Beiträge von claudi-1963

    Judith Nicolai wurde 1976 in Karlsruhe geboren. Ihre Liebe zum Schreiben entdeckte sie bereits mit 14 Jahren. Dennoch machte sie erst eine Ausbildung zur Buchhändlerin und studierte anschließend Gartenbauwissenschaften. Heute lebt sie in der Nähe von Karlsruhe.


    Liebe, Ängste und Hoffnungen in Kriegszeiten


    "Wollen wir in Frieden leben, muss der Friede aus uns selbst kommen." (Jean-Jacques Rousseau)

    Deutsche Truppen besetzen 1942 die Kanalinsel Guernsey, viele der Soldaten werden in privaten Unterkünften untergebracht. So auch Florian und seine Kameraden, die vor Kurzem mit dem Schiff angekommen ist. Mit ihnen war dort ebenfalls Friederike, die Frau des Wehrmachtsoffiziers. Die beiden haben sich erst kurz vor dem Krieg vermählt, sodass sie keine Gelegenheit hatten, sich kennenzulernen. Friederikes Leben auf Guernsey könnte so schön sein, doch ihr Mann hat kaum Zeit für sie. Mit Henry Durant, der ihr im Garten hilft, lernt sie Freundschaft und die Schattenseiten der Insel kennen. Den die Deutschen bauen hier mit Zwangsarbeitern den Atlantikwall und verminen die Strände, sodass sie die Insel immer mehr für sich einnehmen. Zusehends fühlt sich beide zueinander hingezogen, selbst da wissen, dass es nicht sein darf. Derweil verliebt sich Sanitäter Florian in die Hofbesitzerin Alice, deren Mann ebenfalls bei der Air Force im Krieg ist. Während sie den Hof bewirtschaftet und versucht, mit ihrer Tochter zu überleben.


    Meine Meinung:

    1942 die deutsche Besatzung nimmt die Kanalinseln ein. Einwohner werden verhaftet, deportiert oder reisten nach England aus. Dadurch war in vielen Häusern Platz, um deutsche Soldaten unterzubringen, die die letzten Einwohner in Schach hielten und wegen des Atlantikwalls rüsteten. Das wundervolle Cover mit dem Cottage und den felsigen Strand passt sehr gut zum Inhalt der Geschichte. Der Schreibstil ist unterhaltsam in zwei Handlungsstränge und mehrere Kapitel eingeteilt. Während es in der einen Handlung mehr um Friederike und Henry geht, betrifft es bei der anderen Florian und Alice. Es geht um zwei Liebesgeschichten, die es in Kriegszeiten eigentlich nicht geben dürfte, jedoch immer wieder vorkam. Henry, der Neffe ihrer Haushälterin Nan soll ihr im Garten helfen. Doch dadurch das Friederike sich von ihrem Ehemann vernachlässigt fühlt, entwickelt sich die Freundschaft von Henry immer mehr zur Liebe. Eigentlich hatte Henry mit dieser Freundschaft ja etwas ganz anderes im Sinn, nämlich spionieren. Den Friederikes Mann ist der Ingenieur, der die Bauten auf der Insel leitet. Dass er sich dann immer mehr in sie verliebt, war nicht geplant. In der zweiten Handlung geht es um den jungen Sanitäter Florian, der kurz vor seinem Medizinstudium eingezogen wurde. Eigentlich ist er froh, dass er auf der Kanalinsel statt in Russland sein darf. Jedoch entdeckt er eines Tages einen jungen, verwahrlosten russischen Zwangsarbeiter und er bekommt immer größeren Zweifel, ob dieser Krieg wirklich gut ist. Eine dumme Bemerkung bringt ihn dann in große Schwierigkeiten, bei dem ihm nur noch Alice und Henry helfen können. Die Autorin hat mit diesem interessanten Roman zugleich zwei Liebesgeschichten geschrieben, in Zeiten des Zweiten Weltkriegs. Durch den Wechsel zwischen Liebe, Spannung und Historie nimmt die Geschichte immer mehr an Fahrt auf und so konnte ich das Buch schlussendlich kaum mehr beiseitelegen. Dabei haben mir besonders die Charaktere von Alice, der ehrgeizigen, selbstbewussten Hofbesitzerin und der sensible, sympathische und liebenswerte Florian gefallen. Sowie die fürsorgliche, naive Friederike und der selbstbewusste, eigenwillige Henry. Sie machen maßgeblich diese Geschichte zu einem Erlebnis der besonderen Art und ich konnte mich gut in ihre Ängste, Zweifel und Hoffnungen hineinversetzen. Ein Roman, bei dem ich mir wirklich gut vorstellen kann, dass er sich so ereignet hat. Ich habe mit jedem Einzelnen gelitten und mitgefiebert und am Ende gehofft, das es gut ausging. Man spürt sehr gut die Verzweiflung und den Mut der Bevölkerung, die das Kriegsende herbeisehnen. Von mir bekommt das Buch 5 von 5 Sterne und eine Leseempfehlung. :thumbup:


    ASIN/ISBN: B08F24WN8N


    Dania Dicken, Jahrgang 1985, schreibt seit der Kindheit. Die in Krefeld lebende Autorin hat Psychologie und Informatik studiert und als Online-Redakteurin gearbeitet. Mit den Grundlagen aus dem Psychologiestudium schreibt sie Psychothriller zum Thema Profiling. Bei Bastei Lübbe hat sie die Profiler-Reihe und "Profiling Murder" veröffentlicht, im Eigenverlag erscheinen "Die Seele des Bösen" und ihre Fantasyromane. Die Thriller-Reihe um die angehende FBI-Profilerin Libby Whitman ist ihr neuestes Projekt.

    Aktuelle Informationen: http://www.blog-und-stift.de


    Ich wollte sie doch nur für mich haben


    "Stalker haben den inneren Druck, die angebetete Person immer weiter zu bedrängen. Sie wollen das oft gar nicht, können aber nicht anders" (Wolf Ortiz-Müller)

    Nachdem dem Wochenende in Baltimore bei Maggie kehrt Laurie freudig nach Hause. Sie wundert sich zwar, dass Jake sie nicht am Flughafen abholt, macht sich aber wenig Gedanken. Umso schockierter ist sie, als sie Jake in einer Blutlache zu Hause vorfindet. Eine Notoperation kann ihm gerade noch das Leben retten. Doch Laurie ist sich sicher, dass nur ihr Stalker Keith Holden für diese Tat infrage kommt. Er wollte Jake aus dem Weg schaffen, um sie endlich für sich alleine zu haben. Doch nun will Laurie Keith endgültig zur Rechenschaft ziehen und in hinter Gitter bringen. Jedoch ahnt sie da noch nicht, das Keith einen weiteren Plan geschmiedet hat. Nun muss Laurie alles geben, den sie ist auf sich alleine angewiesen.


    Meine Meinung:

    Mit Band 11 kommt nun der vorletzte Teil der Profiling-Murder-Reihe. Diesmal wie nicht anders zu erwarten, schlägt Lauries Stalker erneut zu. Ich hatte ja schon länger vermutet, dass es auf ein Showdown zwischen Keith, Jake und Laurie hinausläuft. Jedoch durch die schwere Verletzung von Jake ist Laurie auf sich selbst angewiesen. Keith Holden, der Laurie schon seit Längerem nachstellt, entpuppt sich hier immer mehr zum Psychopathen. Bei seinem Nachstellen und bedrohen von Laurie hatte ich ja schon vermutet, das es bei dieser Belästigung nicht belieben wird. Dass er jedoch Jake angreifen würde und versucht, ihn zu ermorden, hatte ich nicht erwartet. Zwar erhält Laurie Polizeischutz und selbst Sam wird diesmal zu ihrer großen Hilfe und Stütze, doch das lässt Keith seine Pläne nicht aufhalten. Er hat sich für Laurie was Besonderes ausgedacht und überrascht dabei sie selbst. Dass Jake natürlich frustriert ist, da er durch seine Verletzung ans Bett gefesselt ist, kann ich gut verstehen. Um so motiviert ist Sam, um Laurie zu helfen und ihr eine Stütze zu sein, das hat mich sehr überrascht. Doch ihre Motivation konnte ich anderseits verstehen. Nicht umsonst hat sich Laurie für Sam eingesetzt, als diese so lange von ihrem Entführer gefangen gehalten und verschwunden war. Das solche Stalker immer wieder zu einer großen Gefahr werden, liest man immer häufiger. Das geht hin von Bedrohung bis zu Mord, weil sie nicht möchten, dass derjenige, den sie wollen, jemand anderes haben soll. Darum ist Keith Verhalten nicht untypisch, wird jedoch dafür für Laurie zur großen Gefahr. Keiths Beschreibung und Entwicklung in diesem buch fand ich absolut stimmig und faszinierend. Die Autorin hat die Thematik Stalking nicht das erste Mal behandelt, doch diesmal wird es umso persönlicher und spannender. Besonders da sie ein kleines Bonbon noch als Überraschung auf Lager hat. Dieser Thriller ist zudem ein interessanter Roadtrip durch die Umgebung Phönix und ich bin erneut begeistert, wie die Autorin so viel Spannung in diese Kürze hineinpackt. Deshalb gibt es von mir wieder einmal 5 von 5 Sterne und eine Leseempfehlung. :thumbup:


    ASIN/ISBN: B08D9VTZZH

    Nina liebt Wörter. Egal, ob handgeschrieben, getippt, gesungen oder gesprochen – sie mag Buchstaben in allen Formen. Gelesen hat sie schon immer gerne, mit dem Schreiben angefangen hat sie allerdings erst während ihrer Masterarbeit. Am liebsten schreibt Nina nachts – dann, wenn alles ruhig ist und sie möglichst wenig Ablenkung hat ... immer begleitet von Musik und einer großen Flasche Pepsi. Ninas Debütroman «Bereit zu fliegen» war drei Monate in den Amazon-Top-100-Gesamtcharts, nun folgt mit «Alles außer dir» und «Alles außer uns» ihre neue Geschichte als Dilogie.


    Eine Liebe unter schwierigen Bedingungen


    "Das Leben ist einfach, aber wir bestehen darauf es kompliziert zu machen." (Konfuzius)

    Nicole Hale (Nicky) hält nichts mehr in Brooklyn, nachdem sich ihr Freund Ben von ihr trennt, weil er seine große Liebe gefunden hat. In Hampton versucht sie ein neues Leben zu beginnen und bekommt einen Job als Lehrerin für Englische Literatur an einer Privatschule. Eigentlich hat sie von Männern erst einmal die Nase voll, doch dann läuft ihr am ersten Tag Liam Hunt über den Weg. Der umwerfende, besitzergreifende sportliche Typ zieht sie sofort in seinen Bann. Und trotzdem sie von ein paar Freunden gewarnt wird, dass man Liam nicht trauen kann, lässt sich Nicky immer mehr auf sein Werben ein. Auch wenn sie es nicht wahrhaben will, scheint Liam für Nicky Liebe auf den ersten Blick zu sein. Doch kann sie Liam wirklich trauen? Zudem müssen die beiden ihre Liebe Geheimhalten, den Liam hat so einiges verheimlicht.

