Beiträge von magister wigbold

    "Vielleicht muss man auch auf eine bestimmt Weise wahnsinnig gewesen sein, um zu damaligen Zeiten auf Walfang zu gehen."

    Seefahrt war zu allen Zeiten extrem gefährlich - wenigstens bis ins 20. Jahrhundert hinein. Der Wahlspruch der Hanse lautete: Navigare necesse est, vevere non necesse!

    Bei der ersten Weltumseglung durch Magellan kehrten z.B. nach drei Jahren von 230 Mann noch 30 zurück. Das war nicht ungewöhnlich für die Zeit.

    Was trieb die Menschen im 19. Jahrhundert darüber hinaus auch noch zum Walfang? Ganz sicher nicht "eine bestimmte Weise" von Wahnsinn. Für einige Wenige das Abenteuer. Für die allermeisten aber war es schlicht die Not, aber auch der enorme Profit, den der Walfang versprach. Schau dir mal die Villen auf Nantucket an! Zum Glück wurde in den Dreißigern des 19. Jahrhunderts das erste Erdöl gefunden, sonst hätten wir keine großen Wale mehr auf diesem Planeten ...

    Für Melville finde ich eigentlich nur Superlative. Kaum jemand hat das Meer in einer solch epischen Breite beschrieben wie er. Und was Moby Dick anbelangt: Alles, was die Naturwissenschaft längst geklärt hat, kann man getrost überlesen, aber ansonsten ist das Werk grandios. Wurde auch immer als geniale Parabel auf die Moderne gedeutet. Es gibt wohl auch kaum ein dramatischeres Finale in der Weltliteratur. Schade, dass er den Erfolg des Werkes nicht mehr erlebt hat.

    Ein Polizeifilm. Eine Fallstudie. Wir sehen, was Film kann. Handwerklich großartig gemacht. Perfekter Einsatz der Handkamera und zahlreiche weitere Finessen. Wir sind mittendrin, so nervös und angespannt wie die Polizisten selbst. Sehr authentisch.

    Großartig! 9/10


    Ansonsten würde ich in Anbetracht der dürren Tatort-Geschichten der letzten Monate gern mal wieder einen guten alten Whodunnit mit ausgefeiltem Plot sehen, der kombinatorischer Logik die Ehre erweist, eindeutige Motive aufzeigt und eine klare Auflösung bietet … so zum Wochenausklang, meine ich ...

    Da liegst du falsch, Tom. Ich habe das zufällig vorgestern im Schauspielermagazin Castmag gelesen, das bei uns auf Arbeit rumlag.

    Früher war das mal so: 25000 für einen Tatort. Das war aber lange noch nicht alles: Lief er noch einmal, gab es nochmal die Hälfte (oder aber das ganze Honorar, das weiß ich nicht mehr genau), bei jeder weiteren Ausstrahlung immer 10 Prozent. Manche Tatorte laufen sieben oder acht mal (also auch die Ausstrahlungen in den dritten Programmen), da könnt ihr euch ausrechnen, was da zusammenkommt. Dann kommen noch die Ausschüttungen der VG Wort hinzu. Ich gehe also jede Wette ein, dass die 85000 kein Druckfehler sind.

    Jetzt haben die ÖR also offenbar das Buy-out der Privaten übernommen, d.h. eine einmalige Auszahlung. Damit ist alles abgegolten.


    Lohnenswert ist auch der Rundfunk. Ich habe mit einem 45 Min.-Hörspiel insgesamt ca. 15000 Euro verdient, mit meinem ersten Buch 10x weniger, obwohl der Aufwand für das Schreiben des Romans mindestens 10x größer war. :lache

    Booklooker

    Du meinst offenbar mich. Dann blättere mal etwas zurück. Ich war zum Beispiel (!) der einzige, dem der Tatort von Clemens Meyer gefiel, der einzige, der diesen Tatort auch verteidigte. Es ist natürlich exakt so, wie Tom sagt: mal gefällt's, mal nicht. Ich besitze keine Kristallkugel, die mir das schon vorher verrät, also teste ich es aus. Das ist doch eigentlich gar nicht so schwer zu verstehen, oder?!

