelaltermarkt, der immer zum Altstadtfest dort stattfindet. Durch die vielen historischen Städte Waiblingen, Esslingen und die Altstadt Stuttgarts passt die Historie in dieser Geschichte sehr gut. Klar ist mir allerdings nicht, ob ich diesen Titel wirklich gewählt hätte für den Krimi, den dazu kam zu wenig Cannstatter Zuckerle darin vor. Mit dem überraschenden Ende hatte ich so gar nicht gerechnet und auch hier merkt man wieder seine psychologische Erfahrung. Dennoch ein Krimi empfehlenswert für alle, die gerne etwas anspruchsvollere Regionalkrimis lieben und dem ich 8 Eulen gebe.


    ASIN/ISBN: 3965550659

    Marianne Philips, geboren 1886 in Amsterdam, war Politikerin, Schriftstellerin und Mutter von drei Kindern. Für die Sozialdemokratische Arbeiterpartei wurde sie 1919 als eine der ersten Frauen zum Ratsmitglied der Niederlande gewählt. Sie schrieb fünf Romane und einige Novellen. Ab 1940 war ihr das Publizieren als Jüdin untersagt. Sie überlebte den Krieg, war aber krankheitshalber bis zu ihrem Lebensende (1951) ans Bett gefesselt.


    Monolog zwischen Leben, Entbehrung, Hoffnung und Verzweiflung


    "Nein, ich bin nicht verrückt - mir ist jetzt klar, dass dies hier nicht die Hölle ist - bis auf die wenigen Male, die ich wieder vergesse, dass ich in einer Nervenklinik in der normalen Welt bin." (Buchauszug)

    Während zwei Nächten in einer Nervenklinik vertraut Heleen der Nachtschwester vom Dienst ihre Lebensgeschichte an. Dabei erzählt sie von ihrer Kindheit in einer protestantischen Großfamilie. Als Älteste der Kinder muss sie schon früh im Haushalt mithelfen und ihre anderen acht Geschwister versorgen. Als dann der Vater einen Unfall erleidet und fortan bettlägerig ist, erhält sie noch mehr Verantwortung. Unverhofft kommt dann noch ihre jüngste Schwester Lientje zur Welt, für die Heleen fast wie eine Art Mutterersatz wird. Eine viel zu frühe Anstellung lässt sie dann aus ihrem Elternhaus entfliehen. Durch ihre Schönheit findet sie später einen reichen Mann, den sie heiratet und mit dem sie nie glücklich wird. Erst nach der Trennung von ihm lernt sie ihre wahre Liebe kennen, die sie durch ihre Eifersucht und Zweifel selbst zerstört.


    Meine Meinung:
    Die Geschichte "Die Beichte einer Nacht", entstanden im Jahr 1930, ist in vielen Dingen eine Geschichte, die noch immer modern ist. Selbst heute noch können Ängste, Zweifel, Depression und Eifersucht oft zu Katastrophen führen. Aufgebaut ist sie einzig und allein auf Heleens Monolog in diesen beiden Nächten.Trotz allem ist dies kein einfacher Roman, den man mal so nebenbei liest, da er doch recht anspruchsvoll und deprimierend ist. Schon alleine die Kindheit von Heleen, die im Grunde gar keine hatte, da sie viel zu früh Erwachsen sein musste. Zudem heute völlig unverständlich, dass ein Ehepaar zehn Kinder in die Welt setzt, obwohl sie körperlich und von ihren Verhältnissen aus sich diese gar nicht leisten können. Doch sicher waren Kinder zur damaligen Zeit die Altersversorgung der Eltern. Sie mussten sich um die Eltern kümmern, ob materiell oder fürsorglich sie später oft noch pflegen. Von daher hatten gerade ärmliche Familien viele Kinder, um im Alter gut versorgt zu sein. Außerdem war zu dieser Zeit das Thema Verhütung natürlich nicht so weit wie heute und bei einer gläubigen Familie schon gar nicht. Waren doch für sie Kinder ein Geschenk Gottes. Doch zurück zu Heleen, die in zwei Nächten einer Krankenschwester ihr ganzes unglückliches Leben beichtet. Wenn man es liest, kann einem diese Frau wirklich leidtun. Hat sie doch in ihrem Leben nie richtig das Glück gefunden und als sie es hatte es sich selbst kaputtgemacht. Die Niederländerin Marianne Philips schildert hier ein Frauenbild, das zu jener Zeit, als das Buch entstand, sicherlich prägnant war. Kein Wunder, das ihr Buch zur damaligen Zeit viele Skeptiker hatte. Man muss sich vorstellen, dass zu jener Zeit Frauen oft noch gar nicht oder erst seit Kurzem wählen durften. Man musste die Ehemänner um Erlaubnis fragen, wenn man einen Beruf ausüben oder zur Schule gehen wollte und der Haushalt lag einzig und alleine in den Händen der Frau. Genauso erging es meist den Töchtern, die oft nie eine andere Wahl haben, sich ihr Leben selbst auszusuchen und stattdessen in eine Arbeitsstelle oder Heirat gedrängt wurden, wo sie vielleicht nie glücklich wurden. Kein Wunder, das diese Frauen oft mit Ängsten, Zweifel, Sehnsüchten und Depressionen behaftet waren wie Heleen. Jedoch sie versucht aus diesem Teufelskreis auszubrechen und heiratet einen reichen Mann. Leider entdeckt sie erst viel zu spät, dass sie ihn gar nicht liebt, sondern sogar abstoßend findet. Dass sie sich von ihm scheiden lässt, war damals sicherlich genauso selten gewesen. Die Autorin selbst, ebenfalls geprägt durch ihre schwere Kindheit und den viel zu frühen Tod ihrer Eltern, musste sich wie Heleen um ihre Geschwister kümmern, statt die Schule abzuschließen. Kein Wunder also, das sie versucht von der Familie weg zukommen, ihre Schule nachholt und eine leidenschaftliche Aktivistin wird, um für Verbesserungen und die Rechte von Frauen zu kämpfen. Diese Leidenschaft spiegelt sich selbst in diesem Buch wider. Zudem ist viel Biografisches enthalten, dass die Autorin eigens erlebt hat. Sie war sicherlich ihrer Zeit voraus, als sie hier diese Gedanken zu Papier brachte und sie wäre garantiert glücklich über das heutige Frauenbild. Selbst das ich mit Heleens persönlicher Sichtweise nicht immer klargekommen bin, was wahrscheinlich an ihrer psychischen Erkrankung lag, gebe ich dem Buch 8 Eulen.