    Meine Meinung:
    In diesem Buch, das aus zwei Bänden besteht, steckt Nina Miller ganzes Herzblut. Dies spüre ich sofort, dass sich die Autorin mit dieser Geschichte sehr beschäftigt hat. Der Schreibstil ist locker, unterhaltsam, stimmig und überaus gefühlvoll in mehrere Kapitel eingeteilt. Es geht dabei um eine recht komplizierte Liebe, den Liam und Nicky sind sehr unterschiedlich, sodass ihre Liebe eigentlich gar nicht sein dürfte. Leider kann ich dazu nicht mehr schreiben, ohne zu viel zu verraten. Nur so weit, ihre Liebe bringt sie immer wieder an Grenzen, sodass selbst Nicky manchmal nicht mehr weiß, ob ihre Liebe überhaupt eine Zukunft hat. Zudem ist Liam in dem elitären Hampton aufgewachsen, Geldsorgen kennt Liam von Haus aus nicht. Nickys Eltern dagegen sind nicht gerade betucht, sie haben jedoch immer alles ermöglicht für ihre beiden Töchter. Für Nicky wäre es von daher schrecklich, wenn sie wegen einer Liebe erneut alles verlieren würde, was sie sich aufgebaut hat. Schon alleine die Trennung von Ben hat sie viele Tränen und Opfer gekostet. Außerdem wird sie immer wieder durch Liams Art, seine Mauern nach oben zu klappen und sich zu verschließen oder wie er teils mit Frauen umgeht, verunsichert. Nach
    "Bereit zum Fliegen" kommt hier erneut eine wirklich gelungene Liebesgeschichte. Zwar dachte ich manchmal was für ein Auf und Ab bei Nicky und Liam, sie könnten es sicher einfacher haben, wenn sie mehr miteinander reden würden. Die Thematik ist sicher vielen bekannt und nichts Neues. Ich selbst jedoch habe bisher eine solche komplizierte, verworrene Liebesgeschichte zu diesem Thema noch nicht gelesen. So schwanke ich oft zwischen beiden, wer mir mehr leidtut, Nicky oder doch eher Liam. Dabei sind die Charaktere der beiden Hauptpersonen sehr gut durchdacht. Nicky ist zwar noch recht jung in ihrem Beruf, scheint jedoch ein gutes Durchsetzungsvermögen zu haben. Sie ist ein Familienmensch, sympathisch, ehrgeizig, liebenswert, ab und zu schüchtern und mitunter sogar naiv. Liam dagegen ist eher der Frauenschwarm, er könnte genug haben, den sie stehen alle irgendwie auf ihn. Er ist gut aussehend, intelligent, verwöhnt, doch mitunter kann er ganz schön zickig, wütend und nachtragend sein. Das bekommt am Ende sogar Nicky zu spüren, den die Autorin lässt den Leser mit einem unverschämten Cliffhanger stehen. So ist mir sofort klar, dass dies noch nicht das Ende ist, den es geht mit "Alles außer uns" weiter. Von daher sollte jedem bewusst sein, das diese Geschichte eine Diologie ist. Und natürlich möchte ich unbedingt wissen, wie es weitergeht, ob die beiden überhaupt eine Chance haben. Doch wer wie ich von dieser Achterbahn an Gefühlen in den Bann gezogen wird, der kann nicht anders, der muss den zweiten Band lesen. Das Einzige, was ich etwas komisch fand, das sich Lehrer auf einer Weihnachtsfeier so betrinken, dass dies zum einen Schüler miterleben und das sie nicht mehr wissen, was sie tun. In dieser Szene hat Nicky nicht unbedingt das beste Vorbild abgegeben und ich glaube nicht, das es so was bei uns geben würde. Trotzdem bekommt dieses Buch von mir 10 Eulen, weil ich beim Lesen gelacht, mitgelitten und sogar einige Tränen vergossen habe.
    :thumbup:


    ASIN/ISBN: B08HM8QKLG

    Semy Gutmann stammt aus einer Künstlerfamilie aus Izmir in der Südtürkei. Seit Ihrer Jugend lebt und wirkt Sie in Deutschland. Als echte Powerfrau mit umwerfender Ausstrahlung ist Sie Künstlerin und Lebenskünstlerin zugleich. Mit Neugierde, Humor und wachem Verstand geht Sie offen durch die Welt. Sie ist authentisch, kreativ und zollt dem Leben Respekt. Ihre erste Leidenschaft, den orientalischen Ausdruckstanz hat sie gelebt und perfektioniert. Ihre zwei Europameistertitel unterstreichen dies Eindrucksvoll. Seit 2014 hat Sie sich nun Ihrer zweiten großen Leidenschaft gewidmet - dem Bücherschreiben.


    Integration auf ganz besondere Art


    "Wir nannten sie Datsch, es gab sie für ein paar Pfennige am Kiosk beim Pausenhof und sie schmecken heute noch."
    Semy Gutmann wächst bei ihrer Großmutter in der Türkei auf, während ihre Eltern und die anderen Geschwister in Deutschland leben. Eines Tages jedoch entschließen Semys Eltern, sie mit nach Deutschland zu nehmen. Drei Wochen auf Probe wolle sie mitgehen, beschließt Semy mit ihren Eltern. Doch aus drei Wochen Bedenkzeit sollten über dreißig Jahre werden. Nun musste sie nicht nur eine neue Sprache lernen, sondern ebenso eine völlig andere Kultur und Mentalität kennenlernen. Manchmal fühlte sich Semy dabei wie ein Datsch. Hin- und hergerissen zwischen den Kulturen und den unterschiedlichen Mentalitäten, war sie wie leicht zusammengedrückt, um sich in Deutschland einzugewöhnen.


    Meine Meinung:
    Das Buch von Semy Gutmann hat mich sofort angesprochen, besonders da sie nach ihrem Weggang aus der Türkei in meiner Heimat Schwaben auf der Schwäbischen Alb aufwächst. Mich hat besonders interessiert, wie sie die beiden Kulturen als Kind und als Erwachsene miterlebt hat. Der Schreibstil ist einfach locker, unterhaltsam und eingeteilt in vier Teile und kürzere Kapitel. Semy wächst in der Großstadt Izmir bei ihrer Großmutter auf. Währenddessen leben und arbeiten ihre Eltern und die anderen Geschwister in Deutschland auf der Schwäbischen Alb. Warum man damals Semy in der Türkei gelassen hatte, wurde nicht ganz ersichtlich, ich vermute vielleicht wegen der Schule oder weil beide Eltern arbeiten mussten und Semy noch zu klein war? Mit neun Jahren holen sie Semy dann doch zu sich, trotzdem sie zu Beginn nicht mit möchte. Erst ein Kompromiss von drei Wochen auf Probe geht sie dann ein. Jedoch der Unterschied zwischen Großstadt und Dorf konnte für sie nicht größer sein. Ebenso ist Semy kulturell durch die Großmutter ganz anders erzogen worden und fiel dadurch natürlich öfters in der Schule und selbst im Dorf auf. Doch nach und nach gewöhnt sie sich an das Land, die Menschen und die Kultur. Bis hin, dass sie mit Thomas sogar einen deutschen Mann kennenlernt, mit dem sie inzwischen viele Jahre verheiratet ist. Semy Gutmann hat hier eine ganz besondere Lebensgeschichte geschrieben, die mir nicht nur die türkische, sondern ebenso ihren Spagat zwischen der deutsch-schwäbischen Kultur aufzeigt. Und sie zeigt dabei, wie stark ein junges Mädchen sein kann, wenn es nur will. Dabei hatte sie mit Bäuerin Elsa einen wahrlich besonders herzlichen Empfang, der sogar zu einer innigen Freundschaft führt, bei der Semy sie sogar Tante nennt. Semy macht es einem auch einfach, sie zu mögen, mit ihrer freundlichen, höflichen und sympathischen Art. Sie eckt zwar das eine oder andere Mal an, weil sie anders aufgewachsen ist. Doch glücklicherweise helfen die ganze Familie und Freunde ihr dabei, sich in Deutschland und besonders in Schwaben zurechtzufinden. Dabei gibt es in diesem Buch auch sehr humorvolle Geschichten und Eindrücke, bei der selbst ich herzhaft lachen musste. Und selbst wenn sie sich manchmal wie ein Datsch Wecken (Milchbrötchen, das mit einem Schokokuss in der Mitte zusammengedrückt wird), gefühlt hat, spüre ich, das Semy eine glückliche Kindheit hatte. Selbst das ich viel über ihre Kindheit und Jugend erfahr, war mir der weitere Verlauf als Erwachsene fast ein bisschen zu kurz in diesem Buch. Ich hätte gerne noch intensiver erfahren, wie es ihrer Familie weiter ergangen ist, wie sie eigenen Jahre erlebt hat. Trotzdem ist dieses Buch ein wunderbares positives Zeugnis, wie gut Integration in einem neuen Land laufen kann. Deshalb gibt es von mir 8 Eulen.
    :thumbup:


    ASIN/ISBN: 9783956316258

    Joachim B. Schmidt, geboren 1981 in Graubünden, ist Journalist, Autor dreier Romane und diverser Kurzgeschichten. 2007 ist er nach Island ausgewandert, wo er mit seiner Familie in Reykjavik lebt und Touristen über die Insel führt.


    Ob ein Eisbär wohl von Grönland nach Island schwimmen kann


    "Ich wünschte, Großvater wäre bei mir gewesen. Er wusste immer, was zu tun war. Vielleicht hätte er eine Pfeife gestopft und die Blutlache einfach zuschneien lassen." (Buchauszug)

    Der 34-jährige Kalmann, der Sohn einer Isländerin und eines Amerikaners, wächst bei seinem Großvater in Raufarhöfn auf. Hätte es ihn nicht gegeben, wäre er wahrscheinlich in einem Behindertenheim gelandet. Doch trotzdem der Großvater nun im Altenheim in Húsavík lebt, kann sich Kalmann ganz gut alleine durchs Leben schlagen. Wie vom Großvater gelernt, geht er weiterhin fischen und stellt Gammelhai her. Zudem ist er der selbsternannte Sheriff von Raufarhöfn, doch lieber jagt er Polarfüchse und geht auf die Stille des Meeres hinaus. Dann findet er eines Tages beim Arctic Henge eine riesige Blutlache im Schnee und alles verändert sein Leben.

