Beiträge von marilu

    Originaltitel: The blunderer(1956)


    Inhalt:


    Am Anfang ist ein Mord:


    Der Buchhändler Melchior Kimmel verschafft sich eines Abends ein Alibi und fährt dann seiner Frau nach, die mit einem Bus zu ihrer Mutter reist. Er isoliert sie bei dem ersten Halt des Busses von den anderen Mitreisenden und schlägt und ersticht sie. Dann lässt er sie in einem Dickicht liegen und erfreut sich seiner neuen Freiheit.


    Der Rechtsanwalt Walter Stackhouse liest wenige Tage später von dieser Tat in der Zeitung und vermutet den Ehemann als Mörder, obwohl es keine Beweise gibt. Er ist von der Tat so fasziniert, dass er Kimmel sogar in seiner Buchhhandlung besucht und dort mit ihm spricht.


    Walter selbst lebt in einer Ehe, die nicht mehr glücklich ist. Seine Frau versucht, ihn von seinen Freunden zu trennen und treibt ihn mit ihrer grundlosen Eifersucht einer anderen in die Arme. Als Walter ihr die Scheidung vorschlägt, unternimmt sie einen Selbstmordversuch und übt so Druck auf ihn aus. Doch er bleibt bei seiner Entscheidung und hält eine Scheidung für das Beste.
    Als Clara (seine Frau) mit dem Bus zu ihrer Mutter fährt, um diese ein letztes Mal vor deren Tod zu sehen, setzt sich Walter in das Auto fährt dem Bus nach und versucht, mit Clara an der ersten Raststätte zu sprechen. Doch sie ist wie vom Erdboden verschwunden.


    Tage später wird sie unterhalb eines Felsvorsprungs gefunden. War es Selbstmord oder hat Walter in jener Nacht seinem Vorbild Melchior Kimmel nachgeeifert?


    An dieser Stelle beginnt eine nervenaufreibende Ermittlungsarbeit, die nicht nur Walters Leben verändert, sondern auch Melchior Kimmel wieder in den Mittelpunkt rückt.


    Meine Meinung:
    Dies ist mittlerweile der 4. Roman von Patricia Highsmith gewesen, den ich gelesen habe. Und immer macht sie mir Lust auf mehr! Das Gegensatzpaar Kimmel-Stackhouse, das hier kunstvoll gegeneinander ausgespielt wird, wird sehr lebendig und damit greifbar. Insbesondere die Schwächen der beiden Hauptpersonen stehen im Mittelpunkt.


    Weite Teile des Geschehens werden aus Walters Sicht berichtet, doch auch Melchior Kimmel kommt zu Wort. Er war für mich die interessantere Figur, ebenso der skrupellose Ermittler Corby. Diese beiden überschreiten Grenzen, hetzen sich gegenseitig auf und sorgen für einen ehrgeizigen Kampf um die Wahrheit. Walter agiert eher als Katalysator für die Ereignisse...


    Aber lest selbst, wenn ihr mögt. Ich finde es schwer, hier noch mehr zu sagen, ohne zuviel von der Handlung zu verraten.


    Mein Fazit:


    "Der Stümper" geht in seiner Eindringlichkeit unter die Haut. Ich habe mitgerätselt und mich häufig von der Ironie des Schicksals überraschen lassen. Mein Lieblingsbuch von Patricia Highsmith bleibt "Ediths Tagebuch", doch auch dieser Roman hat mich sehr beeindruckt!

    Ein wirklich schönes Jugendbuch, das man aber auch sehr gut als Erwachsener lesen kann.


    Ich war sehr überrascht, als ich es in der Buchhandlung fand. In den 80er Jahren wurde das Buch verfilmt und im Fernsehen gesendet. Ich wußte noch, wie spannend ich die Szenen damls fand:


    Jugendliche, die durch den düsteren Wald laufen und an eine Kreuzung kommen und dann verwirrt einen Weg suchen. Klingt so vielleicht nicht spektakulär, aber im Zusammenhang mit der Geschichte wird es interessant!


    Natürlich musste ich das Buch mitnehmen und habe es seither schon zweimal gelesen.


    Es lohnt sich!

    Joan Aiken: Fanny und Scylla ++
    Kazuo Ishiguro: Alles was wir geben mussten ++
    Rainer Cordts: Der Tonsetzer +
    Christa Wolf: Der geteilte Himmel ++ --> einfach das richtige Buch zur richtigen Zeit :fingerhoch

    Noch nicht beendet:


    Mary M. Kaye: Palast der Winde - bisher ++ --> sehr unterhaltsam und informativ, aber auch sehr umfangreich
    Tom Levine: Planet Auto - bisher + --> witzige Fakten über Autos, Autokäufer und -fahrer

    Ich muss mich hier allen anschließen, die vom Buch begeistert sind! :knuddel


    Sylvan, South Carolina, 1964:


    Es ist ein Sommer des Umbruchs. Während die Bürgerrechtsbewegung um die Rechte der Schwarzen in den Südstaaten kämpft, muss sich Lily ihrer Vergangenheit stellen, um sich der Zukunft zuwenden zu können.


