Beiträge von Bookworld91

    Agentinnen


    Während des 2. Weltkriegs benötigte Churchill Agentinnen in Frankreich. Doch was waren ihre Geschichten? Das wird exemplarisch in „Wir dachten, das Leben kommt noch“ beschrieben.

    Pat war in den 40er Jahren als Agentin in Frankreich aktiv. Doch was kann und will sie über die Zeit berichten? Das muss sie sich fragen, als BBC Redakteurin Gwen sie um ein Interview bittet. Doch es hängt mehr damit zusammen als es scheint…

    Ich finde das Thema per se spannend. Mit Agentinnen verbinde ich Spannung und aufregende, interessante Tätigkeiten. Damals ging es zusätzlich um Verrat, Fremdenfeindlichkeit und Spitzel. Dieses Thema hat Elisabeth Sandmann feinfühlig in ihrem Roman eingearbeitet.

    Pat passt zu dem aufregenden Tätigkeitsfeld. Sie ist reserviert, bedacht und wirkt ein wenig übervorsichtig in der Gegenwart. Das alles sind Merkmale einer guten Agentin. Die Geschichte, die sich entsprechend zu ihr entwickelt, ist sprachlich authentisch und anschaulich erzählt. Wobei der Part der Gegenwart mehr von Entdeckungen und den Tagebuch Einträgen von Gwens Oma, ebenfalls Spionin, lebt. Der Vergangenheitspart lebt vom Drahtseilakt zwischen Spionage und Freundschaft, Liebe und Verrat sowie der Beziehung zur eigenen Familie während der Kriegsjahre.

    Auch wenn spannende Themen besprochen werden zieht sich die Handlung streckenweise. So wird seitenlang Pats Interessenkonflikt in der Gegenwart beschrieben, ohne das es zur Handlung beiträgt. Das finde ich sehr schade.

    Insgesamt bekommt der Roman vier Sterne und eine Leseempfehlung für die Themen Spionage und Feminismus unter Churchill.

    Authentisch


    Ein Urlaub mit Freunden klingt vorrangig nach Spaß. Doch manchmal ist der Spaß schneller vorbei als der Urlaub. So auch in Viveca Stens „Lügennebel“.


    Sechs Studenten fahren für Skiurlaub nach Åre in die Berge. Das frohe Zusammensein findet ein jähes Ende, als eine der Gruppe Tod im Schnee vorgefunden wird. Hanna und ihr Kollege Daniel stürzen sich in die Ermittlungen- mit tiefen Geheimnissen….


    Ich finde die grundsätzliche Idee gut. Studenten leben häufig schnell und wild, was im Buch auch gut beschrieben wird. Der Bergurlaub nebst Partys und rasanten Manövern auf der Piste kommt so real rüber, als wäre man selber als Leser dabei. Selbiges lässt sich auch über den Mord nebst Ermittlungen sagen. Alles wirkt authentisch und echt, als wäre es vor den eigenen Augen passiert. Das wird zusätzlich durch den flüssigen, lockeren Schreibstil untermauert.


    Was mich allerdings während des Lesens gestört hat ist wie tief das Privatleben der Ermittler behandelt wird. Meiner Meinung nach ist dies zu intensiv durchgegangen wurden. So ist es für mich irrelevant, was Hannas Partner oder der neue Freund von Daniels Ex beruflich machen. Wofür wird diesen Themen eine nicht geringfügige Anzahl an Kapiteln gewidmet? Das erschließt sich mir nicht vollends. So gebe ich den spannenden und authentischen Krimi vier Sterne.

    Macht der Träume


    Wenn man jung Mutter wird, gibt man ein Stück der eigenen Zukunft auf. Das wird in „Ein Herz aus Papier und Sternen“ deutlich.



    Pip ist Anfang 30 und wohnt mit Tochter Bella bei ihren Eltern. Da sie mit 16 Mutter geworden ist, hat sie bisher keine Karriere gemacht. Ihre Träume hat sie längst aufgegeben. Ehe ein Ausflug alles ändert…



    Direkt zu Beginn merke ich, dass Pip als Protagonistin eher blass ist. Sie ordnet sich unter und stellt sich hinten an. Dadurch ist der Start langatmig. Nachdem sie auf der Sternwarte ihre Träume definiert und klare Ziele setzt, stelle ich klare Tendenzen zur Emanzipation fest und bange mit Pip um ihre Träume. Das Ende ist mir persönlich allerdings etwas weit hergeholt. Nicht alles schlimme für die Familie hängt von Pip ab, da kommen zahlreiche Faktoren zusammen, die hier gewiss untergehen.

