Beiträge von Bookworld91

    Reise ins Ungewisse

    Eine Frau, die vor ihrem Partner flieht. Eine andere möchte einfach nur zur Konferenz. Doch was dann passiert, ist ein komplettes Wirrwarr…

    Stephanie hat einen gut bezahlten Job beim Fernsehen. Sie soll nach San Diego zu einem Geschäftstermin. Im Flugzeug trifft sie auf Jasmine, die vor ihrem gewalttätigen Partner Glenn flüchtet. Die beiden tauschen ihre Identitäten- und folgen einem Geschäftsmann nach Atlanta…

    Der Start hat mich abgeholt. Spannend, interessant geschrieben, authentisch und bildhaft dargestellt. Ich war direkt dabei und bin gedanklich mitgereist. Allerdings war ab ca. 2/3 des Buches sehr viel Wirrwarr. Ich persönlich mag zwar Pottwists, allerdings möchte ich am liebsten auch eine Auflösung dazu. Und das hat mir hier komplett gefehlt. Ich habe den Überblick verloren, wer welches Motiv wofür hat. Und da verliere ich hier den Überblick. Allein wer auf der Konferenz war lässt sich schwer sagen. Dazu eine Reihe von Verkettungen, die keinen Sinn für mich ergeben und das Chaos ist angerichtet.

    Insgesamt ein solider Thriller mit Potenzial. Für den gelungenen Start , die authentische Schreibweise und den anfänglichen Spannungsbogen kriegt er vier Sterne.

    Herzensroman


    Die Jobwahl möchte gut überlegt sein. Viele junge Erwachsene entscheiden sich um, brechen Ausbildungen ab oder machen diverse Praktika. So sucht auch Jonna die passende Tätigkeit.


    Jonna ist eine Weltenbummlerin. Ursprünglich aus Kopenhagen, mit renommierten Anwalt als Vater, kommt sie bei Praktika viel rum. Dann hat ihr Vater genug: er stoppt ihre Zahlungen und setzt sie vor die Tür ihrer Wohnung.

    Jonnas Chef, Cafébetreiber Mads, hat auch mit seiner Familie beziehungsweise seiner Vergangenheit zu kämpfen. Er hat ein dunkles Geheimnis, das er nicht offenbaren möchte. Nach und nach kommt Jonna trotzdem dahinter…

    Ich liebe dieses Buch. Nicht nur, dass es in Dänemark spielt (ich liebe Skandinavien), nein, das Setting mit dem Café und der doch etwas speziellen Crew passt perfekt zum romantischen Plot. Gestützt wird das von Stefanie Neebs bildhaften, detaillierten Schreibstil. Ich habe den Eindruck, selbst vor Ort zu sein. Zudem freue ich persönlich mich über Familiengeheimnisse auf beiden Seiten. Das ist etwas, dass ich sehr gerne lese und stets in spannend finde. Getopt wird alles von dem herrlichen Humor. Ich habe mich während des Lesens köstlich amüsiert und freue mich sehr auf weitere Bücher der Reihe. Daher gebe ich fünf Sterne für diesen Herzensroman.

    Wunderwasser


    Ein Hotel zwischen zwei Kriegsmächten. Eine toughe Hotelchefin im Wechselbad der Gefühle. Und die wundersame Wirkung des Wassers. All das kommt im „Grand Hotel Avalon“ zusammen.

    June Hudson leitet 1942 das Grand Hotel. Sie setzt sich in der Männer dominierten Szene tough durch. Ihr Hotel wird zum Rückzugsort für die Familien der Gegner der USA. In einem der Zufluchtsuchenden verliebt June sich- ein Spiel mit dem Feuer. Und dann ist da noch die Macht des Wassers….

    Ich finde den Roman sehr imposant. Das fängt schon beim Thema an: es gibt viele gute Roman über das Leben im Exil beziehungsweise im Verborgenen. Was diesen Roman ausmacht sind zwei Faktoren: einmal die emanzipierte June und einmal das Süßwasser. Dieses hat wundersame Wirkung, die auch im Verlauf der Geschichte nicht erklärt wird. Für mich persönlich ist das nicht dramatisch, da ich so meine eigene Erklärung haben kann. Dadurch ist es zwar weiterhin ein Mysterium, wird jedoch interessant behandelt, sodass bei mir keine Langeweile aufkommt. Viele haben vor allem zu Kriegszeiten das Wundermittel gesucht, da die Not groß und die Mittel knapp waren.

    Typisch für Kriegszeiten ist zudem, dass June als Frau das Hotel leitet. Männer, die es hätten leiten können, waren damals im Krieg. Dadurch ist es sehr authentisch und gut recherchiert geschrieben.


