Beiträge von Wiesner19

    Eben bei "Spreewaldkrimi": Eine Journalistik-Studentin zitiert die ersten Zeilen folgenden Gedichtes von Rilke, ein Kommissar unterbricht die erstaunte Studentin, übernimmt, rezitiert das Gedicht weiter, da kommt noch ein anderer Polizist um die Ecke, unterbricht und bringt das Gedicht gekonnt zu Ende. Das gibt es nur in einem deutschen Fernsehkrimi, nirgends sonst. :lache


    Die Einsamkeit ist wie ein Regen.

    Sie steigt vom Meer den Abenden entgegen;

    von Ebenen, die fern sind und entlegen,

    geht sie zum Himmel, der sie immer hat.

    Und erst vom Himmel fällt sie auf die Stadt.



    Regnet hernieder in den Zwitterstunden,

    wenn sich nach Morgen wenden alle Gassen

    und wenn die Leiber, welche nichts gefunden,

    enttäuscht und traurig von einander lassen;

    und wenn die Menschen, die einander hassen,

    in einem Bett zusammen schlafen müssen:

    dann geht die Einsamkeit mit den Flüssen...

    Rilke

    Seit zwei/drei Jahren ein Moto G9 Play - es ist mein erstes Smartphone! :lache


    Und ich bin hoch zufrieden. Akku 5000 mAh und ein schön großes Display.


    Vorher hatte ich 13 Jahre lang ein kleines Nokia und wurde am Schluss schon beäugt und belächelt, wie man mit einem so vorsintflutlichen Gerät noch unterwegs sein kann.

    Ja, man hängt an seinen Freunden. :grin

    ASIN/ISBN: B09GTL47X6


    Diesen Film gab es gestern Abend im RBB.

    Inzwischen habe ich das Buch ausgelesen - ist doch recht fesselnd, wenn man sich darauf einlässt. Natürlich ist es immer schwierig komplizierte Geisteszustände im Film zu zeigen, aber ich finde der Film verfälscht mit seiner reichen Rahmenhandlung die simple Entwicklung des Wahnsinns :gruebel Außerdem hätte auch der Gegner eine ausführlichere Darstellung verdient. Und der Ich-Erzähler kommt gar nicht vor! Das ist etwas enttäuschend, ist es doch Stefan Zweigs letztes Buch vor seinem Suizid.

    Interessant. Ich habe die "Schachnovelle" in meiner Jugend gelesen, wie fast alles von Stefan Zweig, der ein großartiger Erzähler ist. An eine "simple Entwicklung des Wahnsinns" erinnere ich mich nicht, viel mehr das Schachspiel als eine großartige Therapie, besser eine perfekte Ablenkung für den drohenden Wahnsinn infolge des Leidens in Haft. Aber ich kann mich natürlich irren. Oder du meinst das auch so.

    Sehr lange her. Ich werde es nochmal lesen. Ich habe während meiner Armeezeit beim sogenannten "Härtestest", einem üblen Gewaltmarsch, 'zig Kilometer mit vollen Klamotten, teilweise Gasmaske auf usw. bis zur völligen Erschöpfung, einmal gegen einen anderen Soldaten beim Marsch blind Schach gespielt. Es war ein Glück, dass er es auch konnte. Man läuft zwar schnell Gefahr Kopfschmerzen zu kriegen, so unglaublich anstrengend ist das, aber indem wir uns voll konzentrierten beim Laufen auf das Spiel, ging dieser "Härtestest" in Windeseile an uns vorüber, wir haben kaum was davon mitgekriegt. Es war perfekt.

    Freitags ist, wenigstens in diesem Winter, beim BR offenbar Westernzeit.

    22:50 BR Zwölf Uhr mittags (High noon)


    „Bill Kane ist Sheriff des kleinen Ortes Hadleyville. Am letzten Tag seiner Amtszeit, der auch sein Hochzeitstag mit Amy (die 23-jährige Grace Kelly) ist, trifft per Telegramm eine Hiobsbotschaft ein: Der Bandit Frank Miller will mit dem Mittagszug eintreffen, um sich an Kane zu rächen, der ihn einst ins Gefängnis gebracht hat.