    Meine Meinung:
    Das einsame Haus an der Küste auf dem Cover stellt ein wenig die Einöde Raufarhöfn dar, wo Kalmann lebt. Der Schreibstil ist unterhaltsam, locker und recht plastisch, sodass ich mir gleich den Charakter Kalmann und die Gegebenheiten Islands gut vorstellen konnte.Besonders lustig fand ich Kalmanns Aussage wie diese:
    "Die Frauenauswahl war hier etwa so üppig wie die Gemüsekiste im Dorfladen. Bis auf Karotten, Kartoffeln, zwei schrumpeligen Paprika und braunen Salat gab´s da nichts." Hier spürt man sofort, dass der Autor gut recherchiert hat und er selbst Touristen über die Insel führt. Raufarhöfn ist ein Ort mit ca. 188 Einwohnern, Tendenz sinkend, dieses Dorf lebt vom Fischfang. Doch die Fangquoten haben den Fischern geschadet, so das sie nun versuchen, Touristen in ihr Dorf zu bekommen. Anziehungspunkt sollte das Arctic Henge werden, ein Bauwerk aus sechs mächtigen Felstoren, das bisher nicht zu Ende gebaut wurde. Genau dort ereignet sich das eigentliche Verbrechen in unserer Geschichte. Man vermutet, dass der Hoteldirektor Róbert McKenzie dort ermordet wurde. Kalmann entdeckt an dem Platz eine riesige Blutlache. In seiner Naivität verkündet er, dass es vielleicht ein Eisbär war, der von Grönland nach Island geschwommen ist und damit war die Sache für ihn erledigt. Kalmann geht weiter seiner Arbeit nach und ein Ereignis auf das Nächste folgt, in dem er selbst immer wieder verstrickt wird. Dabei beschreibt der Autor Kalmanns Eindrücke von der Stille des Meeres, der Herstellung des Gammelhais, seine Erlebnisse auf der Jagd, seine Sehnsüchte nach Liebe und Geborgenheit und einer Frau, die ihn in den Arm nimmt. Einerseits kann einem Kalmann leidtun, den er scheint doch recht einsam zu sein, bis auf seinen imaginären Freund Noi aus dem Internet hat er niemanden zum Reden. Die Mutter, sein Vormund, arbeitet als Krankenpflegerin im über 3 Stunden entfernten Akureyri und der senile Großvater lebt im Heim in Húsavík. Dorthin fährt ihn eine Dorfbewohnerin einmal die Woche, weil es ihm sehr wichtig ist. Das Buch Kalmann ist kein Krimi, selbst wenn es hier um ein Verbrechen geht, es ist eher eine Mischung aus Roman und Reiseführer. Dabei ist der Rolle Kalmanns das maßgebliche dieser Geschichte. Sein Charakter ist hier sehr speziell, ähnlich eines Autisten. Einerseits ist er der Dorftrottel, er ist sensibel, einfühlsam, in manchen Gebieten jedoch durchaus schlau, was vor allem das Jagen und Fischen anbelangt. Er hat Sehnsüchte, Wünsche, Träume, Hoffnungen und wird am Ende sogar noch als Held gefeiert. Doch er kann mitunter durchaus eine Wut entwickeln, die er dann versucht, an sich oder an anderem abzureagieren. Der Autor sagt in einem Interview, das im Grunde in jedem von uns ein Kalmann steckt. Das könnte durchaus sein, was die Wünsche und Sehnsüchte anbelangt, die er hat. Doch das Buch hat mitunter einige Längen und Wiederholungen, die für mich recht ermüdend waren. Jedoch das Ende brachte dann noch eine sehr eindrückliche Begebenheit, die ich unfassbar stark fand. Gerade diese Schilderung hat mich genauso fasziniert wie die anderen Beschreibungen in diesem Buch, zudem habe ich mit Kalmann mitgelitten. Auf alle Fälle bekommt man durch dieses Buch einen Einblick in die Kultur und Natur Islands, sodass man Lust bekommt, dieses Land mal persönlich zu sehen. Deshalb von mir 8 Eulen für dieses besondere Buch.:thumbup:


    ASIN/ISBN: 3257071388

    Thomas Franke ist bei einem sozialen Träger für Menschen mit Behinderung tätig. Als leidenschaftlicher Geschichtenschreiber ist er nebenberuflich Autor von Büchern für Kinder und Erwachsene.

    Er lebt mit seiner Familie in Berlin.



    SOKO Handicap auf der Suche nach Mikes Mörder


    "Nicht behindert zu sein, ist kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das uns jederzeit genommen werden kann." (Richard v. Weizsäcker)

    Der im Rollstuhl sitzende 20-jährige Theo ist geschockt, als er erfährt, dass Mike in der Nacht verstorben ist. Eigentlich ist das nichts Vorhersehbares, den Mike hatte ALS und man musste immer damit rechnen. Dabei war er noch so gut gelaunt am Tag zuvor beim Karaoke-Abend. Trotzdem sind alle anderen WG Bewohner ebenso schockiert. Besonders Autist Keno ist seitdem total aufgelöst, ständig redet er nur von einem Taucher. Selbst Theo kommen erste Zweifel, als er durch Zufall eine Einstichstelle an Mikes Arm entdeckt. Obwohl es in der WG keine Medikamente gibt, die gespritzt werden. Außerdem was haben Mikes Eltern in seinem Zimmer gesucht und warum soll seine Beisetzung so schnell sein? Theo muss unbedingt die Wahrheit herausfinden, nachdem er Arzt nichts Ungewöhnliches festgestellt hat. Um auf Spurensuche zu gehen, wird die SOKO Handicap ins Leben gerufen.


    Meine Meinung:
    Das Cover mit der Tauchermaske und der Rollstuhllehne auf der rechten Seite passt sehr gut zur Geschichte. Der Schreibstil der zweiteiligen Krimireihe ist locker, humorvoll, interessant und unterhaltsam. In zwei Handlungssträngen wird zum einen im Fall von Mikes Tod ermittelt und man kommt einem Namenlosen immer mehr auf die Spur. Thomas Frankes Krimi präsentiert hier ein sehr ungewöhnliches Ermittlerteam. Die SOKO Handicap besteht aus Theo, der an der Erbkrankheit (CMD) kongenitaler Muskeldystrophie erkrankt ist, im Rollstuhl sitzt und Psychologie studiert. Außerdem ist da noch die Schauspielerin Paula mit Trisomie 21(Downsyndrom), die schwergewichtige, ständig hungrige Lene mit dem Prater-Willi-Syndrom und Scott, der das Weaver-Syndrom hat. Zudem wohnt in ihrer WG noch der Autist Keno und natürlich der verstorbene Mike, der ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) hatte. Da der Autor selbst als Sozialpädagoge unter Menschen mit Beeinträchtigung arbeitet, kann er seine Betroffenen sehr gut darstellen, sodass ich mich sofort in sie hineinversetzen konnte. In diesem Krimi geht es zum größten Teil um Mikes Tod und um den vor Jahren verschwunden Vater von Theo und seiner Schwester Lina, die bei der Polizei arbeitet. Theo ist für mich ein sehr außergewöhnlicher, intelligenter junger Mann, der trotz seiner schweren Erkrankung das Leben annimmt, wie es ist. Was sicherlich zum großen Teil an seinem christlichen Glauben liegt. Seine Art wirkt einfach ansteckend, besonders auf seine WG-Bewohner, mit denen er es nicht immer einfach hat. Dabei finde ich gerade die humorvolle Lene mit ihrem Berliner Dialekt nach Theo am herausragendsten. Nicht nur ihre spontanen Sprüche sind großartig, sondern im Wesentlichen ihre ganze Art, das Leben locker zu nehmen. Überhaupt passt diese individuelle SOKO Handicap sehr gut zusammen. Was der eine nicht schafft, macht ein anderer mit Köpfchen, Humor, schauspielerischem Talent, ausgefallenen Sprüchen oder mit schlichter Muskelkraft und so ergänzt sich dieses Quartett wundervoll. Ferner bekommen sie weitere Unterstützung von Polizistin Lina und dem Einzelfallhelfer Bastian. Damit alles verständlicher wird, werden dem Leser spezielle fachinterne Begriffe wie z. B. Theory of Mind erklärt. Und man erfährt mehr über die Handicaps der Bewohner und ihre Eigenheiten. Natürlich kommt die Spannung ebenfalls nicht zu kurz, die der Autor in beiden Handlungssträngen immer mehr forciert. So komme ich nach und nach dem ganzen Geschehen immer näher. Dieser bedeutsame Krimi hat mich bestens unterhalten. Vor allem durch die Vielschichtigkeit dieser außergewöhnlichen Charaktere wird das Ganze noch mehr hervorgehoben. Gerade in Zeiten der Inklusion ist ein solches Ermittlerteam etwas Einmaliges. Am Ende gibt es sogar noch eine Wendung, die mich neugierig auf Band 2 macht. Deshalb freue ich mich schon darauf wie es in der Reihe weitergeht. Von mir jedenfalls gibt es eine Leseempfehlung und 5 von 5 Sterne.
    :thumbup:


    ASIN/ISBN: 3957346622

    Anne Barns ist ein Pseudonym der Autorin Andrea Russo. Sie hat vor einigen Jahren ihren Beruf als Lehrerin aufgegeben, um sich ganz auf ihre Bücher konzentrieren zu können. Sie liebt Lesen, Kuchen und das Meer. Zum Schreiben zieht sie sich am liebsten auf eine Insel zurück, wenn möglich in die Nähe einer guten Bäckerei."


    Erinnerungen an den Eisblumenwinter



    "Die Liebe ist so unproblematisch wie ein Fahrzeug. Problematisch sind nur die Lenker, die Fahrgäste und die Straße." (Franz Kafka)
    Zum jährlichen Adventskaffeeklatsch treffen sich Thea, Rina, Pia und Jana erneut bei Oma Anni auf Rügen. Doch diesmal ist Erika Annis Schwester mit dabei und sie hat eine große Überraschung für Anni. Doch Pias Gedanken schweifen immer wieder zu Paul, ihrer großen Liebe auf Juist ab. Noch immer können sie sich nicht entscheiden, wo sie leben wollen. Pia möchte nicht nach Juist und Paul nicht nach Rügen. Deshalb haben sie sich beide eine kleine Auszeit genommen. Doch auch bei Rina und Miro scheint nicht alles bestens zu laufen. Also Oma, sie bittet mit ihr zu ihrer verschollenen Tante Hedwig zu reisen, ist sie sofort dabei. Den eine Auszeit mit Oma, das ist genau das, was sie jetzt braucht. Dass sie auf ihrer Spurensuche nach der Vergangenheit eine besondere Liebe entdecken, hilft auch Pias Zweifel weiter.