    Was mich an dem Buch jedoch stört ist der zähe Fortschritt. Szenen, die aus meiner Sicht belanglos sind, dauern ewig. Wichtiges dagegen bleibt typisch für damals kurz gehalten und abgestumpft. Das finde ich sehr schade, da Situationen so auch zerstört werden.

    Insgesamt bin ich angetan von dem Roman. Ich mag das Wunderwassser, allerdings würde ich es gerne genauer untersuchen. Wer einen authentischen Roman mit unerklärlichen, magischen Elementen, ist hier richtig. Vier Sterne.

    Pinguine


    Eine Forschungsexpedition an die Arktis- Veterinärmedizinerin Emmerich ist begeistert, Pinguine und ihr Verhalten beobachten zu dürfen. Wenn da nur nicht der Expeditionsleiter Beckett wäre… die Erlebnisse der Gruppe werden in „The penguin paradox“ dargelegt.


    Emmerie möchte ihre Doktorarbeit über das Paarungsverhalten von Pinguinen schreiben. Daher ist sie begeistert, an einer Forschungsreise in die Antarktis teilzunehmen. Jedoch hat sie einen Groll auf Gruppenleiter Beckett, der es ihr nicht recht machen kann. Am Ende kommt es wie es kommen muss- oder droht eine Katastrophe?


    Ich habe mich direkt in die Geschichte eingefunden. Greta Milan schreibt unterhaltsam, gefühlvoll und authentisch, wie ich es von ihr kenne. Auch Beckett präsentiert sich als kluger, loyaler Teamleiter. Das hilft mir sehr, mit der Geschichte zurecht zu kommen.

    Was mich- wenn überhaupt- stört, ist Emmery. Sie ist sehr anstrengend, stur und ziemlich zickig. Hinzukommt, dass es ihr schwer fällt, Verantwortung zu übernehmen. Ich werde nicht warm mit ihr, obgleich ihr Vorhaben ehrenwert ist. Ihre Art passt jedoch nicht dazu.

    Was auch nicht zu einhundert Prozent stimmig ist, ist das aufgebauschte Drama am Ende. Natürlich spielt da Verrat nicht nur durch Emmery eine Rolle, aber ich finde, das hätte es nicht gebraucht. Ein wenig Kommunikation und schon wäre es gelöst gewesen.

    Insgesamt finde ich den Roman unterhaltsam und spannend zu lesen. Auch erlebe ich eine Entwicklung bei Beckett, der sich Emmery öffnet und ihr schlussendlich einen Vertrauensbruch verzeiht. Zudem nehme ich für mich selber die eine oder andere Lektion mit (nicht immer ist eine Situation wie sie scheint, Kommunikation ist wichtig). Allerdings ist Emmery ein Störfaktor. Ich gebe vier Sterne.

    Humorvoll


    Ein verunfallter Freund, der eine Nachricht hinterlassen hat. Eine alte Schuld, die unausgesprochen auf den Schultern lastet. Um all das geht es in „Über die Toten nur Gutes“.

    Mads ist Trauerredner. Als solcher muss er die Wahrheit auch mal zurecht biegen- „Über die Toten nur Gutes“. Dann bekommt er eine verzwickte Aufgabe: sein früherer Kumpel Patrick ist verstorben und er soll eine Rede halten. Doch wie war Patrick wirklich? Und welche Umstände hat sein Tod? Mads begibt sich auf Spurensuche…

    Mads und sein Umfeld werden auf eine humorvolle, chaotische Art eingeführt. Ich habe mich herrlich über die vielen Fettnäpfchen und (un)gewollten Missgeschicke amüsiert. Nichtsdestotrotz nehme ich Mads Beruf und auch seinen aktuellen Fall sehr ernst. Was als Jugendsünde gedacht ist, hat weitreichende Konsequenzen. Nicht nur, dass Patricks Mutter ihren Job verliert, Patrick gerät immer weiter in kriminelle Machenschaften. Jedoch werden Mads Ermittlungen immer wieder von kleinen Fettnäpfchen, Missgeschicken und unterhaltsamen Zwischenfällen gespickt. Immer dabei: Malteserhündin Bobby, die ihn zwar manchmal voranbringt, aber auch in kritische Situationen bringt. Mit ihr wird es nicht langweilig.

