Beiträge von madita23

    Hallo!


    Zur Leipziger Buchmesse werde ich dieses Jahr wohl leider nicht kommen können. Ich war letztes Jahr da und habe Themen vermisst, die mich wirklich interessiert haben. Schade.... Dieses Jahr wird es wohl etwas geben, was mich reizen würde. ;)


    Die Frage nach dem neuen Buch wollte ich auch stellen. Ich schließe mich also der Neugierde des Herrn Palomar voll und ganz an. Ich warte schon sehnsüchtig auf die neue Geschichte.... Naja, wird wohl noch etwas dauern. Dann wird die Philosophin eben nochmal gelesen, das ist sowieso immer wieder schön.


    Die Sendung konnte ich leider auch nicht sehen, da ich im Moment zwischen Facharbeit, LK-Klausuren und weiteren Klausuren wie z.b. Philosophie einfach zu nichts anderem mehr komme....
    ABer ich bin sicher, es war so interessant und schön, wie hier beschrieben wurde.

    Ich kann natürlich nicht auf die Frage antworten, wollte aber trotzdem was dazu schreiben, weil sie einerseits naheliegt, aber mich irgendwie ziemlich beeindruckt hat. :)
    Auch wenn das blöd klingen mag.


    Ich habe die "Werte" immer als eine ARt Lebenswerk gesehen. Ist ja nichts, womit man sich mal ein Jahr lang beschäftigt, es auf schreibt und damit abgeschlossen hat. Mal ganz davon abgesehen, dass gute Schriftsteller wahrscheinlich nie mit ihren Geschichten "abschließen". Aber mit den Werten setzt man sich eben doch sein ganzes Leben auseinander. Das dann zu sammeln, aufzuschreiben etc. ist natürlich nochmal eine viel intensivere Beschäftigung, aber ja nichts endgültiges. Ich denke auch, dass einen dieses Werk auch nach Vollenden nicht los lassen wird. Werte bestimmt eben unser Leben und Denken.
    Eine Fortsetzung? Im ersten Moment dachte ich: nein, das ist doch etwas einmaliges.
    Dann aber dachte ich: Warum nicht? Warum nicht nochmal die Werte erweitern, neue Gedanken und Texte sammeln und noch einmal ein Buch "schaffen", das sowohl die Vergangenheit festhält als auch die Zukunft beeinflussen wird? Genug Material gibt es, das steht außer Frage.


    Jetzt bin ich also nach diesen Gedanken sehr gespannt auf eine Antwort. Im Moment denke ich: Wenn eine Fortsetzung, dann erst wenn die Zeit dafür gekommen ist. Also nicht in nächster Zeit.


    Ich freue mich schon sehr auf den neuen Roman. Weiß man schon eine Art "Grenzwert" des Erscheinungsdatums? Nur eine grobe Richtung?


    Liebe Grüße,
    Anna

    Schon die zweite "Jugendsünde" neben der Strauß-Dynastie? Na, na, na. Ich finde ja, dass die Bücher trotzdem einen nicht zu unterschätzenden Wert haben. Wer ist schon gleich perfekt? Und bestimmt verbindet man mit solchen ersten, noch nicht ganz ausgereiften Versuchen eine ganze Menge. Für mich hat jedes Buch eine Seele und wenn man es dann noch dazu selbst geschrieben hat, dann darf doch keins als weniger wertvoll abgestempelt werden. "Jugendsünde" klingt so negativ, weil das meistens Dinge sind, die man bereut. Wie könnte man bereuen ein Buch geschrieben zu haben?


    Von wegen die Luft geht raus: Nun ja, ich glaube nicht, dass es dem Buch schaden wird. Ich denke wir lesen alle weiter und wissen - im Falle einer Frage oder einer Idee- an welcher Stelle wir unseren Gedanken freien Lauf lassen können.
    Ich bin im Moment in Schule und Sport ebenfalls so sehr eingespannt, dass ich nicht viel zum Lesen komme. Außerdem beschäftige ich mich nebenbei mit albanischer Literatur, was auch nicht zu kurz kommen darf. Neben Ismail Kadare, der sehr bekannt ist, habe ich bisher nur zwei albanische Autoren ausfindig machen können, von denen jeweils zwei Bücher in Deutsch erhältlich sind. Traurig.. oder? Wir wissen nichts über dieses Land, obwohl es genauso in Europa liegt wie z.B. auch Frankreich, was uns weit vertrauter ist. Albanische Literatur? Wer kennt die schon mag man denken. Ich finde es traurig. Dabei ist die Literatur eine so schöne Art sich einem unbekannten Land zu nähern.


    Ich werde die "Werte" jedenfalls nicht vergessen und denke nicht, dass unser wertes Abendland deswegen untergeht. Denn das tolle an einem solchen Buch ist schließlich, dass es zeitlos ist und noch dazu ein Lebenswerk. Ein Werk, das einen das ganze Leben begleiten wird und immer wieder mal besonders hervortreten wird.