    Meine Meinung:
    Wieder einmal entführt mich Anne Barns nach Rügen zu den drei Schwestern Katharina (Rina), Pia und Jana, die ich schon von ihrem Buch "
    Drei Schwestern am Meer" kenne. Mehr als zwei Jahre später treffen sie sich wieder zu ihrem jährlichen Adventskaffeeklatsch, wo es diesmal um Rührkuchen geht, bei dem der Beste prämiert wird. Doch Tante Erika bringt für Anni noch ein geheimnisvolles Päckchen mit, das ihre roten Stiefel enthält, die sie schon so lange vermisst hat. Als sie dann erfährt, dass diese von ihrer Lieblingstante Hedwig sind und sie noch lebt, ist Anni wirklich erstaunt. Hedwig, inzwischen 94 Jahre alt, ist außer schwerhörig anscheinend noch immer bei bester Gesundheit. Doch als Oma mit ihr telefoniert, erscheint sie recht komisch und zurückweisend zu sein. Die Einladung jedoch zu ihrem Geburtstag möchte sie unbedingt nutzen, um mit ihr über Vergangenes zu reden. Damit Oma nicht alleine ist, begleitet sie Pia auf die Reise in die Vergangenheit. Ich habe mich sehr gefreut, wieder von den drei Schwestern aus Rügen zu lesen. Lustig fand ich, dass alle drei mal wieder Probleme mit ihren Beziehungen haben. Rina hat Angst, Miro zu heiraten, weil er plötzlich von einem Umzug nach Polen redet, wo sie nicht hin möchte. Pia und Paul können sich nicht entscheiden, wo sie leben wollen, weil keiner weg von seiner Insel möchte. Nesthäkchen Jana kann sich nicht zwischen einem Kommilitonen oder ihrem besten Freund Henrik entscheiden. Wenigstens weiß Oma Anni, was sie an ihrer alten Liebe Georg hat, dem sie vor über 2 Jahren wieder begegnet ist. Diesmal jedoch geht es um das Geheimnis der roten Stiefel und um das, was damals vor und nach dem Verschwinden von Hedwig geschah. Wieder erzählt die Autorin von einer wunderbaren Liebesgeschichte, die man sich kaum vorstellen kann, zumal sie in Kriegszeiten fast unmöglich schien. Das wundervolle Lokalkolorit mit Rügen und dem Schönberger Strand macht das ganze erneut zu einem warmherzigen, unterhaltsamen, liebevollen und emotionalen Roman. Begeistert bin ich besonders, wenn ich mir im Internet die realen Settings anschaue, bei denen die Autorin meist selbst gewesen ist. Immer sucht sie sich dabei ausgefallene Gebäude oder besondere Gegenstände aus, die das ganze Buch beleben. Wie diesmal eine alte schöne Strandvilla, das Kaufhaus der Kunst oder die Schirm-Mädchen-Lampen. Als ich Bilder davon sah, bekam sogar ich sofort Lust auf Urlaub, Rügen und das Meer. Genau dafür liebe ich die Bücher der Autorin den, wenn ich sie lese, habe ich immer das Gefühl, mittendrin in den Geschehnissen zu sein. Und besonders mag ich die Harmonie und den Zusammenhalt zwischen den Schwestern und ihrer Oma. Abgerundet wird das ganze wieder durch tolle Rezepte am Ende des Buchs von den Köstlichkeiten aus der Geschichte. Allerdings würde ich zum besseren Verständnis empfehlen, "Drei Schwesternam Meer" vorab zu lesen. So hoffe ich, dass ich wieder etwas von Oma Anni und den Schwestern aus Rügen hören werde. Von mir gibt es derweil eine Leseempfehlung und 10 Eulen für dieses Buch. :thumbup:


    ASIN/ISBN: 3959675364

    Claudia Winter, geboren 1973, ist Sozialpädagogin und schreibt schon seit ihrer Kindheit Gedichte und Kurzgeschichten. Als Tochter gehörloser Eltern lernte sie bereits mit vier Jahren Lesen und Schreiben, gefördert von ihrem Vater. Neben ihren bisher im Goldmann Verlag erschienenen Büchern hat sie weitere Romane sowie diverse Kurzgeschichten in Anthologien veröffentlicht. Die Autorin lebt mit ihrem Ehemann und dem Labrador Luka in einem kleinen Dorf nahe Limburg an der Lahn.


    Auf der Suche nach der alten und neuen Liebe



    "Manchmal muss man einen Menschen loslassen, damit er glücklich sein kann, auch wenn man selbst daran zerbricht." (desired)

    Maelys Durant kann ich Glück kaum fassen, den sie darf in Paris Kunst studieren und bei Tante Valerie wohnen. Doch eines Tages erkrankt Valerie und immer mehr Schulden häufen sich an. Maelys bleibt nichts anderes übrig, als in Hadirs Garküche zu arbeiten und Touristen am Place du Tertre zu malen. Eines Tages macht ihr ein Fremder das unglaubliche Angebot für viel Geld, seinen Großvater in Lissabon zu malen. Maelys ist neugierig, geht jedoch nur unter der Bedingung mit, das sie Tante Valerie mitnehmen kann. Ihre Reise in die Stadt am Tejo wird gleichzeitig zur Spurensuche einer vergangenen Liebe, die in Paris 1966 begann. Dabei ahnt sie nicht, dass auch sie eine Rolle darin spielen wird.


    Meine Meinung:
    Das wunderschöne gelbe Cover mit den Zitronen und der Frau im blauen Kleid lässt mich sofort an Wärme, Urlaub und Portugal denken. Der Schreibstil ist locker, bildhaft, einfühlsam, berührend und überaus unterhaltsam, wie bisher alle Bücher der Autorin. Die zwei Handlungsstränge mit der Liebe in der Vergangenheit und Maelys Geschichte nehmen mich sofort gefangen. Dieses Buch ist die Fortsetzungsgeschichte von "Die Wolkenfischerin", das ich leider nicht gelesen habe, jedoch nach diesem Buch unbedingt lesen werde. Da die Eltern von Claudia Winter ebenfalls gehörlos sind, kann sie sehr gute Maelys Welt ohne Hören darstellen. Obwohl ich es mir sicher schwer vorstelle, dass man manche Gefühle per Handzeichen vermitteln kann. Da kommt selbst Maelys manchmal an ihre Grenzen, doch besonders merke ich es bei Antonio. Der Fremde, der Maelys nach Lissabon holt und dann merkt, dass er mehr für diese ungewöhnliche junge Frau empfindet, als er denkt. Doch sehr angetan war ich von Valeries Geschichte, die aus der Bretagne nach Paris geht, um dort eine bessere Zukunft zu haben. Dass sie dort dann auf die Liebe ihres Lebens trifft, hatte sie wahrscheinlich selbst nicht gedacht. Jedoch das Schicksal meint es nicht gut mit ihr und Fredo wie sie ihn immer nennt. Die beiden Geschichten, die mich fast zu Tränen gerührt und tief bewegt haben, weil sie einen so fassungslos macht. Jedes Mal dachte ich beim Lesen, würden sie doch nur offen miteinander reden. Ebenso wie Maelys Geschichte, die in Lissabon so schön beginnt und so tragisch zu Ende geht. Sofort dachte ich nein, nicht noch mal dasselbe. Claudia Winter entführt mich in das Paris der Künstler und auch in das Paris der 60er-Jahre, als man als junger Mensch froh war, ein Einkommen und ein Dach über dem Kopf zu haben. Da nimmt man dann gerne einmal Arbeiten an, an die man zuvor vielleicht nicht gedacht hat. Durch das ständige Abtauchen in die verschiedenen Zeitebenen, die französischen Wörter und der Beschreibung des Lokalkolorits habe ich das Gefühl, mitten dabei zu sein. Zudem werden für mich die unterschiedlichen Personen der beiden Geschichten viel klarer dargestellt. Gerade ihre Charaktere haben mir außerordentlich gut gefallen. Besonders die despotische Patriarchin Dona Maria fand ich schrecklich, doch dadurch konnte ich sie mir sehr gut vorstellen. Die sympathische, zurückhaltende junge Maelys die gehörlos ist. Der nette, gut aussehende, charmante Antonio, die energische, kultivierte Valerie und der sture, eigensinnige Vovo sind wirklich gut gelungen. Eine Geschichte, die nicht nur für Urlaubsstimmung sorgt, sondern besonders was fürs Herz ist und die mit der Individualität der Gehörlosigkeit etwas ganz Besonderes ist. Darum gibt es von mir eine Leseempfehlung und 10 Eulen.
    :thumbup:


    ASIN/ISBN: B07ZTG3L48

    Annette Mingels, geboren 1971 in Köln, studierte Germanistik, Linguistik und Soziologie in Frankfurt, Köln, Bern und Fribourg. Promotion in Germanistik. Nach Stationen in der Schweiz, in Montclair (USA) und Hamburg lebt sie seit Mitte 2018 mit ihrem Mann Guido Mingels und den drei Kindern in San Francisco.


    Wen im Laufe des Lebens das Glück verloren geht



    „Glück entsteht oft durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen, Unglück oft durch Vernachlässigung kleiner Dinge.“ (Wilhelm Busch)

    In Hollyhock einer Kleinstadt in Virginia, treffen wir auf einige Einwohner. Von den 15 Personen erleben wir einen Ausschnitt ihres Lebens. Einige sind miteinander verbunden durch Familie, Ehe oder Freundschaft. Da gibt es Robert und Amy, in deren Ehe es kriselt, deshalb beschließen sie, eine offene Beziehung zu führen. Doch Robert scheint nicht glücklich zu sein und sie übersehen, dass sie sich doch noch brauchen. Ebenso scheint bei Nomi und Saul die Ehe zu Ende zu sein. Nomi sehnt sich nach Japan zurück, besonders weil sie denkt, das ihren Eltern sie brauchen. Doch kann man nach so vielen Jahren wieder in die Heimat zurückkehren? Kenji hat sein Buch geschrieben, doch er zweifelt an seinem Erfolg und sieht gar nicht das andere zu ihm aufschauen. Seine Schwester Aiko scheint die strebsame, glückliche Studentin zu sein, doch im Grunde hat auch sie ihre Last zu tragen. Flynn ist todkrank, er hat Angst vor den Schmerzen und dem Sterben und möchte sich deshalb das Leben nehmen. Seine einsame Großmutter Claire hängt sehr an ihm, weshalb sie ihn diesen Schritt nicht alleine gehen lässt. Basil dagegen trägt ein Geheimnis mit sich, von dem niemand etwas ahnt.


    Meine Meinung:
    Bei 15 Kurzgeschichten, in denen unterschiedlich teils wiederkehrende Charaktere eine Rolle spielen, deren Glück irgendwie abhandengekommen ist. Alle scheinen sie Sehnsüchte zu haben oder auf der Suche nach dem Glück zu sein. Sei es die Ehen, die zerrissen wird, weil sie sich nichts mehr zu sagen haben oder weil die Liebe im Laufe der Zeit erkaltet oder erloschen ist. Doch ist es wirklich so, dass die Liebe erloschen ist? Oft sehe ich bei diesen Geschichten, dass zu wenig geredet wird miteinander, sondern stattdessen handeln sie gleich. Für Familie, Partnerschaft oder Freundschaft braucht man Zeit und auch dies spiegelt sich in Annette Mingels Geschichten wider. Jedoch ist dieses Buch mit sehr viel Melancholie und Traurigkeit gespickt, sodass es für mich nicht einfach ist am Lesen dranzubleiben.Mitunter empfinde ich die Geschichten fast ein wenig zu platt und ermüdend. Bei den meisten fehlte mir der richtige Anfang und besonders, dass verständliche Ende, den sie lässt, dieses offen. Natürlich regt sie dadurch meine Fantasie an, doch ich hätte ab und zu schon gerne gewusst, wie es nun mit dem Paar oder der Person weitergeht. Zwar tauchen manche Charaktere in einer anderen Geschichte auf, weil es der Partner oder die Geschwister sind, doch leider konnte selbst dies mich nicht wirklich befriedigen. Ebenfalls die Charaktere, die mir oft zu oberflächlich waren, dadurch das ich als Leser immer nur einen kleinen Lebensausschnitt mitbekam. So habe ich mitunter keine Ahnung, was die Autorin mir außer Traurigkeit, Unglück und Unzufriedenheit vermitteln wollte in diesem Buch. Natürlich spüre ich ihr gutes Einfühlungsvermögen, sie zeigt auch ab und zu Emotionen, doch so das es mich berührt würde, war es leider nicht. Lediglich eine Geschichte, bei dem es darum geht, dass eine Großmutter mit dem Enkel Selbstmord begehen möchte, konnte mich etwas berühren. Ich glaube, dass die Autorin mit der Vielzahl an Charakteren den Leser überfordert und das mehr Tiefgang der Geschichte gutgetan hätte. Mich jedenfalls hat die Mehrzahl nicht berührt, geschweige den zu Tränen rühren können. Für mich hat die Autorin hier nicht ihr ganzes Potenzial ausgespielt. Es waren eben Geschichten, wie sie tagtäglich immer und überall passieren können. Falls die Autorin dies so bezweckt hat, dann habe ich es entweder nicht ganz verstanden oder sie hat es mir einfach nicht klar genug vermitteln können. Bei mir jedenfalls blieb am Ende wenig hängen, dagegen viele Fragen offen, sodass ich nicht befriedigt war. Deshalb kann leider ich nur von 5 Eulen für dieses Buch geben.