    In Anbetracht der Tatsache, dass der Autor 85000 Euro für einen Tatort kassiert, sollte schon etwas mehr möglich sein als diese platte Geschichte.

    Tatort 12/01

    Mein Güte! Schulstoffe haben ein großartiges Potential – wenn ALLES beginnt, wenn das Geschlecht sich regt, wenn die unterschiedlichsten Charaktere die gleichen Aufgaben zu bewältigen haben, den gleichen Zwängen unterliegen ... Da muss man nicht mal zu literarischen Vorbildern wie Thomas Mann oder Hesse (Unterm Rad) gehen, die das fein sezieren … auch mit Irrungen und Wirrungen des Geschlechts ...

    Aber das hier ...


    Der kurze Nebenplot des Cybermobbings wäre einen ganzen Tatort wert gewesen. Die kleinen Teufel und Teufelinnen hacken heutzutage irgendeinen Scheiß in ihre Social-Media-Spielwiese, hauen sich nach Kräften gegenseitig die Taschen voll ... Das lesen dann 200 andere Flachköpfe – und glauben das! Nie zuvor waren Gerüchte so mächtig wie im digitalen Zeitalter. Der Mensch war lange auf die mündliche Übertragung von informationen angewiesen, so dass Gerüchten oft sogar wider besseres Wissen geglaubt wird. Gibt interessante Studien dazu. Auch vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie.

    Aber das hier ...


    Also wirklich, das System bedarf dringend einer Reform. Autor Johannes Rotter ist Schauspieler und nebenbei Drehbuchautor, also bestens vernetzt in der Branche. Könnte vermutlich auch ein Telefonbuch schreiben, die ARD-Redakteure winken das als Tatort durch. Vermutlich geht sein Puls nicht über 80, wenn er sich jetzt anschaut, was er in Komplizenschaft mit den anderen Verantwortlichen verbrochen hat: dem Zuschauer am Sontag eine so unglaublich dürre, hohle, öde Story zu präsentieren – das würden sich nicht einmal Autoren von Scripted reality-Formaten getrauen.

    O Mann!

    3/10

    Ich habe den Fall Relotius damals verfolgt und war beeindruckt, wie selbstkritisch und schonungslos der "Spiegel" damit umging. Ja, guter investigativer Journalismus ist unbedingt zu erhalten in einer Zeit, in der Meinungsmanipulatoren Hochkonjunktur haben.

    Geradezu harmlos nehmen sich dagegen schon beinahe die frei erfunden Interviews des Journalisten Tom Kummer mit Filmstars wie Sharon Stone, Charles Bronson usw. aus, die Kummer hinterher als "Borderline-Journalismus" bezeichnete. Ein hübscher Euphemismus für blanke Lügen. Man sollte doch meinen, dass eine seriöse Zeitung daraus lernt, aber in der Schweizer "Weltwoche" durfte Kummer später wieder veröffentlichen, und das Spiel begann erneut, diesmal handelte es sich um Plagiate. Kummer hatte immer mal wieder einen Brei aus Spiegel-, Zeit- und Wikipedia-Artikeln gemischt ... :lache

    Krause muss verrückt geworden sein, dachte ich gerade. Aber nein:

    "Im Jahr 2018 verließ er ein von ihm bewohntes Haus an der Mecklenburgischen Seenplatte kurz vor der Zwangsräumung. Kurz zuvor hatte ihn das Amtsgericht Potsdam zu einer Geldstrafe in Höhe von 5400 Euro verurteilt. In dem Prozess ging es um die Vorwürfe der Insolvenzverschleppung; seine Beratungsfirma IBP schuldet Gläubigern fast 900.000 Euro."

    Nicht, dass am Ende noch der Schwierigkeitsgrad erhöht wird: ausgewachsene Huntsmanspider, Goliathvogelspinnen, Hundertfüßer und Sandvipern. Dann würde es zwar schnell übersichtlicher im Dschungelcamp und man hätte gute Chancen auf den Darwin-Award, aber soweit dürfte RTL ja nun nicht gehen. Wäre ziemlich unschicklich.