    So. Das wars dann auch von mir.
    liebe Grüße,
    Anna

    Emily


    Es war der erste Abend seit 37 Tagen, an dem ich freiwillig und ohne bestimmtes Ziel das Haus verließ. Schon nach dem 10. Tag hatte ich beschlossen etwas zu ändern, doch die Phase tiefster Depression und schlimmstem Selbstmitleid bestimmte weiter meinen Tagesablauf.
    Ich sah mich selbst als einen einsamen Schriftsteller, der auf Seite 269 seines Buches plötzlich nicht mehr weiter weiß und nicht zuletzt deswegen von seiner Freundin verlassen wurde.
    Um so stolzer war ich auf mich selbst, als ich einen Fuß nach dem anderen langsam und bei vollem Bewusstsein meiner geistigen Kräfte vor die Tür setzte. Im Schein des warmen Mondes schlenderte ich durch die Straßen der schlafenden Stadt. Ich hatte nichts dabei. Kein Handy, falls mich eine Bande wilder Jugendlicher überfiel, kein Geld – nicht einmal für eine Schachtel Zigaretten, sogar auf die Schuhe hatte ich verzichtet um den eiskalten Asphalt zu spüren. Alles was ich trug um mich gegen die Kälte zu schützen, die diese Nacht die Gegend umhüllte, war ein dicker Baumwollschal, den mir meine Großmutter gestrickt hatte, als ich noch in die Schule ging. Was sich seit dem nicht alles verändert hatte.
    Ich habe mehr Geld verdient, als manch ein Bankangestellter je in den Händen gehalten hat. Ich habe viele Bücher rausgebracht, die in unzählige Sprachen übersetzt wurden. Ich hatte ein halbes Dutzend Frauen, die ich alle irgendwann verließ, weil eine andere noch schöner war. Mein Haus war das größte und schönste im ganzen Viertel und jeder noch so glückliche Familienvater beneidete mich darum. Und nun wusste ich nicht weiter. Mein Geld lag sicher auf der Bank, aber ich wusste nicht wofür ich es ausgeben sollte. Mein aktuelles Buch handelte von der Unabhängigkeit eines erfolgreichen Menschen. Die wohl schönste Frau dieser Welt, war mit der Begründung fortgegangen, ich sei ein egoistischer Nichtsnutz. Und in dem riesigen Haus bewohnte ich nur drei von 24 Zimmern.
    Ich kannte die Gründe meiner Krise und die bedrückenden Unzufriedenheit, die meine Seele fesselte besser, als jede meiner Geschichten. Aber zum ersten Mal war ich entschlossen etwas zu ändern.
    Neben mir zog eine alte Dame ihre Gardinen zu, im oberen Stockwerk des Hauses schaltete jemand das Licht aus und irgendwo am Ende der Straße schreite ein kleines Kind. Diese Menschen schienen genau zu wissen, was zu tun war. Wie ich sie darum beneidete.
    Das Schicksal führte mich immer weiter in die Innenstadt. Vorbei an dunklen Gassen, beleuchteten Schaufenstern und flackernden Straßenlaternen mitten ins Herz der Stadt.
    Nicht viele Menschen waren unterwegs, doch trotzdem fühlte ich mich seit über einem Monat das erste Mal nicht allein. Es war ein merkwürdig warmes Gefühl, das mich erstaunlicher Weise dazu brachte mit jemandem Reden zu wollen. Ein Drängen und Sehnen, das ich nie zuvor kennen gelernt hatte.
    An einer etwas ruhigeren Ecke, ein Stück entfernt von den großen Geschäften saß eine zierliche Gestalt – eingewickelt in eine braune Wolldecke. Ganz von alleine ging ich immer näher an sie heran, bis meine nackten Füße schließlich nur noch wenige Zentimeter vor einer kleinen Plastikschale mit ein paar Münzen standen. Die junge Frau blickte mich nicht an. Ihr Kopf war schüchtern nach unten gelehnt, aber ich wusste, dass sie nicht schlief.
    Erst, als die Decke ein Stück tiefer rutschte bemerkte ich das kleine Baby, das in ihren Armen lag. Es hatte die Augen geschlossen, atmete sehr langsam und schmiegte sich an den warmen Körper seiner Mutter.
    Eine brennende Träne lief mir über die linke Wange, denn dieses Bild nahm mich sehr mit. Ich spürte etwas wie Liebe für diese Frau, weil sie einfach nur da saß und ihr kleines Kind schützend in den Armen hielt. Ich war nahe daran nach einer Münze zu suchen, um sie ihr in die Schale zu legen, doch noch bevor ich realisierte, dass ich ja überhaupt keinen einzigen Cent bei mir hatte, merkte ich, dass diese Frau mehr verdient hatte, als ein wenig Geld. Zum ersten Mal seit ich denken konnte, stellte ich die Wichtigkeit von Reichtum in Frage.
    „Hallo“, sagte ich leise, aber bestimmt zu der geheimnisvollen Erscheinung. „Keine Angst. Ich tue Ihnen nichts. Ich würde Ihnen nur gern helfen.“ Mein Gegenüber bewegte sich keinen Zentimeter, hörte jedoch schlagartig auf zu atmen. Ich machte mir Sorgen sie könnte ersticken und kniete mich hin um ihr zu zeigen, dass ich wirklich nichts Böses wollte. Langsam erhob die junge Mutter ihren Kopf und mich blickten zwei Augen an, wie ich sie nie zuvor gesehen hatte. Sie drückten eine solche Traurigkeit aus, dass mir für einen Moment das Herz stehen blieb. Irgend etwas in mir veränderte sich in diesem Moment gewaltig. Unter normalen Zuständen hätte es mir wahrscheinlich schreckliche Angst bereitet, aber in diesem Moment konnte ich nicht anders, als meinen Arm um die Frau zu legen, die noch immer kein Wort gesagt hatte. Jeder Mensch dieser Stadt, der auch nur einmal im Monat die Nachrichten las, hätte auf die Sekunde gewusst wer ich war und mich mit Hochachtung und Bewunderung nach meinem neuesten Buch gefragt. Dabei konnte ich die Gedanken an diese Geschichte nicht einmal in einer Situation größter Freundlichkeit ertragen. Wie dankbar ich diesem unbekannten Geschöpf war, dass sie mich nicht damit konfrontierte.