    ASIN/ISBN: 3328601007

    Anne Barns ist ein Pseudonym der Autorin Andrea Russo. Sie hat vor einigen Jahren ihren Beruf als Lehrerin aufgegeben, um sich ganz auf ihre Bücher konzentrieren zu können. Sie liebt Lesen, Kuchen und das Meer. Zum Schreiben zieht sie sich am liebsten auf eine Insel zurück, wenn möglich in die Nähe einer guten Bäckerei. Anne Barns hat schon mehrere Bestseller für Erwachsene geschrieben und bringt somit eine Menge Erfahrung im Büchermachen mit.

    Christin-Marie Below feiert mit der Reihe um das Vampirmädchen Mirella Manusch ihr Debüt und bringt eine Menge frischen Wind in die Geschichte. Die beiden sind ein eigespieltes Team, denn sie sind nicht nur Co-Autorinnen, sondern auch Mutter und Tochter.


    CD Standard Audio Format,
    Dauer: 3 Stunden 32 Minuten

    Gesprochen von Dina Kürten


    Mon dieu, mein Kater kann auf einmal sprechen



    "Und Langstrumpf ist ein Kater. Er kann schnurren und miauen. Ich kann ihn nicht verstehen! Und er mich auch nicht. Ob mich irgendwer veräppeln will? Mama vielleicht?" (Buchauszug)
    Die fast zehnjährige Mirella Manusch ist gerade dabei, ihren ersten Eckzahn zu bekommen, der ungewöhnlich spitz ist. Als sie eines Nachts bemerkt, dass sie ihren Kater Langstrumpf versteht, ist sie mehr als erschreckt. Will sie da jemand veräppeln, vielleicht Mama oder Papa? Ganz im Gegenteil, das soll sie jedoch erst nächsten Tag erfahren. Denn Mama und ihre coole Tante Elly beichten ihr, dass sie ein Vampirmädchen ist. "Muss ich dann Blut trinken?", fragt sie Mariella. Doch die beiden beruhigen sie, sie erklären ihr, dass sie nachts sich in eine Fledermaus verwandeln kann. Zudem hätte sie einen Beschützer, was in ihrem Fall Kater Langstrumpf ist. Doch das Beste ist, das sie Tiere verstehen kann. Zwar keine Insekten, wie sie feststellt, doch dafür alle anderen. Wie gut, dass sie nun die ganzen Probleme aufklären kann, die Papas Tiere im Zoo haben. Den diese vertrauen ihr an, was ihnen fehlt.


    Meine Meinung:
    Die bezaubernde Mirella und Kater Langstrumpf (Sir Lancelot) zieren das wundervolle Hörbuch, das für Kinder ab 8 Jahre geeignet ist. Das Mutter-Tochter Gespann Anne Barns und Christin-Marie Below hat hier wirklich gelungene Geschichte verfasst. Eine Geschichte um Freundschaft, Ängste, Vertrauen, Mut und Hilfsbereitschaft. Ich bin ja sonst weniger der Freund von Vampiren, doch das Cover hat mich sofort angesprochen. So wurden die 3,32 Stunden für mich zu einem reinen Hörvergnügen, was explizit an der Sprecherin Dina Kürten lag, deren Stimme sicher einige von Elsa aus "Die Eiskönigin" erkennen werden. Doch besonders angetan war ich von Mirellas Kater Lancelot, wie er sich ab nun nennt. Sein französischer Dialekt mit mon dieu, tres terrible gab dem Hörbuch einen besonderen Flair und passt hervorragend zu dem Kater. Dass er sich über seinen Namen und das rosa Halsband ärgert, bringt er ebenfalls sofort zum Ausdruck. Doch ebenso gut gefallen hat mir die kecke Mirella, die mitunter etwas verängstigt ist, besonders nachts. Und dann wäre da noch Tante Elly, wenn sie erstaunt ist, gibt sie schon mal ihr Holy Moly von sich, das einfach gut zu ihr passt. Doch wie soll sie sich verhalten, wenn der eigene Vater Tierarzt ist und man ihm nicht sagen darf, dass sie Tiere versteht? Mirella und ihre Mutter stehen da vor einem großen Problem. Zudem darf außer Mama und Tante Elly niemand davon wissen, dass sie nachts zu einem Vampirmädchen wird. Und auf ihren Ausflügen entdeckt sie noch andere Vampire und ihre Beschützer. Diese wundervoll erdachte Geschichte hat so viel Potenzial für mehr, sodass ich mir sicher bin, das Mirella und ihren Freunden noch einiges erleben werden. Ich muss ehrlich sagen, dass ich froh war, über dass Hörbuch, weil hier manches noch deutlicher zu tragen. Den durch den Akzent und verschiedenen Stimmlagen werden die einzelnen Szenen einfach verdeutlicht. Ich bin sonst eher weniger der Hörer von Hörbüchern, doch hier würde ich wirklich eher zu diesem statt zum Buch greifen. Und ich bin mir sicher, dass es nicht nur die Mädchenherzen höherschlagen lässt, sondern es ebenso den Jungs und selbst Erwachsenen gefallen wird. Als krönenden Abschluss gibt es am Ende noch eine coole Vampirmarmelade. Mich jedenfalls konnte die Geschichte begeistern und ich möchte unbedingt wissen, was Mirella weiter erlebt. Deshalb gibt es von mir eine Hörempfehlung und 10 Eulen.
    :thumbup:


    ASIN/ISBN: 3749900302

    Dania Dicken, Jahrgang 1985, schreibt seit der Kindheit. Die in Krefeld lebende Autorin hat Psychologie und Informatik studiert und als Online-Redakteurin gearbeitet. Mit den Grundlagen aus dem Psychologiestudium schreibt sie Psychothriller zum Thema Profiling. Bei Bastei Lübbe hat sie die Profiler-Reihe und "Profiling Murder" veröffentlicht, im Eigenverlag erscheinen "Die Seele des Bösen" und ihre Fantasyromane. Die Thriller-Reihe um die angehende FBI-Profilerin Libby Whitman ist ihr neuestes Projekt. Aktuelle Informationen: http://www.blog-und-stift.de


    Wenn man tötet weil die Seele krank ist



    "Und du sollst ihn schächten und von seinem Blut nehmen und auf den Altar sprengen ringsumher." (Exodus 29:16)
    Laurie und Jake werden zu einem unschönen Tatort gerufen. Ähnlich wie bei ihrem letzten Fall scheint hier jemand Menschen bei lebendigem Leib zu opfern. Der Täter überwältigt seine Opfer, hängt sie kopfüber und schneidet ihnen die Kehle und Pulsadern auf. Doch warum tötet er auf so grausame Weise? Als die nächsten Opfer im muslimischen und jüdischen Kreis zu finden sind, scheint niemand etwas zu wissen. Der erste Hinweis einer jungen Frau führt die Ermittler auf eine Spur. Außerdem gibt Lauries Stalker Keith Holden keine Ruhe, immer weiter attackiert er sie mit Nachrichten.


    Meine Meinung:
    In Band 10 der Dranbleiber-Reihe "Profiling Murder" wird es diesmal wieder blutig. Der Serientäter tötet überaus brutal, in dem er seine Opfer tötet, ähnlich wie beim Schächten, das man aus dem Islam (Halāl) und Judentum (Koscher) kennt. Das Blut gilt in diesen beiden Religionen als unrein. Schächten soll deshalb das möglichst rückstandslose Ausbluten des Tieres gewährleisten. Haben Laurie und Jake es gar mit einem religiösen Fanatiker zu tun? Die ersten Anzeichen scheinen jedenfalls dafür dazu sein. Doch egal, ob sie in der jüdischen oder muslimischen Gemeinde fragen, sie treffen auf eine Mauer des Schweigens. Wieder mal müssen Laurie und Jake sich mit einem Serienmörder befassen, anscheinend sind sie in Phönix schon dafür bekannt, die Besten dafür zu sein. Dania Dicken lässt es wieder einmal brutal und blutig werden.
    Zwar lese ich nicht explizit, wie der Täter seine Opfer tötet, dafür sind diese Bücher einfach zu kurz. Dafür lässt mich die Autorin in die Seele des Menschen blicken, der schon mehrere Jahre psychisch angeschlagen ist. Die Vorstellung, dass jemand solche Morde begeht, ist für mich unvorstellbar, als würde man einen Menschen wie ein Tier behandeln. Ist dieser Täter wirklich so skrupellos oder ist er einfach nur krank? Genau dies müssen Laurie und Jake herausfinden, als sie ihren ersten Hinweis bekommen. Für Laurie heißt es nun, alles dranzusetzen, was sie als Sozialarbeiterin kennengelernt hat. Und auch Lauries Stalker scheint keine Skrupel zu kennen. Selbst nachdem sie ihn inzwischen angezeigt hat, scheint er keine Ruhe zu geben. Ich dachte mir, dass Keith keine Ruhe geben wird, viel zu sehr ist er von Laurie angetan. Gleichzeitig produziert die Autorin hier eine Spannung, die mich als Leser immer mehr beunruhigt. Denn wer weiß, was Keith Holden noch tut, um an Laurie zu kommen? Weiterhin ist das ein Thema, bei dem sie mich auf die Folter spannt und ich wirklich neugierig bin, was da auf Laurie oder Jake noch zukommt. Trotz der Kürze war es erneut ein sehr interessantes Thema, bei dem mich dieses Buch wieder bis zum Ende gefesselt hat. So bin ich schon gespannt auf Band 11 und besonders, was Keith Holden macht. Von mir gibt es auch diesmal wieder 10 Eulen für einen informativ gut recherchierten Kurzthriller. :thumbup:



    ASIN/ISBN: B08CZW9KLB

    Matthias Bürgel (Dipl. VW. FH Pol.) ist 49 Jahre alt und seit 29 Jahren Angehöriger der Polizei Baden-Württemberg. Seit mehr als 14 Jahren arbeitet er in den unterschiedlichsten Bereichen der Kriminalpolizei. Aktuell leitet er eine Dienstgruppe beim Kriminaldauerdienst. Am 10. August 2016 erschien sein Debütroman «Projekt Goliath« (BoD).


    Wenn Rache das Leben bestimmt


    "Viel größer noch als die Genüsse der Sinnenlust sind die befriedigten Gefühle der Rachsucht." (Honoré de Balzac)

    In vier Städten werden mehrere grausam entstellte Leichen an Flughäfen aufgefunden. Alles deutet auf ein und denselben Täter hin, weshalb Kriminalrätin Nadine Adler vom LKA Stuttgart den Fallanalytiker Falk Hagedorn um ein Profil bittet. Der eigensinnige, querschnittgelähmte Hagedorn arbeitet nach seinem letzten Fall und dem Ende beim LKA als Psychotherapeut in Konstanz. Adler ist sprachlos, als man bei zwei Tatorten die DNA einer Frau findet. Kann es sein, dass eine Frau diese brutalen Morde begangen hat? Das wirft natürlich Hagedorns angefertigtes Profil über den Haufen. Als er sich an ein neues Profil macht, erinnert er sich, dass ihm die Täterin bekannt vorkommt. Außerdem scheint Hagedorn in Gefahr zu sein, den jemand trachtet, nach seinem Leben.


