Beiträge von magister wigbold

    Aldeer Faldeeer,


    ich sehe gerade, was dieser schwer unterbelichtete Paragraphenhengst, der auch noch die Chuzpe besaß, "Bruddenbrooks" als "durchschnittliche Unterhaltungsliteratur" zu bezeichnen, hier so verbrochen hat. Sagenhaft! :)


    Tipp, da ich "Walden" aufzählte: " Die amerikanische Literatur, so kühn und großartig sie ist, hat kein schöneres und tieferes Buch aufzuweisen.“ (Hesse)


    Jo, ich bin damit hier durch. Euch noch einen schönen Abend! :wave

    Klar, dass Voltaire hier jede Menge Claquere hat. In einem Bücherforum. Das sollte nicht verwundern. Das Buch als Universal-Therapie. Allheilmittel zum Zwecke der Resozialisierung.

    Ich könte mich beölen! Da hat ein Richter irgendwo in der amerikanischen Provinz eine kuriose Idee. So wie schon viele Richter in der amerikanischen Provinz kuriose Ideen hatten. Und sofort springt der deutsche Michel - ein paar tausend Kilometer entfernt - auf diesen Zug.

    Nach ein paar tausend Jahren Kulturgeschichte, also auch Buchgeschichte und praktiziertem Strafrecht - wäre so etwas längst gängige Praxis, wenn es etwas brächte. Verweise auf die obige Begründung.

    Aber irgendwo in der amerikanischen Provinz hat ein Provinzrichter eine kuriose Idee ...

    Die unterstellte AfD-Nähe ist freilich dummes Zeug, Dünnpfiff und Stumpfsinn. Mir fällt bei den Beiträgen Voltaires halt auf, dass er allen Ernstes glaubt, das deutsche Rechtssystem sei ein eherner Pfeiler menschlichen Zusammenlebens, ganz so als handelte es sich hier um eine objektive Wissenschaft. Wahrscheinlich muss der Junge das auch (als Anwalt), um nicht irre zu werden an seinem Job. :)

    Es ist natürlich im Gegensatz zu den Naturwissenschaften lediglich ein menschengemachtes Konstrukt, total fragil. Kann sich bei der nächsten Wahl schon ändern ...

    Ein Blick ins 20. Jahrhundert reicht aus. Das Strafrecht ist von den Nazis und von den Kommunisten sofort ausgehebelt, instrumentalisiert und verändert worden. Das ging ganz fix, und die Juristen haben sofort mitgespielt und sich schuldig gemacht ohne Ende ...


    "Ein Blick ins Buch und zwei ins Leben

    das wird die rechte Form dem Geiste geben."

    Der hübsche Zweizeiler war Immer Goethe zugesprochen worden, war er aber nicht. Walther Victor hieß der gute Mann ... :grin

    Hoi! Jetzt hatte ich obigen Beitrag aus Versehen auch noch positiv bewertet.:)


    Ich hatte meinen obigen Beitrag lediglich überspitzt formuliert. Wer lesen kann, der lese!


    Dass beim deutschen Strafrecht in erster Linie der Resozialisierungsgedanke und nicht der Sühndegedanke steht, das wissen wir ja nun doch alle. Mit fatalen Auswirkungen: In Berlin wird mittlerweile jeden Tag ein Mensch mit einem Messer erstochen/lebensgefährlich verletzt. 7 Messerattacken pro Tag! Pro Tag! Das haben wir auch dem laschen deutschen Strafrecht zu verdanken, das sich dem „Resozialisierungsgedanken“ verpflichtet fühlt. Ein Angriff mit der Mordwaffe Messer wird in der Regel als „gefährliche Körperverletzung“ geahndet, während es doch immer eine versuchte Tötung ist. Hier lädt die deutsche Lullijustiz dazu ein, bei jeder Gelegenheit ein Messer zu zücken, so wie es mittlerweile ja auch geschieht ….

    Frage mal ein Opfer, was er darüber denkt, mein Junge.


    Aber ich schweife ab: Ob dass nun eine Auflage ist oder nicht oder wie auch immer das im Rechtssystem verankert ist, ist sekundär und irrelevant. Jemandem die Auflage zu machen etwas zu lesen, das kann langfristig immer nur Nachteile haben. Denn er assoziiert das auch später zwangsläufig bewusst oder unbewusst immer mit einem „MÜSSEN“, mit einer Strafe. Ganz einfach.