    Ich setzte mich neben sie und ihre dunkelbraunen Augen folgten mir jede Sekunde. „Wie heißt du?“, fragte ich, als ich sowohl Herzschlag, als auch Atmung wieder im Griff hatte. Ganz langsam öffnete sich ihre Lippen und formten ein zartes „Emily“.
    Emily war gezeichnet von dem harten und schmutzigen Leben auf der Straße. Schrammen und Drecksspuren schienen ihr wunderschönes Profil vorteilhaft zu unterstreichen. Wind und Regen hatten ihre langen schwarzen Haare zerzaust. Fasziniert blickte ich sie an, als wäre sie eine Außerirdische. Unter all den Decken, Pullovern und anderen Kleidungsstücken befand sich eine so interessante und hübsche Frau, dass ich glaubte zu träumen. Wie kam ein so junger Mensch, der sein Leben noch vor sich hatte in eine solche Situation?
    Tagtäglich sah ich Obdachlose auf der Straße sitzen und ging uninteressiert an ihnen vorüber. Doch wie kamen sie hier her? Hatten sie wirklich ein Leben in der Kälte gewählt? Emily beugte sich über ihre kleine Tochter und streichelte sanft ihre Wange. Ich merkte ihr an, wie angespannt sie durch meine Anwesenheit war und verspürte mit jeder Sekunden einen stärkeren Willen ihr zu helfen.
    „Emily – warum bist du hier? Warum lebst du nicht mit deiner kleinen Tochter in einer warmen Wohnung?“ Verängstigt blickte sie mich an. Ihre Augen durchdrangen meine Seele und etwas in ihnen schrie nach Liebe und Geborgenheit.
    „Ich habe kein Geld für eine Wohnung. Es ist besser hier, als unter der Brücke bei den vielen Männern, die den ganzen Tag über Bier trinken.“ Emily lächelte leicht.
    Ich war erstaunt und zu tiefst beeindruckt von der Stärke dieser Frau. Sie schien fast zufrieden mit diesem Platz an einer Ecke, weil sie wusste, dass es schlimmer ging. Was war ich nur für ein Mensch? Ich schämte mich plötzlich für den Reichtum in dem ich lebte. Ich war verzweifelt, weil ich mit all dem Geld nichts anzufangen wusste und Emily war glücklich, wenn sie sich an einem Tag zwei Mahlzeiten besorgen konnte.
    Ich fragte sie, warum sie kein Geld habe und wieso sie nicht bei Freunden lebte. Emily antwortete, dass sie keine Arbeit habe und ihre Freunde in Albanien lebten. Sie erzählte mir nach und nach immer mehr aus ihrem Leben. Mit 19 Jahren schickten sie ihre Eltern auf die Flucht, weil sie in ihrer Heimat keine Zukunft für ihr junges Mädchen sahen. Mit zwanzig fand sie einen deutschen Mann, der bereit war sie zu heiraten, solange sie bei ihm wohnen würde um ihn zu versorgen. Kurze Zeit später wurde sie schwanger und die beiden beschlossen noch vor der Geburt die Hochzeit hinter sich zu bringen, damit Emilys Aufenthaltsrecht gesichert war. Zwei Wochen vor dem Termin beim Standesamt und drei Monate vor der Geburt ihrer Tochter Linda kam ihr angehender Ehemann bei einem tragischen Autounfall ums Leben. Seit dem hatte Emily weder ein Recht auf ein Leben in Deutschland, noch die Möglichkeit irgendwie Geld zu verdienen.
    Plötzlich kam mir in den Sinn, dass diese Frau wirklich einsam war – nicht ich. Ihre ganze Liebe schenkte sie ihrer Tochter, die sie ruhig in ihren Armen wiegte.
    Als die Rathausuhr aus der Ferne Mitternacht schlug und Emily müde wurde, konnte ich nicht ohne sie gehen.
    Ich sagte ihr sie solle mit mir kommen und in einem meiner Gästezimmer schlafen. Emily erwiderte, sie könne ein solches Angebot nicht annehmen. Sie bedankte sich von ganzem Herzen für das Gespräch und versicherte mir, dass ich mehr für sie getan hätte als jeder Passant, der ohne sie eines Blickes zu würdigen - wie zufällig - eine Münze vor ihre Füße fallen ließ. Fast als hätte er Angst dabei gesehen zu werden.
    Ich war gerührt von ihren Worten, brachte es aber trotz ihrer Bitte zu gehen nicht über mich sie auf dieser einsamen Straße allein zu lassen.
    Langsam streckte ich meine Hand aus und reichte sie ihr. Emily zögerte noch immer. Erst nach weiteren beruhigenden Worten, konnte ich sie dazu überreden sich wenigstens anzuschauen, wo ich wohnte. Ich trug die Decken und den Rest ihres winzigen Besitzes und sie hielt Linda im Arm.
    Leise erzählte ich ihr, dass ich allein wohnte und genug Platz hatte um sie bei mir aufzunehmen. Ich versicherte ihr, dass ich ihr die Wahl lassen würde wie lange sie bliebe und gestand ihr kurz vorm Gartentor, dass ich mich einsam fühlte in einem ganzen Haus für mich allein.
    Damit erreichte ich ein schüchternes Lächeln auf Emilys Lippen und gewann allmählich ihr Vertrauen.
    Als wir im Flur standen und ich das Licht anknipste, blieb Emily regungslos stehen. Sie starrte die weißen Wände an. Ließ ihren Blick über den Spiegel wandern und verfolgte mit den Augen die vielen Treppenstufe, die in den ersten Stock hinauf führten. Unfähig etwas zu sagen, folgte sie mir ins Schlafzimmer. Auf dem Heimweg hatte ich beschlossen ihr mein Bett zu geben, weil es für zwei Leute gedacht war und sie so mit Linda im Arm einschlafen könnte. Ich würde mich diese Nacht auf die Wohnzimmercouch legen und wenn Emily beschloss zu bleiben, könnten wir ihr in den nächsten Tagen gemeinsam eines der vielen Zimmer einrichten.
    Als wir das Schlafzimmer betreten hatten, erklärte ich ihr, dass sie so lange schlafen könne, wie sie wollte, gab ihr mein größtes T-Shirt und ein paar Kleider meiner Exfreundin, falls sie sich umziehen wolle, zeigte ihr das marmorierte Badezimmer und legte ihr Handtücher und Seife zurecht. Dann verließ ich das Zimmer.