    Die Mitbürger verdrücken sich und lassen die Rollos herunter. Amy, die als Quäkerin jede Art von Gewalt ablehnt, droht Kane zu verlassen, wenn er sich der Herausforderung stellt. Während der Held mit sich ins Gericht geht, rückt der Zeiger der Uhr auf die Zwölf zu …

    Fred Zinnemann führte den bis dato ungewohnten „zweifelnden Helden“ und damit eine neue psychologische Komponente in den Western ein. In „Echtzeit“ steigert er die Spannung virtuos bis zum grandiosen Showdown.“ (TV today)


    Ein Klassiker, und auch



    ... von Tiomkin ist weltberühmt.



    Die Angst steht Sheriff Kane ins Gesicht geschrieben. Eine großartige Leistung von Gary Cooper. Mir fällt ein Satz Nietzsches ein, man muss ihn nicht zwingend allzu ernst nehmen ;):

    „Solchen Menschen, welche mich etwas angehn, wünsche ich Leiden, Verlassenheit, Krankheit, Mißhandlung, Entwürdigung,—ich wünsche daß ihnen die tiefe Selbstverachtung, die Marter des Mißtrauens gegen sich, das Elend des Überwundenen nicht unbekannt bleibt: ich habe kein Mitleid mit ihnen, weil ich ihnen das Einzige wünsche, was heute beweisen kann, ob Einer Werth hat oder nicht—daß er Stand hält ... „


    Achtung Spoiler! :lache


    Kane hält stand und wendet sich ab von dem Stern, den er lange trug (John Wayne fand es scheußlich), bedenkt einen tapferen Jungen mit wohlwollendem Blick, schnappt sich Grace Kelly – und entschwindet.

    An den Grundsätzen hält man nur fest, solange sie nicht auf die Probe gestellt werden; geschieht das, so wirft man sie fort wie der Bauer die Pantoffeln und läuft, wie einem die Beine von Natur gewachsen sind.

    Otto von Bismarck (1815-98),


    Immer noch aktuell. Bismarck war nicht nur ein genialer Staatsmann, er war auch ein Meister des geschriebenen und gesprochenen Wortes. Aber er war auch ein Mensch mit Schwächen, der im Übermaße aß und gerne trank "Die Flasche, die Freundin", auch forderte er einmal den berühmten Arzt Virchow, der ihn provoziert hatte, zum Duell. Virchow lehnte ab. Besser wars, denn Bismarck war ein erfahrener Duellant.

    Die tapfere Annalena Baerbock ließ sein Gemälde im Auswertigen Amt abhängen, er sei nicht mehr zeitgemäß. So dachte der frischgebackene Kaiser Wilhelm II einst auch, und wir wissen, wohin das dann führte ...

    »Ein Schlittschuhfahrer, ein Fummler, ein zeilenschindender Nörgler, ein Verzapfer syllogistischen Platitudensalats, ein mottenkranker Unentjungferter, ein schlüpfriger Winkeladvokat, ein Salzburger Korinthen kackender Schmähsabberer, ein Prahlhans, der alles besser kann als die anderen …«


    Guibert über Thomas Bernhard.


    Nichts gegen Thomas Bernhard.


    Ich habe hier einen hübschen Reclam-Band. "Dichter beschimpfen Dichter". Nicht nur höchst amüsant, es lässt auch tief blicken. Scheint, als liefe manch einer erst in der Diskrediterung anderer zu Hochform auf.


    Über Mörike, der so herrliche Sachen schrieb:


    "Völlig geistloser Mann."

    Gottfried Benn


    Über Benn:


    "Dieser Schleim legt Wert darauf, weinigstens eine Million Jahre alt zu sein."

    Brecht


    Über Brecht:

    "Er war ein Snob und Manierist von hohen Graden - eine Art Stefan George im Drillich.



    "bei seinem Anblick, besonders aber bei seinen gesprochenen Sätzen packte mich jedesmal die Wut ..."

    Canetti

    :lache

    Jo, nachdem ich nun zwei Western neulich kurz vorstellte und es hier wohl kaum jemanden interessiert, und das ist völlig ok :grin: hier noch ein Dritter! BR 23:30 „Spiel mir das Lied vom Tod.“ Gilt als Höhepunkt des Schaffens von Sergio Leone, m.A. aber reicht er nicht im Entferntesten an das inkommensurable Meisterwerk „The good, the bad, the ugly“ heran.

    Im Grunde eine simple Geschichte mit vielen Längen, ziemlich aufgeblasen, aber immer getragen von Morricones genialem Score. Wie enorm wichtig der Score für einen Film als Gesamtkunstwerk ist, sieht man hier sehr schön.