    Meine Meinung:
    Das Cover mit dem Bild eines Gates passt sehr gut zum Inhalt dieses Buches. Der Schreibstil ist wie beim ersten Band "Dunkler Hass" wieder sehr informativ, unterhaltsam, spannend und überaus gut recherchiert. Doch ich hatte nichts anderes erwartet, den Matthias Bürgel, der selbst aktiv als Leiter einer Dienstgruppe beim Kriminaldauerdienst arbeitet, kennt sich aus in dem Metier. Mit Falk Hagedorn hat er einen sehr extravaganten, eigenwilligen Ermittler kreiert. Und auch diesmal wird es wieder sehr spannend, nicht nur durch diese kranke mordende Täterin, sondern zudem weil jemand nach Hagedorns Leben trachtet. Erneut ist wieder Hagedorns Freund Marius Bannert mit von der Partie, der im letzten Fall schon mit dabei war, als es um das Leben von Hagedorns Tochter Karina ging, die diesmal ebenfalls wieder eine Rolle spielt. Hagedorns erste Aufgabe führt uns allerdings zu einem Banküberfall, bei dem einer seiner Patienten der Täter ist. Doch leider trifft das SEK dabei eine Folgeschwerende Entscheidung und der Mann stirbt. Den Neuanfang in Konstanz hat sich Hagedorn sicher besser vorgestellt, den eigentlich bräuchte er dringend Patienten. Deshalb nimmt er dann doch den Auftrag vom LKA an, obwohl er wegen Karina nie mehr für die Polizei arbeiten wollte. Fasziniert bin ich diesmal nicht nur vom Konstanzer und Stuttgarter Setting, sondern ebenso von Hagedorns Opfer- und Täterprofilen, die der Autor hier sehr gut dargestellt hat. Die einzelnen Taten sind teils heftig beschrieben, sodass man als Leser keine schwachen Nerven haben sollte. Der etwas störrische, unzugängliche Falk Hagedorn gefällt mir diesmal deutlich besser als im ersten Band, vielleicht auch, weil ich inzwischen seine Art kenne? Die Darstellung seiner Querschnittlähmung und wie er damit zurechtkommt, finde ich absolut gelungen. Kriminalrätin Nadine Adler fand ich ebenfalls interessant und ich würde mich freuen, in der nächsten Folge wieder von ihr und von Bannert zu lesen. Im Laufe des Buches hatte ich eine Ahnung, was die Täterin anbelangt, was dann auch eintraf. Jedoch, wie sich dann der Fall entwickelt und welche Wendung der Autor am Ende noch mit eingebaut hat, damit hatte ich nicht gerechnet. Am Schluss war ich schon ein wenig traurig über den Verlust, doch was da im Flugzeug ablief, das war wirklich große Klasse und toll beschrieben. Wer dem ganzen besser folgen möchte, der sollte unbedingt zuerst "Dunkler Hass" lesen, ihr werdet es nicht bereuen. Für mich ein absolut empfehlenswerter Krimi, bei dem ich hoffe, dass die Reihe weitergeht. Selbst wenn ich mache Rollstuhlpraktiken für einen zwar sportlichen 56-jährigen Hagedorn etwas zu heftig fand, gibt es von mit definitiv wieder 5 von 5 Sterne.
    :thumbup:


    ASIN/ISBN: B087RRLXZ3

    Tom Finnek, 1965 in Westfalen geboren, lebt als Filmjournalist, Drehbuchautor und Schriftsteller in Berlin. Als Autor (unter dem Namen Mani Beckmann) beschäftigt er sich schon länger mit historischen Stoffen, insbesondere zum Münsterland. Für ihn ist London mit seiner langen, wechselhaften Geschichte genauso faszinierend wie Berlin. Tom Finnek ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen. Er lebt mit seiner Familie in Berlin. Weitere Informationen unter: http://www.tomfinnek.de


    Ein Toter in der Rauhnacht


    "Nebelschwaden, die in dieser Zeit durch die Wälder und um die Häuser ziehen sollen für den Namen der „Rauhnächte“ verantwortlich sein." (werwillfindetwege)

    In der kalten Rauhnacht mitten im Nirgendwo des Venn, kurz vor der Grenze zur Niederlande, brennt lichterloh ein alter Bauernkotten. Das Ehepaar Witte, das von einer Feier nach Hause geht, sieht, wie ein Mann eine leblose Gestalt aus dem brennenden Haus zerrt. Als der Ehemann dem Fremden nachläuft, wird er von ihm niedergeschlagen. Für den alten Schaddebuer Friedhelm Harking kommt jedoch alle Hilfe zu spät. Wie sich schnell herausstellt, wurde er erschlagen und der Fremde ist ebenfalls kein Unbekannter für Oberkommissar Maik Bertram. Den Schultewolter hätte seinem ehemaligen Kollegen Heinrich Tenbrink damals fast den Schädel eingeschlagen. Doch anscheinend wollte Schultewolter seinen Freund Harking retten, also warum hätte er ihn dann davor töten sollen?


    Meine Meinung:
    Das passende Cover mit der brennenden Kotten in der Rauhnacht, passt sehr gut zum Inhalt des Krimis. Der Schreibstil ist informativ, locker, unterhaltsam und wird gegen Ende richtig spannend. Tom Finnek nimmt mich wieder mit in das schöne Münsterland, das du die Kälte der Rauhnächte noch mal eine ganz andere Wirkung hat. Der Aberglaube spielt in dieser Gegend eine große Rolle, wie mir scheint. Die Rauhnächte vom 25.12. bis zum 6.1. sind, haben früher und teils wohl auch noch heute die Menschen bestimmt. Manche haben sogar ihre Häuser zur Reinigung geräuchert und die zwölf Rauhnächte bestimmten zudem das Wetter des kommenden Jahres. Doch darum alleine geht es in diesem Krimi nicht, trotz allem bleibt der Mord von Harking sehr rätselhaft. Der alte Mann lebte recht bescheiden und armselig in seiner alten Bauerkotten. Also wer hätte einen Grund, ihn zu töten? Ein Ergreifen von Schulterwolter in den Niederlanden bringt keinen großen Erfolg und kurz darauf nimmt er sich sogar das Leben. Maik steht vor einem Rätsel und Tenbrink, mit dem Schulterwolter als Einziges redet, fängt ebenfalls trotz Ruhestand an zu ermitteln. Doch Hoofdinspecteur Jan Bonnema von der Polizei Enschede, der momentan mit diversen Einbrüchen an der holländisch-deutschen Grenze zu tun hat, gibt den entscheidenden Hinweis. Zudem hat Maik noch private Sorgen, den die Oberstaatsanwältin ist schwanger und erwartet demnächst sein Kind, das er eigentlich niemals wollte. Zwar möchte sie das Kind alleine großziehen, doch Maik plagt trotzdem ein wenig die Verantwortung, selbst wenn sie ihn damals hintergangen hat. Als es jedoch schwere Komplikationen gibt, muss er für sich eine Entscheidung treffen. Das ihn dieses Problem bei seinem Fall belastet, spürt man sehr gut. Mit Maik Bertram und Heinrich Tenbrink hat der Autor hier eine wirklich ungewöhnliche Männer-WG und total unterschiedliche Ermittler kreiert. Wie Jack Lemmon und Walter Matthau in "Ein seltsames Paar" sind die beiden hier fast ähnlich, halten aber zusammen wie Pech und Schwefel. Und trotzdem Tenbrink inzwischen in Pension ist, kann er das Ermitteln einfach nicht sein lassen. Für mich war es wieder mal ein Erlebnis, nicht nur das Münsterland, sondern über die Niederlande hinweg zu ermitteln und selbst das Privatleben der Ermittler lässt einen nicht los. Man spürt die Liebe des Autors für die Münsterländer Region in jeder Zeile seines Krimis. So wartet der Autor mit mehreren Wendungen am Ende, mit denen ich nicht gerechnet hätte, darum gibt es von mit 5 von 5 Sterne.
    :thumbup:


    ASIN/ISBN: B085ZTPZDL

    Meike Messal wurde 1975 in Minden geboren. Nach dem Abitur lebte sie für einige Zeit in Israel und Südafrika und studierte im Hamburg Germanistik, Anglistik und Amerikanistik. Anschließend unterrichtete sie in Schleswig-Holstein. Die Wege an die Küste waren kurz und Messal, die das Meer liebt, verbrachte ihre Freizeit am liebsten am Wasser. Besonders hatte und hat es ihr Fehmarn angetan. Inzwischen lebt sie mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern wieder in ihrer Heimat und unterrichtet an einem Mindener Gymnasium. Wann immer es die Zeit zulässt, findet man sie jedoch an ihrem Sehnsuchtsort – auf Fehmarn. Nach Nachtfahrt ins Grauen und Atemlose Stille legt Messal mit Düsterstrand ihren dritten Kriminalroman vor. Sie ist außerdem als Herausgeberin aktiv und veröffentlichte zahlreiche Kurzgeschichten. Weitere Informationen zu der Autorin unter www. messal.com


    Lauras Suche nach ihrem vemissten Bruder


    "Jeder hat etwas in seinem Leben erlebt, dass ihn so sehr verändert hat, dass er nie wieder die Person werden kann, die er mal war." (Visualstatements)

    Endlich hat Laura ihr Abitur geschafft, wenn sie sich nur mehr darüber freuen könnte. Wie soll sie sich auf die Zukunft freuen, wenn sie noch immer die Ungewissheit plagt, was vor 10 Jahren auf Fehmarn mit ihrem Bruder Paul passiert ist? Außerdem plagen sie nach wie vor die Erinnerungen an den damaligen Unfall, bei dem sie ihre Eltern verloren hat. Deshalb fällt Laura für sich eine Entscheidung, sie fährt nach Fehmarn und geht auf die Suche nach Paul. Vielleicht kann sie eine Spur finden, die von der Polizei übersehen wurde? Dass es für Laura ein gefährliches Abenteuer wird, konnte sie bis dahin nicht ahnen.