    Was mich während des ganzen Buches fasziniert hat ist Cecilia Aherns Schreibstil. Bereits bei anderen Büchern konnte ich den gefühlvollen Ton der Autorin beobachten. Und auch hier schreibt sie anschaulich, nah am Charakter und voller Gefühle.

    Insgesamt bin ich nicht zu 100% überzeugt. Wer mit Längen und einer anfangs trägen Protagonistin leben kann, der findet hier eine nette Geschichte für zwischendurch und zum Träumen. Insgesamt aufgerundet vier Sterne.

    Küchengemeinschaft


    Der Krieg ist im Winter 1946 vorbei- doch was bleibt, in einem Winter voller Hunger und Kälte? Was ist mit den zerrissenen Familien passiert? Das wird in Carmen Korns Roman „In den Scherben das Licht“ thematisiert.



    Schauplatz des Romans, der sich über zehn Jahre erstreckt, ist das Haus der früheren Schauspielerin Friede in Hamburg. Hier lernen sich Gert und Gisela kennen. Die beiden suchen ihre jeweiligen Familien und werden dabei Teil einer Gemeinschaft und Ersatzfamilie, die in Friedes Küche zusammenfindet.

    Ich finde den Roman sehr anschaulich geschrieben. Mir fiel der Einstieg recht leicht, da ich schon andere Bücher aus dieser Zeit gelesen habe. Daher konnte ich mir die Tauschgeschäfte und auch den Keller gut vorstellen. Das man damals neue Gemeinschaften und Ersatzfamilien schuf, ist für mich genauso verständlich, da der Krieg alte Gemeinschaften und Familien durch Tod oder Trennung zerstörte.

    Korns Sprache passt zur damaligen Zeit. Es ist eine für damals übliche einfache Sprache mit ausländischen Einflüssen und Besetzer Jargon. Die Sprache verdeutlicht die Machtverhältnisse und wie simpel die Leute auf der Straße gestrickt waren.

    Mit den Protagonisten hatte ich allerdings meine Schwierigkeiten. Gert und Gisela erscheinen mir austauschbar, da sie eher allgemeine Probleme hatten und nichts einzigartiges. Friede dagegen erscheint mir zu blass. Sicher, sie organisiert Treffen und kümmert sich, aber das gewisse etwas, die besondere Eigenschaft, fehlt mir.

    Hinzukommt, dass die Ereignisse aneinandergereiht sind. Manche werden zügig abgehandelt ohne Einfluss auf andere (Lulus Einzug zum Beispiel) und andere werden in die Länge gezogen ohne im Gesamten verankert zu sein. Dieses Mosaik passt zumindest zu den austauschbaren Charakteren.


    Von mir gibt es für diesen Roman, der durchaus Potenzial, aber auch Schwächen hat, vier Sterne.

    Verträumt


    Eine ferne Insel abseits der Zivilisation. Eine Frau, die für ihr Leben gern tanzt. Und ein Reisender, der waghalsige Geschichten erzählt. All das wird in „Mr. Saitos reisendes Kino“ thematisiert.

    (Carme) Lita wird als Tochter von Fabiola, einer Frau mit eingeschränkten Gehör, in Argentinien geboren. Doch die Frauen verlassen Argentinien Richtung Neufundland, wo sie auf einer Insel leben. Hier werden sie von einer buntgemischten Gemeinschaft aufgenommen. Neben Tanzabenden in Fabiolas Salon wird die Filmvorführung durch Mr. Saito, den wandernden Schausteller, zum Highlight….

    Das Buch ist angenehm geschrieben. Leicht poetisch mit einer Prise Humor, Gefühlen und detaillierten Beschreibungen kommt die Geschichte daher. Es fällt auf, dass- ähnlich wie in Mr. Saitos Vorführungen- Episoden aneinander gereiht werden. Das verleiht dem reisenden Kino zusätzlich Authentizität. Interessant ist zudem, wie die magischen Elemente immer wieder kehren. So kann Fabiola durch ein Geschenk des Reisenden hören, was vorher nicht so gut geklappt hat. Das finde ich faszinierend.

    Allerdings hat das Buch ein Ungleichgewicht: gerade der Anfang zieht sich, das reisende Kino kommt verhältnismäßig spät und auf Mr. Saito wird aus meiner Sicht zu wenig eingegangen. Insgesamt ein Buch, was zum Nachdenken und Träumen einlädt, aber mehr Potenzial hat. Vier Sterne.