    ASIN/ISBN: 3257071426

    Christin-Marie Below wuchs als Tochter der Autorin Andrea Russo (Anne Barns) zwischen jeder Menge Büchern und Geschichten auf. Im Oktober 2018 entschied sie sich dazu, das Schreiben zu ihrem Beruf zu machen und arbeitet seitdem an mehreren Projekten für kleine und große Leser*innen. Wenn sie nicht am Schreibtisch sitzt, findet man Christin-Marie Below hin und wieder auf Norderney, wo sie vor Ort für einen ihrer Romane recherchiert.


    Eine neue Zukunft auf Norderney


    "Oft, wenn wir glauben, wir wären am Ende von etwas angekommen, stehen wir bereits am Anfang von etwas anderem." (Fred Rogers)

    Das Leben könnte so schön sein, wären da nicht zwei Männer, die es den Freundinnen Anna und Louise (Lou) schwer machen. Zum einen ist da Anna, die von ihrem Freund Timo betrogen wurde und nun bei ihrer Freundin Lou unterkommen kann. Louises bessere Hälfte Nils hingegen ist sauer, dass beide Frauen nach Norderney reisen möchten, um Freundin Kim zu helfen, die sich den Fuß gebrochen hat. Eine Frechheit dagegen ist das er tatsächlich Lou vor die Wahl stellt, er oder Kim. In der Hoffnung, dass Nils doch noch mit sich reden lässt, reist Lou mit Anna nach Norderney. In Fietes gemütlicher Gartenlaube finden die drei vorerst ein neues Zuhause. Als sie erfahren, dass Fietes Großmutter und Kims Vermieterin Swantje ihre Pension verpachten möchte, reift in den Dreien ein genialer Plan.


    Meine Meinung:
    Das bezaubernde Cover mit dem eingerissenen Herz und einem Leuchtturm darin sowie der Klappentext haben mich auf diese Geschichte neugierig gemacht. Christin-Marie Below die Tochter einer Autorin, hat ebenfalls das Schreiben entdeckt. Nach ihrem Kinderbuch "Mariella Manusch" folgt nun ihr erster Wohlfühlroman. Wie die Mama scheint sie ebenso ein Faible für die Inseln im Norden zu haben. Der Schreibstil ist flüssig, locker und ich fühle mich sofort wohl mit den drei Freundinnen auf Norderney. Fußpflegerin Kim steht nach ihrer Verletzung vor größeren Problemen. Durch die Verletzung an ihrem Fuß kann sie keine Kunden oder Touristen besuchen und hat Angst um ihre Existenz. Deshalb möchten Lou und Anna sie tatkräftig unterstützen, indem sie Kim mit einem ausgefallenen Gefährt zu ihren Kunden transportieren. Während sich die beiden immer mehr in die Insel verlieben, erfahren sie von Swantjes Plan, ihre Pension zu verpachten. Schnell haben die drei eine ausgefallene Idee. Wie wäre es mit der "Pension Herzschmerz" eine Unterkunft für Menschen mit Liebeskummer? Alles könnte so gut sein, wären da nicht Swantjes Bedingungen 3 Insulaner als Fürsprecher zu finden. Außerdem gibt es einen weiteren Anwärter, der ebenfalls Interesse an der Pension hat. Recht schnell müssen sie einsehen, dass die Suche nach Fürsprechern sich als durchaus schwierig erweist. Zwar scheint der Bürgermeister ein Auge auf Lou zu werfen, doch den Fürsprecher lehnt er danken ab. Werden es die drei schaffen, rechtzeitig Leute von ihrer Idee zu überzeugen? Die Autorin hat mit diesem Auftakt ganz sicher das Potenzial für weitere Bücher über die drei Freundinnen auf Norderney ermöglicht. Die drei sympathischen Frauen mit ihrer Idee konnten mich überzeugen. Den bisher ist sowohl die Idee von ihrer Pension noch nicht umgesetzt und in Sachen Liebe kam es ebenfalls erst zu kleinen Annäherungsversuchen. Von daher bin ich gespannt, was mich noch erwartet. Selbst über die Aufgabenverteilung sind sie sich schon einig. Kim soll den Wellnessbereich besetzen, Anna sich um das leibliche Wohl der Gäste kümmern und Lou ist für den Schriftverkehr, Finanzen und Buchungen zuständig. Mit den Insulanern Jan, Fiete, Jonte und den Frauen der Döntje Singers gibt es garantiert jede Menge Potenzial für weitere Bücher um die Pension Herzschmerz. Beeindruckt bin ich vor allem von Norderney als Kulisse für diese Geschichte, durch die schönen Beschreibungen fühle ich mich, wie wenn ich selbst mit auf der Insel bin. Gut gefallen haben mir außerdem die schönen einleitenden Worte in die 5 Phasen: Schock, Begreifen, Wut, Trauer und Sehnsucht, Heilung. Als als krönenden Abschluss gibt es am Ende des Buchs noch das Rezept für Erdnussbuttercookies. Nun freue ich mich auf weitere Bücher und gebe 10 Eulen für dieses Geschichte.
    :thumbup:


    ASIN/ISBN: B087D3QY8K

    Ross Antony, geboren 1974, zog es schon mit drei Jahren auf die Bühne. Nach seinem Diplom an der Guildford School of Acting for Music, Dance and Drama nahe London wirkte er in England und Deutschland in zahlreichen Aufführungen mit, bevor er fünf Jahre der erfolgreichen Casting-Band Bro’Sis angehörte. 2013 startete er seine Karriere als Schlagerstar. Ross’ Markenzeichen sind seine unschlagbar gute Laune und sein Stimmungstalent. Er lebt mit seinem Mann Paul Reeves in Siegburg.