    Als ich schließlich allein mit der Stille der Nacht im Wohnzimmer lag wurde mir bewusst, was die Begegnung mit Emily in mir angerichtet hatte. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich das erleichternde Gefühl absolut das Richtige getan zu haben. Emily hatte mir geholfen mich selbst zu finden. Ich hatte in nur einer Nacht mein luxuriöses und weitgehend problemloses Leben zu schätzen gelernt. Ich wusste wieder wer ich war und warum ich lebte. Emily war wie ein Engel in mein Leben gekommen und ich beschloss mein Leben lang dafür zu sorgen, dass diese Frau glücklich war.


    In dieser Nacht schrieb ich ohne über ein Wort nachzudenken fast einhundert Seiten eines NEUEN Buches. Die angefangene Geschichte, die mich noch Stunden zuvor gequält hatte, schien mir plötzlich naiv und oberflächlich.
    Ich schrieb über Beziehungen zwischen Menschen, über die Liebe, die man tagtäglich in sich tragen solle, über den Sinn des Lebens und über die Suche nach dem eigenen Ich.


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    Ist sehr lang für die Verhältnisse hier, würde mich trotzdem freuen, wenn es jemand liest. Wenns wohl auch nicht so gut ist wie der Rest in diesem Forum...

    warte nicht krampfhaft auf einen Einfall. Leb einfach ganz normal weiter, aktives Warten ist besser als passives. Vergiss den Gedanken an die Geschichte, das Leben schreibt so viele Geschichten, dass dir sicher irgendwann - in einem Moment in dem du es gar nicht erwartest -eine Eingebung kommt.
    Sei es die Verkäuferin an der Wursttheke, der rücksichtslose Taxifahrer, der strömende Regen am Morgen oder was auch immer..
    viel erfolg..
    hab erst eine weihnachtsgeschichte geschrieben, die aber nicht so umhauend ist....

    ;) Iris, genau das habe ich auch gedacht.


    Ich komme im Moment auch wirklich nicht dazu weiter zu lesen, aber ich gebe nicht auf.
    Ich weiß nicht warum im Moment alles zusammen kommt, aber es ist wirklich schrecklich.
    Die "Werte" sind aber denke ich auch ein Buch, das man mal an die Seite lesen kann. Ich denke trotzdem über das nach, was ich schon gelesen habe und werde auf jeden Fall - wann immer ich eine MInute habe - weiter lesen.
    Naja aus diesen Gründen schreibe ich im Moment auch nicht oft ins Forum, was - wie ich festgestellt habe - aber sowieso keine Bereicherung wäre, da alle anderen Beiträge bei weitem intelligenter sind als meine. Also lese ich erstmal still mit..


    Viel Spaß Rosenstolz!!!! :) Ich bin sicher den wirst du haben.


    Liebe Grüße,
    anna

    Um mal in die Happy-End Diskussion mit einzusteigen, da ich ja immernoch nicht MEINE meinung zu dem buch gesagt habe, im moment aber auch nicht so viel zeit habe etwas ausführlicheres zu schreiben:
    Ich fand das Ende super. Es musste so sein. Natürlich ist ein HappyEnd einfach, belastet den Leser nicht und gibt einem immer das Gefühl von Frieden. Aber das ist ein Scheinfrieden, der sich in der REalität nur sehr selten wieder findet. Literatur ist meiner Meinung nach nicht zu Entspannung oder Erholung gedacht.
    Die Literatur soll bewegen, auf den Menschen wirken, ihn prägen, sensibilisieren und den Horizont erweitern.
    Oder wie Kafka es sagt: "Ich glaube man sollte überhaupt nur solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen. Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch? Damit es uns glücklich maht, wie Du schreibst? Mein Gott, glücklich wären wir eben auch, wenn wir keine bücher hätten, und solche Bücher, die uns glücklich machen, können wir zur Not selber schreiben. Wir brauchen aber die bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns, wie wenn wir in Wälder verstoßen würden, von allen Menschen weg, wie ein Selbstmord, ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns." - Aus: Franz Kafka, Briefe 1902-1904, herausgegeben von Max Brod


    Diese Worte sprechen mir aus der Seele, nur dass ich es nicht annähernd so schön hätte sagen können.
    Ich habe geweint, bei der Szene, die dir (Ironie) nicht gefallen hat... und das ist es, was ein buch für mich so wertvoll macht.
    Es hätte nicht anders ausgehen dürfen, das hätte die Geschichte zerstört, Emilys Geschichte.


    In diesem Sinne - lasst euch von den Büchern berühren!
    anna

    Klingt nachvollziehbar.
    Ich fand den Beitrag auch gut. Ich war zwar schon halbverschlafen und lag in meinem Bett, aber wenn etwas kommt, worauf man gewartet hat, wird man ja immernoch mal wach.


    Die Sache mit der Vielfältigkeit fand ich durch die Bilder der verschiedensten Verfasser aber echt gut rüber gebracht. Und den Schlusssatz mochte ich auch. Schließlich ist es ein Buch, das wirklich in ganz Europa oder wenigstens vielen Teilen Europas gelesen werden sollte.