    Tiefe Spuren


    Eine verschwundene Babysitterin. Eine Schülerzeitung, die auf Missstände aufmerksam macht. Und ein altes Verbrechen , das geheimnisvoll ist. Darum geht es im Krimi „Wem du traust“.


    Eva, Daniel und ihr kleiner Sohn leben ein unaufgeregtes Leben mit stabilen Freundeskreis. Ihr Sohn wird regelmäßig von der Tochter von Evas bester Freundin betreut. Doch dann verschwindet Babysitterin Sophia spurlos…

    Ich persönlich finde den Krimi sehr spannend. Von dem Verschwinden über falsche Spuren bis zu Delikten wie häusliche Gewalt und Manipulation ist alles dabei. Die Emotionen kochen hoch und dennoch gelingt es der Polizei rund um Heike Westphal alles aufzuklären. Gestützt wird die Spannung durch Cliffhanger, detaillierte Beschreibungen und einer passenden Wortwahl. Alles in allem hätte ich das Ende nicht erwartet, aber es macht alles Sinn. Fünf Sterne für diesen gelungenen Krimi ohne zu viel Blut und co.

    Drei Geschichten


    Hollywood ist das Traumziel vieler Menschen. Doch welche Verwirrungen sind hinter den Bergen Hollywoods versteckt? Darum geht es in „Die drei Leben der Cate Kay.

    Anne Marie ist ein aufgehender Stern. Sie reist mit ihrer besten Freundin nach Hollywood, wo sie als Cate Ford Rollen annimmt. Nach einem Unfall wird sie als Cate Kay berühmt- doch die Fassade bekommt Risse….



    Ich finde die Idee als solches nicht verkehrt. Eine Frau, die quasi aus dem nichts eine Identität aufbaut- das klingt durchaus spannend und hat Potenzial. Der Schreibstil ist auch gut lesbar und authentisch, die Emotionen werden sachlich dargestellt. Das hat schon mal gut geklappt.



    Was mich allerdings stört ist das Wirrwarr. Viele Charaktere würden bei Treffen kaum merken, dass die drei Damen ein und dieselbe Person sind. Eine Aufklärung für Cates/ Cass‘ frühere Partner ist nicht in Sicht. Und für mich als Leserin machen die verschiedenen Erzählungen ohne chronologische Abfolge manchmal wenig Sinn. Hier würde ich mir eine Charakteraufstellung/ Timeline am Ende oder gar als herausnehmbare Karte wünschen. So bleibe ich verwirrt zurück und gebe drei Sterne.

    Familiensache


    Die Familie des Verlobten kennen zu lernen ist an und für sich eine Herausforderung. Wenn dieses Kennenlernen aber abgeschieden in den Bergen stattfindet, die Familie sehr reich ist und man selber keine Familie hat, ist es umso gravierender. So ergeht es Theo in „Eisnebel“.

    Theo und ihr Verlobter Connor reisen nach Idlewood, um seine Familie zu treffen. Vor Ort werden allerdings gut gehütete Geheimnisse offenbart und es kommt zu einem verheerenden Unfall…

    Der Krimi ist sehr spannend geschrieben. Es fängt bereits damit an, dass Theo und Connor bei ihrer Anreise auf einen Jäger treffen und es beinah zu einem ersten Unfall vor dem Treffen kommt. Dann im Resort angekommen, kommt Theo einiges verdächtig vor. Sie hat Flashbacks und schubweise Erinnerungen, die in Zwischenkapiteln beschrieben werden. Dadurch entsteht ein Spannungsbogen, der hoch bleibt. Und die vielseitigen Familienkonflikte inklusive Bedrohungen und Stalking sorgen für zusätzliche Spannung.

    Ich persönlich bin begeistert von dem Krimi. Das Setting, die tiefreichenden Geheimnisse und das Verhalten der einzelnen Personen hat mich sehr fasziniert. Daher gebe ich fünf Sterne.

    Chinesische Gesellschaft


    In Büchern kann ich viel über andere Kulturen lernen. Sei es über Religionen, Feiertage oder das Gesellschaftsbild. So lerne ich in Zhang Yuerans Schwanentage mehr über das Leben in China.