    Wie man das Leben lebenswert und leicht nehmen kann


    "Wenn Ross Anthony die Bühne betritt, geht förmlich die Sonne auf. Seine gute Laune ist ansteckend und man fragt sich: Wie macht er das?" (Buchauszug)

    Ross gute Laune hat sicherlich was mit seiner Einstellung zu tun, den wie sonst kann er nach diversen Schicksalsschlägen so positiv sein? Der vielseitige britische Entertainer hat nach sexuellem Missbrauch in der Kindheit immer wieder mit der Akzeptanz als Homosexueller zu kämpfen. Nachdem er die Schule für Dramatik in England studiert und beendet hat, verstirbt sein Vater viel zu früh. Sein Tod ist wieder ein herber Schlag für Ross, den von ihm hat er nicht nur seine positive Einstellung, sondern vor allem Tipps und Weisheiten, die sein Leben für immer begleiten. Doch was noch wichtiger ist, in diesem Buch lerne ich noch einen völlig anderen Ross kennen. Einen Ross Anthony, der für die Natur, Klima, Tiere, Freunde, seine Familie und seine Fans einsteht. In der Coronakrise hat er sich seine ganz eigenen Gedanken gemacht, was ihm und uns allen wichtig sein sollte. Mit reichlichen Informationen und Ratschläge zeigt er uns, was er und wir für ein besseres Leben auf dieser Erde tun können. Ferner erfahren wir einiges aus seiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.


    Meine Meinung:
    Ich möchte mich nicht als speziellen Fan von Ross Anthony bezeichnen, doch ich liebe seine herzliche Art und sein Lachen, bei dem man regelrecht angesteckt wird. Zudem hat der eine sehr gute Stimme, was er unter anderem bei der Gruppe Bro’Sis, Musicals und seiner heutigen Solokarriere noch immer unter Beweis stellt. Weshalb ich gerne dieses Buch lesen wollte, um mehr über Ross zu erfahren. Dagegen hatte ich nicht damit gerechnet, dass er hier viel über seine derzeitige Lebenseinstellung und Motivation schreibt. Deshalb erwarten den Leser insbesondere in diesen Abschnitten hilfreiche Tipps:

    - Selbstfürsorge für Strahlemänner
    - Die Freude an Flora und Fauna
    - Patient Erde: Jeder Einzelne zählt

    Hier erlebe ich den Naturliebhaber und Tierfreund Ross ganz nah. Wo ich den Naturliebhaber und Tierfreund Ross ganz nah erlebe. Durch die Coronakrise hat er sich Gedanken gemacht, was jeder Einzelne von uns an der Natur, Erde, dem Klima und den Tieren ändern kann. Seine Ratschläge sind gut nachvollziehbar und ich spüre bei jedem Tipp, dass sie nicht nur von Herzen kommen, sondern das er diese Ziele selbst tatkräftig verfolgt. So ist er täglich an der Natur, wo er bei Spaziergängen mit den Hunden entspannt. Er versucht biologisch zu kochen, mit wenig Fleisch, um die Umwelt zu schonen. Vermeidet Plastik so gut es geht, unterlässt Flüge, wenn es machbar ist und vieles mehr. So erkenne ich hier einen wirklich ehrlichen und ganz anderen Ross Anthony, wie er mir bisher bewusst war. Zugleich nimmt er mich bei den nächsten Kapiteln mit in seine ganz persönliche Vergangenheit. Dabei geht es um den Tod des Vaters, seine Familie, Mutter, um Freunde, Fans und solche, die es sein wollen. Ebenso geht es um sexuelle Orientierung und seine Erlebnisse damit. Seine Berufung, das Dschungelcamp und wie es sein Leben verändert hat, Ehemann Paul seine große Liebe und um das Thema Corona.Zu guter Letzt bilden 30 persönliche Fragen an ihn noch den krönenden Abschluss. Zwar habe ich hier ein rein biografisches Buch erwartet, da ich nicht wusste, dass er schon eines geschrieben hat. Wurde jedoch positiv überrascht von den vielen Neuigkeiten, die ich noch nicht von dem Entertainer kannte. Zu guter Letzt bilden 30 persönliche Fragen an ihn noch den krönenden Abschluss. Zwar habe ich hier ein rein biografisches Buch erwartet, da ich nicht wusste, dass er schon eines geschrieben hat. Wurde jedoch positiv überrascht von den vielen Neuigkeiten, die ich noch nicht von dem Entertainer kannte. Bemerkenswert fand ich in erster Linie seine Einstellung zu seinem Privatleben und der Familie. Dadurch das er sich in diesem Buch förmlich alles von der Seele schreibt, ist es leider passiert, das es im Eifer des Gefechts mitunter zu Wiederholungen kommt. Dennoch von mir eine Leseempfehlung nicht nur für Fans von Ross Anthony und gute 8 Eulen.

    ASIN/ISBN: 3965840916

    Julie Estève wurde 1979 in Paris geboren, wo sie auch lebt. Sie studierte Jura und Kunstgeschichte und arbeitet für verschiedenen Museen und Magazine. ›Ich, Antoine‹ ist ihr zweiter Roman.