    Wer liest, liest auch so. Unter Straftätern gibt es viele, die lesen. Ich habe früher mal in einem Callcenter neben jemandem gesessen, der bereits zwei Menschen mit bloßer Faust erschlagen hatte und der sehr belesen war. Hätte man ihn zum Lesen verdonnert, hätte er gewiss nie wieder ein Buch angerührt. Schon aus reiner Opposition heraus! …


    Also halte dich mir dem Blödsinn, den du hier pauschal raushaust, etwas zurück. Dass du mal als Rechtsverdreher gearbeitet hast, befugt dich zu gar nichts!

    Jo, auch von mir alles Gute zum Geburtstag, Tante Li! Wir kennen uns ja (entfernt) noch aus Amazonien. Du warst schon da, als ich kam, und das ist fast zehn Jahre her. :)


    Übrigens, wäre gewiss sinnvoll einen Geburtstagsfaden zu erstellen, egal wann man hier aufschlägt, man fühlt sich immer genötigt, jemandem zu gratulieren ;), auch wenn man sie/ihn nie erlebt hat. Das gilt natürlich nicht für Tante Li, die längst zum Inventar meiner persönlichen Internetforen-Geschichte gehört ;)


    Was die Falken-Vergiftungs-Geschichte anbelangt: Knast! Knast! Knast!


    Ich gehöre zu den Generationen, die noch der Wehrpflicht unterlagen. Im Osten, wohlgemerkt! In der DDR. Das war zumeist die Hölle! Terror von oben, Terror innnerhalb der Truppe, Gefängnis grundsätzlich, man kam nur ganz selten raus ... Ich selbst habe übel abgekotzt in einer Grenzeinheit ... Vor ein paar Jahren begegnete ich jemandem, der seinen Wehrdienst damals auf ganz besondere Art hat ableisten dürfen: Er ist dazu verdonnert worden, einen Adler zu bewachen! Er durfte einen Adler bewachen! O Mann! :)

    Und er machte nicht den Eindruck, dass er das zu schätzen wusste.

    O Mann! :fetch:)

    Wir haben hier in Berlin oben am Rathausturm auch einen Nistplatz. Sie lassen sich nicht von jedem einladen:

    "Während der Restaurierung des Rathausturmes wählten die Architekten eine falsche Kiessorte aus – und prompt wurde an anderer Stelle gebrütet, bis die Falkenbetreuer Paul Sömmer und André Laubner den Fehler korrigieren konnten und den unter Naturschutz stehenden Tieren wieder einen angemessenen Horst verschafften."

    Danke für den Link, Bücherdrache! Werde öfter mal reinschauen. :)


    Und ich freue mich auf ein neues Buch von Jonathan Franzen im Mai:

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    Ein Essayist, schreibt Jonathan Franzen, sei eine Art Feuerwehrmann, „dessen Aufgabe es ist, direkt in die Flammen der Schande hineinzulaufen, wenn alle anderen vor ihnen fliehen". Seit nunmehr fünfundzwanzig Jahren führt Franzen, dessen Romane längst weltweit gefeiert werden, ein zweites Leben als unerschrockener Essayist. Jetzt, da der technologische Fortschritt die Menschen gegeneinander aufbringt, ja Hass zwischen ihnen schürt und der Planet von widernatürlichen Katastrophen heimgesucht wird, legt er einen neuen Essayband vor, der uns humanere Wege aufzeigt, in dieser Welt zu leben.

    Franzens große Liebe gilt der Literatur und den Vögeln, und "Das Ende vom Ende der Welt" ist ein leidenschaftliches Plädoyer für beides. Während in den neuen Medien eigene Vorurteile eher noch untermauert würden, so Franzen, lade die Literatur dazu ein, "sich zu fragen, ob man selbst vielleicht ein bisschen oder sogar vollkommen falschliegt, und sich zu überlegen, warum jemand anders einen wohl hassen könnte“. Worüber er auch schreibt – immer sind seine Essays skeptisch gegenüber vorgefassten Meinungen, selbstkritisch und voller Ironie. Auch Vögel verschont er nicht (die "alles töten, was man sich vorstellen kann"), aber seine Reportagen und Reflexionen – über Meeresvögel in Neuseeland, Waldsänger in Ostafrika, Pinguine in der Antarktis - sind sowohl bewegende Hymnen auf ihre Schönheit und Anpassungsfähigkeit als auch ein scharfsinniger, kluger Aufruf zur Rettung all dessen, woran uns etwas liegt.