    Selbiges lässt sich leider nicht über den gesamten Krimi sagen. Teilweise passiert lange nichts oder sehr wenig und es wird zäh, gar langatmig. Das stört den Lesefluss immens. Unterstützt wird dieser Eindruck durch den Fakt, dass viel Chaos um den Tod von Patrick herrscht. Es ist unklar, wer welches Motiv hat und was der Auslöser für welchen Punkt war. Wenn man dieses Konstrukt durchdringt, wartet ein humoristischer, leichter Krimi, für den ich vier Sterne gebe.

    Unser Körper


    Wie funktioniert unser Körper? Und welche Auswirkungen haben die einzelnen Organe auf unser Wohlbefinden? Das möchte Giulia Enders in Organisch verdeutlichen.


    Autorin Dr. Giulia Enders hat Medizin studiert und als Ärztin gearbeitet. Sie ist vom Fach und versteht es, Wissen in Büchern zu vermitteln. Das ist ihr vor zehn Jahren in Darm mit Charme gelungen und nun soll Orgaisch anknüpfen.

    Enders beschreibt in ihrem Buch Organe und ihre Aufgaben im Kreislauf. Gespickt wird das Wissen durch Illustrationen und Anekdoten. Diese reichen von Erfahrungen in ihrer Familie und auch anonymisiert ihrer früheren Patienten. Dabei bleibt Enders professionell und anschaulich, ohne zu trocken zu schreiben.

    Mir als absoluter Laie hat das Buch vor allem durch die anschaulichen Anekdoten gefallen. Nicht nur, dass ich diese mit den Organen verbinden kann, sie helfen mir sogar beim Verständnis der Organe und Aufgaben. Ich bin erstaunt, welche Auswirkungen manche Organe haben und habe viel gelernt. Fünf Sterne.

    Zwischen zwei Welten


    Jule und Andi wachsen im Westberlin der 60er und 70er Jahre auf. Ein großes Geheimnis entzweit sie- zwischen Fernweh und warten…


    Die Story gefällt mir recht gut. Das Thema ost/west inklusive Differenzen und Familiengeheimnisse ist spannend und ich mag den Schreibstil insgesamt sehr gerne. Die Charaktere und ihre Geschichten sind authentisch und stehen stellvertretend für das Schicksal vieler Deutscher zu diesen Zeitpunkt. Viele Kinder der Nachkriegsgeneration wissen zum Beispiel bis heute nicht, wer exakt ihr Vater war oder kennen ihn nicht.

    Allerdings hat das Buch Passagen, die in die Länge gezogen sind und man inhaltlich nicht voran kommt, etwa die Fußballspiele oder Monologe. Dahingegen werden andere, sehr wichtige Themen (Stasi, RAF…) kaum beziehungsweise nicht thematisiert. Insgesamt bin ich aber zufrieden und gebe vier Sterne.

    Coffee vibes in der Kleinstadt


    Herbst und Winter sind Zeiten für Heißgetränke. Von Glühwein über Punsch bis hinzu Kaffee mit Sirup ist alles beliebt. Warum also kein Pumpkin spice latte? Diese Frage stellt sich Jude in „The pumpkin spice latte disaster“.

    Jude kehrt für die Hochzeit ihrer Schwester in den Ort ihrer Kindheit zurück. Sie verbindet viel Frust mit den Ort- und Enttäuschungen. Als sie Tea room Besitzer James trifft, geraten die beiden mehr als einmal aneinander. Doch was ist dieses Gefühl?

    Ich persönlich war von Seite 1 an gefesselt. Allein der Fakt, dass sie den einzigen Bus verpasst, hat mich quasi nach England aufs Land transportiert, wo ich einst Sprachferien verbracht habe. Die Gerüchte und der Fakt, dass jeder eine Geschichte über jeden weiß, unterstreicht den Eindruck. Hinzu kommen Kyra Grohs unterhaltsame Charaktere und Erzählweise, die auf ihre eigene Weise zu England passt. Dazu noch ein paar angesagte Getränke und ein gehypter Podcast und das Chaos ist perfekt.

    Nicht zu vergessen sind die Gefühle. Sowohl Jude als auch Olive sind enttäuscht (ihre Eltern!), James gefrustet und viele Einwohner der Kleinstadt festgefahren. Das macht es leichter, die Situationen nachzuvollziehen.

    Klasse finde ich, dass die Charaktere sich entwickeln. So kann Jude am Ende erkennen, was genau sie braucht und James kann klar formulieren, was ihm stört. Das ist ein langer Weg, ja, aber für mich ist es super, dass die Entwicklung überhaupt da ist.

    Zum Thema Entwicklung passt der Schreibstil. Am Anfang total sturr und kühl aus der Sicht der jeweiligen Protagonisten geschrieben, werden die Gefühle nach und nach zugelassen. Allerdings ist der Schreibstil durchgehend unterhaltsam. Daher finde ich diesen sehr authentisch und perfekt lesbar.