    Yu Ling arbeitet als Kindermädchen für die wohlhabenden Eltern von Kuan Kuan. Sie selbst, aus ärmeren Verhältnissen, erlebt im Alltag der Familie Luxus pur, kennt aber auch deren Geheimnisse. Sie plant, Kuan Kuan zu entführen- doch dann kommt alles anders….


    Ich finde die Idee, mehr über Chinas Gesellschaft zu erfahren, sehr interessant. Allein der Klappentext zeigt, wie groß die Diskrepanz zwischen Arm und Reich ist. Viele Arme werden von wenig Reichen beschäftigt und klein gehalten, was Yueran gut verdeutlicht. Sei es, dass die Mutter Yu von oben herab behandelt oder der Vater sie nicht wahrnimmt. Auch werden die Entscheidungen oft in Frage gestellt (sei es der Ausflug oder der Umgang mit der Abwesenheit der Eltern).


    Doch auch Yu Ling selbst ist nicht ohne. Sie zeigt den anderen deutlich, dass sie als Kindermädchen die Macht um Falle der Abwesenheit hat und wirkt manipulativ und falsch. Allerdings kümmert sie sich intensiv um Kuan Kuan, zeigt taktische Kompetenzen bei der Vorbereitung der Entführung und ist zuverlässig in ihren Aufgaben. Das macht sie für mich zu einem schwierigen Charakter.


    Auch die übrigen Charaktere kommen für mich manipulativ, kühl und ichbezogen rüber. Sei es die Lehrerin, die Yu klar macht, dass sie keine Kompetenz hat, Kuan Kuan abzumelden, oder Yus Partner bei der Entführung, der prahlt, er könnte alleine alles besser. Dadurch entsteht ein kühles, egoistisches Bild der Chinesen und ihrer Geselschafft, was in den Medien auch mal anders gezeichnet wird.


    Auch wenn das Gesellschaftsbild durchaus interessant ist, fällt es mir schwer, den Roman einzuordnen. Ist es ein Krimi? Belletristik? Oder gar eine Satire? Das erschließt sich mir leider nicht.


    Versöhnlich stimmt mich die Sprache im Buch. Es ist gut lesbar und viele Details sowie bildhafte Beschreibungen ermöglichen es mir, eine Vorstellung vom Geschehen vor den inneren Auge zu haben. Das macht es einfacher, der Geschichte zu folgen.


    Insgesamt bekommt das Buch von mir aufgerundet vier Sterne. Besonders empfehlen kann ich das Buch für alle Interessierten an gesellschaftlichen Romanen und der chinesischen Kultur.

    Erinnerungen
    Eine alternde Diva, die ihr Leben glorifizieren möchte. Ein gescheiterter Ex- Student, der sich an einem Start- up versucht. Und dazu ganz viele Geheimnisse. Das ist die Grundlage in „Sonnenaufgang Nummer 5“.

    Jonas ist 19 und hat sein Studium geschmissen. Stattdessen möchte er als Ghostwriter durchstarten. Die alternde Diva Stella beauftragt ihn mit ihrer Biografie- doch welche Fakten unterschlägt sie Jonas dabei?

    Ich kenne bereits einige andere Werke von Carsten Henn, etwa den Buchspazierer und Die Butterbrotbriefe. Daher ist mir klar, dass der Autor meist Schicksale und Geheimnisse als Plottwists einbaut. So ist es auch im aktuellen Roman. Bereits bei der Ankunft in Stellas Wohnort wird er mit Gerüchten und Sagen über den Filmstar konfrontiert. Und als Jonas seine Arbeit aufnimmt, erzählt Stella ihm nur die glorifizierte Version. Doch als guter Ghostwriter kommt Jonas auch hinter Stellas wohlgehütetes Geheimnis. Im Prozess werden sowohl der Spannungsbogen als auch der Unterhaltungsfaktor hoch gehalten. Das kann durch die Nebenfiguren passieren oder durch kleine Fettnäpfchen, die sich offenbaren. So komme ich regelmäßig zum reflektieren und nachdenken, auch über Situationen im eigenen Alltag.

    Unterstützt wird dies durch einen flüssigen, gut lesbaren Schreibstil.


    Allerdings gibt es ein Manko: anders als im Buchspazierer und den Butterbrotbriefen, wo ich die Protagonisten gut einordnen konnte, bleibt mir Jonas ein wenig fremd. Ich habe mich durchaus gefragt, was exakt seine Geschichte und Motivation ist. Diese bleibt nämlich lange im Hintergrund oder wird nur angedeutet, was sehr schade ist. Nichtsdestotrotz bekommt der Roman von mir fünf Sterne. Ich freue mich auf das nächste Buch.