    Gibt es denn in Zukunft noch mehr Medienberichte oder Ähnliches zu den Werten? Ich finde es immer interessant zu sehen, wie so etwas auf unterschiedliche Weise umgesetzt wird.

    DANKE.
    super, dass ich den tip noch rechtzeitig gesehen hab. Hoffentlich schlaf ich nicht vorher ein.... ;) na dann bleibt ja noch die wiederholung.


    Zu paul auster: ich habe von ihm nur "stadt aus glas" gelesen und das mochte ich eigentlich ganz gerne. habe aber auch mal einen bericht über ihn gesehen, der mich sehr beeindruckt hat. ;)

    hallo,


    ich stelle jetzt schon wieder eine Frage, die eigentlich nicht hier her gehört. Es tut mir leid, aber ich weiß da gerade nicht weiter und dachte mir, dass hier die richtigen Leute wandeln.


    Also es geht um folgenden Satz von Schopenhauer über die Zeit:


    " Wir können die Zeit einem endlos drehenden Kreis vergleichen ; die stedts sinkende Hälfte wäre die Vergangenheit, die stest steigende die Zukunft, aber der unteilbare Punkt, der die Tangente berührt, wäre die ausdehnungslose Gegenwart...."


    Wenn man dazu eine Skizze anfertigt, hat man einen Kreis, dessen rechte Hälfte die Vergangenheit und dessen linke Hälfte die Gegenwart wäre. Der Punkt der Zukunft müsste demnach eigentlich ganz oben an der Kreislinie liegen - zwischen Zukunft und vergangenheit. Ist dieser Punkt gemeint?


    Unlogisch finde ich auch, dass demnach die Vergangenheit in die Zukunft übergehen würde, denn wenn sich der Kreis dreht wird ja automatisch der sinkende Teil zum steigenden und damit zu Zukunft. Andersrum ist es ja klar und auch verständlich, aber so rum eben nicht.


    Vielleicht habe ich auch einen Denkfehler im Ansatz der Skizze..


    Ich hoffe irgendjemand hat Lust sich damit zu beschäftigen und mir ein wenig auf die Sprünge zu helfen. Ich finds eigentlich interessant, hänge an dieser Stelle aber gerade fest.

    " Wenn mir jemand sagen würde, Gott ist tot, was würde es in mir auslösen? "
    (sorry, mit dem Zitieren klappt es gerade irgendwie nicht)


    Das ist wirklich eine schwierige Frage.
    Mit dem Verhalten in der Gruppe hast du denke ich recht. Liegt vermutlich zum einen daran, dass der Glaube eine Sache ist, mit der man sich eher im Stillen beschäftigt und zum Anderen daran, dass der Glaube in der Gesellschaft wohl von vielen immer noch als kindisch angesehen wird. Weil es eben mit purer Vernunft nicht zu verstehen ist, dass dort oben eine höhere Macht sein soll, die alles lenkt. Natürlich kann man ohne den Glauben viele andere Dinge nicht verstehen.


    Was ich denken würde, wenn man mir sagt "Gott ist tot"... mhh. Schwierig, weil unvorstellbar.
    Ich glaube die meisten würden einen Beweis fordern. Was bei etwas Unbewiesenem wie der Existenz Gottes schwierig wird. Dann gäbe es wahrscheinlich zwei Gruppen: Die Einen, die glauben, dass Gott tot ist, die Anderen, die sich weiter an seine Unsterblichkeit klammern.
    Was ICH denken würde weiß ich nicht... Ich kann mir aber vorstellen, dass es vielen Menschen (vielleicht auch mir?) einen gewissen Halt nehmen würde.
    Klar denkt man manchmal: Wieso sollte Gott so etwas tun. Aber wenn man darüber nachdenkt erkennt man auch in den meisten Dingen etwas Positives. Und bei den Dingen, bei denen man nichts Positives findet, ist das Positive vielleicht nur zu versteckt. Ich weiß es nicht... glaube aber nicht, dass Gott tot ist.


    Also - eine sehr interessant Frage, mit der ich mich wohl auch noch weiter beschäftigen werde.


    Liebe Grüße,
    Anna

    Hallo,
    ich bins nochmal: Kleiner Tip für alle, die es auch beschäftigt hat, dass "Miss Emily Paxton" im Januar mit neuem Titel und neuem Cover erscheint:
    Im Forum zu Pranges neuestem Buch "Werte- Von Plato bis Pop: Was uns verbindet" habe ich die Frage mal gestellt. Also wer gerne die Antwort von Peter Prange dazu lesen möchte, sollte dort mal vorbei schauen. ;)


    Ändert zwar nichts an den Tatsachen, ist aber immerhin interessant. Und der Gedanke, dass der Verlag sich auf diese Weise mehr Leser erhofft, tröstet wenigstens ein bisschen. Immerhin kann man ja davon ausgehen, dass in so einem Verlag Menschen sitzen, die wissen, was sie tun. Vielleicht hat es also - mal davon abgesehen, dass wir es alle nicht gut finden - wenigstens den Effekt, dass weniger Leser an der Geschichte von Emily vorbei gehen.


    Liebe Grüße,
    Anna

    Natürlich wäre es schade um die Geschichte, wenn sie als Taschenbuch nicht die höchstmögliche Leserzahl erreicht. Das sehe ich absolut ein, da ich schließlich die letzte (oder eine der letzten) bin, die nicht möchte, dass Sophie Volland, Clarissa McKinney und Emily Paxton von den Lesern übersehen werden.


    Trotzdem - ich finde es schade. Ein Buch, eine Geschichte, zwei Titel. Das passt einfach nicht.
    Und dann nichtmal ein gleichwertiger oder besserer Titel. Ich fands ja schon bei der Philosophin schade, dass es nicht "Der Kuss des Philosophen" "getauft" wurde....


