Beiträge von Nadezhda

    Zitat

    Original vom Herrn Palomar
    (...) dass mich die gut durchdachte Romankonstruktion überzeugt und auch sprachlich gab es oft besondere Momente.


    Letzteres kann ich für mich unterschreiben. Es gab viele Momente, in denen ich innehalten musste, um Sätze und Szenen auf mich wirken zu lassen und zu genießen. Das hat Spaß gemacht und hebt das Buch auch positiv von vielen schnell inhalierbaren Romanen ab.
    Die Konstruktion allerdings war nicht so meins. So wie Rouge hat mir zwischendurch immer wieder der rote Faden gefehlt. Ich hätte mir gewünscht, dass die Schicksale noch stärker miteinander verknüpft gewesen wären. Natürlich ist klar, dass ein Roman, der sich an einer Schiffsreise entlanghangelt, nicht zu jeder Figur ein Woher und Wohin entwickelt. Viele Lebensspuren kommen scheinbar aus dem Nichts und verschwinden auch wieder dorthin. Es ist von der Konstruktion her in sich absolut stimmig, aber es gefällt mir eben nicht. Ich möchte gerne wissen, woher und wohin. Bin da halt etwas einfacher gestrickt. :rolleyes

    @ Clare


    Tja, so unterschiedlich kann die Wahrnehmung sein. :-)


    Ich behaupte auch nicht, dass der Gefangene unschuldig ist. Darüber kann ich mir bisher eigentlich kein rechtes Urteil erlauben, zumal im Buch ja auch angedeutet wird, dass das Gerichtswesen in Ceylon so kurz nach der Unabhängigkeit noch stark vom Geist der Kolonialzeit geprägt ist (und somit die Auffassungen von Gerechtigkeit oder Höhe des Strafmaßes oder Art der Behandlung von Gefangenen je nach Hautfarbe und Herkunft durchaus divergieren können). Vage wird angedeutet, dass er immer tiefer in den Sumpf des Verbrechens glitt... Die Schläge durch die Wärter könnten ein juristisches Nachspiel haben, also scheint zumindest diese Behandlung nicht rechtens gewesen zu sein. Das mein derzeitiger Lektürestand.


    In dem Roman, auf den ich mich oben bezogen hatte, wird ein Mann (zu Recht) wegen Betrugs beim Kartenspiel verurteilt. Er muss daraufhin viele Jahre lang Strafarbeit leisten und ist dabei ununterbrochen an einen anderen Mann gekettet. Bei so einer Lage finde ich die Aussage "Verbrecher bleibt Verbrecher" schon hart. Aber vielleicht bist du im "Katzentisch" schon weiter als ich und weißt mit Sicherheit, dass der dortige Gefangene seine Behandlung "verdient" hat. Ich muss erstmal weiterlesen.

    @ Alice


    Da freue ich mich aber! :-)


    Kann es sein, dass du die zweiteilige Verfilmung von Charlotte Links Krimi "Das andere Kind" https://de.wikipedia.org/wiki/…%E2%80%93_Das_andere_Kind gesehen hast? Ich selbst kenne nur das Buch. Da spielen zwar "nur" die innerenglischen Kindertransporte eine Rolle, aber die Thematik taucht immerhin auf. Allerdings scheint der Film sich nur begrenzt an die Buchvorlage anzulehnen und ich kann jetzt anhand der Beschreibung nicht sagen, ob das Thema der Kindertransporte im Film überhaupt auftaucht.

    Michael Ondaatje: Katzentisch


    Erwähnt werden die Bhagavadgita und die Upanishaden.
    Ach ja, und Thomas Manns "Zauberberg".


    Vielleicht kommt noch mehr; ich habe das Buch noch nicht ausgelesen.