    Ohne jetzt eingeschaltet zu haben: Filme ohne Drehbuch sind fast immer unter aller Sau – was nicht daran liegt, dass in der Branche Schauspieler hinter vorgehaltener Hand als eher „einfältig“ und „dumm“ bezeichnet werden, was zu einem guten Teil blankem Neid geschuldet sein mag, denn sie müssen ja manchmal nichts anderes tun als ihre Rübe in die Kamera zu halten, um Ruhm zu ernten, während ganze Batterien unterbezahlter, hochqualifizierter, hart arbeitender Leute anonym den Weg dafür bereiten.

    Aber wenn die ÖR so einen Mist, der grundsätzlich nichts werden kann, zum Neujahrstag bringen, bin ich schon beinahe versucht, mir meinen Rundfunkbeitrag für diesen Monat zurück zu holen. Leider geht es nicht. Das gute alte Lastschriftverfahren hätte in der ersten Runde einen Punktsieg ermöglicht, im weiteren Verlauf ginge man jedoch ruhmreich KO. :grin

    :lache ich hatte mich schon gewundert, dass die Pro-Knaller-und-Raketen-Fraktion anfangs hier so stark war. In Berlin gibt es ein paar Ecken, da werden Passanten grundsätzlich mit Knallern beschossen. Vor ein paar Jahren ist ein Opfer, dass die Schützen zur Rede stellen wollte, dann auch noch erstochen worden.

    Gestern sind gleich ein paar Leute festgenommen worden, die in einer Verbotszone knallten. Sehr löblich! Was die Polizei da so mitmachen muss an SIlvester, das könnt ihr dann morgen früh gewiss schon auf Youtube sehen - so als Horrorshow en miniature (es gibt hoffentlich keine Toten) an Neujahr - direkt aus Metropolis. ;)

    Habe immer nur mal reingelesen in Stuckrad-Barres Bücher: in Buchhandlungen und Bibliotheken. Aber die Vielzahl von Stichproben ergibt ein relativ klares Bild: ein nicht sonderlich begabter Egomane ohne Themen, ohne Kenntnis von irgendwas oder irgendwem außer ihm selbst, so will es beinahe scheinen, aber Benjamin von Stuckrad-Barre ist auch ein geschäftstüchtiger Filou: Es gelingt ihm tatsächlich immer wieder, auch noch die eigenen Auftritte und Präsentationen seiner Bücher zu verwursten und zwischen zwei Buchdeckel zu pressen. Ich stieß gerade eben eher zufällig auf ein Youtube-Video mit ihm, in dem Dandy Benny Berlin als "Disneyland für Brückentagsdeutsche" bezeichnet, und die unverhohlene Verspottung der (angestellt) arbeitenden Menschen in dieser Aussage wird von denselben offenbar goutiert, die "Like"-Zahlen für die schwachsinnigen Kommentare unter dem Video (in dem er, positiv zu nennen, auch mal den einen oder anderen Lacher generiert) lassen keinen Zweifel zu. Offenbar verdienen viele es nicht anders, und so gesehen behält er am Ende doch noch recht ... :grin

    Den Weihnachts-Geschenke-Irsinn haben wir längst hinter uns gelassen. Hat aber eine Weile gedauert und ist immer noch nicht ganz vorbei. Täglich raunt es mich an: "Ich wäre doch eigentlich ein total geiles G...“

    Geschenkt! Trotzdem immer noch nervig genug. Goethe gilt an:

    „Nichts ist schwerer zu ertragen, als eine Reihe von schönen Tagen.“

    Wenn es doch schon vorbei wäre! :grin

    Oha, kenne ich noch gar nicht, dabei mag ich Storm.

    Den "Schimmelreiter" kennt wohl jeder. Im Osten

    Schulstoff.

    Er war vielseitig. Auch einige seiner Gedichte sind längst Klassiker.