    "alles töten, was man sich vorstellen kann"


    Wollte immer schon mal einen Roman von Franzen lesen. Aber oben zitierte Plattitüde ist nicht eben eine Werbung für den Autor, der angeblich ein Vogelliebhaber sein soll. Ein solches Pauschalurteil gilt selbstverständlich für alle Tier-Klassen unter Gottes freiem Himmel, insbesondere für die Spezies Homo sapien, die momentan ein Massensterben induziert, das nur mit den großen Massensterben der Erdgeschichte (Yucatan-Meteorit, Permkatstrophe usw.) zu vergleichen ist. Und da nennt sich die Spezies so gern „Gattung“, um sich einen singulären Status zu verpassen. Tse tse.

    Nett gedacht von der Rezensentin, soll zeigen, dass Vogelliebhaber Franzen objektiv bleibt. Angemessen wäre, das auch mit einem schönen Beispiel zu illustrieren. Stattdessen dies unsägliche Zitat …

    Gleichwohl ein Pluspunkt für den fein formlierten kurzen Text, der insgesamt eben doch noch ein bisschen Lust macht auf einen Roman von Franzen.

    Ich habe Wondratschek auf der Leipziger Buchmesse 2011 erlebt. Bemerkenswert! Selbstsicher, klug und ehrlich. Passt zu ihm, dass er einst von seinem Verleger ein Kiste Gold als Honorar verlangte.

    Vergesse auch nicht, als er meinte, er wollte schon als Jugendlicher ein armer Poet werden. „Und das bin ich dann auch geworden: ein armer Poet.“

    Sollte er hier in der Bulettenmetropole lesen, ich würde in jedem Falle hingehen.

    Danke für die umfangreiche Zusammenfassung. War interessant.

    Dass es viel Aufregung um das Thema geben wird, müssen Verlag und Autor zwingend vorausgesehen haben, obwohl es im Grunde und bei Lichte besehen natürlich keinen Grund dafür gibt, dass Takis Würger Stella Goldschlag nicht zur Protagonistin eines Romans machen sollte.


    Takis Würger hat mal geboxt, also muss er auch einstecken können ;) Der Verlag hat ordentlich kassiert, also muss auch er einstecken können.


    Erinnere mich noch dunkel an den Aufruhr im Feuilleton, als klar wurde, dass Steven Spielberg die Geschichte Oskar Schindlers verfilmen würde. „Indiana Jones und der Holocaust“ empörten sich führende Kritikaster – noch bevor die erste Szene gedreht wurde! Viel Polemik und wenig Sachkenntnis, sie haben einfach nicht gepeilt, dass Spielberg ein brillanter Regisseur ist, der sich auch besagten Themas problemlos annehmen kann. Es ist dann ja auch ein Meisterwerk geworden …


    Es gab übrigens nicht nur das Sachbuch, sondern vor Jahren auch einen ausführlichen Artikel im Spiegel über Stella Goldschlag.

    Das kann man auch anders sehen. Ich bin zwar absolut kein Freund von Sascha Lobo, aber sein Kommentar am gestrigen Abend im Fernsehen war sehr bemerkenswert und hat sehr deutlich die inhaltlichen Schwachstellen dieser Entscheidung aufgezeigt. Auch wenn lange darüber diskutiert wurde, so wirkt das ganze aus juristischer Sicht doch wie mit der heißen Nadel genäht.