    Linda Winterberg
    Solange die Hoffnung uns gehört (Roman)
    Aufbau Taschenbuch 2017
    471 Seiten



    amazon:
    Frankfurt, 1938: Als Sängerin darf die Jüdin Anni nicht mehr auftreten. Nur mit Mühe kann sie für sich und ihre kleine Tochter Ruth sorgen. Die Angst vor dem NS-Regime wird immer größer, aber all ihre Bemühungen, gemeinsam auszureisen, scheitern. Schließlich ringt sich Anni zu der wohl schwersten Entscheidung für eine Mutter durch: Um wenigstens ihre Tochter in Sicherheit zu wissen, schickt sie Ruth mit einem der Kindertransporte nach England. So bald wie möglich will Anni ihr folgen. Doch dann bricht der Krieg aus, und sie kann das Land nicht mehr verlassen …
    Die berührende Geschichte einer jungen Mutter, die ihr Kind zu retten versucht, indem sie es auf eine Reise ins Ungewisse schickt.



    Dieses erst vor wenigen Monaten erschienene Buch spricht mich an, weil ich lesetechnisch gerade viel in den Zwanzigern und Dreißigern des letzten Jahrhunderts unterwegs bin und mich schon länger einmal mit dem Thema der Kindertransporte beschäftigen wollte. Das wird bestimmt keine emotional leichte Lektüre, v.a., wenn man selbst (kleine) Kinder hat.


    Hat jemand Lust, es ca. ab Mitte / Ende Oktober gemeinsam zu lesen?



    Edit: Es gibt zu dem Buch auch schon eine Rezi: Solange die Hoffnung uns gehört - Linda Winterberg



    TeilnehmerInnen:

    Rouge
    Alice
    Johanna

    xexos

    jusch

    Nadezhda

    @ xexos


    Ich persönlich finde aber auch, dass das eins von den Büchern ist, die ich gern langsam lese. Zumindest, wenn ich den vielen Strängen durch die Anekdötchen etwas abgewinnen will. Momentan habe ich gar nicht so viel Zeit zum Lesen und finde es dann ganz angenehm, nur einen kurzen Abschnitt zu lesen und den, während ich etwas anderes erledige, was nicht viel Kopfeinsatz erfordert, erstmal auf mich wirken zu lassen.

    Ich habe heute Abend leider nicht viel gelesen (nur bis Seite 176), aber der Abschnitt über die Trauer um Ramadhin und die Beziehung, in die Michael und Massi sich fallen lassen, hat mich tief bewegt. Endlich kommt der Roman mal von diesem Anekdotenhaften weg und bleibt etwas länger bei den Figuren und ihrer Geschichte. Die Zeitsprünge stören mich dabei überhaupt nicht. Ich konnte mich gut ins Geschehen und die Reflexionen darüber einfühlen, musste aber an einer Stelle auch herzlich lachen:
    "(...) wie sie (Massi) (...) in der Rolle einer pflichtbewussten Familienbiene vom einen zum anderen ging (...)" (S. 155)
    Familienbiene! Mr. Ondatschi und Frau Übersetzerin, you made my day! :lache


    Ich lege das Buch für heute beiseite, denn jetzt geht's zurück aufs Schiff und darauf habe ich gerade nach dem schönen ruhigen und philosophischen Exkurs so gar keine Lust...

    Zitat

    Original von Buchdoktor
    Ich habe schon die verschiedensten Texte für andere Korrektur gelesen. Es gibt Autoren, die ihre Texte so aus der Hand geben, wie sie ihnen gerade in den Sinn gekommen sind. Und es gibt Autoren, die sich vor der Korrektur durch einen Fremden selbst vom Korrekturprogramm Rechtschreibfehler anzeigen lassen und selbst auf die Formalien achten, z. B. den Punkt am Satzende.


    Das kenne ich auch noch aus dem Studium, da habe ich sehr oft für Freundinnen oder Bekannte Hausarbeiten korrigiert. Wenn die so waren wie im zuerst beschrieben Fall, habe ich mich geweigert.


    Zitat

    Original von Buchdoktor
    Es ist möglich auch ohne bezahltes Korrektorat einen sorgfältig geschriebenen Text abzuliefern.


    JA!!! Und das ist das Mindeste, was ich von einer Person, die sich "AutorIn" nennt, erwarte. :-)

    Zitat

    Original von Mariangela
    Liest du Geschichten Wort für Wort, Satz für Satz, mit Denkpausen alle paar Sätze, ob das auch richtig geschrieben ist, oder fliegst du durch die Seiten, gebannt von dem Geschehen in der Geschichte?