    Meine Meinung:
    Ein wundervolles Cover lässt einem im ersten Augenblick gar nicht an ein grausames Verbrechen bzw. einem Krimi denken. Bisher kannte ich die Autorin von ihren Krimis aus Minden, doch diesmal spielt das Ganze auf der Insel Fehmarn. Der Schreibstil ist locker, bewegend, unterhaltsam und spannend, besonders da ich als Leser immer wieder einen Einblick auf die Opfer bekomme. Diesmal ermittelt aber kein Kommissar, sondern die 18-jährige Laura, die auf der Suche nach ihrem Bruder ist. Laura und ihren Eltern ist vor 10 Jahren der 7-jährige Paul verschwunden. Sie wollten eigentlich nur Eis kaufen in ihrem Urlaub auf Fehmarn und plötzlich war er weg. Keiner hatte ihn gesehen, weshalb sogar ihre eigene Mutter damals verdächtigt wurde. Doch das alles hat Laura nicht so mitbekommen, dazu war sie einfach zu jung gewesen. Jedoch nun ist ein weiteres Kind auf Fehmarn verschwunden und Laura ist sich sicher, dass es derselbe Täter sein muss. Hilfe bekommt sie von Wiebke Paulsen, der ehemaligen Freundin ihrer Mutter, den der Junge, der verschwunden ist, ist ausgerechnet ihr Enkel. Und zudem von Arne, einem eigenwilligen jungen Mann, der ihr mit seinen Fotografien weiterhilft. Laura erinnert sich, das sie damals einen schwarzen Opel gesehen haben, es müsste doch nicht so schwer sein, diesen zu finden. Zudem muss sich der Täter gut in Fehmarn auskennen, da sind sich beide sicher. In Meike Messals neuem Krimi geht es um verschwundene Kinder, was mit diesen passiert, bekomme ich als Leser nach und nach in einem der Handlungsstränge mit. Ein grausamer, gefühlskalter Mönch, zumindest wird es so beschrieben, foltert die Kinder. Er lässt sie hungern, sie müssen gehorsam sein, Aufgaben bewältigen, bei denen sie bestraft werden, wenn sie diese nicht richtig machen. Die Strafen sind teilweise sehr hart. So lässt er den Jungen ohne Hose in eine Badewanne mit Reis knien, wo er über Stunden ausharren muss. Wer denkt, dass dies keine Folter ist, sollte es mal ausprobieren, es ist schrecklich, besonders für ein Kind, das nicht weiß, warum es so bestraft wird. Laura schafft es wirklich, dem Täter nahezukommen. Dabei gerät sie dann selbst in größte Gefahr. Beim Lesen hatte ich eine kleine Ahnung, die sich dann auch bestätigt hat, doch das ganze Ausmaß erfuhr ich erst am Ende. So hat mich die Autorin mal wieder total überrascht. Sei es mit der Thematik um Gehorsam und Disziplin oder mit ihren besonderen Charakteren, bei der mir am besten Laura mit ihrem starken Willen gefiel. Der Mönch ist ein Mensch, der auf mich dominant, manipulativ, herzlos, emotionslos und unbarmherzig wirkt, wie einschüchternd mag er erst auf Kinder wirken? Was so ein Martyrium über Jahren anrichten kann, möchte ich mir gar nicht vorstellen, selbst wenn es in dem Buch ein wenig dargestellt wird. Dass es diese Versuche vor Jahren wirklich gab, wird im Nachwort erörtert und macht mich fassungslos. Für mich ein Krimi, den ich absolut weiterempfehlen kann und dem ich 10 Eulen gebe.
    :thumbup:


    ASIN/ISBN: 3954752050

    Dania Dicken, Jahrgang 1985, schreibt seit der Kindheit. Die in Krefeld lebende Autorin hat Psychologie und Informatik studiert und als Online-Redakteurin gearbeitet. Mit den Grundlagen aus dem Psychologiestudium schreibt sie Psychothriller zum Thema Profiling. Bei Bastei Lübbe hat sie die Profiler-Reihe und "Profiling Murder" veröffentlicht, im Eigenverlag erscheinen "Die Seele des Bösen" und ihre Fantasyromane. Die Thriller-Reihe um die angehende FBI-Profilerin Libby Whitman ist ihr neuestes Projekt. Aktuelle Informationen: http://www.blog-und-stift.de


    Rache beendet seine eigene Wut auf sich selbst


    "Rache verändert nicht die Vergangenheit, aber vielleicht die Zukunft, die man dann am Ende möglicherweise bereut." (Pascal Hilgendorf)

    Libby und Owen sind gerade sehr glücklich und schmieden schon erste Zukunftspläne. Eine brutale Mordserie führt das FBI nach San José, gerade richtig für Libby, das sie auf ihre alten Kollegen trifft und wieder einmal ihre Familie. Doch irgendwie scheinen sie in dem Fall nicht weiterzukommen, den der Täter mordet weiter. Die Profiler vermuten, dass ein tragischer Verlust den jungen Täter zu seiner Rache motiviert hat. Erst der Brief von ihm an einen Officer, bei dem Libby namentlich erwähnt wird, macht sie stutzig. War es ein damaliger Fall von Miguel und ihr, weshalb der Täter nun auf Rache sinnt? Während sie weiter nach dem Motiv suchen, kommt der Täter seinem Ziel immer näher.


    Meine Meinung:
    Wieder einmal hat mich der neuste Fall von Libby total in den Bann gezogen. Es freut mich, dass Libby und Owen inzwischen eine tolle Beziehung führen und glücklich sind. Sogar so glücklich, dass sie schon über eine weitere Zukunft mich Heirat und Kinder nachdenken. Doch zuallererst möchte Libby noch weitere Jahre bei der BAU arbeiten, weil sie dort glücklich ist. Doch ein brutaler Mörder, der seine Opfer verstümmelt und ausbluten lässt und anschließend am Highway ablegt, überschattet Libbys frühere Heimat, weshalb das FBI nach San José fliegt. Der Täter ist intelligent und bisher haben die Officer keinen Anhaltspunkt, warum er seine Opfer so grausam tötet. Weshalb Nick Dormer Libbys Mutter Sadie mit in das Team nimmt, da er ihre Erfahrung sehr schätzt. Nach und nach wird ihnen klar, dass es ein junger Mann sein muss, der einen großen Verlust erlitten hat, weshalb er sich nun sehr wahrscheinlich an einigen Personen rächt. Doch erst durch einen Brief wird Libby und Sadie klar, dass es für sie persönlich werden könnte. Dieser neue Band aus der Libby Whitman-Reihe fängt wirklich barbarisch an. Ich musste echt schlucken, als ich die ersten Zeilen lass, wie der Täter seine Opfer foltert und tötet. Unter anderem ritzt der Täter jedem seiner Opfer zwei Buchstaben in den Bauch. Erst die Dechiffrierung vom FBI kann die beiden Wörter näher definieren. Als Libby sie sieht, stockt ihr der Atem, den damit hatte sie nicht gerechnet. Was muss ein Mensch für einen Hass haben, wenn er so etwas tut? Erst im Laufe der Geschichte erfahre ich mehr über seinen Verlust, wie es dazu kam. Das Ganze zeigt die Autorin aus Sicht des Täters und aus Sicht des damaligen Ermittlers. Dadurch merkt man, dass der Täter seinen Verlust nie verarbeitet hat, stattdessen gibt er allen anderen die Schuld für seinen Verlust. Dass es dabei für Libby persönlich wird, liegt daran, dass sie diesen sehr gut kennt. Als es zur Entführung kommt, setzt das FBI alles in Bewegung, um das schlimmste zu verhindern. Gerade dadurch, dass ich als Leser die damaligen Erlebnisse aus der Sicht von beiden Seiten bekomme, habe ich einen guten Vergleich. Für mich war sofort klar, dass der Täter seine eigene Schuld auf seine Opfer projiziert und erhofft, durch ihren Tod Erlösung zu finden. Ein Buch, das wieder mal mit viel Spannung aufwartet, aber auch mit einigem aus Libbys privatem Umfeld, das bei den Reihen der Autorin nie fehlen darf. Am Ende kommt es dann noch zu einer Überraschung bei Libby und ihre Freundin Julie. Das Einzige, was mich immer etwas irritiert ist, wie schnell die Ermittler wieder fit werden, wenn sie mal angeschlagen sind. Für mich war es jedoch ein gelungener Band, bei dem ich erneut Sadies und Libbys Qualitäten als Profiler kennenlernte und dem ich gerne 10 Eulen gebe.
    :thumbup:



    ASIN/ISBN: B084M5P3CJ

    Alex North, geboren und aufgewachsen in Leeds, England, studierte Philosophie und arbeitete nach seinem Abschluss an der Fakultät für Soziologie und Sozialpolitik. Insgeheim hegte er aber immer den Wunsch zu schreiben. Mit seinem atmosphärischen Spannungsroman »Der Kinderflüsterer« gelang ihm 2019 der große Durchbruch. Der Roman wurde international gefeiert und stand auch in Deutschland wochenlang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Alex North lebt bis heute in seiner Heimatstadt Leeds, inzwischen mit seiner Frau, dem gemeinsamen Sohn und zwei Katzen.


    Charlie und die unheimlichen Schatten im Wald



    "Luzide Träume - wenn man sich plötzlich bewusst ist, dass man träumt, noch während man sich in dem Traum befindet. Fast als würde man während des Traums aufwachen, dabei schläft man in Wahrheit tief und fest." (Buchauszug)
    25 Jahre sind inzwischen vergangen, dass Paul seine Heimatstadt Gritten verlassen hat. Seit jener Zeit, die für Paul alles verändert hat, ist er nie wieder zurückgekehrt. Doch nun liegt seine Mutter im Hospiz im Sterben und ihre Pflegerin hat Paul informiert. Beim ersten Besuch bei ihr erzählt sie davon, dass jemand im Haus gewesen ist, doch Paul findet keine Anzeichen dafür. Erst als er auf den Dachboden steigt, entdeckt er die vielen roten Handabdrücke. Niemals wird Paul den Tag vergessen, als er das erste Mal Charlie Crabtree begegnet ist. Sein Lächeln und seine dunklen Fantasien haben nicht nur Paul in seinen Bann gezogen, den von da an sollte sich alles verändern.


    Meine Meinung:
    Ein Mord eines Jugendlichen und der Besuch seiner Mutter nach 25 Jahren soll Paul Adams Leben wieder einmal verändern. Der Schreibstil ist fesselnd, spannend und unterhaltsam und hat mich ab der ersten Seite in den Bann gezogen. Alex North nimmt mich mit in die Gegenwart und Vergangenheit des Städtchen Gritten, bei dem es mir schon durch die Beschreibung etwas unheimlich wird. Eigentlich ist es eine Stadt, bei der man sich nicht besonders wohlfühlt, vor allem der angrenzende Wald scheint etwas unheimlich Mystisches zu haben. Auch Paul merkt sofort wieder, dass er sich nicht sonderlich wohlfühlt. Dabei denkt er an seine damalige Zeit als Schüler zurück, als er Charlie das erste Mal sah. Zur selben Zeit wird in der Nähe in Featherbank eine Kinderleiche gefunden. Amanda Beck ermittelt in dem Fall, bei dem sich zwei seiner Mitschüler schuldig bekennen. Anscheinend wurden sie durch einen Chat dazu motiviert, diese Tat zu tun. Kann es sein, dass Charlie lebt, der seit dem Vorfall vor 25 Jahren spurlos verschwunden ist? Und was hat es mit diesem Rothand und den luziden Träumen auf sich? Wie schon in Alex North ersten Buch "Der Kinderflüsterer" geht es auch hier wieder etwas makaber, unheimlich und mystisch zu. Bis zum Ende lässt er den Leser unwissend, wer damals getötet wurde und was geschah, weshalb Paul seine Heimat verließ. Paul ist ein guter Junge und hat sich immer, für seinen Freund James einsetzt. Doch als Charlie auftaucht, ist James auf einmal ganz angetan von ihm und seinen Ideen, jedoch für Paul bleibt er immer ein wenig suspekt. Bis er irgendwann Charlie, Billy und James ganz aus dem Weg geht und sich lieber nur noch mit Jenny aus dem Creative-Writing Kurs trifft. Der Wald von Gritten hat ebenfalls etwas Geheimnisvolles, weshalb er auch Schatten genannt wird. Ein wenig scheint der Autor von Stephan Kings Büchern beeinflusst zu sein, der ebenfalls sehr gerne mit Geheimnissen und Mystik spielt. Das größte Rätsel in diesem Buch ist das Verschwinden von Charlie Crabtree, der selbst nach Jahren für einige Jugendliche noch immer ein Idol zu sein scheint.
    Dabei sind die Charaktere in diesem Buch sehr gut durchdacht. Der schüchterne James, der meist zum Mobbingopfer wird und allen voran Paul, ein sympathischer, hilfsbereiter Junge, der inzwischen als Lehrer am College arbeitet. Doch wenn seine Mutter Sätze wie "Du hättest nicht kommen sollen.", sagt, dann habe ich das Gefühl, Paul ist wieder dieser Junge von damals. So baut sich durch das hin- und herspringen von Vergangenheit und Gegenwart nach und nach die Spannung immer mehr auf. Bis der Autor am Ende mit wirklich vielen Überraschungen aufwartet, die ich nicht erwartet hätte. Trotzdem war mir einiges zu abwegig und fantasiereich gewesen ist, gebe ich dem Buch 8 Eulen. :thumbup:


    ASIN/ISBN: 376450711X

    Ich bin gespannt - habe es mir, nachdem ich den ersten Teil in einer Leserunde lesen durfte, sofort bestellt und freue mich nun auf den 28 wenn es veröffentlicht wird und hoffe es dann zu lesen - falls der Gatte es nicht vorher erwischt - dem hatte als "Pottkind" nämlich der erste Teil auch sehr gut gefallen.