    Lily lebt mit ihrem Vater T. Ray auf dessen Pfirsichplantage, wo sie weniger geliebt wird als der Haushund. Nur die schwarze Kinderfrau Rosaleen Daise gibt ihr etwas Liebe.
    An Lilys 14. Geburtstag erhält sie die Erlaubnis, Rosaleen in die Stadt zu begleiten. Letztere möchte sich in das Wählerverzeichnis eintragen. Doch leider gelangen die beiden nicht so weit. Statt sich ihre Bürgerrechte zu verschaffen, landen die beiden im Gefängnis. Während Lily von ihrem Vater aus dem Gefängnis abgeholt wird, muss Rosaleen dort bleiben und die Willkür und den Hass der Weißen erdulden. Was Lily zuhause erwartet, zwingt sie auszureißen.
    Auf ihrer Flucht befreit sie Rosaleen und gemeinsam machen sich die beiden auf den Weg nach Tiburon, wo sich Lily Neuigkeiten zu ihrer Mutter erhofft.


    Zitat

    "Ich hatte einfach bis dahin mehr oder weniger gehofft, wir würden irgendwo auf ein offenes Fenster stoßen, durch das wir dann in ein neues Leben klettern könnten. Rosaleen aber wartete nur ddarauf, dass man uns finden würde - für sie war es eine Art Sommerurlaub vom Gefängnis."
    Seite 71


    Und so führt sie ihr Weg in das Haus von Augusta, June und May Boatwright. Drei Frauen, die in irgendeiner Weise mit dem Leben ihrer toten Mutter verbunden sind.


    Ein fantastisches Buch, das Mut zum Leben macht. Es behandelt die Themen Vorurteile und Toleranz, aber auch die Notwendigkeit, sich der Wahrheit zu stellen, um sich selbst zu verstehen und akzeptieren zu können.
    Allen Kapiteln sind Fakten zu Bienen vorangestellt, die auf das Thema des Kapitels hinweisen. Ich mag dieses Stilmittel sehr gerne.


    Während des Lesens entsteht eine sehr intensive Atmosphäre: man meint förmlich, die Hitze der Südstaaten auf der Haut zu spüren. Auch der Honiggeruch scheint in der Luft zu liegen. Sicher wäre diese Illusion noch größer, wenn man das Buch im Hochsommer liest und selbst schwitzt.

    Ergänzend zur Kurzbeschreibung:


    Chloé wird von ihrem Mann Adrien verlassen. Er hat sich in eine andere Frau verliebt, mit der er fortan leben möchte. Pierre, Vater von Adrien und Schwiegervater von Chloé, kümmert sich um seine am Boden zerstörte Schwiegertochter. Er lädt sie und ihre beiden Töchter Marion und Lucie in sein Landhaus ein. Dort kann sich Chloé abseits der Realität an die neue Situation gewöhnen.
    Während der alte Mann seine sonst abweisende Haltung aufgibt und Chloé rührend umsorgt, gibt er ihr gegenüber viel aus seinem Leben preis:
    Die Tatsache, dass er es bereut, seinen eigenen Kindern gegenüber zu streng gewesen zu sein und sie sich damit entfremdet zu haben. Die Tatsache, dass er einen sensiblen, begabten und fröhlichen Bruder gehabt hatte, der sich wegen Liebeskummers kriegsverpflichtet hat und an dieser Dummheit gestorben ist. Und letztendlich die Tatsache, dass er mit seiner Frau nicht glücklich ist und seine Chance auf ein Leben mit einer anderen Frau aus Feigheit hat verstreichen lassen. Er hat sich nie getraut zu leben.
    Diese Erfahrung lässt ihn seinen Sohn für dessen Mut bewundern und wird gleichzeitig traurig, dass damit Chloé verletzt wird. Ein mitternächtliches Gespräch bringt viele Geheimnisse ans Licht.


    Meine Meinung:


    Das Buch ist skizzenhaft geschrieben (es hat nur 180 Seiten). Situationen werden nur angedeutet, so dass der Leseraufgefordert ist, die Lücken mit seiner eigenen Fantasie zu befüllen. Die lakonischen Ansichten, die Chloé äußert, um sich in ihrer neuen Realität einzurichten, bringen unfreiwillige Lacher hervor. Sie sagt von sich selbst, sie merke, dass es ihr besser geht, sobald sie boshaft werde. Und diese Phase folgt der traurigen am Beginn des Buches.
    Die Beziehung zwischen Chloé und Pierre wird ganz fabelhaft dargestellt. Mit Hilfe weniger Worte entsteht eine runde Geschichte, die viel zu früh aufhört und traurig macht. Andererseits aber auch in einer Art und Weise endet, die den Leser nach Beendigung der Lektüre weiterhin beschäftigt hält.
    Das Cover der deutschen Ausgabe empfinde ich als vollkommen unpassend. Was es mit der Geschichte zu tun hat, hat sich mir leider nicht erschlossen.
    Davon abgesehen ist es ein gelungenes Buch, das aufzuzeigen versucht, was im Leben wirklich wichtig ist.