    Antoine tragisches Leben als Dorftrottel



    "Die anderen halten sich die Nase zu und sagen mir, dass ich stink, Läuse hab und später Penner werd, weil ich jetzt schon den Geruch verbreite und immer Dreck an den Füßen und unter den Fingernägeln hab." (Buchauszug)

    In einem kleinen Dorf in den Bergen Korsikas wird die 16-jährige Florence tot im Wald gefunden. Für die Dorfgemeinschaft ist schnell klar, dass nur einer der Täter sein kann, nämlich Antoine Orsini der Dorftrottel. Jahre später, die er unschuldig im Gefängnis verbringt, erzählt er seine Geschichte einem roten Plastikstuhl, den er durch Zufall gefunden hat. Sein einziger und bester Freund, der ihm geblieben ist, ist Magic sein kleines Diktiergerät.


    Meine Meinung:

    Das recht eigenwillige Cover mit dem roten Stuhl spiegelt ein wenig den Inhalt und die einfache, abfällige Sprache wider, die Julie Estéve hier verwendet. Bei dem in Ich-Form geschriebenen Plot tauche ich in Antoines Gedankenwelt und Gefühlswelt ein. Ich muss ehrlich sagen, ich habe mich zu Beginn doch recht schwergetan mit dieser recht trivialen, anstößigen und vulgären Sprache. Habe ich doch kürzlich erst das Buch "Kalman" von Joachim B. Schmidt gelesen, das dagegen wesentlich freundlicher und liebenswerter daherkommt und bei dem ich trotzdem den behinderten Kalman gespürt habe. Hier hingegen will mich die Autorin schon mit ihrer Sprache schockieren. Wahrscheinlich damit wir uns ganz auf diese Geschichte einlassen. Und so kann ich mir Antoine nicht nur bildlich vorstellen, sondern ich rieche ihn förmlich, wenn er sich einnässt oder von sich selbst sagt, dass er stinkt. Eigentlich ist ein glücklicher Mensch mit seinem Freund Magic einem Diktiergerät. Er lebt in seiner ganz eigenen Welt, in der er sogar verheiratet ist. Florence kennt er zwar gut, doch ihr etwas antun, das würde Antoine niemals übers Herz bringen. Trotzdem widerspricht er nicht, als man ihn für ihren Tod schuldig spricht. Derweil wäre es leicht gewesen, Florence Tod nachzuvollziehen, man hätte nur sich vielleicht besser in Antoine hineinversetzen müssen. Nicht nur das Dorf hat Probleme mit Antoine, sondern auch seine eigene Familie. Sein Vater, ein cholerischer Alkoholiker, hätte ihn am liebsten mit dem Kopfkissen erstickt, da er ihm immer noch die Schuld für den Tod seiner Frau anlastet. Ebenso sind seine Geschwister keine große Hilfe für Antoine. Schwester Tomasine kehrt dem Dorf schon recht früh den Rücken und lebt nun in Paris. Sein Bruder Pierre kreidet Antoine ebenso den Tod der Mutter an und ist wie alle anderen davon überzeugt, dass er Florence ermordet hat. Anerkennung und ein bisschen Liebe findet er lediglich bei Mademoiselle Madeleine, seine ehemalige Lehrerin. Es ist wirklich kein leichtes Buch, doch wer damit keine Probleme hat, sich darauf einzulassen, der kann sich definitiv sehr gut in den armen, einsamen Antoine hineinversetzen. Ob man hierfür allerdings wirklich so eine extreme Darstellung eines geistig Behinderten haben muss, bezweifle ich. Trotzdem bin ich im Laufe des Buchs immer mehr in Antoine Lebensgeschichte eingetaucht, selbst wenn ich etwas anderes erwartet hatte. Doch der hier inzwischen über 60-jährige Antoine mit seinem kaputten Plastikstuhl kann einem eigentlich nur leidtun. Das Ende allerdings hat mich dann ein wenig enttäuscht. Nicht nur das Florence Tod im Laufe des Buchs immer mehr verblasst, ist zudem Antoines Ende recht tragisch. Deshalb gebe ich diesem Buch 7 Eulen.


    ASIN/ISBN: 3423282711

    Christiane Dieckerhoff lebt und arbeitet am nördlichen Rand des Ruhrgebiets. Sie ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder und weil sie sowieso kein Leben hat, schreibt sie Bücher.Nach über dreißig Berufsjahren als Kinderkrankenschwester und ersten erfolgreichen Veröffentlichungen wagte sie 2016 den Sprung in die Freiberuflichkeit. Und weil das sehr einsam sein kann, ist sie Mitglied im Syndikat, der Vereinigung deutschsprachiger Krimiautoren, bei den Bücherfrauen und bei den mörderischen Schwestern, der Vereinigung krimibegeisterter Frauen.

    Späte Rache bringt Fährmann Schiebschick in Lebensgefahr


    "So lange man sich nicht gerächt, bleibt immer eine Bitterkeit im Herzen zurück." (Heinrich Heine)

    Beim alljährlichen Spreewaldfest sind diesmal Klaudia Wagner und ihr Team eingeteilt. Mit mehr als kleine Streitigkeiten und Betrunkene hatten sie zum Glück bisher nicht zu tun. Doch dann fällt der diesjährige Schützenkönig Feilke während des Korsos ins Hafenbecken. Erst als man in aus dem Wasser zieht, entdecken sie das Wurfmesser in seiner Brust. Der Schock für Klaudia ist groß, als wenig später ihr alter Freund Schiebschick erst von einem Messer verfehlt und dann kurz danach mit einem Messer niedergestochen wird. Mehr als die Beschreibung von einem Täter in Gurkenkostüm haben sie leider nicht. Wer wollte Schiebschick etwas antun und welche Verbindung gibt es zu Ulf Feilke? Während der alte Mann im Koma liegt, versuchen sie alles, um mehr über Hintergründe und Motiv herauszufinden.