    Fontane nannte ihn einmal den "Monopolisten des Weihekusses", aber eine zarte Liebes-Novelle ("Immensee") berührte mich damals so sehr, dass sogar Tränen kullerten :)

    Lange Rede, kurzer Sinn: Den "Curator" werde ich über Weihnachten wohl mal lesen.

    Ich denke, 'nen kleinen Streit sollte man auch mal austragen können. Friede, Freude, Eierkuchen ohne Unterlass – zu steril und gekünstelt, sofern es halt nicht so ausartet wie in den unmoderierten Amazonforen damals, denn das war – außerhalb des Amazon-Bücherforums, wohlgemerkt – teilweise extrem.


    Ging zwar ursächlich nicht darum, aber: Warum nicht auf einen Geburtstag aufmerksam machen? Wer ihn in seiner persönlichen Maske angibt, möchte dann an diesem Tag vielleicht auch gern erwähnt werden. Das ist doch ok.

    Und sollte es sich um eine Karteileiche handeln: Die Kommentarquote in den sehr häufig frequentierten Fäden ist so hoch, dass ein solcher Faden – wenn nicht von irgendwem kommentiert – blitzschnell wieder in der Versenkung verschwindet.

    " Thomas Mann („Der Tod in Venedig“, 1913), Thomas Wolfe? („Schau heimwärts, Engel“, 1929) und Albert Camus („Der Fremde“, 1942). In der Lyrik: Charles Baudelaire? („Die Blumen des Bösen“, 1857), Georg Trakl? („Gedichte“, 1913) und Paul Celan („Mohn und Gedächtnis“, 1952). Im Drama: Gerhart Hauptmann („Einsame Menschen“, 1891), August Strindberg? („Ein Traumspiel“, 1902) und Samuel Beckett? („Warten auf Godot“, 1952)." Bücher-wiki


    Die Liste ist natürlich viel, viel länger, denn es handelt sich um ein zentrales Thema der Weltliteratur. "Der Ekel", Sarte; "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge", RIlke usw.


    Die "Aufzeichnungen" gehörten damals zu den verbotenen Büchern beim Militär, hörte ich mal. Selbstmordgefahr!

    Die besteht mit Sicherheit auch, wenn du manche Gedichte Trakls zu sehr internalisierst. :grin Und damit meine ich nicht mal das traumhaft schöne Gedicht "Verfall".

    Yep, großartig in jeder Beziehung. Vom Plot über die Besetzung, die Location (die Rocky's) bis hin zum Score.

    Ein Actionfilm mit Niveau und glaubwürdigem Szenario, und über lange Strecken ist er darüber hinaus auch ein Whodunnit.

    10/10

    Die Eulen



    Der Uhu, der Kauz und zwo Eulen

    Beklagten erbärmlich ihr Leid:

    Wir singen; doch heißt es, wir heulen:

    So grausam belügt uns der Neid.

    Wir hören der Nachtigall Proben,

    Und weichen an Stimme nicht ihr.

    Wir selber, wir müssen uns loben:

    Es lobt uns ja keiner, als wir.


    von Hagedorn



    Eine Eulenstory muss ich hier gleich mal loswerden. Einmal im Jahr ist der Berliner Tierpark angesagt.

    Die Harpyie – selten in Tiergärten – ist Kälte nicht gewohnt, drum residierte sie in einem Häuschen. Nicht einsehbar. Zaun davor. Da ich für meine 14 Euronen auch gern den kräftigsten aller Adler, der sogar größere Säuger reißt, sehen will, kletterte ich einfach über den Zaun und linste durchs Fenster. Sie bemerkte mich augenblicklich. Nur mein Kopf war sichtbar. So hielt sie mich für Beute und ging augenblicklich auf mich los. Sie wusste um das Fenster und stoppte einen Meter davor, aber es war, als griffe der Teufel selbst mich an. Ihre großen Augen hatten mich angestarrt, am Kopf seitlich oben waren Federn aufgerichtet, sie sah aus wie eine überdimensionale Eule. Das Bild des Angriffs geht mir seit drei Wochen nicht aus dem Kopf. Es war wohl für den Bruchteil einer Sekunde die Urangst, gefressen zu werden.