    Mir hat das Buch sehr gefallen! Anfangs war ich zwar etwas skeptisch, vor allem wegen der kurzen Kapitel und langen Absätze. Aber nach ca. 100 Seiten konnte ich gar nicht mehr aufhören und so konnte ich es nach nur 2 Tagen schon beenden!


    Für mich wirklich empfehlenswert und eines meiner Jahreshighlights 2005!

    "Der geteilte Himmel" stand seit 2001 in meinem Buchregal. Ich hatte es mir damals gekauft, weil ich es zum Teil meiner Buchhändlerabschlussprüfung machen wollte. Dann habe ich es angelesen und festgestellt, dass es nicht geeignet war für diese Art mündlicher Prüfung. (Wir mussten 10 Bücher unterschiedlicher Epochen und Genres vor- und nachbereiten und nur 1 - 2 wurden abgefragt). Allein das erste Kapitel machte mir klar, wenn ich darüber reden will, dann nicht in dem Rahmen.


    Und so hat es lange gedauert, bis ich ihm wieder einen Blick widmete. Schade, dass ich so lange gewartet habe. Aber vieles von Christa Wolf ist jetzt auf meine Wunschliste gewandert.


    Ich denke schon, dass im "geteilten Himmel" vieles aus der Zeit und der Gesellschaft heraus begründet liegt, in der es geschrieben wurde, aber darüber hinaus steckt doch sehr, sehr viel "generell menschliches" (ist klar was ich meine?) da drin. Die Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit, die Einsamkeit und das Gefühl, nicht dazu zu gehören und verloren zu sein, das Streben nach Erfolg und Anerkennung - all das ist ja auch heute noch aktuell - in einer Industrienation wie unserer wahrscheinlich mit steigender Tendenz.

    Ich hoffe, die Kategorie "Klassiker" passt, aber da es den Staat, den Christ Wolf beschreibt (DDR) nicht mehr gibt, bin ich mir sicher, dass "Der geteilte Himmel" hier gut reinpasst.


    Inhalt:


    Erzählt wird vordergründig die Geschichte von Rita Seidel und ihrem Freund Manfred Herrfurth und dabei beinhaltet der Roman so viel mehr. Die beiden lernen sich 1959 in Ritas Dorf kennen, wo sie arbeitet und gelangweilt ist. Auch Manfred, Besuch aus der Stadt, ist gelangweilt und abgestumpft. Ihre gemeinsame Sehnsucht nach Wärme, Geborgenheit und Liebe verbindet sie.


    Nach dreimonatiger Fernbeziehung beschließt Rita, ihren Job zu kündigen und sich dem Lehrerseminar in der Stadt anzuschließen. Sie zieht zu Manfred in das Haus seiner Eltern ein (entgegen der Wünsche seiner Mutter) und beginnt ein für sie neues und aufregendes Leben.


    Bevor sie allerdings mit ihrer eigentlichen Ausbildung beginnen darf, muss sie mehrere Monate in der Mildner-Waggonba-GmbH verbringen, weil "jeder Lehrer heutzutage einen Großbetrieb kennen muss" (1959). Dort fällt sie natürlich sehr auf. Sie wird aber bald akzeptiert und agiert als stummer Beobachter der Situation vor Ort: Mangelwirtschaft, stagnierende Produktion, dann wieder Produktion im Überfluss und über allem der sich "formende Sozialismus".


    Unter diesen Gegebenheiten lebt sie sich in der Stadt (Halle?) ein und wird erwachsen. Manfred ist und bleibt lange Zeit ihr Lebensmittelpunkt. Auch wenn sie Freundschaften schließt und unabhängig von ihm wird. Doch Manfred ist dem Druck, der Heuchelei und der Propaganda der neuen Gesellschaft nicht gewachsen und wird zunehmend verzweifelter. Er sieht nach langem Abwägen seine einzige Chance zu überleben, darin in den Westen zu gehen. Und so kommt er eines Tages im Jahr 1961 von einem Chemikerkongress in Berlin nicht wieder...


    Meine Meinung:


    Ich habe dieses Jahr schon einige sehr gute Bücher gelesen, aber dieses hier lässt mich gar nicht mehr los! Der Leser weiß von Anfang an, dass die Beziehung zwischen Manfred und Rita gescheitert ist, denn die Geschichte wird in Rückblicken erzählt. Man muss schon sehr genau lesen, um sich in den wechselnden Zeit- und Erzählformen nicht zu verlieren, aber wer durchhält wird mit einem außerordentlich vielseitigem Roman belohnt.


    Wie gesagt, erzählt Christa Wolf vordergründig eine Liebesgeschichte, die sehr anrührend und lebensnah beschrieben ist. Sie findet tolle Beschreibungen für das Verhältnis von Manfred und Rita, deren Zusammenleben nicht immer einfach ist.