    Viele Antworten, die darauf schon gegeben wurden, kann ich nur unterschreiben, v.a. den Gedanken der Einheit von tollem Inhalt und tollem Stil. Deshalb fasse ich mich jetzt kurz und unterstreiche nur noch einmal, dass auch ich "richtiges Schreiben" und "spannendes Schreiben" nicht als den Gegensatz sehe, den du hier immer wieder konstruierst.
    Nach Fehlern suche ich nicht, sondern sie fallen mir einfach von selber auf und dazu brauche ich nichtmal eine Denkpause. :lache So ist es einfach bei mir, dafür kann ich nichts und dafür brauche ich mich auch vor niemandem zu rechtfertigen, am wenigsten vor AutorInnen, die für ihre Bücher mein hart erarbeitetes Geld haben wollen. :grin


    Edit: Doch noch eine Ergänzung, um es dir @ Mariangela vielleicht noch klarer zu machen. Du scheinst zu denken (diesen Eindruck habe ich zumindest nach dem Lesen deiner Posts), dass es nur Menschen gibt, denen Fehler nicht von selbst auffallen, und dass alle Menschen stets nach Fehlern gezielt suchen müssen, um sie zu bemerken. Dem ist aber nicht so. Wenn ich ein gutes Buch lese, "fliege ich dann durch die Seiten, gebannt von dem Geschehen in der Geschichte" (Zitat Mariangela), wenn zugleich auch Rechtschreibung, Zeichensetzung, Grammatik und Stil stimmen. Wenn dies nicht der Fall ist, fliege ich vielmehr immer wieder aus der Geschichte heraus. Und wenn ich ein paarmal zu oft 'rausgeflogen bin, weil ich mich über Fehler im Buch geärgert habe, fliegt halt das Buch... an verschiedene mögliche Orte, denn dann fühle ich mich als Leserin einfach verschaukelt.

    Zitat

    Original von Clare
    Erstaunt hat mich schon, dass ihnen geglaubt wird, dass sie völlig unschuldig sind und gegen ihren Willen fest gebunden wurden. Obwohl, vielleicht hat der Kapitän ihnen nicht wirklich geglaubt, sondern konnte ihnen nur nicht das Gegenteil beweisen.


    Und dass sie nach der Sache mit dem Hund einfach so davonkommen, finde ich noch unrealistischer; immerhin ist da ja nun ein Toter zu beklagen.


    Aber es ist auch ein ambivalentes Alter, wie die bewegende Kabinenszene mit Emily zeigt.


    Mir geht immerzu das Schicksal des Gefangenen nach, der nachts so schwer in Ketten geschlagen seine einsamen kleinen Runden drehen darf. Seit ich mal einen Roman gelesen habe, in dem über viele Kapitel hinweg der schwere Alltag eines Kettensträflings im Mittelpunkt steht, gruselt mich der Gedanke an Gefangensein sehr. :-(


    Das Anekdotenhafte beim "Katzentisch" stört mich nach wie vor, auch wenn die einzelnen Geschichtchen schön erzählt sind und viel Witz und Lebensweisheit aufweisen. Ich wünschte mir, dass sie stärker miteinander verbunden wären und es nicht z.B. plötzlich hieße, Mr. Mazappa würde in Port Said von Bord gehen - und das war's dann mit Mr. Mazappa. Gut, so ist halt das Leben auf einem Schiff. Aber irgendwie würde ich schon hoffen, dass die eine oder andere Figur von etwas dauerhafterer Bedeutung wäre und später nochmal auftauchen würde. So wie z.B. Emily in dem Café - das hat mir gefallen, denn die Beziehung der beiden geht weiter.

    Zitat

    Original von Mariangela


    Wärt ihr wirklich bereit, auf eure Lieblingsbücher zu verzichten, nur weil der Autor, die Autorin allein keine perfekte Rechtschreibung hinbekommt? Denn ein Korrektorat brauchen wir alle, das wage ich zu behaupten, bis auf die wenigen, die wirklich beruflich auf das korrekte Schreiben gedrillt worden sind und die neben ihren Texten stehen, statt in ihnen zu leben.