    Der Roman ist insgesamt in sich rund und kurzweilig. Wenn man sich auf die fiktive Kleinstadt eingelassen hat, kriegt man einen süßen Roman. Aus meiner Sicht fünf Sterne.

    Authentisch


    Es kommt immer wieder vor, dass man eine Einladung am liebsten absagen möchte. Doch was, wenn man quasi erpresst wird, zu kommen? Diese Problematik wird in „Die Einladung- Mord nur für geladene Gäste“ thematisiert.

    Rosemary „Mimi“ wird von ihrer Nachbarin Jane zu einer Party eingeladen. Sollte sie nicht erscheinen, droht ihr Geheimnis ans Licht zu kommen. Gemeinsam mit Enkelin Addie begibt Mimi sich auf die Feier- wo es nicht nur einen Mord aufzuklären gilt….

    Ich habe direkt in die Geschichte eingefunden. Mimi wohnt auf einer Insel, die manchmal von Touristen belagert wird- ein Setting, dass ich mir gut vorstellen kann. Das sie sich durch diese und besagte Einladung gestört fühlt, kann ich gewissermaßen nachvollziehen. Ihre Abläufe scheinen routiniert, Abweichungen führen zum Groll, was mich an die lästigen Plagen des eigenen Alltags erinnert.

    Auch Janes partly ist eine solche Plage. Leider kann Mini nicht anders handeln, als hinzugehen. Das gerade dort die Gastgeberin (und später ein Gast!) getötet wird, sorgt für Spannung im routinierten Alltag. Die Suche nach dem Mörder läuft nicht ganz ohne Zwischenfälle ab und ist amüsant zu lesen. Was mich allerdings stört ist, wie sehr manche Szenen in die Länge gezogen werden. Es passiert erst viel, dann sehr wenig, und plötzlich alles auf einmal. Für mich hätte sich das ein wenig mehr verteilen können.

    Insgesamt ein unterhaltsamer, authentischer Krimi ohne zu viel von Drama und co, sondern mehr mit Witz und leider auch Längen. Für mich sind es verdiente vier Sterne.

    Explosive Ermittlungen


    Ein Code, der für den Besitzer gefährlich wird. Ein Seniorequartett, das den Mörder sucht und zeitgleich ein Rätsel löst. Und tragische Familiengeheimnisse, die Generationen beeinflussen. Darum geht es in „Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code“.

    Joanne, Joyce Tochter, heiratet. Der Trauzeuge des Bräutigams weiht die vier Senioren in ein Geheimnis ein: er hat einen unlösbaren Code, den jemand erfahren möchte und eigenst dafür eine Bombe unter seinem Auto platziert. Doch die Mitwisserin des Trauzeugens erliegt dem Anschlag- er selbst ist verschwunden. Eine spannende Suche nach Wahrheiten beginnt….

    Was haben die vier Senioren mir gefehlt! Elizabeth, Ibrahim, Joyce und Ron kehren mit ordentlich Zunder zurück auf die Bühne. Zumindest der Einstieg hat es in sich, mit der langersehnten Hochzeit gefolgt von der adrenalingeladenen Geschichte des Trauzeugen Nick. Neben zahlreichen Wendungen wartet der typisch britische Humor ebenso auf mich wie Quizshows, Ermittlungspannen und Fettnäpfchen. Auch der ein oder andere alte bekannte hat seinen Auftritt. Der Fall ist sehr gut lesbar und unvorhersehbar, was mir persönlich gut gefällt. Manches jedoch zieht sich zu sehr in die Länge ohne das viel passiert, was sehr schade ist. Insgesamt gute Unterhaltung und ein herrlich komischer Krimi ohne überladen zu sein. Ich gebe vier Sterne.

    Brüder


    Geschwister sind ein wichtiger Bestandteil der Kindheit. Streit und Groll gehören genauso dazu wie Unterstützung und Teilen. Doch was, wenn der eigene Bruder vom Weg abkommt? Darum geht es in „Der Absturz“.

    Eduard Louis hat schon verschiedene Bücher über sich und seine Familie geschrieben. In diesem Buch geht er auf die Beziehung zu seinem älteren Bruder ein. Dieser hat- genau wie Eduard Louis selbst- viel Ablehnung durch den gewalttätigen Vater erfahren. In Fakten und Episoden berichtet Louis, wie erst die Beziehung der beiden und später das Leben seines Bruders zerbrach. Dabei beschreibt er Selbstfindungsprobleme und Stereotypen ebenso wie Ablehnung, fehlende Akzeptanz und Verzweiflung.