    Aber gut, mit dem Gedanken, dass ein Schriftsteller sich nicht die Titel seiner Geschichten aussuchen darf, muss ich wohl erst noch ein bisschen kämpfen. Ich finds einfach traurig. Aber das ist wohl die kindische Sicht einer 18-jährigen.


    Von dem Duzen wusste ich nichts, ist noch ungewohnt, aber natürlich vollkommen in Ordnung.


    Danke für die Antwort! Ich muss es ja sowieso akzeptieren..


    Liebe Grüße,
    Anna

    Meine Frage hat zwar nichts mit dem werte-Buch zu tun, ist mir aber trotzdem wichtig.


    Ich bin gerade in dem Forum zu "Miss Emily Paxton" darauf gestoßen, dass diese wundervolle (!) Geschichte im Januar als Taschenbuch erscheint. Allerdings - was ich nun wirklich schade finde - mit anderem Titel und anderem Cover.
    "Die Rebellin" - der Titel wird dem Roman doch überhaupt gar nicht gerecht! Vielleicht möchte der Verlag die Werke der Triologie durch ähnliche Titel näher miteinander verbinden - aber das finde ich wirklich ... wie soll ich sagen... einfach nicht gut.
    Selbst wenn man mal den wichtigen Aspekt, dass der Titel nicht zum Buch passt und der leser natürlich sofort merkt, dass zwanghaft nach einem weiteren "DIE..." Titel gesucht wurde, außer Acht lässt.
    Es ist doch auch nicht fair. Das verwirrt doch unnötig. Meine Meinung nach kann eine Triologie auch aus WErken mit grundsätzlich verschiedenen Titeln bestehen - es geht doch hier um den Inhalt, um die Intention des Autors.
    Es ist so schade.. die drei Romane sind alle absolut empfehlenswert!! ABer das entsetzt mich jetzt gerade wirklich.
    Wie gut, dass ich die gebundene Ausgabe in meinem Regal stehen habe.


    Können Sie irgendetwas sagen, damit ich es vielleicht ansatzweise verstehen kann? Dass es nicht an Ihnen, sondern wohl eher am Verlag liegt, kann ich mir denken. Es soll nun wirklich kein Vorwurf an Sie sein.




    Trotz der Enttäuschung liebe Grüße,
    Anna


    P.S.: Entschuldigt, dass ich hier was ins Forum schreibe, was eigentlich nicht direkt zu diesem Thema passt. Es lag mir einfach am Herzen.

    Hallo,


    eigentlich wollte ich mal meine Meinung zu "Miss Emily Paxton" sagen und habe vorher die schon geschriebenen beiträge überflogen. Dabei bin ich auf zwei Dinge gestoßen zu denen ich jetzt auch noch was sage:


    1. Die 3 Werke als Triologie zu sehen finde ich gut! Sie verbindet einiges. In jedem Buch geht es um eine Person, über die so gut wie nichts bekannt ist und der Peter Prange einfühlsam eine Geschichte gibt. Der Name "Weltenbauer" sagt ja schon, dass es sich um wesentliche Ereignisse der Geschichte handelt. Ein Ereignis aus jedem der drei Jahrhunderte vom 17. - 19. Jh. Warten wir also gespannt auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Zur Vervollständigung der Gemeinsamkeiten hier ein guter Link: http://www.weltenbauer-trilogi…ixcms/detail.php?id=22815


    2. Ich bin entsetzt!!! Miss Emily Paxton als "die Rebellin". Oh nein!!! Natürlich passt es für den Verlag gut rein in die Reihe, DIE Philosophin, DIE Principessa, DIE Rebellin. Aber es kann doch nicht höchstes Ziel sein ähnliche Titel für die Werke zu finden. Ich finde "Die Rebellin" als Titel auch gar nicht gut. Ich bin gerade vollkommen verwundert, enttäuscht. Das Cover mag ich persönlich auch nicht. So hat es zwar keine Ähnlichkeit mehr mit dem anderen buch, das ein ähnliches Cover hatte wie M. E. P. und passt auch optisch gut zu den beiden Geschichten vorher, aber ... ich weiß nicht. Ich kann mich mit diesem Buch nicht anfreunden. Und dieselbe Geschichte unter zwei verschiedenen Titeln herauszugeben ist nicht nur verwirrend, sondern absolut falsch finde ich!!
    (Noch komischer bei amazon.de das Angebot "Miss Emily Paxton" und "Die Rebellin" zusammen zu bestellen)


    zu der wundervollen Geschichte sage ich einander Mal etwas - wenn ich mich zuende geärgert habe.


    Liebe Grüße,
    Anna

    Dann geb ich auch mal meinen Senf dazu ab. ;)


    Mich hat "Die Principessa" - genau wie vorher "Die Philosophin" und nachher "Miss Emily Paxton" - auf jeden Fall begeistert. Ich finde nicht, dass es nur EIN historischer Roman von vielen ist und denke auch, dass es weit mehr ist als eine "erholsame" Urlaubslektüre. Ist zwar ein bisschen her, dass ich das Buch gelesen habe, aber ich sag trotzdem mal was dazu.