    Reise ins Ungewisse

    Eine Frau, die vor ihrem Partner flieht. Eine andere möchte einfach nur zur Konferenz. Doch was dann passiert, ist ein komplettes Wirrwarr…

    Stephanie hat einen gut bezahlten Job beim Fernsehen. Sie soll nach San Diego zu einem Geschäftstermin. Im Flugzeug trifft sie auf Jasmine, die vor ihrem gewalttätigen Partner Glenn flüchtet. Die beiden tauschen ihre Identitäten- und folgen einem Geschäftsmann nach Atlanta…

    Der Start hat mich abgeholt. Spannend, interessant geschrieben, authentisch und bildhaft dargestellt. Ich war direkt dabei und bin gedanklich mitgereist. Allerdings war ab ca. 2/3 des Buches sehr viel Wirrwarr. Ich persönlich mag zwar Pottwists, allerdings möchte ich am liebsten auch eine Auflösung dazu. Und das hat mir hier komplett gefehlt. Ich habe den Überblick verloren, wer welches Motiv wofür hat. Und da verliere ich hier den Überblick. Allein wer auf der Konferenz war lässt sich schwer sagen. Dazu eine Reihe von Verkettungen, die keinen Sinn für mich ergeben und das Chaos ist angerichtet.

    Insgesamt ein solider Thriller mit Potenzial. Für den gelungenen Start , die authentische Schreibweise und den anfänglichen Spannungsbogen kriegt er vier Sterne.

    Herzensroman


    Die Jobwahl möchte gut überlegt sein. Viele junge Erwachsene entscheiden sich um, brechen Ausbildungen ab oder machen diverse Praktika. So sucht auch Jonna die passende Tätigkeit.


    Jonna ist eine Weltenbummlerin. Ursprünglich aus Kopenhagen, mit renommierten Anwalt als Vater, kommt sie bei Praktika viel rum. Dann hat ihr Vater genug: er stoppt ihre Zahlungen und setzt sie vor die Tür ihrer Wohnung.

    Jonnas Chef, Cafébetreiber Mads, hat auch mit seiner Familie beziehungsweise seiner Vergangenheit zu kämpfen. Er hat ein dunkles Geheimnis, das er nicht offenbaren möchte. Nach und nach kommt Jonna trotzdem dahinter…

    Ich liebe dieses Buch. Nicht nur, dass es in Dänemark spielt (ich liebe Skandinavien), nein, das Setting mit dem Café und der doch etwas speziellen Crew passt perfekt zum romantischen Plot. Gestützt wird das von Stefanie Neebs bildhaften, detaillierten Schreibstil. Ich habe den Eindruck, selbst vor Ort zu sein. Zudem freue ich persönlich mich über Familiengeheimnisse auf beiden Seiten. Das ist etwas, dass ich sehr gerne lese und stets in spannend finde. Getopt wird alles von dem herrlichen Humor. Ich habe mich während des Lesens köstlich amüsiert und freue mich sehr auf weitere Bücher der Reihe. Daher gebe ich fünf Sterne für diesen Herzensroman.

    Wunderwasser


    Ein Hotel zwischen zwei Kriegsmächten. Eine toughe Hotelchefin im Wechselbad der Gefühle. Und die wundersame Wirkung des Wassers. All das kommt im „Grand Hotel Avalon“ zusammen.

    June Hudson leitet 1942 das Grand Hotel. Sie setzt sich in der Männer dominierten Szene tough durch. Ihr Hotel wird zum Rückzugsort für die Familien der Gegner der USA. In einem der Zufluchtsuchenden verliebt June sich- ein Spiel mit dem Feuer. Und dann ist da noch die Macht des Wassers….

    Ich finde den Roman sehr imposant. Das fängt schon beim Thema an: es gibt viele gute Roman über das Leben im Exil beziehungsweise im Verborgenen. Was diesen Roman ausmacht sind zwei Faktoren: einmal die emanzipierte June und einmal das Süßwasser. Dieses hat wundersame Wirkung, die auch im Verlauf der Geschichte nicht erklärt wird. Für mich persönlich ist das nicht dramatisch, da ich so meine eigene Erklärung haben kann. Dadurch ist es zwar weiterhin ein Mysterium, wird jedoch interessant behandelt, sodass bei mir keine Langeweile aufkommt. Viele haben vor allem zu Kriegszeiten das Wundermittel gesucht, da die Not groß und die Mittel knapp waren.