    Gesichter wie Karstlandschaften, Wüste, Hitze und Dreck, hier möchte man nicht begraben sein. Es gelingen Leone großartige Bilder. Am Ende: Die Orgie der Gewalt hat ein Ende gefunden, unaufhaltsam bricht sich der Fortschritt Bahn. In brütender Hitze schuften Arbeiter, verlegen Gleise, und Claudia Cardinale geht hinaus und bringt ihnen Wasser – die Szene ist ein großartiges Gleichnis für den Aufbruch Amerikas ...


    Henry Fonda als skrupelloser Killer wollte sich übrigens braune Haftschalen aufsetzen, er dachte offenbar, Killer müssten braune Augen haben. Leone redete ihm das aus.


    "Regisseur Leone beschwört den US-Western aus der Distanz des Europäers. Die alten Mythen existieren nur noch als Märchen, wie der Originaltitel „Once Upon a Time in the West“ (=„Es war einmal im Westen“) verrät. Übrig bleibt ein delirierendes Todesballett, das einer Oper gleicht. Ennio Morricones Musik wurde ein Welthit."

    Jo, die Kritiker von TV today sind ihr Geld auch wert.


    So beginnt's:

    So, ich hatte die Saarbrücker gar nicht mehr so auf dem Schirm und kann mich an die Folge, die mit dem Geld, was heute aufgetaucht ist, zu tun haben soll, auch gar nicht erinnern, aber das war auch nicht wichtig.

    Ich habe mich zwar erst gefragt, was bitte diese Story soll heute, mich haben diese vier Menschen einfach nur genervt (also die aus dem Casino und im Auto, nicht das Ermittlerteam :chen ), aber ich kann sagen, dass ich den Plot schon recht interessant fand. Ist das aus irgendwelchem Hollywood-Film geklaut? So einen Skript hätte ich dem Tatort gar nicht zugetraut, doch, es gefiel mir.

    Nach ein paar tausend Jahren Kulturgeschichte ist immer 'ne Menge geklaut. Ähnliche Konstellationen hat es schon oft gegeben. Eine Gruppe relativ junger Menschen, nur scheinbar auf sich selbst eingeschworen, voller Spannungen und interner Konflikte, immer am Rande oder jenseits der Legalität agierend – das ist Zündstoff für ein Drama.

    Ein ungewöhnlicher, spannender Tatort mit interessanten Figuren und einem überraschenden Ende. Habe mich gut unterhalten gefühlt.

    Von mir 8-9/10.

    El Dorado (USA 1966) - auf SWR, läuft immer noch :grin


    „Regisseur Howard Hawks schuf mit diesem Spätwestern ein ironisches Quasi-Remake seines Klassikers „Rio Bravo“ (1959) … Augenzwinkernd und mit lakonisch-spöttischen Dialogen lässt Hawks seine „El Dorado“-Helden ihren eigenen Mythos demontieren.“ (TV Today)


    Und die Autorin hat ganze Arbeit geleistet. Im Kampf gegen einen skrupellosen Viehbaron gelingt den alternden Helden der Sieg dann letztendlich auch nur durch einen faulen Trick.


    Hier die herrliche Szene, in der Revolverheld Thornton (John Wayne) erneut auf seinen Freund, den mittlerweile total versoffenen Sheriff (Paraderolle für Robert Mitchum, der auf seine Schauspielkunst nie viel hielt) trifft. Die Szene gehört Mitchum:


    https://www.youtube.com/watch?v=Hr0WmHJ4SxY


    Längst ein Klassiker.

    Der Mann, der Liberty Valance erschoss (USA 1962)


    Es ist eine traurig-schöne Geschichte, die in dem berühmten Spätwestern erzählt wird. Ich kenne sie seit meiner Kindheit. Man vergisst sie nicht.


    Allein für die folgende Szene hätte Lee Marvin eigentlich einen Oskar verdient. Er spielt den Schurken Liberty Valance mit einer Inbrunst – es muss ihm Spaß gemacht haben. :grin




    Am Ende steht ein berühmt gewordener Satz:


    “When the legend becomes fact, print the legend!” (Wenn die Legende zur Wahrheit wird, druck die Legende!)

    Kannte ich nicht. Lief selbst nicht in einem Lyrikfaden, in dem ich jahrelang aktiv war. Und wo stößt man jetzt auf Emily Dickinson? Auf einer Internetseite "Wie historische Persönlichkeiten tatsächlich aussahen", die ihrem Anspruch nicht gerecht wird, wie sollte sie es auch?! In ihrem Falle aber offenbart sich ein anmutiges Antlitz.