    Wie auch in den beiden anderen Werken der Weltenbauer-Triologie, handelt es von Personen, über die so gut wie nichts bekannt ist und denen Peter Prange mit unglaublichem Gefühl und einem sehr schönen Schreibstil eine Geschichte gegeben hat. Und wiedermal habe ich mich in einer mir so unbekannten Welt zurechtgefunden.
    Ich träume schon länger davon mal nach Rom zu reisen, denn ich liebe Italien und habe viele wundervolle Dinge aus dieser Stadt durch Bilder und Erzählungen bereits kennen gelernt. Zwar war es in ihrem Buch das Rom des 17. Jahrhunderts, aber gerade das hat es wahrscheinlich so interessant gemacht. Wie gerne würde ich nun meine Koffer packen und in eine Welt reisen, die mir irgendwie vertraut ist, sich aber wahrscheinlich doch sehr verändert hat. Ich habe mich gefühlt, als würde ich in der Stadt leben – auch in der Zeit.
    Das Thema Architektur interessiert mich auch sehr. Bei „der Philosophin“ war es eben das Schreiben, die Aufklärung und auch die Liebe, die in beiden Romanen ja glücklicherweise nicht zu kurz kommt. Ich fand es schon vor diesem Buch bewundernswert, was Menschen mit den eigenen Händen alles errichten können.
    Was muss es für ein wundervolles Gefühl sein eine Kirche oder auch nur ein kleines Wohnhaus zu bauen und es noch Jahre später zu sehen. Sehen, was man selbst geschafft hat. Merken, dass nicht all die Arbeit, all die Mühe verpufft. Fast als würde man in einen Buchladen gehen und seinen eigenen Roman in den zugestellten Regalen entdecken. ;)
    Am Anfang von "Dichtung und Wahrheit" heißt es "Dieses Buch ist ein Spiel". Wenn Peter Prange sein Werk als ein Spiel ansieht, so ist es für mich - passend zum Inhalt - eine Art Baukasten, Legosteine oder Ähnliches.
    Die wenigen geschichtlichen Daten sind nicht mehr und nicht weniger als Grundsteine aus der Vergangenheit, die der Autor durch ein sehr feines Gespür irgendwie entdeckt hat und als Anfang nahm. Nach und nach wuchs dieser Bau an. Peter Prange füllte die Lücken mit seinen eigenen Gedanken – einer vollkommenen Phantasie. Die Principessa selbst könnte man als Grundgerüst, Dachstuhl oder irgend etwas anderes Wichtiges bezeichnen. Sie ist im ganzen Roman die Verbindung zwischen den DREI großen Künstlern. Nämlich Bernini, Borromini und dem Autor dieses tollen Werkes. Clarissa McKinney ist für mich die Schlüsselfigur. Sie zeigt sehr deutlich wozu P. Prange fähig ist. Wie feinfühlig, einfühlsam und kreativ er schreiben kann und gleichzeitig ist sie eine Art Band zwischen den beiden Architekten. So unterschiedlich Menschen auch sein können, sie lieben dieselbe Frau.
    Bewundernswert auch, dass in dem Roman Menschen mit unterschiedlichstem Charakter vorkommen, die alle - obwohl sie aus der gleichen Feder stammen - vom Leser als einzelne Personen gesehen werden und ihrem Wesen bis zum Ende treu bleiben.Man hat nie das Gefühl, es wären dieselben Menschen mit unterschiedlichen Namen, was bei manchen Romanen leider der Fall ist.
    Hier jedoch hat jeder seine eigene Geschichte, sein eigenes Schicksal und der Leser kann diesen sehr gut folgen.
    Ich habe mich in die Sprache, die Zeit und die Personen so hineinversetzt gefühlt, dass ich irgendwann auch ohne zu lesen in dieser Welt mehr oder weniger lebte. Es ist bei mehreren Büchern so, dass man irgendwann in der Sprache des Autors denkt. Das war sehr schön und irgendwie lustig. Prange hat überzeugt ohne sich mit Fremdwörtern und Fachausdrücken zu verkleiden. Man konnte problemlos folgen und auch Dinge sehr gut verstehen, die eigentlich etwas mehr Architekturwissen beansprucht hätten – wenn sie nicht so treffend eingesetzt worden wären.
    Außerdem haben mir die religiösen und philosophischen Züge sehr gefallen. Natürlich hat die Sache mit dem Glauben auch mit der Zeit zu tun. Aber es ist was anderes, ob man nun über die damaligen Traditionen sachlich berichtet und ab und an erwähnt, dass die Kirche sehr wichtig war und auch in der Außenwelt gut dastehen wollte, oder ob man dem Leser durch Personen wie Virgilio Spada eine direkte Verbindung dazu ermöglicht. Der Leser konnte den Glauben spüren, ohne dass er direkt beschrieben wurde.
    Ich denke über die Dinge nach, die ich lese und die Religion hat mich in diesem Roman sehr mitgerissen. Ob es nun verzweifelte, hoffnungsvolle oder pflichterfüllende Gebete waren oder die Gespräche mit den Bibel-Zitaten – es war einfach überzeugend. Es gehört schon eine sehr genaue Bibelkenntnis oder viel Recherche dazu um solche Verse im richtigen Augenblick mit einzubringen. Respekt!
    Genau dasselbe war es eigentlich mit der Philosophie. Zwar sind es in der Geschichte nur kleine Sätze, in der heutigen Welt und in meinen Gedanken allerdings sind es sehr wichtige Bausteine des Werkes. Wie kann man bei Themen wie Liebe und Hass als bedeutende Leidenschaften unberührt bleiben? Wie könnte man nicht darüber nachdenken, nicht merken wieviel mehr diese einzige Frage auch mit der gesamten Geschichte zu tun hat? Besonders aber war es die Frage nach dem Glück. Ob es nun schöner ist Glück zu besitzen oder es zu verdienen. Es ist eine absolut angebrachte Frage, denn sie ist verdammt schwer zu beantworten. Ich denke, dass sie zum Fragesteller und zur Situation im Roman einfach vollkommen perfekt passt, muss ich nicht erwähnen. Ich habe mir diese Frage erst vor kurzer Zeit wieder gestellt, als ich mich etwas ausführlicher mit dem Thema "Glück" befasst habe.
    Ich denke das waren nun genug Worte zu einem Buch, das eigentlich für sich selbst spricht. LEST es einfach, es lohnt sich.