    Klar: unausgegoren. Es gibt Für und Wider. Kommt auch darauf an, in welchem Lager man sich befindet. Wenn Sascha Lobo überspitzt formuliert, das untergrabe das Vertrauen der jungen Generation in Politik und EU, dann würde ich – ebenso überspitzt -

    sagen: eine funktionierende Presse ist mindestens (!) ebenso wichtig. Wenn die (gebeutelte) nämlich ganz wegbricht, dann ist alles zu spät …


    Der Kommentar trifft es m. E. am ehesten:

    https://www.sueddeutsche.de/di…eform-parlament-1.4383474


    Klar: Upload-Filter, die alles blocken, was so ähnlich wirkt, das ist schon mal ein großes Problem …

    Aber wenn Lobo darüber hinaus sagt, dass sie dann auch für politische Zwecke eingesetzt werden – dann ist das lediglich eine These (wenn auch nicht aus der Luft gegriffen, wie die Geschichte lehrt).

    Wenn Lobo meint, im Kampf Google gegen die großen Kreativkonzerne werden die Urheber aufgerieben, so meint er offenbar Leute, die z.B. auf Instagram mal ein Foto posten oder dergleichen. Bei den Kreativen, die als Freiberufler davon leben, kommt definitiv Geld an, wieviel, das wird sich zeigen …


    Die Schecks der Verwertungsgellschaften z.B. sind oft ein saftiges Zubrot für Kreative. Und die haben es oft bitter nötig! Warum soll ein Autor nicht ein paar Euronen kassieren, wenn sein Buch in der Bibiothek steht (wobei genau geschaut wird, ob es tatsächlich auch ausgeliehen wird)?! Im genannten Falle die VG Wort, was aber, auch klar, ohne Kollateralschäden zumeist sehr leicht zu klären ist.


    Süddeutsche, aus einem Contra-Reform-Statement:

    „Ja, ((((also: zugegeben))) Google fürchtete die Reform und nutzte seine mächtige Stellung, um eine Kampagne dagegen zu fahren, die sich insbesondere an Youtuber richtete.“

    Jetzt geht mir auf, warum so viele Leute auf die Straße gehen. Das hatten wir gerade in Berlin: zwei Youtuber auf dem Alex …


    https://www.t-online.de/nachri…-alexanderplatz-aus-.html


    :lache

    Ich bin genervt, dass sich die Leute (insbesondere aus den Fußpilzgenerationen) nicht noch viel mehr Blasen sinnlos bei Demonstrationen gelaufen haben :lache, denn sie verfügen offenbar über einen nur mangelhaft ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Die Entscheidung über das Urheberrecht im EU-Parlament war eine gute Entscheidung. :thumbup:

    Zum Beispiel:


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    Wenn Chandler nicht mehr verlegt wird, ist der Untergang des Abendlandes nicht mehr weit entfernt ;)

    Ein Klassiker des Kriminalromans. Die Plots sind nicht seine Stärke, aber er ist ein glänzender Stilist. Es geht um Einsamkeit in der Großstadt und um Moral ... Empfehle die Übersetzung von Hans Wollschläger. Kongenial übersetzt.

    Mit meiner Freundin ging damals auch das Bügeleisen. :grin


    Nach durchgearbeiteter Nacht habe ich morgens noch etwa 1h Empfangsdienst, werde also noch mit einigen Exemplaren Homo sapiens konfrontiert :grin

    Das schwarze Hemd nach dem Waschen kurz mit den Händen glatt gezogen, reichte bisher aus :lache Meine Chefin hat sich auf jeden Fall noch nicht beschwert. Aber wer weiß. Vielleicht arbeitet etwas in ihr, wenn ich eure Statements so lese ... :gruebel

    Aber: der dazugehörige rote Schlips ist ja schon aalglatt :lache

    Unter Korsaren verschollen

    von Werner Legére


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    Kein Liebesroman à la "Der starke Pirat und die keusche Nymphomanin" oder "Die blutrünstige Piratin und der ökumenische Studentenpfarrer", sondern ein packender Roman um die Endzeit der Korsaren im Mittelmeer, die bis ins 19. Jahrhundert hinein agierten. Wenn auch ursprünglich als Jugendbuch konzipiert - sehr spannend und lohnenswert!


    "Der Admiral der "Sieben Provinzen" von Ulrich Komm

    (geht weniger um Piraterie als um das abenteuerliche Leben des holländischen Admirals de Ruyter) und "Mit Breitseite und Enterbeil" ebenfalls Ulrich Komm (um den Hamburger Admiral Karpfanger, aber wie der Titel schon suggeriert ...)

    Für jene, die an historischem Seekrieg interessiert sind, ohnehin ein Muss ...