    Daneben spielt der Arbeitsalltag von - vor allem Rita - eine bedeutende Rolle. Aber auch andere Personen "berichten" ihre Erfahrungen. Besonders hervorheben muss man hier wohl die Figuren Rolf Meternagel, Ernst Wendland und Erwin Schwarzenbach. Ritas Einstellung zu ihrer Arbeit möchte ich gerne zitieren, sagt er doch auch viel über ihre Erwartungen und Gedanken aus:


    Zitat

    Beim Schreiben merkte sie beschämt, dass sich ihr ganzes Leben auf einer halben Seite unterbringen ließ. Jedes Jahr, dachte sie, müsste man seinem Lebenslauf wenigstens einen Satz zufügen können, der das Aufschreiben wert ist.
    S. 21


    Interessant ist für mich auch gewesen, dass hier aufgrund der Zeit, in der es spielt, drei Generationen aufeinandertreffen, die kaum Verbindungen zueinander haben, z. B.


    Ulrich Herrfurth (Jahrgang 1910), Manfreds Vater
    Manfred Herrfurth (Jg. 1930)
    Rita Seidel (Jg. 1940)


    Die auftretenden Generationenkonflikte sind natürlich geschichtsbedingt, aber in einer Weise eindringlich, die mir mal wieder vor Augen führte, wie stark geschädigt damals alle vom Krieg und seinen Folgen waren.


    Man muss bedenken, dass der Roman zu einer Zeit geschrieben wurde, als die Schriftsteller der DDR durch die Bitterfelder Doktrin aufgefordert waren, in den Betrieben des Landes die Arbeiter klennenzulernen und ihre Erfahrungen in ihren Schriften zu verarbeiten. Ziel war natürlich, den Arbeiter zu erreichen und ihm Literatur nahezubringen (bzw. ihn zum künstlerischen Schaffen zu animieren). Dies scheint in "Der geteilte Himmel" immer wieder durch. Zudem geht es aber auch darum, seine Zweifel an der neuen Ordnung "einordnen zu lernen". Christa Wolf macht ganz klar, dass von Anfang an nicht alle der SED hörig waren und zieht Grenzen zwischen den Funktionären, Kommunisten und den Politikverdrossenen. Ehrlich gesagt, war ich erstaunt, wieviel Kritik in dem Roman steckt. Naiverweise dachte ich, dass sei verboten gewesen und Grund für Zensur und Publikationsverbot. Aber in den 50er und frühen 60ern war man wohl noch etwas freier in seiner Meinungsäußerung als später.


    Es gäbe noch soooooo viel anzumerken, aber wo anfangen, wo aufhören?! Deshalb nur noch mein Fazit:


    Mehr von der Autorin! :anbet

    Die anregende Fortzsetzung zu "Patrick Dennis - Tante Mame".


    Inhalt:


    Aufhänger der Erzählungen (ebenso wie Band 1 aus der Sicht Patricks) ist die Weltreise Mames mit Patricks und Pegeens Sohn Michael, die 3 Jahre länger dauert als abgesprochen... :wow Während sich die besorgten Eltern zuhause einer Ehekrise und einem Nervenzusammenbruch nähern, reist ihr Sohn (anfangs 8 Jahre) mit seiner Großtante Mame in der Welt herum - ohne ein Lebenszeichen von sich zu geben.
    Um seine Frau zu beruhigen, erzählt Patrick ihr von seiner Weltreise mit Mame im Jahre 1937 - allerdings in stark gekürzter Form.


    Wer die Schrullen von Mame kennt, kann sich bereits jetzt denken, dass es ein denkwürdiger und unvergesslicher Trip war! :-]


    Die Reise startet in Paris, wo Mame in den Folies-Bergère auftritt. Auch Patrick erhält eine kleine Rolle dabei. Weiter geht es nach London, wo Mame bei Hofe vorgestellt werden möchte und auf eine Hochstaplerin hereinfällt. Um sich von dem Schock zu erholen, reist man weiter nach Biarritz, wo die unglücklich verliebte Vera Charles "gerettet" werden muss - mit unabsehbaren Folgen. In Venedig trifft sie auf einen "amüsanten" Verwandten ihres verstorbenen Ehemanns. Die Reise zieht sich weiter über Österreich, Russland und den Fernen Osten. Kurz vor der Heimkehr erlebt auch Patrick seine erste große Liebe - wie sollte es auch anders sein...


    ...um es mit Tante Mame zu sagen:


    Zitat

    Kein Wort mehr. Ich habe dich zu einem Charmeur erzogen, aber auch zu einem Gentleman. Und über seine Liebesabenteuer spricht man nicht...


    Meine Meinung:


    Dieser Fortsetzungsband kommt leider nicht an seinen Vorgänger heran, ist für "Tante Mame"-Fans aber trotzdem lesenswert. Sie ist und bleibt die gleiche warmherzige, egoistische, manipulative, freundliche und naive Mame wie vorher. Obwohl Patrick inzwischen bereits 18 Jahre alt ist, hat sich in seiner Beziehung zu seiner Tante wenig geändert - er ist weiterhin ihr "Darling", aber nicht ihr gleichberechtigter Reisebegleiter.