    Auffällig ist an Louis Buch, dass er den Leser quasi mitnimmt. Erinnerungen und Gefühle Werden detailliert beschrieben und auch das Miteinander wird bildhaft dargestellt. Ich habe das Geschehen gut verfolgen können und hatte das Gefühl, selbst dabei zu sein. Das wird durch den Bericht der langjährigen Partnerin des Bruders untermauert, die Louis Einblick in die Gefühle des Bruders gibt.

    Ich finde das Buch gut umgesetzt und super zu lesen. Spannend ist es für all jene, die gerade ihr Leben umkrempeln und sich einen neuen Platz suchen müssen. Fünf Sterne für diesen hilfreichen Roman.

    Samis


    Ein kleines Dorf in den schwedischen Wäldern. Hier ist für gewöhnlich Ruhe und Natur. Doch bleibt das so? Und wie war es früher? Darum geht es in „Wo die Moltebeeren leuchten“.

    In den 1930ern muss die junge Schwedin Siv die Schule abbrechen, um als Köchin für eine Gruppe Jäger zu arbeiten. Doch das fällt ihr nicht leicht, hat sie doch geplant , als Lehrerin zu arbeiten. Mit der Zeit findet sie mehr und mehr in ihre Rolle- und Gefallen an einigen Jägern…

    2022 reist Sivs Enkelin Eva in das Dorf ihrer Kindheit. Was als berufliche Reise gedacht ist, wird zu einer aufwühlenden Erinnerung und der Suche nach der Wahrheit.

    Ich finde es unglaublich spannend, aus zwei Perspektiven auf das Leben in Schweden zu blicken. Während Siv viel über die Samis (eine Kultur in Skandinavien mit eigener Sprache und stets auf Reisen, sie leben von der Natur) und ihr Leben in der Einsamkeit berichtet, geht es bei Eva um Geheimnisse und auch Korruption. Sivs Erzählungen ergeben allerdings nur mit Evas Geschichte Sinn und umgekehrt. Dadurch wird die Spannung trotz Längen aufrecht erhalten. Der Erzählstil ist anschaulich und tiefgründig, auch wenn Hintergrundwissen über die Samis ein riesiger Vorteil ist. So weiß ich zum Beispiel aufgrund meiner Kenntnisse, dass Samis wie Sivs Angebeteter durchs Land reisen und er so erst spät erfährt, was passiert ist.

    Dennoch ist die Geschichte an und für sich schlüssig und gut dargestellt. Ich gebe vier Sterne.

    Viele Fragezeichen


    Immer mehr Bücher schreiben über Kinder, die im Feriencamp sterben (jüngst Der Gott des Waldes und Der Sommer am Ende der Welt). Doch was, wenn eine erwachsene Frau vom Campingplatz verschwindet? Das ist die Ausgangslage in „Der Trailer“.


    Frieda Stahnke ist eine suspendierte Hamburger Kommissarin. Sie nimmt an einem Podcast teil, um den Vermisstenfall Lisa Martin voranzutreiben. Jemand, der etwas wissen könnte, ist der Kölner Barbesitzer Wout Mertens, der zur gleichen Zeit auf den Campingplatz war. Doch er schweigt beharrlich…

    Ein Podcast, der eine entscheidende Rolle in einem Thriller spielt? Dann sind ja direkt zwei meiner Lieblingsmedien verknüpft! Entsprechend motiviert habe ich mich an die Lektüre gemacht. Der Fall ist, auch durch Fridas Suspendierung, sehr brisant. Mir scheint, als würde manch einer (Fridas früherer Vorgesetzter, Wout, andere Zeugen) die polizeilichen Ermittlungen behindern wollen. Das macht die Ausgangslage für mich sehr spannend.

    Wodurch die Spannung untermauert wird sind die detailreichen Beschreibungen. Das Camp und auch die Gegend wo Frida unterwegs ist werden wortreich beschrieben. Hervorzuheben gilt es hier, dass eine dunkle Atmosphäre auf dem Campingplatz entsteht. Die Grundlage für einen spannenden Thriller ist geliefert.

    Leider bleiben die Charaktere auf der Strecke. Sie werden nie intensiv beschrieben sondern immer nur an der Oberfläche gekratzt. Das ist aus meiner Sicht sehr schade, da ein Thriller von seinen vielschichtigen Charakteren zusätzliche Spannung erhalten kann. So bleiben zum Beispiel Handlungsmotive größtenteils unklar. Wout zum Beispiel ist für mich ein Rätsel. Ebenso verstehe ich Fridas Suspendierung nur bedingt.