    Entschuldigt die sehr ausführlichen Worte - aber glaubt mir, in dem Buch steckt noch weitaus mehr als das von mir erwähnte.


    Liebe Grüße und ganz viel Spaß beim Lesen!
    Anna

    Zitat

    schöne Rezi, Madita.


    Danke geli73! Genau das wollte ich bewirken. ;) Schön, dass es funktioniert hat, hätte ich nicht erwartet. Es ist - wenn man von einem Buch so hingerissen ist - wirklich schwer das in dem Maße auszudrücken.


    Ich kann nur sagen: Ich habe es jetzt zwei Mal auf deutsch gelesen und auch die französische Ausgabe "Sophie la libertine". Und ich blättere auch gerne mal einfach darin rum und lese ein paar Stellen. Für mich wird es einfach nie langweilig!


    Aber bei Büchern ist es doch manchmal wie bei Menschen: Auf jeden Leser übt ein anderes Buch eine besondere Magie aus.


    Liebe Grüße,
    Anna

    Obwohl der letzte Beitrag in diesem Forum nicht mehr so aktuell ist, MUSS ich einfach was zu diesem Buch sagen.
    Ich LIEBE es. Wirklich.
    Ich habe es vor gut einem Jahr das erste Mal gelesen - in den Sommerferien, in Kroatien. Und ich habe in dieser Zeit in der Geschichte gelebt. Es war wahnsinnig schön. Ich konnte mich in Paris zurecht finden ohne je dagewesen zu sein, mich den Verhältnissen der Zeit anpassen und miit Diderot und Sophie fühlen, obwohl ich - ehrlich gesagt - nie zuvor etwas von den beiden gehört hatte.
    Ich hatte keinerlei Erwartungen an das Buch, weil ich einfach noch nichts davon gehört hatte, bevor ich es las.
    Und dann übertraf es jede Erwartung, die ich an ein Buch stellen könnte. Das ist wirklich nicht übertrieben.
    Ich war unglaublich nachdenklich zu dieser Zeit. Es war einfach, als hätte die Geschichte von Sophie eine Luftblase um mich entstehen lassen. Ich habe zwar noch sehen können, was um mich rum passiert, aber war doch in einer anderen Welt. Vielleicht geht so etwas nur im Urlaub, weil man im Alltag ja doch deutlich weniger Möglichkeiten hat all den Gedanken nachzugehen.
    Es war jedenfalls absolut beeindruckend für mich, wie Peter Prange einer jungen Frau, von der praktisch nur ein Hauch existierte, eine so einfühlsam erzählte Geschichte gegeben hat.
    Man spürt beim Lesen dieses Buches so deutlich, dass der Autor mit ganzem Herzen geschrieben hat. Dass er einfach an jedem seiner Charaktere hängt, ihnen Seelen gibt und mit ihnen fühlt. Die Begeisterung für den Beruf des Schriftstellers hat er ja auch selbst in der "Philosophin" zum Ausdruck gebracht. In einem Dialog zwischen Sophie und Diderot:
    „ >Stimmt es, dass Sie Bücher schreiben?< >Allerdings<, erwiderte er mit einem Anflug von Stolz. >Es ist sogar mein Beruf.< >Das ist ein Beruf?<, staunte sie.
    >Und ob! Der schönste, den es gibt. Weil, wenn man eine Geschichte erfindet, kann man ja alles erleben, was man sich gerade wünscht. Ohne das Haus zu verlassen, reist man in ferne Länder, lernt fremde Völker und Menschen kennen. Man redet mit Königen und Weisen, begegnet fast so schönen Frauen wie hier in der Rue Mouffetard, und wenn man will, kann man die teuersten Weine trinken, ohne einen Sou dafür zu bezahlen. Beim Schreiben verändert sich die ganze Welt, man braucht es nur zu wollen und es sich vorzustellen.<“
    Das ist doch wundervoll.


    Und wer sagt das Buch sei an manchen Stellen etwas langweilig - NEIN! Es ist so gefüllt von Emotionen und Gedanken. Vielleicht ist die aktive Handlung nicht immer wie in einem Aktion-Thriller, aber darum geht es ja gerade bei der Philosophie auch überhaupt nicht. Da fallen die Bomben nicht auf Häuser, sondern explodieren in der Seele!


    Und dann noch diese Stelle, als Sophie ihre erste eigene Dissertation schreibt. Wie sie dort - von Emotionen überflutet - sitzt und einfach ihre Seele aufs Papier fließen lässt, ohne anschließend zu wissen, was sie da eigentlich alles geschrieben hat. Wundervoll! Na gut - für diese Szene bin ich glaub ich einfach in der richtigen Situation, weil ich es absolut nachvollziehen konnte.


    Was die Kritik begrifft kann ich nur in einem einzigen Punkt zustimmen und das ist der Titel. Ich finde "Die Philosophin" schon ansprechend, aber in Bezug auf die Handlung zwar schön, aber nicht genial.
    Aufgrund des Wissens, dass Peter Prange es aber gar nicht so nennen wollte, sondern den Titel "Der Kuss des Philosophens" gewählt hatte, finde ich es schade. Denn das wäre ein wirklich toller Titel!!!!!!


    Ich merke schon.. es fällt mir schwer meine Begeisterung in dem Maße, in dem sie vorhanden ist, zum Ausdruck zu bringen. Deshalb LEST es einfach selbst.
    Ich kann nur hoffen, dass diese Geschichte eure Seele genauso berührt, wie es bei mir der Fall war.


    Liebe Grüße,
    Anna