    Hoffnung ist das gefiedert Ding

    Gedicht von Emily Elizabeth Dickinson

    Hoffnung ist das gefiedert Ding,

    das in der Seel' sich regt,

    und Lieder ohne Worte singt

    aufs Neue unentwegt.


    Im Sturm klingt's uns am liebsten drein;

    und schlimm muss wehn der Wind,

    in dem verstummt das Vöglein klein,

    bei dem man Wärme findt.


    Ich hört's in bitterkaltem Land,

    auf unbekanntem Meer;

    doch auch, wenn sich's in Not befand,

    hat's nie ein Korn begehrt.


    © Bertram Kottmann,

    Aus dem Amerikanischen:



    Hope is the thing with feathers

    That perches in the soul,

    And sings the tune without the words,

    And never stops at all,


    And sweetest in the gale is heard;

    And sore must be the storm

    That could abash the little bird

    That kept so many warm.


    I've heard it in the chillest land,

    And on the strangest sea;

    Yet, never, in extremity,

    It asked a crumb of me.

    Emily Elizabeth Dickinson

    "One of these days" Gestern auf arte.

    Stark!

    „Ein texanischer Autohändler stiftet hierfür jedes Jahr einen fabrikneuen Pick-up, den derjenige gewinnt, der mit seiner Hand das Auto am längsten ohne Unterbrechung berührt. Die Teilnehmer werden zuvor

    ausgelost.“ (wiki)

    Das heißt extremer Schlafentzug, Stress, Gewalt, Interaktionen mit Idioten, Verzweiflung, mentaler Ausnahmezustand. Es schwingt ein Hauch von Agatha Christies „Zehn kleinen Negerlein“ mit, denn man fragt sich: Wer bleibt am Ende übrig?

    Dass dieser Film auf wahren Begebenheiten beruht, verwundert nicht. Die Zeiten, in denen die Kinder viel mehr erreichen konnten als die Eltern sind längst vorbei, auch der Mittelstand schlägt sich oft mehr schlecht als recht durch, die Abgehängten sowieso, und daher muss ausgelost werden, wer hier seine Würde für einen Pick-up über Bord werfen darf. Kein amerikanisches Phänomen. Man schaue sich „Dschungelcamp“ an, oder wie hieß das Ding noch: 20 Frauen buhlen um die Gunst eines reichen Adonis oder so ähnlich.


    "One of these days"

    Im Museumsgebäude ist auch ein Museumshörsaal. Wunderbar eng mit quietschenden Notsitzen - Nostalgie pur.

    Der frühere Physiologieprof. spielt Cello und hatte Hörsaalkonzerte initiiert, die im Museumsgebäude stattfanden und -finden. Herrlich anzuschauen, wenn dann die VETS von früher ihre alte Wirkungsstätte besuchen. Einmal Tierarzt - immer Tierarzt, die Begeisterung bleibt meist bei der Generation.


    Du hast dann bestimmt Budras in Anatomie in Berlin erlebt oder nach seinen Atlanten gepaukt... und der "grüne Heinrich" müsste Dir auch erwas sagen.

    Schade, dass Du das Studium nicht beenden konntest. Wolltest Du in die Praxis/Klinik?


    Nein, wir waren die Ost-Fakultät, daher saßen wir noch im Trichinentempel. Anatomie bei Prof. Berg, der damals eine internationale Koryphäe war und auch in den Staaten Gastprofessuren hatte. Und wir mussten seine drei fetten Schwarten auswendig können! Obwohl er es wagte, die Anatomie eine Wissenschaft des 19. Jhdts. zu nennen: Lyhs. Physiologie bei Lyhs - ist das zu fassen 97, er lebt immer noch! War er das mit dem Cello??

    Und ja, ich wollte ursprünglich die Praxis meines alten Herrn damals übernehmen. Aber im Zuge der Wende gab er klugerweise seinen Job auf und nahm was im Bereich Naturschutz im Kreis an. Jene, die damals dachten, es gehe jetzt schnell ans große Geldverdienen, fielen teilweise mächtig auf die Nase. Überhaupt hatten es Landtierärzte in der DDR wohl besser: durch geregelte Dienstzeiten/Bereitschaftsdienste usw.