    Insgesamt ist das Werk solide. Ich freue mich auf den zweiten Teil der Reihe- vielleicht erfahre ich hier mehr über die Charaktere und ihre Beweggründe?

    Zwei Zeitebenen


    Viele Kinder aus den letzten Kriegsjahren kennen nicht ihre komplette Familiengeschichte. Teils wachsen die Kinder ohne Vater oder bei Adoptiveltern auf und erfahren die Wahrheit erst Jahre später. So auch in „Die Verlorene“ von Miriam Georg.


    Lauras Großmutter Änne stirbt nach einem Sturz. In ihren Nachlass finden sich Dokumente, die Laura und ihre Mutter Helen stutzig machen. Die Enkelin begibt sich auf Spurensuche in Schlesien…

    Im Schlesien der 1940er Jahre lebt Änne mit ihrer Zwillingsschwester Louise und den Eltern. Zwangsenteignung, Tod, Armut und Kriegsgefangene als Arbeitskräfte stehen auf der Tagesordnung. Doch was sind das für Anfälle, die Änne hat? Und warum muss sie sich verstecken?

    Ich finde den Roman sehr beeindruckend. Es gelingt, eine Brücke zwischen den damaligen Schlesien und Deutschland in der Gegenwart zu bauen. Änne und Laura sind starke Protagonistinnen auf der Suche nach Wahrheit, was damals wie heute ein relevantes Thema ist. Georg gelingt es, die beiden Zeitebenen durch Themen wie Familie, Schwangerschaft, Generationskonflikte und Ähnliches zu verweben. Jede Zeit stellt die Probleme auf ihre Weise dar, aber im Kern sind sie ähnlich.


    Schlimm finde ich persönlich, dass Änne sich damals verstecken musste und selber nie erfahren hat, warum. Sicher, Kinder mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen wurden damals getötet, aus heutiger Sicht versteht man das Versteckspiel, aber Änne war sich über ihre Krankheit nicht selber bewusst. Sie hatte nicht die Möglichkeit, sich behandeln zu lassen- auch später nicht, als es Therapie gab.


    Ein weiterer für mich wichtiger Aspekt ist der Fakt, dass generell nicht aufgearbeitet wurde. Laura und Helen wissen gar nichts über die Jugend ihrer Mutter und Oma. So viel Wirrwarr ist zwar nicht unüblich, allerdings sehr belastend. Auch für Änne muss es eine Qual gewesen sein, nie darüber zu sprechen. Sie kannte es vermutlich durch das Versteckspiel nicht anders, allerdings führen mir gerade solche Geschichten vor Augen, wie drastisch es damals war.

    Ich mochte den Roman sehr gerne. Nicht zu aufgeregt, aber mit der nötigen Distanz und Tiefe wird von einer Familie berichtet, die exemplarisch für viele steht. Ich gebe fünf Sterne.

    Ruhig


    Als Schriftsteller kommt es nicht selten vor, dass man das Landleben bevorzugt. So auch Johanne in „Spät am Tag".

    Nach der Scheidung ihrer ersten Ehe sucht Autorin Johanne einen Neuanfang. Aus der quirligen Stadt zieht sie aufs Land, wo sie bei Mikael ein Zimmer mietet. Nichts ahnend, dass sie sich in Mikael verliebt und bei ihm bleibt…

    Ich muss gestehen: ich liebe Norwegen. Ich selber habe dort ein halbes Jahr zum Studium in einer Kleinstadt gelebt und besonders die Natur und den Fjord sehr gemocht. Entsprechend hat mich „Spät am Tag“ direkt in den Bann gezogen. Es ist ein ruhiges, unaufgeregtes Buch, was die Konflikte mit Mikaels Ex- Frau und die Zerrissenheit seiner Tochter zwischen ihren Eltern authentisch beschreibt. Spannend finde ich persönlich, diese Konflikte aus der Sicht der Beobachterin Johanne zu verfolgen, die ihren Platz in den Konstrukt sucht. Da passt der leise, unaufgeregte Schreibstil perfekt.

    Hinzukommt, dass der Schreibstil im Einklang mit dem Setting ist. Johanne und Mikael leben auf dem Land und es ist ruhig und still. Vor allem seit Mikaels Tod verspürt Johanne die Nähe zur Natur. Als es dunkel wird, ist sie bedrückt und traurig und verweist gekonnt auf Schriftsteller, die sich dazu geäußert haben.

    Ich bin vollends zufrieden mit diesem leisen Roman. Mir fehlt nichts und ich kann in die Welt von Johanne und Mikael abtauchen. Fünf Sterne von mir.