    Die 415 Seiten ließen sich schnell lesen, aber auch mal weglegen. Da die einzelnen Kapitel abgeschlossen sind, bieten sich automatisch bestimmte Pausen an. Die meisten Kapitel haben etwa 40 Seiten - für mich sehr angenehme Leseabschnitte.


    Abschließend noch der Hinweis, dass es sich anbietet, dieses Buch erst nach "Tante Mame" zu lesen, um alle Ereignisse besonders schätzen zu können.

    Ich habe gesehen, dass einige Eulen das Buch schon gelesen haben, aber eine Rezi fehlt noch. Das hole ich hiermit nach! Tante Mame hat es wirklich verdient!


    Inhalt:


    Klappentexte:
    Gerade zehn Jahre als ist der kleine Patrick, als er in die Obhut seiner New Yorker Tante Mame kommt. Mame führt das schillernde Leben der Bohème - extravagant, wild und gar nicht kindgerecht. Doch Patrick schließt seine Tante sofort in sein Herz und sie ihn in ihres. Durch das unberechenbare Wirken der quirligen Mame gerät Patrick an immer wieder in die haarsträubendsten Situationen, und doch kann er sich keinen liebenswerteren Menschen vorstellen. Aber auch keinen verrückteren ...


    ...als erstes bringt sie Patricks Wortschatz auf Vordermann, denn wie will man in der glamourösen New Yorker Boheme der zwanziger und dreißiger Jahre bestehen, wenn man Daiquiri, nymphoman, Biarritz oder Ödipuskomplex nicht buchstabieren kann, geschweige denn verstehen.
    Außerdem meldet sie Patrick in einer Schule an, deren Methoden als der letzte Schrei der Pädagogik gelten und in der Kinder wie Lehrer gleichermaßen nacktt herumlaufen, um späteren Komplexen vorzubeugen.



    Meine Meinung:


    Mit diesem Buch verflog das Wochenende einfach so. Die Geschichte, die aus elf Kapiteln besteht, kommt leichtfüßig daher und zieht seinen Leser in seinen Bann.


    Mame Dennis ist ganz Kind ihrer Zeit:
    eine Diva, die ganz in den sich ihr bietenden Erfahrungen aufgeht. Eine Frau, die bereitwillig ständig wechselnde Rollen annimmt. Kaum widmet sie sich einer Idee, kann nichts sie davon abbringen, diese so umzusetzen, wie sie es für richtig hält. Patrick als ihr nahester Verwandter, wird - naturgemäß - mit in die Planung einbezogen, auch wenn er meist erst dann informiert wird, wenn es sein muss (sein Einverständnis dreist vorausgesetzt). So entstehen immer wieder köstliche Situationen, die entwirrt werden müssen!


    Sei es, dass Tante Mame sich als Schauspielerin versucht, Südstaatenschönheit wird, ihre Memoiren schreibt oder Patricks Verlobungszeit aufmischt, immer gibt es etwas zu lachen!
    Besonders spaßig sind die Kapitel, in denen Mame psychologisch vorgeht, um ihrer Umwelt zu helfen!


    Dieses Buch, erstmals 1955 erschienen, diente als Vorlage für mehrere Filme, ein Theaterstück und ein Musical. Insbesondere das Musical hätte ich zu gern gesehen!


    Wer sich also kurzweilig unterhalten lassen möchte, dem sei das Buch ans Herz gelegt. Patrick Dennis (alias Edward Everett Tanner III) läßt durch seine Detailtreue den Flair der 20er- und 30er-Jahre und das jeweilige Lebensgefühl auferstehen. Die von ihm präsentierte Person Mame ist egostisch, manipulativ, exzentrisch, lebensfroh, oft naiv, in praktischen Dingen unbeholfen, aber immer liebenswert! Patrick als ihr Schützling erscheint oft als der vernünftigere der beiden, hat aber auch seine Ecken und Kanten.
    Das Zusammenspiel der beiden ist jedenfalls eine wahre Freude.

    Inhalt:


    Handlungsort: eine kleine, trostlose Stadt in den Südstaaten der USA, in der die Winter kurz und steng, die Sommer aber grell und heiß sind.
    Im Zentrum der Hauptstraße steht ein sehr altes, verwahrlostes Haus, das früher ein Café war. Von Zeit zu Zeit sieht man eine Person hinter dem einzigen nicht vernagelten Fenster im 1. Stock auftauchen, die von


    Zitat

    "schrecklicher Unbestimmtheit, bleich und geschlechtslos, mit grauen, schielenden Augen, die so stechend sind, als tauschten sie untereinander einen langen Blick verschwiegenen Grams aus." (S. 6)


    Dieser Beschreibung folgt ein Rückblick zu der Zeit, als es in dem Haus ein Café gab, das die Besitzerin Amelia Evans und ihr Vetter Lymon Willis führten. Ein zusätzlicher Rückblick führt noch weiter zurück zu Amelias Eheleben mit Marvin Macy. Diese Ehe dauerte nur 10 Tage und der enttäuschte Bräutigam verlässt die Stadt daraufhin. Dabei vergisst er nicht, Amelia Rache für ihr herzloses Verhalten zu schwören (so ist ihr z. B. selbst in der Hochzeitsnacht die Arbeit wichtiger als ihr Ehemann).
    Der Satz


    Zitat

    "Vergesst also Marvin Macy nicht, da er in unserer Geschichte eine schreckliche Rolle spielen wird." (S. 81)


    ist der Auftakt zu einem Schwenk in der Geschichte.