    Tierärzte gehören jetzt zu den Berufsgruppen mit der höchsten Selbstmordrate in D., hängt wohl z.T. auch damit zusammen, dass im Gegensatz zu Ärzten die TA's halt nicht über die Krankenkassen abrechnen können und zusätzliche Kriege um ihr Geld führen müssen. Und man kann auch so schnell ausbrennen in dem Job. Besser ist da wohl eine Kleintierpraxis in einer Großstadt.

    Aber du hast recht: Es sind Idealisten. Ich ärgere mich heute noch, es nicht gleich in einem Rutsch durchgezogen zu haben. Ich hätte dann aber wohl versucht, als Biologe zu arbeiten.

    Dann nenne ich doch mal das veterinärmedizinische Pendant in der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover:

    Veterinärmedizinhistorisches Museum und Hochschularchiv

    https://www.hannover.de/Kultur…edizinhistorisches-Museum


    Ein Besuch von mir ist auch schon viele Jahre her - auch wenn ich von meinem Bürofenster genau zu dem Gebäude auf der anderen Straßenseite gucke.

    Jo, meine Liebe, da muss ich mich denn zwingend denn doch nochmal melden: Vor ein paar Jahren besuchte ich einen historischen Hörsaal der ehemaligen Veterinärmedizinischen Fakultät zu Berlin - jetzt ein Museum.

    Der Clou: Ich saß selbst als Student damals noch drinnen! :lache

    Meine Generation war wohl die letzte, die den ehrwürdigen "Trichinentempel" - so nannten wir ihn damals - nutzte. Üble, harte Holzpritschen, ansonsten perfekt. Als ich "vor kurzem", immerhin drei Jahrzehnte später, wieder drin saß, gedachte ich meines Kapitalfehlers und gedachte gleichfalls traumhaft schöner Studentenzeit. Hatte aber damals dann trotz guten Vordiploms (Physikum) mein Studium nicht zu Ende gemacht, da ich aus privaten Gründen zwischenzeitlich zu lange aussetzte (war damals sonne dusselige Regelung in der damals frisch in Kraft getretenen Approbationsordnung :schlaeger), und da war man, eben weil man schon in den klinischen Semestern war, draußen bzw. hätte nochmal anfangen müssen.

    In jedem Falle erhebend, an einem Ort zu verweilen, an dem man selbst noch tätig war und der mittlerweile ein Museum ist. :lache

    Ein Hauch von Vergänglichkeit umweht dich dann ... :grin

    Der legendäre Kopfstoß im Finale der WM 2006:


    „Damit ist jetzt die Gelegenheit gekommen, darauf einzugehen, was Zidane denn zu Materazzi wirklich gesagt hat: Nachdem ihn dieser häufig am Hemd gezogen hatte, hatte Zidane, so wissen wir heute, ihm herablassend angeboten, wenn er das Trikot anscheinend so gerne habe, könne er es ihm ja auch nach dem Spiel handsigniert schenken. Der Kopfstoß war also das Ende einer längeren Interaktionssequenz, in dem der eine Akteur, Zidane, zunächst versucht hatte, Hierarchien zu etablieren – eine typische Funktion von Beleidigungen innerhalb der Mannschaft, oder auch zwischen Spielern verschiedener Mannschaften. Der Italiener wusste auf diese verächtliche Geste des großen Zidanes jedoch sozusagen „einen draufzusetzen“, die verbale Aggression aufzufangen, indem er schlagfertig antwortete, Zidanes Schwester sei ihm lieber. Auf diese Weise rhetorisch in die Ecke gedrängt, entschied sich der große Zidane zum Kopfstoß. Dies war allerdings möglicherweise weniger ein Rückbezug auf die Tiefen seiner algerischen Seele, sondern inspiriert von den durchaus kulturübergreifenden, und intensiv mediengesättigten Interaktionsformen in den street-corner societies junger Männer wahrscheinlich überall auf der Welt: der Kopfstoß ist schließlich eine basale, und in Europa seit Jahrhunderten bekannte Nahkampftechnik – auch „Schwedenkuss“ genannt – , die schon lange vor dem Zeitpunkt der massenhaften Immigration aus den Mittelmeerländern bei Jugendlichen in vielen deutschen Mittelstädten geläufig war, die in vielen Nahkampfschulen der Welt gelehrt wird, zu den klassischen Topoi von Action‐Filmen gehört und die regelmäßig in den unteren Fußballigen und gelegentlich sogar in der Deutschen Fußball‐Bundesliga zu bewundern ist.“


    Thomas Bierschenk – Arbeitspapiere/Institut für Ethnologie und Afrikastudien


    :grin