    Das Leben ist ein Rätsel


    Was hat es mit einem Buch voller Rätsel auf sich? Diesen besonderen Phänomen widmet sich „Die Bibliothek meines Großvaters“.

    Die Lehrerin Kaede findet alte Zeitungsausschnitte in einem Buch. Für sie öffnet sich eine Welt der Rätsel- nähergebracht von ihrem an Demenz erkrankten Großvater. Doch was hat es mit diesen Rätseln auf sich?

    Ich finde das Buch spannend. In jedem Abschnitt werden wir mit einem neuen Rätsel konfrontiert und die Lösung ist nicht immer die, die es scheint. Kaedes Großvater motiviert zum um die Ecke denken, zum Hinterfragen von Fakten und zum Überdenken der eigenen Prinzipien. Das Buch ist insgesamt spannend und unterhaltsam geschrieben, ohne zu tief in die Hintergründe der Rätsel einzutauchen. Auch Kaedes Familiengeschichte wird in das Buch eingebaut, sodass das Buch für mich zwischen Krimi und Roman anzusiedeln ist. Da ich beide Genres gerne lese, gefällt mir das prima. Was mich allerdings beim Lesen gestört hat ist einerseits die fehlende Tiefe bei Kaedes Familiengeschichte und zum anderen das es eine aus der Luft gegriffene Referenz zu einer modernen populären Reihe gibt, die sich mir nicht erschließt. Diese Referenz repräsentiert aus meiner Sicht zudem, dass einiges in die Länge gezogen wird.

    Insgesamt jedoch ein interessantes Buch mit wichtigen Themen (verschiedene Formen von Demenz, Rätsel) mit leichten Optimierungsbedarf. Ich gebe vier Sterne.

    Landleben


    Jeder Umzug bedeutet eine Veränderung. Wenn mit dem Umzug eine Schwangerschaft sowie die Kündigung einer Arbeit einher gehen, sind Konflikte vorprogrammiert. So auch in Hannah Lühmanns Roman „Heimat“.

    Jana und ihre Familie ziehen aufs Land. Hier lernt sie für sie ganz neue Lebensweisen kennen: statt zu arbeiten, sind die meisten Nachbarinnen Hausfrauen und Mütter, allerdings mit Instagram und co. Jana beginnt, an ihren eigenen Grundsätzen zu rütteln- welches Leben möchte sie für sich und ihre Familie?

    Ich finde den Roman sehr interessant. Nicht nur der Kulturclash zwischen der arbeitenden Mutter Jana, die ihren Job wegen der Schwangerschaft aufgegeben hat, und ihrer Nachbarin, Hausfrau Karolin, zeigt Konfliktpotenzial. Auch Janas Mann und dadurch auch die Beziehung des Paars verändern sich. Jana ist ein facettenreicher, nachdenklicher Charakter, die mich als Leserin zum Denken bringt. Das ganze wird anschaulich und gefühlvoll zugleich von Lühmann beschrieben. Insgesamt ist die Umsetzung super gelungen, allerdings ziehen sich speziell die Instagram Szenen oder auch die Situationen auf dem Spielplatz manchmal ein wenig in die Länge. Anderes bleibt ungeklärt: wie ist Karolins häusliche Situation wirklich? Und was ist der wirkliche Wunsch der Hausfrauen und Mütter? Ich gebe den Roman insgesamt vier Sterne und freue mich über weitere Bücher der Autorin.

    Der letzte Drink


    Es ist eins der bekanntesten und geschichtsträchtigsten Hotels in Paris: das Ritz. Dort mixte während des zweiten Weltkriegs Frank Meier die Drinks für namenhafte Gäste. Doch er trägt ein Geheimnis mit sich herum. In „Der Barmann des Ritz“ beschreibt Philippe Collin den Alltag des Barkeepers.

    Frank Meier kommt ursprünglich aus Österreich und ist über Amerika ins Ritz gekommen. Er mischt Drinks für die prominenten Gäste des Ritz genauso wie für die deutschen Soldaten. Was niemand wissen darf: er ist jüdischer Abstammung. Jeder Drink, den er mischt, könnte sein letzter sein. Zwischen Soldaten und Göbels versucht Meier, den Schein zu wahren und zugleich sein Wissen für sich zu nutzen. Doch ein Eklat droht…

    Ich habe mich gut ins Buch eingefunden. Frank Meier ist eine reale Person, über die einige Fakten bekannt sind. Diese Fakten verknüpft Collin in seinem Werk mit fiktiven Tagebucheinträgen Meiers. Es ist keine lustige Unterhaltungsliteratur, sondern eine sachlich erzählte Möglichkeit, wie es damals gewesen sein könnte. Der Erzählstil ist daher sachlich- nüchtern, was wirklich gut zu den Buch passt. Allerdings fehlt es nicht an Spannung, die durch brenzlige Situationen entsteht. Die Kriegsereignisse sind ebenso realistisch wie nüchtern beschrieben.