    6 Jahre später kommt Marvin wieder und mit ihm schleicht sich fast unmerklich eine Veränderung in das Stadtleben. Ein unerwarteter Hitzeschwall verdirbt das Schlachtfleisch, die bedrohliche Aura von Marvin verdirbt die Stimmung im Café und dann schneit es erstaunlicherweise auch noch!


    Lyman, der nichts von Marvins und Amelias Vergangenheit weiß, ist von Marvin angezogen und lässt sich von dessen Verachtung nicht abbringen, ihm hinterher zu dackeln. Seit dem ersten Blickkontakt der beiden wird Marvin sein Held. Er lässt ihn in das Café einziehen, ergreift für ihn Partei und vergisst im großen und ganzen alles, was Amelia für ihn getan hat.


    Der Höhepunkt der Geschichte ist ein Boxkampf zwischen Marvin und Amelia, dessen Ausgang für alle Folgen haben wird.


    Meine Meinung:


    Mir hat das Buch gut gefallen. Es ist zwar nur knapp 140 Seiten stark, steckt aber voller lebensnaher Einfälle! Die Novelle ist stilistisch sehr ausgefeilt und verbirgt viel hinter der eigentlichen Erzählung, z. B.: Einsamkeit, Liebe, enttäuschte Liebe und Wut darüber. Rachepläne, Geltungsstreben und der Wunsch nach Nähe. Der Grundton ist melancholisch und spricht damit auch die Wünsche und Befürchtungen des Lesers an. Ich habe es erst aus der Hand legen können, als ich es durchhatte.


    Von Carson McCullers werde ich zukünftig noch einiges lesen!

    Ohne Buch aus dem Haus?! :yikes Unvorstellbar!!! :pille


    Ich habe immer eines in der Tasche - und wenn ich mit dem Fahrrad statt mit der S-Bahn unterwegs bin, dann höre ich zumeist wenigstens ein Hörbuch. Das geht ganz gut - ich wähle Hörbücher von Titeln, die ich zwar kennen möchte, an denen mein Herz aber nicht hängt (es also nicht schlimm ist, wenn ich mal kurz vom Straßenverkehr abgelenkt werde). Ein Stöpsel im Ohr, der andere baumelt unbenutzt über die Schulter und los geht's.


    Funktioniert hervorragend!

    Ich habe den Roman am Sonntag ausgelesen.


    Mich hat die Lektüre sehr angerührt. Dadurch, dass Kathy den Leser mit ihrem Lebensbericht direkt anredet, entsteht ein besonderes Vertrauensverhältnis und man hat das Gefühl, ihr nahe zu sein. Zudem entsteht eine geheimnisvolle und vertraute Atmosphäre zwischen Leser und Erzählerin, weil sie annimmt, man sei Betreuerin wie sie.


    Vieles wird nur angedeutet, und der Leser hinterfragt die Strukturen der vorgestellten Gesellschaft.
    Die Vermischung von moralischen Überlegungen zu den Themen Wissenschaft und Ethik, und dann das Aufzeigen der Auswirkungen von Entscheidungen auf Individuen ist für mich sehr gut gelungen! Insbesondere die Auflösung bestimmter Geheimnisse, die nach und nach erfolgt, erhöht das Grauen.


    Wie Jersey schon sagte,

    Zitat

    Kathy, Tommy und Ruth sind wie Menschen von nebenan

    und man baut eine enge Verbindung zu ihnen auf. Ruth war sicher nicht mein Liebling, aber sie hat Dynamik in die Beziehung zwischen ihr, Kathy und Tommy gebracht.


    Ihr habt ihr ja schon sehr ausführlich diskutiert, was soll ich noch groß ergänzen?! Deshalb nur noch mein Fazit:


    Wer auch immer das Buch als "langweilig" oder "nichtssagend" bezeichnet, hat meiner Meinung nach den Sinn des Buches nicht erfasst!


    Ein tolles Buch! Sehr empfehlenswert! :anbet

    Ich hole den Thread mal wieder nach oben - diese Romanbiographie ist wirklich beachtlich!


    Man merkt, dass sich Asta Scheib enthusiastisch in die Recherche gestürzt hat. Dies entspricht auch ihrer Überzeugung:


    Zitat

    "Man kann Menschen nur aus der Zeit begreifen, in der sie gelebt haben."