    Meine Meinung:

    Schon das Cover stimmt mich sofort in die Spreewaldregion ein. Und so ist es kein Wunder, das ich unverzüglich Bilder im Kopf habe, als ich die ersten Seiten lese. Bisher kenne ich alle Bücher dieser Reihe um Klaudia Wagner aus dem Spreewald. Normalerweise sind die Fälle immer in sich abgeschlossen, allerdings was das Privatleben der Ermittler betrifft, erfährt man deutlich mehr, wenn man die Reihe von Anfang an kennt. Der Prolog offenbart eine Vergewaltigung, die vor vielen Jahren ebenfalls beim Spreewaldfest stattgefunden hat. Zudem ist es ein besonders interessanter Fall, da es um den alten Kahnführer Schiebschick geht, der mir im Laufe der Reihe ans Herz gewachsen ist. Für mich ist es unvorstellbar, dass er ein Täter sein soll, an dem sich womöglich jemand rächt, für eine Tat, die viele Jahre zurückliegt. Klaudia ist sich ebenfalls nicht mehr so sicher, dass Schiebschick in seiner Vergangenheit möglicherweise doch etwas getan, von dem sie bisher nichts weiß. Gerade mit seiner herzlichen und fürsorglichen Art kann ich ihm mir jedenfalls nicht als Täter vorstellen. Klaudia hat zudem noch weiteren beruflichen Stress, da sie ihren Chef PH ersetzen muss, der gerade im Urlaub am Nordkap verweilt. Allerdings passt es ihr gar nicht, dass ausgerechnet Mark Meinert vom LKA nun die Leitung in diesem Fall übernimmt. Doch hängen die beiden Fälle wirklich zusammen? Wieder einmal gefällt mir die Mischung von Privatleben und Kriminalfall sehr gut. Besonders da sich inzwischen alle Ermittler recht positiv entwickelt haben. So ist es erfreulich, das Thangs Ehe wieder in Ordnung ist und er demnächst Vater wird und Uwe endlich eine neue Partnerin gefunden hat. Allerdings fühlt er sich durch seine besondere Lage als alleinerziehender Vater schon ein wenig wie ein zweitklassiger Polizist, was ich durchaus verstehen kann. So ist es kein Wunder, das er sich diesmal selbst in eine brenzlige Lage manövriert, um mehr Anerkennung zu erhalten. Lustig dagegen finde Uwes Partnerin Tanja, deren Art seine Töchter nicht leiden können, was ich gut nachempfinden kann. Dagegen habe ich von Kollege Peter Demel nichts anderes erwartet, als das er etwas angefressen ist, weil ausgerechnet Klaudia die Vertretung für PH machen darf und nicht er. Allerdings empfinde ich ihn diesmal deutlich freundlicher als sonst. Alle diese Charaktere tragen dazu bei, dass es bei dieser Reihe nicht langweilig wird, da Kriminalfall und Privatleben sehr harmonisch ineinanderfließen. Ich jedenfalls kann die Spreewaldreihe definitiv empfehlen, die schon alleine wegen des schönen Lokalkolorits einzigartig ist. Deshalb gibt es von mir wieder 10 Eulen. :thumbup:


    ASIN/ISBN: 3746637678

    Rudolf Szabo (Jg. 1959) lebt in Liestal in der Schweiz. Als Casemanager und Lehrlingscoach arbeitet er vor allem mit ehemaligen Strafgefangenen und verhilft ihnen zu einer beruflichen Zukunft. Er ist Vater von fünf erwachsenen Kindern und hat zwei Enkelkinder, mit denen er liebend gerne Zeit verbringt.


    Ein Leben zwischen Bankraub, Knast und der Suche nach Gott


    "Ich wusste, das Jesus für unsere Schuld gestorben ist. Doch jetzt hatte ich mit jeder Zelle meines Körpers empfunden, was es bedeutet, dass er tatsächlich für mich gestorben ist." (Buchauszug)

    Keine einfache Kindheit musste Rudolf Szabo (Ruedi) miterleben. Schon als kleines Kind musste er mit einer überforderten Mutter und einem harten Vater zurechtkommen. Als dann der Vater längere Zeit verschwindet, wird er von Pflegetanten betreut. Doch dort verwahrlost er immer mehr, weil sich niemand um ihn kümmert. Erst sein Vater kann in aus dieser misslichen Lage herausholen. Allerdings muss er selbst unter ihm Misshandlungen erdulden. Hätte man damals schon ahnen müssen, dass seine Zukunft von dieser Kindheit geprägt wird? Sicherlich macht es etwas mit einem, wenn man ständig von seinem Lehrer und Vater zu hören bekommt, das man ein Versager ist. Da ist es kein Wunder, das er eines Tages ganz unten ist und Dummheiten begeht. Spätestens als seine Firma und Ehe am Ende sind und er seine 5 Kinder nur noch sehen darf, wenn er eine horrende Summe an Unterhalt bezahlt. Als ihm dann die Bank einen Kredit verwehrt, kocht die Wut bei ihm über. Und so kommt es, wie es kommen muss Rudolf begeht ohne Rücksicht auf Verluste zusammen mit zwei seiner Mitarbeiter mehrere Einbrüche. Erst im Gefängnis wird ihm dann so richtig seine Schuld bewusst und er weiß, dass er seine Leben ändern muss. Viel Hilfe bekommt er besonders von Christen, die seinen Weg während der Haft kreuzen. Und selbst seine Mutter und die Kinder halten weiter zu ihm, was ihm enorm weiterhilft. Als er dann im offenen Vollzug zu seinem persönlichen Glauben findet, versteht er das Jesus auch für ihn ans Kreuz genagelt wurde.