    Typisch für Kriegszeiten ist zudem, dass June als Frau das Hotel leitet. Männer, die es hätten leiten können, waren damals im Krieg. Dadurch ist es sehr authentisch und gut recherchiert geschrieben.


    Was mich an dem Buch jedoch stört ist der zähe Fortschritt. Szenen, die aus meiner Sicht belanglos sind, dauern ewig. Wichtiges dagegen bleibt typisch für damals kurz gehalten und abgestumpft. Das finde ich sehr schade, da Situationen so auch zerstört werden.

    Insgesamt bin ich angetan von dem Roman. Ich mag das Wunderwassser, allerdings würde ich es gerne genauer untersuchen. Wer einen authentischen Roman mit unerklärlichen, magischen Elementen, ist hier richtig. Vier Sterne.

    Pinguine


    Eine Forschungsexpedition an die Arktis- Veterinärmedizinerin Emmerich ist begeistert, Pinguine und ihr Verhalten beobachten zu dürfen. Wenn da nur nicht der Expeditionsleiter Beckett wäre… die Erlebnisse der Gruppe werden in „The penguin paradox“ dargelegt.


    Emmerie möchte ihre Doktorarbeit über das Paarungsverhalten von Pinguinen schreiben. Daher ist sie begeistert, an einer Forschungsreise in die Antarktis teilzunehmen. Jedoch hat sie einen Groll auf Gruppenleiter Beckett, der es ihr nicht recht machen kann. Am Ende kommt es wie es kommen muss- oder droht eine Katastrophe?


    Ich habe mich direkt in die Geschichte eingefunden. Greta Milan schreibt unterhaltsam, gefühlvoll und authentisch, wie ich es von ihr kenne. Auch Beckett präsentiert sich als kluger, loyaler Teamleiter. Das hilft mir sehr, mit der Geschichte zurecht zu kommen.

    Was mich- wenn überhaupt- stört, ist Emmery. Sie ist sehr anstrengend, stur und ziemlich zickig. Hinzukommt, dass es ihr schwer fällt, Verantwortung zu übernehmen. Ich werde nicht warm mit ihr, obgleich ihr Vorhaben ehrenwert ist. Ihre Art passt jedoch nicht dazu.

    Was auch nicht zu einhundert Prozent stimmig ist, ist das aufgebauschte Drama am Ende. Natürlich spielt da Verrat nicht nur durch Emmery eine Rolle, aber ich finde, das hätte es nicht gebraucht. Ein wenig Kommunikation und schon wäre es gelöst gewesen.

    Insgesamt finde ich den Roman unterhaltsam und spannend zu lesen. Auch erlebe ich eine Entwicklung bei Beckett, der sich Emmery öffnet und ihr schlussendlich einen Vertrauensbruch verzeiht. Zudem nehme ich für mich selber die eine oder andere Lektion mit (nicht immer ist eine Situation wie sie scheint, Kommunikation ist wichtig). Allerdings ist Emmery ein Störfaktor. Ich gebe vier Sterne.

    Humorvoll


    Ein verunfallter Freund, der eine Nachricht hinterlassen hat. Eine alte Schuld, die unausgesprochen auf den Schultern lastet. Um all das geht es in „Über die Toten nur Gutes“.

    Mads ist Trauerredner. Als solcher muss er die Wahrheit auch mal zurecht biegen- „Über die Toten nur Gutes“. Dann bekommt er eine verzwickte Aufgabe: sein früherer Kumpel Patrick ist verstorben und er soll eine Rede halten. Doch wie war Patrick wirklich? Und welche Umstände hat sein Tod? Mads begibt sich auf Spurensuche…

    Mads und sein Umfeld werden auf eine humorvolle, chaotische Art eingeführt. Ich habe mich herrlich über die vielen Fettnäpfchen und (un)gewollten Missgeschicke amüsiert. Nichtsdestotrotz nehme ich Mads Beruf und auch seinen aktuellen Fall sehr ernst. Was als Jugendsünde gedacht ist, hat weitreichende Konsequenzen. Nicht nur, dass Patricks Mutter ihren Job verliert, Patrick gerät immer weiter in kriminelle Machenschaften. Jedoch werden Mads Ermittlungen immer wieder von kleinen Fettnäpfchen, Missgeschicken und unterhaltsamen Zwischenfällen gespickt. Immer dabei: Malteserhündin Bobby, die ihn zwar manchmal voranbringt, aber auch in kritische Situationen bringt. Mit ihr wird es nicht langweilig.