    Neben die Lebensgeschichte der Ottilie von Faber-Castell stellt Asta Scheib die der Arbeiterin Anna Vasbender. Anna ist auch die Person mit der der Roman beginnt. Sie ist die Tochter eines verstorbenen Spielzeugmachers. Dieser hinterlässt seiner Familie Schulden und so beginnt der soziale Abstieg in das Nürnberger Burgviertel.
    Sie hat das Glück, mit sechzehn Jahren als Küchenmädchen der Familie Faber eingetellt zu werden.


    Im Haus der Faberer herrscht der strenge Patriarch Lothar von Faber. Ein Industrieller, der sich aus eigener Kraft hocharbeitete und dafür geadelt wurde. Sein Problem ist der frühe (Frei)Tod seines Sohnes und so verfällt er auf die Idee, seine Nichte Ottilie als Alleinerbin einzusetzen. Die damals sechzehnjährige Ottilie ist für eine solche Aufgabe nicht ausgebildet und die Direktoren des Unternehmens zeigen ihr offen ihre Ablehnung. So kommt es ihr zugute, dass sie Alexander von Castell-Rüdenheim heiratet. Dieser drängt sie nach und nach aus dem Unternehmen. Für ihn bedeutet diese Verbindung finanzielle Absicherung auf Kosten seiner Position im Hochadel. Die Ehe der beiden ist alles andere als glücklich und endet 1918 in einer Scheidung. Eine unerhörte Tat zur damaligen Zeit!


    Mir haben die ausführlichen Beschreibungen vieler historischer Ereignisse sehr gut gefallen. Darüber hinaus werden Ottilies Garderoben und ihre Häuser minutiös beschrieben. Es gelingt der Autorin auch, zahlreiche Phänomene der Zeit einzuarbeiten. So gibt es mehrere Seiten über ein Aufklärungsbuch der Zeit während Ottilies erster Schwangerschaft. Die Gewerkschaftsbestrebungen werden durch Annas Ehemann Johann Bürger veranschaulicht und vieles mehr.
    Und genau diese Akribie wirkt manchmal störend, denn einige Bestandteile wirken so, als ob sie nur darin sind, um das Wissen der Autorin zu präsentieren. Es stört den Erzählfluss, ist aber zu entschuldigen, weil die Fakten interessant sind.


    Der Roman hat insgesamt 488 Seiten. Die letzten 40 Seiten sind zum einen Briefen aus Ottilies "Exilzeit" nach der Scheidung gewidmet. Zum anderen gibt es einen kurzen Abriss über die Firmengeschichte inklusive Bildrn.


    Schade finde ich, dass nirgends steht, ob die Briefe fiktiv oder original sind.
    Fazit:
    Insgesamt finde ich das Buch aber empfehlenswert! Vor allem für alle, die sich für die Lebensweise im 19. Jahrhundert interessieren!

    "Chaos und Drama. Wilde Bewegtheit, bewegte Wildheit. Verzagen und versagen. Die Kurve kriegen, das Ding an die Wand fahren, die Karre wieder aus dem Dreck ziehen. Hochenergetische Zustände, bleierene Lähmungen..."
    Quelle: "Willkommen in Teufels Küche" -S. 32f


    Bei dieser Beschreibung bleiben sicher nur die Leser kalt, die ein klar strukturiertes Leben führen, in dem es keine Nachlässigkeiten gibt. Doch mal im Ernst: wer ist schon immer gegen den Einfluss des Chaos in seinem Leben gefeit?!


    Man empfindet Vorfreude bezüglich eines neuen Projekts, und dennoch fehlt einem der Elan einfach zu beginnen. Die dräuende Steuererklärung schwebt jedes Jahr aufs Neue unheilvoll über dem Privatleben. Aber auch ganz kleine Ereignisse des Lebens lassen sich chaotisieren: der Großputz, das Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten sowie der lange verschobene Anruf bei einem Bekannten.


    Jeder, dem eine dieser Situationen bereits bekannt ist, weiß, dass es ganz leicht ist, sie schnell und gewissenhaft zu erledigen. Nur der Anfang will gefunden sein! Chaotisierende Personen wissen aber auch, dass sie nicht einfach zur Tat schreiten können, eher schalten sich noch Angst, Trotz oder Rebellion dazwischen und reagieren erst unter extremsten Druck, wenn kaum noch eine Lösung möglich scheint. Meist geht alles gut aus, aber manchmal eben auch nicht.


    Im Überschwung der anschließenden Glücksgefühle, bzw. der Enttäuschung, schliesst man mit sich selbst die Vereinbarung, dass es so weit nie wieder kommen soll! Von jetzt an lebe man ordentlich und strukturiert! Diesen Stress brauche man nie wieder...
    ... bis man beim nächsten Mal feststellt: nichts hat sich verändert!



    Im ersten Teil ihres Buches "Willkommen in Teufels Küche: Glanz und Elend der Chaotiker" präsentiert die Sängerin Ulla Meinecke anekdotenreich die Erfahrungen ihrer Gesprächspartner mit dem Chaos in ihrem Leben. Sie berichtet, welche Situationen dieselben erlebt und was sie dabei empfunden haben und wie sich das Chaos auf ihr Leben auswirkt.