    Fazit:

    Rudolf Szabo lädt mich hier zu seinem ganz persönlichen Leben und Werdegang ein. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, mit dem was er seinen Opfern an Leid und Traumata zugefügt hat. Dabei ist er sicherlich einer von wenigen Straftätern, die einsehen, dass sie einen falschen Weg eingeschlagen haben. Dass Gott ohne Ruedis Zutun weiterhin an ihm arbeitet, das stellt er jedoch erst viel später fest. Hat er doch den christlichen Glauben schon von seiner Großmutter kennengelernt. Nur wie bei vielen ist dieser inzwischen im Laufe seines Lebens ein wenig verloren gegangen. Doch gerade Jesus, der immer für die Sünder da ist, den lernt er erst bei seinem ganz persönlichen Kreuzweg mit Pastor Langenegger kennen. Am meisten schockierte mich Ruedis Lehrer, sein Vater und die Haftbedingungen, die damals in der Schweiz existierten. Ich hätte niemals gedacht, dass man in so einem Land Häftlinge so menschenunwürdig unterbringt. Zum Glück scheinen sich diese Zeiten inzwischen geändert zu haben. Gefallen hat mir, dass Gott selbst aus so einem verkorksten Leben wie dem von Ruedi etwas ganz Besonderes tun kann. Allerdings durfte ich hier auch Ruedis starken Willen erleben, den ohne diesen hätte er sich nie so ändern können. Den inzwischen arbeitet er als Casemanager und Lehrlingscoach. Dabei betreute er insbesondere junge Häftlinge von der Lehre bis zum Ausbildungsende. Dieses Buch ist ein wahres Zeugnis für jeden, das bezeugt, wie Ehrlichkeit, Wille und der Glaube einen Menschen auf die richtige Bahn lenken kann. Von mir bekommt es 4 1/2 von 5 Sterne dafür. :thumbup:


    ASIN/ISBN: 3775160019

    Arnon Grünberg, geboren 1971 in Amsterdam, wohnt in New York, Amsterdam und Berlin. Seine Bücher wurden mit allen großen niederländischen Literaturpreisen ausgezeichnet, 2002 erhielt er den NRW-Literaturpreis für sein Gesamtwerk. Neben seinen literarischen Arbeiten schreibt Arnon Grünberg für internationale Zeitungen und Magazine. 2016 hielt er die Eröffnungsrede auf der Frankfurt Buchmesse zum Gastlandauftritt der Niederlande und Flandern. Sein Werk erscheint in 27 Sprachen.


    Ein Psychiater auf der Suche nach der Liebe im Westjordanland


    "Er erkennt, dass das Hindernis auf dem Weg zu Anats Liebe nicht der Ewige ist und auch nicht der Zionismus, sondern ihre Mutter." (Buchauszug)

    Wegen falschen Anschuldigungen seiner Borderline Patientin Michette verliert der Psychiater Otto Kadoke seine Approbation. Fortan wird er in Amsterdam nicht nur als Täter angesehen, sondern muss auch antisemitische Tiraden über sich ergehen lassen. Als seine Cousine Anat, eine fanatische Zionistin aus dem Westjordanland, ihn besucht, lädt sie ihn ein, nach Israel zu kommen. Als Kadoke nichts mehr zu verlieren hat, reist der überzeugte Atheist aus Liebe zu Anat, zusammen mit seinem Vater nach Israel. Dort verliebt er sich ernsthaft in sie. Trotzdem Anat seine Liebe nicht erwidert, heiraten beide. Weitere harte Prüfungen warten vonseiten Anats Mutter, die erhofft, das Kadoke mit ihrer Tochter viele Kinder zeugt.


    Meine Meinung:

    Ich wusste zuvor nicht, dass dieser Roman da beginnt, wo sein Buch "Muttermale" zuletzt aufgehört hat. Den in diesem Buch ging es schon um Otto Kadoke, seinem ungewöhnlichen Vater und seiner Patientin Michette. Zwar kann man dieses Buch durchaus ohne das Vorherige gelesen zu haben verstehen, doch ich finde es besser, wenn man es schon kennt. Otto Kadoke gehört sicherlich zu den wenigen gutgläubigen Menschen, die meinen, ihren Mitmenschen helfen zu müssen, ohne darüber nachzudenken, was dies für Folgen für ihn haben kann. Deshalb hat er sich der austherapierten Michette angenommen und sie als Pflegerin für seinen Vater (die hier noch die Mutter ist) engagiert, um sie vor weiteren Selbstmordversuchen zu schützen. Er konnte ja nicht ahnen, dass sie ihn wegen eines Schriftstellers verlässt, der ein Buch über ihr eigenartiges Arzt-Patientin-Verhältnis, Missbrauch und Liebe schreibt. Es kommt wie nicht anders zu erwarten zu einer "MeToo" Debatte, die ihm schlussendlich seinen Job als Psychiater kostet. Zudem gibt dem gekränkte Kadoke das Bild als jüdischer Frauenschänder den Rest. Er verliebt sich in seine entfernte Cousine Anat aus dem Westjordanland, die ihn bittet, mit seinem Vater nach Israel zu kommen. Man könnte Eindruck haben Kadoke erhofft mit Liebe alles wegwischen zu können, was bis dahin in seinem Leben schiefgelaufen ist. Doch leider verändert ihn seine lieblose Ehe immer mehr, bei der er sogar Gänsefett und Pulverkaffee akzeptiert. Und so wird sein Leben in Israel weiter geprägt von grotesken Situationen die teilweise so überspitz ins Lächerliche gezogen werden, das man dieses Buch nur noch als Satire ertragen kann. Natürlich hatte ich bei dem Klappentext etwas vollkommen anderes vermutet und nicht, das mich eine Satire erwartet. Was sicherlich daran liegt, dass dies mein erstes Buch von Arnon Grünberg ist. Doch was bewegt einen Autor so über sein eigenes Volk zu schreiben? Ist es eine Art Abrechnung mit dem Zionismus, den er durch seine Schwester kennt, die ebenfalls im Westjordanland lebt? Sicherlich liegt es vor allem daran, weil diese Siedlungen einen doch recht stark Messianismus und Idealismus pflegen, der sich nicht mehr so ganz mit der heutigen Zeit vereinbaren lässt. Allerdings vermute ich, dass dieses Buch nicht bei allen Zionisten gut ankommen wird. Ich denke jedoch nicht, dass der Autor mit seinem Buch die Zionisten verurteilen möchte. Sondern ich glaube, er möchte mit diesem Buch eher humorvoll aufzeigen, wie diese denken und leben. Nur gut, dass viele Juden Humor haben und sehr gut über sich selbst lachen können. Den das braucht man bei diesem Buch, das teils recht haarspalterisch, übertrieben und mir in einer Szene sogar zu vulgär ist. So bittet zum Beispiel Kadoke seinen Vater um den Segen für seine bevorstehende Ehe und dieser erwidert dann: "Hättest Du nicht besser einen Hund nehmen können? Wenn Leute in Deinem Alter sich einsam fühlen, können sie sich doch ein Haustier anschaffen?" Allerdings endet diese komödiantische einseiteige Liebe am Ende in einer wirklich erschütternden Tragödie mit der Hoffnung auf eine weitere Fortsetzung.Trotzdem gibt es von mir 8 Eulen, weil ich viel lachen durfte. :thumbup:


    ASIN/ISBN: 346200106X

    Kirsten Sawatzki, geboren in Bad Dürkheim, aufgewachsen in der Pfalz, begann nach der Schule eine Ausbildung zur Tierarzthelferin und war in diesem Beruf noch weitere 10 Jahre tätig. Danach wechselte sie zu einem Automobilzulieferer, bis heute ist sie dort im Bereich Qualitätssicherung tätig. Da sie selbst nur Thriller liest, kam ihr vor einigen Jahren die Idee zu ihrem ersten Thriller »Tödliche Mutterliebe«. Sie ist Mitglied der Autorenvereinigung »Mörderische Schwestern e.V. und Syndikat e.V.« .


    Reise in den Tod


    "Der Gestank des Todes umgibt mich wie eine zweite Haut. Ich öffne den Mund zu einem stummen Schrei und bereue es sofort, weil er mir den Atem nimmt." (Buchauszug)

    Bei einer Massenkarambolage auf der Mannheimer Autobahn ist ebenfalls ein Lkw mit einem Container beteiligt. Als die Ersthelfer diesen öffnen, bietet sich ihnen ein bizarres Bild. 48 Leichen liegen in diesem Container und stellen Kommissarin Laura Braun und Gerichtsmedizinerin Elena Salonis vor Rätsel. Nicht nur das die Papiere fehlen, Elena befürchtet sogar eine tödliche Seuche in dem Container. Sofort alarmiert sie ihren Ex-Freund Sebastian Kevekordes Leiter der Seuchenbehörde. Doch wer hätte ein Interesse an so vielen Toten und zu welchem Zweck? Bei ihren Ermittlungen tauchen sie immer tiefer in menschliche Abgründe und der unbegrenzten Macht nach Gier und Profit, die sie selbst in Gefahr bringt.


    Meine Meinung:

    Mit diesem Buch ist der inzwischen dritte Band von Kommissarin Laura Braun und Gerichtsmedizinerin Elena Salonis erschienen. Leider kannte ich bisher keinen dieser Krimis, was jedoch für dieses Buch eigentlich keine Rolle spielen sollte. Doch da einige Begebenheiten erwähnt bzw. angedeutet werden, hat es mich schon ein wenig enttäuscht, die anderen Bücher nicht zu kennen. Den irgendwie hatte ich das Gefühl, das mir schon einige Informationen aus dem Privatleben fehlen und das ich so mittendrin beginne. Selbst die Freundschaft von Elena und Laura war für mich schwer nachvollziehbar und manchmal nicht greifbar. Da ich zwischen den beiden eigentlich kaum Harmonie spüre. Was durchaus an dem Fall liegen kann, bei dem die beiden miteinander Probleme und etwas Zoff hatten. Dadurch wirken sie auf mich eher schlecht gelaunt, erbost und nicht gerade sympathisch. Ich hätte mir gerne ein bisschen mehr Wissen um die Ermittler gewünscht, um mich ihnen näher zu fühlen und auf sie einzulassen. Im Plot selbst jedoch geht es in erster Linie um den Tod von 48 afrikanische Menschen, bei denen sich lediglich ihre Herkunft der Kongo herstellen ließ. Dass sie nicht mehr über diese Personen wissen, macht die Ermittlungen umso schwieriger und interessanter. Sind die Personen bewusst tot ins Land geschleust worden und warum wurden sie getötet? Will man mit ihren toten Körpern Geschäfte machen oder wollte man sie einfach nur entsorgen? Die Ermittlungen führen mich zu Spuren, die wirklich recht realistisch und durchaus nachvollziehbar sind. Ich möchte nicht zu viel verraten, jedoch eine der Organisationen, die in den Fokus der Ermittler geraten, habe ich sogar selbst schon gesehen. Schon der spannende Prolog stimmt mich in das Buch ein und ich leide förmlich mit den Menschen im Container mit. Hatten sie doch sicher ganz andere Hoffnungen für ihre Zukunft, als in den Tod zu gehen. Dass man mit ihren Körpern Handel betreibt, auf welche Art und Weise, das müssen die Ermittler hier erst herausfinden. Ich konnte dem Buch wirklich viel abgewinnen, gerade dadurch, da einiges recht glaubhaft und nachvollziehbar ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass so eine Zukunft aussehen könnte. Am Ende wurden mir dann einige Szenen doch zu unrealistisch und übertrieben dargestellt. Natürlich darf es für mich gerne Action und ein Showdown geben, doch wenn Ermittler zu Superhelden mutieren, dann wird es für mich etwas zwiespältig wie hier. Statt das sie Verstärkung rufen und abwarten, wird in einer Art Graustufe einfach mal gestürmt. Eine Gefangene wächst einfach zu sehr über sich hinaus und am Ende wird dann noch mal eins draufgelegt. Ich finde, Ermittler sind auch nur Menschen und sollten keine Superhelden sein. Vielleicht hier beim nächsten Krimi etwas mehr bei der Spannung bleiben, die man nachvollziehen kann. Außerdem hat mich die Szene mit dem Container am Ende etwas verwirrt.Trotzdem konnte mich besonders der Plot überzeugen, bei den Ermittlern hingegen muss ich abwarten, deshalb von mir 8 Eulen. :thumbup:


    ASIN/ISBN: B08W9RZ7W8

    Anne Barns ist ein Pseudonym der Autorin Andrea Russo. Sie hat vor einigen Jahren ihren Beruf als Lehrerin aufgegeben, um sich ganz auf ihre Bücher konzentrieren zu können. Sie liebt Lesen, Kuchen und das Meer. Zum Schreiben zieht sie sich am liebsten auf eine Insel zurück, wenn möglich in die Nähe einer guten Bäckerei."


    Auf den Spuren von verborgenen Geheimnissen und Gemälden


    "Wahre Freunde sind wie ein Leuchtturm. Er schenkt Geborgenheit, wenn man in seiner Nähe ist und in der Ferne ein Licht." (Nicole Oesterwind)

    Das Leben könnte so schön sein, denkt sich Christina. Mit ihrem Frankfurter Café, das mit Papas schönsten Bilder dekoriert ist, hat sie sich ihren Traum erfüllt. Wäre da nicht ihre baldige Scheidung und die stetig fortschreitende Alzheimererkrankung ihres Vaters, die ihm jede Lust zum Malen genommen hat. Außerdem belastet Christina und ihre Mutter sehr, dass er immer mehr in seine eigene Welt verschwindet. Als er eines Tages doch wieder nach seinen Malutensilien fragt, erscheint es ihnen wie ein Licht am Horizont. Bei der Suche entdeckt Christina einige alte Gemälde, die nicht von ihrem Vater stammen. Magisch angezogen von den malerischen Bildern Rügens, beschließt sie kurzfristig einen Urlaub dort zu verbringen, um auf die Suche nach der Künstlerin zu gehen. Wäre da nur nicht die Sehnsucht nach Lukas ihre ganz neu gewonnen Liebe. Jedoch auf der Suche nach der Vergangenheit findet sie nicht nur Neues über ihre Familie heraus und Antworten auf ihre Fragen, sondern jede Menge neue Freundschaften.


    Meine Meinung:

    Magisch angezogen von dem neuerlichen bezaubernden Cover, habe ich mich auf das neuste Buch von Anne Barns gefreut. Schon bei den ersten Seiten stellt sich bei mir wieder ein Wohlgefühl ein, das ich nur bei den Büchern dieser Autorin so erlebe. Der Schreibstil ist wieder einmal sehr lebhaft, mitfühlend, emotional und unterhaltsam, sodass ich das Buch nicht mehr zur Seite legen kann. Gerade jetzt in dieser Zeit hat es mich gefreut, dass ich mit dieser Geschichte ein bisschen Urlaub an der Ostsee machen konnte. Dazu verhilft natürlich wieder einmal ein Wiedersehen mit den bekannten Charakteren auf Rügen, die ich schon von anderen Büchern der Autorin kenne. Doch erst einmal zu Christina, den das Schicksal ihres Vaters mit der Alzheimer Erkrankung hat mich tief bewegt. Ich konnte mich förmlich in ihre belastende Situation hineinversetzen und bin gleichzeitig erstaunt, wie gut die Familie das Ganze meistert. Die guten Recherchen haben wieder einmal gezeigt, dass die Autorin hier ein sehr glaubwürdiges Krankheitsbild zu Papier gebracht hat. Und selbst die Einblicke auf Rügen und Hiddensee haben bei mir wieder Bilder von unserem damaligen Urlaub hervorgezaubert. Ich muss sagen, dass ausgerechnet ein Wasserrohrbruch Christinas Urlaubspläne schneller vorantreibt war wirklich eine gute Idee. Am meisten jedoch hat mich wieder einmal die herzliche Art gefreut, mit der sie von ihrer Tante Thea und ihren Freunden empfangen wird. Wie schon in den vorherigen Büchern wird Christina schnell im Kreis der Rügener Ludwig, Oma Annie, Pia, Katharina und Jana aufgenommen. Die traumhafte Landschaft mit Meer, Strand, Leuchttürme und Bernstein lässt sie sofort dahinschmelzen. Das ausgerechnet ein Abstecher zur malerischen Künstlerinsel Hiddensee dann ein Geheimnis lüftet, damit hatte nicht mal Christina gerechnet. Schön wäre es gewesen, wenn die Geschichte aus der Vergangenheit vielleicht noch ein bisschen ausführlicher und spektakulärer gewesen wäre. Natürlich kommt die Liebe zu Lukas, dem ehemaligen Auszubildenden ihres Vaters, den sie durch Zufall wieder gesehen hat, hier ebenfalls nicht zu kurz. Und wie in allen Büchern der Autorin dürfen natürlich hier nicht die besten Rezepte der Geschichte zum Nachbacken fehlen, die man am Ende des Buchs finden kann. Das dabei Theas sommerliche Christstollen schon auf ein weiteres Buch auf Rügen hinweist, freut mich umso mehr. Deshalb von mir 10 Eulen und eine Leseempfehlung für alle, die Sehnsucht nach Urlaub, Liebe und Freundschaft haben. :thumbup:


    ASIN/ISBN: 3749900205