    Allerdings geht Collin wenig auf das gesellschaftliche Leben außerhalb des Ritz ein. Wie es den übrigen Franzosen ging, dass es Verräter auf beiden Seiten gab und die drastischen Versorgungszustände kommen deutlich zu kurz. Stattdessen wird in Längen und detailreich von den Abenden im Ritz erzählt. Leider zieht sich dies teilweise in die Länge.

    Frank Meier ist eine authentische Hauptfigur. Klug, gewitzt , aber auch berechnend meistert er die Schwierigkeiten, mit denen er als Jude in Paris konfrontiert wird. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass einiges wahrhaftig wie beschrieben abgelaufen ist. Insgesamt bin ich fasziniert von der Geschichte, auch wenn das manches in die Länge gezogen wird. Ich vergebe vier Sterne.

    Skandale


    Ein Sommer auf Borkum sollte für Journalistin Hannah in „Der Sommer am Ende der Welt“ eine Recherche Reise sein. Es wird die persönlichste Reise ihres Lebens.


    Hannah möchte sich mit dem Thema Verschickungskinder beschäftigen. Dafür reist sie mit Tochter Katie nach Borkum. Vor Ort trifft sie vor allem auf Widerstand- und erhält Unterstützung vom charismatischen Inselarzt Ole. Doch auch Oles Familie ist mit den Schicksal der Kinder verbunden…


    Das Thema Verschickung wird in dem Roman gut eingeführt. Fiktive mit verschickten Kindern sowie Tagebucheinträge und das Schicksal von Hannahs Mutter bauen eine Verbindung zu damals auf, als in den 60er Jahren Kinder nach Borkum geschickt wurden. Verwoben sind die Tagebucheinträge und Interviews mit den Erlebnissen von Hannah in der Gegenwart, was durch ihren Recherche Bezug durchgängig gelingt. Auch der Mutter- Tochter Konflikt reiht sich wunderbar in die Thematik ein.

    Was allerdings wirklich nicht abzusehen war ist wie tiefgreifend die Problematik ist. Ich bin sehr schockiert über den geschilderten Umgang mit den Kindern und auch über die Medikamente, die getestet wurden. Für mich zeigt vor allen Ole große Stärke, als er sich von der kriminellen Vergangenheit seiner Familie distanziert.

    Der Roman ist sehr angenehm geschrieben und weißt aus meiner Sicht viel Spannung durch unvorhergesehene Wendungen auf. Sicher, die meisten verschickten Kinder denken nicht mehr an die Zeit, doch es sollte nicht vergessen werden. Das hätte aus meiner Sicht mehr betont werden müssen. Ich gebe dennoch fünf Sterne.

    Sanfte Lektüre

    Eine vernichtende Kritik kann schnell zum Aus führen. Restaurants sind dabei keine Ausnahme. Was aber, wenn es das Aus für die Kritikerin ist? Darum geht es in „A Taste of Cornwall“.


    Journalistin Sophie hat eine vernichtende Kritik über das Restaurant von Model Annabelle geschrieben. Die Konsequenz von ihrem Vorgesetzten: sie soll einen Pub in Cornwall auf Vordermann bringen. Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer pubertierenden Tochter begibt sie sich auf die Reise…

    Ich musste beim Lesen mehrmals laut los lachen. Katharina Herzog hat die Situationen (das Heim!) mit viel Humor und Liebe zum Detail geschrieben. Ich habe mich wirklich sehr gut unterhalten gefühlt. Toll fand ich auch, dass ich Sophie bei ihrer Reise inklusive Veränderungen begleiten durfte. Anfangs bin ich nicht richtig warm mit ihr geworden, aber am Ende fand ich sie klasse.

    Jemand, mit dem ich gern mal eine Tasse Tee trinken würde, ist Sophies Mutter. Die ältere Dame hat viel erlebt und gelangt immer wieder in urkomische Situationen, die ich gerne lese. Gewiss ist dieser unterhaltsame Sommerroman nicht besonders anspruchsvoll und ein wenig vorhersehbar, aber ein wunderbarer Lesestoff für den Urlaub- vielleicht sogar in Cornwall? Für mich ganz klar vier Sterne.