    Es wird dir gefallen, da bin ich mir sicher, ich fand es noch besser als Band 1. Ich durfte es wieder in der Leserunde lesen.

    Denise Deegan ist eine irische Schriftstellerin, die bereits mehrere Romane für Erwachsene geschrieben hat. Sie ist außerdem als Journalistin tätig. Nach „Wer braucht schon Liebe?“ und „Wer denkt heute schon an morgen?“ erschien mit „Wer sucht schon das große Glück?“ ihr drittes romantisches Jugendbuch in Deutschland. Denise Deegan lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Dublin.


    Liebe und Leid liegen oft so nah beisammen


    "Freude und Leid waren schon immer mit dem Begriff Liebe untrennbar verbunden." (Gottfried v. Straßburg)

    Die Journalistin Jennifer (Jen) kommt zu ihrer Großmutter Great nach Irland, um dort ihr neues Leben zu beginnen. Doch dann verstirbt Great an Leukämie und plötzlich ist sie mit ihrem 4-jährigen Jungen Charlie ganz alleine. Charlies Schulanfang ist für Jen ein einschneidendes Erlebnis, plötzlich ist sie nicht mehr die Nummer eins in Charlies Leben, sondern sein Freund Dara. Doch mit Daras Mutter Mary verbindet sie innerhalb kurzer Zeit eine innige Freundschaft. Als Charlie ständig blass und müde wird, geht sie mit ihm zum Arzt, dort stellen sie bei ihm ebenfalls Leukämie fest. Gleichzeitig trifft sie dort auf den Mann, den sie eigentlich schon längst vergessen wollte und der nun ausgerechnet Charlies Arzt wird. Der Onkologe Simon Grace kümmert sich um Charlie, während seine Krebserkrankung ohne dabei Jen wiederzuerkennen.


    Meine Meinung:
    Dieses wunderschöne Bild eines Hauses in Irland spiegelt nicht wider, was für ein emotional bewegender Roman hinter diesem Cover steckt. Der Schreibstil ist sehr bewegend, traurig, stellenweise humorvoll, unterhaltsam und gleichzeitig zu Tränen berührend. Es geht um Liebe, Leid, Schicksal und um eine Mutter, die durch die Krankheit ihres Sohnes sich immer mehr verändert. Wollte sie doch alles als alleinerziehende Mutter selbst schaffen, merkt sie, das sie durch die Erkrankung von Charlie immer mehr an ihre Grenzen kommt. Schließlich muss sie sogar Charlies Vater suchen, weil sie für ihn eine Knochenmarkspende benötigen. Doch leider kommen dafür zwei Väter in Betracht und plötzlich steht Jen vor der Wahl, wenn sie zuerst informieren soll. Sehr bewegend schildert die Autorin den Alltag mit einem leukämiekranken Kind, ob im Krankenhaus oder zu Hause. Manches unterscheidet sich da sichtlich von unseren deutschen Krankenhäusern. So würden bei uns niemals Mütter auf einer Matratze neben dem Kind schlafen. Auch wären sie sicher nicht in einem Mehrbettzimmer untergebracht. Ebenso scheinen in Irland Kinder schon mit 4 Jahren in die Schule zu kommen, was mich doch sehr verwundert hat. Trotzdem konnte mich die Autorin an vielen Stellen zu Tränen rühren, weil die Krankheit eines Kindes schon sehr belastend ist. Zudem noch die Suche nach dem geeigneten Knochenmarkspender, die sehr schwierig ist. Denise Deegan zieht da wirklich alle Register, das der Leser mit der Geschichte gefesselt wird. Dabei berühren mich besonders die Charaktere wie Charlie, der mit seiner Geduld und seinem Mut ein wirklich besonderer Junge ist. Jen wird im Laufe von Charlies Krankheit immer mehr zur Kämpferin, bei der sie auch mal schwache Momente haben kann. Mary ist die Freundin, die sich jeder wünschen würde in einer solchen Situation. Sie ist da, wenn man sie braucht, obwohl sie selbst mit vier Jungs eine recht große Familie hat. Simon Grace ist ein sehr einfühlsamer, ruhiger, bedachter Mann, wie man sicher jedem Kind wünschen würde, dass er seinen solchen behandelten Arzt bekommt. Schon alleine, wie er Charlie seine Erkrankung und Behandlung erklärt, ist einfach beeindruckend. Dave ist zwar da, wenn Not am Mann ist, doch was seine Gefühle betrifft, ist er sehr wankelmütig. Alles in allem ein Buch, das ich so schnell nicht vergessen werde, ich kann es nur empfehlen und gebe 10 Eulen.
    :thumbup:


    ASIN/ISBN: B0836MP6KV

    Eva Völler hat sich schon als Kind gern Geschichten ausgedacht. Trotzdem hat sie zuerst als Richterin und später als Rechtsanwältin ihre Brötchen verdient, bevor sie Juristerei und Robe schließlich endgültig an den Nagel hängte. „Vom Bücherschreiben kriegt man auf Dauer einfach bessere Laune als von Rechtsstreitigkeiten. Und man kann jedes Mal selbst bestimmen, wie es am Ende ausgeht.“ Die Autorin lebt mit ihren Kindern am Rande der Rhön in Hessen.


    Das Leben, die Liebe und die Hoffnung geht weiter


    "Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht." (Václav Havel)

    Inzwischen ist Katharinas Tod sieben Jahre her. Jakob, ihr Sohn, bei dessen Geburt sie starb, wächst bei Inge, Johannes, Karl und Mine auf. Um für Jakobs Erziehung dazu sein, hat Inge sogar die Schule geschmissen und das Abitur nicht mehr zu Ende gemacht. Inzwischen arbeitet sie jedoch stundenweise in einem Buchladen. Johannes ist nach seinem schweren Unfall nun immer mehr in der Gewerkschaft engagiert und Karl hat in der Zeche eine kleine Arbeit bekommen. Jakob ist inzwischen in der Grundschule und hat dort zusehends Probleme mit seiner Klassenlehrerin. Den diese möchte Jakob vom Linkshänder zum Rechtshänder umerziehen. Auch Bärbel hat in der Schule Probleme, besonders mit einem Lehrer, einem ehemaliger Nazi. Doch das Leben könnte so schön sein, wenn nicht wieder dunkle Wolken im Ruhrpott auftauchen würden.


    Meine Meinung:
    Das eindrucksvolle Cover passt wieder sehr gut zum Ruhrgebiet und dem zweiten Teil der Saga. Zwar kann man diesen Roman auch gesondert lesen, doch zum besseren Verständnis der Familienverhältnisse rate ich zuvor, den ersten Band zu lesen. Auch diesmal geht es wieder um die Zeit Ende der 50er-Jahre. Buddy Holly, ein Idol von Bärbel und ihrer Clique, ist gerade tödlich verunglückt. Johannes und Verlobte Hanna haben immer mehr Probleme in ihrer Beziehung. Inge hat ihre Verlobung mit Peter gelöst, nachdem sie merkt, dass sie sich zu Johannes hingezogen fühlt und erfährt, dass Peter sie betrogen hat. Dann jedoch wird Hanna sterbenskrank und Johannes fühlt sich verpflichtet für sie dazu sein. Besonders schwer sind zudem die Probleme von Jakob und Bärbel in der Schule. Die sogar so weit gehen, dass man Bärbel von der Schule werfen könnte und das Jakob trotz überragender Intelligenz besonders in Rechnen in eine Sonderschule gehen soll. Die ganze Sache wird durch den Tod von Katharina und Karls Kopfverletzung vom Krieg so schwierig, dass es sogar vor Gericht geht. Zusätzlich gibt es noch Probleme bei Klaus Eltern, den Nachbarn von Mine. Eva Völler nimmt mich in dem zweiten Band wieder in eine Zeit mit, die immer noch mit viel Not, Armut und vor allem Problemen behaftet ist. Besonders die zusehende Angst der Bergleute, dass man die Zechen schließt, treibt einige in den Alkohol. Viele Ehefrauen müssen dann oft mit dem wenigen, was die Männer noch übrig lassen, ihren Lebensunterhalt in der Familie bestreiten. Manchmal geht es sogar so weit, dass die Ehefrauen ebenfalls trinken, wie Elfriede Klaus Mutter. So wird das Schließen der Zechen für die Bergarbeiter immer mehr zur Belastung, viele suchen sich eine andere Arbeit und ziehen weg vom Ruhrpott. Weiter zeigt Eva Völler die Probleme von Homosexuellen in dieser Zeit auf. Ich war entsetzt zu lesen, dass es zu jener Zeit immer noch strafbar war, wenn sich Gleichgeschlechtliche öffentlich gezeigt haben. Genauso war ich überrascht, dass ehemalige Nazis als Lehrer unterrichten und dabei ihre Gesinnung von sich geben durften. Das dann dafür Schüler wie z. B. Bärbel, die gegen dies rebelliert, dafür bestraft werden soll, wäre für mich unfassbar. Sehr lebendig und authentisch schildert die Autorin den Alltag zu dieser Zeit im Ruhrgebiet, sodass ich voll mitgenommen werde und mich gut in die einzelnen Menschen und Familien hineinversetzen kann. Oma Mine ist für mich in diesem Band diejenige geworden, die die Familie versorgt und zusammenhält. Für mich ist sie weitaus sympathischer gewesen wie im Vorgängerband. Besonders werde ich jedoch jeden Einzelnen vermissen, den nach diesen beiden Büchern habe ich die Familie in mein Herz geschlossen und so bin ich traurig, das dies das Ende der Saga sein soll. Weil die Autorin hier eine sehr identische Lebensgeschichte aus dem Ruhrgebiet geschaffen hat, möchte diesem Buch eine Empfehlung und 10 Eulen geben.
    :thumbup:



    ASIN/ISBN: 3785726945