    Selbiges lässt sich leider nicht über den gesamten Krimi sagen. Teilweise passiert lange nichts oder sehr wenig und es wird zäh, gar langatmig. Das stört den Lesefluss immens. Unterstützt wird dieser Eindruck durch den Fakt, dass viel Chaos um den Tod von Patrick herrscht. Es ist unklar, wer welches Motiv hat und was der Auslöser für welchen Punkt war. Wenn man dieses Konstrukt durchdringt, wartet ein humoristischer, leichter Krimi, für den ich vier Sterne gebe.

    Unser Körper


    Wie funktioniert unser Körper? Und welche Auswirkungen haben die einzelnen Organe auf unser Wohlbefinden? Das möchte Giulia Enders in Organisch verdeutlichen.


    Autorin Dr. Giulia Enders hat Medizin studiert und als Ärztin gearbeitet. Sie ist vom Fach und versteht es, Wissen in Büchern zu vermitteln. Das ist ihr vor zehn Jahren in Darm mit Charme gelungen und nun soll Orgaisch anknüpfen.

    Enders beschreibt in ihrem Buch Organe und ihre Aufgaben im Kreislauf. Gespickt wird das Wissen durch Illustrationen und Anekdoten. Diese reichen von Erfahrungen in ihrer Familie und auch anonymisiert ihrer früheren Patienten. Dabei bleibt Enders professionell und anschaulich, ohne zu trocken zu schreiben.

    Mir als absoluter Laie hat das Buch vor allem durch die anschaulichen Anekdoten gefallen. Nicht nur, dass ich diese mit den Organen verbinden kann, sie helfen mir sogar beim Verständnis der Organe und Aufgaben. Ich bin erstaunt, welche Auswirkungen manche Organe haben und habe viel gelernt. Fünf Sterne.

    Zwischen zwei Welten


    Jule und Andi wachsen im Westberlin der 60er und 70er Jahre auf. Ein großes Geheimnis entzweit sie- zwischen Fernweh und warten…


    Die Story gefällt mir recht gut. Das Thema ost/west inklusive Differenzen und Familiengeheimnisse ist spannend und ich mag den Schreibstil insgesamt sehr gerne. Die Charaktere und ihre Geschichten sind authentisch und stehen stellvertretend für das Schicksal vieler Deutscher zu diesen Zeitpunkt. Viele Kinder der Nachkriegsgeneration wissen zum Beispiel bis heute nicht, wer exakt ihr Vater war oder kennen ihn nicht.

    Allerdings hat das Buch Passagen, die in die Länge gezogen sind und man inhaltlich nicht voran kommt, etwa die Fußballspiele oder Monologe. Dahingegen werden andere, sehr wichtige Themen (Stasi, RAF…) kaum beziehungsweise nicht thematisiert. Insgesamt bin ich aber zufrieden und gebe vier Sterne.

    Coffee vibes in der Kleinstadt


    Herbst und Winter sind Zeiten für Heißgetränke. Von Glühwein über Punsch bis hinzu Kaffee mit Sirup ist alles beliebt. Warum also kein Pumpkin spice latte? Diese Frage stellt sich Jude in „The pumpkin spice latte disaster“.

    Jude kehrt für die Hochzeit ihrer Schwester in den Ort ihrer Kindheit zurück. Sie verbindet viel Frust mit den Ort- und Enttäuschungen. Als sie Tea room Besitzer James trifft, geraten die beiden mehr als einmal aneinander. Doch was ist dieses Gefühl?

    Ich persönlich war von Seite 1 an gefesselt. Allein der Fakt, dass sie den einzigen Bus verpasst, hat mich quasi nach England aufs Land transportiert, wo ich einst Sprachferien verbracht habe. Die Gerüchte und der Fakt, dass jeder eine Geschichte über jeden weiß, unterstreicht den Eindruck. Hinzu kommen Kyra Grohs unterhaltsame Charaktere und Erzählweise, die auf ihre eigene Weise zu England passt. Dazu noch ein paar angesagte Getränke und ein gehypter Podcast und das Chaos ist perfekt.

    Nicht zu vergessen sind die Gefühle. Sowohl Jude als auch Olive sind enttäuscht (ihre Eltern!), James gefrustet und viele Einwohner der Kleinstadt festgefahren. Das macht es leichter, die Situationen nachzuvollziehen.