    Ich frage mich, warum du das so formulierst, als würden korrektes Schreiben und In-den-Texten-Leben sich gegenseitig ausschließen. Es gibt bestimmt AutorInnen, die beides hinbekommen. (Möglicherweise sind das just die erfolgreichen Leute in dieser Zunft. :grin) Das eine könnte man "Handwerk" nennen, das andere "Kreativität" oder "Inspiration" - und ich persönlich denke, die Kombination aus beidem macht eineN guteN SchriftstellerIn aus.


    Die sinnvolle Unterstützung durch Lektorat und Korrektorat, für die man sich als AutorIn nicht zu fein sein sollte, wurde hier ja schon oft genug erwähnt. Ich mag keine schlecht lektorierten / korrigierten Bücher lesen und fühle mich da als Leserin respektlos behandelt.


    Damit behaupte ich auch nicht, dass meine eigene Rechtschreibung perfekt sei - aber ich verlange ja auch kein Geld dafür, dass jemand meine Posts hier liest. :grin

    :help


    Huhu! :wave Ich brauche mal Hilfe... Hier sind dieser Tage (gestern???) massig viele Threads mit Infos zur neuen Forenstruktur usw. erstellt worden. Jetzt erst habe ich Zeit und wollte das mal alles nachlesen / überfliegen, finde es aber nicht. :rolleyes In welchem Unterforum ist das nur versteckt?


    Danke und liebe Grüße von Nadezhda, die gerade Tomaten auf den Augen hat. :rolleyes

    Zitat

    Original von Zuckelliese
    Der englische Patient kostete mich drei Anläufe und mehrere Abbrüche, aber irgendwann habe ich es geschafft.


    Original von Lumos
    So ist es mir auch ergangen mit Oondatje bzw. dem englischen Patienten - ich hab mich durchgekämpft.Danach habe ich es nicht noch einmal probiert, schaue aber interessiert in eure Runde :-) .


    Lesegeschmäcker sind echt verschieden... :lache "Der englische Patient" ist eins meiner meistgelesenen Bücher, ich komme bestimmt auf sechs bis sieben Lektüredurchgänge. An "Anils Geist" bin ich gescheitert, aber "Es liegt in der Familie" habe ich vor Jahren einmal gelesen, ohne riesige Begeisterung, aber auch nicht gänzlich desinteressiert. Zur Handlung könnte ich jetzt gar nicht mehr viel sagen, aber wahrscheinlich konnte ich wegen dieser Lektüre nun den "Katzentisch" instinktiv in die ungefähr richtige Zeit einordnen. (Zu wenige Hinweise auf die Zeit, in der das Buch spielt, waren ja ein Kritikpunkt im anderen Thread gewesen.)


    Mir plätschert die Handlung momentan (Seite 112) auch zu sehr von Anekdote zu Anekdote, ich suche nach dem großen, das Ganze überspannenden Bogen. Vielleicht finde ich ihn noch.


    Aber sich vor dem Sturm AUF DEM RÜCkEN LIEGEND anbinden zu lassen... Hilfe, wie dämlich kann man denn sein!? :nono Und dieses unreflektierte Mitwirken bei den Diebstählen... Mittlerweile kommen mir die Jungs nicht mehr so clever vor und ich frage mich, was der Autor damit bezweckt.

    Ich habe heute den ersten Abschnitt der LR beendet und werde das wahrscheinlich auch weiterhin zeitlich gut hinkriegen, kann also den Status von "Zaungast" zu normaler Teilnehmerin wechseln. :-)


    An dieser Stelle mal DANKE an die Querbeet-Eulen für die Auswahl dieses Buches! Das hatte mir eine liebe Freundin, die ich aus meinem früheren Literaturforum kenne, vor einiger Zeit geschenkt und seitdem hat es vor sich hingeSuBt - nicht, weil ich es nicht für ein tolles Buch gehalten hätte, aber ihr wisst schon, auf dem SuB liegen einfach immer viel zu viele tolle Bücher... Aber die LR war der Tritt in den Hintern für mich, es nun endlich zu lesen. :knuddel1 Und ich bin so froh, es ist nämlich ein total spannendes Buch... :-) Und eben auch ein besonderes Buch, weil von jener Freundin... :-)


    Bei mir geht's dann auch morgen weiter. Gute Nacht! :wave