    Ein raustrennbarer Ratgeber in der Mitte des Buches fasst kurz und prägnant zusammen, wie man aus einem Problem eine Katastrophe machen kann.


    Der zweite Teil beschäftigt sich mit psychologischen und gesellschaftlichen Grundlagen dieses Phänomens. Auch wenn klar wird, dass Ulla Meinecke ein wenig Chaos im Leben für abwechslungsreich und notwendig erachtet, möchte sie doch auch Hilfestellung geben, bekannte - und nervenzehrende - Verhaltensmuster aufzubrechen. Sie warnt jedoch auch vor zuviel Ordnung im Leben: ein ganzes Kapitel ist den Auswüchsen des schwäbischen Reinlichkeitswahns gewidmet.


    Gerade im ersten Teil habe ich mich häufig "ertappt" gefühlt und war dadurch natürlich daran interessiert, welche Mechanismen dazu führen, dass ich bestimmte Dinge nicht gleich erledige und anscheinend die Angst und den Druck vor dem Versagen brauche, um sie zu schaffen. Der zweite Teil gab mir darauf einige Antworten.


    Das Buch liest sich locker-flockig in umgangssprachlichem Ton und bietet sicher einen Einstieg in die Thematik, kann aber nicht alle Fragen beantworten.

    Obwohl das Buch zwischenzeitlich witzige Stellen hat, sind große Teile der Geschichte jedoch sehr traurig! Beim Lesen leidet man direkt mit! Zum Glück hat jede der drei Schwestern ihre eigene Strategie, um mit den Schicksalschlägen in ihrem Leben umzugehen.
    Dass die sich manchmal von einander unterscheiden, liegt auf der Hand und führt zu unbeabsichtigten lustigen Episoden, aber auch zu ungewollten neuen Verletzungen...


    Ein liebesnwerter Roman über Schwesternschaft, Rivalität in der Familie, Liebe und anderen Lebensbereichen. Außerdem über Träume und Lebenspläne, die dem Alltag allzu oft zum Opfer werden.


    Und ich mag das Cover auch... :-)

    Ehrlich gesagt, fällt es mir schwer, dieses Buch zu bewerten. Ich hatte irrtümlich eine heitere Geschichte erwartet, zumal das erste Kapitel sehr pointenreich erzählt ist. Allerdings löst sich dieser Eindruck bald auf.


    Was hier geboten wird, ist eine ungewöhnliche Familiensaga über drei Generationen. Großmama Elisabeth kommentiert ihr Leben, das ihrer Tochter und Großtochter. Was mich anfangs erschrak, war, wie häufig, Elisabeth auf die Juden schimpft - dabei ist sie mit einem konvertierten Juden aus Schlesien verheiratet. Die Wurzel ihres Übels... wie sie weder ihn noch den Leser vergessen lässt.


    Das Ende, in dem die Erzählperspektive geklärt wird, überzeugt! Ein glorreicher Einfall!


    Es war interessant zu lesen, war aber nicht die positive Überraschung, die ich mir erhofft hatte. Empfehlenswert für Leser von Lily Brett, evtl. auch Woody Allen.

    Mein 1. Murakami! Und was für ein Einstieg! Ich war nach der Lektüre erstmal platt von der Geschichte, die sowas von wirr und skurril war, das ich wohl das Ende nicht wirklich verstanden habe... :engel


    Der namenlose Ich-Erzähler wird gegen seinen Willen in die Suche nach einem ganz besonderen Schaf hineingezogen. Er wird entführt, erpresst und überrumpelt. Und dennoch versucht er so zu handeln, wie es ihm richtig erscheint.


    Wovon der Roman handelt, wird erst nach ca. einem Drittel klar. Den Anfang (der Bericht über seine Ex-Freundin) fand ich etwas überflüssig, zumal er für den Roman absolut unwichtig ist. Nach dem ersten Drittel steigerern sich das Tempo und die Faszination, bevor letztere zwischendurch abfällt, weil man zu wissen meint, was noch kommen muss. Einige Seiten lang habe ich den Roman nur noch überflogen, bevor ich über einen Satz stolperte, der mir wieder klar machte, warum das Buch so geschrieben ist, wie es geschrieben ist.
    Bereits am Anfang sagt der Ich-Erzähler: "Mir fällt immer viel auf, wenn es zu spät ist." (S. 19) - auf S. 229 wiederholt er sich: "Die wichtigsten Sachen fallen mir immer erst hinterher ein. Es hätte mir gleich auffallen müssen, ..."
    Wir erleben die Geschichte also wirklich aus der Sicht des Erzählers mit. Danach hat mich sein schleichendes Vorangehen nicht mehr so gestört.


    Ich hatte mitunter das Gefühl, dass Murakami genau weiß, was er sagen will, aber einige Nebenhandlungen einfach vergaß einzubinden, anzuknüpfen oder auszublenden.


    Bin schon gespannt auf die Fortsetzung "Tanz mit dem Schafsmann", die schon im Regal darauf wartet, gelesen zu werden.