    Klasse finde ich, dass die Charaktere sich entwickeln. So kann Jude am Ende erkennen, was genau sie braucht und James kann klar formulieren, was ihm stört. Das ist ein langer Weg, ja, aber für mich ist es super, dass die Entwicklung überhaupt da ist.

    Zum Thema Entwicklung passt der Schreibstil. Am Anfang total sturr und kühl aus der Sicht der jeweiligen Protagonisten geschrieben, werden die Gefühle nach und nach zugelassen. Allerdings ist der Schreibstil durchgehend unterhaltsam. Daher finde ich diesen sehr authentisch und perfekt lesbar.

    Der Roman ist insgesamt in sich rund und kurzweilig. Wenn man sich auf die fiktive Kleinstadt eingelassen hat, kriegt man einen süßen Roman. Aus meiner Sicht fünf Sterne.

    Authentisch


    Es kommt immer wieder vor, dass man eine Einladung am liebsten absagen möchte. Doch was, wenn man quasi erpresst wird, zu kommen? Diese Problematik wird in „Die Einladung- Mord nur für geladene Gäste“ thematisiert.

    Rosemary „Mimi“ wird von ihrer Nachbarin Jane zu einer Party eingeladen. Sollte sie nicht erscheinen, droht ihr Geheimnis ans Licht zu kommen. Gemeinsam mit Enkelin Addie begibt Mimi sich auf die Feier- wo es nicht nur einen Mord aufzuklären gilt….

    Ich habe direkt in die Geschichte eingefunden. Mimi wohnt auf einer Insel, die manchmal von Touristen belagert wird- ein Setting, dass ich mir gut vorstellen kann. Das sie sich durch diese und besagte Einladung gestört fühlt, kann ich gewissermaßen nachvollziehen. Ihre Abläufe scheinen routiniert, Abweichungen führen zum Groll, was mich an die lästigen Plagen des eigenen Alltags erinnert.

    Auch Janes partly ist eine solche Plage. Leider kann Mini nicht anders handeln, als hinzugehen. Das gerade dort die Gastgeberin (und später ein Gast!) getötet wird, sorgt für Spannung im routinierten Alltag. Die Suche nach dem Mörder läuft nicht ganz ohne Zwischenfälle ab und ist amüsant zu lesen. Was mich allerdings stört ist, wie sehr manche Szenen in die Länge gezogen werden. Es passiert erst viel, dann sehr wenig, und plötzlich alles auf einmal. Für mich hätte sich das ein wenig mehr verteilen können.

    Insgesamt ein unterhaltsamer, authentischer Krimi ohne zu viel von Drama und co, sondern mehr mit Witz und leider auch Längen. Für mich sind es verdiente vier Sterne.

    Explosive Ermittlungen


    Ein Code, der für den Besitzer gefährlich wird. Ein Seniorequartett, das den Mörder sucht und zeitgleich ein Rätsel löst. Und tragische Familiengeheimnisse, die Generationen beeinflussen. Darum geht es in „Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code“.

    Joanne, Joyce Tochter, heiratet. Der Trauzeuge des Bräutigams weiht die vier Senioren in ein Geheimnis ein: er hat einen unlösbaren Code, den jemand erfahren möchte und eigenst dafür eine Bombe unter seinem Auto platziert. Doch die Mitwisserin des Trauzeugens erliegt dem Anschlag- er selbst ist verschwunden. Eine spannende Suche nach Wahrheiten beginnt….

    Was haben die vier Senioren mir gefehlt! Elizabeth, Ibrahim, Joyce und Ron kehren mit ordentlich Zunder zurück auf die Bühne. Zumindest der Einstieg hat es in sich, mit der langersehnten Hochzeit gefolgt von der adrenalingeladenen Geschichte des Trauzeugen Nick. Neben zahlreichen Wendungen wartet der typisch britische Humor ebenso auf mich wie Quizshows, Ermittlungspannen und Fettnäpfchen. Auch der ein oder andere alte bekannte hat seinen Auftritt. Der Fall ist sehr gut lesbar und unvorhersehbar, was mir persönlich gut gefällt. Manches jedoch zieht sich zu sehr in die Länge ohne das viel passiert, was sehr schade ist. Insgesamt gute Unterhaltung und ein herrlich komischer Krimi ohne überladen zu sein. Ich gebe vier Sterne.